Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXIX (1924)
- Issue
- Heft 18 (4.3.1924)
- Date
- 1924-03-04
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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Seite 120 JUEDISCHE RUNDSCHAU Nr. 18 4 ין י, ןךץ«י-- '־ *iisi«*««'.״ ויו ח י »sät kD ic. •!> Von Leo Herrin an 11, London. Die zionistische Bewegung ist im Kampf und in der Auflehnung groß und stark geworden. Erfüllt vom Ödst der revolutionären Umgestaltung, der Absage an den de ist der Zufriedenheit mit dom Bestehenden hat der Zionismus zu einem Ncubruch in der geistigen und mornlischcn Einstellung des modernen Judentums ge* fuhrt. Wieder einmal erfuhr die jüdische Ciemeinsdiaft die Befreiung ihres Willens zur Neugestaltung ihres Seins auf der Grundlage der nationalen Zielsetzung,der Wiederbelcbtmg prophetischer und mcssinnisciicr Ideale. Ist der große Aufschwung des modernen politischen Zionismus auch durch die Errungenschaften des modernen Europa gefördert worden, so ist seine treibende Kraft doch die uralte, immer wieder junge Sehnsucht des Volkes, die aus seiner Tiefe kommt. Im Kampf gegen dieses Gegebene war der moderne Zionismus eine Bewegung des Kampfes, eine Bewegung der Jugend. Nach mehr als fünfundzwanzig Jahren des Kampfes hat sicli die zionistische Bewegung und Organisation außerhalb und innerhalb der jüdischen Welt Anerkennung errungen, ist eine geltende Macht geworden, kabinettfähig und — was oft noch mehr sagen will — sogar salonfähig. Und doch beruht auch heute noch und heute vielleicht noch mehr als jemals ihre Kraft des Aufstiegs auf ihrem revolutionären Geist, ihrer Fähigkeit zur Neugestaltung, auf ihrer Jugend. Aber auch eine Jugendbewegung hat ihre Feiertage, die Geburtstage und Erimieruiigstage ihrer Führer und Träger, ihrer Verkünder und Mitarbeiter. Oft ergreift uns das Gefühl, daß es nicht nur der kollektiven Rückschau bedarf, in der sich die ganze Bewegung des gemeinsam zurückgelegten Weges in den Dezennien und längeren Epochen seit ihrem Beginn bewußt wird und sich über die Bedcutung des Ringens um die gemeinsame Aufgabe Rechenschaft gibt, sondern daß auch der Blick auf die Gestaltung der Einzclschicksalc noitut, deren Lauf in den Strom der Gesamtbewegung eingcflossen ist. Deswegen betrachtet unsere Bewegung mit Recht als eine ihrer schönen Pflichten und Rechte auch das Mitfeiern der Jubiläen unserer Führer. Einer dieser unserer Führer ist Dr. Arth'ui H antkc , der am 5. März fünfzig Jahre alt wird. An diesem Tage Arthur Hantke die Wünsche freundschaftlicher Kameradschaft darzubringcu, ihm auszusprechen, daß wir seinen besonderen Beitrag zur Ent- Wicklung unserer Bewegung zu würdigen wissen, ist nicht Sache des deutschen Zionismus allein. Die Gesamtbewegung hat ihren Anteil und sollte ihn wahmehmen, soweit sie inmitten ihrer Kämpfe und aufreibenden Ar* beiten die Fälligkeit zur Selbstbeobachtung nicht verloren hat und zu schätzen weiß, welches wertvolle Besitztum für unsere Bewegung solche Persönlichkeiten wie die Arthur Hantkes .sind. Dr. Hantkcs Name ist mit der Geschichte und der Bedeutung vor allem des deutschen Zionismus eng verbunden. Mit dem Auftreten Theodor Herzls hat der moderne Zionismus seinen Ausgang aus Wien, von dem Judentum des österreichisch-ungarischen Nationalitätenstaates, genommen. Er wurde zur Weltbewegung dadurch, daß er sich auf der einen Seite mit dem russischen Judentum, auf der anderen Seite mit dem deutschen verbinden konnte. Die Verbindung mit den! deutschen Judentum, die zur langsam, aber stetig wachsenden Bildung der deutschen zionistischen Organisation führte, gab ihm in erster Reihe die starke Organisationsfornr, die alle inneren Krisen und schließlich auch das Chaos eines Weltkrieges überdauerte. Es ist kein Zufall, daß in der Weltbewegung mit Hantkcs Name die Geltung des deutschen Zionismus in erster Reihe verbunden wird. Seit Dr. Hantke mit dem Eintritt in das Engere Actions-Comite (1011) die Verantwortung für die organisatorische Leitung der Gesamtbewegung über- 1101 nmen hat, erhielt dies«; ein System und eine Stetig* keif, deren fruchtbare Folgen auch' Zeiten der Unruhe und Gkiclrjewiclitr.losigkrit nicht mehr zerstören konnten. Was in den Jahren vor dein Kriege von der Zentrale aus in der Bewegung aufgebaut worden ist, was auch während des Krieges unter dauernder Teilnahme Dr, i l.uilkes im Zentrum und den von ihm aus erreichbaren Teilen der Organisation sorgfältig erhalten und ausgebaut wurde, ist ein Erbe, das dauern wird. Wer jemals an der Arbeit in der Leitung der Gesamtbcwcgnng teil• genommen hat, wer Dr. Hantkcs Anteil an Ihr, solange er Mitglied des Engeren Actions-CoinitCs in Berlin und der zionistischen Exekutive in London war, beobachten konnte, wer Hantkes Tätigkeit bei Kongressen, Jahreskonferenzen und Sitzungen des Actions-Comitös verfolgt hat, der weiß, was seine Fälligkeit, den großen Linien unserer Arbeit zu folgen, aber auch das Detail einzuschätzen und niemals aus dem Auge zu verlieren, für eine Bewegung bedeutet, in der die Treue gegenüber dem Ideal mit der stets wechselnden Anforderung der Situation in Einklang zu bringen ist. Niemand war und ist in den Zeiten des Aufbaus und der Arbeit für uns notwendiger als der Mann, der bei jeder Beratung daran denkt, daß ihre Aufgabe ist, Richtlinien aufzustcllcn und Grundlagen fesizulegeii, die für eine Arbeit notwendig sind, die der Verwirklichung .und Erfüllung dient. So hat die Gesamtbewegung in ihm den zuverlässigen Wahrer der Kontinuität erprobt, der auch für neue Aufgaben und neue Situationen genügend Weite des Blicks und Schmiegsamkeit der Auffassung mitbringt. Wir haben ailc gelernt, in Hantke die Verkörperung der Treue zu sehen, die nicht nur unerschütterlich am Ziele fcsthält, sondern sich auch in der Arbeit an der Verwirklichung der Aufgabe bewährt. Hantkes Fälligkeiten haben sich seit jeher nicht zuletzt darin kundgetan, wie er es verstand, mit Kollegen und Mitarbeitern, nahen und ferneren, zusammenzuarbeiten. Er hat die seltene Eigenschaft, zuhören zu können und lernen zu wollen, eine Gabe, die jeden der Unzähligen, die glauben, mit ihrem Beitrag das Wesentlichste aller Schwierigkeiten lösen zu können, mit dem Gefühl erfüllt, daß sie ein offenes Ohr gefunden haben. In Hantke hat der deutsche Zionismus der Ge• samtbewegung einen Führer gegeben, der jederzeit seine Pflicht tut und immer fühlt, daß er eine Verpflichtung zu erfüllen hat. Dr. Hantke ist Verpflichtungen niemals ausgewichen, er hat sie freudig übernommen und hat sie in Seibstvcrgessenheit getragen. Er ist für viele von uns das Symbol des Verantwortlichkeitsgefühls, der Selbstdisziplin und einer Sachlichkeit, die in einer Be• wegung wie der unseren von unschätzbarem Wert ist. Alle seine Gaben hat Dr. Hantke in den letzten Jahren nicht zum letzten in den Dienst des Keren Hajessod gestellt. Er hat als einer der ersten das Gebot der Zeit verstanden, und damit über sein Arbeitsbereich hinaus Dauerndes und Nachwirkendes geschaffen. Die zionistische Bewegung weiß Arthur Hantke Dank dafür, wie er ihr bisher gedient hat, und eine unserer stärksten Hoffnungen ist, daß seine nie er• müdende Kraft in dem vielfältigen Aufbauwerk unserer Bewegung noch große Entfaltungsmöglichkeiten besitzt. Der ״l!amaschbir“ aul der Ausstellung für Genossenschaftswesen Wie J.T.A. erfährt, wird sich die Organisation ״Ham a s c h b i r" (Konsumgenossenschaft der allgemeinen Ar• bcitcr-Organisntion Palästinas) an der vom 15. Juni bis 15. Scptember d, J, in Gent stattfiudenden ״Internationalen Ausstellung des Genossenschaftswesens" beteiligen. Die Arbeiter-Organisation Palästinas trifft, gemeinsam mit dem Komitee für das arbeitende Palästina ln Berlin, alle Vorbereitungen, damit Palästina auf dieser Ausstellung entsprechend vertreten ist. Das offizielle Organ der üenosscnschaftsausstcllung bringt in seiner letzten Nummer einen Artikel über die Tätigkeit des ״Hamaschbir". Ein mißglückter Kolonisationsversuch im lUidiangcbiete Von Alfred Kaiser, Arbon (Schweiz). Unter «1cm Titel ״Zionismus im 18. Jahrhundert" bringt lic ״Jüdische Rundschau“ (Nr, 12, Jahrg. 29) eine Notiz iber den in den Jahren 1801/03 von Herrn Friedmann ein*;(־leiteten Versuch, russische Juden längs der Küste des Koten Meeres des nördlichen Arabien anzusicdcln. Diese Mitteilung gründet sich auf Dokumente, die im ehemaligen :aiserlichen Archiv in Wien aufgefunden wurden und eine (orrespoudenz zwischen dem österreichischen Generalkonsul 11 Kairo und dem damaligen österreichischen Außenminister <ainoky darstellcn. Nach diesen Schriftstücken sollen im ’:ihre 1892 zirka 200 russische Juden durch Herrn Paul ־‘riedmann fn Akaba an,gesiedelt worden sein, und dieser licdlungsversuch hätte beinahe' zu einem ernsten Konflikt •.wischen der Türk« und England geführt. Ich will die eiztere Behauptung keiner Kritik unterziehen, weil es ja nöglicli wäre, daß die betreffenden Diplomaten durch irrige 4ach richten getäuscht worden sind. Sicher ist es aber, daß m Jahre 1892 keine russische Judenkolonic in Akaba existierte. Jüdische Kolonien hatten sich im südlichen Edom und in nördlichen Arabien ja schon zu Salomos Zeiten vorgeunden. Sie haben sich vielleicht halten können, bis der r.latn sic verdrängte oder das islamische Glaubensbekenntnis l’on ihnen verlangte. Es sind aber schon Jahrhunderte seit Iler großen Expansion des Islam verflossen, und keinerlei Nachrichten deuten darauf bin, daß im 18. Jahrhundert jüilinche Kolonien dort zu finden gewesen wären. Nach Prof. Pr. Alois Musils epochemachendem Reisewerk über ״Arabia rctraea" sollen zwar gewisse Familien von Akaba 1kUte noch Mischen Typus aufweisen. Es heißt darin aber ganz aus- Irücklieh, daß es sich um altangesessene Familien handle, dso jedenfalls nicht um Neusiedler, die in irgendwelche Be. ■iehuiig gebracht werden könnten zu den Juden, die Herr 5rkdmaiui nach Midian führen wollte, oder zu denen, welche Suren die Zionisten in Palästina angcsicdclt wurden. Die 4eüzx־it hat in jenem Gebiete keine jüdische Siedlungen auf. £!WC«S£i2i1 Bei Beginn der Neunziger Jahre hat Paul Friedmann, ein protestantischer Deutscher׳), aber den Plan gefaßt, russische Juden au einigen Vcrkchrsplätzcn der mldiamtisclmi Küste, also zwischen Akaba und el-Wcgh nnzwicdelu. Als Einlcitung zu jenem Unternehmen hat er eine, wenn ich mich recht erinnere, ״Das Land Midian“ betitelte Broschüre geschrieben, in welcher der Versuch gemacht wurde, die Be* siedcluiigsfähigkeit jenes Gebietes zu erweisen. Diese Schrift war offenbar für Propaganda unter den deutschsprechenden Juden bestimmt. Einen siedlungstechnischcn Zweck hatte sie nicht, da Friedmann das betreffende Gebiet weder aus eigener Anschauung, noch aus dom Verkehre mit dessen Bewohnern kannte, und wissenschaftliche Literatur über Midian nicht vorhanden war. Ende 1 SO 1 schloß er mit einem Aegyptcr aus Modell, Said Ahd-cr-Kaiuuan, gegen Vorauszahlung einiger Monatsmieten einen Mietvertrag fijr ein Wohnhaus in Modell ab. Dieser Vertrag wurde im März 1892 aber von dem dortigen Fortkoimnandanten Said-Hey als null und nichtig erklärt. Von demselben Funktionär wurde ihm auch bedeutet, daß er ohne besondere Erlaubnis aus Konstantinopc! keinen Aufenthalt auf mkliauiiisohcm Hoden nehmen dürfe. Dies genügte, um einstweilen jeden Versuch einer Ansiedelung von Juden in dem betreffenden Gebiete zu verschieben. Inzwischen hatte Friedmann aber von Suez her zirka 20 russische Juden nach der unter ägyptischer Botmäßigkeit stellenden S i n a 1 h a 1 b i 11 s c I gebracht. Ich kam anläßlich einer botanischen Exkursion, die idi vom Wadi Bedr aus machte, Mitte Dezember 1891 ganz zufällig und zum ersten Mal in dieses Judcnlagcr. Vorher hatte ich von Friedmann und seinem Kolonisationsprojckt nie etwas gehört. Ich lagerte am zweiten Reisetage mit meiner Frau zusammen unweit der Zisterne von Seherin cl-moje und traf dort mit befreundeten Beduinen zusammen, die unsere Ankunft im Lager des Herrn Fricdmnnn meldeten und dort auch die Mitteilung machten, daß wir Schweizer waren. Die Folge davon war, daß wir kurze Zeit nach unserer Ankunft von Frtedmnnn zum üblichen schwarzen Kaffee und nachher auch noch zum Abendessen *l Nach unseren Informationen jüdischer Abstammung, — Red. der ״J. R.:< Brie! aus 11311a Haifa, den 21. Februar 1924. Die zionistische Oeffcntiichkcit ist seit langer Zeit to mit dem Gedanken der Krise in Palästina beschäftigt, empfindet so sehr das ungenügende Tempo der Kolonisation und de* Aufbaus, daß jemand, der in dieser Zeit vom Gallith nach Ercz-iurael überslrdelt, vielfach mit unrichtigen Vorstellungen In das Land kommt, Erst 111er wird ihm ganz verständlich, daß alle Unzufriedenheit berechtigt ist, wenn man an dein Ideal einer bodenständigen jüdischen Mehrheit mißt, daß sie aber ebenso unberechtigt ist, wenn man sich cic Ergeh, iiisse der Arbeit in den letzten Jahren ansieht. Wer das Land unmittelbar vor dem Kriege sali und es jetzt wieder sicht, wiid sicli mit tiefer Freude dessen bewußt, daß der Aufbau des Landes nicht nur eine Phrase ist, daß der Fortschritt in Stadt und Ln ml unverkennbar ist. Wenn er sich de! früheren Haifa erinnert, der schmutzigen arabischen Stadt und dann auf halber Höhe des Karmel, nur durch eine Steinwüste zu erreichen, das halb vollendete Technikum, und wenn er jetzt vom Technikum oder drr Realschule seine Blicke über das jüdische Viertel schweifen lassen kann, das heute das Technikum umgibt, wenn er in Neue schnnan, auf dein Karmel und jenseits der deutschen Kolonie in Bath galim neue jüdische Zentren entstehen sicht, wenn er sich vergegenwäriigt, daß von diesem ״Hadar hakarme!‘‘, das heute an 2000 Juden beherbergt, vor drei Jahren kein Haus stand, so weiß er, daß der Aufbau im Gange ist und alle Krisen ihn zwar zu verlangsamen, ober schließlich nicht zu hemmen vermögen. Noch augenfälliger wird dieser Eindruck (um mich mit Beispielen auf die Gegend zu beschränken, die icii kenne), wenn man heute mit der Balm durch das Emek Jcsrccl nach Zemach fährt und sich derselben Reise im Jahre 1914 erinnert. Damals eine öde, nur von wenigen armseligen Arabcrsicdlungen belebte Ebene, in der das einzige Merchawjafi (auch ln steter Krisenstimmung) die jüdische Arbeit repräsentlerte, heute eine schon fast nicht mehr zu übersehende Fülle von jüdischen Sicdlungspunktcn, von Kolonien, Moschwe Owdim, großen und kleinen Kwuzoth, Achnlichcs läßt sich auch über das Hebräische im Lande sagen. Gewiß ist man mit vollem Recht unzufrieden, wenn man hört, wie viele Juden russisch, Jargon und deutsch sprechen, und wie schwer es vielfach ist, in einem jüdischen Laden sich hebräisch zu verständigen. Und doch ist der große Fortschritt der letzten Jahre unverkennbar. Zunächst: das Hebräisch ist eine der drei offiziellen Sprachen und da* tritt ln einem sehr viel stärkeren Maße in die Erscheinung, als man es sich vorgcstellt hatte. Auf ,Eiscnbahnbilletts, auf Postformularen, auf Regicrtmgsvcrkündigungen, überall die Drcisprachlgkeit. Schreibt man an eine Behörde, hat man mit einer Regierungsstelle mündlich etwas zu besprechen: man kann und sollte sich stets des Hebräischen bedienen. Und diese Rolle der Sprache als einer offiziellen wirkt stark zurück auf die Jude 11, die sich der Notwendigkeit des Hebräischen nicht zu entziehen vermögen, auch wo ihnen das nationale Verständnis dafür mangelt. Man hat mit Recht gesagt, daß es nur die Arbeiterschaft und die Jugend sind, die hebräisch sprechen. Aber das sind die entscheidenden Teile des Jlschuw und gerade, daß sie das Hebräische nicht demonstrativ, nicht um - eines Prinzips wegen sprechen, sondern daß es ihnen völlig selbstverständlich ist, verbürgt die Steilung der Sprache Im Lande. Auch sonst kann man im allgemeinen konstatieren, daß die Mitglieder des neuen Jischuw, wenn sie einige Zeit Im Lande gewesen sind, jedenfalls genug hebräisch können, um sich zu verständigen, gewöhnlich auch um die hebräische Presse zu verfolgen. Aber unzweifelhaft ist die Erlernung des Hebräischen nicht ökonomische Notwendigkeit, sondern ״nur" nationale. Keinem Kreise wird die Hebraisierung schwieriger als den deutschen Zionisten. Das hat psychologisch seine guten Gründe. Der Jude aus Osteuropa spricht fast stets von frühester Jugend an mehrere Sprachen; der deutsche Jude kann in vielen Fallen wirklich keine andere Sprache als deutsch und ist geistig viel unbeweglicher. Damit hängt die mangelnde Entwicklung der hebräischen Sprachbcwcgung in Deutschland zusammen, die eben beim Mangel jedes eigenen hebräischen Milieus sich nur auf die Notwendigkeiten Palästinas zu stützen vermag. Das alles ist richtig und erklärt vieles, kann aber nichts an der Notwendigkeit ändern, die hebräische Bewegung in Deutschland mit allen Mitteln zu stärken und anzufachen. Die Einwanderer der letzten Monate aus Deutschland, gleichgültig aus welcher Gegend des Landes und gleichgültig, ob aus dem K. J. V. oder aus dem Blau-Weiß . " ■ "1" »1" —■«»■׳■■•״"■•L 'ו״ו i1.! 1■"—1 "II in.■״ .11 ... . 11! I;11y1.1L ,»»■"«—I eingcladcn wurden, fn einigem Durcheinander, gar nicht wie in Militärlagern oder bei Beduinen der Brauch ist, standen fi—8 Zelte am Mccresstrandc. Um sie herum Drahtgittcr- und Bretterverschläge, eine Barrikade von Kisten und Ballen und mitten im Lager ein ganz leichtes Feldgeschütz. Draußen in der blauen Meeresbucht schimmerte der blitzblank geputzte Rumpf einer Dampfjaeht und auf dem Flutwalle lagen zwei arabische Segler, die das viele Lagcrmatcrial hierher gebracht hatten. Im Schatten eines der großen Giebclzcltc saß Herr Paul Friedmann mit seinem Stabe. Er stellte sich nls Deutscher vor und machte uns mit seinen Begleitern, dem Wiener Arzt Dr. Landsmann, dem Berliner Chemiker Dr. Fürst, dem Techniker E. Maler, Herrn Baron von Seebad» und zwei Unteroffizieren aus der deutsch-ostafrikanischen Schut/tiuppc, Thiele und Ebel, bekannt. Beim Warenlager machten sich zirka 20 in Khaki gekleidete Arbeiter zu schallen, die ah russische und aus Krakau kommende jüdische Flüchtlingc bezeichnet wurden. Es war ein überraschendes Bild für mich, mitten in dieser menschenarmen Einöde, wo nur der Wüstensand in trägem Strome arbeitet und stumme Korallen ihre Wassergärten bauern eine kleine Mcuschcnwelt anzutreffen, die von diesem Punkte aus kulturelles Leben in die Umgebung zu verbreiten erhoffte. Ich hörte von einem Schreiner, einem Schmiede, einem Schneider, einem Bäcker 11 sw., die unter der Arbeitsmaunschaft sich befinden sollten und die bereit wären, sich nls Kolonisten an der gegenüberliegenden arabischen Küste niederzulassen. Ihnen sollten andere, darunter auch Frauen, folgen, die in Suez auf Abfahrt warteten. Man zeigte mir allerlei hauswirtschaftliehe und gewerbliche Maschinen und Geräte, die Ausrüstung für ein chemisches Laboratorium, eine Apotheke usw. und deutete damit an, daß die Siedlung als eine Handwerkerkolonic gedacht wäre. Aus ihr sollte sich ein reger Verkehr zwischen den arabischen Beduinen im Innern und dem Auslände entwickeln. Es wurde also nicht auf Landhau und Viehzucht, sondern auf Handwerk. Handel und Verkehr da* Hauptgewicht gelegt. Tatsächlich finden sich auch seit langem schon, wenn manchmal auch nur von vorübergehender Dauer, fremde Handwerker, Händler und Schiffsleute an den wenigen ' י* י י״ י .. _