Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXIX (1924)
- Issue
- Heft 18 (4.3.1924)
- Date
- 1924-03-04
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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'//*■ ' V/' ן—ק , ן~- - - 1— ,^ ד ■I■■! I» I—^ \-ן! נ \ \i ךק Redaktion und Verlag W 15, Sächsische Straße 8. Erscheint jeden Dienstag und 1're Rag. Bezugspreis bei der Expedition monatlich 1,85 Goldmark, Vierteljährlich 5,25 Goldmark AuilamUnbonnciricnt* werden in der Wfdirung der einreinen Länder berechnet Nummer 18 Berlin, 4.111.1924 .1 t -£ 9•״- ךי־ V© ך*/ r ¬נ r~11—\ r1־ r \ M : 1 v. J I "־/ ן *•ן ן׳ 13C!ד■* י,» u / 1־־ ir! N :!) Anzcijtcn-Vcrv/altunfi: Jüdische Rundschau G.m.b.IL, Berlin W15, Sächsische Straße8, — Telephon: Amt Pfakburg 6697, 6698 u. 6699. Anzeigenpreis.8 ׳go»p0lt.Nonpareille-»,He 0,.15Goldmark. Fatnilicninrei?ten umi SU'ücu;'c*uche O.lSGoltlmnrk, Hr hehniitcho Anreisen 100% Aufschlag. Für Austandslnaerat« 100% Aufschlag Anxcljjemcbluüi Dienstag und F r U a g nachmittag 4 Uhr. 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Und daß und wie beide geworden sind, was sie sind, das ist zu einem Großteil Hautkes persönlichstes Werk. Einem so treuen Freunde singt mau ungern, auch nicht aus einem festlichen Anlaß, in aller Oeffentiiehkeit begeisterte Lobeshymnen. Es entspricht auch der sachlichen, objektiven Art, die Dr. Hantke auszciehnct lind die ihn selbst in den Augenblicken der Leidenschaft und Erregung, die in einer Bewegung wie der unseren sehr häufig sind, befähigt, mit unbeirrbarer Ruhe das Wesentliche zu scheu und zu verfolgen, wenn wir nicht in überschwänglichen Worten Hantkes zahllose ,Verdienste, die ja jeder deutsche Zionist kennt und wiirdigt, an dieser Stelle aufzählcn. Die maßvolle und überlegcne Betrachtungsweise, der besonders Hantkes außerordentliche Wirkung auf unserer Sache fernstehende Personen zuziischrciben ist, wird so besser geehrt als durch die Hyperbeln der üblichen Festtagsartikel. Nur eines, das aus dem Rahmen einer offiziellen Gratulation heraustritt, sei uns zu sagen gestattet, so sehr persönlich es vielleicht klingen mag. Höher als alle Vorzüge und wertvollen Eigenschaften Hantkes, die ihm eine führende Rolle in der Bewegung gesichert haben und auch weiter sichern werden, verehren und bewundern wir an ihm eine innere, menschliche Größe, der für immer die Dankbarkeit und Liebe nicht nur des deutschen, sondern des Wcltzinnisnu'.s gewiß sein wird. Wir meinen die beispielhafte, die selbstverständliche Art, wie Hantke nacli seinem Rücktritt von der zionistischen Leitung im Jahre 1920, nach neun Jahren, in denen er in der Bewegung ander sichtbarsten und verantwortungsvollsten Stelle stand, wieder in einen engeren zionistischen Arbeitsbereich zurückkehrte. Diese wertlose, innere Disziplin, dieser Heroismus der Arbeit, der sich wohltuend von mancher sehr wortreichen, aber nicht ebenso tatbereiten Art unterscheidet und Arthur Hantke als Pionier zionistischer Arbeit im Galuth mit unseren Chaluzim in Palästina aufs Engste verbindet, sind cs, die eine wallte Fülircrnatur auszeichnen. Diese bewunderungswürdigste Eigenschaft Hantkes, die beweist, daß es ihm stets nur um die Sache zu tun ist, sichert ihm, auf welchem Platz immer er für unsere Sache arbeiten und kämpfen wird, die Bewunderung und Verehrung aller zionistischen Freunde. S. K. Rechtsanwalt Dr. Arthur Hantke wurde am 5. März 1874 in Berlin geboren, besuchte hier das Friedrich-Wilhelm- Gymnasium und studierte dann in Berlin und Freiburg Jura. Der zionistischen Bewegung hatte er sich bereits in den ersten Jahren nach Begründung der Zionistischen Organisation angeschlossen. 1901 nimmt er zum erstenmal als Delegierter der deutschen Zionisten am V. Kongreß teil. Seit 1905 ist er Mitglied des Großen Actions-Comitds. Im gleichen Jahre übernimmt er die Leitung des Berliner Zcntralbüros der Zionistischen Vereinigung für Deutschland und wird im Jahre 1910 auch formell zum Vorsitzenden der Z. V. f. D. gewählt. Er bleibt auch bis zum Jahre 1920, wo er nach London geht, Vorsitzender der Z. V. f. D. Auf dem X. Kongreß (1911) wurde Dr. Hantke ins Engere Actions-Comitö gewählt, in dem er die Leitung des Organisations-Departements innehat. Als im Jahre 1920 aut der Londoner Jahreskonferenz eine neue Leitung gewählt wurde, übernimmt Dr. Hantke die Abteilung Zentraleuropa des Keren Hajessod und seit 1921 auch das Berliner Büro der zionistischen Exekutive. In dieser Eigenschaft wirkt er noch heute. Dr. .Hantke ist überdies seit langem Direktor des Jüdischen Nationalfonds. Vor einiger Zeit wurde er auch zum Vorsitzenden der Berliner Zionistischen Vereinigung, die er schon vor vielen Jahren einmal geleitet hatte, gewählt. Albert Thomas über den Zionismus Warschau. (J. T.A.) Der zurzeit in Warschau vralende Direktor des internationalen Arbeitsamtes des Völkerbundes, Albert Thomas, hat sich während einer Zusammenkunft mit den Vertretern der Presse gegenüber dem Vertreter des ״Hajnt“ über den Zionismus iq folgender Weise ausgesprochen: ״Meinen Artikel über den Zionismus in ״Informntion“, der die Wicdcraufrichtung der jüdischen Heimat ui Palästina zum Inhalt hatte, halte ich noch heute aufrecht. Ich bin und bleibe ein enthusiastischer Anhänger der zionistischen Bewegung,‘* Die Sclielici-Wodlie Die Zionistische Exekutive richtet folgenden Aufruf an alle Zionistischen Landes- und Sonderverblinde: Die Exekutiv© der Zionistischen Organisation hat den Beschluß gefaßt, in der Zeit des Purimfestes eine Sdidkel - Woche für die zionistischen Verbände der ganzen Welt zu proklamicrcn. Durch eine konzentrierte Anstrengung aller zionistischen Kräfte soll die Zahl der Schekalim erheblich erhöht und aus den bisher fernstehenden Kreisen des Judentums nouo Mitglieder für di© Zionistisch© Organisation gewonnen werden. Diese großzügige Aktion soll überdies zu einer inton• alven politischen Erziehungsarbeit unter den jüdischen Massen und zugleich zu einer nach außen hin wirksamen kraftvollen Manifestation der Starke der zionistischen Bewegung verwertet werden. Während dieser Schekclwoche soll jede anderwellige zionistische Betätigung, jede Sammlung für andere zionistische und Palästina-Zwecke unterbleiben. Die gesamten Energien aller Zionisten sollen in dieser einen Arbeit, der erfolgreichen Durchführung der Schekel- Aktion, durch eine großangclcgtc öffentliche Propaganda zusammengefaßt werden. Sämtlich© zionistischen Vertretungen, Institute und Aemter werden aufgefordert, sich in den Dienst der Schekel -Woche zu stellen. Durch Versammlungen, Vorträge, öffentliche Aufrufe, Zeitungsartikel und Flug- Schriften soll die Aktion die gesamte jüdische Oeffcntlichkcit umfassen, und es soll, den lokalen Gebräuchen entsprechend, jedes Mittel benutzt werden, um die zionistkdicn Kräfte für diese Arbeit zu aktiviere» und der Bewegung neue Mitglieder zu werben. Die leitenden Komitees der Zionistischen Landes- und Sonderverbände werden aufgefordert, sofort die Vorbcrcitungcn für die Schekel-Woche zu treffen, ihren lokalen Vereinen und Gruppen die nötigen Anleitungen zu geben und rechtzeitig für eine genügende Anzahl von Rednern und für Propaganda-Material zu sorgen. Die Landesverbände werden darauf hin• gewiesen, daß laut ICongreßboEchluß nicht nur die Schekel des Kongreß-Jahres für die Wahl zum Kongreß bestimmend sind, sondern daß von der Anzahl der Schekel, die in der Zeit zwischen zwei Kongressen . aufgebracht werden, die Anzahl der Delogierten der einzclnca Landesverbände abbängt. Die Exekutive rechnet darauf, daß di© Führer der Verbände ihre ganz© Kraft dafür cinsetzca werden, daß die Judcnhcit ihres Landes an dieser in der ganzen Welt gleichzeitig durchzuführenden Aktion einen würdigen Anteil nimmt und daß sie sich persönlich für den materiellen und moralischen Erfolg dieser für die gesamte Organisation wie für ihren Verband äußerst wichtigen Kampagne verbürgen. Exekutive der Zionistischen Organisation. gez. Nahum Sokolow. Joseph Cowon. 4t Für Deutschland ist die Schekel •Woche nach Vereinbarung mit der Exekutive für den 6.—13. April festgesetzt worden, da dio Purimaktion des Nationalfonds nicht durchkreuzt werden soll. Zionistische Organisation und Polen Ein Prozeß in Warschau. Seinerzeit hat eine Reihe nationalistischer und antisemiti* scher Zeitungen in Polen gegen den Abg. Griinbatnn den Vorwurf erhoben, er hätte im Jahre 1920 an einer geheimen Konferenz in London tc!]genommen (gemeint ist die Zionistische Jahrcskonfcrenz), die auf seine Initiative hin polcnfcindfichc Beschlüsse gefaßt hätte. Die von Grünbaum gegen die Verbreiter dieser Meldung erhobene Verlcumdungsklagc kam nunmehr, nach fast drei Jahren, am 29. Februar in Warschau zur Verhandlung, Der Prozeß, zu dem eine große Reihe von Zeugen, darunter von aus* ländischen Juden die Herren Stuart Samuel, Exministcr Mond, Leo M o t z k i n u. a. vorgdaden sind, dürfte sich zu einer wichtigen politischen Aktion entwickeln, da dio polnischen Antisemiten sicherlich nichts unversucht lassen werden, um Beweise für eine antipolnisczhc Haltung der Zionistischen Organisation ,bclzuhringea. Macdonald Uber den Anglo - Iledjas - Vertrag London. (J. T. A.) Auf eine Anfrage des Sir W. J oy » so n-H ick s im Unterhaus über den Stand der Verhandlungen mit König Hussein antwartete der Premierminister Macdonald, daß die Vcrhandhingen mit König Hussein zwar fortgesetzt worden wären, aber in den letzten Monaten wenig! Fortschritte gemacht hätten. Die Lage ist im wesentlichen noch so wie sie von dem früheren Premier Baldwin am 2. Juli geschildert wurde. Sir W. Joynso n- Micks fragte weiter, ob irgendwelche Aussichten bestünden, daß diese Verhandlungen zu einem Abschluß gebracht werden. Der Premierminister antwortete: ״Wir haben diese Angelegenheit nicht vergessen und bemühen uns, die Verhandlungen schnell zum Abschluß zu bringen. Aber die Umstände sind ein wenig schwierig. Ich habe mich gerade in diesen Tagen wieder mit der Sache beschäftigt.“ Neue Fragen im Unterhaus über Palästina Im Unterhaus richtete Mr. Becker (konservativ) an den Minister für die Kolonien die Frage, wieviel Geld bis jetzt für den Palast des Oberkommissars in Palästina ausgegeben worden sei und ob noch weitere Ausgaben bevorstehen. Mr. Thomas erwiderte, der Oberkommissar wohne in einem gemieteten Hause, in welchem auch das Sekretariat und die anderen Regierungsbüros imtcrgcbracht seien. Es läßt sich nicht feststellen, welche Summe gerade auf den vom Oberkommissar persönlich bewohnten Teil fällt. Dr. E. Q. Sperr» (liberal) fragte den Untcrstaatssckretär für Luftstreitkräfte, wieviel Mann der Luftflotte ausschließlich in Palästina nngcstcllt seien, und ob die Kosten für dieses Personal außerhalb des Luftllottcn-Etafs gedeckt werden. Mr. Loach antwortete darauf, die letzte Ziffer des Personals der königlichen Luftflotte in Palästina habe 646 betragen. Der zweite Teil der Anfrage ist zu verneinen, * Der ״Daily Express“ (dessen Vertreter für Palästina Jacob de Haan ist) veröffentlichte am 25. Februar einen Leitartikel unter dem Titel ״Britische Schutzlosigkeit gegen Luftangriffc“, in welchem fest!;(•stellt wird, daß in Mesopotamien 8 Luftzeuggeschwader, in Palästina 1(j, in Aegypten 1 ג/י, in Indien VC'!, insgesamt 2(1 Geschwader außerhalb des Mutterlandes stationiert sind. Es blichen also für die inländische Verteidigung für den Fall eines Luftangriffs nur 7Vs Geschwader übrig. Die Zeitung bemerkt: ״Diese Zahlen beweisen, daß die britische Regierung cs weit wichtiger findet, nicht Steuer zahlende Araber mit Bomben zu bewerfen, oder eine kleine Minorität von Juden gegen eine Majorität von Arabern zu schützen, als London vor Zerstörung zu bewahren. Die sozialistische Regierung scheint ebenso zu denken. Die erste Pflicht jeder britischen Regierung ist, sofort die neun und ein Drittel britischer Luftstreitkräfte, die in Mesopotamien und Palästina stationiert sind, zurückzurufen.“ Die Sammlung der amerikanisch - jüdischen Arbeiierschail lür Palästina New York. (J. T. A.) Auf der vor kurzem in New York abgchaltencn Versammlung der jüdischen Arbciter-Organisationen wurde eine Summe von nahezu 8000 Dollar für jüdische Arbeiter-Institutionen in Palästina gesammelt. Unter den größeren Spenden sind hervorzuheben: Jüdischnationaler Arbeitervcrbaml 2000 Dollar, Kunstleder-Arbeiter- Union 1000 Dollar, Jüdische Schauspieler-Union 1500 Dallar, sowie eine Reihe kleinerer Spenden. Zum Schluß der Versammlung wurde eine Resolution angenommen, in weicher den jüdischen Arbeitern in Palästina die Hilfe der jüdischen Arbeiter Amerikas zugesagt wird. Audi der britischen Labour Party wurden Grüße gesandt und der Hoffnung Ausdruck gegeben, daß die britische Arbeiterpartei den jüdischen Arbeitern in Palästina helfen wird. Die Sammlung soll bekanntlich die Summe von 150 Q0Q Dollar erreichen. Die Demission Dr. Rosenbaums angenommen Kowno. (J.T.A.) Soeben erhielt das Ministerium für jüdische Angelegenheiten eine Mitteilung des Premierministers, daß der Staatspräsident das noch am 2. Januar d. J. überreichte Dcnvissionsschreil>en des Ministers Dr. Rosenhaum zlis t i ni m c n d bcschicdcn hat. Der, Staatspräsident ersucht Dr. Roscnbaum, vorläufig seine Tätigkeit fortzusetzen. Ein Termin für die Beendigung der Ministertätigkeit Dr. Rosenbaums Ist aber nicht gegeben. Diese Vcrschleppt!,igsntcthode in der Frage des jüdischen Ministeriums erregt Mißfallen. Uehcr die Berufung eines neuen Ministers anstelle Dr. Rosenbaums verlautet noch nichts. * Kowno. (J.T.A.) Wie offiziös verlautet, wurde ki der letzten Sitzung des Regierungskabinetts die Frage der Legalisierung des jüdischen Nationalrats in Litauen behandelt. Der Minister für jüdische Angelegenheiten Dr. Rosenbäum wurde mit der Redaktion des Gesetzesprojektes bcauftragt. Die offiziöse Telcgraphcn-Agentur ״Elia“ fügt hinzu, der’ Minister für jüdische Angelegenheiten sei beauftragt worden, das Gesetzprojekt in Uehereinstiinmimg mit deti konstitutionellcn Vorschriften zu redigieren. Dem J.T. A.-Vertreter wurde hierzu von einer maßgebenden Persönlichkeit mit* geteilt, In der Gcsct/csvorlagc ist nichts, was der Verfassung widersprechen könnte. Die rechten litauischen Kreise aber tun so, als ob die Zwangszugchörigkeit zur nationale*jüdischen Organisation der Verfassung widersprechen würde. Die judengegnerische Rechte will also für die ״F r e i!1 c i t der 111 ta u - ischen Juden“ cintrctcn. Auf diese Weise ist eine ge- Mfiästo »Verwirrung in die klare Position hineingebracht worden, 1