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Jüdische Rundschau · 1924-02-12 · Heft 12 (12.2.1924) · page 2

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXIX (1924)
Issue
Heft 12 (12.2.1924)
Date
1924-02-12
Page
– (sequence 2)
Language
German
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I JUEDISCHE RUNDSCHAU Nr. 12 dankbar verfolgen, die Idee und das Gesellte unverrückbar im Sinne behalten, indes sie sich mit den Trägern des gegen wärtigen‘ jüdischen Seins aufs Intimste, in heroischer Pflichterfüllung, verbünden? Die Grolle eines Mannes ist in der Treue seines Anhängen! an den Geist und in der Weite, Reinheit und formenden Kraft dieses Geistes. Die Kraft der Wirklichkeit liegt darin, daß sie wirklich ist, nämlich machtvoll, gegenwärtig, froh in sich selbst und voll vom Bewußtsein ihrer mateiidlcn Fülle. Muß man ihr entgegen• kommen, so mit allen Sicherungen, die der Dienst am Geiste gibt: in steter Verbundenheit nrit dem Volke, das, als orgnuischcs Wesen, zum Glück nicht nur Gegenwart hat, sondern keimhaft in ihr schon die Zukunft enthält; Zukunft, die vom Wesen her neu ist. Die zionistische Idee, die Erneuerung des jüdischen Volkes, ist seinen Führern anvertraut; mögen sie am Schicksal der großen Toten für das Lebendige lernen. Nahmt! Sokolow über Wilsons Verdienste um das jüdische Volk Der Präsident der zionistischen Exekutive, Na hum Sokolow, der auf der Versailler Fricdcnslonfercnz Vorsitzender des Komitees der jüdischen Delegationen gewesen und in dieser Eigenschaft oft mit dem Fxnrüsklcnten Wilson in Berührung gekommen war, hat anläßlich des Todes des amen* k,־mischen Staatsmannes an die jüdische Tclcgraphen-Agcntur eine Zuschrift gerichtet, in der er sagt, das jüdische Volk habe in dem Expräsidenlcn Wilson einen aufrichtigen Freund verloren, der immer sein bestes getan hat, um die Leiden der Juden in der Diaspora zu mildern und die Juden als Volk wieder in Palästina an/tisicdcln. Während des Krieges und auch nachher in Paris hat Wilson ein tiefes Verständnis für die jüdische Sache bewiesen und im Einklang mit seinen allgemeinen demokratischen Prinzipien jede für dm Lage der Juden günstige Maßnahme unterstützt. Er erwartete keines• wegs von dein jüdischen Volke einen Gegendienst, cs lag dem Ganzen kein politischer Plan zu Grunde, sondern einzig das menschliche Mitgefühl mit einem, unterdrückten Volte. Die drei wichtigsten Ergebnisse der Nachkricgspcriodc: die vollkommenc Emanzipation der Juden in gewissen Ländern Osteuropas, die Anwendung der Minderheitsrechte auf die jüdischen Minoritäten, die Errichtung einer iüdischcn nationalen Heimstätte in Palästina — sind zweifellos L11 einem großen Maile der Unterstützung durch Amerika und in erster Linie durch dessen Präsidenten »Woodrow Wilson zu danken, der mit allen diesen Fragen sehr vertraut war. Selbst während der Friedenskonferenz benutzte er seinen Einfluß, um beabsichtigten Judenaus- Weisungen, z. B. in Wien, cntgcgcnzutretcn. Ich erinnere mich, da» auf meine Intervention bei dem damaligen Vertreter ,Wilsons in Paris. Senator Polk hin, dieser sofort dem amerikanischen Vertreter in Wien entsprechende Instruktionen gab, wobei er mir erklärte, er habe cs nicht nötig, erst in Washington anzufragen, da der Präsident selbst in diesem Falle nicht anders gehandelt hätte. Es war charakteristisch für den Staatsmann Wilson, daß seine Regierung die erste war, die anläßlich der anti- ,jüdischen Exzesse in Polen eine Unter• suchungs-Komniission nach diesem Lande gesandt hatte, und daß Wilson den Vorsitz in dieser Kommission einem luden, Henry Morgenthau übertrug. Das war eine Neuheit in den internationalen Beziehungen und ein Akt des Vertrauens und der Sympathie für das jüdische Volk. Und cs war nicht die Schuld des Expräsidenfen Wilson, daß die Ergebnisse dieser Untersuchungs-Kommission den Erwartungen des jüdischen Volkes nicht entsprochen hatten. In der jüdischen Geschichte der letzten Jahre wird Präs!• dent Wilson einen Platz entnehmen als einer der wenigen großen Staatsmänner, die ihre Freundschaft für die Juden offen und aufrichtig gezeigt haben. Präsident Wilson kam mit der Idee einer Vereinigung aller Völker der Welt nach Paris, einer Idee, die vom der Bibel und ihrem religiösen Ethos inspiriert war. Er war gezwungen, einige seiner Ideale aufzugeben, aber er beeinflußte dennoch die siegreichen Nationen dahin, daß sie den besiegten Ländern Verständnis entgegen■ bringen sollen. Auch der Gedanke, daß die Mandntsmächte die Mandate aus den 11 .i 11 d e 11 des V öl k c r b u 11 d c s erhalten, dem sic für die Erfüllung der übernommenen Verpflichtungen verantwortlich sein sollen, ist von Präsident Wilson ausgcgaiigcii, Es war dies im Sinne der ihm vorschwc■ beuden Idee des Völkerbundes als einer repräsentativen Körperschaft aller Nationen, einschließlich Amerikas, welche die Angelcgenhciten aller Völker ordnen und die unterdrückten Völker vor Verfolgung schützen 90111c. Zusammen mit dem ameri■ kanischcn Volle betrauern die Juden der ganzen Welt den Verlust dieses großen Staatsmannes, dessen Gedanken und Taten viel zu der Befreiung des jüdischen Volkes beigetragen haben. Die Januaretaßlngc beim Hauptbüro des Heren Hajessod bi London 1. Vereinigte Staaten 2. Kanada .... 3. Einzelne Beiträge . 4. Rumänien . . 5. Tschechoslowakei 6. England . , , 7. Polen, Warschau , ״ Wilna . , 8. Oesterreich . . 9. Beßarabien . . 10. Bukowina . , . 11. Jugoslawien . . 12. Mesopotamien 13. Tunis .... 14. Estland .... 15. Lettland . , . 16. Palästina . . . 17. Finnland . . . 18. Ostgalizien . . 19. Danzig .... 20. Litauen .... 21. Transsylvanien 22. Elsaß-Lothringen 23. Dänemark , , 24. Schweden . , , 596.7.6 10a-.- £ 19,901.10. 6 4,275.10. 7 2,534. 3.11 2.33S. 9. 2 753.-. 5 725.-.- Die Oesani t »um me der Ein,״ 606. 7. 6 392.15. 4 303.—.— 293. 4. 8 250.-,- 200.-.- 168. 8.- 137. 7.11 130.13. 5 120. 5. 9 111.15. 2 102.10. 5 98. 7. 6 96.10.- 75.18. 5 64.17, 3 25.12. 8 8,18. 7 Jerusalem. (J.T.A.) Auf dem von König Hussein von Ik'djns zu Ehren des Obcrkommlssara von Pal.'fstln.i, Sir Herbert Samuel, und seiner Gattin Lady Samuel am 5. Februar in Amman gcgeiicucii Bankett waren 76 Gäste anwesend, unter ihnen Vertreter der jüdischen und arabischen Be. Völkernng Palästinas. Es wurde ln den auf dem Bankett gehaltenen Ansprachen dem Wunsch für eine Zu• s am menarbeit des iüdiichen und arabischen Volkes Ausdruck gegeben. Eine Dcnlfsclirill der paHstfcaisfactan Araber an König Hussein Wie der Korrespondent des ״Doar Hajom" in Amman aus sicherer Quelle erfahren haben will, hat die Denkschrift der palästinensischen und syrischen Araber infolge ihrer ex• tremen Forderungen auf König Hussein einen schlechten Eindruck gemacht. Dieser seiner Unzufriedenheit habe König Hussein in verschiedenen Gesprächen mehrfach Ausdruck verliehen. Hauptforderungen dieser Denkschrift sind: Fortsetzung der Ablehnung des Mandates. Prokla• micrung der arabischen Konföderation mit Einschluß von Syrien und Kassierung der Staatlichkeit des Oroßlibanon. Es ist zu bemerken, daß dieses Memorandum, das nur fünf oder sechs Unterschriften trägt, von einer Versammlung von gegen 30 Mann verfaßt worden ist, die fast alle abgesetzte Deamte und Leute von dunkler Vergangenheit sind. Allgemeine Verwunderung erregt cs, daß der Präsident der Arabischen Exekutive, Musa Kazim Pascha, dieses Memorandum nicht m it 11 <11 e rf e r t lg t hat. Es zirkulieren Gerüchte, daß er sich klar gegen die in diesem Memorandum nieder* gelegten Absichten ausgesprochen hat und einen vermitteln• den Standpunkt clnnimmt gemäß den Wünschen König Husseins. In der Umgebung König Husseins herrsche die allgemeine Meinung, daß diesem Memorandum keine poli• tische Bedeutung beigemessen werden solle, weil die Mehr• zahl der Forderungen extremster Art und nicht einmal zum Teil durchführbar sind, und sodann, weil die Ueberreicher der Denkschrift und die Unterfertiger nicht als Ve rtreter der arabischen Nation angesehen werden können. Demission Pro!. Picks? Der Londoner ״Jewlsh Times" wird aus Jerusalem *tele• grapliicrt, daß Prof. Hermann Pick, das mlsrachistbchc Mitglied der Palästina-Exekutive, seine Demission gegeben habe, da die Exekutive die dem MisraeM zustehenden, Beträge aus dem Palästina-Budget herabgesetzt habe. Prof. Pick erklärte, daß die herabgesetzten Summen für die Arbeit und die Instätutionen des Misrachi nicht ausrtichen. (Sollte sich diese Meldung bewahrheiten und insbesondere die Erklärung der Motive der Resignation Prof. Picks stimmen — was wir vorläufig noch nicht glauben wollen —, so wäre dies eine neuerliche Widerlegung unserer, scheinbar naiven Auf• fassung, daß der letzte Kongreß zu Mitgliedern der Exe• kutive zwar Dezernenten für Alijah und Organisation, kaum aber für den Misrachi und für demokratische Kontrolle ge• wählt hat. Wir hatten auch die vielleicht noch leichtfertigere Vorstellung, daß über den Fraktionen die Zionistische Organisation und über dieser der Aufbau eines nationalen jüdischen Palästina steht, — Red. d. ״J, R."). 1 ־ Klage Rnpplns gegen den ״Dqar Halst!“ New York. (J.T.A.) Arthur Ruppin hat das zio• nistischc Büro in Jerusalem ersucht, in seinem Namen gegen die hebräische Tageszeitung ״Doar Ilajom“ ein Verfahren e’mziikiten, da ihn die Zeitung ln verschiedenen Artikeln beschuldigt hat, daß er während des Krieges ihm anvertraute 1 lilfsgeUScr mißbräuchlich verwendet habe. Bekanntlich hat die zionistische Exekutive in Palästina vor einiger Zeit diese Beschuldigungen scharf zuriiekgewiesen und Dr. Ruppin das Vertrauen ausgedriiekt. Prol. Gide über die palästinensische Kolonisation Der bekannte französische Oekonomist Professor Charles Gide, einer der hervorragendsten Führer der inter• nationalen Gewerkschaftsbewegung, veröffentlicht in der letzten Nummer der Zeitschrift ״La Menorah“ einen begeisterten Artikel über die jüdische Kolonisation in Palästina. Professor Gide weist auf die besondere Wichtigkeit und den sozialen Wert des jüdischen Nationalfonds hin und behandelt eingehend die kooporative Form des palästinensischen Aufbauwerks, die er als die passendste und erfolgreichste für Palästina bezeichnet. Der Artikel endet mit dem hebräischen Ruf: ״Lcschonoh hahoh b’ieruscliolajim•‘. Professor Charles Gide Ist, trotz• dem er Nichtjude ist, Vorsitzender des yon den jüdischen Arbeitern in Paris gebildeten Komitees für eien Raläitlna Arbeiterfonds. Einnahmen desKeren Kajcmelh im erstenVlcrlel des JahresS 684 33,804. 7. 2 per 31. Januar 1924 beträgt £ 1,191.893. 2. inge des Keren Hajessod Der Vatikan und Palästina (J, T. A.) Wie offiziell mitgcteilt ■Westm inst er, wird, ist der Kardinal Rom. ,, Erzbischof von Bourne, am 4. Februar vom Papst empfangen worden, dem er über die für die Osterzcit unter der Führung des Kardinals geplante Pilgerreise englischer Kat ho- Hken berichtete. Der Papst setzte dem Kardinal ausführlich die Haltung des Vatikans in den mit Palästina zusammenhängenden Fragen auseinander und bat ihn, ihm nach seiner Rückkehr von der Pilgerfahrt ausführlichen Bericht über die Lage in Palästina zu erstatten. Auch mit dem Kardinal-Sekretär Gasparri hat Kardinal Bourne über Palästinafragen eine Unterredung geliabt. Vereinigte Staaten Australien Rumänien England Litauen-Kowno Neu-Sceland Südafrika Mesopotamien Argentinien Tschechoslowakei Bulgarien Polen 1 lolland Belgien Elsaß-Lothringen F.rcz-lsrael Schweiz Shanghai Beßarabien Bukowina Jugoslawien äg. Pfd, 7,151,479 1,507,160 1,227,920 1,125,897 1,036,476 1,025,213 1,011,054 975,000 910,414 858,164 827,435 690,761 494,155 451,109 426,273 396,036 382,232 371,954 348,442 259,511 225,360 Charb'm Lettland Deutschland Oesterreich Kanada Brasilien Tunis Ostgalizien Aegypten Transsylvanien Memel Estland ׳ Frankreich Dänemark Finnland Wcsfgnlizlen Litauen-Wilna Ungarn Norwegen Indien lg. Pfd 171,500 165,113 158,811 142,781 131,385 129,415 120,742 112,006 107,769 68,985 64,250 55,575 51,338 45,335 42,528 32,556 22,017 10,600 6,166 0,970 23332,952 W0r,!e inaiiilniord-Heize in lllndicn Der ״Vorwärts" berichtet: In München erscheint seit kurzem ein neues nationalsozialistisches Blatt als ״V 61• kischer Kurier". Er Ist mit dem ״V öl k Ischen Be. obachter", den! ״Miesbacher Anzeiger" und anderen Pr5• dukten der völkischen Küche nicht zufrieden. Deshalb sucht er ihn zu übertrumpfen. Das geschieht, Indem neben der politischen Bekämpfung des Judentums auch die Ritualmardsage ganz ernsthaft wieder aufgetischt wird. Folgende schau• rige Geschichte kann man da — allerdings unter dem Strich — lesen: Das jüdisch^ Dlutritual, das übrigens streng ge• heim gehalten wird und von dem wir nur das wissen, was gelegentlich der bezüglichen Prozesse protokollarisch festgelegt und auch sonst zuweilen offenkundig wurde, zeigt uns Einzelheiten, welche erkennen lassen, daß der Jude fest überzeugt ist, ohne den Genuß des Blutes seiner Wirts- Völker bei diesen sich nicht behaupten, geschweige denn sic restlos_aussaugen zu können. ... Bezüglich des Rituales sei hier nur bemerkt, daß es auf jede Weise geheim gehalten und nur jeweils der geeignetste Sohn vom Familienoberhaupt eingeweiht werden soll, daß als Opfer tunlichst jugendlieht Personen männlichen Geschlechts vor Eintritt der Pu• bertät gesucht, daß diese zunächst langen qualvollen Martern, z. D. durch Au!hängen an den Bäumen oder durch Kreuzigen, ausgesetzt werden, worauf ihnen da! Blut durch Ocifnen der Arterien an verschiedenen Körperstellen bis auf den letzten Tropfen entzogen wird, daß ferner dieses Blut, das in den Synagogen und auch von herumreisenden Juden um schwere! Geld verkauft wird, zur Beimischung in die ungesäuerten Brote, zum Besprengen der Speisen, zum Bestreuen der Wunde bei der Bcschncidung, zur Würzung des Eie«, dasdie hebräischen Brautleute beiderTrauting verzehren, zur Heilung von Krankheiten, zur Beschwörung Verstorbener bei Bestattungen usw. gebraucht wird, daß also wohl der gesamte hebräische Kult von diesem Blutritual durchsetzt ist, im Blut* geheimnis aufgeht. Hierbei stehen das Purim- und da! Passah fest an erster Stelle. Besonders das erste Fest ist zu beachten, denn an diesem soll nur das Blut eines Kindes verwandt werden, welches sieben Jahre nicht über• schritten hat. Weser Umstand erklärt auch wohl zum Teil das spurlose Verschwinden so vieler Kinder gerade um die Zeit der jüdischen Ostern, Bemerkt sei noch, daß dieses Opferblut nur auf die Dauer von sieben Jahren als wirksam erachtet wird, weshalb in dieser Frist der rituelle Blutgenuß zu erneuern ist. ... Der Jude will mit seinem detn Stammesgott darge• brachten Blutopfer diesem alle Nicht Juden restlos ausllefern und das Ahnentum seiner Wirtsvölker fortgesetzt im Dann halten, wodurch zugleich eine Lethargie der Lebenden gegenüber dem Judentum herbeigeführt wird; Grund genug, die Juden nicht nur auizu״ weisen, sondern sie angesichts ihres seit Jahrtausenden verübten rituellen Vampyrtum! von unerhörter und unübersehbarer Scheußlichkeit aus der Menschheit auszu• schließen, Die Schriftleltung versieht den Aufsatz mit folgender Einfeitung: Der Aufsatz wird vielleicht sogar bei. guten Völkischen Kopfschüttein erregen. Trotzdem glauben wir, ihn seiner bedeutenden Gedanken wegen bringen zu müssen.!Wir kennen den Verfasser als einen Mann, der eigene, aber •orgfältig überprüfte Wege geht. Mit den Einzelheiten der Abhandlung können wir uns nicht restlos einverstanden erklären, besonders nicht mit dem Schlußsatz. Aber wir wollen schließlich doch kein Bonzentum auf• kommen lassen und nur Meinungen bringen, die von der Schriftleitung ״zensiert" sind. Im übrigen hoffen wir, daß die Abhandlung unseres Mitarbeiters zu einem fruchtbaren Gedankenaustausch über die dunkle Frage des Ritunlmordc* führt. Es liegt auf der Hand, daß diese Vornotiz des Hetzblatte» den Zweck verfolgt, die ungeheuerlichen Anschuldtgungen des Artikels selbst abzuschwächen. Daß derartige Scheußlichkeiten, die Ausgeburt einer toll gewordenen Mörder- Phantasie, in einem Staate, der sich Republik und Rechtsstaat nennnt, erscheinen dürfen, ohne daß der Staatsanwalt Anklage erhebt und die Militärbehörden eine 50 beispiellose Aufreizung zuin Rassen- und Rcligionshaß mit dem Verbot des Blattes beantworten, wirft ein grelles Licht auf die Lage des den pathologischen Mordinstinkten schutzlos preisge• gebenen deutschen Judentums. Man muß, um den Emst dieser Hetze zu verstehen, daran denken, daß manchen Nach• richten zufolge wiederum eine Einigung zwischen den völklschen Lagern Münchens zustande gekommen ist. Ferner, daß der Artikel einen deutlichen Hinweis auf das bevorstehende Purim- und Pcßachtcst enthält! Was sagt die Reichsregierung und die Bayerische Volkspartci zu dieser Ritualmord-Propaganda? Polen — Erbe des Zarismus * In der letzten Sitzung des polnischen Sejm wurde der Dr'mglichkeitsvorschlag des jüdischen Parlamentsklubs wegen Abschaltung der aus der Zarcnzcit!tammenden gesetzliehen Beschränkungen gegen die Juden verhandelt. Der jüdische Deputierte Hartglas führte aus, seit dem Jahre 1919 verhandle man über diesen Gegenstand, -ohne daß bis jetzt eine Regelung stattgefunden hat. Die Akten , wurden so verlegt, daß man ein halbes Jahr nach ihnen suchen mußte. Die Referenten halten in der Regel die Akten stets viele Monate lang bei sich, um dann mit Hilfe von Ausreden eine Vertagung herbeizuführen. Als ein Beispiel dieser Beschränkungen führte der jüdische Deputierte an: Das Bergamt in Dombrowa hat einen gewissen Stephan Lubezkl einen Bescheid zukommen lassen, daß ein vom ihm ein•' gereichter GeseüsChaftsvertrag deshalb ungültig sei, weil einer der Gesellschafter ein Jude Ist und als solcher kei* Recht hat, sich an der Bergindustrie zu beteiligen, Solcher Beschränkungen gibt cs viele. Vor drei Jahren hat der polnische Gesandte in Amerika erklärt, daß die Judcnbcschränküiigen in Polen gemäß dem Versailler Vertrag abgeschaflt sind. Solche Erklärungen wurden wiederholt gemacht, haben aber in der Wirklichkeit keine Grundlage. Bel der Abstimmung wurde der Dringlichkeit*• antrag gegen die Stimmen der Sozialdemokraten und der Minderheiten *bgclehnt. Das H a i f a e r Gericht hat *oehen da! Urteil über die beiden Drusen gelallt, die an dem Ucberfall auf das Gefolge Sir Herbert Samuels Im Juni vergangenen Jahres, als der Oberkommissar aus Metuliah zurückkehrte, beteiligt waren. Bekanntlich wurden damals drei Angehörige der britischen Gendarmerie getötet und vier verwundet. Einer der Drusen wurde zum Tode, der andere mit Rücksicht auf seine Minderjährigkeit zu lebenslänglichem Oelängnls verurteilt. In der letzten Sitzung der ßildungskommissio* de* polirischen Senats erteilte der polnische Bildungsminister Miklaschowskl Antwort auf die an ihn von den jüdischen Senatoren gestellten Fragen, Zu der Frage des Numerus flausus führt der Minister die folgenden Ziffern über den Prozentsatz jü■ dischcr Studenten an verschiedenen Hochschulen au: Unt versltlt Krakau 25,04 ״/«, Lemberg 33,78 Vo, Warschau 32,91 % Wilna 12,55״/«, Posen 1 ״/o, Lemberg (Polytechnikum) 15,91 */#, Warschauer Polytechnikum 14.79«/«, Hochschule für Land- Wirtschaft 0,01 ״/« (l Student), Bergakademie 1,8 ״/#, Veterinär Institut 18,6 ״/«, Kunstakademie 8,39 ״A, Zahnärztliche! Institut 62,88״/« Juden. L

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