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Jüdische Rundschau · 1924-02-19 · Heft 14 (19.2.1924) · page 2

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXIX (1924)
Issue
Heft 14 (19.2.1924)
Date
1924-02-19
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Seite (ני• Nr. U rieht, die das gleiche Komitee verbreitet, charakteristisch, nach der von Erleichterungen der Einwanderung nach Kanada keine Rede, sondern vielmehr Vorsicht geboten sei. Die kanadische Regierung hat zwar ausnahmsweise gesiatlct, daß von den aus Rumänien ausgewiesenen russischen Emigranten monatlich <100 nach Kanada einwandern dürfen, und es ist auch möglich, daß im nächsten Frühjahr mit dem Beginn der Feldarbeiten Erleichterungen für die Einwanderung eintreten werden. Nach den kn!1a* disdien Einwandcnmgsbcstiinimingcn im allgemeinen werden aber nur Landwirte, die über genügend Mittel verfügen, ferner landwirtschaftliche Arbeiter und weibliche 'Mausangeslclltc mit begründeter Arbcitszusiclicmng zu* gelassen. Infolgedessen kommt Kanada für den Hauptteil der jüdischen Einwanderer von vornherein nicht in Betracht, und man kann im Zusammenhänge mit der bereits erwähnten schweren Agrarkrise in der ganzen Welt auch für Kanada annchmen, daß selbst diese land* wirtschaftliche Einwanderung über kurz oder lang restringiert werden wird. Die Aussichten für jüdische Auswanderer sind also katastrophal wie kaum jemals. Ist zu hoffen, daß das jüdische Volk, das bisher durch die Kraft der zionistischen Argumentation in seiner Gesamtheit nidit davon über* zeugt werden konnte, daß Palästina das ״natürliche" Eiiiwaiideiungszciitrum ist, nun unter dem vielleicht stärkeren Druck der heute gegebenen Verhältnisse dies cinsiclit und diese Erkenntnis mit einer entsprechend starken nationalen Anstrengung beantwortet? Wird, was nicht die Schönheit, das Ethos und die Größe des uationalcn Wicdergehurtsgedankens vermochte, die entsetzliche Not der eingepferchten Volksmasscu endlich das Gewissen der Volksgcsamtheit wachrütteln? Wiederum kann die Antwort nur von uns Zionisten gegeben werden, von der Aktivität, zu der wir uns aufschwiiigcn werden, von der Tatsache, ob wir wieder einmal eine große geschichtliche Gelegenheit nützen oder sic vorübergehen lassen werden. Das jüdische Volk wird aufwachen und nicht mehr untätig abseits stellen, wenn unser Ruf stark und machtvoll genug sein wird, bis in seine innerste Seele zu dringen. * S. K. Die Einwanderung nach Palästina im Jalire 1923 Nach einem offiziellen Bericht des Londoner Colonial Office sind während des Jahres 1923 7254 jüdische Einwanderer (2866 Männer, 2409 Frauen und 5979 Kinder) nach Palästina eingewandert. Während des gleichen Zeitraums wanderten 3466 Juden aus Palästina aus, so daß demnach die Zunahme der jüdischen Bevölkerung durch Einwan• derung im Verlauf dieser zwölf Monate 3788 beträgt. Hierzu hat die J. T. A. ״auf' eine Anfrage von den! Ein* w.mdcrungsdep.irtemcnt der Zionistischen Organisation, den׳ folgenden > Bescheid . erhalten: , Ein,: sehr .beträchtlicher .Teil, Auswanderer, die iin Jalire 1923 Palästina verließen, bestand aus früheren ukrainischen Flüchtlingen, die gegen ׳ Ende des vergangenen Winters in aller Eile aus Polen nach Palästina kamen, um der ihnen drohenden Zwangsabschiebung durch die polnischen Behörden zu entgehen. Viele dieser Flüchtlinge begaben sich dann aus Palästina zu ihren Verwandten nach Amerika. Ein anderer wesentlicher Teil dieser palästinensischen Auswan* derer bestand aus unproduktiven, auf die ״Chalukah" angewiesenen Elementen der jüdischen Bevölkerung. Die Einnahmequellen der Chalukah haben sich aber unter den neuen Bedingungen stark vermindert. Besonders groß war die Auswanderung aus S a f e d und Hebron. Diese Städte haben in den k-tzicu Jahren den größten Teil ihrer jüdischen Einwobnef verloren. Ein relativ kleiner Prozentsatz der Auswanderer bestand aus Chaluzim, die keine ents p r e c h c n d e A r b c i t f i n d c n k o n n t e 11. Im.allgemcinen hat sich die Auswanderung aus Palästina, die im vergangenen Sommer ziemlich beträchtlich war, seither dauernd ver- *lindert. , . Eine katholische Weltorganisation iür Palästina Rom. (J.T.A.) In vatikanischen Kreisen hat in diesen Tagen ' ein neuer Verein ״Opera della preservazione della Freie in Palästina1.‘ (Werk des Glaubcnsscmdzcs in Palästina) *konstituiert,, der auch vom Kardinal Gasparri schriftlich beglückwünscht worden ist. Der Charakter des neuen Vereins 1erhellt aus der folgenden ■offiziösen Notiz, die in italienischen ,Zeitungen erschienen ist: ״Der Brief, den Kardinal Gasparri im Namen des Papstes an die neue ,Opera‘ geschickt hat, sowie die Tatsache, daß die .Opera' unter dem Vorsitze des hohen Würdenträgers des päpstlichen Hofes, Msg. Crc* m o 11 e s i, stellt, werden in katholischen Kreisen als neuer Beweis dafür angesehen, daß der Heilige Stuhl sich fortwährend für das Leben 11ml die besorgniserregenden Verhältnissc der Christen und der katholischen Interessen in Palästina interessiert. Die Probleme, die schon Gegenstand der Verhandlungen zwischen Londoner Foreign, Office und katholischer Kirche waren, bleiben offen und man sieht keine Anzeichen dafür, daß ihre Lösung den gerechtfertigten Wünschen des Vatikans und den jahrhiimlcrtclangcn Rechten der Christen entsprechen wird. Um-, gekehrt Ist es augenscheinlich, daß die unsichere Lage im Heiligen Lande mit jedem Tage schwerer wird und daß vor allem die Zionisten sich bemühen, nicht nur die schon eroberten Positionen zu erhalten, sondern sieh neue zu sichern. Die ,Opera‘, obwohl sic erst vor kurzer Zeit gegründet wände, besitzt bereits wichtige Filialen in verschiedenen Ländern und ihre Aufgäbe ist cs, ein starker internationaler Organismus für die- )eiligen zu werden, die willens sind, das Land, welches die Wiege des Christentums war, gegen jede neue Bedrück 1111g zu verteidigen.“ Eine Abordnung von Rabbinern und Vertretern der jüdischorthodoxen Richtungen in Amerika hat an den Oberrabbincr Kook die Bitte gerichtet, die Einladung der amerikanisch-jüdischen Orihodoxje zum Besuch der Vereinigten Staaten anzunchmcn. Oberrabbiner Kook soll in den Vereinigten Staaten für die Institutionen der palästinensischjüdischen Orthodoxie werben, da sonst die Existenz einiger der besten jüdischen Schulen und religiösen jüdischen Institutionen In Frage gestellt wird. JUEDISCHE RUNDSCHAU :fftveilc Von Luise Treu, Essen. . Leben ist ein ewiger Wechsel der Beziehungen, du ewiges Sieh-Vcrscliicbcn, ein ewiger. Wechsel der Spannungen, und alles, was U:ht, muß rach wandeln, um sich zu behaupte 11, Was nicht mehr!'ließt, das erstarrt, versteinert, wird zur toten Maske, das Wort, das lange Zeit gebraucht wird, ohne immer und immer wieder seine Beziehung zum Leben zu prüfen, verliert seinen wesentlichen Inhalt, wird zum leeren Schlagwort. Das gilt von den Worten, die der Zionismus geprägt hat, nicht weniger als von «Ilm anderen. Der deutschen Judcnheit ist heute der Zionismus ins selben Sinn vonnöten wie damals, als er eine neue Lrscheiming war. Wieder stellt sie in großer Hilflosigkeit da, einer Hilf• losigkeit, die heute viel weiteren Kreisen bewußt ist als in jenen Zeiten. In solchem Augenblick Ist es notwendig, sich au( den Inhalt der Worte zu besinnen, die man als Wahrreichen aufgcpflanzt hat, ob sic noch fruchtbar sind, ob sie noch in lebendiger Wechselwirkung zum Sein und. Geschehen der Zeit steilen, ob sic nicht zu toten Schlagworten geworden ,sind. Und so müssen wir heute wieder Ragen, was uns lange selbstverständlich war: I. Was Ist jüdisch-national? Die Judcnheit ist eine nationale Einheit. Das ist die Zauberformel gewesen, die dem Absterben der wcstcuropiiischen Judcnheit Einhalt geiwien In1t. Sie hat wie eine Wiedergeburt gewirkt, hat «lern ״zerrissenen jüdischen Herzen“ Gesundheit, dem zur Problematik verdammten Denken einen festen Untergrund gegeben.. Das Bekenntnis zur jüdischen, Nation war ein Zumiliekoniincn, eine teste Leben sbasis, cs war vielen eine Erlösung und der Ausdruck ihrer Absonderung vom Faulenden, Vcigellenden, Damals, als tum das Bekenntnis zur nationalen Einheit des Judentums zum Wahrzeichen wurde, damals war es eine große Idee, den Begriff der Einheit des Judentums klar und scharf vom religiösen Begriff loszulösen, die Veilogcuheit zu enthüllen, die diese. Einheit ins rein Religiöse, das Religiöse ins rein Persönliche schab und somit jeder inneren Verpflichtung gegenüber dem jüdischen Ganzen ledig wurde. Aber ist es an und für sich, endgültig, unbestreitbar wahr, daß die Jiidenheit eine nationale Einheit bildet? Woran sollen wir erkennen, daß cs wahr ist? Welchen Sinn haben überhaupt die Worte ״Nation“, ״national“? Im Sprachgebrauch haben sie keine fest umschriebene Bedeutung. Bald wird das Wort ״national“ in. einem ganz, engen parteipolitischen Sinn gebraucht, bald in einem ganz weiten, die gesamte Bevölkerung eines Landes umschreibenden, bald werden bestimmte Bcvölkcrungskreisc der Abstammung nach dadurch gegenüber anderen Jkviilkcnmgskrcisen desselben Landes - abgegrenzt, dann wieder bestimmte Bevölkcruiigskreise verschiedener Länder ziisammengcfaßt, Der vage, fließende Sprachgebrauch kann nichts entscheiden. , ׳ ■ , ־• Aber die genau definierende Wissenschaft? Da geraten wir in den Widerstreit der Theorien. ' Der eine behauptet, daß die territoriale Einheit ein unerläßliches Kriterium der nationalen Einheit sei, der andere erklärt Oemcinsainkcit von Schrift und Sprache für unerläßlich, wieder ein anderer hebt den politischen 11111,11t des Wortes hervor;, ihm ist Gemeinsamkeit der Geschichte das Ausschlaggebende bei der Frage, ob eine Gemeinschaft mit Recht ״Nation“ zu nennen sei. Und noch ein anderer verlangt, daß persönliebes Nationalbewulitseiu vorhanden sein müsse,.um die Frage der _ Zugehörigkeit bejahend zu entscheiden. Eine allgemein gültige Definition des Wortes ״Nation", auf die wir den n.itibnalcn Anspruch der Jiulcnlicit $!uUc11-kö1mtcn,n»t ־•nirgend»',' zu־, finden.״ ■1 , ׳. ״־;״ ...... ■ :: .׳ Wie aber können wir von nationalem Judentum sprechen und uns Nationaljuden nennen, wenn Im Grunde überhaupt kein Mensch weiß, was eine Nalion ist? Von bestimmten Mensclungnippen kann man allerdings sagen, daß sie eine Nation bilden. Auf die Engländer paßt jede Definition des Weites. Im gemeinsamen Land lebend, haben sic eine eigene Sprache, cm gemeinsames politisches und kulturelles Geschick, auch das persönliche Nationalhcwußtsein ist bei ihnen hochentwickelt. Wie aber verhielt es sich bis zur politischen Neuordnung mit den: Polen? Des ei״' itliehen Staatsgcbildcs entbehrend, besaßen sic doch Einheit des Bodens, der Sprache, des Volksclmrakters; der Geschichte und starkes Nation,־dbcwnßtscin, so daß die Existenz einer polnischci! Nationalität wohl ziemlich einheitlich bejaht wurde. Und mildem Deuiscli-beliwcizer? Ist er deutscher Nationalität? Einheit der Geschichte ist nicht vorhanden, Einheit der Kultur und damit zusammenhängend deutsches Nationalbcwufltseln mir sehr bedingt; Dem stehen Einheit der Abstammung, des geistigen Habitus und der Sprache gegenüber. Und tatsächlich ist die Frage umstritten, Aber — gibt es eine amerikanische Nationalität? Bis vor kurzem hätte jeder diese Frage veritc'iui, UiiUe erklärt, daß die Bürger der »Vereinigten * Staaten zwar eine staatliche Einheit bildeten, nicht aber eine nationale. Inzwischen aber hat sich der Begriff der ״amerikanischen Nation“ gebildet, und die Amerikaner selbst sind cs, die mit ihm operieren. So zeigt die Tatsächlichkeit alle Abstufungen von der vollen Gewißheit bis zur höchsten Fraglichkeit. Wer will warten, bis die Wissenschaft einen ihrer ewigen Prozesse abgeschlossen hat, um zu entscheiden, welche Gemeinschaft• sielt als Nation empfinden darf und welche nicht? Alle Versuche, auf wissenschaftlichem Weg der heutigen Judcnheit nationale Eigenschaft zu- oder abzusprechen, haben das Eine gemeinsam, daß sie eich nur der Form nach als Untersuchung gehen, in Wahrheit aber die Lösung in dem bereits fcsistcht, der sieb die Au (gäbe stellt. 11 ml die Beweisführung auch nur für den einleuchtend ist, <ler von vornherein filierzeugt war. Weder auf Ortmd des Sprachgebrauchs noch auf Grund der Erscheinungen des Lebens noch auf Grund wissenschaftlicher Abstraktionen ist es möglich, auf rein logischem Weg jemanden zu zwingen, die jüdische Nationalität anzuerkennen. Wer von ihr spricht, anerkennt die Tatsache, einer iuncrjüdischcn Bindung, die nicht religiöser Natur ist und bezeichnet diese Bindung als national. Der־ Nationaljude, der sein nationales Bekenntnis vor sicli her trägt und sich nur durch dieses schon ausgezeichnet fühlt, befindet sich in einer gröblichen Täuschung über die Bedeutung einer Ausdrucksform. Er ist um dcsscnlwillcn allein noch um nichts weiter als derjenige, der ■sich weigert, die Kcnhzclchcn dieser auch von ihm anerkannten nichtrcligiösen Bindung als national zu bezeichnen und der sich infolgedessen auch weigert, das Bestehen einer jüdischen Nation au/uerkennen. ' ' י' " Hierin liegt nicht die Schwäche, hierin liegt die Stärke des jüdischen Nationalismus'. Würde es sich um eine letzte; Wahrheit, tim eine letzte Entscheidung handeln, dann könnten wir von niemandem verlangen, sich uns anzuschlitßcu, der auch nur einen Gran von Zweifel ln sich trägt. Ja, wir. müßten von ihm als einem sittlichen Menschen verlangen, daß er sich prüfe, ob dieser letzte Gran Zweifel überwunden ist. Aber da cs sich nicht um eine letzte Wahrheit, da es sich um eine Ansdrucksform handelt — ■um eine Ausdrucksform gleichwohl, die in unserem Werden und Wachsen, in unserer jüdischen Lebensgeschlchtc tief begründet fest -*• darum können wir an jeden Juden herantreten, der an die. ״Schicksalsgeme'mschatt", an Judentum und jüdische Zukunft glaubt, und können ihm sagen: ״Di, der du mit uns strebst, der du verantwortlich bist für die Wirksamkeit deiner Kräfte und deines Willens, du bist verpfl ich t et, dich der Ausdrucksform anziricldicßen, die du auf deinem Weg vorfindest. Diese Awdiucksfonu, die heule schon durch eine Geschichte des heißesten Strcbens, des Kampfes und Leidens geweiht ist, diese Ausdiiieksforin, die nicht dem leichtfertigen Sprachgebrauch, nicht einer kalten wissenschaftlichen Definition ihren Ursprung verdankt, diese Ausdiucksforni, die zusammenfassend Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft umschließt, diese Ausdrucksfonn, die in Ucbercinsiimmnng steht mit unseren heiligen Büchern und dem Denken unserer größten Männer, diese Ausdruck;form mußt du .innehmen, weil ca Mindhaftc Kräftevergeudung wäre, wenn jeder Einzelne sich immer wieder die Ausdmcksiorm schallen wollte, die schon vorhanden ist, weil die Arbeit für die Zukunft des Judentum• nicht 'dem babylonischen Turmbau gleichen soll und darf. Gestalten heißt entscheiden, formen, die Möglichkeiten, die das Chaos bietet, ausschcidcn. Jenes Gefühl, das Hcrzls Brust bedrängte, als Cr der Entehrung Drcyfuß' beiwohnte, und als cs ihm plötzlich klar wurde, daß er nicht ein beliebiges Opfer eines beliebigen Rechtsirriums vor sich hatte, diese» Gefühl, aus dem stell ihm die Idee der jüdischen Nationalität ' entwickelte, war sicher schon bei mancher Gelegenheit in mancher Brust erwacht. Aber es war kraftlos, gestaltlos ms Chaos gefallen und weggeschwemmt worden, d.ese* Ge füll! der jüdischen Gemeinsamkeit. Im Zionismus dagegen ist e» ' zum Willen geworden, in dis jüdische Schicksal einzugreifer». Und so ist der Zionismus seihst Bestätigung seiner Behauptung, daß a eine jüdische Einheit gebe, daß cs auch in den Wcstjndcn 1 noch jüdische Volkskraft gebe, daß es deshalb eine jüdische .Zukunft geben müsse. Zionismus war Ausbruch der großen Gotteskraft im jüdischen Volk — üi einer menscliliehen, darum bedingten, da nun von irgendeiner Seite her : Immer angreifbaren Form — und darum ist das Wort ״national'', wie der Zionist cs braucht, groß und bedeutend, ' ' weil es einem ungestalteten Bewußtsein die Form gegeben hat. In der cs nun sicher dahcrschrcitet und auf dem festen ' , Boden unter seinen Füßen wachsen kann. Es ist ein müßiges Unicrfangen, den Zionismus rechtfertigen zu wollen, indem man das Vorhandensein von nationalen Krätlen und Merkmalen im Westjudentum beweisen will. Der beste, durchaus unwiderlegliche Beweis fiir das Vorhandensein dieser nationalen '. Kräfte im Judentum auch unserer Tage ist das Vorhandensein des Zionismus, II. Paliistinozcritrlsch. Die große Idee des Zionismus war, daß er sich Palästina Wieder als etwas Lebendes, auf Lehen Wartendes, mm Leben zu Erweckendes verstellte, und das jüdische Volk in Einheit mit Palästina; daß er, weun er von Palästina sprach, nicht an die*Klagemauern dachte,'sondern an den Baden u׳td ah die Menschen, ,die ihn in Besitz nehmen. Ist cs nicht — trotz aller Schwierigkeiten, aller Hindernisse, aller Ent- . ■ täuschungcn ein Wunder, das sich drüben vollzieht? Eine« . jener Lcbenswundcr, wie sie die bedachtsame Lebensweisheit, die kluge Skepsis niemals zustande bringt? Und spüren wir nicht in unserer Jugend heute den ungeheuren Antrieb, den ihr der Palästinagedanke gegeben bat? Er hat ihr ein Ziel ■ gebracht, und in der Tat, wenn wir uns umsehen, wodurch die deutsche Judcnheit in ihren heutigen, bejammernswürdigen Zustahd geraten ist, dann wird cs uns klar, daß es der Mangel an übcrpersönlicben Zielen ist, der die Juden so tief in ihre kleinlichsten, persönlichsten Interessen versinken ließ, in das kalte Verstandes- und Tricbicbcu, das sich rund •um uns breit macht Und wenn man uns dann mit noch soviel *. Hecht sagt, daß von den vielen Pal/istinasch wärmen! unter .; ■ unseren jungen und nicht mehr jungen -Zionisten kaum der zehnte Jcil seine Tlieöric'in die' Praxis umsctzC'So könnetF,r*fl 1Gr demgegenüber unseren güten Mut nicht verlieren. Denn-. 7• wir wissen, daß, auch wo das vqrgcstcckte Ziel persönlich nicht erreicht wird, der Weg allein schon die Füße stark 1 macht und die Herzen gesund. Aber hüten wir uns davor, dem persönlichen Palästinastreben zu viel Eigenwert bcl/nmgssen, den großen Gedanken nicht immer wieder seinem Ziel gcgcnübcrzustcHcn und die Verwirklichung als letzten Mnßstab an/uschen, nicht die ge* plante Verwirklichung, nicht den Willen zur Verwirkiichung m irgendeiner Zeit, die, wenn sic kommt, mit ihren eigenen, heute noch nicht übersehbaren Forderungen kommen wird, nein, die Verwirklichung jetzt, hier, in unseren, in diesen Tagen. Palästinageist kann man nicht nur in Palästina beweisen. Jeder möge sich selbst fragen, was Palästina von ihm verlangt, und dann nicht vergessen, diese Eigenschaften schon jetzt, hier, in Deutschland, zur Anwendung zu bringen. ,. Wer nicht auf jeden Fall in zionistischem Geist, und nicht nur im Geist, sondern' auch in zionistischer Arbeit lebt'״י:" und verkündet, daß er palästinozentTisch eingestellt •ei, der .׳ mache sich klar, ob das nicht eine Umschreibung für die Tat*.,,,־* sache Ist, daß er gar kein Zentrum besitzt, sondern Schwelger im Schlagwort ist. Wem der Zionismus in Deutschland nichts bedeutet, wer seine Kräfte für Palästina aufsparf, mag mit . . vielem Grund fürchten, daß sie ihm auch dort fehlen werden. ‘ . ״Wollen Sie denn wirklich nach Palästina gehen?“ Dis war die Frage, an deren Beantwortung früher Nichtzionisten die Ernsthaftigkeit der zionistischen Einstellung zu prüfen suchten, und cs hätte nichts genützt, ihnen auseinanderzuscizen, daß diese Frage in dieser persönlichen Form keineswegs den Kernpunkt trifft, weil ein gewissenhafter Mensch zögert, bejahena ein Zukunftsversprechen zu geben, wenn er ' bei sich weiß, daß er gewisse hindernde Faktoren nicht nach freiem Wunsch regieren kann. Hciile hört man diese Frage seltener, weil sie schon gar zu oft bejaht worden ist.So aber sollte cs heißen: ״Was gedenken Sie zu tun, um die Idee des Zionismus in Ihrem Leben zu verwirklichen, fall» Sic nicht nach Palästina gehen?“ Kein Wechsel in der britischen Palästina Politik London. (J.T.A.) Der diplomatische Korrcspndeont des ״Daily Telegraph" schreibt: Soweit es sich jetzt vorausschcn läßt, ist von dem jetzigen Kabinett und dem neuen Kolonial minister keine Aenderung in der bis jetzt verfolgten Politik in •bezug auf das Palästina- und das I r a k M a 11 d 3 f z u erwarten. Der Premierminister selbst hat sich auch schon früher wiederholt fürdas Palästina-Mandat ausgesprochen. Der diplomatische Mitarbeiter der ״EvenIng Standard“ schreibt in der. Ausgabe des Blattes vom 12. Februar, ilun . sei von autoritativer Seite mitgcteilt wöry den, daß die Regierung keinerlei Wechsel in. der Politik in bezug auf Palästina und Mesopp•' tamien in Betracht zieht Sowohl der Premierminister al! auch Mr. Henderson haben sich über den Standpunkt der Labour Party schriftlich fcstgelcgt, doch scheint die Haltung des neuen Kolonien •Ministers noch etwas ungeklärt zu; sein. Es kann aber wohl gesagt werden, daß seitens des Mr. Thomas irgendwelche Einschrän• kungen nicht befürwortet werden.

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