Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXIX (1924)
- Issue
- Heft 21 (14.3.1924)
- Date
- 1924-03-14
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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Als ich nach fast zwanzigjähriger Abwesenheit im eben verflossenen November 1923 Palästina wieder besuchte, dachte ich zunächst nicht daran, daß icit Verhältnisse vorfinde, die Blich ermutigen würden, schon jetzt an die Ausführung der Idee der intensiven Kolonisation heranzugehen. Ich hätte noch in zu frischer Erinnerung die OjipJsitian, die mir auf dem Karlsbader XII. Kongreß nicht allein von den offiziellen Vertretern der palästinensischen Agronomie, sondern auch merkwürdigerweise von der organisierten Arbeiterschaft cntgcgengebracht wurde, deren Hauptt'orderung — Awodah Azmit — vop keinem anderen System so gewährleistet werden konnte, wie von dem meiner intensiven Kleinsiedlung. Während Rujipin un.i Etiinger in ihren Entwürfen «ler Kolonisation für eine längere Reihe von altren Wirtschaftstypen für (irop.kobn s.e:1 mul lEiusicr, die ei den ersteren iu Lohn arbeiten, vorschcn, sagte ich: ich kenne keine Herren und keine Knechte auf dem Laude; ein jeder soll das Ausmaß an Boden erhalten, das er selbst mit seinen Angehörigen bearbeiten kann und das ihn ernähren soll. Ich fand aber jetzt geänderte Veihältnisse vor: die Zeit — es sind etwas über zwei Jahre seit dem Kongreß ins Land gegangen -- hat für den Intensivismus gearbeitet. Von verschiedenen Seiten wurde ich ein Interesse und ein Verständnis für die Ideen der intensiven Kultur gewahr, von Kolonisten in den alten Kolonien, von Städtern!md nicht zuletzt von der Arbeiteischaft wurde ich zuerst auf. gefordert: ״Gehen Sie von der Theorie zur Praxi; über, wählen Sie das Gebiet und den Boden aus, wo Sie mit einer ersten Kolonie beginnen würden.“ Was sind die Gründe für eine so schnelle und, ich mochte fast sagen, radikale Aendcrung in der Auffassung weiter palästinensischer Kreise? Ich verhehle mir nicht, daß in erst er Linie negative Ursachen maßgebend für die Stiminungsänderung sind. Man sieht und man fühlt eigentlich noch mehr, als man es jetzt schon sehen kann, daß die gegenwärtige Methode der Kolonisation, basiert auf der sogenannten gemischten Wirt- ,Schaft mit 100 Dnnam Land und einem Kostenaufwand von etwa £ 1500 per Hausstand (meistens nur zwei Personen), nicht zu dem erhofften Resultat wird führen können. Im günstigsten Falle wird der Kolonist durch schwere Arbeit seine Existenz^ fristen können, von der Verzinsung und Abzihlung der Schuld kann aber nicht die Rede sein. Der Kolonist hat vorläufig als einziges Produkt, das ihm Geld embringen könnte, den Weizen; die Gerste braucht er zur Ernährung des Pferdes, den Ertrag an Futter für die Erjiährung der Kühe und die Milch von 1--2 Kühen braucht er fiir die eigene Familie; ebenso wird nicht au den Verkauf von Gemüsen und Eiern gedacht. Der Kolonist soll alles oder so gut wie alles für seinen eigenen Bedarf erzeugen. Woher soll er nun Bargeld machen, tim seinem Bedarf an Kolonial, waren, Kleidung, Schuhen usw. zu decken und seinen Vcrpflichtungen für das aufgimomniene Gel l (etwa £ <>0 per aunum) nachzukomnicn? Welche Produkte kann er lohnend verkaufen? Bei der geringen Höhe der Erträge — das Ergebnis der Größe der Parzelle und der daraus resultierenden Extensivität — kann er aus keinem Zweig seiner gemischten Wirtschaft Geld ziehen. Der Anbau von Weizen ist in den letzten zwei Jahren, sogar von so erfahrenen Oefreidrbaucrn wie cs die deutschen Kolonisten von Sarona sind, so gut wie aufgegeben worden: Weizen batten sei jetzt ein Luxus, sagte einer von den Haifa- Deutschen. Um so mehr ist er dies für die neuen Kolonisten im Etnek, die alter auch jetzt noch fortsetz.cn, Weizen und Gerste in bedeutendem Umfange anzubatten. Warum? Dies sollen die Ui hoher dieses ״gemischten“ Systems beantworten. Die Empfindung aber, daß die neuen Kolonien nicht die Lösung darbicten, breitet sich zusehends aus. Die Urheber dieser ״Mosclnve Owdim“ haben ihren Plan aus einer vorfehlten Ideologie heraus aufgebaut, einer Ideologie, deren Grundlage darauf beruht, daß jeder Kolonist eine ״Autarkie“ in seiner kleinen Wirtschaft betreiben müsse; er müsse Getreide, Milch, Gemüse, Trauben, Eier, Honig für den eigenen Gebrauch erzeugen. Am liebsten sähen sie ihn auch Wolle erzeugen und spinnen, um atich die Kleidung selbst herzu, stellen. Alles dies nur, um auf den Export der Produkte nicht angewiesen zu sein.!Meinem System der intensiven Agrikultur wurde als größte Schwäche näcligesagt, daß es s eit auf den Export stutzt. Und die Erfahrung in Palästina halte doch bewiesen, daß der Export ein Unglück ist, man sehe doch die Welnkultur, die Mauriclkuitur usw. an. Nun kam ein Mann nach Palästina, der eine große Er. fahrung in verschiedenen Landern gesammelt hat' und der!gerade in den letzten Jahren an dem Problem gearbeitet hat, und zwar mit Erfolg; wie hilft man Menschen, eine Hann zu erwerben ־— Prof. Lhvond Mcad aus Kalifornien. Und dieser Mann sagte den Kolonisten und Arbeitern und auch den Agronomen, die es eigentlich wisset! müßten, cs brauche keiner den Export zu furchten. An dem Beispiel Australiens, das viermal so weit von Europa entfernt ist wie Palästina und seine Produkte durch die tropische Zone zu schicken habe, könne man lernen, daß ein Markt für gute, aber auch nur für wirklich gute Erzeugnisse geschaffen werden kann. Mcad mahnte direkt, bezüglich der Exportmöglichkeiten nicht pessimistisch und mutlos zu sein. Ich behaupte, daß die geänderte Stellungnahme der Ar. Iieitcrschaft gegenüber meinen Vorschlägen zum Teil wenig- *tens auf den Einfluß Mead:; zurückzufultren ist. Ebenso «indnrckhvoll war sein Hinweis auf die Rolle des Wassers in einem Lande wie Palästina. Er rief geradezu zur Bevorzugung der bewässerten Kulturen auf und unterstrich die Bedeutung der Sonne in unserem Lande. Mead hat zwar direkt keine Acußerung getan, wie map und auf wie großen Parzellen man kolonisieren soll. Dies wird er in seinem ausführlichen Berieht tun. Aber durch d;c beiden erwähnten Hinweise hat er deutlich die Möglichkeit und Notwendigkeit der intensiven Agrikultur in Palästina unterstrichen. Wie groß die Fläche sein soll, ist ja eine zwar wichtige, aber an sich doch nur eine Detailfrage, So kann ich es mir erklären, daß unter dem Fändruek der Mcadschcn ־ Worte die Aibclferschaft, zum Teil «•■enigxteiis, in ihrem Glauben an das tiriliere System schwankend wurde und durch einige ihrer Vertreter an mich mit der anfangs erwähnten Aufforderung hcrantr.1t, an die prak- Lehe Auxliihrung meiner Idee heranz.ngchcii. Außer dem negaliven Grunde — dem Zweifel an der Richtigkeit des bisherigen Systems -- hat wohl auch die Erfahrung der letzten paar Jahre ge/1 i!;i, was man alles durch inien,.iven Anbau dem Boden in Palästina abtingen kann. Es gibt an verschiedenen Punkten des 1 ,indes vereinzelte Gärtner und Kolonisten, die relion recht bedeutende Erträge aus Gemüsebau erzielen. Man sah auch, was einige deutsche Kolonisten in Sarona, Bethlehem usw. .ווו> Gemüsebau ziehen. Diese vereinzelten Beispiele, oft veranlaßt durch den Zwang der Verhältnisse, wie in den Fällen der kleinen Ansiedler und Pächter in Ir-Oanin! und in Ein-Ganim, wo die Leute kleine Parzellen intensiv bcbauen, um ihre Existenz zu bestreiten, lehrten die produktive Kraft der palästinensischen Sonne bei Bewässerung, halfen aber auch dt r Ueberzcugimg zum Durchbruch, daß etwas in der Richtung der Organisierung der ,Bemühungen Einzelner gcscliehcn müsse, damit sie iltre Erzeugnisse gut vertreiben können. Man ha! gesehen, daß zu gewisser! Zeiten im Jahre manche Gemüse,irtui 50 gut wie unverkättf i.:h s.ieii. Ein fernerer Anlaß fiir das an den Tag tretende Interesse an meinen Ideen und Vorschlägen war gewissermaßen ihr Maßttah, die Größe der geplanten Sicdhmg1.11. Abgesehen von den wirtschaftlichen Grumten, die fiir mich hei der vorgesc hingen en Größe der Siedlung maßgebend sind, scheint bei einem Teile der Beurteiler das psychologische Moment eine Rolle zu spielen: lwi der gegenwärtigen immer stärker um sich greifenden Arbeitslosigkeit und in Verbindung damit sich schärfer ausprägeiider Landflucht, die Möglichkeit einer Amivdlung von öof) Familien auf dem Lande in einer Kolonie. Alles dies zusamiiiengenommcn scheint gegenwärtig in Palästina die Atmosphäre einer gewissen Spannung, einer gewissen, man darf wohl sagen, wohlwol'cmler Erwartung zu schäften, hei nicht wenigen aber auch einer ganz nusgcsprorlienen Sympathie mul Bereitschaft mitzuhcltcn, an <ler Sihat'hmg der ersten Kolonie auf Grund meiner Vorschläge der Kleinsiedlung auf bewässertem Boden. Dies sind die Verhältnisse, die ich'wider Erwarten in Palästina vorfand und die mich veranlassen, den Versuch zu wagen, an die Gründung der ersten Kolonie heran zngchen, Dabei muß noch hervorgehoben werden, daß nicht allein die Idee der Intcnsivität interessiert, sondern auch die von mir besonders betonte Voraussetzung einer bis ins Einzelne durchgclührlen Vorbcrcitu11.gr der ganzen Siedlung, Diese Vorbereitung soll si.h nicht auf den ILxlen allein beschränken, sondern soll alles umfassen, was erforderlich ist, um einen netten Ort bewohnbar und eitle neue Farm produktiottsfähig zu machen. Ich möchte den zukünftig«־n Kolonisten gewissermaßen in ein Schlüsse(, fertiges möbliertes Haiis hincinführcn, dies natürlich für die ganze Wirtschaft und nicht für das Haus allein gedacht. Es soll dem Kolonisten der am Anfang einer Siedlung bcsonders aufreibende Kampf •mit dem rohen Boden, den Transportschwicrigkiiten, der ganzen unkultivierten Umgehung er. spart bleiben und so seme Energie für die eigentliche wirtschaftliehe Arbeit geschont werden. Also das gerade Gegenteil von dem, was noch vor wenigen Jahren als Kolonisation:;• m.ixduie aufgesfellt wurde.: nicht teilweise Ausrüstung, so!!- dem die möglichst vollkommene. Dazu wird nicht allein die Herstellung der Bewässerungsanlage, der Straßen, der Häuser, der gut gedüngten ׳Bodenparzellen gehören, sondern auch »lie Ausrüstung mit dem nötigen Wissen für die neue Arbeit. Dieses ist zum Teil auf dem Wege der Einführung von Instruktoren möglich, die den Kolonisten die nötigen An- Weisungen geben würden. Und es war sehr bezeichnend, daß die Arbeiterschaft gegenwärtig nicht über diesen Punkt stolpetto, sondern selbst über die Erwünsehtheit von technischen Beratern sprach. Wie ich überhaupt den Eindruck erhalten habe, daß jede vermin füge praktische Maßnahme und Forderung bei der Arbeiterschaft auf Verständnis stößt. Es i>t selbstverständlich, daß die erste Voraussetzung für die Errichtung einer wirtschaftlichen Unternehmung, als welche ich die neue Siedlung charakterisieren möchte, die Be.-chafiuug von Geldmitteln sein muß. Der hierfür benötigte Peinig ist C 200 000 für •100 Familien von Landwirten (h £500), während für weitere 100 Familien von Handwerkern, Augestellten der Cooperaiive usw. keine besonderen Mittel von der Kolonie ans zu beschaffen wären. Die ganze Siedlung wird eine Produ/.eiiteii-Gcmisseiisdiaft darstellcn, für die die nötigen Geldmittel werden aufgebracht werden müssen, wohl am besten auf den! Wege einer Anleihe. Eine ins Leben zu rufende P.destine Sma’iiiolders Coopcrative Society, deren Kapital mit de r Anzahl der Siedler und der Siedlungen wachsen soll, wird den Rahmen für Finanzierung und die Organisation der ersten und der nachfolgenden Kolonien abgeben. Darüber hinaus läßt sich gegenwärtig nichts über diesen Punkt sagen. B.־i der Auswahl des Ortes, wohin die erste Gründung kommen soll, lasse ich mich durch die. Nähe von Tcl-Awiw bestimmen, das eine Verbraucherkopfzahl von hcitie fast 20020 darstellt und zu Beginn der Produktion der neuen Kolonie wohl um 5 000 10־ mehr Einwohner haben wird. Ich schätze, daß zwei Jahre erforderlich sein werden, um die Kolonie zu dem l'uukte zu bringen, da die Produktion cinsctzcn kann. Ein weitere:, wichligcs Moment ist die Nähe der IVewässcriingsquelle, des Fiuv-.es Andsdta um! der alten Kolonie Pe(aclt* Thikwah. In «lern Gebiet zwischen Petach-Thikwah lind Tel- Awiw ist cs leicht, ein passendes, au einer guten Straße 1k•• gemles Areal nus/usuclien. Die B1;Jcntn;sc:haffcnht:it ist hier größtenteils gut, das Wasser übern'l, sei es aus dem Flusse, u:i es aus Brunnen, leicht zu erhalten. Ich möchte nicht hier nochmals auf die wirtschaftlichen Vorzöge der Kleinsiedlung, die nur intensiv sein kann, wenn sie diesen Namen verdient, entgehen. Darüber wurde schon wiederholt gesprochen. Nur auf die Bedeutung von Tcl-Awiw, dieser fast amerikanisch wachsenden Stadt, als Verbraucher möchte ich kurz hinweisen. Bei einer vorsichtigen Schätzung von etwa V» sh. per Kopf und Tag zur Deckung des Bcdarf; an Gemüse, Früchten, Gcfitirel und Eiern ergibt sich ein Jahresverbrauch dieser Stark allein von fast & 200 000. Dieser Betrag genügt schon, um die Produktion von 2000 Kleittsicdlcrn (ä £ 100 fiir diese Erzeugnisse allein) zu hczahlen und somit die. Gründung von 6 Kolonien a 500 Familien (25 <>/«» der Produzenten bilden die nkhtlandwirtsrhaftUchen Berufe) im Umkreise von Tcl-Awiw zu ermöglichen. Und wir wollen vorläufig nur eine Kolonie gründen! Um noch ein Mißverständnis zu zerstreuen öder auch eine falsche Bedeutung des Begriffs Intcnsivität aus der Welt zu schaffen, muß ich betonen,'daß cs sich bei meinen Vorschlügen durchaus nicht tun Genuisekuittir allein hnijdclt. Jeder landveirtschattiiche Zweig läßt sich intensiv betreiben, so• auch der Getreidebau, die Molkerei, der Anbau von 1 iandclsgc* wachsen usw. Intcnsivität bedeutet nur die größtmögliche Ausnutzung der kkinstmöcdichcn Fläche, Seit dem Beginn meiner Propaganda für die Intcnsivität hat sielt in Palästina der Tabakbau eingebürgert und bietet gute Aussichten. Die B.inanenkultur findet immer mehr und mehr Verbreitung. Es werden aussichtsreiche Versuche mit Pri-Srklc und der Zucht des Scidcnwurm«, der mit Rhizinnsblättern ernährt wird, gemacht. Dies alles wird selbstverständlich von den Klein- Siedlern aiifgcnommcn werden. Also nicht Gemüse allein, fomlcrn auch Obstbau, Tabakbau, Geflügelzucht, Seidenbau usw. Unter Unistiimjvn auch Getreidebau. Wir müssen mit bewässerten Böden anfangen, da sic mehrere Ernten im Jahre erlauben und daher die erforderliche Fläche viel kleiner sein kamt als bei nicht bewässerten. Parallel soll aber auch der Kolonist eine kleine unbewässerte Parzelle für Trockenkulturell ctluiltcn. Bezüglich der Fläche habe ich auf Anraten von Professor Mead eine Konzession gemacht. Die normale Parzelle soll nicht nur aus 5 Dunam bewässertem, sondern auch aus 5 Dunam unbewässertem Beden bestehen. Diese letztere Flache gewissermaßen als Reservclam! für die vergrößerte Familie. Ich bin zwar der Ansicht, daß die vergrößerte Familie schon auf der Parzelle von 5 Dunam genug zti tun haben wird, da die Intensität doch eigentlich keine Grenze« hat. Dazu verleitet eine größere Flache zu Extensität. Es soll aber Rücksicht auf die Imagination der Kolonisten genommen werden, für die der Sprung von 101) Dunam auf 5 1 Mi nam zu groß ist. Die Zukunft wird zeigen, ob diese Konzession nicht schädlich gif. Ucbrigciis muß die Normalgrößc der Parzelle nicht als feststehend und bindend angesehen werden, sic soll vielmehr nach der Arbeitskraft der Familie bemessen werden. Haben wir es mit einer zahlreichen Familie zu tun, so wird sic natür* lieh mehr Land bearbeiten können und auch mehr Land zur Bestreitung ihrer Existenz brauchen. Weniger arbeitskräftige Familien werden weniger Land beanspruchen können. Das Reservcland soll nur dann angegriffen werden, wenn die eigentliehe Parztlle gut in Kultur ist. So verfährt man z. B. in der Siedlung in der Lüneburger Heide, die if. Auhagen leitet: dort erhält die Familie pro Kopf einen halben Morgen, d. i. Bö Dunam Land und nur wenn» diese Fläche bis aufs letzte Stückchen gut kultiviert wurde, bekommt der Siedler neues Land zugewiesen. Es ist eine überaus schwere Aufgabe, die wir auf uns laden, indem wir an die Ucbcrtragung der a.lgcmcin-mcnsch• liehen Ideen der Intensivierung der Landwirtschaft ins Palästincnsiseh-Jüdischc Herangehen, f ür uns bedeutet sie aber nicht allein «lie Möglichkeit der Schaffung von normalen I.cbensbcdingungcn für Hunderte und Tausende auf dem Lande, was von den anderen Völkern angesirebt wird, soiv dorn sic gilt für uns viel mehr. Fis ist die bestimmte Aussicht, unser kleines Land dicht zu bevölkern, ohne unsere Nachbarn zu bedrängen. Es ist die Aussicht, schneller und sicherer unseren Volksgenossen in Erez-lsrael eine mcnschenwürdige Existenz und eine feste Heimat zu begründen. Daß der erste Schritt nicht der einzige bleibe, wird von der hingebungsvollen Mitarbeit vieler unserer Volksgenossen abhängen,; Offizielle Darsfellnng der Finanzen Palästinas Die Administration veröffentlicht darüber eine Darstellung, in der nur die hauptsächlichsten Posten in abgerundeten Ziffern gegeben werden und die wir im Auszug nachstehend wiedergeben. I. Kapital sauf Wendungen n) Investitionen während des Krieges Arbeiten: Ausbesserung der bestehenden Eisenbahnen, Verbreiterung der Schienen Lydda—Jerusalem und Neubau der Eisenbahn Kantara—Haifa. Verbesserung der Straßen, sowie der Jerusalemer Wasserleitung, Anlegung von Telegraphen- und Tdephonnctzen usw. Fast alle Verbesserungen waren bleibender Natur. Da die englische Regierung sic an das Mandatsland nicht als Geschenk geben kann, andererseits Palästina derzeit nicht in der Lage ist, die Ausgaben dafür oder auch nur die Zinsen zu bezahlen, so wurde zunächst eine genaue Schatzung des gegenwärtigen Wertes der Anlagen vorgenommen. Diese wurde zwar von der Administration noch nicht anerkannt, doch dürften sie ungefähr zirka 2 Mil* lioncn ägypt. Pfund betragen. Jedenfalls wird Palästina vor« Momente an, wo sein Budget cs gestattet, die Zinsen de« festgesetzten Summe zu zahlen haben. . 1 b) Investitionen durch die Zivil* administratlon Seit Jul! 1920 wurden 1082000 äg. Pfund für Eiseh*; halt neu ausgegeben, davon 403000 für neues rollendes Material,' Dadurch wurden Lcihkostcn von 70000 Pfund pro Jahr füo das bis dahin verwendete ägyptische erspart Die Haupt״ strecke wurde neu beschottert, jene von Lydda nach Jaffa( normatspurig gemacht, eine moderne Knotenstation in Lydda errichtet, Material zum Bau eines modernen Werkstättenhause«), in Haifa gekauft. 120 000 hg. Pfund wurden für Entwicklung von Telephon* und Telegraph «!;gegeben. Die Zahl der Tckphonaboiincntca stieg von 80 auf 1130. Dieses Geld war ä conto der aus״ zugehenden Anleihe ausgclichen, weiteres Kreditkapital von 218 000 Pid. wurde für öffentliche Gebäude, Wege und Brücken (98 000) usw. ausgcgcben. Aus Geldern, die für die Dette publique einkassiert worden waren, wurden für die gleichen Zwecke 476 000 Pfd., darunter .Wege und Brücken 300 00Q Pfund, ausgegeben. ,1 Die Jaffa-Jcrusalcm-Bahn wurde um 551 000 Pfd. zuzüg*' lieh 50000 Pfd. Zinsen und Kosten erworben. Hiervon sind 290«)0 Pfd. von Lehrgeldern und 9SOOO Pfd. aus den Landes* cinnnhincn bezahlt worden. Die restlichen 1S3 000 Pfd. sind in den nächsten zwei Jahren zu bezahlen. Von der Anglo Egvptian Bank wurden bis 31. Dezember 1923 562 000 Pfd. geliehen für Kredite an Landwirte zwecks Wiederherstellung ihrer Güter. Hiervon waren am 31. Dezember 1923 noch 290000 Pfd. ausständig. Die Darlehen sind durch Verpfändung des Besitzes der Schuldner gesichert. Die Administration besitzt Vorräte bei Eisenbahnen, Post usw. im Werte von 244 000 äg. Pfd. per 31. Dezember 1923, weitere Aktiva in Bargeld, Darlehen und Vorschüssen von 162 000 äg. Pid. , Die Bilanz der Administration stellte sich am 31. März 1923 wie folgt: