Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXIX (1924)
- Issue
- Heft 18 (4.3.1924)
- Date
- 1924-03-04
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Kr. 18 fUEDISCHE RUNDSCHAU Seite 1JI hervorgegangen, hatten viclfsch nicht einmal begonnen, hebräisch zu lernen und zeigten nicht einmal das Gefühl für die Notwendigkeit, es jetzt schleunigst nachru holen. Die Gefahr in sich geschlossener, dcutschsprcchendor Kreise sollte nicht unterschätzt werden. Palästina kt in der Tat ein kleines Land, aber immerhin ist es ein Land, wo es sehr schwer, wenn nicht unmöglieh ist, von einem Punkt aus das Ganze zu überblicken, zumal wenn dieser Punkt Haifa ist* Die Situation Haifas ist ganz eigenartig. Die entscheidenden Regierungsstellen, zionistischen Behörden, Stellen der Arbeiterschaft sind in Jerusalem oder in Tcl-Awiw. Von dort gehen neue Bcwegtingen und Tendenzen aus, dort sind die ersten Ncuatifführungen und erst nachher kommen sie in die Provinz, nach Haifa. Und doch spricht vieles dafür, daß dieses Haifa einmal• eine ganz andere Rolle spielen wird. Schon allgemeine Gesichtspunkte sprechen dafür. Haifa ist Undschaftlich unvergleichlich schön gelegen, cs hat den einzigen Naturhafen der palästinensischen Küste, c* hat die beste Eisenbahnverbindung von allen palästinensischen Städten: gegen Norden nach Akko, nach Osten ins Galil und weiter ins Ostjordanland und nach Damaskus, nach Süden über ludd einmal nach Tcl-Awiw, dann nach Jerusalem und endlieh über Kantara nach Aegypten. Das jüdische Haifa hat den landschaftlich schönsten und gesündesten Punkt besetzt, die Karmelahhängc und bietet noch viel Platz zur Vorgrrtßcrung der Siedlung, sowohl in der Richtung zur Karrnclspitze, als mich nach Ncwe Schanan. Die heute als gewiß bezeichnetc Tatsache, daß der zukünftige Hafen in Haifa gebaut werden wird, wird natürlich für Industrie und Handel von ausschlaggebender Bedeutung werden. Schon heute hat Haifa eine nicht unbeträchtliche Industrie (die große Mühle, ״Schemen“ usw.) und - bald wird die große Zcmciitfnbrlk ״Ncschcr“, wenige Kilometer von Haifa entfernt, mit der Arbeit beginnen. Ein weiteres Moment, über dessen Bedeutung noch in einem besonderen Artikel gesprochen werden soll, ist die bevorstehende Eröffnung des Technikums., Endlich kommt ein allgemeinerer Gesichtspunkt in Frage, die besondere Rolle des Galil in der Kolonisation. Denn seit jenen soviel angegriffenen Bodenkäufen im Emek, die den eigentlichen Beginn der neuen Kolonisation bedeuteten, haben sich alle Energien auf das Emek und das untere Galil konzentriert. Für sie alle bietet Haifa das gegebene Zentrum und wenn jerusalcm und Tcl-Awiw der Mittelpunkt der Zentralstellen sind, so wird Haifa in immer höherem Maße der Punkt sein, wo alle Interessen und Richtungen der landwirtschaftlichen Kolonisation des Galil sich konzentrieren. Dr. Fritz Läwenstein. Elmvanderangserlaubnis liir 2000 jüdische Arbeiter nach Palästina Jerusalem. (J. T.A.) Die Regierung will 2000 jüdisehen Arbeitern, die für den Tabakbau und für die Frühjahrsbestellung benötigt werden, eine Sondcreriaubnis zur Ein- Wanderung nach Palästina gewähren. Asphaltgewiiuiung am Toien Meer , Aus Hebron berichtet J. T. A-: Der Sfurm, der Ende Januar in der Gegend des Toten Meeres wütete, hat große Mengen Asphalt (Erdharz) an das westliche Ufer geworfen. Ein großer Teil der arabischen Bevölkerung in Hebron ist nun beschäftigt, dieses Mineral zu sammeln, das in Hebron für 3Vr Piaster per Kilo verkauft wird. Vor dem Kriege wurde fast die ganze Asphaltproduktion nach Beirut gesandt, von wo die Verschiffung erfolgte. Für die palästinensischen Kauflcute hat sich das Geschält als nicht vorteilhaft erwiesen, aber den syrischen Schiffsleuten hat es einen beträchtlichen Gewinn ahgeworfen. Wie man hört, ist dieser wilde Handel jetzt wieder aufgenommen worden, obgleich die Ausfuhr nur mit einer besonderen Lizenz erlaubt ist. Die einzigen palästinensischen Firmen, die das Material verarbeiten, sind: die Krcmenctzky-Wcrke zu Tel-Awiw, die etwa zwei Tonnen pro Jaiy zur Herstellung von elektrischen Trockenbatterien brauchen, und die ״Hasharon-Company“ in Jaffa, die gewisse Mengen zum Mischen mit pulverisiertem Kork verwendet. Die importierte Ware kostet etwa 7 engl. Pfund die Tonne und ist billiger als das im Lande selbst vorkommende Mineral, das jedoch ein natürliches und äußerst reines Mineral ist, während die importierte Ware wahrscheinlieh ein Nebenprodukt der Oelgewinnung ist ... [!!1 .. -. ..ו. ilJ ff © ון Tpy 11 ® #o ץ-.; ®t/ י״י ,'f ך! ןו fl יף־יז ן׳31י*'6 S4 AjJil JM> C* Vi/mMWiI © Tj ־«וי״״ן *■־-*וי A יי! <:״?r M. iü-W׳Mk k* W!1311 einer li י!מ!!Indien Schwarzen Die Aufmerksamkeit jüdischer Kreise Moskaus ist gegenwärtig auf ein Projekt konzentriert das eine ausgedehnte jüdische Kolonisation auf der nördlichen Krim und den nachbarlichen Distrikten in der Ukraine vorsieht mit dem Ziele, aus diesen Gebieten ein abgegrenztes auton 0 m es jüdisches Staatsgeb ildc zu schaffen, ln eiiigeweihten Kreisen hält man dafür, daß der jüngst von den höchsten Instanzen der Sowjetrcgierung diskutierte Plan schon in kurzer Zeit in das Stadium der Realisierung treten wird. Der Vertreter der J. T. A. in Moskau hat Einblick 'in das Material genommen und ist in der Lage, die folgenden Ein/elhcilcn der Ocffcntlichkcit bekannt zu geben. Bemerkt sei vorerst noch, daß die maßgebenden Faktoren an dein Gedanken festhalfcn, die Schaffung einer jüdischen Republik auf russischem Territorium sei das einzige Mittel, die Judenfrage ln Rußland, deren Vorhandensein nicht abgclcugnet werden kann, einer Lösung näher zu bringen. Das Memorandum der Initiatoren. Der Verfasser des Memorandums, das den Regierung!־- kreisen Vorgelegen hat, ist Abram Bragin, der Organisator der allrussischen landwirtschaftlichen Ausstellung in Moskau. In der Einleitung zum Memorandum unterstreicht er die schwere wirtschaftliche Lage, in die das russische Judentum infolge der Revolution geraten ist. Während die Revolution die jüdische Frage in politischem Sinne gelöst hat, hat sich gleichermaßen die ökonomische und kulturelle Lage der jüdischen Massen in Rußland u n g c heuer verschlimmert. Abgesehen davon, herrscht in allen Teilen der russischen Bevölkerung ein unüberwindlicher Antagonismus gegen die Juden. In dem Glauben, daß der Sowjetregierung an der Lösung des jüdischen Problems sehr gelegen ist, schlägt Bragin vor:. Ein spezielles Gebiet ist zu umgrenzen, welches durch jüdische landwirtschaftliche Arbeiter kolonisiert werden soll. In das Gebiet fallen auch einige Städte, wie Odessa, Cherson und Nikolai e w. Die jüdische Kolonisation soll sich über die nördliche Krim, dann über die ukrainische Steppe bis zum Schwarzen Meer erstrecken. Dieses Gebiet umfaßt 14 Millionen Dcsjatin Ackerland, worunter zwei Millionen Dcsjatin Staatsgut sind.' Für die Bedürfnisse der jüdischen Kolonisation würden vorläufig 1 Million Dcsjatin genügen. Die ganze Gegend ist bloß zu 3fl ״,'» bewohnt. Die jüdische Bevölkerung zählt dort 1 Million. Die Jüdische Selbstverwaltung. Das Memorandum fährt fort: Sobald sich die jüdische Kolonisation hinreichend entwickelt hat, was ■ungefähr 1927 erreicht sein kann, wird das Gebiet als autonom erklärt und unter eine selbständige jüdische Verwal• tung gestellt. Die Aufnahme des Projektes., ' Wie der J. T. A.-Vcrtreter erfährt, h>bcn sich maßgebende russisch-politische Kreise, sowie\ besond're landwirtschaftliche Sachverständige mit dem Projekt beschäftigt und ihre Sympathie für den Plan ausgedrückt. Die ״jüdische Sektion“ (der kommunistischen Partei) verhält sich vorläufig neutral. Im Januar 1024 haben sich die höchsten Kreise der Sowjetrepublik eingehend mit dem Projekt bcschäfligt. Es wurde eine Kommission eingesetzt, die die Einzelheiten ausarbeiten und später auch mit der Realisierung des Planes betraut werden soll. Der Kommission gehören an: der Vorsitzende des allrussischen Konzessions-Komitees und früheres Mitglied der ukrainischen Regierung Piatakoft, der Vorsitzende des Zentralkontrollkomitccs der kommunistischen Parlci M. Kubisch eff, der Volkskommissar für Land- Wirtschaft Smirnoff, das Mitglied der ״Jüdischen Sektion" Esther Frumkin und das Mitglied des ״Bund“ Picker. Die Stellung der russischen Regierungskrise. Das Projekt wurde in der letzten Zeit wiederholt zwischen den Mitgliedern der Sowjetrcgierung diskutiert. Trotzki, Kamenew, ßueharin, Tsclutrupa, Sosnowsky und andere hohe Rcgierungsmitgiicdcr haben sich f ü r das Projekt ausgesprochen. Während des letzten allrussischen Rätckor.gresscs wurde in dieser Angelegenheit mit den ,einflußreichsten Vertretern der Ukraine, Weißrußlands, Kaukasiens und anderer Gebiete verhandelt; sie *Ile bekundeten ihre Sympathie und sehen in der Verwirklichung 'die einzige Lösungsmöglichkeit des jüdischen Problems. Ebenso hat sich der Kommissar für auswärtige Angelegenhelfen, Tschitscherln, in sehr positivem Sinne für den I Plan ausgesprochen. Sehr aktuell war die Frage unmittelbar vor Lenin* Tod. Das Ableben des Staatsoberhauptes hat die Frage etwas in den Hintergrund gedrängt, doch wird jetzt erwartet, daß die Diskussion über das Projekt der kommunistischen Presse freigegeben wird. Bemerkenswert ist, daß die Autoren des Projektes die Verwirklichung desselben keinesweg* als Gegen zug gegen die zionistische Bewegung betrachten. Sie rechnen damit, daß das jüdische Problem in anderen Ländern einer Lösung durch den Zionis« mus harrt. if. Die Gesellschaft zur Förderung des Ackerbaues unter den luden, ״Ort“, belief für den 23. Februar nach Berlin eine Konferenz über das Thema ״Die jüdische Wanderung und Kolonisation in Rußland“. De״ Vorsitz, führte Dr. Ch. Schytlowski. Es nahmen teil Vertreter der Zentralverwaltung und des Berliner Komitees ״Ort“ der Jüdischen Welthillskonfcrcnz, der Gesellschaft ״Ose“, des Emigration«,- direktoriums und des Zcntraiverbaudcs der jüdischen Koopcrativen. Ferner waren eine größere Anzahl jüdischer Scnriftsteiler und bekannter Persönlichkeiten zugegen. Die beiden Referenten, Prof. Sch. Frankfurt und Agronom J. Zeg c 1 n i t z k v, informierten die Versammlung über das wachsende Bestreben der jüdischen Massen in Rußland nach landwirtschaftlicher Betätigung. Die jüdische Masse in den kleinen Städten, durch Krieg, Bürgerkrieg und Pogrome vollkommen ruiniert, ist gezwungen, ihre ökonomischen Positionen anfzugeben und zur Landwirtschaft überzugehen. Im Jahre 1923 haben sich große jüdische Gruppen in der Gegend von Odessa sowie in der Krim angesiedelt, wo viel freier Boden vorhanden ist. Die russische Regierung unterstützt diese Bewegung. Die Redner kamen zu dem Schluß, die jüdische Oclfcntlichkcit sei verpflichtet, alle Mittel zu ergreifen, um diese kolonisatorische Bewegung der jüdischen Masse zu unterstützen. Es wurde beschlossen, eine allgemeine Konferenz der jüdischen Organisationen für diese Frage einzuberufen. Zur Vorbereitung dieser Konferenz, wurde ein Komitee eingesetzt, welchem angehören: die Mitglieder der Zentralverwaltung der Gesellschaft ״Ort“, ferner die Herren Professor B. Brutzkus, Dr. J. Blum, Bcn-Adir, Br. Ch. Schytlowski, L. Chazanowitsch, jlerf Locker, M. Fcinlcib, Dr. M. Krainin, W. Kasowski und N. Stif. # Wie der Moskauer J. T. A.-Vertreter aus guter Quelle erfährt, wird dieser Tage von maßgebender Stelle eine Broschüre über die wirtschaftliche Lage der Juden in Rußland im Zusammenhang mit dem Projekt der Gründung eines autonomen jüdischenGebietes ausgegeben werden. Einige der großen Moskauer Tageszeitungen werden in diesen Tagen in einer verkürzten Form zum erstenmal die Angelegenheit behandeln. Der soeben in Moskau eingetroffene foint-Direktor Dr. Rosen äußerte sich gegenüber dem J. T. A.-Vcrtrcter dahin, seine jetzige Rußland-Reise hänge mit der Liquidation der loint-Arbeit in Rußland zusammen. Das Interesse für die Rußland-Hilfe ist in Amerika gesunken, es fällt schwer, die notwendigen Mittel aufzubringen. Sollte aber der Plan der Schaffung eines autonomen jüdischen Gebietes in der nördlichen Krim Fortschritte machen, wird dies nicht allein unter den amerikanischen Juden, sondern auch unter der allgemeinen amerikanischen Bevölkerung großes Interesse wecken. Falls die russische Regierung eine, wenn auch bedingte, Konzession für das bctreffende Landgebiet erteilen sollte, würde cs möglich werden, in Amerika eine große Aktiengesellschaft zur Realisierung des Projektes zu gründen. Kerenski über den Plan einer jüdischen Kolonisation in der Krim Alexander Kerenski, der Führer der russischen Sozialrevolutionäre und letzte Ministerpräsident Rußlands, antwortete einem Vertreter der Prager ״Sclbstwehr“ auf deren Frage nach -Kerenskis Stellung zu den Plänen der Schaffung jüdischer Kolonien in Südrußland: ״Ich bin wenig mit den letzten Plänen vertraut, ich kann nur versichern, daß insoweit die Juden den guten Willen haben, sich dem Boden zuzu wenden, dieser Wille k e i - nem Widerstand des landwirtschaftlichen Volkes Rußlands, im Gegenteil, nur lebhafter Sympathie begegnen wird. Es ist aber abhängig von den Formen, die diese Besiedlungen annehnicn werden, ob es nach dem Typ Krupp oder in der Form einer gewöhnlichen, regelmäßigen Ansicdlung, ob also in der Form der ausländischen Kon- Zessionen, die die Bolschewiken den Ausländern geben, oder kischcr Besatzungstruppen, a^ypösuie Handwerker und Kauf- Rute, seiten auch oberägypiisc'he Kopten, die irgendein Zufall dorthin verschlagen hat. Juden gibt es unter diesen Hadar aber keine, denn sie hätten hier nicht nur den Haß der Türken und fremden Einwanderer, sondern auch denjenigen der arabischen Beduinen und Fischer zu gewärtigen. Im Allgemeinen wird von den mohammedanischen Hadar für das' ihnen eingeräumte Asylrecht keine Abgabe mehr verlangt, und bei Raubzügen, die von den dortigen Beduinen noch redit häufig ausgeführt werden, sind sie als quantitd negligeabfe auch keinen Belästigungen ausgesetzt. So verkehren hier Fremde und E ngeborene ziemlich friedlich miteinander. Der Hadari ist Silher- oder Waffenschmied, Klempner, Sattler oder Zaumzeuglieferant, Imjiorteur von B.iuinwollgcwcben, Garnen, Nadeln, Messern, Silbermünzen, Kupfergeschirr, Kerzen und Seife, Getreide, Zucker, Kaffee, Gewürzen, medizinischen und kosmctischcn Drogen usw., kurz von allem, was des Beduinen Herz begehrt in dieser abgelegenen Wüste, sonst aber nicht zu haben wäre. Umgekehrt kauft der Hadari dem Beduinen Vieh, Schmalz, Holzkohlen, Gummi arabicum, w.ldc Mandeln und trockene Näbakfrüchtc ab und bringt diese Produkte üi den Nachbargebieten in den Handel. Außer den Beduinen gibt es in Midian aber noch ein anderes Bevölkerungselemcnt, mit dem die dortigen 'Hadar zu rechnen haben. Es sind dies die Fischer, echte Araberstamme, die auf den umliegenden Inseln und in abgelegenen, von den Beduinen wenig besuchten Küstenstrichen lagern. Sie besitzen Klelnviehhcrden, mit denen sic je nach den Futterverhältnissen auf Schiffen von einer Gegend zur andern ziehen. Für das aus den Küstenbrunnen bezogene Trinkwasser und für Weidebenutzung auf dem Festlande haben sie den das ganze Küstengebiet beanspruchenden Hauetat-Beduincn kleine Abgaben zu entrichten. Es ist aber nicht die Viehzucht, sondern die Fischerei, die den größten Teil der Nahrungsbedürfnisse dieser Seenomaden deckt. Ein beachtenswerter Nebenerwerb erwächst ihnen audi aus der Perlmutter-, Perlen- und Korallcnfischerci, sowie auch aus der Jagd auf Schildkröten und Seekühe. Wenn ihre Schiffe reparaturbedürftig werden, was nicht selten ist in dem gefänriiehen Fahrwasser des Korallenrif fmeeres, so kommen sie zu den Hadar, um das benötigte Material jeu beziehen und um schwierigere Reparaturen durch diese ausiühren zu iasica. Sie verhandeln an sic in jener Zeit dann auch einen großen Teil der gefangenen und in trockenem Zustande aufbewahrten Fische, Perlmutter, Perlen, schwarzen Korallen, Schildpatt und Seekuhhaut. Aus solchem Verkehr zwischen zugewanderten Hadar, Beduinen und Fischern ergibt sich olntc weiteres das Bedürfnis nach Einführung einer vermehrten Zahl von Gewerben. Ich möchte unter diesen nur die Verarbeitung der Perlmutter, des Schildpatts und der schwarzen Jussr-Kornllen hervorheben, aber auch Erweitcruim der besehenden Kleingewerbe, wie Seiimicddtiinst und Schiffbau. Beim Anwachsen der seßhaften Bevölkerung gäbe cs bald auch Erwerb für Bäcker. Schneider und Schuster, selbst für Gartenbau, der den Bedarf an Gemüsen, Zwiebeln und Früchten d'ükcn könnte. Es ist hier aber nicht die Stelle, •uf die Erwerfasmög- Hchkeifcn einer Kolonie näher cinzugcben, die nur für mohntnmcdanisdic Siedler oder höchstens noch für einige oberägyptische Kopten in Frage kommen Sonnte. •Das Gesagte soll nur zeigen, daß Friedmann nicht l'nrccht hafte, wenn er für eine Siedlung an der midianitiseken Küste nicht auf Ackerbau und Viehzucht, sondern auf Gewerbe, Handel uhd Verkehrsdienst das Augenmerk richtete Wenn es ihm nicht gelang, Juden in jene Gebiete zu verpflanzen, so war dabei nicht nur die Abneigung der Türken und Araber gegen das Judentum maßgebend, sondern auch die Abneigung der nach Seherin gebrachten russischen luden g׳>;en das, was sie auf dem Sinai gesehen und erlebt hatten und nach ihrer Auffassung auch von Midian nicht andere erwarten konnten. Trotz Kleidung und guter, reichlicher Nahrung, die ihnen Frlcdmann bof, sahen sie in Seherin nichts als Elend und Entbehrungen um sich herum. Die cindge Zisterne, die sic hier vorfanden, lieferte spärlich nachsiclcrndcs und schlechtes Wasser. Ringsum kein Baum, unter welchem etwas Schatten genossen werden konnte. Der im abwechselnden Spiele von Springfluten und Landwinden herumgewehte Sand 80 trocken, wie in einer Sanduhr. In dem aus dein kahlen Granitgebirge herführenden Tälchcn seit Jahren auch nicht das geringfügigstc Rcgenbächiein. Das wenige Grünzeug, das e'ch darin findet, dornig, bitter und giftig, wies wenn es hierher verpflanzt worden wäre, um die Schrecknisse der Wüste mit allem Nachdruck «1 demonstrieren. W> das' Lager herum' konstant einige armselige Beduinen und notdürftig gekleidete Kinder, die auf jede leere Konservenbüchse, auf jeden Werk- Station- oder Küchenabfall warteten, dessen Bcs'tz noch einen Glücksscbimmcr in ihr entbehrungsreiches Leben werfen konnte. So dauerte cs nicht lange, bis allgemeine Verdrossenheit und Furcht vor einem weiteren Vordringen in die Wüsteneinsamkeit sich in der Arbcitcrkolonnc des Herrn Friedmann geltend machten. Einer der enttäuschten Menschen desertierte schon an dem Tage, wo ich zum ersten Mal in dieses Lager kam. Die übrigen verlangten ba'd darauf ihren Rücktransport nacli Suez und die, welche dort als Nachschub gewartet hatten, wollten nach Rückkehr der Ersten von einer Abreise nach Seherin natürlich auch nichts mehr wissen. Das Lager mit Friedmann und seinem Stabe blieb in reduziertem Zustande immerhin bis in das Jahr 1893 hinein bestehen. Zu seiner Bewachung wurde eine Anzahl Sudanesen engagiert. Ich bcsuchte cs in dieser Zeit mehrmals, auch in Begleitung von Touristen, und hegte die stille Hoffnung, daß ich es schließlieh als Zweigstation für wissenschaftliche Mecrcsstudien erwerben könnte. Da nun aber auch die ägyptische Regierung anfing, auf Abbruch dieses Lagers (cs waren inzwischen einige Bretterhüften erbaut worden) zu drängen, entschloß sich Fricdrnann zu plötzlichem Wegzug. Enttäuscht hat er sich bei mir fn el Tor verabschiedet, und seither habe ich nichts mehr von ihm gehört Fürst Wrede: Die Goldschilds. Verlag Ernst Hoffmann ft Co* Berlin. Der bekannte Judenroman, den Herzl seinerzeit ln der ״Welt“ veröffentlichte, ist vor einiger Zeit in einer Neuaufläge erschienen. Ucber den literarischen Wert des Buche* kann man verschiedener Meinung sein;*doch ist er jedenfalls als eine gute Untcrfultungslektüre zu empfehlen. Im vergangenen Jahre wurde in Polen 179 ausländischen Zeitungen und Journalen das Postdebit (Zulassung der Ver• sendung durch die Post) für Polen entzogen. Unter diesen befinden •ich 39. ausländiache jüdische Zeitungen.