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Jüdische Rundschau · 1924-02-05 · Heft 10 (5.2.1924) · page 4

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXIX (1924)
Issue
Heft 10 (5.2.1924)
Date
1924-02-05
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seite 68 JUEDISCHE RUNDSCHAU Nr. 10 Die allgemeine jüdische Arbdfcrorpnlsallöit in Palüsfiita I)c r i c 11 ( ü h 1' r die letzte M o a 7a h. Am I!l. Tchctli winde die Moazah in Tcl-Awiw eröffnet, Sprin/ak *•teilte in seiner Eröffnungsrede die positiven und die negativen Hauptmomente fest, die sich in der Tätigkeit der ״Histndruih“ 1111 Verlauf des letzten Halbjahres seit der letzten Moa/ali gezeigt haben. Nach ihm refcricrie I I ,׳1 1־/- leid über die Lage der Kolomsationsarbcit und die Tätigkeit der laiidwirlschnitlielicn Arbeit crzentralo. Als eines der schwersten Probleme für die Sicdliingsarbcit bezeichnet er den Mangel an einer B 0 «I c n r e s «• r v c beim N.-F. und die daher stammende Aussichtslosigkeit für eine Erweitcrung der Sicdliingsarbcit im nächsten Jahre. K a z n e 1 s o n referierte über die Arbeiter-Garten Stadt und über die Verhandlungen darüber mit dem N.-F. wegen der Erwerbung einer geeigneten Bodcitfläclie. Er wies auf die Notwendigkeit einer Aemicrimg des Siedlmtgsplanes und Uebereiustimmung mit dem knappen Budget hin und bcharrtc auf der Forderung, einen Benag von X töDOD iür die Gartenstadt zu überweisen, um mit dem N.-K. zusammen mit dem Jaffaer Arbeiterrat die Erwerbung des nötigen Bodens für die Siedlung möglich zu machen, Die Auseinandersetzungen, die dienen Itcfnatcn י folgten, drehtcii sieh IiniiptsuchliiTi um die F rage der Möglichkeiten für eine Erweiieriuig der Kolnnisatiousarbeiten und der Atijah oder die Einschränkung der bin- Wanderung und geeignete Fundierung des bestehenden Siedltingswerkes. Es wurde auch über die Frage des N.-F., die gegenwärtige Lage in den Betrieben, die landwirtschaftliche Ausbildung der Arbeiterinnen, die landsmanuschaftliehc Politik des N.-F, und andere Fragen mehr gesprochen. Der nächste Punkt der Tagesordnung behandelte die Lage aut de tu Arbeitsmarkt und die Versuche, Arbeiter in den Kolonien zu beschäftigen. — Sprinzak referierte über die Arbeitslosigkeit mul die Aussichten zu ihrer Behebung. Nach ihm teilte Lichtingcr Näheres ither die Arbeit der landwirtschaftlichen Zentrale in der Angelegenheit der Beschäftigung der Arbeiter in den Kolonien mit. Er »childcrle auch die Arbeitslage in den Kolonien im allgemeinen und die Möglichkeiten, die sich durch das Aufkommen des Tabakbaues bieten. Reines ergänzte diese Ausfiihriingcn durch eine Uebersicht filier die Tätigkeit des ״Misrad Icawodoth ziburkiih“, über die öffentlichen Arbeiten der Regierung, der Munizipalitäten und über die Maßnahmen, die zu ergreifen sind, um alle diese Arbeiten oder wenigstens einen Teil derselben in unserer Hand zu konzentrieren. l>ic meisten Genossen betonten die Wichtigkeit der ״Eroberung der Arbeit“ in den Kolonien imd vor allen Dingen die dringende Notwendigkeit, einen wesentlichen Teil der Arbeitslosen von Tcl-Awiw nluuziehc», wo die Lage geradezu katastrophal geworden sei. Es wurde auch über die Ueberiiihrniig von I eilten in die bestehenden Betriebe, hatiptsächlich zur Durchführung von Reservearbeiten, die dort zu machen sind, gesprochen, die an Stelle der unproduktiven Auszahlungen dcr'DarlebcnskasscngcIder treten ׳sollten. Die Beziehung zur Regierung wurde behandelt, die in letzter Zeit eine deutliche Neigung zeigte, keine Arbeit an Juden zu vergeben, wobei nicht einmal die ökonomischen Gründe ausschlaggebend sind. Außerdem wurden die all- .gemeinen Möglichkeiten besprochen, die gegeben sind, um die Arbeitslosigkeit sofort zu erleichtern. Im Anschluß daran referierte Ben Zwi über den Punkt: Bildung einer G c n o s $ c 11 sch a f t szc u t r ate. Im ׳Verlauf der Auseinandersetzungen über diesen Punkt wurde ein Plan vorgetragen, eine Zentrale Iür genossenschaftliche gewerbliehe Produktion zu gründen, deren Aufgabe darin bestehen soll, großzügige Versuche und Anfänge zu Gewerbe und Imin- •stric in selbständigen Genossenschaften zu fördern. Ihr Grundkapital soll £ 30 000 betragen, an dem sich auch die amerikaniscli-jüdischcn Arbeiter beteiligen sollen.. Im abgemeinen .War...man■ der Meinung, daß dieser Gedanke noch verfrüht sei, daß man vor allen Dingen fiir die bestellenden Genossenschäften sorgen und ihre Arbeitsbedingungen verbessern und daß die Tätigkeit der Zentrale vor allem darauf eingestellt ' sein müßte. Hierauf wurde über die Tätigkeit im Auslände gesprochen, Ben Zwi referierte über die Beziehungen zur Amsterdamer Internationale, IVrl Kaz.net so ח über die Konferenz fiir das arbeitende Palästina, Ben Gurion über unsere Teilnahme an der Moskauer Ausstellung, Barasch über ikchaluz und praktische Palästinaarbeit im Galuth. Die ׳Debatlcn bezogen sich hauptsächlich auf die Konferenz für das arbeitende Palästina und die Haltung der Histadruthdclegation zur Frage des palästiua-ArhcUcrfonds. Außerdem wurde die dringende Notwendigkeit festgestellt, die Tätigkeit der Histadruth im Galuth vor allen Dingen für Hechaluz und N.-F. «blich die Entsendung weiterer Genossen von Palästina ins Ausland zu fördern. tu der nächsten Sitzung slanil die Frage der Arbeitervcrlretun g e n auf der Tagesordnung. Die Vertreter der Arbeiicrräic von Jaffa, Haifa, jcruschalajim und Twcriah teilten Einzelheiten über dieGefalir mit, welche im Verhältnis der Regierung zu den Ai bcilcrrätcn liegt. Diese Gefahr bat sich bei «len wrschioclensten Vorfällen, vor ailch Dingen bei den Vcrfolgungen der Arbeitervertreter in Haifa und bei vielen Verhaftungen in Tcl-Awiw gezeigt. Mali scheut auch nicht vor Verleumdungen und vor schleimigen Hilferufen nach der Polizei bei Konflikten mit den Arbeitern zurück. Dazu kommt der völlige Mangel an A r b e i t c r s c h 111 z g e s c i z c 11 in tmscrcni Lande. Es wurde klargcslellt, «laß radikale Mittel angewandt werden müssen, um rechtzeitig diese Situation zu bessern. Der folgende Tag war «len Fragen der Krankenkassen gewidmet. Die Referate gaben einen detaillierten Ucbcrblick über die Tätigkeit, die Lage und die Arbeit der ' Krankcnkassenzentralc. Die Diskussion drehte sich vor allem um die Möglichkeit einer Verminderung der Beiträge, ohne die medizinische Hilfe zu gefährden, und die Parallelbestcucrung in den Betrieben. Es stellte sich als notwendig heraus, eine besondere Beratung mit «len Betrieben und Instituten für die Behandlung der Krankcnkasscnfragcn cinzuberiifeu, um gewisse Spezialfrngcn eingehender erörtern zu können. Zum .Schluß wurde der l.ohntnrif, der von einer bcsondercii Kommission ausgc.irbcitct war, behandelt, die Frage des Refc• rendums über das Frauenwahlrccht zur ״Asscfath Haniwcharim“ entschieden und einige Interpellationen erledigt. - Die ״Bnc Benjamm"-Association hat in Jaffa mit einem Kapital von 25 000;ig. Pfund eine neue genossenschaftliche Darkhnskassc eröffnet. (Offenbar wurden die Mittel hierzu von der Braudois-üruppc — insbesondere Mrs. Fels — zur Verfügung gestellt. — Red. ״j. R,“) Nafiian Straus, der sich zurzeit bekanntlich in Palästina ' aufhält, schreibt über die dort empfangenen Eindrücke: ״Nachdem ich nunmehr mit eigenen Augen etwas von dem gesehen ' habe, was in den letzten Jahren geleistet worden ist, muß ich sagen, ich finde die Fortschritte in Palästina geradezu staunenswert. Der Keren Hajcssod hat hinsichtlich der neuen Immigration, der lamiwirtschaftliehen Siediu11gsarbcit und der hebräischen Schulen reiche Ertrage gezeitigt, die aber alle noch vergrößert und entwickelt werden müssen. Ebenso kann icn das Werk der Hadassah* nicht genug preisen.״ ÖrjjMflsierüiig der Gfsdlsdmllmlswt itr.di PalSslIna Eine Sitzung in Jerusalem. 111 Berlin und Wien beschäftigt mau sich seit einiger Zeit mit den Vorbereitungen fiir Toiirisknrcisen nach Palästina. Allem Anscheine nach ’ist die unfreiwillige Unterbrechung des Kontaktes /wischen Mitteleuropa und Ercz-Isracl, ein? Folge der Kricgscrcigiiisse, ciulgititig überwunden. Im kamliu’mkn Fiiihjnhr weiden limulcrtc von Touristen aus Deutschland und Mitleleiiropa Palästina besuchen. Eine Aii/,1111 in Palästina ansässiger Zionisten aus Deutschland, Oesterreich 111111 der Tscheche»• Slowakei versammelte sich am Dienstag, den 22. Januar, im Hause des Herrn Dr. Tie ho in Jerusalem, um die!׳'rage dieser Touristenreisen vom Standpunkte «ler organisatorischen Notwendigkeiten in Palästina zu besprechen, Die Palästina-;unter in Berlin und Wien hatten bereits bei den ersten Vorberoitungeu den Mangel einer engen Verbindung mit einem palästinensischen Organisntionszeiitriim empfunden und die Bitte .uisgesprnrlicn, ’ daß in Ercz-Isracl selbst die Organisiertmg der Reise» durch die dort ansässigen mitteleuropäischen Zionisten übernommen würde. Diese Orgnnisntinnsfrngcn waren das Thema der Besprechung, an der sich folgende (ie* sinmiiigsgenossi11 ׳ beteiligten: Dr. Hugo Bergmann, Lene Ci!hu, Lotte (lohn, Dr. Felix Danzigcr, Ing. W, Hecker, Dpi.-111!;. Arthur F-iipliindcr, Prof. Dr. Foclor, A. Feh;, Dr. Walter Preull, Reifenberg, Dr. Leo Rosenblüth, Felix Kosenliltillt, Rudinger, Dr, Adalbert Sachs, Dr. Gerhard Scholetn, Dipl.-lng. Kornberg, Dr. S, Lcwy (Hamburg), Dr. L. A. Mayer, Gusfa Strumpf, I fclcnc Hanna Thon, Dr. Tic 110, Df. L. Weinhe rg. ln einem einleitenden Referate berichtete Herr Wilhelm Hecker über seine Besprechungen in Berlin und Wien und legte «inr, «laß fast immer «lie großen Unterbring u 11 g ssc h wi c r ig kc it c n Touristen von den schönsten l'eilcn Palästinas!enthielten und sie weder zu einem wirkliehen Genuß der Naturschönlicifcn des Landes noch zu einer eindringlicheren Beschäftigung mit seinen kolonisatorischen Problemen an den Stätten der Siedluugsarbcit gelangen ließen. Es imißlc daher vor allem für Unterbringung nicht bloß in den größeren Städten, sondern auch in amlcrcn Gegenden, z. B. im Galil und im Süden des Landes, sowie für geeignete Führung und Information gesorgt werden. In der Diskussion, an der sich fast alle Anwesenden beteiligten, wurde allgemein die Notwendigkeit einer organisatorischen Vorbcreitungsnrbeit in Ercz-Isracl anerkannt und eine Kornmission, bestellend aus den Herren Heck er, F. Rosenbliith, Bergmann, Feig, Rcifenberg mit der Schaffung der O r g a n i sn t i 0 n s z c n t r a lc beauftragt. Interessenten erhalten Auskunft durch' ihre zuständigen Ralästinaämicr. * Der ehemalige Gesandte in der Türkei, Oscar Straus, ist seinem Bruder Nathan nach Palästina gefolgt. Er hat am lö. Januar auf vier ״Lappland“ New York verlassen und hegibt sich direkt nach Palästina und dam! nach Aegypten und Europa. Seine Reise soll sechs Monate dauern. In Palästina wird Oscar Straus Gast des High Commissioncr sein. — Wie das ״Morning Journal“ bedeutet, wird sich Herr N a i d i t sc h in Begleitung des jetzt in Lomlon wohnenden bckannten russischen Atilliouärs Nassatissin im Monat März nach Palästina begeben. — Die New Yorker .,Jcwish Tnbtme“ organisiert eine Touristenreise nach Palästina. Sie hat zu diesem Zweck von einer amerikanischen Schiffsgesellschaft den Dampfer ״Clcvelaud“ für <103 Reisende gechartert. Die Touristen sollen am 20. März (Purim) New York verlassen. Die gesamte Reise soll sechs Wochen dauern und hauptsächlich dem Besuche Palästinas gewidmet sein. Die Kosten betragen pro Person 000 Dollar. Von der ״ftnfflo Jctvlsli Association*4 Die Teilnahme an der Jcwish Agency. — Die Lage der Juden in den verschiedenen Ländern. London. (J.T.A.) Am 27. Januar wurde in London eine Versammlung der Anglo Jcwish Association abgehalteiu Der 52. Jahresbericht verzeichnet zunächst eine Bessenmg «icr politischen Lage der luden in! den ncugcschaffcncn Staaten dank der ihnen durch die Friedens- und Minoritätenvertrüge gcsichcrUn Rechte. Fier Kat entsandte auf Einladung der Zionistischen Organisation zu der Konferenz über die Zusammen- Setzung der Jcwish Agency den Präsidenten der Association d’A.vigdor Goldsmid und das Mitglied des Rates Sir Robert Walcy Cohen. Die Herren wohnten den Sitzungen bei. Die Verhandlungen sind aber noch nicht abgeschlossen. Heber die Tätigkeit des ״Joint Foreign Com• mitte«• 8“ wird in «lern Bericht gesagt: Die -Spannung in «ler internationalen Politik und die damit Im Zusammenhang siclwmle Verschärfung des wirtschaftlichen Niedergangs haben in vielen Länden» ein Anwachsen des Antisemitism ti s zur Folge gehabt. Gleichzeitig damit machte sich bei den osteuropäischen Regierungen der Kampf gegen die M i n o r j t ä t c 11 r cc h te bemerkbar. Selbst R u in ä 111 c n, das den Juden volles Bürgerrecht ztt gewähren vorgab, war nicht geneigt, die Verträge in die neue Verfassung mit ׳einzubczielicn. Estland und Lettland haben sich geweigert, ähnliche Mmoriinten-Deklarntionen anzmichmcn, wie cs I. i I a 11 e 11 getan hat, «las jedoch trotzdem den Minoritätenvertrag nicht anerkennt. Leider stünden auch die Dinge in Litauen nicht so gut, wie mau es nach den Berichten Dr. Kosenbaunis angenommen hat. Auf eine Frage Mr. Livermans, ob nicht auf Ungarn im Hinblick auf die jetzt zur Zeichnung vorgesclilagenc Anleihe ein Druck ausgeiibt werden könnte, antwortete Mr. Henriqucs, der ungarische Premierminister sei inzwischen wieder abgereist. Da Ungarn sich nur mittels «1er Anleihe erholen könne, würde es den Juden Ungarns scharten, wenn jüdische Kreise außerhalb Ungarns das Zuslanclekomincn «ler Anleihe verhindern würden. Mr. liarry Gölte 11 meinte ebenfalls, es läge Im Interesse der ungarischen Juden selbst, daß die Anleihe zustände käme. Ucbcr Bulgarien erwähnt «icr Bericht, daß die dortigen Juden in Anbetracht der durch das Gesetz scheinbar nicht zu erfassenden willkürlichen Maßnahmen des mazedonischen Rcvolutionskomitces in eine schwere Lage geraten sind. Besonders bat sich «In« Joint Foreign Committee mit der Flüchtii 11 gsfrage in Rumänien und Polen lief,aßt und gewisse Milderungen der an ged roh teil schweren Maßnahmen der Regierung durcligcsctzt. Unter anderem hat sich, «las Committee auch mit der Frage der Emanzipation der rumänischen Juden, der Verfolgung «ler jüdischen Religion in Rußland, der Frage der Naturall• siertmg ausländischer Juden in Palästina und den unsicheren Verhältnissen in gewissen jüdischen Kolonien Brasiliens befaßt, Das Komitee spricht bei dieser Gelegenheit dem Staatssekretär für auswärtige Angelegenheiten nochmals seinen Dank׳ aus für seine Bereitwilligkeit und tatkräftige Hilfe. Es wurde ferner beschlossen, u. a. auch dem Technikum in Haifa eine Zuwendung von 100 Pfund zu machen. Dieser von Mr. Prag cingcbrachte Antrag wurde van Sir Philipp Magnus wärmsten« unterstützt, der auf die Wichtigkeit des Technikums für das neue Palästina hinwies, und ein- I stimmig angenommen, Aas der indischen Well Russland Anläßlich des Todrs Lenins wurde tn M<wkau eine be* sondere jüdische Trauerfeier abgehnltcn, an der 1500 jü* (lisclie Arbeiter tcilnahmcn. Der Rabbiner von Moskau, Jacob Masc, «las jüdische 1 lilfskomilee in Moskau, sowie andere jüdische Körperschaften sandten der Familie Lenins sowie dem Zentralkomitee der kommunistischen Partei Bcileklstclegrnmmc. Die Moskauer Presse gibt ein Interview wieder, das ein Mitarbeiter am Sonnabend, den 26. Januar, abends, mit Rabbiner Mase gehabt hat. Rabbiner Masc sagte u. a., die jüdischen aibeitenden Massen seien durch den Tod Lenin• tief berührt worden. ״Ich füge die Stimme der trauernden Juden der allgemeinen Trauer tim den Tod des ׳Staats- Oberhauptes hinzu." Während des Gottesdienstes in der Großen Synagoge wurden besondere Totengebete für Lenin gesprochen. Am 22,, 23. und 25. Dezember haben in den Mo»■ kaucr Straßen, Restaurants und Privathäuscm ausgedehnte Razzien stattgefunden. 916 Personen wurden zum Teil unter «1er Beschuldigung der Spekulation und des Handels mit uiicrlaobtrii Waren, nun Teil (153׳ Personen), weil »ie in Moskau ohne bestimmte Beschäftigung wohnen, sistiert. 532 der Sisticrtcn wurden sofort aus Moskau nach verseiltedenen Orten!ibgcsdiobcn, der Rest soll erst später au»• gewiesen werden, sofern die Betreffenden nicht noch vor Gericht gestellt werden müssen. Bei dem größten Teil der Arretierten handelt cs sich um jüdische Kaufleute, Agenten und Kommissionäre. Wie aus Kiew berichtet wird, hat siel» das Allukrainische Exekutivkomitee «ler Sowjets mit der «lern Attaman Tiutiunink, einem der Führer der Pctljura-Itegromc'in der Ukraine, ge. währten Amnestie beschäftigt, und die Amnestie bestätigt, Attaman Tiutiuniuk befindet sich jetzt in Kiew und soll in die Rote Armee cintrctcn. Dieser Tage ist der Joint-Vertretcr in Rußland, Dr. Joseph Rosctij wieder nach Moskau abgereist, um sich dort an einer Reihe von Konferenzen zu beteiligen, die mit der bevorstehenden Liquidation des Joint Zusammenhängen. Dr. Rosen bcnbsicliiigt auch, seinen gegenwärtigen Aufenthalt in Rußland dazu ausnimitzen, um seinen Plan einer Massen- Kolonisation der Juden auf der Krim vorzubcrciten. Im Mai 1923 halte dieGcsellschaftfürjüdlschen Gesundheitsschutz ״Ose“ in den jüdischen Kolonien Siidrußlands eine Reihe medizinischer Stationen und KimteianstaHcn errichtet, um der in diesen Kolonien besonders bestellenden Not an mcdizinuschcr Hilfe nbzuhclfen und «lie sich dort ausbrcitemlcn Epidemien wie Typhus, Malaria ussv. systematisch zu bekämpfen. Aus den Mitteln der ״lea" und des ״War Victims Fund“ in London wurden seither in den Kolonien Naliar Tow, Romanowko, Lwow, Scdc-Mcnucho Spitäler und Ambulatorien errichtet, von denen aus auch die anderen Kolonien bedient worden sind. Die Anstalten wurden von ■15655 Kranken besucht. Es wurden 10380 Rezepte ausgegeben. Nach einem Bericht des ״Daily Telegraph“ hat sich eine Abordnung der Truppen der Moskauer Garnison zu dem PräsU deuten des Exekutivkomitees des Verbandes der Sowjetrepubliken, K a 11 n i n , begeben, um ihn ztt ersuchen, den Kommunisten fremder A b s t a m m u n g« die Erlaubnis, in führenden Rollen an militärischen Paraden und anderen Festlichkeiten tcilzmichmcn, zu verweigern. Dieses Ansuchen ist, ■wie ״,Daily Telegraph“ schreibt, weniger gegen die geringe Anzahl Fremder ui der Partei, als gegen die Koni• missarc nichtrussischer Abstammung gerichtet. Litauen Kowno. (J.T. A.) ln der fetzten Sitzung des Jüdischen Nationalratcs berichtete der Minister für jüdische Angelegenlicitcn Dr. Rosenbaum über seine Eindrücke auf der Auslandsreise und über die Konferenzen, die er mit verschiedenen Kreisen der westeuropäischen Judcnhcit gehabt hat. Ucbcr seine Demission sagte der Minister Rosenbaum, er habe dieselbe nach einer Konferenz mit dein Präsidium des Nationalrats den Mitgliedern der jüdischen Sejm-Fraktion und dem Zio* nistischen Zentralkomitee gegeben. Der Minister berichtete hierauf über seine Unterhandlungen mit dem Premierminister Galvanowski, der ihn ersucht hat, vorläufig die Oeschäfte weiter zu führen. In der letzten Sitzung des litauischen Seim erteilte der Minister für jüdischen Angelegenheiten Dr. Rosenbaum auf die bclr. Anfrage eines litauischen klerikalen Deputierten?ine Antwort über das Wesen der jüdischen Gemeinden in Litauen. Nach dem Gesetz ist cs nicht klar, ob man einen Juden zwingen kann, Mitglied einer jüdischen Gemeinde zu werden. In der Praxis aber hat sich bis jetzt kein Jude «icr Mitgliedschaft entziehen wollen. Die jüdische ׳ Gemeindesteuer ist obligatorisch, dennoch werden die Zahlungen meist freiwillig geleistet. Die Aus« sichten auf eine Milderung des Sonntagsruhegesetze• in Litauen haben sielt vermindert. Die christlichen Demokraten erklärten, sic würden in bezug auf Aufrechtcrhaltunjf der jüdischen Betriebe an den Sonntagen keine Konzessionen machen. Jüngst erschien die erste Nummer einer jüdischen Wochenschrift in litauischer Spracht ״Mus« Zodis“ (Unser Wort). Die Zeitung erscheint im Verlage der ״Idlsclten Stimme“. Lettland Der neue lettische Ministerpräsident Samuel (ein Nicht* Jude, der aber jüdischer Abstammung sein soll) hat am 28. Januar den mlsrachlstischen Sejm-Angeordnetcn Rabbiner Nurok zu einer Besprechung cingcladen und ihm seine Stellung zu den Minderheiten im allgemeinen und den Juden im besonderen auseinander(׳,eset/t. Die Unterredung fand in Anwesenheit des neuen Kriegsministers und des Unterrichtsminister» statt. Der Ministerpräsident gab seine prinzipielle Zustimmung zur jüdischen Autonomie, bis auf einige kleine Acndcrimgcn bezüglich «icr Spraehcnfrage. Bezüglich der Re- Vision des Staatsbürgcrgcsct/es gibt er zu, dafl dieses Gesetz sehr ungerecht ist. Am Schluß versicherte der Minister- Präsident, daß das neue Kabinett mit allen Kräften gegen jede chauvinistische Strömung kämpfen und daß es alle Burger gleichmäßig behandeln werde. I Owga»n Am 20. Januar 1924 beging der bekannte jüdische Oelehrte, der Rabbiner von Szeged, Dr. Immanuel Löw, seinen siebzigsten Geburtstag. Löw, der von dem hohen Rabbi Löw abstammt, folgte schon in jungen Jahren seinem verstorbenen Vater im Rabbinatc von Szeged, die jetzt die zweitgrößte Stadt Ungarns ist, und bekleidet seit mehr als vierzig Jahren 'diesen Posten. Das Wissensgebiet Rabbiner Löws ist die Erforschung der Realien in Bibel und Talmud. Sein Hauptwerk ist ״Die Flora der Juden". Gegenwärtig arbeitet er an einem Seitenstlick zu diesem ,Werk, welches ״Die Fauna der Juden“ betitelt sein wird.

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