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Jüdische Rundschau · 1924-03-21 · Heft 23 (21.3.1924) · page 4

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXIX (1924)
Issue
Heft 23 (21.3.1924)
Date
1924-03-21
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seile 161 JUEDISCIIE RUNDSCHAU Nr 23 Ziegel und K n Ik 7 i e g e I, Erzeugnisse der paläsfinensisclicn Silikat-Gesellschaft. Ans tlirser unKlcriicii Welt der Maschinen wird der Be• Sucher in |e״es I* *.!',.stina versel.'l, «I.ih die Touristen liehen; durdt riiie Ausstellung von Biidcni und Zeichnungen in der Abteilung tiir seiiüiic Künste, wo Künstler wie Abel Pann und licnneiiii Struck das nuilcrisclic 1 and zeigen, wie es das Auge des schaltenden Künstlers stellt. Die Historischen und religiösen Iuinm111 ׳t1j>;cn Palästinas zeigen eine Anzahl von Modellen, die die SiiUshäUe mul Snlomons Tempel in seinen vu abiedenai ii,:en Gestalten, vom Tempel des Merodes Ins zum großen 1 elsendom, darstcllen. Die palästinensische Regierung wird eine besondere Abteilun״ haben, die zeigen soll, welche Fortschritte wahrend »U r letzten vier Jahre die Entwicklung der Eisenbahnen, S t r a li e 11 und V 1: r k e 11 r s v e r 11 ä 11 u 1 s •s e gemacht hat, ferner die Arbeit, die auf dem tmbiete der E r z. i e 1111 np, <k v öffentlichen Gesundheitspflege und der Land- Wirtschaft bereits geleistet worden ist. I),cse Aus• Stellung wird für jene, die etwa Palästina vor mehr als sechs Jahren besucht haben, fast wie eine Offenbarung wirken. Von dem größten Interesse für jüdische Besucher wird wohl aher |encr Teil der Ausstellung «ei», der die Tätigkeit *ler Zionistischen Organisation und die jüdsdie Lamlaihei! zeigt, die jetzt im Lande geleistet wird. — Viele der indischen Besucher, die die von der ,,Soeicte Coopcrnlive Vigneronm•“ gezeigte Aussiebung von Weinen aus den jüdischen Kolonie» und die von der Orangcnpflanzer-Vcrciitiguiig in Jaffa gesandten Jaffa- Orangen sehen werden sowie die anderen Produkte, die erst i» den letzten Jahren entwickelt wurden, werden einen lebendigeren Eindruck von »ler indischen Pionierarbeit in Palästina erhalten, als dies auf initlere Weise möglich wäre. Es ist zu erwarten, daß schon »ler I1 a I ä s 1111 a - P a v i 11 o n eine grolle Anzahl jii- »!!scher Besucher aus allen Ländern veranlassen wird, die britische Itcichsausstclluiirg zu besuchen. Steigende Nationaltonds-Eingaage. Während die Keren Kajcincih-E'ngänge im Jahre 5683 noch iinuier recht unbefriedigend waren, ist seit Beginn des Jahres 5684 eine Wendung zum Besseren zu bemerken. Die. Gesamteinnahmen m »Ich Monaten Oktober bis Januar betrogen £ 3 •100 2־ gegen £ 10 315 im November bis Januar des Vorjahres. (Im Oktober vorigen Jahres wurden infolge 'der Ucbersiedhmg des Hauptbüros keine Spenden ausgewiesen.) Dem Hauptbüro des K. K. L. kamen im Januar 1021 £E Ul.Oll und im Februar 1024 ,CE 14.095 an Spenden zu. Dies bedeutet einen nicht unbeträditlichen Fortschritt gegenüber »len Spcmleneinmihmen in den entsprechenden Monaten des Vorjahres: im Januar 1 0 23 CE 7.753 und im Februar l'l: 10.033. Die S|1endcnsumme in den ersten fünf Monaten des Jahres 5684 — Oktober 1923 bis Februar 1921 -- beträgt CE 47.412 (gegenüber CE 25.970 in der gleichen Zeit des Vorjahres) und verteilt sich, in ägyptische« Pfund, auf folgende Länder: Vereinigte Staaten Südafrika Cimada England Australien Tschechoslowakei׳ China (Schanghai) "׳ Rumänien 1 iinncii-Kowno Argentinien Neuseeland Mosojvotamicii Pole« Bulgarien Italien 1 lolland Griechenland Belgien Jugoslawien 'Beßnrabien direkt an Hauptbüro Oslfrankreich Bukow ina Lettland Oesterreich Ostgalizicn Clwi hin Brasilien Tunis Aegypten Chile Philippinen restliche Länder Keren Hajcssod 5683 5üS4 9,472 11.003 1.774 3.423 1.611 3.074 2.094 2.420 - 2.277 1.807 . , 1.980. 75 ־ I.OZf 1.513 50S ' 1.500 860 1.261 1.018 1.261 116 1.030 1.610 075 310 901 743 598 551 533 135 154 112 75 73 310 115 51 19 181 97 832 075 Summe: CE 47.442 25,970 Am 27, Februar statteten Sir Herbert und Lady Samuel dem Hauptbüro des Keren Kajemcth in Jerusalem einen Besuch ab. ln hrwiderung auf »lic Begrüßungsansprache Ussischhins führte Samuel u. a. aus: Als ich zum erstenmal in das Land kam, glaubte ich, cs werde fünf Jahre dauern, bis dis neue Palästina in Erscheinung tritt. Nim sind erst vier Jahre vorbei, und schon ist ein großer Fortschritt erreicht, gewiß nicht so groß, wie wir alle uns ihn wünschen, doch immerhin sind wir ein gutes Stück vorwärts gekommen. Ich bin überzeugt, daß, wer nach 25 Jahren die Inge Palästinas betrachtet, einen ganz hedeutenden Aufstieg fcststeilen wird. — Der Vorsitzende des Direktoriums des Keren Kajemcth, Usslschkin, wird in den Monaten Mai bis August eine Propagandarcise unternehmen, wobei er folgende Länder besuchen dürfte: Griechenlaml, Bulgarien, Altiumäiiieu, Beßarabicn, Bukowina, Oesterreich, Tschechoslowakei, Deutschland, Litauen und Lettland, Daran soll sich im Herbst in Begleitung von Herrn Julius Berger ein länger dauernder Besuch in den polnischen Ländern anschlicfkn. Pie WahJcn in Karpaihorußland Nach dem amtlichen Bericht des tschechoslowakischen Prcßbäros Imt am 16. März bei den Wahlen in Karpathoruflland die Jüdische-Volkspartei, deren Listenführer für das Abgeordnetenhaus der Präsident des Prager Jüdischen Malöltalrates Dr. Ludwig Singer war, 18 032 Stimmen erlnltcn, für den Senat (Listenfiihrer Ohernhbtecr Dr. Heinrich Drody, Prag) 15010 SU im.n1, (lu Tschechoslowakei wählen zum 5.mal die jüngeren Jahrgänge der Wahlberechtigten nicht, daher erklärt sich die Verringerung di r Stimmcnaiizalil). Ein Mandat ist von den Zionisten nichterlangt wenden. Fs fehlten zur Erreichung der Wahlzald“ etwa 2IKHl .Sliuuuen. Dies ist um 1.0 bedauerlicher, als in Kai pa tlioriiiiland ßd einer Anzahl von über 30000 wähl» liercihüi’.ier Juden und einer einheitlichen jüdischen Liste mit Sicherlich mindesten* je ein jüdischer Vertreter für die beiden I liiuser des Parlaments liiiitc gewählt werden kiSinten. Da bei den Wahlen, »Ire drei jalire Miller in den anderen I,lindern der T!,d!cel10>low.1kel statlfniidcn, »lic jüdische Liste 8!י(HIß Stimmen erhielt, die ungefähr vier Abgeordneten• Mandaten entsprechen, diese Stimmen jedoch verloren gingen,■ da die Wahlordnung die Erlangung eines Mandates im ersten Wahllw/iik zur Voraussetzung für die Zähhing der U1!t• stimmen in den übrigen Wahlbezirken macht, wäre »lic L.rlangimg eines Mamlatcs in Karpafhoniniand von besonderer Bedeutung gewesen. Die Bemühungen, eine jüdische 1; i 1111 e i t s f r o n t hcrziistdlen, sind jedoch gescheitert, da die orthodoxen Gruppen in K.irpatliorußland, die behaup• toten, daß 00 ״׳״ aller Wähler ihre Anhänger seien, ganz un• mögliche Forderungen stellten. Wie Dr. Singer in einem Alt-Herrcn-Bund ״E Väiiiiijf.s j!;ta ״Dif in der HOClfSKißlia lifi’ UiääCIlSCiK o n i a c־, rinn 24. .1. M/< Uhr nbil«. t Hrof l>r. Hnriiwltiij Kranklinti _״ or »ix Hotljjton 11 i U w .1 « h A. .ד . M/(Uh1 ־׳ Kr• ( 1־זי. llnrawitr., Frank• l'uft: ״Pflr mo׳h*rno Ifi am und M o n f n jr, *101* Hl I),, H'/( Uhr *hfl■.! llohoimrat Moritat ״Uflo- <I<t clion ÜBlblnByl'־ (mit Lii'hlbihWi)) uidimali“ im K. I. V. arafetlio Kiilluilrm“ 311 lies Jüd:r,i1;r.;3, f.rii;1;r:csir. 14 M U t wonh , d.2.4. h</4 Uhrabduf Virokon*u\ |)r. J Moli ko* ״U»n l'ntwirklumf n, HyriM*» ■<*it *Um Honntatr. d.d.i.Torm. lOVjUKr t I)r, llflrmann VV•!!» MlCin• Mh'iin« in di• •r.tbi»oh• Oe• •ohinht•*4 Mitt-ooh. d.0, *..8'/, Ubr*t>׳>•, Dr. Sol) »)l«r, l)rr»1»111 ״Wirt- «1'hn 11• Jii'ortfli» und Wirieob»^•* pra«i« de« iiiam•". Ilürcrkarlcn zum Premo von Mit. 0.-״ Ihr den ganzen Z,\Ulns Mint noi'h au der Kmeni eridUillcli / EinzelUnrten tiir je einen Sorirng von Mk. 2,— nn der Katwo. / Jugendknrien für Angeliuriga der J11!re11dorgn11i»11tlonen g״ern An«- wi'.i» von Mk. für den (tanzen Zyk \\י an der Kasse, Elnzclknrtcn für Angehörige d״r ,luiremlorganlaatIonen von 51k. 1,— an der Knsso. Artikel der Prager ״Selbstwebr“ nusinhrte, sahen sich die Zionisten veranlaßt, da eine Einigung auch unter den größten Kon/i'isiuiieii der Zionisten nicht zustande gekommen wäre, den ihnen aufgezwimgonen Kampf mis/.ufechtcn, damit bei den kommenden Wahlen, die voraussichtlich im nächsten Jahre in der ganzen Tschechoslowakei »tatttinden werden, die karpathortissisdie Orthodoxie nicht auch für die anderen Wahlbezirke, in der sie gar keinen Anhang hat, die Kandidaten diktiert. Das Wahlergebnis hat gezeigt, daß die Zionisten die weitaus meisten von den jüdischen Stimmen erlangten. Die Behauptung von den 90 «;0 orthodoxer Wähler in Karpathorußiand war demnach völlig aus der Luft gegriffen. Die jüdische demokratische Partei (so nannten sich die Orthodoxen) hat nach der Meldung des Tschccliosiowakisehen Prcllbiiros für den Senat 16 626 Stimmen erhallen, also mir etwa ebensoviel wie die Zion'slcii. Für das Ahgcordnetenbaus sind in der erwähnten Meldung Stimmen der jüdischdemokratischen Partei überhaupt nicht'■ angegeben, so daß auzimelimen ist, daß sic ihre Liste zurückgezogen hat. Die letzten Wochen vor der Wahl waren mit einer fieberhaften Agitation nusgefüllt. Außer Dr. Ludwig Singer uml Oberrahbiucr Dr. Brody bereisten mich Dr. Max llrod uml andere Prager Zionisten Karpathorußlaml. Der Gegennartei standen unvergleichlich größere Geldmittel zur Vcrliigung, doch hatte uic Jüdische Volkspnrtci vor allem die Jugend hinter sich. Bei dem Wahlkampfe, in dem die jiddische Sprache vorherrschte, ist ein großes Stück zionistischer Er-?iclu111״sarl1cit geleistet worden. Die tschechoslowakischen Nalion.'iljudeii, die auch nach der Volkszählung die Mehrheit der Juden in der Tschechoslowakei bilden, haben wiederum gezeigt, daß sie der ausschlaggebende jüdische Faktor Im Lande sind. Falls es bei der nächsten Wahl durch Her» stcliun״ einer jüdischen Einheitsfront oder durch Verbindung mit anderen Parteien gelingt, Vertreter Ins Prager Abgcord• nctcnliaiis zm entsenden, so wäre dies nicht nur für die Juden des Landes von großer Bedeutung, sondern in Anbetracht der jro'.itisehcn Bedeutung, die »lic tschechoslowakische Republik heute in Europa hat, und der Tatsache, daß das tschechische Volk sich in den letzten Jahren vom Anti• semitismus ziemlich ferngdialtcn hat, auch für das Welt• judeiitnrn. Aus der füdlschcn Well Oeutndifaml Radio-Aniiacinitisimis — platterdings, ln der ,.Deutsehe 11 Zeitung“ vom 8. März, erschien ein Aufsatz ״Edle Juden‘' von W. J. Stahl, dessen Schluß lautet! ״Man rede also nicht von Vorst,1 iud guiig! Wir wollen keinen Krieg mit den Juden, sondern Scheidung von ihnen. Der luüc soll in seinem eigenen Bereich mit seiner eigenen Wcl- I e 111 ä n g c arbeiten. Wir a b e r müssen 111 i t u n s e r c m R a d i 0 allein arbeiten, und zwar uvt unserer *pezi fische 11 Wellenlänge, auf die sieh der lu Icng! ist p I a tt c 1 «I i 11 g s nicht entstellen kann, unbeschadet des guten Willens weniger einzelner," Der I laiiptmann Müller von Hausen, der Verfasser der ״Weisen von Zion“, hatte bekanntlich behauptet, der F r i e 3 am Hause Emil R a 111 c 11 u 11 s stelle abgc- Rchnittene Königsköpfe dar. Müller von Hausen hatte die Behauptung bereits widerrufen, aber sie neuerlich wieder aufgestellt. 111 der Verhandlung vom 18. März wurde der Angeklagte milder Begründung frei gesprochen, daß ihm ״hei seiner völlig einseitigen politischen Einstellung nicht widerlegt werden könne, daß er tatsächlich und womöglich heute nocli an dem Fries eine Zusammenstellung von 60 abgeschnittenen Königsköpfen und damit eine Verhöhnung des monarchischen Gedankens crh'ickc.“ Demnach müsse der Angeklagte frcigespvochcn werden. Der ״Vorwärts“ meint mit Recht, daß nach dieser Bertmdung auch ein Kommunist aus ״Ucberzeugung“ behaupten önne, I iiuclenburg hatte silhernc Löffel gestohlen. Der Ausgang des Prozesses zeigt wiederum, daß die Juden in Deutschlami heute nach der Praxis der Behörden und Gerichte vogeifrei und jeder antisemitische!! Willkür jareisgegebeu sind. Am 15. März wurde vor dem Scliöffeivrc icht München gegen den National;ozin'hten Chihtlan Weber verhandelt, »ler sich seinerzeit an dem Ueherfnll gegen den Kommc1zlen־at Fraenkei beteiligt hatte. Die (Ihrigen Angeklagten waren schon früher abgeiiricilt worden, die Sache Webers wurde aber wegen Erkrnukim•( de* Ange’ilig'eu abgclreiuit. Weher II e u utr a 2 i e u u 1! vor Gericht! daß «rauf »einen Geisteszustand untersucht werde, da «r eine solche Abneigung gegen die Juden hege!־ dal! er, so o! t er einen Juden sehe, versucht sei, ihn nieder. Zuschlägen. Das Gericht verurteilte Weber zu 16 l agen (!) Gefängnis, in einer der letzten Sitzungen des aufgelösten Reichstage« sagte am 10. März der (uilierc Reichskanzler Scheide m an« zu seinem Vorredner 11 e I f f c r I c 11: ״Haben Sic nicht daran peducltt, daß an der Stelle, an der Sie standen, an der Stelle, an der ich jetzt stehe, einst der jüdische Marxist Ludwig Frank gestanden hat? Freilich, Ludwig Frank ist tot; gestorben auf dem Schlachtfeld Sie leben, um zu schimpfen. Die Hetze gegen Juden und Marxisten Ist modern geworden und Sic treiben mit ihr Ihre politischen Geschäfte und das dümmste Märchen Lst Ihnen gut genug, um unsere Vaterlandslosigkeit zu beweisen." Der dcutschnationalc Abgeordnete De g 1 c r k sagte in einer Antwort an Sdicidemann über tien Beamtenahbau: ״Man sollte lieber die jüdischen Beamten abbaucn, die sich gelbst als Zionisten bezeichnen “ In Halle fand eine Tagung der Führer des Reichsfront״ blindes ״S t a 111 h c 1 m" statt, an der auch General M a e r k e r tellnabm. Es wurde beschlossen, daß der ״Stahlhelm“ kein« Juden a u f n c h m c n «I a r f. _ Ein Freund Kniippel-Kunzcs sagte auf einer deutschsozialen Versammlung in Lowcabcrc (Schlesien) über den bekannten Antisemiten Rein hold wulle: ״Wulle gebürt lediglich der völkischen Bewegung an, um sie zu zcr. sprengen, Das ist aber auch kein wunder, denn Wulles Großmutter ist eine Jüdin und er selbst ist mit üdischem Geld bestochen.“ (ln Zuschriften an di« 'resse bestreitet jetzt Wulle die Richtigkeit dieser ״Beschuldigung".) Am 13. Marz erschien in Berlin die erste Nummer de» ütlischen Wochenblatt*", des neuen Organ* der rganisation ״Achdulh". po tu Abraham G old b erg begab sich von Berlin zu einem mehrwöchigen Aufenthalt nach Polen. Er will eine intensiv* Propaganda für den Keren Hajcssod betreiben. Von Polen begibt sich Herr Gokibcrg für die Pcssachtagc nach Paliistina. Seit kurzem erscheint ln Wilna eine neue jiddische Tageszeitung ״Die Zeit“. Die Zeitung bezeichnet sich als unparteiisch. Die jiddische Tageszeitung ״Unser Fraind“, die zionistisch war, hat zu erscheinen aufgehört. Vor kurzem fanden die ersten Sclilußpriifungcn im Wil« naer jüdischen Technikum statt. Es erhielten Abgangszeugnisse 16 Mechaniker und 12 Elektrotechniker. 13.1» Winlner jüdische Technikum wurde vor drei Jahren eröffnet, Runaland DicRusstscheTelegraphcn-Agcntur verbreitet folgende Mitteilung: Die in der ausländischen Presse hartnackig auffanchcndcn Gerüchte über angebliche Juden. Pogrome in der Ukraine sind vollkommen aus der Luit gegriffen. Es sein int. daß cs sich um eine Mnchinafion der rumänischen Regierung handelt, da ah• diese Nachrichten hanptsäcltlich aus der rumänischen Presse stammen. Der frühere Richter des Obersten Berufungsgerichtes in der Ukraine und Vorsitzende der J.T. t). in Rußland und in der Ukraine, Dr. Arnold Margolin, teilt der J. T. A. über die geplante Errichtung eines auto. 110men jüdischen Gebietes auf der Krim u. a. mit: ״Die Krim und die ukrainischen Häfen Odessa, Cherson und Nikolajcw Waren ats die Zutatutswege zum• Schwarze» Mcet© seit vielen Jahrhunderten der Zankapfel zwischen Rußland und Polen gewesen. Es gibt noch heute polnische Imperialisten, die von einem großen Polen vom Balti-dieu Meere bis zum Schwarzen Meere träumen. Andererseits war Groll- Rußland mit seiner Ucvnlkcrungszahl von 80 Mil innen andauernd bemüht, das Gebiet des Schwarzen Meeres fest in den Händen zu behalten. Zu diesem Ziele hat es die ukrainische nationale Bewegung der letzten Jahrhunderte unterdrückt und den 40 Millionen Ukrainern ihr Recht auf diese Gebiete abgesprochen. Dieser Streit geht natürlich weiter. Es ist darum schwer zu verstehen, d.ill sich die Sowtet. Regieiuiiß und der Schöpfer des Projekts des jüdischen autonomen Gebietes, Abraham Br«gin, nicht die Getähr• lichkeit eines solchen Planes vergegenwärtigen, dessen Versuch einer Durchführung den nationalen Protest einer überwältigenden Majorität der Bevölkerung wach rufen würde. (In der Ukraine leben 70»/» Ukrainer, auf der Krim 80 <V0 fartaren und Ukrainer.) Es ist möglich, dal) die den Zionismus bekämptenden Bolschewisten Sy mjiatli ic für den Gedanken eines jüdischen Staates und der K01«entrierun״ jüdischer Massen au einer Stelle liegen. Das Ucberlasscn »ler oben erwähnten Territorien für den erwähnten Plan ist jedoch eine närrische Utopie. Um allen Mißverständnissen vorzubeugen, möchte ich betonen, daß ich alle Bemühungen für die Errichtung neuer jüdischer landwirtschattächcr Kolonien in Osteuropa, sei cs in Groll-Rußland, in Sibirien, in der Ukraine und in der Krim nicht mir als wünschenswert, sondern auch als äußerst notwendig betrachte. Aber cs ist ein großer Unterschied zwischen der Errichtung eines jüdischen Staates, in der die jüdische Bevölkerung die Majorität darstellt und der Errichtung von jüdischen Kolonien, in denen die jüdische Bevölkerung ein natürliches Wachsuun durchmacht. Jedenfalls sind Länder wie Sibirien oder Nord• rußiand mit ihrer geringen und verstreut lebenden Bevölkerung geeigneter für Versuche, wie sic Herr Bragin vorschlügt, als uic in Aussicht genommenen Territorien. Die gesamte Arlxcit des Joint in Rulilan I, sowohl die allgemeine llilfsarbeit als auch die Wicücraufbnuarhcit, wird zum 1. April liquidiert. Der Direktor der allgemeinen Hillsnrhelt Dr. B, Bogen verläßt Rußland am 15. März, der Leiter der Wicderaufbatiarbeit Dr. Rosen am 1. April. Q«Bt»rr»(ch Wie der J. T. A,-Vertreter crlährt, hat Minister Dr. Rosen* bäum das Gesetzprojekt über die Legalisierung des ü»fischen Nationalrats beendet. ln den! neuen *vojekt ist der folgende Punkt bemerkenswert: Jeder, der der nationalen Gemeinschaft nicht angchören will, hat das Recht, dies dem jüdischen Natlonalrat anzuzeigen. Durch diese Anzeige wird er automatisch aller nationalen Pflichten enthoben. Dieser Punkt Ist deshalb eingesetzt worden, um den reaktionären christlichen Demokraten, die sich m diesem Falle zu Schützern der jüdischen Freiheit aufgeworfen haben, den Vorwand zu nehmen, das Projekt abzulehnen. E-ftaucw Wie de! 1. T. A.-Verlre'.er erfährt, wird Ende dieses Monat» im Wiener wretheum alles Tafel Silber und der Schmuck der Familie Theodor Hcrzls aus dessen Vermftgcnsnachlaii zur öffentlichen Versteigerung gelangen. Oie Versteigerung geschieht im Einverständnis mit dem Rechts* Vertreter der Kinder Hcrzls Dr. Krassny, zugunsten üer Erben. Allem für das Tufclsllhcr wird der erste Ausruf auf 10 Millionrn Kronen laufen. Auch der übrige Schmuck repr t e׳.mcr* 1 einen hohen Wert,

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