Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXIX (1924)
- Issue
- Heft 3 (11.1.1924)
- Date
- 1924-01-11
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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'Seite 25 JUEDISCHE RUNDSCHAU Nr. 3 Bllliögraplile Büdtcr zur englischen Kolonialpolitik Veit Valentin» Kolomalgosdiichtc tlcr Neuzeit, Ein Abriß. .Tübingen. Verlaß J. L. B. Mohr 1015. 220 S. Das Buch bringt eine Ucbcrsiclit über die Kolonisation der modernen Kulturvölker. Valentin unterscheidet als Epochen dieser Kolonisation: die spanisch-portugiesische, die holl;in* disclie (151)8—1070), die französisch-englische (1070—1783), die britische (1783 1 87(1) und die ״plnnctarischc“ (seit 1870). Das Buch ist lesenswert; doch ist seine Griimkinstellung eine einseitige. Für Valentin ist Kolonisation nichts anderes als der MachtausJurck des reifgewordenen modernen Staates“. Diese politisch-imperialistische Anschauung vereinfacht die Dinge stoch Rar zu sehr, die wirtschaftlichen Motive der Kolonisation, die allerdings nicht so klar zu erkennen sind wie die politischen, werden gar nicht berücksichtigt. t. Gerber, Englische Geschichte. Sammlung. Göschen. Zweite Auflage. 19R En.hält fast ausschließlich eine chronologische Aneinander• Tcihung der geschichtliche» Tatsachen ohne Berücksichtigung eines höheren Gesichtspunktes, Die Kolonialgcschichte, die für Englands Entwicklung so bedeutsam geworden ist, wird kaum erwähnt. Das Buch hat Wert nur für einen Leser, der einen ersten oberflächlichen Ueberblick über die englische Geschichte erhalten will.!W. E. Hartpolc Lecky, Das britische Kolonialreich. Stilkc 1906, 31 S, Das Heftchen gibt den vor einem erlesenen englischen Publikum gehaltenen, in den ״Preußischen Jahrbüchern“ abgedruckten Vortrag eines bekannten englischen Politikers und Hislorikers wieder. Interessant ist der Vortrag deshalb, weil aus ihm derselbe-imperialistische Nationalismus spricht, den wir vom Kontinent her kennen. Der nationale Gedanke Lcckvs beruht auf dem Glauben an die Missionsbcstimmiin״ Englands zur Kolonialherrschaft und auf dem Glauben an die Ewigkeit — zwar nicht des politischen Reichs, wohl aber der Machtstellung der englischen Sprache und der nngel• sächsischen Rasse, Hermann Schilling, Englands Werdegang, Möschkc, Leipzig. 12׳ S. Dies Büchlein interessiert nur als Typ, nicht als Einzel• Icistung, Als Typ der deutschen ״politischen“ Kricgslitoratur. (Völlige Vcrs'.iiiulnäslosigkcit für die Größe der englischen Gcschichte. Blinder Haft macht aus dem Kriegsgegner einen Kleinkinderschrcck, Karl Arno, Der religiöse britische Imperialismus. Oschnau• Bochum. 1919. 80 S. In dem Büchlein wird gezeigt, wie England seine politischen Bestrebungen seit vielen Jahrhunderten!religiös be* gründet und wie die Religion in einer eigenartigen Weise auf die politische Phraseologie einwirkt. Den Zionismus er• wähnt der Verfasser im Zusammenhänge damit, dafl große Teile des englischen Volkes eine Auffassung von der Missions* besummung des englischen Volkes analog der des Jüdischen!Volkes haben. Im übrigen zeigt der Autor eine belustigende Unkenntnis des Zionismus. Er setzt die Zionistische Organ!• sation mit der Ito gleich und läßt sich aus Konstantinopcl von der Bildung der ersten zionistischen Regierung unter Israel Zangwill berichten. Interessant ist Sie Schrift deshalb, weil sic zeigt, daß im Gegensatz zu Deutschland, das im Grunde trotz allen Kirdrcntums ein glaubensloses Land ge• worden ist, in England die Religion vielleicht nicht das Leben, wohl aber die Ideologie in starker Weise beeinflußt. Ich glaube nicht daran, daß die Begünstigung des Zionismus durch England auf außcrpo'.idsrire Motive zurückzuführen ist. Wohl aber ist es sicher, daß diese Begünstigung durch die religiöse Einstellung des englisdrcn Volkes sehr erleichtert worden ist. 'Jean Hcidcrich» Das Wachstum Englands, Wirtschaft«• geschichtliche Skizze. 1901, 66 S. Wirfschaftsgcschichtlichc Darstellungen des Gcschiditsiablaufs ist leider auf allen Gebieten der Geschichte noch eine Seltenheit. Für die englische Geschichte wäre eine solche' Darstellung von besonderem Reiz. Der Versuch Heidcrichs ist leider audi als Skizze mißglückt. Unklare Disposition des Stoffes, Hincinbcztehung von Einzelheiten, die nicht zur Sache gehören, Anhäufung von Banalitäten, sehlcditer Stil diese Fehler nehmen der Schrift jeden Wert 1Alfred Ziinmcrmann, Die Kolonialpolitik Großbritanniens. 2 Bände. Berlin. Verlag Mittler (v Sohn. 1S99, Eine Darstellung der euglisdien Kolonialpolitik, bei der jede Phase der Entwicklung eines jeden englischen Kolonialgcbictes besprochen wird. Das Buch ist das Hauptwerk über englisdie Kolonialpolitik in deutscher Sprache. Wenn der Ver* fasstr es auch vermeidet, die großen Gesichtspunkte der englischen Kolonialpolitik hcrvorzulicben, so ergibt sich dodr aus der ausführlich und im allgemeinen interessant ge• fccliri ebenen Beschreibung der Entwicklung der einzelnen englischen Kolonien ein Gesamtbild der Kolonialpolitik Großbriinnniens. Wer Muße und Interesse hat, möge die zwei redit umfangreichen Bünde lesen, Felix Salonvon, Die Grundzüge der auswärtigen Politik Eng• lands vom 16. Jahrhundert bis zur Gegenwart. Carl Hey• manns Verlag. Berlin. 1910. 71 S. Eine redü instruktive Schrift, die -- völlig undogmatisch ■ sich auf die Darstellung der auswärtigen Politik heischr.inkt, ohne ihre Abhängigkeit von der inneren Politik lund der Wirtschaft aufzuzeigen, Salomon leitet die Wandllunge» der englischen Politik von dem Bestreben her, mit |lt1öglichst geringem Einsatz von Gut und Blut die Sicherheit Ides Reiches zu verbringen; ein eigentliches Machtbcwußtscin Ivermißt Salomon in der englischen Politik.!Felix Salomon, Das Problem der Organisation des britischten Weltreichs, Malle a. S. Verlag Max Niemever 19:11. 18 S. Ein kurzer guter Ueberblick über die Bestrebungen im Muttcrlande und in den Kolonien während der letzten Jahrzehnte, das organisatorische Verhältnis Englands zu seinen Kolonien zu ändern. Salomon hebt besonders den ״Nationalismus", d, b. Separatismus der vorgeschrittenen Kolonien '(Kanada, Australien, Südafrika) hervor, an dem bisher die :vom Muttcrlande ausgehenden Versuche einer engeren Zusanimcnfassung des ganzen Imperiums gescheitert sind. Lebensfragen des britischen Weltreichs. Hcrnusgcpebcn vom Burat für Auslandsstudien an der Universität Berlin. Berlin, Mittler h Sohn, 1921. 2)9 S. Diese1• Huch bedarf einer genaueren Besprechung. Es will einen Ueberblick über die politischen 1 L1|fptproble1nc {׳eben, die die englische Weltmacht heute zu lösen hat. Dieser Aufgabe kommt das Buch in hervorragender Weise nach. Einleitung und Ueberblick gibt ein nrächttg geschriebener Artikel des bekannten Historikers Erich Marks über Eilt• Wicklung und Hauptziele der britischen Politik. , Er betont, ohne doktrinär zu werden, die Einheitlichkeit der englischen auswärtigen Politik seit 1500. In dieser Zeit war nach Marks die englische Politik darauf gerichtet, nacheinander den jeweih gefährlichsten Nebenbuhler zur See nieder/uringcn. Voranzeige. Grurroo Ost dar Berlin«־ Zionistischen V«rHnl«urta. Mittwoch, ih n li. l׳Y1br., im LoUwnmroin«htuu«, AlMsmlcrstr. ־ JilcllsciiQr Kt1nstr.kcnc9 unter Leitung von OroSbart. N/thorp« Programm wird noch hok*nntgtg«l>*n« VorbefstoHnnKonanf PläUo In der H. Z. V.,80y»ta1«lr fl. Moiltur '22S3/5M, EUiuiUsjtreUo; Mk. 2.-6 ,־. Hk—, 15,— und 20.־—. können, läßt er dahingestellt. Mir scheint es, daß wir gut tun, ihm in dieser vorsichtigen Beurteilung zu folgen und uns weder denen anvcrlraiicii, denen die englische Macht als ewig un• crschiit(crliclt erscheint, noch denen, die, wie unsere pan* asiatischen Phantasten, den Zusammenbruch des englischen Kolonialreichs und den Aufstieg des Asiatcntums für un* mittelbar bevorstehend hallen. Das Buch bringt schließlich noch Artikel über das Ver* hfiltnis Englands zu lr'aml (Julius Pokorny), Indien (Helmuth v. Glnsenapp) und zu den britischen ״Dominien" Kanada, Südafrika, Australien (Hans Herrmami, Theodor Seilz, Alfred Manes). Ihre Tendenz geht übereinstimmend dabin, eine ge* wisst: Gefährdung der englischen Machtstellung in der Zu* kuutt entweder durch den immer stärker werdenden Natio* naüsmus der Eingeborenen wie in Indien oder durch das Streben nach vöt.igcr Selbständigkeit in den Dominien* zu konstatieren, aber doch die Unsicherheit, ob nicht durch die ges.hicktc englische Politik diesen Gefahren begegnet werden könnte, zuzugestehen, S. S. Die vorstehende‘ dankenswerte Darstellung wichtiger LI* teratur fn deutscher Sprache zur Geschichte und Politik Eng. lands sei nachstehend durch einige weitere Werke ergänzt! (Spanien, Holland, Frankreich.) Er erklärt die pazifistischliberalen Periode von 1815—1880 aus der Tatsache, daß in dieser Zeit England keinen gefährlichen Gegner zur See hatte, die Wendung zum Imperial.snius seit 1880 aus der Tatsache der Entstehung neuer Nationalstaaten (Deutschland, Italien, in gewissem S nnc auch der Vcrcitiiglcn Staaten), insbesondere aber aus dem Stechen der fcstländls.hen Staaten nach Erwerb von Koloniaibesi.zungen. Ob Marks die Beteiligung des eng• lischen Imperialismus an der. Entstehung des Weltkrieges, die er sehr hoch ciiisdüitzt, richtig bewertet, erscheint mir zweifelhaft; dar,Iber wird aber erst eine unserer Zeit ferner• stehende Geschichtsschreibung entscheiden können. Eine interessante Abhandlung ist der Arükel von Friedrich Brie über den englischen Natioualcharakter. Brie unter scheidet zwei ihren Charakter nach verschiedene Schichten im englischen Volke: auf der einen Seite die höheren laudbesitzenden Kreise sowie die untersten Volksschichten, auf der anderen Seile die übrigen Volkskrcise, insbesondere den Mittelstand, der dem geistig-polit sehen Leben des Volkes den Stempel aufdrückt. In der ersten Schicht hat sich noch der ursprüngliche Charakter des Engländers ׳erhalten: Aktivitüt, Mut, Zähigkeit, Unternehmungslust, Freude an der Unmäßißkcit, kurz das heidnische Element, Der Charakter der anderen Schicht wird durch die bürgerlich-puritanische Revolution des 17. Jahrhunderts erklärt, von der der höhere Landadel und das niedere Volk nur wenig berührt worden sind. Mit dieser Beurteilung des Einflusses des Puritanismus auf den englischen Volkscharaktcr sicht Brie im Einklang mit der Auffassung der meisten Historiker, Ans der Einwirkung des Puri.nnismiis will Brie eine Reihe der hcrvorsichcndsfen Eigenschaften dos englischen Volkscharaktcrs erklären: den Mangel an Gefühl, die politisch-frcihcitlichc Tendenz, die utilitaristische LcbcnsauLassung; die nationale Voreingenommen• heit und die Abneigung gegen das Ausland, den starken Erwerbstrieb, die Unterordnung des einzelnen unter die Kon* vention, den ״cant", den Sinn für die Wirklichkeit und die Tradition, die Abneigung gegen Prinzipien und Systematik. Ob damit der englische Volkscharaktcr richtig gedeutet ist, kann schließlich mir der bcurlcilcn, der gründlich Land und Leute kennen gelernt hat. Ich habe einige Zweifel an der Richtigkeit einzelner Deutungen, Unerklärlich ist z. B״ wie mit nationalem Dünkel, Abneigung gegen das Fremde und Unkenntnis des Auslandes die hervorragend instinktsiclicrc Behandlung fremder Völker durch die Engländer vereinbart sein kann. Der Artikel von Carl *B r i n k m a nn über die britische Arbeiterschaft um! das englische Weltreich hebt den Unterschied zwischen deutschem und englischem Sozialismus hervor; die historischen Gründe dieses Unterschiedes sieht er darin, daß die britische Arbeiterbewegung von Anfang an hauptsächlich wirtschaftlichen Charakter hatte, im Gegensatz zur dcu'schcn, die vorwiegend politischen Charakter trug, Daher hatte der englische Sozialismus von vornherein revisionistisdicn Charakter und die theoretische Gedankenarbeit von Marx mul Engels, die doch lange Jahre In England ihren Wohnsi.z hatten, erfaßte den englischen Arbeiter kaum. Erst sehr spät, 1893, wurde die erste reinpolilisehe Arbeiter• Organisation, die Independent Labour Party, gegründet. All• mählich sind allerdings auch radikalere Tendenzen, insbe* sondere unter der Einwirkung des Weltkrieges, in den englis.hen S. zi.disimis gedrungen. Der Syndikalismus, der Gilden- Sozialismus, hat in den letzten Jahren immer weiteren Boden gewonnen; bezeichnend fiir den englischen Charakter dieser revolutionär-s-:z;nlis',is;‘11rn Tendenzen ist cs, daß sic wieder von wirlsrhaft’ichcn Faktoren, insbesondere von den Gewerkschatten, ansgehen. Ein Urteil darüber, ob das britische Imperium die stets radikaler werdenden Arbeitermassen ein- *»gliedern imstande sein wird, wagt auch Brinkmann nicht abzugehen. in die Probleme, die uns am meisten berühren, führt der Artikel des ehemaligen preußischen Kultusministers C, H. Becker über die Stellung Englands im vorderen Orient. Becker versucht zu zeigen, wie England in seiner Orientpolitik planmäßig vorgegaegen ist, zuerst Frankreich und Aegypten s hachimitt se.zt.', dann mit Rußland sich über Arabien, Mesopotamien und Persien attseimmukrscizte und dann im Weltkrieg Deutschland aus seiner Position in der Türkei verdrängte. Mit Palästina und dem Zionismus he• scli.iftigt sich Becker nur nebenbei. Er sicht in dem Ver■ sprechen eines jüdischen Naiionalliciius nur einen diplomatischen Kunstgriff Englands, um sich die Sympathien der Zionisten zu gewinnen und die britische Herrschaft auch auf der anderen Seite des Suezkanals festzulegen. Becker, der Orientalist, von dem man gern eine Diagnose für die Aussichten der natio׳ nalcn Bewegung der orientalischen Völker und deren Wirkung auf die englische Oricnipoütik gestellt sehen möchte, weicht einer bestimmten Antwort aus. Er weist nur auf die hohe Fähigkeit der englischen Politik hin, die cs stets verstanden habe, nationale und religiöse Ideologien fiir die englische Politik zu verwerten und sicht die Grundlage der Erfolge der englischen Polilik in den englischen Einteilungsprinzipien, die darauf hinnuslicfen, führende polnische lutelllgcuz.cn heran• zn/ichcn. Ob aber diese Fähigkeiten sielt sowohl gegen die inneren demokratischen Tendenzen als auch gegen den Selbstiimligkeitslrieb der orientalischen Völker weiter behaupten Dietrich Schilfer, Kolonialgcschichte, Göschen. Eine kurze Ucbcrsicht der Kolonialpolitik aller europäi* sehen Völker aus der Feder des bekannten Berliner Historiker», W. Langcnbcck, Englands Weltmacht ln ihrer Entwicklung vom 17. Jahrhundert bis auf unsere Tage (Sammlung au» Natur und Gcisteswelt). Teubner. Eine wertvolle Darstellung, die auch die Innere Ent* Wicklung der Kolonialländcr behandelt. Fe'lx Salomon, Englische Geschichte von den Anfängen bi» zur Gegenwart, Korhlcr-Lcipzig. Eittige kleinere Arbeiten desselben Verfassers sind oben zitiert. Das vorl cgcitüc Werk ist wohl die beste englische Geschichte, die zurzeit in deutscher Sprache existiert. Be* sonders wertvoll, schon wegen der eingehenden B.handiung der inneren Entwicklung, besonders mich des Parteilcbcns, (dessen genaue Kenntnis fiir uns sehr wichtig ist). Das letztere Werk ist auch deshalb rühmend hervor* zuheben, weil cs, obwohl nach dem Kriege erschienen, sich einer wissen*, haf ■liehen Objektivität befleißigt, die große Historiker (Eduard Meyers Englandbuch!) vielfach vermissen ließen. Die vorstehende Zusammenstellung macht auf Vollständig* keit keinen Anspruch. Es bedarf auch keiner Hervorhebung, daß cs wich.igcr und wertvoller ist, englische Darstellungen hcranztizichen. 1 Aus der jüdischen Welt Der bisherige Vertreter des amerikanischen Joint Distrf• bttlion Committee für Deutschland, Dr. Werner Senator, verläßt Deutschland und begiot sich nach Palästina. Zu seinem Nachfolger wurde tlcr Generalsekretär des Arbärer-Fürsorge. amts der jüdischen Organina.ioncn Üeulscnlands und derzeitiger Leiter des Keren Itajcssod für Deutschland, Herr Alfred Berger, bestimmt. Der bekannte Wiener Augenarzt, Universititsprotessar Dr. Leopold Königstein, ist am 2. Januar im Alter von 73 Jahren gestorben, Prot, Königstcm war führendes Mitglied der F/i1c־urith־L0gc dir ״Union Österreichischer Juden" und der Befürworter einer jüdischen Einheitsfront, in Oester* reich. Die ungarischen antisemitischen Studcnlcnverbände rieh* toten ein Memorandum an den Unterricht•>mi1:i־.ler, in welchem darüber Beschwerde geführt wird, daß an manchen un* garisehen Universitäten das Gesetz über den Numerus clausus angeblich zugunsten der Juden verletzt würde. Aus dem Memorandum selbst geht aber hervor, daß die Zahl der jüdischen Hörer an der Bmiapester Universität int Schul* jahr 10.0/21 289, im Schuljahr!21/22•׳ schon nur 270 und im Schuljahr 1922/23 nur noch H9 betragen hat. Noch schlimmer steht es damit an den Lhi.vcrsitülcn in der Provinz. Aus dem Memorandum geht ferner hervor, daß an den ungarischen Hochschulen die getauften Juden, ja sogar die christlich-geborene» Sohne ehemals gctauf.cr Juden, dem Status der jüdischen Sauknien zuje/ä.ilt werden, »o daß die im Numerus clatt us-Gcsctz festgesetzten 5 »A» jüdischer Hörer nicht voll erreicht werden. Warschau. (j.T.A.) Die schweren wirtschaftlichen Verhältnisse in Polen, veilumdeu mit großer Arbeits* losigkeit, haben das Lleml unter der jtiJischctt Arbeiter* scliaft auf einen hoben Grad gesteigert. Erschöpfungstod« infolge Hungers sind eine häutige Erscheinung. Allem in Lodz sind in den letzten Tagen drei jüdische Ar* heiter, ein Weber, ein Lastträger und ein Tischler, in* folge Erschöpfung durch Hunger auf der Straße zusammen* gebrochen timt gestorben, Nacli einer 1 lavasmeklung aus New York hat ein jQ• d i s c h e r K a t! t m a 1111 tu Boston 50 (•00 LXrllar für einen Preis gestiftet, der m Europa ausgeschrieben und demjcnlgcn gewährt werden soll, der die beste Möglichkeit austiiulig macht, den Weltfrieden wieder herzu* stellen. An dem Wettbewerb können trilnclinicn Frankreicn, Italien und England. Der Stifter wird auch die Teilnahme Deutschlands zutasscr. unter der Bedingung, daß sich quali* tizierte Preisrichter finden. Der hckatutlc Agronom und Sachverständige für Koloni* sntloimvcscn, Herr Dr, Soskin befindet sich nach einem Aufenthalt in Paiäsüna mit der Durchreise nach London in Paris, Heber seine Methode intensiver Kolonisation teilte er der J. T, A: mit, er beabsichtige, mit seiner Musterko'.oinsicntng mil einem Tciritonii n zu beginnen, aut wc ehern 503 Kolonisten angesiedelt werden können. Die Mitte! mertür hofft er von der jüdische» Odtentnchkeit zu erlangen, tn Palästina, sagte er, findet sein Projekt ungeteilte Zus.immung. Das Zentralbüro der Alliance-Isracüte berichtet, daß die Alliance zurzeit 79 Schulen in 15 verschiedenen Ländern unter* hält. Die größte Anzahl Schuten (21) unterhält sie in der Türkei, Palästina und Marokko nehmen den zweiten Platz ein. In Palästina wird auch die einzige technische Schule in Jerusalem durch die Alliance unterhalten, ebenso die ein* zige. Ackcrbaiisclm'e in Mikvvch-.lisroel. Im ganzen nahmen 35ÜUO Kinder in den Alliance-Schulen Unterricht. Die Wiener ״Hnkoah“-Fnßba!imannschaft spielte am 1. Jamiar gegen einen Meisterschaftsklub in Alexandria, bestehend aus drei Engländern, drei Griechen und fünf Arabern. Der ״Hakoali“ gewann mit 3;). ■ In Begleitung des Sportvereins ״Hakoah'* reisten 100 j(Jdtsche Touristen am 28. Dezember nach Pa äshita mit, unter diesen etwa 70 angesehene Geschäftsleute und Industrielle, die bereit, sind, in Palästina WirtschallsverbintlMngcn an* zuknüpien