Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXIX (1924)
- Issue
- Heft 8 (29.1.1924)
- Date
- 1924-01-29
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Kr 8 JU ED ISCHE RUNDSCHAU Seite 51 Organlsicruitfl des WirlschaKsanlbaus Adolf Böhm veröffentlicht im ״Haolam“ einen Artikel, in weichem er unter Darlegung seiner auch schon in unserem Blatte (Nr, 106/7, 1923) geäußerten Ansicht über die heutige Untaugüchkeit der Zioni .tkehen Organisation für Wirtschaftliehe Arbeit, gewisse Reformvorschläge macht und zu deren Beratung die Einberufung einer Konferenz fordert. Zu diesem Artikel bemerkt der ״I faolam“: Die von Adolf Böhm aufgeworfene Bing!• ist in der Tat eine der wichtigsten, die gegenwärtig die Ziani,tische Organisation zu beschäftigen hat. Schon unmittelbar nach dem Kriege war cs uns bewußt geworden, daß infolge der p'ö zlichcn Verwirk ichung unserer politischen Hoffnungen eine ganz neue Aufgabe vor uns steht, nändich die Aufgabe des Aufbaus der jüdischen Heimstälte in großem Stil. Seitdem haben sich fast alle zionistischen Konferenzen mit der Frage beschäftigt, wie geeignete Organe für diese Aufgabe geschaffen werden könnten. Auf der Iondoncr Jahreskonferenz 1920 wurde bekanntlich die Anregung gegeben, daß die ganze Organisation allmählich in eine Kolonisationsgcscllschalt unigcwandclt werden soll, da die politischen und propagandistischen Aufgaben des Zionismus erfüllt sind und nur noch wirtschaftliche bestellen. Dagegen hat sich der zionistische Instinkt mit Recht gewehrt und die Erfahrungen der lctcten Jahne haben bewiesen, daß nicht nur eine verantwortungsvolle politische Arbeit noch weiter erforderlich ist, sondern daß vor allem die Propaganda der zionisiischen Idee in weitem Umfang wieder aufgenommen werden muß. Auch die Ausführung unserer wirtschafiiiclicn Arbeit ist zum großen Teil abhängig von de’1 Resultaten einer wirkungsvollen Propaganda. Wenn wir also jetzt zu dem Ergebnis gekommen sind, daß gerade die propagandistische und ideelle Kraft des Zionismus verstärkt werden muß, so verschließen wir doch nicht die Augen vor der Tatsache, daß das andere Problem, weiches eben Böhm hier zur Diskussion stellt, ebenso dringend einer Losung bedaif. Die Notwendigkeit der Schaffung besonderer Instanzen zur Führung der wirtschaftlichen Arbeit hat sich eigcut ich schon durchgesetzt und die Ein- Setzung des Finanz- und Wirtschaftsra'.cs war der erste Schritt in dieser Richtung. Der Finanz- und Wirtsclmftsrat ist aber mit der täglichen Arbeit zu sehr belastet, um selbst weiter ausgreifende wirtschaftliche Aktionen cinlcitcn zu können. Es wird sich zeigen, daß wir nicht nur eine Art Wirtschafts• Parlament brauchen, wie cs von Bölitn angeregt wurde, sondern in hohem Maße auch einen Ausbau unseres Systems von ausführenden Organen der Wirtschaftspolitik, ln der Praxis hängt allerdings auch dieses Problem zusammen mit der Haup.frage, die jetzt im Vordergrund des zionistischen Interesses stellt, nämlich der Konzentrierung aller jüdischen Krähe und der Kooperation der einzelnen Gruppen in der wirtschaftlichen Arbeit für Palästina. Was die von Bölirn angeregten Reformen betrifft, so sei darauf hingewiesen, daß die Exekutive beschlossen hat, den Finanz• und Wirtschaftsrat zu ersuchen, über diese Fragen im Zusammenhang mit der vom fetzten Kongreß beschlossenen Kolonisationskonferenz einen Vorschlag vorzubereiten, der der kommenden A.C..Sitzung vorgclegt werden soll. Der Antrag der Kolonisationskonferenz wurde von dem Antragsteller Dr, Josef R u 1 c i s e n kürzlich in der Presse wieder vertreten und wir begrüßen es, daß durch den Aufsatz von Böhm der ganze Fragenkomplex in einer breiteren Ocffenilichkcit zur Eiöitcrung gestellt wird. Sitzung des Board 01 Deputics London (J. T. A.). Dieser Tage wurde hier unter dem Vorsitz von Mr. H. S. O. Henriques neuerdings eine Siizung des Biard of Deputics abgeliaitcn. Der Bericht des Rechts- und Parlaments-Komitees wurde ohne Debatte angenommen. Zu dem Bericht des Nahrungsmittel- und Schceliita-Komitces fiilnte Colonel Waley Coiien aus, es sei unerhört, dal) die Sclicchiia-Frage von den Gegnern benutzt wird, um d e jüdischen Ku tusocitörden und den Oberrabbiicr a.izigreifen. D'Avigdor Goldsmid erstattete den Bericht des Joint Foreign Gommittecs und führte u. a. aus: Seit der Rückkehr Dr. Rosenbaums nach Litauen habe sicii die Lage dort noch nicht gebessert. Es £st noch kein Geld für die Weiterführung des jüdischen Ministciiums bewilligt worden. Dr. Rosenbaum hat demissioniert, doch hat man ihn gebeten, die Arbeit vorläufig wcitcrzufühien. — Wie dem Board vom Völkerbunde mitgeteiit wurde, hat die rumänische Regierung die Maßnahmen zwecks Evakuserung der rumänischen Flüchtlinge, die Ende des vergangenen Jahres in Kraft hätten treten sollen, aufgehoben. Das sei als ein großer Fun.r,!ritt zu bezeichnen. Wie der Referent etfahren habe, sei der Verkehr diesseits und jenseits des Dnjestr sehr groß. Zwischen der rumänischen und russischen Regierung sind Verhandlungen über die Einsetzung einer Kontrollbchordc im Gange, die zu bestimmen haben wird, wo der Fluß überschritten werden darf. Zurzeit liegen hierüber aber noch keine Resultate vor. Mr. Lucicn Wolf berichtete hierauf über seine Reise nach Osteuropa, besonders über seinen Aufenthalt in Bukarest und Wien. In Wien hat er u. a. Schritte zugunsten der jüdischen Studenten unternommen. Mr. Li ver in an erklärte, cs müsse jetzt Gelegenheit genommen werden, für die Juden, in Ungarn einzuireten, da gegenwärtig Vertreter der ungarischen Regierung in London mit dem Völkerbund Verhandlungen pflegen. Aut verschiedene Anfragen erwiderte D'Avigdor Goldsmid, daß Mr. Lucicn Wolf in Osteuropa auf einer Ferienrcisc und nicht in einer offiziellen Mission war. Er hat afles etan, was er zur Unterstützung der Juden dort tun konnte, och hat er das nicht in offizieller Vertretung des Board etan. Es sind Anzeichen dafür vorhanden, daß die Haltung er ungarischen Regierung gegenüber den Juden jetzt eine günstigere ist und wenn etwas getan w״Hc1׳ kann, wird es gewiß geschehen. Antisemitische Reden im amerikanischen Kongreß Washington (J. T. A.). Während der Debatte im amerikanischen Kongreß über die Einwanderung traten mehrere Redner gegen die jüdische Einwanderung auf. Der Abgeordnete Box vom House Immigration Gomnjittee erklärte, die größte Gefahr für die Kultur drohe aus den großen Weltstädten. Er versuchte an der Hand von Statistiken nachzuwclscn, daß gewisse .Nationalitäten die Tendenz haben, sich in großen Städten anzusiedeln, und diese Tendenz sei am stärksten bei den russischen Juden. 85 0׳,״ aller russischen Juden in Amerika leben in großen Städten. Mr. Lathrop Stoodard, der eine Anzahl Artikel und Bücher über die Einwanderungsfrage geschrieben hat, führte aus, daß die Juden in einem höheren Maße als irgend eine andere Nationalität Europas nach Amerika auswandem, Sic füllen die ,Quoten der betreffenden Länder, ehe noch die einheimische Bevölkerung dieser Länder um ein Visum dnreichen kann. Die jüdischen Einwanderer-Organisationen in den Vereinigten Staaten stehen den jüdischen Einwanderern mit Geld und Rat zur Seite. Die meisten dieser Einwanderer seien aber unerwünschte Elemente, in der Hauptsaelie Trödler. Sie kämen nicht aus Liebe zu Amerika und zu seinen Idealen, sondern am selbstischen Gründen (1). Der jüdische Abgeordnete Sn bat 11 versuchte die Wirkung dieser teilweise mit großem Beifall aufgenommenen Reden durch Zwischenbemerkungen abzuschwächen. Die?,Klibaycrisdien Repressalien der War,seit,־mer Regiernng Wie der Warschauer J. T. A.-Vertrcler erfährt, bedeutet die Aufforderung der polnischen Regierung an den Posener Woywodcn, 14 deutsche Familien auszuweisen als Gegenmaßnahmc für die 14 jüdisch-polnischen Familien, die bereits zwangsweise Bayern verlassen mußten, nur den Beginn der polnischen Repressalien gegen die bayerischen Aus- Weisungen. Sollten noch weitere der ausgewiesenen jiolnischcn Juden gezwungen werden, Bayern zu verlassen, so würde die polnische Regierung ihre Gegenaktion dementsprechend ver• schärfen. ״Öeslcrreldtisekr Jusfeslantlal“ Unter diesem Titel schreibt Str(icker) am 24. Januar ln der ״Wiener Morgenzcitung“: Ein füiilzchnjihiiger Judcnjtingc kommt vor das Jugendgcricht, weil er beim Vorbeimarsch einer katholischen Pro- Zession den Hut nicht vom Kopfe gezogen hat. Seine eh i fliehen Lehrer stelicn ihm das beste Zeugnis aus. Der Herr Richter verurteit i!1n zu zwei Monaten Gefängnis. — Ein antisemitischer Hcchsdiülcr dringt, mit Totschläger, Gummiknüficl und Stinkbomben bewaffnet, in eine Versammlung ein und drischt wahllos auf männliche und weibliche Zuhörer los. Er wird zu fünfzlgtausend Kremen vc.u.tci't. Der Betrag reicht kaum für die Reparatur e'nes vertretenen Stiefelabsatzes. — Der Richter einer Provinzstadt brülit einem Zeugen zu, er sei ״von der roten ludcnbngagc in Wien״ beeinflußt. In den Zcüungcu wird ausführlich darüber berichtet. Der Richter denkt sich . und ״richtet“ weiter. — Ein Hauptmann der österreichischen Wehrmacht hetzt in den Dienststunden die Alannschaft gegen die Juden und die Republik auf und verwendet Steuerfelder für die Anlage edier aus reaktionärantisemitischen Schriften bestellenden ״Dtenstbibliothck“. Ein 1 c;hib il.anisch getonter Weltmann protestiert dagegen. Der Staatsanwalt der Republik erhebt die Anklage gegen den — Wclirmann. Das Gcricht der Republik verurteit den Wehrmann wegen ״Meuterei“ zu zwei Monaten Gefängnis und Ausstoßung aus der Armee. Der Mann kann betteln gehen. Der Haup mann bleibt Hauptmann, dürfte bereits Major sein. — Ein siebzehnjähriger Bausche zieht bewaffnet mit einer Hakenkreuzhande zu einer Demonstration aus. Keine Spielerei, sondern blutiger, bestialischer Ernst. Ein sozialistischer Ar* beiter wird von den Helden erschossen. Ein Genosse des Ermordeten flucht in begreiflicher Wut. Er sagt, man müsse solch einem Burschen die Hände abhacken. Er kommt wegen ״Erpressung und Drohung“ vors Gcricht. Zärtlich besorgt fragt der Richter den Hakcnkrcuzjüngling, ob ihn die Drohung . '•din'stigt‘ habe. Und das am Ehrhardt. Roßbach, Mord und Pogrom eingeschworene Revolverbürschchen l'spclt zimperlich, cs hätte sich sehr, sehr gefürchtet. Der um die Nerven der Hakciikreuzlcr väterlich besorgte Richter sperrt den Arbeiter für zwei Monate ein. Aber das sind nur leichte Plänkeleien. Der stärkste Trumpf wurde vorgestern auf den Riclitcrtiscli gebaut. Novosat, der unter dem Zeichen des Hakenkreuzes einen von der dcufschnationalcn Feme zum Tode verurteilten Genossen in raffinierter, viehischer Weise ermordet hat, wird von Ocrichts wegen für geisteskrank, unverantwortlich und straffrei erklärt und das Verfahren gegen seine Spießgesellen wird eingestellt! Terrorisierung der Juden in Bulgarien Paris (J. T, A.L Hier cingctroffcne jüdische Fluchtlinge aus Bulgarien berichten, daß das Mazedonische Zentralkomitee die jüdische Bevölkerung zu außerordentlich liehen Abgaben an ihren Revolutionsfonds zwingt, der für die Befreiung Mazedoniens von Serbien und Griechenland verwendet werden soll. Eine ganze Anzahl Juden erhielt schriftliche Aufforderungen des Mazedonischen Komitees zur Leistung von Geldsummen von 5000!) bis zu einer Million Leva. Vie*e dieser Juden l>csitzen überhaupt nur einen Teil der von ihnen geforderten Summe. Die Regierung tut nichts zu ihrem Schutze. Die jüdische Bevölkerung wird in einer Weise terrorisiert, daß viele bereits Ihren ganzen Besitz verkauft haben, nur um den Forderungen der Mazedonier nachkcmnicn zu können. Eine große Anzahl luden beabsichfigt, das Land zu verlassen. Man hofft auf eine Intervcntion der westeuropäischen und amerikanischen Juden. Schon vor einigen Monaten waren diese Erpressungsmaßnahmen von den Revolutions-Komitees eingclcitct worden. Damals forderte es von den reicheren Juden Sofias eine Summe von fünf Millionen Lewa, die ungefähr einem Wert von 200000 Goldfranken entsprechen. Der jüdischen Deputation, die damals bei dem Außenminister vorstellig geworden war, wurde mitgeteiit, die Regierung sei nicht imstande, ihnen irgendwelchen Schutz angedeihen zu lassen. Unicr ungeheueren Schwierigkeiten war cs den Juden möglich, eine Stimme von vier Millionen Lewa aufzubringen und die dem Revolutions-Komitee auszuhändigen. Diese Erpressung geschah also ganz offen und sozn-agen vor den Augen der Regierung. Nun hat eine neuerliche Forderung auf weitere sechs Millionen Le was die jüdische Gemeinde Sofias In ungeheuere Aufregung versetz‘. Eiuzc'iie Juden haben Aufforderungen zur Zahlung von mehr als einer Million l.csvas erhalten, von mehreren wird tatsächlich eine größere Summe verlangt, als überhaupt ihr ganzer Besitz, ausmacht. Ein jüdisches Komitee, das gegründet wurde, um dieser Gefahr entgegenzutreien, stellt’vollkommen machtlos da. Das Revolutions- Komitee hat öffentlich erklärt, daß Juden, die die geforderten Summen nicht bezahlen, eine unnnchsichtlidie Behandlung zu erwarten haben. Kürzlich wurde auch ein bekannter jüdischer Kaufmann von Leuten des Revolutions-Komitees schwer mißhandelt. Während so Leben und Eigentum der fuden Sofias bedroht ist und sich diese Bedrohung auch auf andere Teile Bulgariens nucdchnt, verhält sich die Regierung vollkommen pa'iiv, die Presse schweigt und im Parlament erhebt sich nicht eine einzige Stimme für die bedrohten Juden. Die iiqnldalionsirisl lür den ״Joint“ In Polen verlängert Warschau. (J.T.A.) Der neue Minister des Innern hat dem Joint Distribution Committee di: Frist zur Liquidicrung seiner Tätigkeit in Polen um drei Monate verlänge!t. Der frühere Minister des •Innern Klcrnlk hatte darauf bestanden, daß der Joint das Land Ende vorigen Jahres verlassen müsse. Ans der!ötllsclicn Welt Deutschland Reichskanzler Dr. Marx äußerte zu einem Vertreter der Berliner Jüdischen Telegrafen-Agentur über seine Stellung zur Judenfrage u. a.: Die Rechte der Juden sind, soweit sie deutsche _ Staatsangehörige sind, durch die Verfassung gewährleistet Dementsprechend hält auch die Reichs regiernng an dem Grundsatz fest, daß niemand deshalb, weil er ein Jude ist, eine andere Behandlung erfahren dürfe wie ein Nichtpidc. Wie der Genuß aller bürgerlichen und staatsbürgerlichen Rechte sowie die Zulassung zu öffentlichen Aemtern unabhängig von 1k־m religiösen Bekenntnis sind, so legt die Reichsregierung auch darauf Gewicht, daß eine Differenzierung der Staatsbürger nach Rasse oder Religion nicht in sozialer und gcsellschaftlieh er BcziHtung erfolge. Analog wird beider Behandlung der Ausländer dahin gewirkt, daß dieses Prinzip durchgeführt wird, so daß eine So n derbe handlung von Juden nicht stattfindet und nicht geduldet werden dürfe. Wenn nun von gewisser Seite versucht wird, die große Not des deutschen Volkes zu antisemitischen Hetzen auszunutzen, so findet diese Bewegung nicht nur keine Unter. Stützung von seiten der Rcichsrcgierung und der einzelnen Landesregierungen, sondern sie wird auch als für das allgemeine Interesse überaus schädlich auf das entschiedenste bekämpft. Cocbcchotitowahtf Der Präsident des jüdischen Nationalrates der Tschecho- Slowakei, Dr. Ludwig Singer, hat bei der Staatsanwaltschaff eine Strafanzeige gegen den Redakteur des Organs der klerikalen Voiksparici ״Cech“ cingercicht. Diese Zeitung hat in einer ihrer letzten Nummern im Zusammenhang mit einer Polemik gegen den ״anglo-irischcn Juden Bernhard Shaw" geschrieben, es sei weder eine Lüge noch eine Taktlosigkeit, zu behaupten, daß die luden christliches Blut zu Ritualzweckcn brauchen und deshalb zu Morden an chnst• liehen Mädchen schreiten.“ potfn Wie in Warschau verlautet, ist der wegen der Pogrome seiner Banden berüchtigte ukrainische Führer Petlfura, begleitet von einer zahlreichen Gefolgschaft, nach Ungarn gei.ohcn. Er hatte die Absicht, sich nach Prag zu begclien, das tschechoslowakische Konsulat hat ihm jedoch das Visum verweigert. (Inzwischen ist P. in Wien eingefroffen.) Der Wilnaer Siadtrat hat den Beschluß gefaßt, den jüdischen Werkstätten die Arbeit am Sonntag zu gestatten, ungeachtet des vor kurzem aucii für den Wilna-Distrikt in Kraft geirctcncn obligatorischen Sonntagsruhegesetzes. Der frühere Sejm-Deputierte und Zionist Dr. Rosen, blatt wurde zum Vize-Präsidenten des Lodzer Stadtrats wiedergewähit. Warschau. (). T. A.) Der Warschauer Rabbi 11 er rat veröffentlicht einen von sämtlichen Mitgliedern des Beth-Din Unterzeichneten Aufruf, in dem die Judenheit Warschaus beschworen wind, Geldspenden für den Neubau des jüdischen Akademikerheims zur Unterbringung der tausende obdachlosen jüdischen Akademiker aufzubringen. Es wird zum Gebot gemacht, reichlich Geld zu spenden, damit ein eelgnetcr Bauplatz angekauft werden kann und die emeinde nicht gezwungen sein soll, den Hof der Synagoge in Praga zu dem Zwecke zur Verfügung zu stellen. Die orthodoxen Proteste gegen die Erbauung des Akademixerheim* im Hofe der Synagoge zu Praga, der östlichen Vorstadt Warschaus, haben bekanntlich zu dem Sturm auf das Gebäude der Warschauer Jüdischen Gemeinde geführt. (Also die Rabbiner sind durchaus nicht, wie der ״Israelit" behauptet, egen das Studentenheim. Die Agudah ist nur immer ortho• oxer als die wirkliche Orthodoxie. Anm. d. Red.) Der Chef der Abteilung für jüdische Angelegenheiten im Minisferium des Innern, M. Ehrenberg, wurde zum Lektor der jiddischen Sprache an der Polizei-Hochschule in War. ich.au ernannt. Seine Aufgabe wird sein, der Warschauer Polizcimannschaft Unterricht in der jiddischen Sprache zu erteilen. Der polnische Gesandte in Paris Graf Zamoyskl ist Außenminister der Regierung Grabski geworden. Graf Zamoyski, der einer der reichsten Gutsbesitzer ftelens ist, hat vor mehr als einem Jahre aus zweien seiner städtischen Gutsbesitzungen durch seine Dienerschaft zahlreiche jüdische Familien austrcibcn und ihre Häuser zerstören lassen, obwohl die betreffenden jüdischen Familien vor mehr als 100 Jahren auf diesen Platzen ihre Häuser gebaut hatten. Graf Zamoyski stützte sich dabei auf ein ganz veraltetes Hausgesetz der gräflichen Familie Zamoyski. Die soeben veröffentlichten genauen Zahlen geben einen imponierenden Uebcrblick über das von der Bauabteilung des Joint Distribution Committee in Polen während der tetztjähngen Bausaison geleistete Wiederaufbauwerk. Es wurde in dieser Zeit insgesamt an 1600 Petenten Finanzhilfe in der Höhe von 1310 026 poln. Zlotys, gleich Schweizerfranken, gewährt. Die Anzahl der Städte, auf die sich da* Wiederaufbauwerk verteilt, beträgt rund 100. Erwähnenswert ist auch, daß diese ganze Riescnlcistung mit Hilfe von nur wenigen Beamten vo.iführt wurde. Die polnische sozialdemokratische Fraktion interpellierte Im Sejm den Außenminister und den Kriegsminister über die Reise des Generals Joseph Haller nach Amerika. General Haller, heißt cs in der Interpellation, habe seinem privaten! Besuch in Amerika widerrechtlich einen offiziellen Charakter zu verleihen versucht und habe sich als oüizicllen Ver* treter der polnischen Regierung ansgegeben. General Haller ließ sich in Amerika in seiner öcncr.iisunifonn für Geld sehen. Die Amerikaner behandelten ihn zwar mit Respekt, aber mit Ironie. In Boston hat der Bürgermeister eine öffentliche Diskussion über die Frage eingclcitct, ob die Stadt den General Haller offiziell empfangen soll. In dieser Diskussion wurde von verschiedenen Seiten gegen einen eventuellen Empfang General Hallers, als eines Vertreters der finstersten Reaktion in Polen, Protest erhoben und eine diesbezügliche Resolution an den Präsidenten Coolidge abgesandt. General Haller solle zur Verantwortung gezogen werden. Am 4. Januar begann in Warschau ein neues großes jüdisches Tageblatt in jiddischer Sprache unter dem Namen ״Morgenzcitung" zu erscheinen. Nach Miitciiung des ״Nowy Dziciniik" hat die ״Morgenzcitung" als Organ der der Hitachduth-Partrl nahestehenden Kreise zu gelten. Am 15. Januar reiste der in Chassidim-Kreisen populäre Rabbiner von Gora-Kalvarja (Gcrer Rebbe) in Begltitung einiger anderer bekannter Rabbinen, sowie einer Gruppe Lodzer Fabrikanten, die zu seiner Anhängerschaft zählen, nach Pa'ästina ab. Die Reisegesellschaft umfaßt 28 Personen. Hin zur polnischen Grenze wurde dieGcsellschaft von Tausenden 01,1 ssidim begleitet, lieber den Zweck der Reise wird mitgeteilt, daß die Rabbiner die in Palästina zwischen der ■cphardischen und der asehkcnasisclicn Gern׳ indc herrschenden Zwistigkeiten aus der Weit schaffen wollen. Ferner soll die Unterstützung der orthodoxen Anstalten geregelt werden. Endiiungcii auMuuauv.»