Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXIX (1924)
- Issue
- Heft 4 (15.1.1924)
- Date
- 1924-01-15
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 24 JUEDISCHE RUNDSCHAU Nr. 4!fände!. Cr unterhielt mehrere Filiale», »eit er die offizielle B.’11aci1ricl׳.ti׳:un׳r — enia-rt wie am Lim", Tafies cd ,, ,,, sie wurde ihm höflich zu :csteckt — daß es für das öllcnClrlie Wohl wiin. ehciiav.'i'it wäre, wenn er und seine l'auj.Hc sieh von dem Gemeinschaftsleben zur.irk/ichcn würde. das er falbst scliatfcit und aufhaucn geholfen hat. Hinter dieser höflichen Aufforderung war eine Drohung verborgen. Fr und seine Familie buchten ihren Besitz zusammen und über• siedelten aus der Stadt, um ihr leben in der Nähe neu zu beginnen. II« erinnert einen 011 die alten Zeiten in Rußland, da solche ״Ausweisungen“ an der Tagcsordmmg waren. Ls erinnert einen an die tet/igen Ausweisungen in Bayern, ln Kürze, cs erinnert an das allgemeine, IHM de« l'liii 111.mens Antisemitismus. Natürlich sind die Masken und Fntluill1m;;en äußerlich verschieden. Sie lind grotesk. Sie scheinen ein gespenstischer Scherz. Aber wir wollen nicht den Irrtum begehen, die Masken zu sehr zu betonen. Die Zeit wird kommen, wo die Masken gciiifict werden und der Unfug unwissender Nachahmung mittelalterlicher Femen wird verschwinden. Schon letzt haben wir viele unmarkierte Klans, we'che genau die gleiche Sprache sprechen. Was ist das Oe rede vom hnndertprozentigen Amerikaner, das die Politiker heutzutage Vorbringen, um eine weitere Einschränkung der Immigration zu erzielen, anderes, als derselbe Geist ucr Unduldsamkeit in anderer Gestalt? Bis zu einem gewissen Grade Ist der Klan eine Quelle der Erheiterung — besonders dort, wo er noch keine Verbreitung gefunden hat. Hütet euch vor dem Tag, da der Geist des Klan schamlos hcnimgchen wird, seine Züge und Pliine entschleiernd und In das Gewand des Antisemitismus anderer Länder und Zeiten gehüllt 1 Noch schlimmer als diese Austreibungen ist die Tatsache, daß Israel Zangwill, der unlängst an den Ku-Klux-Klan eine Aufforderung zu einer öffentlichen Diskussion, ob diese Organisation eine Existcnzberechtigmig habe, ergehen ließ, von dem Klan einen Drohbrief erhielt: ״Halte deinen Mund oder wir werden dich ermorden.“ Zangwill, der von der Polizei scharf bewacht wird, ignoriert diese Drohung und verlangt weiter die Diskussion. Wenn derartige Dinge sogar selten in Amerika möglich sind, dann ist der Satz, daß cs kein Land ohne Antisemitismus gibt, Wahrheit geworden. Die amerikanischcn Juden werden vielleicht, wie unser New Yorker Brudcrblatt hofft, in solchen Vorfällen Zeichen der Zeit seh?11, und selbst diejenigen amerikanisch■ jüdischen Kreise, die seit langem als Haupteinwand gegen den Zionismus anführen, daß er mit den! amerikanischcn Patriotismus unvereinbar sei, werden vielleicht zum Nachdenken angeregt werden. Die zionistische Erkenntnis, daß nur im eigenen Lande mit jüdischer Ma> jorität die Juden vor antisemitischer Verfolgung ge* schützt sind, erfährt eben leider immer aufs neue ihre Bestätigung, auch dort, wo man cs noch kurz vorher für unmöglich gehalten hätte. S. K. Dr. Welzmann über die ״Badassa“ New York. (J.T.A.) Dr. Ch. Wciruuim nahm an einem Gesellscliaftsabcnd der amerikanisdien zionistischen Fraueii-Organisation ״Hadassnh“ teil. Dr.■ Wcizmann unterstrich in seiner Ansprache die Bedeutung der ״Hadassah“ Arbeit für die Verständigung zwischen der Bevölkerung Palästinas. Er sagte, ein Krankenhaus in Palästina sei ein besseres diplomatisches Mittel, um Juden und Araber zu• sammciiztitührcn, als alle diplomatischen Zeitungen ca sein können. Dr. Weizmam! sagte weiter, die Juden der ganzen .Welt mühten gemeinsam die Lasten für den Aufbau Palästinas noch weitere zehn Jahre tragen. Er teilte mit, daß seine Bemühungen zwecks Zusammenschlusses der Vertreter verschiedener Richtungen der amerikanisdien Judenheit auf der Plattform der Jewiah Agency bereite Erfolge gezeitigt haben, Dr. Arthur Ruppin erzählte von den ersten Krankensclnvcstern, die die Hadassah vor dem Kriege nach Pa• läslina gesandt hatte. Er betonte dann besonders den Erfolg der Krankenhäuser und Aerztc der Hndassah in der Be• käniplung der Malaria und des Trachom. Die Einwanderung nach Palästina im Dezember Jerusalem. (J.T.A) Während des Monats Dezember kamen 3S3 Einwanderer nach Palästina. Baron Rothschild fährt nicht nach Palästina Wie die ״Ziko“ erfährt, entbehrt die Meldung des ״Doar Hajom" von einer Reise Baron Rothschilds nach Palastina jeder Grund!,ige. Baron Rothschild gedenkt weder nach Aegypten noch nach Palästina zu gehen. Schon sein hohes Alter allein dürfte ihn abhalten, eine längere be. schwerlich« Reise zu unternehmen. Dr. de D.ian In antisemitischer Beleuchtung Berlin. (J. T. A.) Die Berliner antisemitische ״Staats• bürger-Zcitung" kritisiert in ihrer Nummer 51 in einer ,,Ein jüdischer Antisemit'' überscliricbenen Notiz die deutschvölkischen Verbände, die jeden Juden — auch getaufte — von der Mitgliedschaft ausschließen und meint, dies sei senr tatsch. Die Zeitung schreibt: ״Die schlimmsten Gegner der Juden in der Vergangenheit waren getaufte Juden. Zur Zeit macht den Juden m Jerusatem der trübere Jude Dr. de Haan viel zu schatten. Er ist zu den Arabern übergegangen und bildet ihr Sprachrohr, ln diesem Sinne schreibt er auch für die Londoner Zeitung ״Daily Expreß". Daß Juden zum Deutschtum als Antisemiten übergeueu, wird lediglich durch die deutschvölkische Blutschnüffciei verhindert.“ Dabei ist zu bemerken, daß die Annahme des anti- *cmitischen Blattes, Dr. de Haan wäre aus dem Judentum ausgetreten, aut einem Irrtum beruht. Die ״nokoah“ In Palästina Jerusalem (J. T. A.). Am 7. Januar traf die Wiener H&koah-Mannschaft in Tel-Awiw ein und wurde von der Bevölkerung mit großem Jubel empfangen. Am 6. Januar hatte liakoah gegen die britische Soldatenmannschaft in Kairo gespielt und das Spiel für sich mit 2:1 entschieden. In einer Sitzung der Stadtverwaltung von Tel-Awiw wurde beschlossen, eine Straße der Stadt nach dem Wiener Sportklub ״Htkoah“ umzubencntica, Dia Arbcltsvart׳; .״«iig — f .,,־'!!wneh ••V/csIio •״• Neu ׳ r Sr*״ ׳' ״־»׳'־kämpf? Pas brennende Problem, welches heute die ganze p.v ,Üstmcnslschc Ödleuttichkclt In Mein hält, Ist die Arbeit*• losigkcit. Nicht nur die zionistische Exekutive in Palästina, deren Arbciisdepartemcnt unter der Leitung von Sprlnzak unermüdlich die verzweifeltsten Anstrengungen macht und 51‘inen ganzen Erfindungsreichtum aufblclct, um neue Arbeit«• niöglichkclt zu schalten, sondern mich der Wnad Lcuml, der »eine kielen Sitzungen fast ausschließlich dieser Frage widmete und auch eine ständige Konimkion clnsetzfe, die sich nur mit Arbeitsbeschattung zu beschäftigen hat, natürlich auch die Arbeiterorganisation und alle anderen öffentlichen Körperschaften haben dieser Sache ihre Aufmerksamkeit zu• gewandt. In Jerusalem und in Jaffa haben kürzlich große Versammlungen von Arbeitslosen stattgefnnden, in welchen Forderungen 311 die zionistische Leitung und die Regierung gestellt werden und die öffentliche Meinung des Landes infgeriifcn wird, alle vorhandenen Möglichkeiten einer Ab• hiltc ausztnmt/en. Wenn auch die Auswanderung aus Palästina, die In den Sommermonaten größeren Umfang angenommen hatte, jetzt wieder stark zurückgegangeii ist, so ist doch der Zusammenhau״ zwischen der Arbeitslosigkeit und den Einwanderung»• müglichkcitcn offenkundig. Selbst wenn die heutige Krise überwunden sein wird und das Wirtschaftsleben Palästinas in einen stabileren Zustand kommt, wird Infolge der Ein- Wanderung immer ein gewisses Maß von Arbeitslosigkeit im Lande herrschen müssen. Da aber die Schäftung unserer nationalen lleinntiiite und jeder nationale Fortschritt im Lande ohne Einwanderung undenkbar Ist, so werden im Laude auf absehbare Zeit keine normalen Arbcitsverhältnissc herrschen können. Dieser Tatsache müssen alle Faktoren ins Auge schauen. Es ist ganz fatsch, Vergleiche zu ziehen zwischen der Arbeitslosigkeit in Pa'ästlna und in anderen Ländern. Unser nationales Werk verlangt von der Arbeiter* schalt größere Opfer und Sclbstbeccliränkung all anderswo, sie verlangt aber auch von den Arbeitgebern und von der ganzen Ocffcntlichkcit ein Verständnis für diese notwendige Abnormität und hilfreiche Hand, damit nicht die national so wertvollen konstruktiven Bestrebungen der Arbeiter auf die Bahn eines kräftcraubcndcn Klassenkampfes abgedrängt werde 11. Eine der schwierigsten und delikatesten Aufgaben, die sich aus diesen! Zustand ergeben, Ist die Verteilung der Arbeit. Mit Rücksicht auf die Notwendigkeit der Einwan• dcrimg, deren Förderung Insbesondere die nationalen Insiiiulioncn als oberstes Ziel stets vorschweben muß, kann die Vergebung von Arbeiten nicht lediglich auf dem freien Arbeitsmarkt erfolgen, sondern sie muß von hierzu Icgitimierten Instanzen , reguliert werden, damit möglichst viele Arbeitsuchende berücksichtigt weiden. Da heute sehr wenig Arbeit vorhanden ist, so ist die Konkurrenz der Arbeiter eine sehr ^roftc und cs ist tief bedauerlich, aber begreiflich, daß diese Not zu starker Eifersucht zwischen den Arbeitsuchenden Gruppen führt. Im vergangenen Sommer wurde der Konflikt zwischen der ullgcmemcn Arbeiterorganisation und dem t tapocl HamUrachi akut, der dann unter Intervention der zionistischen Leitung durch Einsetzung einer gemischten Arbeit«vcrtcilungs-Kommission beendet wurde. Jetzt ist eine ähnliche Frage mit aller Schärfe auf die Tagesordnung ge treten. Der ״H and w׳ erkerverband“ hat *Ich an die Exekutive und an den Wnad Lcuml mit einer Beschwerde über die Bevorzugung der Arbeiterorganisation gewandt und verlangt Herstellung der freien Konkurrenz auf dem Arbcits, markt. Der Verband wehrt sich dagegen, daß er Arbeiter mir durch Vermittlung der Arhcitskanzlel der Hlstadmth bekommt, er will den Zwang zu gewerkschaftlicher Op ganisntlon nicht anerkennen, Wir haben volles Verständnis für die Bedeutung des kleinen Handwerker» in der Struktur unseres nationalen Gemeinwesen», Wir erkennen auch, daß dieser Handwerker durch die Fortschritte der kooperativen Bewegung in eine schwierige Lage versetzt worden Ist, Aber wenn sic ganz konsequent sein wollen, müßten die alt eingesessenen Handwerker verlangen, daß Palästina für die jüdische Einwanderung gesperrt wird. Wollen sie dies nicht, dann müssen sic zugcstchcn, daß auch die Neucingewandcrtcn eine Möglichkeit des Lebens durch eigene Arbeit haben müssen. Daher ist bis auf weiteres die künstliehe Regulierung der Arbeitsvermittlung nicht zu umgehen. Die Arbeiterorganisation selbst leistet darin Uebermentchliehe?, sic setzt sich selbst der schärfsten Kritik der un geduldig Wartenden aus, aber nur so ist die Ordnung aufrcchtzuerlialteii. Wir sind andererseits der Ansicht, daß auch der selbständige Handwerker aller Unterstützung teil haftig werden soll, die ihm die Ocffeutlichkclt bieten kann, wir sind z. B. durchaus dafür, daß die £ 2000, •die der Kongreß unter Kategorie B für eine Handwerkerbank budge tiert hat, dieselbe Vorziigsbchandiung genießen sollen wie die anderen Posten, welche Im Interesse der Bekämpfung der Arbeitslosigkeit vom A. C. in seiner letzten Sitzung in Kategorie A clngerciht wurden. Aber die jüdischen Hand׳ werker müssen sich auch den nationalen Notwendigkeiten lügen. Der heftige Kampf, der zwischen den Beiden in Palästina auszubrechen drohte, ist zwar gegenwärtig durch eine Art Waffenstillstand beendet worden, aber eine definitive Beilegung steht noch aus. Die jüdische Arbeiterbewegung hat — mitten in Ihren schweren Tagessorgen, — gerade jetzt eine Art wohlverdiente» Fest gefeiert: die Legalisierung der Genossenschaft ״Solei■ hon eh." Der Vorgänger dieser Gesellschaft, der ״Mlsrad laawodofh ziburioth“ (Amt für Öffentliche Arbeiten) der Ar• bcitcrschaft, hat eine Geschichte, die schon etwa vier Jahre zurückreicht. Als im Jahre 1920 sich zeigte,'daß der Strom der Chatuzim die gehoffte Landarbeit nicht linden kann und־ andere Arbeltsmöglichkcltcn erschlossen Werden müssen, bildeten sich die ersten Baugenossenschaften, die den Bau der ״Kwlschim" von der Regierung Übernahmen, Hier lernten di« Arbeiter allmählich Organisation, wirtschaftliche Durch• lülirimg und technische Bewältigung genossenschaftlicher dis ungeheuren Schwierigkeiten, die durch Land und Leute bedingt waren, zu t1t!crw'!micn, Ohne geschäftliche Erfahrungen, ohne technisch qualifizierte Arbeiter, ohne tktrii'»•,kapital, gegen Mißtrauen und Vorurteile der Umgebung, haben dies* «,eiligen Menschen ein Unternehmen aufgebaut, das heute eine* der größten wirtschaftlichen Institute de» Lande! ist, Wai hier in selbstloser Hingabe, allen fortgesetzten Ent• äuschungcn zum Trotz, geschalten wurde, grenzt au* Marche«, hafte und verdient in der Geschichte unsere» nationalen Aufbaues kein geringere» Ehrcnblalt alt die Taten unserer ersten landwirtschaftlichen Pioniere. Die Anstrengungen waren von Erfolg gekrönt und entsprechend den Beschlüssen der zweiten •llgcmcincn Arbeiterkonferenz, die die Schaffung einer ״Gesellschaft der Arbeitenden" (Chcwrath owdirn) mit entsprechenden Tochtergesellschaften beschlossen hat, ist nun die erste dieser Gesellschaften auch formell ins Leben getreten. Das Amt für öffentliche Arbeiten, der ״Misrad", wurde umgcwandclt in die Gesellschaft ״Solelbonch“ und deren Statuten von der Regierung genehmigt. Dies ist ein Ereignls, das wahrhaltig verdient, als Etappe auf einem langen Weg gefeiert zu werden. Aber dieses Fest hat auch eine praktische Bedeutung. Es gilt, die Gesellschaft zu fundieren, Ihr ein eigenes Grundkapital zu schallen, das sie kreditfähig und von den ewigen Schwankungen der palästinensischen GeUJlagc wenigsten» halbweg* unabhängig macht. Der ״Solei* boneh" wendet *Ich daher an die gesamte Arbeiterschaft, darüber hlnau* aber an die ganze jüdische Ocflentllchkeit Palästinas mit der Aufforderung zur Zeichnung von Anteilen der neuen Gesellschaft. Es wurde eine ״Solclbonch-Woche“ proklamiert. Der Frei* eines Anteile* beträgt nur ein halbe* Pfund, um jedem die Teilnahme zu ermöglichen. Die Aktion, die von der gesamten palästinensischen Presse — *og*r von der rechtsstehenden bis zum ״Doar Hajom“ — wärmsten» unterstützt wird, nimmt einen *ehr guten Fortgang. Wahr- »cheinlich wird bald auch der Appell an das Judentum int Galuth erfolgen und wir sind überzeugt, daß auch dies*» die gebührende Antwort finden wird. Für eine Leistung von »0 großen Dimensionen und von so offenkundiger Bedeiitnng wird das gesamte Judentum zweifellos das stärkste Interesse zeigen. . Die palästinensische Arbeiterschaft hat nirgends so deutlich bewiesen wie hier, daß ihr Werk etn Werk de» Aufbaues, der Schaffung neuer Werte ist. Wir beglückwünschen ״Solclboneh" zu *einem OebtirUtag. Während der Waad hachlmich Wege »ucht, um mit dem gekürzten Budget das hebräische Schutwerk mühsam aufrechtzucrhaltcn und dauernd vor der Ocfahr steht, wichtige An- *taltcn schließen zu müssen, wird in Jerusalem von der Rogicrung eine ״interkonfessionelle" Mittelschule neuer Art gegründet. Die Schule, die Juden und Arabern in gleicher Weise offenste!!!, wird englische Unterrichtssprache haben, und nur die spezifisch jüdischen bzw. arabischen Disziplinen sollen In hebräischer bzw. arabischer Sprache unterrichtet werden. Die Mittel zur Errichtung dieser Schule hat die Regierung au* dem Legat de» Bagdader Juden Kadoorie, der seinerzeit ״der Regierung Palästina*" etwa 100000 Pfund zur Errichtung von Schulen vermacht hat. Bekanntlich wurde um dieses Legat ein langer Streit geführt, da anfangs auch die Regierung nicht daran zu zweifeln wagte, daß dieses Geld nach der Absicht des Verstorbenen zur Förderung der jüdischen Erziehung im Lande bestimmt war, denn aus welchem andern Grunde hätte dieser Jude gerade der palitstincnslschcn Regierung so einen hohen Betrag hinterlassen; offenbar schwebte ihm etwas vom ״Judenstaat" vor, und er wählte daher die Regierung als Adresse, Aber nachdem »Chon die Regierung der Uebcrgahe an die Juden so gut wie zugestimmt hatte, traten die Formalisten auf den Plan und machten geltend, daß nach dem Wortlaut des Testamentes die ganze Bevölkerung des Landes den Genuß der Stiftung haben müsse. Nun hat sich das Geld von einer Unterstützung des jüdischen Schulwesens In eine gefährliche Waffe gegen die üdlsclte Erziehung verwandelt. Denn wer die jüdische Psyc lologle kennt, wird wohl nicht daran zweifeln, daß eine große Zahl von Juden ihre Kinder lieber in diese engfische Schule schicken wird als In die hebräische. Eine der größten, vielleicht die größte positive Errungenschaft unserer Arbeit im Lande, die unangefochtene Herrschaft der hc* bräischen Sprache im Erzichmigswesen, ist in Gefahr. Schon werden in Palästina selbst Stimmen heftigen Unwillens laut, und wir sehen mit Bedauern zu alt unsern anderen Schwierig- Weiten und Streitigkeiten noch die Gefahr eines Schulkampfet hcraufriehen, der uns in Unfrieden und Verwicklungen gerade ln einer Zelt stürzen würde, wo wir nichts dringender benötigen als Zusammenfassung aller Kräfte gegen äußere Gegner. Nicht umsonst wird ln der palästinensischen Presse auf den Präzedenzfall des ״Hilfsvereins der deutschen Juden" hlnge\vi(;scn. Wir wissen, was da» bedeutet. Die Regierung, die dem hebräischen Schuhvcrk nicht einmal den ihm gebülucudcn prozentualen Anteil am palästinensischen Erziehung»• budget zukommen läßt, hätte sich überlegen sollen, bevor sie diesen neuen Schlag führt. Für das Judentum gibt et nur einen Ausweg: der geistige Konkurrenzkampf muß aufgenommen werden, die hebräischen Schulen müssen besser sein als das englische Gymnasium, und das Judentum der Diaspora darf das um seine Existenz ringende Schulwerk nicht int Stiche lassen. Wir können nicht mit Qcwaltmitteln gegen die neue Schule kämpfen, sondern nur durch Vcrbesserung unserer eigenen Arbeit. R, Ws Jadenanswcisungen In Litauen Kowno (JTA.), In den letzten Monaten hat das togeti. Bürgcrschutz-Dcpartcment beim Innenministerium eine ganze Reihe Ausweisungen jüdischer Ausländer, darunter solcher aus dem von Litauen beanspruchten Oebiet von Wilna, verfügt. Ke jüdische Sejm-Fraktion hat eine genaue Untersuchung cingcleltct und festgestellf, daß der größte Teil der Ausweisungen auf Grund falscher Angaben der lokalen Behörden erfolgt ist. Nachdem diese Ausweisungen in der letzten Zeit systematisch vor sich gingen, wandte sich die jüdische Sejm-Fraktion mit einem ausführlichen Memorandum an den Innenminister Schalkaauskai, der darüber auch mit dem Vertreter der jüdischen Sejm-Fraktlon Dr. Bauarbeit, und als die Straßenbauten beendet sic sich dem H.iuscrbau zu. Die einzelnen Genossenschaften | Sejm-Fraktion engestctltcn Erhebungen waren *0 überzeugend, waren, wandten J, Robinson mündlich verhandelt hat. Die von der jüdischen I .Cf»Sm.Prn!?ft׳An nt1r»f»e4r־fw Ppkatvtncran .''.' a.,״,״,,״» wurden vereinigt und das Amt für öffentliche Arbeiten und Bauwesen der Im Dezember 1920 gegründeten Allgemeinen Arbeiterorganisation (Hlstadruth kiatith) unterstellt. In zäher und rastloser Arbeit gelang et den Leitern dieses Amte», daß da* Bürgerschutz-Dcpartcmcnt die Ausweisungen aller jener im Memorandum anifgetähUcn Personen zurückgezogen und die betreffenden Kreischet* telegrafisch darüber lnformien hat, ,