Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXIX (1924)
- Issue
- Heft 13 (15.2.1924)
- Date
- 1924-02-15
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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I Seite 84 JUEDISCHE RUNDSCHAU Nr. 13 # * ## *״ |' י י «•••*, ץ *r» *Ji *<& '•״’ ״0 »רןי*ד1/ י i» *4»#**» *ן 1ז.י '**'1 י ' ־;־'!,'" י * \־\ ßdtm tu.% 4 ״., _«< JL1*, ־ » Emir Al;;3«l!a!1 zum von Paliisüna vorgcsclilagen Die Verhandlungen in Amman Jerusalem (J. T. A.). Sir Herbert Samuel und Lady Samuel sind am 5. Februar, zusammen mit den Mitgliedern der jüdischen Delegation, Oberrnbhiuer Jacob Mcir, David Yeflin und Colonel F. H. Kisch, aus Amman, wo sie Gäste des König Husseins waren, wieder nach Jerusalem zurückgekehrt. Das in unserer letzten Nummer erwähnte Bankett hat in gcscllsclvait* liclier Hinsicht einen glänzenden Verlauf genommen, jedoch bewegte sich die Unterhaltung auf polltisch cm Gebiete in sehr zurückhaltenden Formen und führte auch zu keiner endgültigen Verständigu ng. In klaren Umrissen wurde nur über eine einzige Angelegenheit gesprochen. Die Mitglieder der Iransjordanischen Regierung machten im Verlaufe des Banketts den Vorschlag, Emir Abdullah zum König von Palästina auszurufen. Die jüdischen Delegierten erklärten aber darauf, ein solches Vorhaben könne vom jüdisch-nationalen Standpunkt nicht unterstützt werden. Die Verhandlungen Sir üerbert Samuels mit König Bosseln Der Jerusalemer Korrespondent der ״Daily Mail" hezeichnete es als gewiß, daß zwischen König Hussein von Hrdjas um) dem britischen Oherkommhsar von Pa'iistinn Sir Herbert Samuel direkte Verhandlungen betreffend den angloarabischen Vertrag im Hange sind. Die zwei Tage, die Sir Herbert Samuel in Amman verbrachte, sollen fast ausschließlich solchen Besprechungen ge• widmet gewesen sein. Die palästinensisch arabische Lxßknllvc Itlr König Hussein Jerusalem. (J.T.A.) Die palästinensisch-arabische Exekutive hat eine von ihrem Präsidenten Musa Kazim Pascha unterschriebene ״Kundgebung an die arabische Nation“ veröffentlicht, in welcher u. a. gesagt wird; ,Man hat geglaubt, daß die arabische Nation zu alt geworden ist, um noch zu ihrem alten Glanz zurückkehren zu können und daß unser Volk den nationalen Geist verloren hat. Aber sobald der Hnschimitcnkünig, das Haupt der Araber und sein Sohn erschienen sind, hat die arabische Nation das Leichentuch von sich geworfen und ist zu neuem Leben erwacht. Unsere Nation ist voll freudiger Erwartung, denn sie sieht m König Hussein den E rfüllcr all Ihrer Hoffnungen. Er hat sie wieder zum Lehen erweckt. Wir wollen jetzt für die Verwirklichung dieser tlnffmingcn arbeiten, Die Erklä« riingcn König Husseins stimmen überein mit den Wünschen der palästinensischen Nation und der arabischen Exekutive, die ihre Politik als die stärkste Verteidigung unserer Nation betrachtet." Pie arabische gemäßigte l’arld gegen König Bosseln Jerusalem. (J. T. A.) Die vor einigen Monaten gegründete Palästinensisch-Arabische nationale (gemüßigte) Partei hat eine Kundgebung an die arabische Bevölkerung Palästinas erlassen, in welcher nie sich ccliarf dagegen wendet, daß König Hussein von Medjas 011 ne Zustimmung der übrigen arabischen Welt zum Kalifen nusgerufen werde. In dieser Kundgebung der arabischen gemüßigten Partei wird auch gegen den Plan eines arabischen Staatenbimclcs Stellung genommen und erklärt, ein solcher Verband, der nicht auch Syrien mit ein sch ließt, sei abzttlchnen. Mgr. Barlassina bei Bosseln Jerusalem. (J.T.A.) Def römische Patriarch In Jerusalem, Mgr, Barlassina, hat laut dem Bericht des olfizicllen Organs des römischen Patriarchats ״Rnklb Sion“ König Hussein in Amman besucht, um dem König die Orüße des Papstes zu übermitteln. Barlassina sagte, er wolle auch seinerseits der Liebe für die arabische Nation Ausdruck geben und dem Wunsche, au ihrer Freude anläßlich der Anwesenheit des Königs tcilzunchmen. — Wie der ״Rakib Sion“ weiter mittcilt, hat Mgr. Barlassina ein Terrain von 330(X) qm in der Nähe von Katamon erworben und In 33 Grundstücke parzelliert, auf welchen er katholische Familien ansiedcln will. Mit dem Häuserbau soll bald begonnen werden. Der Nachlolgcr Major Phllbys Jerusalem. (J.T.A.) Man nimmt hier an, daß der Gouverneur des Norddistrikts (11 a i f a), Colonel O. S. S y m c 8, als Nachfolger des zurückgetretenen Majors St. John Phllby zum britischen politischen Berater bei der transjordanischen Regierung ernannt werden wird. Die ״Daily Mall“ lür die Räumung Paläsllnas Die Londoner ״Daily Mail“ setzt ihre Kampagne für die Räumung Palästinas fort. Die Zeitung empfiehlt der Arbeiter-Regierung, die Mesopotamienmjd Palästinapolitik fahren zu lassen. Hier sei, sagt die Zeitung, ein Feld, auf dem Ramsay Maedonald sich betätigen könne. Möge er die verderblichen Pläne gegen Irak zunichte machen und die britischen Bajonette aus Palästina zurückholen, die ״einen verhaßten Zionismus dort cinpllanzcn wollen“. ״Daily Mail" schreibt dann, die sofortige Räumung Mesopotamiens würde von der neuen Regierung erwogen, aber es sei kein Orund anzunchmcn, daß man sich auch dazu entschließen wird. Die Ausgaben der Zionistischen Organisation in Palästina während des letzten Quartals 1923 Jerusalem. (J.T. A.) Laut dem Finanzbericht der palästinensisch-zionistischen Exekutive wurde von der Zionistischcn Organisation im letzten Quartal 1023 eine Summe von 123,178 engl. Pfund in Palästina ausgegeben. Die Hauptansgabenposten sind: für landwirtschaftliche Kolonisation 65.280 engl. Pfund, für öffentliche Arbeiten 11.247 Pfund, für Schul- und Bildungszwecke 15.000 Pfund, Einwanderung 7$50 Pfund, für das Gesundheitswesen der Hadassah 6.318 Pfund, für Versuchsäcker •5.230 Pfund, Verwaitungskosten 4,600 Pfund. Der Misrachi erhielt für seine Unternehmungen in Palästina eine Summe von 3.778 Pfund. DieElnnahmcn des Keren Hajessod während dieser Periode betrugen 75.490 Pfund. Die Differenz wurdedurchAnleihen gedeckt. Aas dem Notlzbudi eines zionistischen Sträflings H. Es italiten sich die Tage der öffentlichen Gcrichtsverhandlang. Schon die Vorbereitung dazu versprach nichts Gutes für uns. Die jiddische ״Kommunistische Fahne", ein sonst nie gelesenes, erbärmliches Blatt, eines von den drei in Rußland erscheinenden jiddischen Organen, eröffnete das Gefecht. Es begann ein Vcrlcumdungsfeldzug mit all den charakteristischen Merkmalen eines solchen. Besonders wurde die Frage unserer Verbindung mit der ukrainischen gegenrevolutionären Bewegung aufgeworfen. Aber es wurden auch nicht ״Banditen höheren Ranges“ verschont, wie Lloyd Oeorge, Poincard und der römische Papst. Solche Ausdrücke fanden in der offiziellen .Anklageschrift Raum, und es bedarf keiner Erwähnung, daß auch die lokale Presse *ich ihrer nicht schämte. Es sei überhaupt in Parenthese bemerkt, daß seit dem Sieg der Sowjet-Regierung die ״Presse“ in Rußland sich eines Jargons bedient, der wohl in keiner Boulevardpresse eines anderen Landes seinesgleichen hat. Worte, die bis Deutsche etwa mit ״Gesindel“, ״Schmarotzer“ oder dergleichen zu übersetzen sind, gellen al* durchaus zulässig und man nahm *ich natürlich auch uns gegenüber kein Blatt vor den Mund. Das alles regte uns kaum auf. Wir waren froh, daß das zionistische Problem auf einmal durch die Sowjet presse ging und die Aufmerksamkeit der jüdischen Ocffcntiichkcit aui sich lenkte. Wir glaubten bis zuletzt nicht, daß in der Sache eine öffentliche Verhandlung stattflmlcn werde. Es achicii uns kurzsichtig von der Regierung zu soin, uns die 1Möglichkeit zu geben, offen unsere Ideale zu verteidigen und kn Gerichtssaalc Propaganda zu machen. Und Ich glaube jetzt, daß wir recht hatten. Es war damals in Sowjet-Rußland die Periode der sogenannten ״Muster-Gerichtsverhandlungen“, die aber eher bezwecken sollten, das breite Publikum einzuschüchtern, als die vor Gericht Stehenden selbst zu treffen. Diese ״Muster- Gerichtsverhandlungen“ endeten fast immer mit strengeren Urteilen als sonst, um die beabsichtigte Wirkung hervorzurufen. Euiige Tage vor dem •Termine erschienen große Piakate in der Stadt, welche zum Besuche der Verhandlungen gegen die Teilnehmer an der 3. ״Zcire-Zion״-K011fercnz in Kiew cinluden. Die Reklame war glänzend, Scharen von Juden standen vor diesen Plakaten, die Verhandlung selbst wurde in einen der größten Räume Kiews verlegt; man sorgte Eine Kolonie bulgarischer Juden in Palästina Jerusalem. (J.T.A.) Die zionistische Föderation Bulgariens hat kürzlich eine Delegation nach Palästina entsandt, die dort die Bedingungen für Bodenerwerb unter* suchen soll. Eine Anzahl bulgarischer Zionisten bereitet sich zur Auswanderung nach Palästina vor, um sich in der in Aussicht genommenen Kolonie bulgarischer Juden niederzulassen, Sie haben bereits die für die Ansicdlung nötigen Gelder Ungezählt. Es sollen 4000 Dunam Land angekauft werden. Von diesen sollen 500 Dimnm als *Marktanlage, 1000 Dunam für Industrielle Unternehmungen zum Nutzen der Landwirtschaft verwendet werden. Der Rest des Bodens bleibt denen reserviert, die sich ausschließlich mit Landwirtschaft beschäftigen wollen. Die Kolonie wird für 70 Familien angelegt werden. Die bulgarische Regierung gegen die Erpressung an den Juden Paris. (J.T. A.) Das bulgarische Presse-Büro hat der Pariser J. T. A. die folgende Mitteilung betreffend die von also für ein zahlreiches Publikum. Unsere Stimmung war gehoben, galt cs doch, vor den Schranken des Sowjetgerichts für das geliebte Ideal eiiizutretcn und offen Farbe zu bekennen. Für eine Partei, die eine selbständige national-jüdische Politik in Rußland befürwortet und treibt, waren die Inncrpolitischen Fragen Rußlands nicht zu umgehen und wir hatten uns vorgcnommeii, unsere Solidarität mit den russischen und ukrainischen republikanisch-demokratischen Bestrebungen zu bezeugen. Es galt vor der gesamten jüdischen und nicht* jüdischen Welt den Beweis zu führen, daß cs jüdische Parteien gibt, die nicht vom kommunistischen Taumel ergriffen sind und für die Demokratie und Recht keine leeren Begriffe sind. Es kam Sonnabend, der 26, August 1922, heran, der letzte Tag der Freiheit für uns auf beinahe D/a Jahre hinaus. Vom frühen Morgen an wogte eine Menge vor dem Saale. Aber da* Eindringen in das Innere war nicht so leicht. Man verlangte Eintrittskarten und, wie sich herausstellte, wurden diese meist durch die kommunistischen Organisationen und professionellcn Verbände verteilt. Also für eine entsprechende Auswähl des Publikums wurde schon gesorgt, Aufsehen erregten Kinder, die aus den jüdischen Schulen gebracht wurden, um diesem Spektakel bei/uwohnen, damit ihre jugendlichen Seelen vergiftet werden. Man sah im Publikum auch die Spitzen der kommunistischen Gesellschaft Kiews und vor den Türen drängte sich eine zahllose jüdische Menge, die offen Ihre Sympathie für die Angeklagten bekundete, die uns begrüßte, als man uns vorbcii'ülirtc, und zu unzähligen Zusammenstößen mit der Polizei und der Bewachungsmannschaft Veranlassung gab. Sofort nachdem wir in Freiheit den Gerichtsraum betreten hatten, wurden wir in Haft genommen. Es begann der zweite, der längste und schwerste Abschnitt unserer Erlebnisse. Das Gericht bestand aus drei Personen. Den Vorsitz führte Wargin, ein gewesener Matrose, roh und 11ngcschlncht, anscheinend nicht ganz, frei von antisemitischen Wandlungen; die beiden anderen waren ein gewesener Eisenbahne!׳, dem der Ruf eines grausamen Richten und ׳ Voll- Streckers der Todesurteile vorausging. (Dasselbe wurde auch von dem Vorsitzenden erzählt). Und der dritte war der einzige Jude, der uns anscheinend wohlwollender geginnt war als die beiden anderen. Die Anklage führten zwei: der Staatsanwalt Larow (Ltirjc), gewesenes Mitglied der studentischen ZI גnistische•' Verbindung ״Hcchawcr“ in Rußland, und namens dem Mazedonischen RcvoIutiomkomRec gegen die Juden in Bulgarien geltamlliablen Erprrs'.ungsmethoden zukommen lassen; Laut Kabinett .her,chluß hat der Minister des Innern an alle Departements-Präfekten ein Telegramm‘ geschickt, in welchem diese angewiesen werden, gegen alle jene Personen, die Gelder für irgendeine illegale geheime Organisation fordern, mit den strengsten Mitteln Vorzug eben. Der Minister hat angeordnet, da fl alle schuldigen Personen sofort verhaftet werden und daß gegen sie mit der ganzen Schärfe des Gesetzes vorgegangen werden soll. Die denlsdien Juden Im willieimlnlschen Zellaller In den spannenden Aufzeichnungen des Grafen Robert Zcdlltz-Trützschlcr, des damaligen Hofmarschalls Wilheims 11., die unter dem Titel ״Zwölf Jahre am deutschen Kaiserhof" bei der Deutschen Vcrlagsaustalt in Stuttgart er- *chlcncn filmt und ein ungeschminktes Bild des Hoflebcns um Wilhelm II. geben, lesen wir: ״Neulich sprach Für st Dü low mit meinem Vater über den jetzt ln die diplomatische Karriere aufgenommenen Goldsch m id l -R 01 h sc h i ld und sagte ungefähr folgendes: ,Nun haben wir diesen netten und arbeitsamen Menschen in der diplomatischen Karriere. Ich habe ihn nach London geschickt, und er hat immer die besten Informationen, aber zum Reserveoffizier kann man ihn in Deutschland nicht machen׳. Der Fürst hat sehr recht mit diesem wirklich krassen Fall, aber wenn man unsern Militär- Chauvinisten mit dem Vorschlag kommt, dann geraten sic außer sich, daß ein Jude Reserveoffizier werden könnte. Dabei hat cs in ernsten Zeiten in Preußen jüdische Offiziere gegeben, die vor dem Feinde mit Auszeichnung gcfochtcn haben. In dieser Beziehung regiert aber heute bei uns der reaktionärste Chauvinismus, Mein Vater hat sich nämlich früher als Oberpräsident von Hessen-Nassau dafür interessiert, daß dieser junge Goldschmidt-Rothschild, da cs einer der letzten Repräsentanten des Hauses Rothschild 111 Deutschland ist, Reserveoffizier werden möchte, weil er ein sehr gebildeter, strebsamer, wohlerzogener und gut aussehender Mensch ist. Daß er Judegebliebcn ist, be weist nur Charakter, sowohl von seiner Seite, wie auch von der seiner Familie. Und wer dies als Hinderung*- grund anführt und berücksichtigt, wie viele kurz vorher getaufte Juden Offiziere geworden sind, der setzt gewisser* maßen eine Prämie auf die Charakterlosigkeit. Mein Vater ist gewiß ein konservativer Mann, aber in der Juden frage kann er sich der Erwägung nicht verschließen, daß wir diese Angelegenheit heute nicht nur in einseitiger und ungerechter Art behandeln, sondern daß wir auch demoralisierend wirken, daß wir uns selbst schädigen, indem wir viele der vortrefflichsten, unternehmendsten und reichsten Familien allmählich in das Ausland drängen, und daß wir schließlich sogar eine gefährliche Politik führen, indem wir die Juden in eine oppositionelle Stellung treiben. Ja, cs Ist sogar naheliegend, daß die Juden, da sic einen wirk* liehen Fortschritt nur in einer moralischen oder auch tatsächliehen Niederlage unserer Regierung oder unseres Staate* erhoffen können, gewissermaßen daran interessiert sind, daß wir zum mindesten starke Fchlsehläge erleben. Oernde die Prcunisch-Brandeuburgisclic Geschichte zeigt es auf das allerdeutlichste, daß die Grundlagen für die großen F 0 r t ך schritte nur in den Zeiten des Darnicdcrliegcns der Macht' des Staates gefunden wurden, daß hingegen sogleich die Reaktion wieder cinsctzte, sobald der Staat resp. die Regierung ihrer Schwierig* keiten enthoben war. Es besteht daher immer die Gefahr, oppositionelle Parteien durch zu große Schärfe und durch zu reaktionäre Politik so weit in die Opposition zu treiben, daß sie einen großen politischen Umschwung tu ihren Gunsten nur noch aus einer Schwächung oder gar Niederlage des Staates erhoffen können. So sehr ich diese Erwägung bei gesundem Konservatismus, bei gesunder staats* erhaltender Auffassung für notwendig erachte, so sehr bin ich erstaunt, wie selten ich unter meinen Bekannten jemanden finde, der auch nur ein leises Verständnis dafür hegt." der ״jüdischen Öffentlichkeit“ als Zivilkläger K 0 z a k e witsch, der Lcifer der jüdischen Sektion der Kommu* nistischcn Partei in Kiew. Langsam und feierlich wickelten sich die Formalitäten In dem dicht besetzten Hause ab. Nach der Personalienauf* nähme meldete jeder klar und deutlich auf die Frage der Parteizugehörigkeit: ״Mitglied der Zionistischen Arbeiter-Partei ״Zcirc-Zion", Auf die Frage der Schuldancrkennung bekam das Gericht ein deutliches ״Ja“ zu hören. Es war ein erhebendes Gefühl, nach einigen Jahren erzwungenen Stillschweigen* sieh offen als Mitglied der Partei zu bekennen. Es kam direkt wie ein Jubclschrcl, wie ein Jauchzen aus unserem Munde. Nun sollte das Verhör beginnen. Aber da geschieht etwa» Unerhörtes: der Staatsanwalt nennt fünf Namen und ver* langt, daß diese in Abwesenheit der anderen verhört werden sollen. Es waren dies: Lurje, Fischer, Dobrin, Towbin und Aluker. Wie er gerade auf diese eigenartige Zusammenstellung kommt, ist unklar, aber natürlich werden wir anderen safort in ein Ncbcngcmach gebracht und sind vorläufig von der Verhandlung ausgeschlossen. Eine ganze Nachmittagssitzung lang dauert das Verhör der Fünf und wir wissen gar nicht, was in dem Gerichtssaale vor sich geht. Man führt uns zur Unterkunft in die Tribunat-Kommandantur. Unterwegs heftige Szenen, das Publikum drängt sich an uns heran, begrüßt uns warm, streitet sich mit der Begleitmannschaft, die letztere muß blankzichcn. Das begleitende Mitglied des Gerichts droht zu schießen und belegt uns mit Schimpfworten. Natürlich ruft das nur noch eine größere Aufregung hervor, wir gehen nicht weiter, bevor die Mannschaft sich nicht wieder anständig benimmt, und erst mit Mühe wird wieder Ruhe hcrgcstcllt. Interessant war, daß die Mannschaft von der parteipolitischen Unterriehtsschule beigestcllt wurde. Eine kurze und schlaflose Augustuacht in einer kleinen Zelle, Wir lagen zu zweien und zu dreien dicht aneinander gedrängt. Es mußte eine Möglichkeit gefunden werden, sich mit den fünf anderen zu verständigen. Mit Mühe und Not gelang es auch gegen den Morgen. Wir konnten stolz auf unsere Chawerim sein: deutlich und mit Würde wurden unsere prinzipiellen Fragen erörtert, nichts Ueberflüssiges in die Debatte gezogen, nichts verschwiegen, was doch aufgerollt werden sollte; rundweg und ausdrücklich wurde die Beantwortung aller sich auf bestimmte Personen beziehende Fragen abgelehnt. Also war alles in Ordnim״. 1