Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXIX (1924)
- Issue
- Heft 13 (15.2.1924)
- Date
- 1924-02-15
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2651273-2652595-2652608--15530-2674836- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Nr. 13 JUEDrSCHE RUNDSCHAU Seift 83 Dr. luppias Tätigkeit in least Einem . als Antwort auf die Verleumdungen des ״Doar Hajoin“, dem Korrespondenten des ״Haare/.“ in New York am 24. Januar gewahrten interview entnehmen wir folgendes: Einige der dramatischem Begebenheiten, die ein eigenes Kapitel in der Geschichte der palästinensischen Judenheit wanrend des Weltkrieges bilden, wurden von Dr. Ruppin durch Mitteilung von Bruchstücken enthüllt, die zeigen, wie das Leben der Juden Palästinas insbesondere während der zwei letzten Kriegsjahre gerettet wurde, trotzdem es für die ausländischen Organisationen und Einzelpersonen unmöglich war, Geld nach Palästina zu schicken oder sich mit den dar• tigen Juden in Verbindung zu setzen, Dr. Ruppin, der sieh im Interesse eines wichtigen finanzielten zionistischen Projektes in Amerika aufhält, gab den dringenden Bitten seiner mit ihm beleidigten Freunde inner• halb und außerhalb Palästinas nach, die über die ehrenrührigen Behauptungen des ״Doar Hajom“ hinsichtlich seiner Tätigkeit in Konstantinopc) als Vertreter der Zionistischen Organisation von 1017 bis 1018 empört und entrüstet sind. Wie bereits bekannt, hat Dr. Ruppin au seine Vertreter in Palästina gekabelt und sic beauftragt, die Vcrletimdungsklagc gegen die Eigentümer des ״Doar Hajom״ und des ״Palcstmc Wcckly“ anzustrengen. Er sagte dem Korrespondenten des ״Haarez“, seinem Gefühl nach sei das alles, was er im gegenwärtigen Augenblick tun könne, um seine Stellung gegenüber den skandalösen Erzählungen, die in seiner Abwesenheit von Palästina über ihn verbreitet wurden, zu kennzeichnen. Er neige dazu, die letzte Erklärung der Zionistischen Exekutive, welche die vorkumdcrischcn Angriffe zurück weist und ihr vollstes Vertrauen in seine Tätigkeit in Konstantinopol ausdriiekt, als eine genügendc Antwort an seilte skrupellosen Kritiker zu betrachten. Ueberdies sei das Vertrauensvotum, das der Waad Leumi, die höchste Behörde der palästinensischen Jmknheit, angenommen hat, eine weitere vernichtende Antwort auf die Schmähungen der Jerusalemer Zeitung. Ich machte ihn jedoch darauf aufmerksam, daß im Hinblick auf die Verzögerung, die bis zur Verhandlung der Vcrleumdungsklage cintrcicn werde, und ferner im Hinblick auf die Tatsache, daß seine Feinde eine Kampagne veranstalten, um ihre niederträchtigen Geschichten in weitere zionistische Kreise zu trage״, sehr viel Unheil gestiftet werden kann, das vermieden werden könnte, wenn er bereits in diesem Zeitpunkt eine Feststellung der Tatsachen geben würde. Schließlich erklärte sich Dr. Ruppin einverstanden, diese Erklärung abzugeben, die, wie ich glaube, viel dazu beitragen wird, die ganze vom ״Doar Hajom" aufgebaute Lügenfabrik zu zerstören. In dieser Erklärung wird zur Gänze die Art der in Konstantinopcl durchgeführten Transaktionen aufgeklärt. Es wird jedem unvoreingenommenen Leser klar werden, daß Ruppins Tätigkeit in Konstantinopel den Zweck hatte, den ganzen Jischmv in Palästina vor der Vernichtung zu retten. Die Erklärung lautet folgendermaßen: ״Nicht weniger als viermal während des Krieges hatte ich den Eindruck, daß der Jischuw in Palästina am Ende seiner Existenz angclangt sei, und jedesmal wurde er durch eine Art Wunder gerettet," erzählte mir Dr. Ruppin. ״Der erste kritische Augenblick kam einige Monate nach Kriegsbeginn. Zu dieser Zeit waren alle Verbindungen mit Rußland unterbrachen, von wo bis dahin beträchtliche Summen nach Palüstina geflossen waren, die für den Unterhalt der Kinder russischer Eltern in den hebräischen Schulen, für die Er- Haltung der den russischen Zionisten gehörenden Pflanzungen sowie für andere philanthropische und ökonomische Zwecke bestimmt waren. Das Anfhören dieser Einkünfte und die allgemeine wirtschaftliche Krise in Palästina (die Banken hatten auf Grund des Moratoriums die Auszahlung der Depositengcldcr eingestellt) brachte den größten Teil der palästinensischcn Bevölkerung dem Verhungern nahe. Ich unterrichtete durch Briefe und Telegramme alle unsere Freunde außerhalb Palästinas, die ich erreichen konnte, von der kritischen Situation. Wieder wurden wir gesondert in den Gcrichtssaal gebraeht. Es war ein Sonntag und der Saal noch voller. Kurz nach Sitzungseröffiiung wurde noch der Schreiber dieser Zeilen als sechster vernommen. Es dauerte etwa zwei Stunden. Ich sehe noch klar und deutlich vor meinen Augen das wütende Gesicht des Vorsitzenden, wenn er nicht die erwartete Antwort oder überhaupt keine bekommt, und des verzweifelte Gesicht des Staatsanwalts, wenn er dem Gerichte meldete, er hätte weiter nichts zu fragen, da der Angeklagte ja doch nichts aussage. Das hätte ihm gepaßt, wenn ich ihm gesagt hätte, wer zur Konferenz cingcladen habe, wo ich in Kiew abgestirgen sei, welchen von den Chawerim ich schon lange kenne und welchen erst seit kurzem usw. Mit solchen Fragen kam er bei uns an die Rechten. Man lachte ihn geradezu aus und wich der Beantwortung aus. Niemand fiel auf die Fragen des Gerichts herein und nach meinem Verhöre, da ich ja auch übereinstimmend mit den fünf früher Abgesonderten aussagte, wurde cs anscheinend dein Gerichte klar, daß bei uns nichts zu holen war. Also wurden alle Angeklagten in den Saal gebracht. Allerdings schien in diesem Moment das Gericht im Besitze reichlicher Informationen zu sein, da kurz zuvor ein Kurier der G. P. U. dem Vorsitzenden ein Paket überreicht hatte, wonach er sofort eine Pause cintrctcn ließ und sich mit den beiden anderen Mitgliedern ins Konferenzzimmer zurückzog. Wie umgewandelt kamen sie von dort zurück, und der Vorsitzende legte mir z. B. eine ziemlich genaue Liste der Mitglieder des Zentral-Komitces vor. Mit was für plumpen Mitteln die Herrschaften an uns herantreten wollten, war aus folgendem zu entnehmen: Als man mich allein hereinbrachte, war die erste Frage, weshalb Ich die Chawera B. aus der Partei ausgeschlossen habe. Ich antwortete natürlich, daß ich erstens nichts von solch einer Ausschließung wüßte, zweitens, daß ich gar nicht das Recht habe, jemanden auszuschlicßcn. Anscheinend glaubte der Herr ״Richter" durch eine ungeschickte Antwort von mir meine Zugehörigkeit zum Zentral-Komitee gerichtlich fcststcllen zu können. Sic haben sich doch schließlich auch nicht gescheut, ohne jegliche Beweise, vermutlich gestützt auf Geheiminformationen ihre Auswahl zu treffen und zwölf von uns zu verurteilen. Eine dramatische Episode bildete das Verhör der vier Mitglieder der Synagogenvcrwaltung, in der wir verhaftet worden waren, und besonders des Synagogendieners. Wir sagten alle einstimmig aus, daß wir ohne Befragen in die iriiEGpcl r/ak’Ckil ebs Krieges Unter diesen Briefen war einer, den ich an HenryMorgen* 111 a 11, den damaligen amerikanischen Botschafter in Konstantinopel, der sechs Monate vorher in Palästina gewesen und mit dem ich damals bekannt geworden war, gesandt hatte. Niemand kann sich die Ucberraschung und Freude der paläsfincnsischcn Judenheit vorsteilen, als nur wenige Wochen nach Abgang meines Briefes ein Telegramm von Mr. Mergenthau mit der Nachricht kam, daß die amerikanische Judenheit 230 000 Fres. in Gold durch ein amerikanisches Kriegsschiff nach Jaffa sende und sich Mr. Morgenthaus Schwiegersohn auf demselben Schiff befinde. Diese erste und rasche Hilfe rettete die Situation für fast zwei Jahre, insbesondere da nach dieser Erstlingstat die amerikanischen Juden weiter Geld sandten und auch eine spezielle Lcbcnsmlttelsendung ankam. Ende 1916 wurde die Lage wiederum schlecht. Zu jener Zeit wurde cs 1ms unmöglich, Geld oder Lebensmittel aus Amerika durch eigene Schiffe nach Palästina zu senden. Die aus Amerika kommenden Untcrstützungsgeldcr wurden durch Banken überwiesen und in Palästina in türkischer Papier- Währung ausgezahlt, die zu Beginn des Krieges gesetzliches Zahlungsmittel geworden war, die aber trotz dieses Gesetzes die Fellachen nicht als Gegenwert für Lebensmittel annahmen, da sie auf Zahlung in Gold bestanden. Infolgedessen war der Wert des Papiergeldes nicht nur in Palästina, sondern auch in anderen Teilen der Türkei auf '/6 oder auch 1/c seines Nominalwertes gesunken. Die Hilfsgcldcr, die in Palästina ankamen, hatten daher nur Vs oder '/« der Kaufkraft des gleichen [,*träges in Gold. Ende 1916 wurde ich von Djcmal Pascha wegen meiner zionistischen Tätigkeit aus Palästina ausgewiesen und war gezwungen, nach Konstantinopcl zu gehen. 111 Konstantinopcl versuchte ich in ständiger Verbin• dimg mit Palästina zu bleiben und sah sofort, daß das ganze Hilfswerk für Palästina infolge der Entwertung des Papiergehles zusammenbrechen würde, wenn nicht ein Weg gefunden werden könne, die Untcrstützungsgeldcr nicht durch Banküberweisungen, sondern in effektivem Golde zu erhalten. Ich stellte daun fest, daß während in Konstantinopcl der gleiche Goldtuangcl herrschte wie in Palästina, die skandinavischcn Länder einen Ueberfluß an Gold hatten. Dies war '111 einem solchen Ausmaß der Fall, daß Schweden einmal beabsichtigte, die Einfuhr von Gold zu verbieten, da der Ueberfluß davon ein starkes Stetgen der Warenpreise mit sich gebracht hatte. Ich erfuhr auch, daß die skandinavischen Banken bereit wären, Gold gegen Schecks auf neutrale Länder zu verkaufen, Es bestand keine Schwierigkeit, den skandi• navischcn Banken Schecks auf neutrale Länder zu geben, da unsere Hilfsgcldcr aas solchen kamen. Unsere Haupt- Schwierigkeit bestand jedoch zu jener Zelt darin, das Gold von Skandinavien nach Palästina zu bekommen. Sogar die Banken in Konstantinopcl, die ich befragte, sagten, cs sei unmöglich, diese Transportschwicrigkciten zu überwinden. Nichtsdestoweniger habe ich diese Schwierigkeiten auf offiziehen Wegen und mit der Hilfe der zionistischen Büros in Berlin und Kopenhagen, sowie privater Freunde überwunden. Der damalige amerikanische Bofsfliaffcr in Konstantinopel, Mr. E1 k u s, erfüllte mein Ansuchen,* daß die amerikanischen Hilfsgcldcr an eine Kopenhagener Bank überwiesen werden sollten, wo sic fast ohne jeden Verlust in Gold umgewcchsclt wurden. Von Kopenhagen wurde das Geld an mich nach Konstantinopel gesandt, und ich hatte cs nach Jerusalem weiterzusenden. Dieser Teil des Transportes war der schwerste, denn cs gab keine ununterbrochene Bahnverbindung zwischen Konstantinopcl und Jerusalem und zudem w׳ar durch die militärischen Operationen das Land in ungeordneten Verhältnissen. Nichtsdestoweniger gelang cs mir, den Transport auf verschiedenen Wegen zu organisieren und in der ganzen Zeit geriet nicht ein einziges Goldstück in Verlust. So er• hielt Palästina die Hilfsgcldcr in Gold und infolgedessen konnten die Empfänger mit dem gleichen Betrage der Unterstützungssummen fünf• oder sechsmal soviel kaufen, wie cs mit Papiergeld möglich gewesen wäre. Synagoge gekommen waren. Das Ocricht wollte durchaus fcststcllen, wer von uns als erster in die Synagoge gekommen war und dabei sollte der Synagogendiener hellen. Gewissenhaft ging er durch unsere Reihen, sah sich jeden an, um nach zehn Minuten außerordentlicher Spannung im ganzen Saale zu melden, daß er keinen wiedcrcrkcnncn könne. Ein Mitglied der Synagogenvcrwaltung bezeugte dem Ocrichte, obwohl das gar nicht so ungefährlich war, daß eigentlich alle Juden Zionismen seien. Wir hatten unsere Freude an diesen unseren zufälligen Bundesgenossen, für die wir zwar nicht cinstchcn konnten, aber deren Haltung ja sehr wertvoll für das Gesamtbild des Prozesses war. Das Resultat ist bekannt. Nach wilden und sinnlosen Reden der Ankläger, wobei die ״armen" Araber, Hcrzls Reise nach Petersburg, Lloyd Georges Politik in Irland mithclfcn mußten, und sehr herzlichen, aber hilflosen Reden der Verteidiger wurde das bekannte Urteil gefällt Mehr als sechs Stunden dauerte die Beratung des Gerichts. Kein Mensch aus dem Publikum verließ den Saal, man wartete gespannt cs lag in der Luft das Gefühl eines nahenden Sturmes und dann brach er los. Mit Würde hörten unsere Angehörigen im Saale den grausamen Spruch (zwei Jahre Zwangsarbeit unter strengster Isolierung), kein Ruf ertönte und hn Nu war der Saal mit Waffengewalt geleert. Im Angcklagtcnzimmer trennten wir uns herzlich von den Chawerim, die nur bedingt verurteilt und sofort entlassen wurden. Lange wollten sie von uns nicht weg, umarmten uns und versicherten uns in heiligen Schwüren ihrer Treue. Sie haben sic gehalten. ... Spät ln der Nacht des 28. August, während eines starken Regens, brachte man lins zwölf auf Umwegen und durch enge Gassen in die Tribunals-Kommandantur. Die Behandlung wurde sofort eine andere — wir waren nicht mehr Angeklagte, sondern Verurteilte. Nach der gewaltigen Spannung der letzten drei Tage überfiel uns eine vollständige Abspannung, ein dumpfes Gefühl der Schwere, die herannahende Sorge für unsere Lieben und der Ernst der Situation in seiner ganzen Schärfe. Ich glaube nicht, daß jemand von uns diese Nacht die Augen schloß. Die heroische Periode war eben zu Ende, es nahte die Alltäglichkeit des Oefängntslebcns mit allen ihren Widerwärligkeitcn. Dawid Borowoi. Meine Freude über diesen Erfolg war nur von kurzer Dauer, Nur zwei oder drei Uebcrwel ungen wurden auf diesem Wege von Amerika über Kopenhagen gemacht. Als Im Früh- , ahr 1917 Amerika in den Krieg cintrat, hörte die Sendung von Hilfsgeldern aus Amerika auf. Es schien also, als ob alle diese erfolgreichen Bemühungen umsonst sein sollten, denn es kam kein amerikanischer Scheck mehr nach Kopenfingen, mit dem Gold hätte gekauft werden können. Die Untcrstützungsgeldcr von andern Lindern waren sehr gering, und ich stand tatsächlich ohne jedes Geld für Palästina da. Dr. Jacob Thon, der als Vertreter des Palästina-Amts in Palästina zurückgeblieben war, befand sich in einer verzweifeiten Klemme, um so mehr als die Türken ihre Stellung in Palästina gegen das drohende Vordringen der britischen Armee verstärkten, und die Juden von Jaffa insgesamt nach dem Norden evakuiert wurden, wahrend die jüdischen Führer aller Gemeinden in verschiedene Teile von Syrien und Klein• asien deportiert und cingrkcrkcrt wurden. In dieser ver• zweifelten Periode, der schlimmsten, die der palästinensisch« Jischuw je erlebte, suchte ich Mittel zur Erleichterung *einer Leiden zu finden, und schließlich gelang cs mir auch. Ich nahm eine Anleihe in Papiergeld auf und kaufte dafür in Konstantinopcl Schecks aut neutrale Länder und dies ohne jeden Verlust, da cs das eigentümliche Merkmal des Konstantinopclcr Geldmarktes war, daß nur Gold einen hohen Wert hatte, während Schecks auf neutrale Länder denselben Wert wie türkisches Papiergeld hatten. Indem ich nun diese Schecks nach Kopenhagen sandte, bekam ich Oold dafür, da* auf dem bereits früher beschriebenen Wege nach Konstant!• nopcl geschickt wurde. Durch Verkauf eines Teiles dieses Goldes in Konstantinopcl wurde ich nicht nur in den Stand gesetzt, die aufgcriommcne Paplcrgcldanlcihe zurückzuzahlen, son• dern cs verblieb noch ein beträchtlicher Ucberschuß, um neue neutrale Schecks zu kaufen und Dr. Thon für di« zionistischen Institutionen usw. Gold zu senden. Durch Wiederholung dieser Transaktionen in zahlreichen Fällen war ich in der Lage, jeden Monat genug Geld nach Palästina zu senden, um die weitere Erhaltung der Schulen, der Kolonien, der jüdischen Soldaten und der verbannten palästinensischen Juden, die über ganz Kleinasicn zerstreut waren, zu einer Zeit zu ermöglichen, als tatsächlich von nirgendwo Hilfsgelder beschafft werden konnten. Durch diese Transaktionen wurde der Jischuw bis Anfang 1918 in Gang erhalten, wo ein Weg gefunden wurde, von einem holländisch-amerikanischen Hüfs* koniilcc in Holland Unterstützungssummen zu erhalten. Zum vierten und letzten Male war das Palästinawerk in Gefahr im Frühling 1918. Infolge des Fehlens einer jeden Wirtschaftstätigkeit und der Feindseligkeit der Türken gegen die Juden waren die Ausgaben in Palästina mehr und mehr gewachsen. In Haifa, Tiberias und Damaskus wurden besondere Hilfskomitees gebildet. Die von dem holländisch• amerikanischen Hilfskomitee kommenden Gelder deckten nur einen Teil dieser Ausgaben und ich war gezwungen, auch weiter durch meine eigenen Bemühungen Oeld zu beschaffen. Im Frühling 1918 weigerte sich plötzlich die Kopenhagener Bank, uns weiteres Gold zu verkaufen. Ich bat den damals in Berlin weilenden Dr. Victor Jacobson, den Versuch zu unternehmen, in anderen skandinavischen Ländern Gold zu bekommen, aber ehe alle Schwierigkeiten überwunden waren, war eine Verzögerung von mehreren Monaten entstanden. Nur ein Teil des gekauften schwedischen Goldes kam rechtzeitig nach Konstantinopel, um noch nach Palästina gesandt werden zu können. Der größere Teil langte erst im August und September 1918 an, als die britischen Truppen bereits Palästina besetzt hatten, und es unmöglich war, irgendwelche Transportwege von Konstantinopel nach Palästina zu finden. Meine Arbeit in Konstantinopcl fand ein Ende, als die Alliierten dorthin kamen, und ich als deutscher Staatsbürger gezwungen war, die Stadt zu verlassen. Ich konnte das Gold nicht mit mir nehmen, auch konnte ich cs nicht in Konstantinopcl lassen oder es an einen anderen Ort senden. Daher entschloß ich mich, cs zunächst in Papiergeld und dann in Schecks und Wertpapiere zu verwandeln, und auf diese Weise wurde der Betrag beträchtlich vergrößert. Bevor ich Konstantinopcl verließ, stellte ich eine Vollmacht auf den Namen 'des zionistischen Büros ln Berlin aus, um klarzustdien, daß dieses Geld der Zionistischen Organisation gehöre, falls mir auf meiner sehr gefährlichen Reise auf einem türkischen Dampfschiffe durch das mit Minen übersäte Mittelmcer etwas zustoßen sollte. Als ich Anfang 1919 in Europa ankam, erstattete ich sofort einen Bericht und legte über diese gesammelten Gelder, die sich, in englischen Pfund gerechnet, auf etwa 155'000 £ beliefen, Rechnung. Es wurde ein provisorisches Komitee eingesetzt, bestehend aus Prof. Warburg, Dr. Hantke, Dr. Jacobson und mir, um diesen Fonds zu verwalten. Bei der ersten Sitzung des Aktions-Komitees im August 1919 in London übergab dieses provisorische Komitcc der Zionistischen Organisation den Fonds für den Wiederaufbau Palästinas. Das Aktions-Komitee übernahm die Gcldcr und bestimmte für die verschiedenen Aufbauunternchmutigen die folgenden Beträge: 40.000 £ für die Arbeiterbank, 20.000 £ für Hypothekendarlehen, 25.000 £ für Aktien der P. L. D.C. für Landkauf und den Rest für allgemein« zionistische Zwecke. Ich habe von Zeit zu Zeit verlangt, daß die Dokumente und Berichte über meine Transaktionen von der Zionistischen Exekutive publiziert werden. Die Exekutive hielt es aber nicht für richtig, dies zu tun, da gewisse diplomatische Stellen und Privatpersonen hilfreich gewesen waren, und ihre Ein. willigung, Ihren Anteil an diesen Transaktionen aufzudecken, nicht cingcholt worden war.“ Soviel erzählte Dr. Ruppin über seine Transaktionen, die durch die Redaktion des ״Doar Hajom" verdreht und deren Zweck entstellt wurde. In diesen Artikeln sind aber Stellen, welche sich mehr mit Dr. Ruppins Charakter als mit seiner Tätigkeit in Konstantinopcl bcschältigcn. Durch Verdacht]- gungcn und Anspielungen sucht ״Doar Hajom“ Zweiiel an Dr, Ruppins finanzieller Integrität zu erwecken. Er behauptet z. B., daß cs ״ewig das Geheimnis Dr. Ruppins bleiben wird, wieviel Oeld er In Konstantinopcl verdient hat. Manche Leute sagen, es seien 100.000 bis 150.000 £ gewesen. Von diesem Betrag hat Dr. Ruppin einen kleinen Betrag für die Errichtung der Arbeiterbatik gestiftet, um die arbeitenden Klassen für sich günstig zu stimmen.“ ״Wie aus dem Gesagten zu ersehen ist, hat de. ״Doar Hajom" den Betrag etwas unterschätzt," bemerkte Dr. Ruppin ironisch. ״Ich habe der Arbeiterbank keine *.uwendung ge• macht, sondern der ganze Betrag von 155.000 £ wurde von mir der Zionistischen Organisation übergeben. Aber ich bin stolz darauf, daß ich geholfen habe, diese wertvolle Bank