Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXIX (1924)
- Issue
- Heft 21 (14.3.1924)
- Date
- 1924-03-14
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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Seile 142 JUED1SCHE RUNDSCHAU Nr 21 3. In Ueberdnstimmiuig mit «1011 Richtlinien des finanzpolitischen Ausschusses des Kongresses beauftragt das A.*C. den I*. 11. W. H , in kürzester Zeit eine Kommission ciimi- (setzen, die, gegebenenfalls unter 1 kriinzk'lumg spezieller Sachverständiger, die Möglichkeiten einer großzügigen Kreditaktion fiir die Zwecke unseres Kulomsatioimverkes prüfen soll. Das A.-G, beauftragt den I‘. ti. W. R., der niielisten Sitzung des A.-C, über die Arbeiten dieser Kom• mission Bericht zu erstatten. Bei der Abstimmung über das Budget erklärt Dr. Ar 10* 80 ro f I, dal) nach seiner Auffassung der Beschluß der letzten A.-G-Sit/ung, wonacli das landwirtschaftliche Ihidget nicht gekürzt weiden darf, zu recht bestellt. Der Präsident bc* ®tätigt diese Auffassung. Als nächster Punkt der Tagesordnung gelangt zur Ver* handltmg die Neugestaltung der organisatorischen Arbeit. Herr Lipsky sagt, cs scheine ein Mangel an Verstand* nis für das Wesen der Organisation vorhanden zu sein. Die zionistische Oeffcntliclikcit macht Rieh gar keine Gedanken darüber, welche Punktionen die Exekutive in der Organisation zu erfüllen hat. Die Exekutive hat mit vielen hctc* 1 r<1 g e n c n Verbänden zu tarn, und cs muß Klarheit über deren Verhältnis zur Exekutive geschaffen werden. Heute hat die Exekutive keine Macht und Autorität in organisatorischen Prägen. Ein Mangel an Verantwortungs* ge fühl ist auch darin zu sehen, daß man die Exekutive i in an ziel 1 im Stiebe läßt. Die Exekutive war bis'er politisch und mit anderen Arbeiten zu sehr beschäftigt und hat sich vielleicht in Prägen der Organisation zu passiv verhalten. Das muß jetzt anders werden. Die Zeit Ist ge* kommen, die Rechte der Exekutive zu sichern. Die Ve* bände müssen ihre Verpflichtungen erfüllen, und die Exekutive wird die notwendigen Instanzen und Einrichtungen schaffen, um den dauernden Kontakt aufrecht zu halten, •um wirklich als leitende Körperschaft in Erscheinung zu treten. Den Bericht der politischen Kommission er* : stattet Herr Motzkin. Die Kommission hat in die Akten Einsicht genommen und vom politischen Department alle nötigen Aufklärungen cingcholt. Die Kommission hat den Eindruck gewonnen, daß die Verhandlungen der letzten Zeit ge* schickt und taktvoll geführt worden sind. Das A.*C. hat keine Veranlassung, neue Richtlinien aufzustcllen. Der Bericht der politischen Kommission wird zur Kenntnis ge* I nommen. L i p s k y •und B1 n m c n f c 1 d sprechen über die Not* Wendigkeit der Schaffung eines Fonds f ti r a d m i n I s t r a * tive Zwecke. Dazu äußern sich auch Levite, Iiantke, Dr. Reich, O o I d 11 ו u m. Herr Co wen beklagt heftig den Mangel an Verant* wortimgsgefühl der Organisation in finanziellen Angelegen* heilen. Trotz aller Aufforderungen hm sogar die Mitglieder des A.*G nicht ihre Pflicht, bei der Beschaffung der Mittel zu helfen. Dr. Cliajcs unterstützt diesen Appell, Nach einer kurzen Unterbrechung gelangt die Resolution Iiibcr die Frage der Jewish Agency zur Abstimmung. Der Referent der Kommission, Dr. Welt8eh, teilt mit, daß die Kommission nach langer Arbeit zu einem cinmüti* genVorschlag gekommen ist. Es wird dem A.-C. folgende Resolution zur Annahme vorgelcgt und auch einstimmig angenommen. Resolution zur Jewish Agency 1. Das A.-C. begrüßt mit Freude und Genugtuung die in der letzten Zeit zutage getretene Bereitschaft be* deutender jüdischer Kreise in verschiedenen Län* deru, am Aufbau der nationalen Heimstätte für das jüdische Volk in Palästina tcilzunehmcn. 2. Insbesondere nimmt das A.-C. mit Befriedigung den Beschluß der Konferenz amerikanischer Juden vom 17. Februar zur Kenntnis, ih welchem einerseits die Gründüng der Investment Corporation für Palästina in Aussicht genommen wird, andererseits die Bereitschaft der amerikanischen Juden zur Mitarbeit in der Jewish Agency gemäß Art. 4 des Mandats zum Ausdruck kommt Ebenso begrüßt das A.-C den Beschluß der jüdischen Gewerkschaften Amerikas zur aktiven Teilnahme an der Palästina-Arbeit. 3. Die Zionistische Organisation erblickt in diesen Tat- Rachen einen wichtigen Schritt vorwärts auf dem Wege der Heranziehung der gesamten Juden heit zur Mitarbeit am Aufbau der nationalen Heimstatte, die ihre erste Ausdrucksform in der Schaffung! eines 1 Jewish Council for Palestine finden soll. Das j A.-G fordert daher die Exekutive auf, ihre Bemühungen zur Bildung eines Jewish Council mit aller Energie fortzusetzen. 4. In der Ueberzeugung, daß weiteste Telle des jüdischen Volkes bereit sind, ihre moralischen und materiellen Kräfte für die Durchführung dieses Werkes einzuscl/en, ist die Zionistische Organisation bereit, alles zu tun, um ein 11 a nn o 111 s c 11 e » Zusammenwirken auf der Grundlage gemeinsamer Verantwortung herbeizuführen. IDie Kommission hat Direktiven für die Verhandlungen der Exekutive ausgearbeitet, die gleichfalls vom A.-G einstimmig genehmigt wurden. Damit ist die Tagesordnung erschöpft, Herr So ko low erklärt seine Zufriedenheit mit dem guten Resultat eines einstimmigen Beschlusses, Er gibt der Hoffnung Ausdruck, daß die A.-G-Sitzung dazu gedient hat, das gegenseifige Vertrauen und die Arbeitsfreudigkeit in der Bewegung zu heben. Er dankt dem Präsidium für die mühevolle und erfolgreiche Führung der Verhandlungen. Präsident Dr. Chajes schließt hierauf die Tagung um lD/a Uhr nachts. Felix Warbnrg in Palästina Jerusalem. (J. T. A.) Der Vorsitzende des Joint;Distribution Committee, Felix M. Warburg, ist hier vor einigen!Tagen mit vielen anderen Amerikanern cingctroffcn. Herr;Warburg beabsichtigt, alle bedeutenderen jüdischen Siedlungen in Palästina zu besuchen, um sich mit der Lage des Landes vertraut zu machen. Am 4. März besuchte Felix Warburg den jetzt in Palästina wohnenden früheren Präsidenten der New Yorker jüdischen Gemciiideorganisalion, Dr. J. L. Magnes, Auf einer Zusammenkunft des Komitees der :hebräischen. Universität äußerte Warburg ®eine;Zufriedenheit über all das, was er während der wenigen Tage seines Aufenthalte» in Lande gesehen habe, ,» Bis Atisnslung liörslj I!:r.:;d!1s zum?dl'ka Jerusalem, (J. T, A.) Wie der Pal. J1ld. Tel.-Agentur mltgctcllt wiid, wurde König Hussein von Ileilja» a!n ft. März im P.ilit.t von Shune durch die Vertreter T r n n s j o r d a 11 i c n ft und Hedjas einstimmig zum Kalifen gewählt. Man. nimmt an, daß sieh die palästinensischen und syrischen Araber Innerhalb der nächsten Tage dieser Wahl niHchlieikn werden. E9 werden au» diesem Anlässe große Feierlichkeiten vorbereitet. Noch vor der Ankunft König Husseins ln Trausjordanien wußte das Organ der arabischen nationalen Partei, ״Merat el Slu-rk", zu melden, es werde eine Zusammenkunft des obersten mohammedanischen Rata stattflndcn, in welcher König Hussein zum Kalifen ernannt weiden wird. Damals hieß es aber, König Hussein wolle von einer solchen Ernennung nichts wissen. Die Nationalversammlung ln Angora, die den Kalifen Abdul Mcdjcd ahgesetzt hat, hat räch bereits mit der Angelcgcnlieit befaßt’. Man nimmt nn, daß die am 15. März zu Ko weit am Persischen Golf *tattfindende Konferenz der arabischen Staaten die Ernennung König Husseins zum Kalifen über die Mohammedaner der ganzen arabischen Halbinscl formell vollziehen wird, worauf die indischen Mohammedaner wahrscheinlich die Tatsache anerkennen werden. Wieder eine Demission Jerusalem. (J.T.A) Dr. Joseph Lurie, der seit der Gründung des Unterrichts-Departements der palästincnsiscli-zionistisdicn Exekutive dessen Leiter war, Ist von diesem Posta» zurückgetreten. Dr. Lurie beabsichtigt, demnächst eine zusammen fassende Darstellung über die 0 runde seines Rüdetrilts zu veröffentlichen. General Smuts an die südafrikanischen Zionisten Johannisburg. (J, T. A.) Am 5. März wurde hier die Konferenz der südafrikanischen Zionisten eröffnet, zu der 100 Delegierte aus allen Teilen des Landes erschienen waren. Herr Dr. A. Goldstein nimmt als Vertreter des Hauptbüros des Keren Hajessod an der Konferenz teil. Begrüßungsschrciben waren cingcgangcn: von dein Ocncral-Gouvcmeur von Südafrika, Graf von Athlone, von dem südafrikanischen Premierminisfer General Smuts, sowie von der zionistischen Exekutive, Dr. Ch, Weizmann, Nahm»» Sokolow u. a, 111 seinem Begrüßungsschreiben knüpft General Smuts an die letzte britische Re ich s kon fc re n 2 in London an und führt aus: ״Während meiner jüngsten Anwesenheit ln London hatte ich Gelegenheit, mit Dr. Weizmann über die gegen- «artige Lage des Zionismus zu sprechen, nachdem habe ich mit verschiedenen Staatsministern die Frage der jüdischen nationalen Heimstätte angeschnitten. Die britische Regierung hat nochmals die Aufrechterhaltung des großen Prinzips einer nationalen Heimstätte bcstät i g t, wie cs noch besonders im Palästina-Mandat der Großmachte festgclcgt worden ist. Es ist jetzt einzig und allein an den Zionisten, den rechten Gebrauch der ihnen gebotenen Gelegenheit zu machen und mit allen erlaubten Mitteln die E n t w i c k > lung Palästinas im Sinne iI»זcs großen na11 o• nalen Ideals vorwärts zu treiben. Ich weiß, wie sehr dieses Ideal auch der südafrikanischen Judenheit am Herzen liegt und hoffe, daß Ihre Konferenz‘wesentlich zu seiner Verwirklichung beitrage» wird. Diese Hoffnung drückt nicht nur meine eigenen Gefühle aus, sondern auch die auf• richtigen Wünsche von ganz Südafrika.“ Der Finanzbericht der Exekutive zeigt, daß die Beiträge der südafrikanischen Zionisten zum Keren Hajessod im gleichen Verhältnis stehen, wie die der amerikanischen Zionisten. Die Konferenz leitete eine neue große Keren Hajessod-Aktion in Südafrika ein. « Die Reorganisation der zionistischen Bewegung Von Dr. M. H i n d e s. II. Politische Partei oder Kolonlsatlonsuntcrnchmcn? Bereits 1020 begann man in der zionistischen Bewegung über eine ״Krisis“ und die Notwendigkeit rad.kaier Maßnahmen zu׳ diskutieren. Diese Diskussion stellt während der ganzen letzten Jahre auf der Tagesordnung. Man muß allerdings zugeben, daß bei der Mehrheit der Zionisten dies nicht ein Resultat von durchdachten Ideen ist, sondern von Stimmungen, deren sic sich seihst nicht bewußt wurden. Um siel» vor Enttäuschungen zu bewahren, nahmen sie vorerst ihre Zuflucht zu Reden über die Krisis und die Notwendigkeit einer Reform, um nachher wiederum den Status auo zu nreisen und ,,die zionistische Tradition“ eifrig zu schützen. Nur damit läßt sicli die geradezu erschütternde Haltlosigkeit der Ansichten der meisten zionistischen Politiker und ptiblizisten im Laufe der letzten vier Jahre erklären: alle paar!Monate kam eine neue Theorie zum Vorschein, die Oft die Prinzipien des vergangenen Tages auf den Kopf stellte und die Anlehnung dieser Prinzipien wurde mit genau derselben Lcidcnscliafilidikcit und Heftigkeit vorgenommen, wie sie Tag« vorher in den Himmel gehoben worden waren. Nur wenige, sehr wenige behielten Im Laufe der letzten Jahre die innere Harmonie und Konsequenz ihrer Anschauung, diejenigen, die verstanden, daß im Zionismus ein geheimer Wettstreit vor sich geht zwischen der Politik und der Ökonomie und daß für die ungehinderte Entwicklung der zionistischen Arbeit man jedes dieser Elemente in seine natürlichen Schranken wieder zurückführen müsse. Vor allen Reformen und jeder Umbildung der zionistischen Bewegung müßte die Frage gelöst werden, was sie cigcntlieh ist: eine politische Partei oder ein K010ni*atio״suntcrnehmen? Alle Projekte der radikalsten Aenderungen, in denen eine Lösung dieses Problem® nicht versucht wurde, konnten nur von rein technischer Bedeutung sein. Nur zwei Projekte, — das der amerikanischen Delegation auf der Londoner Konferenz. 1020 und das der Bildung der Jewish Agency, das von Dr. Weizmann 1923 vor dem XIII. Kongreß zur Diskussion An iiisere lliizclalisaieiten! Wir machen hierdurch darauf aufmerksam, dass wir von allen denjenigen Abonnenten, die dio Zeitung direkt — nlcnt durch Vermittlung Ihrer Ortsgruppe— bei uns bestellt haben, die AbonnementsgebUhren für das 3. Quartal d. J. (April bis Juni) jetzt durch Nachnahme •Inziehen״ Wir bitten dringend um sofortige Einlösung dieser Nachnahme, damit wir die Anmeldungen bei der Post rechtzeitig vornehmen können. Verlag Jüdische Rondschau. gestellt wurde -- veisiich'cn, dlcrcs Problem la.l.ka) nn/upacki•» und die Wurz,du der ״Krisis“ In» Zionismus b'.oßzul. gen. 1020 war der Zionismus faktisch eine poüt sehe Organisation vielmehr eine politische Partei. 1020 wurde er gleich zeitig ein Koioiilsatbnsuiitcrnclimcn, b'ieb jedoch zugleich auch e!ne politische Partei. Die Kolonisation Palästinas wurde die vornehmstc Aufgabe der zionistischen Bewegung, weiche zuiluer Ausführung eines nach rein wirtschaftlichen Piinzinicn aufgebauten besonderen KolonlMtionsapparaks bedarf. Aber gleichzeitig erschienen auch die politischen Aufgaben des Zio. nisinus noch bei weitem nicht erfüllt, Vor allem setzt die י endgültige Realisierung d<«1 Zionismus In der Zukunft noch weitere politische Eroberungen vor,ווו;, für die• n'lcrding* die Bildung einer realen jüdischen Position in Palästina eine 1m. bedingte Vorbedingung ist, für deren Verwirklichung aber der bestehende zionistische Apparat bcibchaücn werden muß und zwar der Apparat einer politischen Partei. Derselbe Apparat ist ferner auch notwendig für die zionistische Uiplomatic, als Stützpunkt in ihrem Kampfe gegen die Angriffe auf die Errungenschaften der Zeit günstiger Konjunktur. End.ich ist eine intensive und opferbereite M.tarbrit aler Massen der Diaspora unumgängliche Vorbedingung für den Aufbau Pa. laslinas, und die Erziehung der jüdischen Massen für diese Mitarbeit ist eine rein politische Aufgabe (Propaganda, uationalc Erziehung, Gcgenwnrtsarbe't). Di.י sc Au‘gaben können mir von einer politischen Partei erfüllt werden, die ihren eigenen parlamentarisch-demokratischen Apparat hat. Diese Zweiheit der Aufgaben, die dem Zionismus er• wuchsen, wurde auch die Quelle der ״Krisis“. Die Zweiheit der Aufgaben, verbunden mit der Zwe 11:1t der Methoden er. fordert eine zwiefache Organisation, einen zwiefachen Apparat. Freilich, die neue Epoche erscheint zweife 10» als die Epoche des absoluten Primats der Ockonomie über die Diplomatie. Aber das Primat bedeutet nicht die •Alleinherrschaft, die Hegemotüc, nicht die Vernichtung des Konkurrenten. Das Problem kompliziert sich noch dadurch, daß zwischen den Methoden der zionistischen Politik und der zionistischen Ockonomie ein tiefer Gegensatz besteht: während die Ockonomie an der Schaffung von realen und praktischen Werten interessiert Ist, ist die Politik bestrebt, momentane Erfolge zu erzielen. Die Ockonomie arbeitet mit Zirkel und Bleistift, die Politik mit dem Pin־el des Künstlers und dem Dirigentenstab. Die Onmdfordcrung der neuen Epoche war, neben dem bestehenden politischen Apparat auch einen besonderen Ko• Ionisation«,apnarat zu schalten oder anders ausgedrückt: der Dualismus der Zionistischen Organisation. Der Kampf mit der bestehenden allmächtigen politischen Partei cincrscit» (unter der künstlichen Losung ״Kampf für de Volksbcwc• gung“: Giüiibaum, Solowcitsch k, Lidithciai, Ussischkin, Jabotinsky) und die Versuche der vollen Liquidierung der politischen Partei und der Schaffung eines Kolonisatkmsuntcrnchmcm auf ihren Ruinen andererseits (das letzte Stadium der Arbeit der Brandeis-Anhänger, die sich völlig der Bildung von ״Devclopment Leagtics“ gewidmet haben), sind gleichermaßen weit entfernt von der Lösung des Problems, — ja noch mehr, sic komplizieren die Lage des Zionismus. Unter allen gegenwärtigen Projekten versucht nur das Projekt der Jewish Agency das Problem wirklich zu erlassen und cs zu lösen. Dieses Projekt ist das einzige, das die Forderung des Tages versteht, die Forderung der Zweiteilung der zionistischen Bewegung, d. h. die Bildung eines Kolonigationsapparatc® neben dem politischen Apparat. Das Fehlen eines selbständigen Kolonisations-Apparates und die Unter• Ordnung aller Finanzinstitutc und wirtschaftlichen Un'cmch. mutigen unter den politischen Einfluß ist der politischen Be. wegung bis jetzt teuer zu stehen gekommen. Alle finanz'cilen und politischen Institute und Unternehmungen erschienen als Spielzeug der politischen Leidenschaften und partikuiäien Ambitloncn. Jede gesunde wirtschaftliche Erttwickung .war■•di• mit unmöglich. Flier einige Beispiele: Das sogenannte Budgetrecht der Kongresse, die conditio sine qua man des zionistischen Parlamentarismus, artete in Wirklichkeit in_ eine_ Demorat!- slcrung des zionistischen Budget» aus. In einer Epoche, wo in den demokratischen Landern, bei einem regulären Staat• liehen Apparat und einer ständigen Volksvertretung, die Par!«- mente nicht Imstande sind, mit der schweren Aufgabe der Sanierung der Finanzen fertig zu werden und fast ohne Widerspruch auf ihre Rechte zugunsten der Regierungen ver• zichtcn — Deutschland, Prankre.ch, Polen — cröffncten die Doktrinäre des Parlamentarismus im Zionismus einen Feldzug für die Unberiihrbarkeit des Budget rechtes der Kongresse. Es ist umsonst, darauf hinzuweisen, daß die Kongresse, die alle zwei Jahre zwei Wochen tagen, der physischen Möglichkeit beraubt sind, das Budget irgendeiner ernsthaften Prüfung zu unterziehen und das ganze Budget nur den Charakter absoluter Zufälligkeit und Unvcraiitworthehkeit trägt. Es ist umsonst, zu erklären, daß das Budget, das unter solchen Umständen zustande kommt, einzig und allein durch politische Einflüsse bestimmt wird, — Parteiforderungen und Angriffe einzelner Gruppen — und eine ungesunde Atmosphäre schafft, ein Jagen nach Subventionen und politischen Erpressungen durch einzelne Fraktionen und Gruppen, eine Atmosphäre, welche eine jede politische Organisation demoralisieren kann. Es ist umsonst, zu betonen, daß da? ganze Budgetrecht des Kongresses siel» als fiktiv erweist wegen der völligen Unbestimmtheit der zionistischen Einkünfte. (Wie überaus fiktiv das sogenannte Ihidgctrccht der Kongresse ist, geht z. B. daraus hervor, daß eigentlich die Voranschläge der Ausgaben, die von den Kongressen angenommen werden, fast immer die wirklichen Einnahmen der Organisation überschreiten, so daß infolge dieser Tatsache die Exekutive fortwährend das angenommene Budget ändern und neue Verteilungen vornehmen muß.) D.׳r vetderbll-ehe Doktrinarismus der Gtu.ipc der zionist'sdien Polt• tiker, die die Formel über da» Prinzip stellen und die große Idee der unsinnigen Macht der Phrase unterwerfen, mobi is.crt die Kräfte für den Schutz des ״heiligen Rechtes des Volkes“ und qualifiziert von vornherein jeden Versuch, das Budgetrecht des Kongresses anzugreifen, als Verrat. Aber wenn in diesem Falle die Doktrinäre das Parlamentarismus wenigstens die Doktrin für sich haben, so ist voll• kommen unverständlich und geradezu fatal die Unterwerfung einzelner Finanzinstitutc und Wirtschaft,icher Unte n Innungen unter politische Einflüsse. Die Direktorien aber Finanzinstitute der Zionistischen Organisation (Koionialbank, Nationalfand«. Keren Hajessod) werden auf Kongressen oder Sitzungen des A.-C. gewählt. Bei den Wahlen spielen die Aspirationen der Fraktionen und Gruppen, zum Teil in die Form von sachlichen Forderungen gekleidet, die entscheidende Rolle. Oft sind Jahre erforderlich, damit die zionistischen Finanz- Institute sich von den politischen Einflüssen befreien und reguläre, rationelle Formen aiuichmcn (z. B. der Keren llajessod). I>ie Arbeit unserer Institute in Palästina geht tatsächlich unter dem Terror der Fraktionen und Gruppen vor sich, die, um ihre Einflüsse und Forderungen durchzusetzen, den ganzen Apparat des parlamentarischen Druckes benutzen. Manchmal scheint cs, als ob inan sich mit allen Krallen müht, die Demokratie im Zionismus zu kompromittieren, um die Antwort hcraufzubeschwören: ״Dcmocracy is not uncNiclcncy‘ (״Demokratie ist nicht Unwirtschaftlichkeit"). Das Resultat kt, daß die besten zionistischen Kräfte abgenutzt werden, ohne daß sie wirklich verwertet worden sind; sie kommen In das Kreuzfeuer der entgegengesetzten politischen Ansichten, die a'le wirtschaftlichen Prinzipien und sachlichen Ucberlcgungen ersticken; sie werden, statt praktische Arbeiter, politische Akrobaten, die das Gleichgewicht