Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXIX (1924)
- Issue
- Heft 20 (11.3.1924)
- Date
- 1924-03-11
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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i Seile 133 JUEDISCHE RUNDSCHAU Nr. slcrlcn Gruppierungen zu erfassen sucht, z. B. die Arbeiter* gcwcrkschaftcn, die Brüder:,duften, die Rcligtonsgescllschalten u&w. Der bedeutend!•.te Kreis ist jedoch der um das A.J.C. und J.D.C. gebildete, der durch seinen Einfluß auch die anderen Kreise nach sich zu ziehen im* Stande Ist. Die konkreten Ergebnisse sollten im Augenblick schon die Schaffung der Investment Corporation und die Unterstützung der Keren Hajessod- Kampagne sein. Die Verhandlungen waren■ darauf gerichtet, jene Kreise zur U ebernah me eines Teiles der Verantwortlichkeit zu bewegen. Alle Einzelheilen sind erst Gegenstand der Verhandlungen, und es werden wahrscheinlich Monate vergehen, bevor ein definitives Resultat erzielt ist. Aber die Gegenseite wird wenig Verständnis dafür haben, wenn wir immer mit limitierten Forderungen auftreten, statt durch ein offenes Angebot das Veriraucn in die Ehrlichkeit 1111■ sc rer Vorschläge zu erwecken. Die Bewegung, die heute in Amerika unter dem Schlagwort der Erweiterung der jewish Agency entstanden ist, ist ein großer Versuch zur Gewinnung des amerikanischen Judentums. Jede andere Art der Propaganda wäre nicht im entferntesten so wirksam gewesen. ׳ Herr Goldberg erstattet einen Bericht über den Verlauf der Konferenz vom 17. Februar und ihre große Wirkung au! die Außenwelt. Das Begrüßungsschreiben Dr, .Wei znunns ist noch vor der Konferenz geschrieben. . Dr. Weizmann betont, daß er nicht die Absicht habe, auf der Konferenz auf eine definitive Form der Abmachung hinzudrängen. Er setzt auseinander, daß die Schaffung einer kombinierten Organisation in Amerika ' für den Aufbau Palästinas wünschenswert ist, die dann, ׳ sobald eine Abmachung mit der Z. O. erreicht ist, Vertreter in die Jewish Agency entsenden kann, Dr. Weizmaun erklärt, daß er niemals die Absicht gehabt hat, die Zionistische Organisation vor ein Fait accompli zu steifen, vielmehr wird, sobald die andere Gruppe ihre Wünsche formuliert hat, diese Plattform der Zionistischen Organisation niitgctcilt werden, die dann dazu Sielhing zu nehmen haben wird und auch diese Vorschläge mit den Vorschlägen anderer Gruppen in anderen Ländern in Einkinn״ zu bringen hat. Dr. Weizmann teilt ferner mit, daß er und Dr. Ruppin bei allen Verhandlungen mit allem Nachdruck klar gemacht haben, daß, unbeschadet der Invest- . ment Corporation, der Keren Ha jessod das wich» tigste Instrument des Auf bau« Palästinas! s l. Diese Auffassung hat auch auf der anderen Seite volles Verständnis gefunden und cs ist zu erwarten, daß die nichtzionistischen Juden auch für den Keren Hajessod große Summen aufbringen werden. Wenn dies so ist, so ist cs eine logische Folgerung, daß die andere Seite auch einen Anteil bei der Verwendung der Fonds hat. Diesem Problem muß das A.*C. seine ernste Aufmerksam* keit widmen. Sollten die beiden Parteien darin übereinkommen, daß der Keren Hajessod durch gemeinsame Anstrengung aufgebracht und verwendet wird, dann würde allerdings der Kongreß nicht mehr die einzige i Institution sein, die das ganze Budget festlcgt. Immerhin darf man nicht übersehen, daß in diesem Falle der Anteil des Kongresses, zur Hälfte mitzubcstimmen, ein sehr wesentlicher Ist, besonders wenn dadurch der Kongreß von der Notwendigkeit befreit wird, alle Kräfte auf die Deckung eines Not-Budgets zu konzentrieren. Es dürfe auch nicht ׳übersehen, werden, daß der Kongreß durch diese Erleichterung in der technischen Arbeit der Budgcticrung sich wieder In erhöhtem Maße den wichtigen Funk* tionen zuwenden könnte, die in den letzten I ähren zu kurz gekommen sind, nämlich der national-kulturellen Arbeit,der zionistischen Propaganda, der Stärkung unserer Organisation und dem Keren Kajemeth. Dr. Weizmann schließt sein Schreiben mit folgende» Sätzen: ״Es ist schwer für mich, auf eine so große Entfernung mich mit Stimmungen zu beschäftigen. Dennoch fühle ich, daß ich, bevor ich diesen Brief schließe, Wertdarauf legen muß, zu erklären daß der reine Geist und die Zukunft der Zionistischen Organl sation, die während dieser schweren Jahre in Ehren zu repräsentieren mein größtes Bemühen war, mir so teuer sind wie nur Ir gendeinem von den selbsternannten Hütern unserer zionistischen Tradition. Zu gleicher Zeit aber würde mich nichts davon a!)halten, die Realität einer schweren Situation zu erkennen, und wenn cs mir zugef,illcn ist, die Zionistische Organisation den Bedürfnissen der Zeit anzupassen, und wenn dieser Prozeß der Anpassung ein schwerer ist, so kann ich sagen, daß niemand mehr darunter leidet als icli selbst, Dennoch bin ich bereit, diesen Preis willig zu zahlen, wenn ich dafür sehen kann, daß die Zionistische Organisation ihre wichtige Rolle als die Avantgarde bei der Erreichung des nationalen Heims wirkli.cn aus füllt, unterstützt und gestärkt durch ein Hinterland dessen Demente nicht alle Hoffnungen und Aspirationen acr 210• nisten teilen mögen, die aber trotzdem bereit sind, Hand anz.ulcgcn bei einem bedeutenden Teil des Werkes und deren Hilfe im gegenwärtigen Stadium unzweifelhaft wesentlich ist Schließlich dar! man nicht vergessen, daß die nicht* zionistischen Juden doch auch einen inte « r i e r e n d c n Teil der Juden heit bilden und daß cs , unsere Pflicht ist, sic mit uns vorwärts zu tragen, auch wenn wir sie nur einen Teil des Weges vorwärts tragen können, Zusammen mit der Arbeit für die Jewish Agency und den Keren Hajessod haben wir hier unter der Leitung von Mr. Lipsky eine erfolgreiche Kampagne für dicStärkungdcrZionistischenOrganisation von Amerika unternommen, aus der der amerikanische Zionismus dieses Jahr moralisch und finanziell gestärkt hervorgehen wird, jedenfalls stärker, als er je zuvor ge wesen ist Die Zionistische Organisation in ihrer Gesamtheit muß für sich die Rolle des Cha luz in Anspruch nehmen gegenüber dem Rest d er Juden heit, und sie sollte sie fortsetzen 11. demselben Geist, der die Ankunft eines Chaluz in Palästina charakterisiert, mit Mut, Entschlossenheit und vor allem Sclbstaufopferimg, gepaart zur selben Zeit mit Ge d u 1 d, Voraussicht und Toleranz. Geht voran erfüllt von dem Glauben an die Unzerstörbarkeit unserer Ideen und ihres endlichen F r i u m p h e s!“ Mr. Lipsky legt sodann einen Vorschlag als Basis zur Diskussion vor, der ein Schema für die Zusammenarbeit rnit den Nichtzionisten enthält. Die Grundgedanken des Schemas sind die, daß die Zionistische Organisation die Jewish Agency bleibt und außer den bereits bestehenden Organen der Jewish Agency (Kongreß, A.-C״ Exekutive) ein Jewish Council gebildet wird, der zu 30®/o aus nicbtzionistischen Vertretern zu* sammengesetzt ist. Die Aufgaben dieses Councils sollen sein: Beratung in allen politischen Angelegenheiten, Zusammenarbeit fn ökonomischen Angelr:;־«• hdten durch gemein•;,ame Aufbringung der notwendigen Gelder und gemein:.;imc Festsetzung den Budget», sowie Ueber* wathung seiner Durchführung. Vierte SItiung Mit Rücksicht au? Sitzungen des Finanz- und Wirt* schaflsrates sowie der Orgauisatlonskömmisdon wird die Nachm!ttagssltzung erst um 5 Uhr begonnen. Es gelangen zunächst eine Reihe von Anträgen der Organl* satlouskommission zur Erledigung. Legislative Maßnahmen. Es referiert Herr Dr. Aron Barth im Namen der vom A.-C eingesetzten Kommission über die ver* schialcncn legislativen Maßnahmen, die dem A.-C vom• Kongreß zur endgültigen Redigierung Überlassen wurden. Die Vorschläge der Kommission ln bezug auf die Redaktion derjenigen Bestimmungen des Organisation!• Statuts, die vom letzten Kongreß geändert wurden, sind vom A.-C, angenommen worden. Ebenso wurde der Entwurf einer Geschäftsordnung des Zentralstes angenommen, die schon bei der nächsten Tagung der Jahres* konferenz zur Anwendung gelangen soll. Bezüglich des Wahlrcglemcnts wurde der Exekutive die Aufgabe übergeben, die Frage einer etwaigen Armierung zu studieren und einer künftigen Tagung des A.-C, Vorschläge zu erstatten. Herr Mereminskf referierte im Namen derselben Kommission über die Frage eines Statutes der zlo* nistischcn Beamtenschaft, über die eine Denkschritt der Exekutive vorlng. Er führte aus, daß die Dienst* Verhältnisse der Beamten der Organisation einer Regelung und Stabilisierung bedürfen und machlc folgende Vor* Schläge, die auch zur Annahme gelangten: Die Mitglieder des A.-C. werden aufgefordert, auf Grund des vorliegenden Materials die Frage zu studieren und der Exekutive Vorschläge zu machen, die zur Klärung der Grimdprobtemc dienen können. Die Exekutive soll darüber der nächsten Tagung des A.-C, berichten. Die Exekutive wird aufgefordert, zunächst die Dienst verhält* nlsse der Beamten der Exekutive in London und Jerusalem zu regeln. Ferner wurde auf Antrag des Herrn Kaplan iolgcnde» beschlossen: Die Exekutive soll darauf Einfluß nehmen, daß auch die Dienstverhältnisse der Beamten der Kolonial׳ bank, Anglo-Palcstlne-Company, de« Keren Hajessod und de» Keren Kajemeth in London und in Palästina, übereinstimmend mit denen der Exe* kutive geregelt werden. Sodann wird die Debatte über die Jewish Agency wieder auf genommen. Herr Blumenfeld tritt für die Vorschläge der Exekutive ein, indem er betont, daß es sich hier nur um'ein Zwischenstadium handeln kann. Er schildert die großen Möglichkeiten der Gewinnung bisher nbseitsstebender Persönlichkeiten und Kreise auf Grund seiner Erfahrungen in Deutschland. Herr Grünbaum legt In einer zweistündigen Rede seine ablehnende Stellung dar. Er betont, daß die Annahme der Vorschläge der Anfang einer notwendigen Entwicklung wäre, die uns immer mehr zur Abhängigkeit von den jüdischen Geldmagnaten verur* teilen würde und das wichtigste Prinzip des Zionismus, da» Prinzip der Souveränität des Volkes, opfert um eine Beschleunigung der Palästinaarbeit zu erreichen. Die Kolonisation Palästinas ist aber sinnlos ohne gleichzeitiges Erwachen des jüdischen Volkes. De Lieine spricht zugunsten des Vorschlages Lijiskys. Dr. Schm. Levin erklärt, daß nach seiner Meinung die amerikanische Judenheit infolge objektiver Verhältnisse immer stärker die Führung des Gesamtjudentums werde übernehmen müssen. Kein Amerikaner wird verstehen, wenn wir den demokratischen Grundsatz, daß der Steuerzahler über die Verwendung der Gel■ der mitzubcstimmen hat, verletzen. Dr. Weil* manns Aktion verdient die Bewunderung und den Dank des A.-C, Dr. H alp cm setzt in einer einstündlgcn Rede auseinander, daß nach seiner Meinung die wichtigste Funktion des neuen Councils die Koordinierung der Arbeit der einzelnen ln Palästina arbeitenden Of• ganisationen und die gemeinsame Aufstellung eines Wirtschaftsplaucs ist. Durch eine solche Konzeption Im jetzigen Stadium könne man nach der Meinung des Redners die von vielen Zionisten befürchtete Schwierigkeit bezüglich der Rechte des Kongresses vermelden. Die Sitzung wird um 1 Uhr nachts geschlossen. Fünfte Sitzung ln der Sitzung von Donnerstag, dem 6, März, die mit kurzer Unterbrechung bis 1 Uhr nach!» dauerte, wurde die Debatte über die Erweiterung der Jewish Agency zu Ende geführt. Beinahe sämtliche Mitglieder des A.-C. ergriffen das Wort, und legten ihre Stellung zu den ver* schicdencn Vorschlägen dar. Schließlich wurde eine Kornmission, bestellend aus den Herren Nalditseh, Pelwel, Halpcrn, Lipsky, Grünbaum, Jacobson, Nu• rock, Weltsclt eingesetzt, die eine Resolution für die Plenarsitzung vorzubereiten hat. Am 7. März gelangte die Angelegenheit der Demission Dr. Solowcltschlks zur Besprechung. Zu dieser Sitzung ist Dr. Solowcitschik persönlich, erschienen. Ke Kcrca Eirxci ta loadoa ln Februar 1924 Vereinigte Staaten f.fid.ifrlk». Rumäniens AUrumänien Befkrahien Bukowina Einzelne Beiträge , Litauen .... Polen: Warschau . Wilna . . Tschechoslowakei England . , r , Oesterreich . . Belgien . ' . . , Dänemark . . Schweiz ■ , . Finnland . , . Algier .... Palästina (inkl Keren HageVUh) Jugoslawien . Lettland * . , Schweden , . Ostgalizlcn . . Elsaß-Lothringen Danzig .... Estland ... Frankreich , . Marokko . . . Ungarn . . , £ 10,718.12. 6 # , -.-־.6,500 3,673. 421. 214. 16, 6 1. 4 8.- 4,309. 5.10 * 2,503,15, 3 1,300-.- 1,173. 100. 1. 2 1,273. t. 2 t , 622,13.10 550-.- . 373.16. 1 » t , 360,18. 2 , # 336. 7 1 . , 220,19, 4 . . 203, 9. 9 » ISS.— ft , 179. 9. 8 . . 120,-.- 117. 3.10 95.11. 5 . 82.17. 5 68. 2.10 . . 62.10. 1 , , 49. 1. 4 10.-.- , , 2,10- . « 1—.— ‘WErr 29. Die Gesamtsumme der Keren Hajessod-Eingänge per. Februar 1924 beträgt £ 1,231,177. 4. 1. prcööeocbau Pallsllaa-Nacltriclitca Es wird offiziell bekannt gegeben, daß vom April t924 ab der ganze Sa m a ri a - Distrikt der Nordprovinz (Haifa), die dem Gouverneur des Norddisfrikfs Lieut. Colonel G. S. Symes unterstellt ist, zugctcilt wird. In den Jahren 1920 bi» 1922 war Palästina in sieben Bezirke cingclci'.t: Jeru* s a I c in, Jaffa, Phon i eia, Galiläa, Samarfa, Gaza und De rseba. Im Juli 1922 wurde eine Zusammen- Ziehung in vier Provinzen vorgenommen: Jerusalem und laffa, Nordprovinz, Samarla. Südprovinz. Der Bezirk von Samaria, der nun einen Teil der Nordprovinz bilden soll, schließt die Unterbezirke Nablus, Jenin, Tulfcerarn und Peisan ein. Wie verlautet, wird׳ eines der Ergebnisse des Besuch« der Dclcgaüon agudistischcr Rabbiner und Industrieller aus Polen in Palästina die Gründung einer Spinnerei ln Tel-Awiw mit einem Kapital von 16 000 Pfund sein. Der Rabbi von Gora Kalvaria und der Rabbi von Sokolow werden die Hauptantcilzcichner sein. Die Agudah-Delcgation hat ferner in Tiberias, Jaffa, Petach-Tikwan und anderen Kolonien viel Land erworben, Eine amvflrtHge ״Wflrdlpisg** Die Abend-Ausgabe des ״Be rli n e r Tagebl a tt8" vom 6. Marz enthält ein Feuilleton ״Theodor Herzl. Ein Beitrag zur politischen Phantastik(!)" von Dr. Paul Nathan. Das Feuilleton, das eine Besprechung der Tagebücher Herzl» *ein soll, ist nichts anderes, als der schlecht ve!hüllte Versuch eine* scharf antizk>nisti*ehcn Vorstoßes gegen die jüdische Palästina-Kolonisation. Durch »eine Oberflächlichkeit, Gehässigkeit und absichtliche Verzerrung auch der einfachsten Tatsachen gehört dieser Aufsatz zu dem Aufreizendsten, dessen man sich seit langer Zeit von unseren jüdischen Gegnern zu versehen hatte. Selbst der uns alles weniger als freundlich gesinnten Redaktion des ״Berliner Tageblatts" kamen anschcinend — leider erst nachträglich — Bedenken. Sie sah sich veranlaßt, Herrn Nathan im Text zu unterbrechen und den folgenden Vorbehalt zu machen: ״Indem wir der nachfolgenden Würdigung der Tagebücher Herzl» Raum geben, bemerken wir. daß wir damit zu den Fragen des Zionismus selbst nicht Stellung nehmen möchten.“ Dr. Nathan trägt also die alleinige Verantwortung für dieses peinliche Produkt eines offenkunuL gen Ressentiments, Wir kommen darauf noch zurück. Sozialistische Presse < In dem Januarheft der ״Sozialistischen Monatshefte" schreibt Dr. Lisbeth GUttfeld einen längeren Auf* satz ״Zum Aufbau eines jüdischen Gemeinwesens", der vor allem die Frage der Einwanderung nach Palästina behandelt Die Verfasserin spricht gegen die Tendenz zur Verringerung der Einwanderung und ist anscheinend — nach dem Zitat der Aeußerung Israel (nicht Joseph) Mereminski» zu urteilen — für eine große Einwanderung selbst auf die Gefahr einer noch' größeren Arbeitslosigkeit hm. In ihrem Schlußwort findet die Verfasserin sehr schöne Worte über die'sittliche Bedeutung der Palästina-Kolonisation für die Gesamtjudenheit und die Menschheit. Wir führen aus diesem Teil des Aufsatzes folgende Sätze an: ״Das Problem Palästina geht in der heutigen Zeit wett über die Grenzen jüdischnationaler Interessen hinaus. Was lange Zeit hindurch nur als verborgener Wunsch, erst langsam und spät als lauter Ruf in den Herzen vldfcr Juden erklang: die Schaffung einer öffentlich-rechtlich gesicherten Heimstätte in Palästina, ist jetzt als eine sittliche Forderung in die Welt getreten, die cs nicht nur der Gesamtjudenheit zur Pflicht macht, mit bester Kraft an Ihrer Erfüllung mitzuarbeiten, sondern die in einer Zeit der nationalen Ditferenzlerung und der Neuordnung der Länder auf der Basis des Selbstbestimmungsrcchts der Völker einen Widerhall bei allen ethisch und sozial fühlenden Menschen finden muß." .... ״Ein große* Werk kann nur auf der Grundlage eines starken sittlichen Wollen! geschaffen werden. Denn dem sittlichen Wollen ist nichts unmöglich, es überrennt mit elementarer Gewalt alle Hindernisse, ohne zu fragen, ob das Ziel persönliehe Opfer kostet, ob ein einzelner oder viele dabei zugrunde gehen. Der Plan eines Aufbaus Palästinas durch die judenheit Ist solch ein großes Werk, aber das Ziel ist fern, die Arbeit; die jetzt geleistet werden muß, von jeder Eiiuclpers&nlichkcit, die sich als Baustein In das große Gebäude fügt, ohne dessen Vollendung zu erleben, ist aufopferndste Kleinarbeit ohne Rücksieht auf eigenes Wohlergehen." .... ״Die Idee de* Zionismus als solche tut ro stark, daß man von dem Wunder der Wiedergehurt des jüdischen Volkes, dem Wunder der Rückkehr nach Palästina spricht. An ein Wunder glaubt der Mensch, wenn etwas ihm nicht rational Erklärbares offenbar wird, worin er aber einen tiefen, fest beschlossenen Sinn des Weltgeschchcns ahnt. Daß aus dem Wunder greifbare Wirklichkeit werde, Ist die Pflicht der Stunde, und die realen Umsetzungsmittel sind der unbeschränkte Zustrom von in jeder Weise opferfähigen Menschen und Kolonisation in höchster Intensität." Der ״Vorwärts" bringt in seiner Beilage Nr. 4 ״Volk und Zelt“ einen Artikel ״jüdische Kolonisation ln Palästina" mit einer Reih« von Illustrationen. Der Ehrenpräsident des Jerusalemer Oemeinderat» und Vorsitzende des Waad Leumi, David Yellin begeht am 18, März seinen 60. Geburtstag. Aus diesem An aß »nid mannigfache Öffentliche Veranstaltungen geplant. Außerdem bereiten seine Freunde ihm zu Ehren eine hebräische Fest- Schrift vor. Der jetzt kt Aegypten weilende Baron Edmoad de Röth- Schild hat den zu serner Begrüßung nach Aegypten abgereisten Vertretern der Jewish Colonisation Association ln Palästina miigefeilt, sein Sohn James de Rothschild übernehme den Vorsitz ln der ״Pica" (Palcstine Colonisation Asso* clation). Die Anklage des Abg. I. Orünbaum gegen die Re* daktcure der ״Gazetta warszawska", ״Dwa Grosze" und ״Rozwoj", die am 29. Februar In Warschau verhandelt werden sollte (vcrgl. die Meldung ״De Zionistische Organisation und Polen" fn Nr. 18 d. ״J. R."). ist auf unotstimmte Zeit verschoben worden, da mehrere wichtige Zeugen beider Par• telen nicht erschienen waren.