Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXIX (1924)
- Issue
- Heft 14 (19.2.1924)
- Date
- 1924-02-19
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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fUEDISCHE RUNDSCHAU Nr. 14 CcolWgc an <125 Ee״»fee der aracri.wmlsdica Juristen Ifir die Jcra53lcc3cr .UnlvcrcILit Der Präsident der Vereinigten Staaten hat an das neu• gebildete Komitee der Jüdischen Rechtsanwälte und Juristen in Amerika zugunsten der juridischen Fakultät der hebräischen Universität in Jerusalem ' folgendes Schreiben gerichtet: Washington, den 22. Januar 1924. Der Plan, an der hebräischen Universität In Palästina eine Fakultät für soziale Wissenschaften und Jurisprudenz unter dem Patronat der amerikanischen Juristen Jüdischen Glaubens zu gründen, muß bei der Ocffenthchkdt die tiefsten Sympathien erwecken. Der Plan steht in voller Harmonie mit den Bestrebungen der jüdischen Führer in der ganzen Welt, Palästina als ein Zentrum des Fortschritts aufm* bauen, das tin Wendepunkt In den kulturellen Beziehungen zwischen dem Orient und dem Okzident werden kann. Die Bewegung hat meine besten Wünsche, Ocz. Calwin Cool idge. (l.T. A.) Die palästinensisch-zionistische icT F. H. Kisch beauftragt, nach Aegypten Baron Rothschild In Aegypten Begrünung durch Colonel Ki«ch. Jerusalem. Exekutive hat Colonel zu reisen und den dort kürzlich cingctroffenen Baron Edmond deRothschild im Namen der Zionistl sehen Organisation und de« palästinensischen Judentums zw begrüßen. Wie man hört, wird Colonel Kisch bei dieser Gelegenheit mehrere Fragen der palistinen■ tischen Kolonisation, an denen der Baron besondere inter- «Siiert Ist, zur Sprache bringen. Die Tätigkeit der ArbellsüblcIIrag der palästinensischen, ilonlsliscUen Exekutive Der monatliche Bericht der palästinensischen zionistischen Exekutive enthält folgende Angaben über die Tätigkeit ihrer Arbeitaahteilung im Dezember 1923: Die vom Keren Hajessod zu deckenden Ausgaben dieser Abteilung beliefen sich im Dezember auf 2(124 £, wodurch die Ausgaben dieser Ab• teliung für die ersten drei Monate insgesamt 11 247 £ aus• machen. Auch im Dezember hat sich die Lage auf dem Arbeitsmarkt noch nicht gebessert, und Ende des Monats gab cs in Jaffa und Tel-Awiw nicht weniger als 1302 Arbeitslose. In Jerusalem und Haifa betrug die Zahl der Arbeitslosen nur 103 resp. 183, so daß ins* gesamt Ende des Monats 1588 Leute arbeitslos waren. Von diesen wurden gegen 550 durch kleine Dar• leben, die wöchentlich 200 £ ausmachen, durch die Abteilung Unterstützt. Im Monat Dezember sind für diese Zwecke nicht!weniger als 1000 £ verausgabt worden. Das Laböur Depart* ment versucht alles, was in seinen Kräften steht, um die Situation zu erleichtern durch Besorgung von mehr oder minder permanenten Arbcltsmöglichkeitcn wenigstens für einen Teil dieser Arbeitslosen. Hierzu ist auch die Umsiedlung einer Reihe von Immigranten in die Kolonien zu rechnen, wo sie sich mit Hilfe von kleinen Darlehen des Lafaour Departments ansicdcln konnten. Nachdem im Monat November bereits 200 Arbeitslose von Tel-Awiw nach Petach• Tikwah geschafft worden waren, um dort an der fand■!■wirtschaftlichen Arbeit mitzuhclfcn, sind weitere 39 £ bereit• f׳«stellt worden zur Herüberschaffung von gegen 110 Arbeits• , osen nach verschiedenen Kwuzoth In Petach-Tlkwah, Ben« jamina, Chedera und Mescha, während außerdem 11 Familien aus der Ukraine nach Bcer-Towia gebracht wurden. Des weiteren sind zu erwähnen: Eine Zahlung von 260 £ auf Rechnung eines Straßenbaus in Ramatli Qan, wo gegen 100 Leute für drei Monate beschäftigt werden. Eine Zahlung von 100 £ zwecks Equipierung von 50 Arbeitslosen für die von der Regierung auf den Aerodrom-Feldem bei Katandla vorzunehmenden Arbeiten. Eine Zahlung von 513 £ al« Dar-!eben an das Jerusalemer Viertel Beth Hakerem zwecks Vor• bereitungsarbeiten. Außerdem hat das Department der Jewish Cooperative Labour Association ein in drei Jahren rückzahl• bares Darlehen von 150 £ gewährt, um den Erwerb ekics Steinbruchs in der Nähe von Jerusalem im Werte von 500 £ zu ermöglichen. Pogrom la Pcr.cn Lodz. (J.T.A.) Soeben aus Posen eingetroffene jü• dischc Kaufleute erzählen, daß sie in der Nacht von Freitag auf Sonnabend in Posen, wo sie Geschäfte halber weilten, von dortigen Fascisten unter Führung des berüchtigten 1Jan Sekretarexik und des Posener Stadtverordneten Notitötlcz furchtbar mißhandelt worden sind. Insgesamt wurden zehn Juden durch schwer« Hiebe mit Holzknüttcln verletzt. Der Lodzef jüdische Fabrikant Oiücksteln mußte ins Spital überführt werden, wo man ihm die schweren Kopf• wunden zunähtc. Die Polizei verhielt sich vollkommen passiv. Als einer der Mißhandelten Im Polizeikonunissariat anfragte, weshalb die Juden keinen Schutz erhalten, wurde ihm erwidert: ״Wir sind gegen Sekretarczik machtlos. So oft wir ihn verhaften, müssen wir ihn auf höheren Befehl frei• fassen." — Ucbcrall in Posen prangen judenhetzerische Piakatc, in denen zu Morden an Juden aufgefordert wird. Sogar an den Mauern der Posener Synagoge waren solche Plakate angekkbt. Otstrmtch Wie die ״Wiener Morgenzcitimg" berichtet, hat der Parteivorsfnnd der sozialdemokratischen Partei Oesterreichs die Zustimmung dazu gegeben, daß für die nächste Wahl in den Vorstand der Jüdischen Kultur.gcmelnde in Wien eilte sozialdemokratische Liste anfgcstellt wird, die von der Parteiorganisation offiziell und direkt unterstützt werden soll. Gegenüber den Gegnern einer solchen Beteiligung wurde vom Parteivorstand erwidert, daß von 52 000 Steuer• zahle״! der jüdischen Gemeinde 30000 Angestellte seien. Uebrigens hätten die National«tswahlcn Bewiesen, daß sogar die jüdische Orthodoxie sozialdemokratisch wähle. Man könne möglicherweise auch die Mehrheit im Kultusvorstand erlangen, (Gegenüber einem Demei.ii der Wiener ״Arbeiter-Zeitung" bleibt die ״Wiener Morgenztg.“ bei ihrer Meldung.) Kürzlich sprach eine Abordnung der ״Union öster• reichischer Juden“ beim Bundeskanzler vor. Die Audienz diente der Aussprache über die Auslegung des Artikels 80 des Fricdcnsvcrtragcs bezüglich des Opiionsrechtes der Juden. Bundeskanzler Df. Seipel erklärte, daß die Rassen• thcoric seiner wissenschaftlichen Ueberzeugung wider־ spreche. Die Polizei ist auf die Spur eines Attentatsplanea gegen den bekannten jüdischen Milliardär Siegmund Bo sei ge* kommen. Sie verhaftete einen gewissen Johann Simpler, bei dem ein Revolver mit 17 Patronen beschlagnahmt wurde. Simpler hatte in einem Hakchkreuzler-Vercln feierlich erklärt, er werde ßosel erschießen, weil er die wirtschaftliche Not* läge mitvcrschukict habe. Simpler wurde (wie das bei Haken• krcuzlcrn erforderlich ist — Red. d. ״J. R.״) In einer psy• chiatrischen Klinik untersucht und als gesund befunden. C« cbfchoatowah t f Die nachträglichen Parlsmentswahlen für Karpathorußland finden am 16. März statt. In diesem Lande, wo difc Juden 15 % der Bevölkerung ausmachen, sind 9 Abgeordnete zu wählen. Von 05 000 Juden haben lieh dort über 80000 zur jüdischen Nationalität bekannt. Es besteht daher die begründete Hoffnung auf ein jüdisches Mandat. (Wenn cs gelingt, ein Jüdisches Mandat in Karpathomsslen zu er• langen, ist es nicht ausgeschlossen, daß auf Grund der 80 000 Stimmen, die die jüdisch« Liste bei den Wahlen in der übrigen Tschechoslowakei im Jahre 1920 erhielt, und die verloren gingen, da In keinem Wahlkreis ein Mandat erlangt wurde, noch weiter« 3—4 jüdisch« Abgeordnete Ins Prager Parlament elnzlchen. Red.) Ungarn In einem Gespräch mit dem 1. T. A.*Vertreter erklärten die zurzeit In London weilenden Mitglieder der ungarischen demokratischen Delegation bei der Labour Party, Expremier Abg. Julius Pcid 1, Erncst Oarami und Prof. Rüstern Vambery: Die Bevölkerung Ungarns verabscheut und haßt die Machenschaften und die terroristische Tätigkeit der ״Er• wachenden Magyaren“, Auch die Bauernschaft bcfindet sich in vollkommener Uebereinstimmung mit den demo• kratischcn Parteien. Wenn das Volk überall In geheimer Wald wählen könnte, würden die demokratischen Kandidaten die Mehrheit der Stimmen bekommen, und die Bcthlcn-Reglerung würde leicht besiegt werden können. Auf die Frage nach der Stellung der demokratischen und sozialistischen Parteien In Ungarn zu der jüdischen Frage, erklärten die Delegierten, In der letzten Sitzung der Budgctkommissfon des pol•!tischen Senats beschwerte sich der Jüdische Senator Rothen* Strauch darüber, daß In Galizien seit dem Jahre 1905 und in Kongrcßpolen seit dem Jahre 1910 keine Wahlen In d I c jüdischen Oemeinden vorgenommen worden sind, Die polnische Regierung hat an die Spitze der Gemcindcvcrwaltungen Kommissare gestellt, die In dem Wirt• sehaftsr.ystem der Kehillah nicht bewandert sind und die oft Kchlllah-Oelder für eigene Zwecke mißbrauchen. Unterrichtsminister Mtklaichewaki erwiderte, der Ministerrat hätte beschlossen, die Wahlen ln die jüdischen Oemeinden Kongreßpolens und Galiziens noch vor den Osterfeiertagen ausruschrtiben. In bezug auf die Wahlen ln Wolhynien wurde noch kein Beschluß gefaßt lUtautn Am 11. Februar hielt der Minister für jüdische Angelegenhellen In Litauen, Dr. Rotenbeum, In Rigi einen vor• trag über den ״Kampf um die nationale Auto- 110 mle". Dr. Rotcnbaiuu führte aus: Infolge der Meinung»־ Verschiedenheiten über die Kompetenz acs jüdischen Ministers und des Vorsitzenden des jüdischen Nationalrates wurden diese beiden Würden in einer einzigen Person vereinigt. Es tat möglich, daß der Posten• eines Jüdischen Minister» in Litauen llqui* dlcrt werden wird und vielleicht stellt vor Ihnen der letzte Minister für jüdische Angelegen« helten Litauens. Wir wollen aber durchführen, daß der Vorsitzende des jüdischen Nationalrates in das litauische Kabinett als Minister zumindest mit Beratung*• recht dauernd clntritt. Da* gleiche können Sie auch in Lettland erreichen. Dr. Rosenbaum schloß: ״Unsere natto• nalc Autonomie kann nur aufgebaut werden auf unseren eigenen Sprachen und unserer eigenen Kultur." Das Bürgerrecht Im Memclland wird nicht allein auf diejenigen Juden ausgedehnt, die früher deutsche Staatsangehörige waren, sondern auch auf jene, die vor der litauischen Okkupation mindestens ein halbes Jahr lang in Memel gewohnt und durch die französischen Be• Satzungsbehörden Wohnrecht erhalten haben. Auf diese Weise wird eine größere Anzahl jetzt ln Memel wohnender Juden, die keine deutschen Staatsangehörigen waren, das litauische Bürgerrecht erhalten. Diese Regelung ist auf die Bemühungen de* Ministers Dr. Rosenbaum und des Komitees der jüdischen Delegationen in Paris zurückzuführen. Nunmehr hat sich auch in Litauen ein Zweigverband des Kömilces für das arbeitende Palästina gebildet, In welchem alle jüdischen Arbeiteten! pnen mit Ausnahme der linken Poa’.e* Zion vertreten sind. Im Verlaut der ersten Aktion wurden 4000 Aktien iür die Pailstina-Arbeitcrbink gezeichnet, von welchen 740 bereit» voll etngczahlt sind. Der Numeros «Isusas vor der Internationalen VuIkerbaHdlfga Paris. (J.T.A.) Ueber Anregung des Komitees der jüdischen Delegationen in Paris hat die Minoritäten• Kommission der Internationalen Völkerbund• IIga, die am 29, und 30. Januar in Paris getagt hat, dis Numerus clausus-Fragc einer Besprechung unterzogen. Cs waren Delegierte aus 14 Ländern anwesend, unter ihnen der Vorsitzende der Kommission Sir Wliloughby Dickin- »OH (England), Professor Th. Ruysacn (Frankreich), Graf Bernatorff (Deutschland), ferner der Präsident der interparfamcntarliiclicn Union Baron Adelswaerd (Schweden), Professor Bovet (Schweiz), Professor Kr off (Bulgarien) und Professor Polltta (Griechenland). Die Numerus clausus- Präge wurde von dem Generalsekretär des Verbandes, Profceaor Ruyaaen, zur Sprache gebracht, der die französische Völkerbundliga an Stelle des abwesenden Professor Aulard vertrat. Die MInoritätcn-Kommisslon beschloß, an alle Völker-' bundllgcn ein Memorandum über die Numerus claUsue-Fragc zu »enden. Zur Behandlung dieser Frage, die aut die Tage»- Ordnung der «liebsten Kommissionssitzung gestellt worden ist, soll erschöpfendes Material gesammelt weiden. UHU m-Ktii Hiemanucn ein religiöses vorurie». UiC Wicdcraufrlchtung einer demokratischen Regierung ln Ungarn würde den jetzigen Ungerechtigkeiten gegen die Juden ein Ende machen, lieber die jüdischen Abgeordneten Paul Sandor, Exminister Wilhelm Vazsöny und Bela Fabian äußerten sich die Delegierten dahin, daß sie sie nicht als jüdische Führer betrachten, sondern als Führer der demokratischen . Partei. Die Tatsache, daß sie jüdischen Glaubens sind, hat keinen Einfluß auf die Achtung, die sie bei den demokratischen Parteien genießen. poUn Der Dlrck io r des Warschauer anatomisches Instituts, Professor Lath, hat angeordnet, den jüdischen Medizinstudenten keine Präparate christlicher Leichen auszufolgen, well keine jüdischen Leichen zu Sektlonszwcckcn eingcliefert worden sind. Auf diese Weise sind die jüdischen Studenten der letzten Semester außerstande, Ihre Studien zu beschließen und die Examina zu machen. Die Warschauer jüdische Gemeindeverwaltung empfing eine Delegallon der jüdischen Medizinstudenten, die um Abhilfe bat. Die An• gclcgenbclt wurde einer juridischen Kommission Übergeben. In der letzten Sitzung der Budgctkommisslon des pol• nischcn Senats fragte Senator• Rollienstrauch den Bll• dungsmlnislcr an, ob er das berüchtigte Numerusclausu*• Zirkular Glomblnskls an die polnischen Hochschulen zu• rückgczogctt habe oder nicht. Minister Mlklsschewskl antwortete ausweichend, man habe ihn, den Minister, zu Um recht verdächtigt, daß er ein Anhänger de* Numerus clausus sei. Die jüdische Presse hätte Ihn sogar als ein Opfer nntl• semitischer Psychose hingcstcltt. Tatsache aber Ist, daß er seit 1905 keinerlei politischer Partei angebört habe. Ein Numerus clausus existiere an den polnischen Hochschulen, nicht. Die Frage der Aufnahme von Studenten Ist von den Raumverhältnlssen abhängig. Gegenüber den ungenauen Mitteilungen de» Unterricht»• minlsicrs Miklasclicwski im polnischen Sejm Über den Prozent• satz der Juden an den polnischen Hochschulen erfährt der L T. A,•Vertreter aus zuverlässiger Quelle folgenden An der Universität zu Krakau sind 5250 Studenten Inskibicrt, darunter 1696 Juden (32,3״/״); In Lemberg: 6016 Studierende, darunter 56« Juden (33,78 «/<>); Ir» Warsehau: 8342 Studierende, darunter 2307 Juden (31,7«/״); Posen 3330 Studierende, 23 Juden (0,7״/״); am Warschauer Polytechnikum 4322 Stil• dlcrende, 637 Juden '(14,7«/״); Lemberger Polytechnikum: 2454 Studierende, 329 Juden (13,4 «/״); Krakauer Bergakademie: 120 Studierende, kein Jude; Tierärztliche Hochschule: 294 Studierende, .'39 Juden (13,23 »/0)j Krakauer Kunstakademie: 150 Studierende, 8 Juden (5,3 «/״); landwirtschaftliche Hochschule: 929 Studierende, 2 Juden; Warschauer Pädagogium( 135 Stil* dlcrende, 3 Juden; Warschauer Zahnärztlich« Hochschule: 304 Studierende, 130 Juden .(45,7 Ä'a). fn der letzten Sitzung der BiWungskomml?skin de* pe?< «!sehen Sejm wies der sozialistische Deputierte Piotrowski darauf hin, daß die Krakauer Universität seitens de» Unicrfiditsminüfieriums schwer vernachllifslgt wird. Die Blbllö* thek wird lxnkoUiert und erhält weder Bücher noch Sub• vcntloncn. Vakante Lehrstühle werden nicht besetzt. Dieie Behandlung erfährt die Krakauer Universität deswegen, Wo die Mehrheit Ihrer Professoren gegen den Numerus clausus lat. Der Deputierte fordert« den BlldimgsminUter Mlkloachcwalti auf, dieser Praxis des früheren UntefrlchtsmlnUtCf» 010 mb In* kl eilt Ende n machen. Gstland Am 3. Februar wurde In Reval ein jüdische» Oym• nasium eröffnet. Es Ist dies da* einzige Jüdische uymnsslum In Estland. Für das nach den •Anforderungen der modernen Technik erbaute Schulgebäude hat die Revaier jüdische Gemeinde etwa 27 Millionen estnische Mark ausgegeben. An der Feierlichkeit nahmen sämtliche jüdischen jcmelndcn und Organisationen Estlands,. Vertreter der Re־ gicrung und der nationalen Minderheiten, ebenso auch Gäste aus Lettland, Litauen und Finnland teil. Der Eröffnungsfeierlichkeit de» neuen Jüdischen Oymrmlums In Reval wohnten der Staatspräsident, der Krieg»• minister, Unterrichtsminister, Finanzminister, der Revaier Bürgermeister und andere Vertreter der Behörden bei. Die Mittel zur Errichtung de* Oebiudet flössen hauptsächlich aut Spenden. Russland Im Hinblick auf die geplante Einstellung der HiHsarbdt des Joint Distribution Committee In Rußland erfährt def Moskauer J.T.A.-Vertreter aus durchaus autoritativen Quellen, daß es In Rußland zu (zeit 27 823 jüdische Waisen• ktnder, etwa 3000 Altcrsinv.illdcn und 50000 andere notleidende jüdische Kinder gibt, die, wenn ihnen nicht eine aystematlsche Hilfe zuteil wird, dem äußersten Elend preia• gegeben sind. Die wirtschaftliche Lage der ruasl* sehen luden Ist, von Ausnahmen abgesehen, noch Immer verrwcifelt. Auf eine Intervention der Moskauer jüdischen Oemcinde bei dem Volkskommissar M. K a m e n e w und anderen Reglerungsmitglicdern haben nun die in den letzten Monaten stattgefundenen Maasenausweisungen sogenannter unerwünscb• ter Elemente, von denen fast ausschließlich luden betroffen wurden, aufgehört. Die jüdische Gemeinde ln Moskau und das Moskauer jüdische Hilfskomitee hatten der Regierung ein diesbezügliches Memorandum überreicht, woraufhin die Regierung die Zusicherung machte, daß von nun an Ausweisungen nur nach sorgfältiger, Prüfung jede» Etnzelfaües ststtfinaen würden. COrhef Im Verlaufe einer Unterredung, die der Korrespondent des ״Alit Ba" in Amman mit dem zum Besuch des Königs Hussein aus Konstantinoncl dort elngetroffcnen Scherif Nasser Ibn Saud hatte, sagte dieser: Binnen kurzer Zelt wird kein Jude oder Kurde mehr In Konstantinopel geduldet werden, da die Türken Haßgegen alle Nichtmohamm e d a n c r hegen. Die gesetzliche Freitagsruhe Ist durch die Angora-Ver. Sammlung verkündet worden. Danach müssen christliche und Jüdische Geschäftsbetriebe, die tiir gewöhnlich am Sonntag nzw. am Sonnabend geschlossen sind, auch an dem mohammedänischen Ruhetag still stehen, wenn sich deren Inhaber nicht strafbar machen wollen. Die jüdischen und die christlichen Gemeinschaften haben In einem Memorandum an die Re• gierung gegen die Anwendung des Gesetzes protestiert. fhranhrtfch Die führende medizinische Zeitung Frankreichs ״La Presse Medieale“ veröffentlicht in einer ihrer' letzten Aus• aben einen Artikel über die jüdische Einwanderung nach 1aris. Die erwandernden Juden werden als unproduktlve Elemente bezeichnet. Weiter heißt es, die einwandernden Juden seien meist nervenkrank, geistig verwahrlost und seien verschiedentlich erblich belastet. Deshalb sind •sie al» für die Einwanderung höchst unerwünschte Elemente anzuschen. — Prachtvolles Konzert: Kriegspsychose und Frankensturz zusammen: und alsbald sind die Juden unerwünschte Elemente, weil sie meist nervenkrank sind, geistig verwahrlost und erblich belastet. Aber als man sie in die Frcmdcnb&tnilionc stecken und bei Ablain und Carency in die deutschen Granaten jagen konnte, waren sie, nl l’im nl l'autre, gesund genug zu Kanonenfuttcr. Wir sagen voraus, daß all das nur Einleitungen sind; wir werden sehr bald weit drastischere Meldungen und Ent• larvtmgcn zu verzeichnen haben. In der letzten Sitzung der ״Kommlsilon für Alt-Paris" wurde eine Mitteilung des Herrn Orimault über den Text einiger bei Ausgrabungen ־au! dem Boulevard Saint-Mlehel im Hofe des Cluny*M1»sm!m1 aufgefundener Jüdischer Orab• denkmiler aus Holz verlesen. Die Inschrift ist hebräisch c; P, f