Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXIX (1924)
- Issue
- Heft 5 (18.1.1924)
- Date
- 1924-01-18
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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ויד׳ס yi E.-üflL*. ■ «m>.!.TTyflT Aü Munimcr 1 Erscheint in zwangloser Folg ■.TTrisrara* *fl 1?יו r*״^Ä i'4. ULLJ,^ ־,־׳••. <י־# a.׳~. , -21t1 nh Os. 0. V V«/6* . Berlin, 18.1. 1924 Von Ing. R, Pacovsky. Der ganze Komplex zionistischer Probleme findet seinen konkreten Ausdruck im Aufbau von Ercz-Isracl. ln der realen Auffassung und Verwirklichung dieses Endproblenis -r “ c'n ״or'b nicht gelöstes, gigantisches Problem der feclmik und Wissenschaft. Solche Probleme pflegen im leben aller Völker auch von Technikern gelöst zu werden; jlcnn dir Wirkungssphäre eines gebildeten Technikers unilallt nicht nur das Gebiet der konkreiisieieiiden, konstruktiven Technik, sondern erstreckt sieb auf alle Gebiete des öfkntliehen und privaten Wirtschaftslebens. Ich vermeide jede l e.ulleionisiik und trete gleich in medias res der schwebenden Fragen ein. Auch der 13. Zionisteiikongrcll gehört der Vergangenheit au. In der ״Wiener Morgenzcitiing“ hat uns ein Artikelsclireibcr mit der Neuigkeit überrascht, cs sei dies der 1. Kongreß gewesen, der sich mit wirtschaftlichen und technischen Fachprohlemcn befaßt hat. Ich stelle fest, daß auch dieser Kongreß, wohl zum letzten Male, die Dringlichkeit der Lösung technischer Probleme des Aufbaus bagatellisierte, obzwar die Tagesordnung ein gewaltiges Material zur Verhandlung stellte: 1. Die berufliche Ausbildung der jüdischen Arbeiter. 2. Kommission für!and• wirtschaftliche, 3. für städtische Kolonisation. Bei Punkt 1 hörte man in der Tat eine schöne Würdigung des dem Hechaluz innewohnenden Idealismus bei Punkt 2 und 3 Beschlüsse allgemeiner Bedeutung, parlamentarisch nennt man sic ״Vcrkgcidicitsbesdilüssc“. Ich stelle die Frage: Wo waren die technischen Experten, die Agronomen, Ingenieure, Städtebauer, Wirtschafts- und f iiiaiiztcclmiker, die, weil befähigt, einzig und allein hercchtigt sind, in diesen Kommissionen diese wichtigen teebnischcn Probleme 111 i t zuororteru? Wie kann man sich an Probleme heran wagen, die man nicht versteht? Welche Wirtschaftsgemeinschaft, welche Dorf- oder Stadtgcmcindc, welche gesetzgebende Körperschaft, welches Parlament wird cs wagen, an so eminent wichtige Fach problcmc ohne entsprechende, erschöpfende Berichterstattung seitens praktischcr Experten heranzutreten? Ist cs nicht befremdend, daß aus dem Laude des Aufbaus keine Fachleute der praktischen Aufbauarbeit zum Kongresse entsendet werden? Der Kongreß hat sein Wählstatut; aber ist cs nicht Pflicht der Leitung, Experten für die Spezialgebiete heranzuziehen? Man könnte dem mit den Verhältnissen nicht Vertrauten leicht entgegncii, die Leitung hätte ihre Experten und Fachleute. Aber das sind doch Beamte der Leitung, die mit der Leitung zusammen vor dem Plenum oder der Spezialkomniission für ihre Fachtätigkeit Rechenschaft abzulegcn haben. Lächerlich wäre die Entgegnung, in Palästina gebe es keine entsprechenden Fachleute: dann wäre cs die erste Pflicht der Leitung, dafür zu sorgen, daß die ersten Fachleute der Welt zur Arbeitsleistung nach Erez-Israel geschickt \vcrdcn. Ich, und mit mir alle Männer der praktischen Aufbaunrbeit, haben dem Kongreß und der Erörterung obiger praktischcr Fragen mit Vertrauen und Erwartung entgegengesehen. Ich war mir dessen bewußt, daß der Kongreß keine ctulgültige Lösung 711 ״beschließen“ vermag; aber der Kongreß Wachte immer den großen leitenden Gedanken, dessen Reatisieruug der Zeit und dem praktischen Leiten oblag. Ich will 111111 einen schüchternen Versuch machen, zu diesen Problcmen meine eigenen Gedanken und Ansichten, wie sie in mehrjähriger praktischer Arbeit in Erez-Israel gereift sind, ntederzuiegen, um eine Aussprache über diese Probleme an• zuregen. Das Problem der Immigration, der Alijah, ist zwar eine Funktion des Einan/problcms, aber cs ist nicht gelöst mit der bloßen Budgetierung des Postens ״Immigration“ — Aliiah ist gleichbedeutend mit Ilachschatah, gleichbedeutend mit dem grüßten sozialen Problem der Gegenwart, welches den leichten Namen ״Ikrufsinnschichtuiig des!üdischcn Volkes“ oder Rückkehr eines Volkes zur produktiven Arbeit trägt. Immigration soll heißen: die berufliche Erziehung des jüdischen Arbeiters für den Aufbau von Erez-Israel, die Befreiung und die Bereitstellung der im Idealismus des Chalud schlummernden lebenden und unproduktiven Kräfte für die produktive Arbeit in Erez-Israel. Um die richtige Einstellung zu diesem Problem zu finden, halte ich es für notwendig, die Verhältnisse der Arbeitsmethoden im Lande und deren Zusammenhänge näher zu beleuchten, 93 ׳,״» aller eingewanderten Arbeiter kam ohne!edc praktische Vorbildung ms Land. Der größte Teil schloß sich in Kwuzoth zusammen, deren innerer Verband, je nach der moralischen Einstellung ihrer Mitglieder, sehr innig war und ist, durch Leid und Freud, allen Entbehrungen und aller Not trotzend, bestehen blieb oder rein zufällig und daher auch nicht wetterbeständig ist. Diese Kwuzoth gehen nach einem bestimmten Schema^ das in der Zeit der Arbeitslosigkeit, die Arbeitsvermittlung der ,pal, Arbeiterorganisation fcstlcgt, au die Arbeit heran. Es entscheidet in so schweren kriselt• haften Zeiten nicht die Berufswahl oder die Verwendungsmöglichkcit, sondern lediglidi der harte Zwang, Menschen Urnährungsmöglichkeitcn zu schaffen. Das Lolmsystcm, wcldics fast allgemein geübt wird, ist das — Akkordsystem. Hat auch die gesamte organisierte Arbeiterschaft der ganzen Welt das Akkordsystem verworfen, haben auch die Sozialwissenschaft• ler und •hygieniker dieses System als unsozial, demoralisierend und die Volksgcsimdlteit zerstörend verurteilt, so ist doch der Akkord das einzige Lohnsysteni, welches in Erez-Israel vorläufig in Anwendung gebracht werden kann. Die meisten Kwuzoth arbeiten im Lohnausgleich, d. h. alle Mitglieder, ohne Rücksicht auf ihre berufliche Tätigkeit, beziehen gleichen Lohn. Es werden diese beiden Systeme — die Kablanuth und die Haschwarath Hanachirim — von unberufener, leider aber auch von berufener Seite kurzweg verurteilt und verworfen. Aber wenn es gelingt, zu diesen Fragen, welche Fragen des täglichen Daseins sind, die richtige Einstellung zu finden, wird man unter den speziellen Bedingungen diesen Systemen nicht nur nicht die Existenzberechtigung absprechen können, sondern wild ihnen auch eine hohe ethische Note abgewinnen müssen. Dieses vorausgeschickt, wird es uns nun klar sein, daß in diesem harten Kampf ums Dasein, und im Rahmen dieses Akkordsystems, welches den Arbeiter zur höchsten Leistung treibt und seine Kräfte und seine Gesundheit im hohen Maße benachteiligt, sich wenig oder gar keine Gelegenheit bietet für das, was man unter normalen Verhältnissen berufliehe Erziehung, Erlernung eines Gewerbes oder Handwerkes nennt. Hierzu gesellen sich noch Imponderabilien, (die nicht vergessen werden dürfen, weil sic bei diesem Volke sehr gewichtig sind): die berufliche Ausbildung des jüdischen Arbeiters, der bereits in einem reiferen Lebensalter ״umschichtet“, wird nicht unbedenklich erschwert, durch seine psychische und psychologische Veranlagung, durch sehr sensible soziale Momente und durch den absoluten Mangel an Tradition in der Arbeit. Soziahviilschaftlieh fehlte dem jüdischen Volke Immer die reale Basis des Handwerkertums, wenigstens war dieses für die natürliche soziale Struktur eines Volkes nicht hinreichend; unscie Handwerker beschäftigten sich mehr mit dem, ich nenne cs, merkantilem 1 fand werk (Friseure, Schneider, Schulter, Uhrmacher, Tischler usw.); das sogenannte konstruktivc 1 landwerk war sehr schwach vertreten. Audi diese und jene sind ins Land gekommen. Es braucht kein Hehl daraus gemacht werde״, daß die Entwicklung des Handwerks als seibM tämligcm Gewerbe im Lande au einem Punkt.angvlangt ist, den inan als toten Punkt he/eieluieii kann. Der srlhs 1ständige I l.uwhvcrker braucht Kredit. Er kann ihn nicht finden und kann daher nicht existieren. Er verläßt das Land. Es bat .111111־ eine Tendenz platzgrgriffeu, die natürliche 1:11t- Wicklung des Handwerks Ir'nlan/uhaltcn. Die an seine Stelle tretenden Cooperativen, so lobenswert vom sozialen Standpunkt ihre Tendenzen sind, können *las Handwerk, in seiner Bedeutung für die Entwicklung des Volkes nicht ersetzen. Sie sind, wie überall, Produkte und Forderungen sozialer Not. Die Entwicklung des Handwerks in den westeuropäischen Ländern, die Zünfte, Zechen und Gilden mit ihren weitgehenden Privilegien zeigen uns den großen Anteil derselben am Handel und der Industrie, sic zeigen uns aber auch, welch bedeutende Rolle das Individuum und seine individuelle Veranlagung für das Handwerk spielte. Unsere Cooperativen werden wohl nie die Rolle dieser alten, in Europa und auch in Amerika bewährten Institutionen autnehmen können: Der soziale Sinn unserer Zeit nimmt eine wesentlich verschiedene Stellung zu diesem Problem ein, es entfällt der individuelle 111111 die Entwicklung im hohen Maße fördernde Konkurrenzstreit unter den ei!reinen Mitgliedern eines und derselben Gilde oder Zunft, die einzelnen sehnrf umrissenen Er/iehungsstulcn — Lehrling — Geselle — Meister — verschwimmen usw. Vielleicht entspricht nicht diese cngbcgrenzlc, genau bestimmte Art der alten Handwerks. Organisationen, die doch noch, zwar 1111 neuen Gewände der Jetztzeit existieren, dem jüdischen Wesen. Tatsache ist, daß das jüdische selbständige Handwerk im Laude darniedcrliegt, daß in den Cooperativen als Folge ihrer Struktur, vor allem durcii die schweren wirtschaftlichen Vcifiältnisse des Landes hervorgerufen, kein oder nur wenig Raum vorhanden ist für die berufliche Erziehung der Olim zum Handwerk. Es darf nicht verschwiegen werden, daß cs zwar eine verschwindend kleine Anzahl von Arbeitern gibt, welche sich in einigen Spezialfächern auf eine gewisse Stufe handwerklicher Fertigkeil emporgearbeitet haben, insbesondere im soztmcnnendcn konstruktiven Handwerk, Steinarbeiter, Zicgcllcgcr (ich bcnutze mit Absicht den amerikanischen Ausdruck Bricklaycr statt Maurer, denn an einen Maurer werden höhere Anforderungen gestellt) Betonarbeiter, Schalungstischler, Eisenbieger. Es ist für den mitfühlenden Arbcitsleiter oder Ingenieur eine betrübende Erkenntnis sehen zu müssen, wie dieses herrliehe, eifrige und fleißige Arbeitermaterial in seiner Entwich• lung stecken bleibt. Es ist, der Wahrheit die Ehre, ein Verbrechen, welches an dem ״jüdischen Arbeiter“ geübt wird. Der ״Sclnvarzarbcitcr" hat eine traurige Lcbenspcrspcktivc vor sich: sein ganzes!.eben lang ״Sehwarzarheitci“, Arbeiter der nicrliip,sten sozialen Abstufung, Tagelöhner zu bleiben, der gestern Steine,',Snml oder Zement zugetragen, der heute E'iiiul.imenle gräbt und morgen bis zum Bauch im Salz.wasscr stellend Meersteine gewinnen soll. Aller auch dies will ge lernt, an besseren [Wlsplclen abgeschaut werden. Es wird volkshygienisch zwar interessant, aber niederschmetternd und überraschend sein, naeluuwcisen, welche schwere Gesimdheits defekte sich unsere jungen Arbeiter dadurch ziigczogen haben und zuzichen, weil sie bei einem gewissen Arbeitsvorgänge eine der Arbeitsleistung 11ml der Gesundheit nachteilige Körper, hnliting cinnehnien, weil sie für diesen Arbeitsvorgang ungc eignete Arbeitsgeräte handhaben oder benutzen müssen usw. So wird z. tk die ßetonmisclumg in verrosteten, zerfetzten Blechcimern von Mann zu Mann bis in die Höhe des zweiten Stockwerkes gereicht, wobei die Hände, die Füße und der bloße Körper des jungen Arbeiters der ätzenden Wirkung des flüssigen /erneutes ctharmuugs',03 ausgesetzt werden, im Zeitalter Taylors, des Begründers!ener neuen humanen Wissenschaft, ohne deren Studium und deren Errungenschaften heute fast kein einziges industrielles Unternehmen der Welt bestehen kann, zwingt das jüdische Volk, seine zur manuellen Arbeit freudig und begeistert zurückkclircmle Jugend zu Arbeitsmethoden, durch welche ihre Entwicklung moralisch und physisch gefährdet wird. Einen entscheidenden Anteil an dieser Volksbewegung obliegt unsern Brüdern aus Amerika, dem klassischen Lande der Mechanisierung der Arbeitsvorgange. Wir werden uns wohl aus moralischen, sozialen und praktischen Gründen für eine nicht absehbare Zeit gegen eine extreme Mechanisierung der Arlieit stellen; aber niemand wird sich verschließen können der Ersparnis an Menschen und Material, die aus einer Verwendung von entsprechenden Werkzeugen und Maschinen resultiert. Unter den Juden war das konstruktive Handwerk immer schwach vertreten; so erweist sich nun der Mangel an Vor■ arbeitern, Bnupolieren und Baumeistern, also!enem Zwischen glied zwischen dem Arbeiter aus der technischen Kanzlei, welches belehrend, aufklärcud und leitend am Arbeitsorte wirkt, als besonders empfindlich. Der größte Teil der im Lande wirkenden Ingenieure und Architekten, kam nach Beend!׳ gang der Hochschulstudien ohne entsprechende Praxis ins Land und so steht nun der ungeübte jüdische Arbeiter aul seiner Arbeitsstelle, gewöhnlich ohne Anleitung und ohne die Möglichkeit, etwas zu lernen und sich selbst in der Arbeit zu entwickeln und zu vcrvollkommcn. In dieser Beleuchtung erscheint das Problem von heute als eine Katastrophe des Morgen. Wir können doch nicht ein Proletariat schaffen, welches zu 95 10״ aus Tnglölmcrn bestehen soll. Ich bestreite entschieden die Richtigkeit jener Statistiken, die belletristische Ziffern anführen und welche vielleicht im guten Glauben (denn cs sind nicht Fachleute, welche sie aulstellen) gemacht werden. Nach dem Maßstabe gemessen, den sich die internationalen Fachgcwcrkschaften zugrundc gelegt haben, wird der Prozentsatz noch trauriger. Es läßt sich auf diesem Gebiete nichts vorgaukclii. Die Ver■ hättnisse sind so. Es ist nicht unsere Schuld. Wir stehen heute vor den Tatsachen lind gleichzeitig vor der Aufgabe, Abbitte zu schaffen. L:s gibt kein Hindernis, keine Schwierigkeit, welche nicht überwunden werden könnte. Die.Aussicht, welche jene verbreiten — man nennt cs im Leben ״trn Trüben fischen“ —• diese Aussicht: cs läge hinter uns bereits eine 3 jährige Aufbauarbeit, es ist gegangen und wird gehen, und die gekrönt wird von der niedrigsten Scibslverachtung: ״Für Palästina ist es gut genug", wird nur jene befriedigen, welche in Erez-Israel nur materiellen Profit suchten und suchen In der Tat, das was jüdische Arbeit in den letzten drei Jahren geleistet hat, ist nach Würdigung oben geschilderter Umstände ein Wunder. Aber unser Geschlecht glaubt nicht mehr an Wunder, gar wenn sie so kostspielig sind, wie es dieses Wunder war. Und ein Land kann nicht so aufgebaut werden, es ist Halbheit und die Halbheit ist die letzte Stufe vor der Katastrophe. Palästina bat kein Gewerbegesetz, kein Baugesetz, kein Stanlsgriindgcsctz, welches irgendeine lech- «isthe Arbcitxausfülirung regulieren würde. Herbert Samuel soll sich gegen ein Baugesetz entschieden ausgesprochen haben, man wird den Grund verstehen können. Ein Gesetz ist die schriftliche Erlassung einer Tradition. Wir haben sic nicht. Es gibt viele, welche cs gut geheißen haben. Aber man vergißt, welche schwere soziale und wirtschaftliche Schäden das beding(. Wir haben daher auch kein Haftpflichtgesetz für Unternehmer, keinen Arbeiterschutz und keine invalidenver.iclierimg. Ihr Arbeiter ist für vogdfm erklärt worden. Die Arbeit hat in vielen Fällen bereits ihre Opfer gefordert. Familienväter sind ums Leben gekommen und die Familien sind brotlos geworden ohne jede Unterstützung, Bauteil werden aufgcfülirt ohne Eingerüstuug, ohne die prim», tivsten Sicherheitsmaßnahmen für das Leben der dort beschäftigten Arbeiter, ohne die unter gleichen Umständen in Europa kein Arbeiter eine Arbeitsstelle betreten würde. oiikreiislerimg der Arbeit des K.K.L. Referat von Dr. A. Granovsky, gehalten bei der II. Gcnenlkonfercnz der Vertrauensleute des Keren Kajemeth in Karlsbad, August 1923. Vorbemerkung der Red.: Dieses Referat fand auf der K. K. L,-Konfcrcuz ries 13. Kongresses volle Zustimmung, Nur gegen den Vorschlag, den Spendern größerer Betrüge ein gewisses Vorrecht für Ansicdlung zu geben, wurden Bedenken erhoben, ln den gefaßten Resolutionen (ahgcilrtickl in Nr. 70 der ״J. R.“ 1923) These 10 wurde ausgesprochen, daß in den Ausfüll rungsbestimmungen des K. K, L. zu dem betrcficmlen Beschluß entsprechende Sicherungen getroffen werden sollen. I. 111 der Entwicklung ihrer Arbeit hat die Zionistische Organisafion den üblichen 'Weg jeder Entwicklung — vom Allgemeinen zum Speziellen — üurcligemacht. Dieses kommt besonders in der Propagandatätigkeit der Organisation zum Ausdruck. So wurde die Propaganda lange |ahre hindurch unter dem allgemeinen Schlagwort ״Arbeit für Erez-Israel" geführt, jeder Einzelne hat ״für Palästina" gespendet, ohne sich lange zu fragen, was mit seinem Geld geschieht. Mit dem Fortschritt der realen Arbeit in Erez-Israel stieg auch das Interesse des Spenders; er begann zu forschen, wofür und auf welche Weise sein Geld ausgegeben wurde. Es wird allmählich ein Kontakt geschaffen zwischen dem Spender und Pionier, zwischen Galutli und Erez-Israel. Das Interesse begnügt sich nicht mehr mit Allgemeinem, es spezialisiert sich; inan will Konkretes sehen und schaffen. Mit der Entwicklung der Palästina-Arbeit kommt auch Immer mehr die Versachlichung der zionistischen Propaganda zum Ausdruck. Dies macht sich gerade in der letzten Zeit, wo die Palästina-Aufbauarbeit an die jüdische Ocffentlirhkeit große Anforderungen stellt, bemerkbar. Die Vielseitigkeit, der Aufgaben macht' eine Spezialisierung der am Aufbau, beteiligten Einzelnen notwendig, und auf diese Weise bringt der Fortschritt des Aufbaues auch eine Entwicklung des Konkreten in unserer Tätigkeit mit sich. Was speziell den Keren Kajemeth betrifft, so liegt das Konkrete, Zweck-bestimmte schon in dem Charakter des Fonds selbst. Der K.K. wurde von der Zionistischen Organisntion während einer Uebergangsperiode von einer allpemnn-polilkelu'ii zur koiikr! t-rcaleu Arbeit in l rez-Istael ms Leben (;entfett. Er ist seiner Natur nach ein Zweck• f o 11 d s, der ein bestimmtes Gebiet der Aufh.au-Arbeit überuommen hat. Sein Ziel ist von Beginn an genau umschrieben: er soll der Bodcnfomls der Zionistischen Organisation sein. Es Ist wahr, daß der K. K. aus verschiedenen Gründen, und insbesondere infolge Mangels an andern zionistischen Instituten, die die Pa'itteina-Arbeit zu finanzieren in der Lage wären, gezwungen war, von seiner eigentlichen Bestimmung abzugehen und fast die gesamte Kolonisationstätigkcit der Zionistischen Organisation während einer Reihe von Jahren zu übernehmen. Nach dem Kriege aber, als eben die Spezialisierung der Tätigkeit mittels verschiedener Institutionen bzvv. Fonds durchgeführt wurde, ist der K. K. zu seinem eigentlichen Aufgabenkreis zurückgckchrt. Er ist w-icder ein Zweckfonds mit einem fest umschriebenen Arbeitsgebiet geworden: Dodenerwerb und erste Amelioration. Als ein Zweckfonds, für kbnkretc Aufgaben bestimmt, hat der K. K. auch in seiner Propaganda-Tätigkeit im Laufe der Entwicklung spezielle Wege!ungeschlagen, die alle zur Konkretisierung'der Arbeit führten. So hat er vor einigen. Jahren mit der ״Kontingentierung der Einnahmen“ begonnen. Jedem Lande wurde eine bestimmte Aufgabe gestellt, und zwar hafte dasselbe die am Anfang eines jeden Lahres festgesetzte Geldquote aufzubriiigen. Der K. K. ist dann weiter zu der ״Kontingentierung des Bodens“ übergegangen, indem einem jedem Lande die Verpflichtung aufer'.cgt wurde, eine bestimmte Laiidfläclie in Erez-Israel auszulösen. Schließlich wurde die Idee der ״Landsmannschaftlichen Kolonisation“ zum Leben erweckt, die eine Art Synthese der beiden Sammclmcthodcn — Kontingentierung der Einnahmen sowie des Bodens — darstcllt. So führen die Wege der Entwicklung des K. K. sowohl in seiner Kolonisationstätigkcit als auch in der Propaganda- Arbeit, zur Spezialisierung der Aufgaben, zur Konkretisierung rocr Arbeit. Die Notwendigkeit der Konkretisierung geht auch aus einem andern Idccngang hervor, ln der K. K,-Arbcit ist man seit langem zur lieberzeuguiig gekommen, daß im Interesse der erfolgreichen Oeldaufbringung die Schaffung eines engen Zusammenhanges zwecken Galutli und Erez-Israel erforderlich ist; ferner daß dafür die Organisation «ler K. K.-Mitarbeiter zu einem lebenden Organismus ausgcstaltct werde, was auch der Tendenz der K. K.-Verwaltung entsprach. In die Tat umgcsctzl, 11 den Mitarbeitern eine Einflußnahme auf die Palästina-Ai. eit des K.K. cingeräumt werden. So soll ihr Interesse an der realen, konkreten Arbeit in Erez-Israel immer wach gehalten werden, was auch auf die Geldaufbringung erfolgreich rückwirken wird. ln dem Referat bei der ersten Konferenz der Vertrauens- Icute des K. K. habe ich einen ausführlichen Plan der Landsmannschaftlichen Kolonisation entworfen. Die leitenden Gedanken mrincr damal gen An fü' r Ingen waren: Heranziehung, neuer Kreise und neuer Geldmittel für den K.K. durch Schaffung eines direkt11-׳ Zusammenhanges zwischeq Erez-Israel und 0::l«:ti1; Zitsamnic fa sung der Ansicdluitgswcrbcr in den einzelnen Ländern und Grien zur Landsmannschaftlichen Kolonie, wodurch eben eine Kraftquelle, aus der stets neue Menschen und Kapitalien nach Erez-Israel flie&cn, ge• schaffen wird.