Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXIX (1924)
- Issue
- Heft 4 (15.1.1924)
- Date
- 1924-01-15
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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D i e rt I * g und F r U g nachmittag 4Uhr. Telephon: Pf aUhurß 609711.6698. Postscheckkonto: Berlin Nr. 17392. Für Oesterreich: PosUnarkassennmt Wien, Konto Nr. 156030. Für Tschechoslowakei: PosUparknssenamt Prag, Konto Nr.59410. — Redaktionsschloß Sonntag und Mittwoch nachmittag. — 7 *״׳•*.*»4.7223. 7.....-»«., ״S Dar Zionismus erstrebt für das Jüdische Volk die Sets ט׳ שבט׳ תרס״ד!! xxix. ja1.rff. ung einer ^ffonlSich יי rechtlich {gesicherten Heimstätte In PalÜstSRa. ״Baseler Programm.*• Aus New York kommen Mitteilungen, daß Dr. Weizmann, der seit seiner Ankunft in den Vereinigten Staaten bisher damit beschäftigt war, die Organisierung des amerikanischen Zweiges der Jewish Agency in New York und Philadelphia vorzubereiten, sielt auf eine Reise in die wichtigsten Städte des mittleren Westens begeben hat. Er ist von den Keren Hajcssod-Komitecs dieser Städte (hauptsächlich Chicago, Detroit, Cleveland, Cincinnati und St. Louis), wo die größten Vorbcrcitungen für seinen Empfang und die Keren Hajessod- Kampagne getroffen wurden, um seinen Besuch dringend gebeten worden. Dr. Wcizmnnn hat aucli an der Konvention der kanadischen Zionisten in Toronto am 6. Jamur teilgenommen. Aus einer Reihe von Erklärungen, die Weizmann bei verschiedenen Gelegenheiten abgegeben hat, gewinnt man den Eindruck, daß bei den Verhandlungen, welche die Jewish. Agency betreffen, ein bedeutender Fortschritt zu verzeichnen ist. In zionistischen Kreisen herrscht ein Gefühl der Erwartung, nach dem die Bewegung am Vorabend einer Entwicklung von höchster Wichtigkeit stelle. Dr. Weizmann hatte früher eine Reise nach Philadelphia unternommen, wo er mit den führenden Persönlichkeiten der dortigen Judenschaft Beratungen über die Jewish Agency gepflogen hat. Es gelicn Gerüchte darüber, daß eine bedeutsame Konferenz in Kürze cinbcrufen wird, bei der die führenden jüdischen Persönlichkeiten Amerikas anwesend sein werden, und in weicher die Pläne für ein großes Finanzinstitut erwogen und die ersten formellen Sciiritte zur Organisierung des amerikanischen Zweiges der Jewish Agency unternommen werden sollen. Die allgemeine Ueberzetigung ist, daß, falls Dr. Weizmann bei seiner Hauptmission, die Vertreter der amerikanischen Judenheit durch die Agency für die Paiiistinanrbeit zu gewinnen, Erfolg hat, alle Institutionen der Bewegung und bcsonders der Keren Hajessod erhöhte Unterstützung erhalten werden. Berichte über die Keren Hajessod- Kampagne Im mittleren Westen lassen die führenden Männer des amerikanischen Keren Hajessod einen neuen Rekord an Erfolgen in diesen Städten erwarten. Nicht nur die bisherigen Mitarbeiter in den früheren Jahren beteiligen sich, sondern es sind auch neue Kräfte ge- Wonnen worden. Weitere Nachrichten aus New York besagen, daß Dr. Weizmann von Dr. Nathan Rntnoff, dem Vorsitzenden des Komitees der amerikanischen jüdischCn Aerzte, der Restbetrag von 25 000 Dollar übergeben wurde, der zur Errichtung des Gebäudes der medizinischen Fakultät der hebräischen Universität in Jerusalem nocli notwendig war. Das Aerztekomitec ist jetzt dabei, Stiftungen für 250 Betten in Amerika zu sammeln. Eine medizinische Bibliothek von 10 000 Bänden ist bereits gestiftet worden. Soweit unsere Informationen, die einen hoffnungsvollen Ausblick hinsichtlich des Erfolges von Weizmanns dritter Reise nach Amerika gestatten. Im Zusammen■ hang mit diesen Nachrichten ist eine Kontroverse von Interesse, die in der letzten Nummer des Londoner ״Jewish Chnonicle" über die Leistungen der amerikanischen Juden geführt wird. ״Jewish Chroniclc" hatte am 14. Dezember den amerikanischen Juden vorgeworfen, daß sie das neue Einwanderungsgesetz, das nun in den letzten Tagen auch wirklich in Kraft getreten ist und für die jüdische Immigration durch die Einführung einer Norm von 2°/0 auf Grundlage der jüdischen Bevölkerungszahl Amerikas im Jahre 1890 eine schwere Bedrohung darstellt, nicht verhindert hätten. Ein Ameri■ kaner antwortet nun dem ״Jewish Chroniclc", daß die Juden nur 3 °/0 der Bevölkerung der Vereinigten Staaten ausmachen und daß sie nur einen legitimen Einfluß ausüben, aber nicht die Gesetzgebung kontrollieren können. ״Jewish Chroniclc" erwidert darauf nicht mit Unrecht, daß 25 °/0 der New Yorker Bevölkerung aus Juden bestehen und daß auch in andern Städten ihr prozentualer Anteil bedeutend höher ist als der Prozentsatz, mit dem sic an der Bevölkerung im ganzen beteiligt sind. Was die Leistungen der amerikanischen Juden anlangt, so müssen die glänzenden wirtschaftlichen Bedingungen, unter denen die amerikanischen Juden leben, berücksichtigt werden. Trotzdem gibt auch ״Jewish Chroniclc" zu, daß, was die Zahlen der für Palästina gesammelten Gelder betrifft, die englische Judenheit eine miserable Stelle einnimmt. ״Jewish Chroniclc“ hatte ferner Weizmann bei Besprechung seiner ersten Rede in Amerika vorgeworfen, daß er die nationalen Grundlagen *der zionistischen Bewegung vergessen habe und seine Propaganda nur auf den Gedanken der Wohltätigkeit aufbaue. Man braucht gegenüber dieser Behauptung nur auf alle Reden, die Weizmann bisher in Amerika gehalten hat und von der wir eine in der vorigen Nummer der ״Jtid, Rundschau“ wörtlich wiedergaben, verweisen, um die völlige Haltlosigkeit dieser TFj*» ## JA «u-ä. i P!,r 1•* ikJk Vb׳ 1 fl# 0* <ץיי״י j | *~1 י ף C■■ J* i־i Jt4 U ^4**# «*״^ 4%** Ä . £ ץ־יי, :<QP ,Times״ über den Besuch König Husseins in Amman Die ״Times" vom 11. Januar enthalten einen Berieht iiires Jerusalemer Korrespondenten vom 9. Januar über den Besuch König Husseins in Amman, wo dieser am 12. Januar eintreffen sollte, ln ihrem Leitartikel schreiben nun die ״Times" unter dem Titel: ״Die Araber und das Kalifat": ״Unser Jerusalemer Korre.spöiideni sendet uns heute eine wiciitigc Neuigkeit. König Hussein von Hcdjas ist auf dem Wege tot! Amman nach Transjordanien, um seinem Sohn, dein Emir Abuull.ili, einen Besuch abzustatten. Es ist kein Grund vorhanden, warum König Hussein seinen Sohn nicht besuchen sollte, der einer der Herrscher der neuen arabischen Staaten ist, und direkte Besprechungen zwischen Mekka und Amman mögen manche Vorteile haben. Es sollte daran erinnert werden, daß äugen• Wirklich ein nützliches und wichtiges Werk in der Kon• ferenz von Koweit durch die Festlegung der offenen Grenzen der arabischen Staaten getan wird. Bei dieser Konferenz sind Irak, Transjordanien und das Sultanat Ibn S’audns von Ncjd vertreten. Daß das Zusammen• treffen zwischen König Hussein und dem Emir Ab• dullali die Billigung und Sympathie Großbritanniens gefuiulen hat, zeigt die Tatsache, daß Sir Herbert Samuel und Sir Gilbert Clayton in Aminan während des Besuches anwesend sein sollen. Aber in diesem Augenblick, da König Hussein auf dem Wege von Akkaba zu seinem Sohn ist, ist nach der Mitteilung unseres Jerusalemer Korrespondenten eine Komplikation entstanden. Die amtliche Zeitung von Transjordanien hat einen Artikel veröffentlicht, in dem die Einwohner und Besucher aufgefordert werden, König Hussein •als Kalifen des arabischen Islams auszurufen. Ob dies nun eine ernsthafte Absicht der transjordanischei» Regierung anzeigt oder nicht, so muß doch eine Sache ohne jedes Zugcr.1 ausgesprochen werden: Wenn irgendein Versuch gemacht wird, den König von Hcdjas während seines Besuches in Amman zum Kalifen zu proklamieren, dann kann Großbritannien an solchen Verhandlungen keinen Anteil haben, und es entsteht die Frage, ob unter solchen Umständen die britischen Vertreter ihre Absicht, von Jerusalem nach Amman zu reisen, ausführen sollen. Wir haben nichts mit dem Kalifat zu tun — weder in Konstantinopel, in Arabien noch irgendwo anders — und die Ziele rivalisierender Kandidaten sind zur Gänze die Angelegenheit der Moslems und können keinen falls unsere Beziehungen zu den mohammedanischen Völkern belasten. Es zeigt zumindcs* einen großen Mangel an Takt, von der Seite, die dafür verantwortlich ist, daß die außerordentliche Gelegenheit einer praktischen Zusammenarbeit zwischen den neuen arabischen Staaten verloren geht, wenn die unerwünschte und störende Frage des Kalifats jetzt aufgeworfen wird. Man kann fast glauben, ״dies hat ein Feind getan“. Wir hoffen, daß König Hussein die erste Gelegenheit benützen wird, um im Interesse des Friedens und des Gedeihens der arabischen Völker die Aufdringlichkeit der Leute in Amman, die ihm einen solchen schlimmen Dienst erwiesen haben, zurückzuweisen.“ Reise Colonel Klschs nach Amman Zur Begrüßung König Husseins. Jerusalem (J. T. A.). Golond Kisch begibt sich alt Rcpräscn an. der pa ästinens srtwionis.isciicn Exekutive wahr, schein.icli nach Amman, uni den dort bei seinem Sohn Emir Abdullah wei enden König Hussein von Hcdjas zu begrüßen. Arabische Gereichte Ober den Nachfolger Herbert Samnels Jerusalem (J. T. A,). Der Sonderberichterstatter des ״Alii-Ba ‘ sclueibt aus Nablus: ״Bei den vor kurzem abgehaltencn Bc prcchuiigcii der Regien» lgskrcise im Zusammenhang mit dem möglichen Rücktritt des Obcrkoinmissara war auch davon die Rede, daß der Obersekretär Sir ,Gilbert Clayton oder Mr. Ormsby Gore für den Posten des Oberkommissars für Palästina in Betracht kämen, Kehv RGcktriü Btibcii Samuels Der politische Repräsentant der zionistischen Palästina- Exekutive, Colonel Kisch, hat von Sir Herbert Samuel die ausdrückliche Versicherung erhalten, daß er keineswegs die Absicht habe, von seinem Posten als High Commissioncr von Palästina zurückzutreten. Behauptung zu erkennen. Allerdings ist cs richtig, daß Weizmann auch den Gesichtspunkt hervorgehoben hat, daß es notwendig sei, jetzt eine neue Zufluchtsstätte für die Emigranten zu schaffen, nachdem der exzessive Antisemitismus heute schon bis zum Ritein reicht und das wichtigste Land der jüdischen Einwanderung seine Tore verschließt. Man mag dies Wohltätigkeit nennen, wenn man will. Dann war aber auch die Herzische Konzeption des Zionismus, die von der Judennot ansging, Wohltätigkeit. Und diejenigen Zionisten, die, mit Zangwill an der Spitze und den ״Jewish Chnonicle“ eingeschlossen, seit den Tagen des Streites zwischen praktischen und politischen Zionisten, nur von einer fixen Idee beherrscht sind, die sich in dem Ruf ״Zurück zu Herzl!" ausdrücken läßt, sollten höchste Genugtuung darüber empfinden, daß ein Anhänger der Achad Haamschen Leiire, wie es angeblich Weizmann trotz seines Bekenntnisses zur Synthese ist, jetzt wieder zu diesem originalen Zionismus heimgefundeu habe. Aber was soll dieser ganze antiquierte Streit um Worte, Terminologien und ״Philosophien". Tatsache ist, daß die jetzt erfolgte Beschränkung der Einwanderung nach Amerika den zionistischen Bemühungen, die bisher sehr schmale Basis der Palästina-Kolonisation zu erweitern, ein besonders eindrucksvolles Relief verleiht. Es hat mit Philanthropie sehr wenig zu tun, sondern ist ein Ausfluß der nationalen Betrachtungsweise der Judenfrage, wenn Weizmann hervorhebt, daß Palästina nicht bloß aus Gründen eines geistigen Nationalismus, sondern auch infolge eines sozialen und ökonomischen Zwanges heute in den Mittelpunkt der Anstrengungen des ganzen Volkes gestellt werden muß. Und es ist klar, daß diese Argumentation gerade in Amerika besonders wirksam sein muß. Vielleicht liegt hier der Schlüssel, um die erhöhte Bereitwilligkeit auch des nichtzionistischcn Teiles der amerikanischen Juden, am Palästinaaufbau mitzuwirken, zu verstehen. In einem Zeitpunkt, wo das Hiifswcrk der amerikanischen Juden in Europa abgebaut werden kann und gleichzeitig die amerikanischen Juden Zusehen müssen, wie den Einwanderern aus dem Osten die Tore der Vereinigten Staaten verschlossen werden, muß auch in den nichtzionistischen Juden ein erhöhtes Gefühl der Verantwortung für den Palästinaaufbau, erwachen, an den mit größeren Kräften tcilzunehmen jetzt nicht nur leichter möglich, sondern auch in höherem Grade erforderlich ist. So ist die psychologische Si* tuntion, in der Weizmann das amerikanische Judentum antrifft, eine für uns günstige. Ein anderes kommt noch hinzu. Es ist dies die erschreckende Ausdehnung des Antisemitismus in Amerika. Nicht nur der gesellschaftliche Antisemitismus, der ja auch in Amerika schon vor dein Kriege sehr stark war, ist außerordentlich gewachsen, sondern, was besonders bedenklich stimmen muß, der Antisemitismus beginnt im Lande der traditionellen religiösen und nationalcn Frciiieit teilweise bereits einen gewalttätigen Charaktcr anzunchmcn. Unter dem Einfluß des Kriegsnationaiisinus hat das Prinzip des hundertprozentigen Amcrikanertums überall Eingang gefunden und Amerika ist heute vielleicht noch chauvinistischer als manches der europäischen Länder. Die dominierende Steilung Amerikas in der Weltpolitik trägt ebenfalls zu diesem Chauvinismm bei. Eine der bekanntesten und extremsten Formen dieses hundertprozentigen Amcrikanertums ist bekannt* lieh der Ku-Klux-Klan. ״New Palcstinc" bringt nun an leitender Stelle in der letzten uns zugekomtnenen Nummer, unter dem Titel ״Wenn die Masken fallen“ folgende für Amerika geradezu sensationelle Nachrichten: Die Berichte, die aus der Provinz, insbesondere au» dem Süden und mittleren Westen, über die Fortschritte des Ku-Klux-Klan kommen, sind, gelinde ausgedrückt, entmutigend. Sie erwecken in uns das Gefühl, daß wir hier in Amerika richtig einen kleinen Ausschnitt aus dem alten Rußland haben. 111 •der letzten Woche wurde unseren zionistischen Rednern in Ohio von Monster-Paraden bcrichtet, von der beunruhigenden Politik des Klan, von dem Geheimnis und der Unsicherheit, weiche die Personen der Männer unter den weißen Hüllen umgeben. Aber interessantcr als alle diese Dinge sind die einzelnen Tatsachen aus dem Leben, die den Terror beweisen, der organisiert wird. In einer Stadt, die sich des Sitzes eines Klan-H21!pf- * mauns rühmt, gibt cs einen jüdischen Arzt, der dort bereit» mehr als dreißig Jahre wohnt. Er hat es zustande gebracht, sich von allen indischen Dingen ztirüek/.uziehcn.^ Er ist in!(Wischen Kreisen wenig bekannt, aber gehört allen lokalen Klubs an, er lebt außerhalb der Grenzen des!11• dischcn Lebens und war in allen praktischen 1 ragen cm Go! mit den Oojim. Als die Klan mit ihren Masken kamen, fiel die seine. Er behandelte in einer Anzahl nichtjüdischcr Familien, Patrizier, Aristokraten, die dein Juden höflich zu verstehen gaben, daß er nicht länger ihr Hausarzt sein könne. Natürlich beginnt er nun den jüdischen Häusern näherzuriieken, von denen er■ sich früher zurückgezogen hatte. In einer anderen Stadt lebte ein jüdischer Kaut- * mann, dessen Firma mehr als fünfundzwanzig Jahre alt war und der am Aufbau des Gemeinwesens regen Anteil genommen hatte. Sein Laden war im Zentrum de» Oe- 6 »chäftslcbcns. Er war an der Landwirtschaft ebenso inter-