Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXIX (1924)
- Issue
- Heft 3 (11.1.1924)
- Date
- 1924-01-11
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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I Seite 16 JU ED ISCHE RUNDSCHAU Nr. 3 S. tcrwamlcU war, den Beweis in der Haml halle, daß der Jude!ihm huldig war ~ er hatte ja selbst mir mit!:.steril, 1/y gearbeitet. Sa kann er seinem IGG.haf.er versichern, man 11 dm 1111( diesem Drcyfits nielils zu tun gehabt, und zugleich Verschweigen, dal! er einen anderen Partner halte denn eine Uniform reilil der anderen die Lp.uiiefts nicht ah, wenn der Träger nicht etwa ein Jude ist. Und die deutsche Botschaft hält in ihren Akten die dokmnent,irische Feststelhmg, daß niemand daselbst von Drcyfuö eiwas wisse, schweif:( aber diplomnlisch zur Sache, weil man nach curopiiKcli-rlii isfliclu r I k'ln r/eu;1111:: priva.im ein!:Ihenuiaim sein kann und doch, dem Reglement entsprechend, schwelg. 11.1 zulasseii, dal! einem Uiisclmkligcn (JuJeu) das Lehen mit grauenhafte Welse zerstört wiid, was ja wohl nach der für Menschen geltenden Ethik ein Schurkenstreich ist, Line gute Kennzeichnung unserer Zeit, die Tatsache, daß nicht die Verbrecher, sondern die anständigen Menschen Verbrechen begehen..., 1; Und dann , tanzen im Reigen all die Vcrraiinllieiten von heute an, in kleinen Lat •nclien, petit faits, die das Profil der /.eit in scharfer grotesker Silhouette /eigen: da sind di: heulen Melauulmi, die in Tschelscliersk (Omv. Ilamei) zu sechs und zwölf Monaten Zwangsarbeit venineilt winden, weil sie trotz Verwarnung fortfuhrcii, geheimen jüdischen Unterricht in jenen Chedariin zu erteilen, d.e den Koniiimnislen ihrer (jegciid als das waiire Bollweik gegen die Assimilation hinreichend veihaßi sind. Da sind die jüdischen Koninutnisten in Charkow, die, weit sie ein KluWoka! brauchen, sich einfach der großen ,,Schul״ daselbst hemu.!Ligen und sie dank Urteils oheisier Instanz nun auch behalten dürfen, 11m daraus Theater und Klub zu machen, und jene amkreu in I.awilsch (Wolhynien), die großmüt'g die beschlagnalimlc große Stadtscliul gegen zwei aiieiiianderstnßende ״Bessmedreseliim" miüausdien, um so zu einem Theaters,aal zu gelangen. Da sind die biederen russischen Dauern, die guten Seelchen Gogols, Tolstois und Dcsiojewskys, eile eben iu Schitomir wegen jener lieben kleinen Pogromdien des Jahres 1020 zur Rechenschaft gezogen werden; in Iwnllz Italien .acht Uaiieiu initci• der I ülnimg des reichsten von ihnen, La/avai, und seiner beiden Söhne 4/ junge Juden ermorde(, Mädchen geschändet, ermordet oder verstümmelt, von den seelischen I oigcii nicht zu reden, wie sie der!.stjüdische Maler Rvhack erst hingst in seinen l’ogromiüldern abreagiert bat; und weil diese guten Rii-ser! in der Zeit, die es beduifie, um vom Verbrechen zum Gericht zu schreiten, inzwischen ehrlicher Aibeit oblagen und keine neuen Mordeheil und Schau• dimgcu begingen, wurde die Tode-strafe, die ihnen /!!erkannt Ward, in fünfjähriges Gefängnis verwandelt, tüufmal .;o schlimm also b'ull als jener schon genannte Me'amed sind jene braven Ik'iucrii'in, über die st! schöne Geselnehlen voller I.infalt 11ml Uloiiole erzählt w irden.,. Und da Pogrom und I’ igroniabwehr zusnmmcngehöivii, und um Rumänien nicht zu kurz kommen zu lassen,• wo.len wir hier gleich jener 2i jüdische» Schützer des Tarbiultgyuiitasimiis zu Klattsenlntrg gedenket), die nebst anderen jungen Juden verhaftet worden sind, weil sie sieh als Selbstschutz organisiert und den Ueherfail einer lieldenbande auf ihr Gymna ׳i;!m ahgewehrt haben. Was wird mail ihnen zudiktieren? Wir erinnern uns sehr wohl der Taten rumänischer Gerichte und hoffen nur, daß «he Zeit, in der mau Rücksicht auf die Meinungen des Westens nahm, noch nicht vorbei ist. Zu guter- oder böserletz.t zwei Gruppen, aus dem Tarl.nus. In Czongrad, Ungarn, wirft ein Erwachender Madjar tu•: Handgranate in einen Tanzsaal, in dem soeben die Paare, die auf einem Woliltütigkdtsfest des jüdischen Fraucnvcrcins zu sein glauben, z.unt Tanz antreten. Christen und Juden müssen aber erkennen, daß sie sieh auf dem Schlachtfeld des Rassciikricgcs befinden, tot, schwer verwundet, Jcieht verwundet — Juden und jiidcngciiossui. Die Tii.cr, natürlich ehemalige Soldaten, Rasscnscliul/bündler, Erwachende Madjaren, werden fcjgcnoimnen; einer von ihnen hat einen B iet hei sich, der zu Iwan liejjas führt, Herr llejjas, vernommen, bcklagt ,ich darüber, daß er, Idealist und Patriot, von solchen Attentätern mißverstanden und kompromittiert werde; man entläßt ihn natürlich, und hält sich an die Täter (Intellcktuellc Anstiftung und das Beispiel zahlloser Morde zählen nicht mit.) Zwei Tote, l'i Schwerverletzte, 10 Lcirhtvenvim- ■«lete, ungenannt viele seelisch Beeinträchtigte, und 15 der Tat wegen Verhaftete sind die bislang letzten Opfer dieses Idealisten. Man hatte mit militärischer Umsicht gearbeitet: die meisten Einladungen an Nichtjuden vorher unterschlagen, die Tür des Saales zu verschließen und endlich im Hotel, .111 dem das Attentat stattfand, Feuer anzulegen versucht, .um die bloß Verwundeten zu töten und Spuren zu verwischen. Man wird dies Czongradc-r Soldatenstückchen im Gedächtnis;behalten, weil hier bis zum Absurden gezeigt wird, wessen «ine verhetzte und verblödete Nachkriegswelt fähig ist, die «len weißen Schrecken gern noch weitere fünf Jahre ausdehnen würde, und die mechanisch weiter tut was ihr in vier Kriegsjahren beigebracht worden ist: auf Befehl Handgranaten zu werten und im Juden den Ursprung alles IJchcls zu sehen. Noch deutlicher aber zeigt die verwüstende Wirkung des Staiilbades die vorderhand letzte Gruppe dieses fürchtcrliehen und grotesken Karuevalszugcs. Zwei junge Juden in der Uniform des wohlbekannten Freikorps Oberland einander gegenüber: Leutnant Fritz. Da er und Feldwebel Samson; im Hintergrund, wie oben llejjas, Herr Dr. Arnold Rüge, Privatdo/eut und rabiater Antisemit ein!Mensch, mit dem sich unserer Ucberzeugung nach der Ncrvcnpathologc eher beschäftigen müßte als der Politiker. Und mm begibt sich nach den Ergebnissen einer Voruntersuchung des Land- Berichtes Ncissc der folgende Vorgang: Leutnant Baer heschuld!,6׳ sich selbst, nach voraitgogangenem Kriegs- oder TchmgericHt unter Mitwirkung eines Lculnants Malwald, den Feldwebel Samson durch zwei Schüsse zu Boden gestreckt zu haben, worauf, nach zwei Fangschüssen Maiwalds, Mann schalten de".. Korps die Leiche des ״Hingerichteten“ an Ort und Stelle vergruben. Dies spielt sich nicht etwa mitten im Kriege ab und nicht etwa in der Nähe edier feindlichen Front, in den Karpathen oder sonstwo, sondern Ende 10,20, in einem Walde bei Ziegenhals, und der Feind, gegen den das Freikorps Oberland stand, waren polnische Banden, die nuf merkwürdigem Wege in jene Gegend gelaugt sein tiüHscst, Aber mn in unserer Darstellung fort.uifaliren: für welches Verbrechen richtete man jenen Feldwebel hin? Er hatte sich eines Tages geweigert, mit der Mannschaft auf dem Kasernenhof ״Griffe zu klopfen“; cs hieß im Geheimen, er verkaufe Nachrichten über ״Oberland“ an die Polen oder die interalliierte Mission in Bcuthcn-O.-Schl. Er war als Jude bekannt, seine Angehörigen wohnten nicht In Deutschland. Möglicherweise war er ein ״kommunistischer Spitzel“, Man untersucht Im geheimen, nachdem man ihn durch ein geschenktes Thealcr blllet aus seiner Wohnung entlernt halle, seine Habsdigkeitcn, man llmlct die Mitgliedskarte eines westfli Liehen Knappschaftsvcrclns; dieser Manu stand a'so zu B •r :arbeiten! in Ik/i/Ium!׳; bedarf es der Beweise noch mehr? l ür jenes l'chmgciichl genügten sie; Samsun starb, und zwar durch die Hand des Juden Baer. Siamtru wir nicht über den Namen des Vorsitzenden dieses Gerichtes, Hmipimaiiu Kessel; es ist nicht jener Hauptmann v. Kessel, der von der Ermordung Rosa Luxemburgs, der Lrselii! l'.img: jem r dreimid.ireiiii,: säuiküoscn Matrosen und vom Ka! p-I’iilseli her in Frimieiimg ist, sondern nur Herr 1 Iaupimaun Kiefer, der sich diesen crlnncruiigsvol'cii Namen belgck'gt hatte, und unter seinem wahren Namen in Hamhing und München bekanntgewerden ist. Seine Beisitzer sind ein Oberleutnant Umgart und Herr Dr.. Ru »c. Nebenbei: nicht ganz leicht und selbstverständlich war cs, die Namen aller Beteiligten dieser ganzen Affäre festzustclien; in diesem patdotischen Freikorps standen sämtliche Mitglieder — so auch Fritz Baer als Leutnant Hcrgcrl — mit falschem Namen in den Listen. Soweit das Vorspiel, Nach der Beseitigung Samsons fällt auch aut Baer der Verdacht, ein Spitzel jüdischer Or• ganisatiuiieii zu sein; im Freikorps macht sich dank Ruges Tätigkeit eine immer stärker antisemitische Stimmung geltend, so daß sdhst Baer zu fürchten begann, man werde ihn als Mitwisser des Moides au Samson (der möglicherweise in Wirklichkeit auch einen anderen Namen trug) beseitigen wollen. Vorläufig beschloß man augenscheinlich, ihn auf die Probe seiner Gesiiiiimigrüiiclttigkcit zu stellen. In einer Sitzung des OLi/ieikorp:. erkannte mau ah dringende Aufgabe der Miiglieder eines republikanischen Selbst- und Grenzschutzes die Beseitigung poli.iscli linksstehender Führer; Baer ward der Auftrag, den damals, Sommer 1021, In Dad Flinsbcrg zur Erholung wei'cndcn Reichstag׳■־abgeordneien Dr, Paul Lcvi (damals Kommunist, jetzt Sozialdemokrat) still zu töten. Baer-Bergeit reist nach Flinsbcrg, kommt Im Verlauf einer Bekanntschaft dazu, zwei Herren von seinem Auftrag zu erzählen, wird von ihnen dazu gebracht, den Auftrag nicht aus/iiiiilireM und fnliri mit ihnen nach Breslau, wo er dem Polizeipräsidenten von seinen Erlebnissen Mitteilung macht. Eines Tages dringen in seine dortige Wohnung sieben seiner iruliereii Kameraden unter Führung eines Oberleulnant* Stenger, man setzt ihn in ein Auto und fährt In der Rieh ung nach üküz, nicht ohne Ikicr milgeteiit zu haben, daß er wegen seines Verrates sterben müsse. Baer war ein toter Mann wie Samson in seinem Grabe, wenn unterwegs nicht eine Panne die Herren gezwungen hatte, ihn Im Zimmer eines ucir.tädler Wirtshauses ciuzusperrcn. Baer ruft um Hilfe; ihn hören zwei Gendarmen; mit der wohlbekannten Tapferkeit von Frei .eiäiihrii inifiielien die acht vor den zwei BewaniicUn, mul so kann Baer unter Polf/cihedccLuiig nach Breslau ztiriic kgebraeht werden. Dort wurde er noch einmal vernommen, dort wurde er einige M male später, als die Angelegenheit den zuständigen Gerichten übergeben wurde, veihaftet und nach NcUse ins Gefängnis überführt, wo er seit Ende•!021 die Eröffnung der Verhandlung erwarlcl; und schon in eiirVcn Monaten wird man einen Prozeß erleben, der dem Psychologen wie dem Darsteller einer N.se!1knn>,s S0/i1>k)1׳jc Aufschlüsse von äußerstem De'ang geben wird; und gerade dein jüdischen. Denn uns, die wir dem Verband na.imia'deutselier Juden keineswegs angeboren, genügt;uf Erklärung für die Tatsache, daß ein jüdischer Handlungsgehilfe und Bciiiner Kammanussohn sich iu eines jener Freikorps bcgibt, ein normaler Patriotismus, seihst ein nationaldcutschcr, keineswegs. Dieser junge Mensch, obwohl Frontsoldat im Kriege, wollte weiter Krieg spielen; offenbar'hatte es ihm daselbst zu gut gefallen. Er ist ein tapferer Junge; tritt als Gemeiner in jenes Freikorps und wird iu Kämpfen mit den Polen, von denen die Deutschen behaupten, die Polen hätten sie veranlaßt, während die Polen das Umgekehrte ebenso behaupten, zum Leutnant befördert uml schließlich mit dem Nachrichtendienst betraut. Soweit sieht sein Verhalten noch verständlich aus. Erst dadurch, daß er, der Jude Baer, den Juden Samson auf Grund der oben angegebenen läppischen Beweise und eines bltiilg-farcen• haften Kriegsgerichts wie eine Sache a!)schießt, wird er uns zum Problem. Wir möchten darauf schwören, daß er!einem ganzen inneren Aufbau nach der antisemitischen Mentalität zum Opfer gefallen ■Ist. Daß er das alberne Gerede von der Feigheit der Juden geglaubt hat. Daß et für seine Person ״beweisen“ wollte, cs seien nicht alle Juden so feig. Daß er geglaubt hat, linksstehende Politiker seien Vaterlandsvmälcr. Daß er überzeugt war, mit Kapp- Putschisten Handcnkricg im Abstimmungsgebiet zu führen, sei eine eminent vaterländische Betätigung für einen Juden. Und daß auch er die Mitgliedskarte des westfälischen Knapp• scliaftsvercins bei einem Juden für ein Dokument gehalten hat, hinreichend, ihm, auf einen von etlichen Offizieren gefällten Urteilsspnich hin, den Tod zu geben. Es mag sein, daß es Juden gibt, — und nach ihrer Partciidcologic müßte es sie sogar geben — die das alles für normale Wirkung eines normalen Patriotismus halten. Für diejenigen, die er• fahren haben, daß der wahre Patriotismus zu allermeist nicht i!1 den Lagen; und 'Parteien zu finden war und ist, die mit deutsclinationalcn Phrasen um sich werfen, für alle, die die politischen Kräfte im deutschen Reiche während des Kriege־, und vorher nach Schein und Wirklichkeit, nach anmaßend lautem Anspruch und wirklicher Leistung abzuschätzen lernten, ist dies nicht das Verhalten eines Patrioten, sondern eine vom Antisemitismus und dem Widerspruch dagegen tief unterkellerte Ucbei reiztheit, Ln eine Linie zu stellen mit jenem unglücklichen jungen Münchener Juden, der sich erschoß, weil er aus einem von ihm begründeten OcscIligkeitsYcrein ״Frohe Garde“ schließlich hinamballollcrt wurde. Nicht ohne tiefes Mitleid sehen wir diese jungen Menschen unter ihrer eigenen Entwurzclthcit erliegen; Märtyrer nennen wir sie nicht. Will man sie aber als solche empfinden, so nicht ohne den grausig-grotesken Delgeschmaek, der diese ganze Nachkriegszeit kenn■ zeichnet, eine Zeit, die in ihrer halb wahnsinnigen, halb skurrilen Zerrissenheit und ihren krassen Gegensätzen von Reichtum und Hungertod, verelendeten Massen und geldmacht• strotzenden Einzelnen, von Rechtsdemagogen und Links• Proletariern, von politischer Unfähigkeit mul anscheinend ausgerodeter Vernunft eines neuen Balzac wartet, der sie, wie jene andere Zeit nach dem großen Krieg, wie die nachnapolconlschc Zeit, auf lange Dauer•!!»! gestaltet. A. Z. loitsclirUle tu der landwirtschaftliche» Kolonisation 1111 Novenilier Der letzlc Zionislciikongrcß halle für die Lind wir! schaltliehe Kolonisation die Summe von 117 000 £ bestimmt. Die Wichtigkeit der landwirtschaftlichen Kolonlsation für unser Aufbauwerk kommt schon darin zum Ausdruck, daß 30 «0 des regulären Palästina-Budget* für die Lmdwirlsch,־!Bliche Kolon'salion bestimmt sind. Aber dieser Betrag Ist nur ein absolutes Minimum. Die landwirischaftliehe Kohmisation-koninil׳ si״n auf dem Kong resse selbst hatte «len Beirag von IM)000 £ als das Minimum für eine ständig fortschreitende Kolonisation bezeichnet. Dieser Minimalbctrag aber kann nur dam! fruchtbringend nusgcmitzt werden, wenn er zu einem großen Teile bereits zu Beginn des wirts c h ג f 111 c h c 11 Jahres vorhanden ist. ln diesem Sinne hat auch der letzte Kongreß folgenden Beschluß gefaßt: ״Zum Zwecke der gedeihlichen Fortführung der land* wirtschaftlichen Sicdltmgsarbcit soll mindestens 30 ״/o des für die Zwecke der landwirtschaftlichen Kolonisation vorgesehenen Budgets nicht später als in den Monaten Oktober um! November bcrcitgcstcllt werden.“ Dies ist in diesem jahrc geschehen. Während der zwei ersten Monate, Oktober und November, wurden für die landwirtschaftliche Kolonisation 16 •190 äg. I'fcl. oder ungefähr 40 ״/o des voigeschciitn Budgets ausgegeben. Ucbcr die Hälfte dieses Betrages konnte nicht bar bezahlt werden, sondern wurde in Wechseln gedeckt. Dennoch aber kann als günstiges Resultat mit (geteilt werden, daß durch diese trühe und rechtzeitige Deckung «les Bedarfes die landwirtschaftliche Kolonisation in diesem Jahrc sich planmäßig wird entwickeln können, •falls die Keren Hajcssod-Eingängc aus allen Ländern groß genug sind, um das volle Minuna biidget weiterhin zu decken. Von den sichen neuen Kolonien, die in diesem Jahre in Angriff genommen wurden, sind im Monat November bereits manche Fortschritte zu bcric...en. Auf der neuen! Siedlung von Tel Adas 5, wo 80 Familien angcsicdelt werden sollen, haben bereits ■13 Familien sich ׳definitiv niedergelassen; von den 30 bis 10־ Familien, die in Chittin, der neuen Misrachi-Siedlung, angcsicdelt werden sollen, haben bereit« 18 ihre Arbeit hegomini, und das gleiche kann von den neuen Kolonien bei K ג in a h, M c r c h a vi a und Kubac I - Nasra h bei Tel Adass berichtet werden. In der ersteren arbeilcn bereits 20 Familien, in der zweiten 25 und in Ruba-ct- Nasrah sind bereits 30 angcsicdelt. In all diesen neuen Siedlungen, wie auch in den Siedlungen, die in den lötztcn zwei Jahren mit Hilfe der Mittel des Keren Hajcssod begründet wurden, schreitet die landwirtschaftliche Arbeit befriedigend weiter. Das Pflügen und Säen wurde überall rechtzeitig beendet und falls der Regen in diesem Jahre nicht zu spät cinsctzt, kann mit einem günstigen Ergebnis für dieses Jahr gerechnet werden. In fast allen Siedlungen wurden in diesem Jahrc mit der Pflanzung von Tabak begonnen und ein spezieller Instruktor bereist die Kolonien, um die Siedler in der besten Methode des Tabakbaues zu unterrichten. Ebenso wird in den Kolonien dieses Jahr versucht, Oclsamen zu züclilcn, Insbcsomlcrc auch Rizinus, der auch auf minder fruchtbarem Boden gut gedeiht. Dahingehende Versuche werden jetzt unter der Leitung qualifizierter ln* struktoren in einer Reihe von Siedlungen durchgeführt. Durch einen Vertrag mit der ״Schcn1en'׳-Oeifabrik in Haifa Ist für den Absatz gesorgt. Neben den bestehenden und neugegründeten Siedlungen wird vor allem auf die Formung landwirtschaftlicher Cha* luzlm gruppen Wert gelegt, die in den Kolonien vorläufig als Lohnarbeiter beschäftigt sind, aber mit der Hilfe von Darlehen, die sic aus den Mitteln des Keren Hajcssod erhalten, befähigt werden sollen, auch auf eigene Rechnung Landwirischaft zu treiben. .Solche Gruppen sind Im November neun gebildet worden, wovon fünf dem M i s ra c h I angeboren. Sic haben außer Darlehen vor allem auch die notwendigen Nutzticrc erhalten, ein Teil «lavon konnte billig in Syriern cingckauft werden. Neben diesem Nutzvieh wurden im November auch 50 Rasscticre unter die Siedlungen verteilt, die von Holland gekommen sind und in guter Verfassung In Palästina nnlanglcn. Fs handelt sich vor allem um junge Stiere, die zur Verbesserung der e.nlidmisthcn Rasse dienen sollen. Zur Hebung der Geflügelzucht wurden unter den Kolonien 30 Brutapparate verteilt, die ans Amerika kamen. Neben diesem Werk in den neuen, ans den Mitteln des Keren Hajcssod unterstützten Siedlungen, deren Zahl jetzt, die sieben neuen cingcschlossen, 42 beträgt, wurden aus den Mitteln des Keren Hajcssod auch an Kolonisten in den älteren Siedlungen Darlehen bis zur Höhe von 2000 £ be• willigt. Neben dieser normalen Landwirtschaftlichen Kolonisalionslätigkeit wäre im Monat November noch zu verzeichnen, daß, mn der Arbeitslosigkeit durch konstruktive Notarbeiten ahzuhclfcn, aus den Mitteln des Keren Hajcssod von dem Budget für Arbeitsbeschaffung die Summe von 1400 £ als ein Darlehen bewilligt wurde. Mit Hilfe dieses Darlehens sollen jüdische Arbeiter als Landarbeiter bei Kolonisten in Petach-Tikwah untergebracht werden, und zwar auf der Basis von Gruppenkonttaktsarbeit, da nur in dicscrxWeise sic mit der billigen arabischen Arbeit konkurrieren können. Das Darlehen von 1400 £ ist bestimmt für die Errichtung: der notwendigen Unterkünfte, für die Ausrüstung und die Haustiere, sowie auch für die Pacht eines Grundstückes in Petach-Tikwah,' auf dem diese Gruppe Tabak pflanzen soll. Auf diese. Weise gelang cs 200 Arbeits* lose aus Jaffa zu produktiver landwirtschaftlicher Arbeit nach Pclach-Tikwah zu überführen, und es ist Hoffnung vorhanden, daß auf diese Weise diese Arbeiter, deren Arbeit bereits begonnen hat, dauernde Beschäftigung finden werden. S»o hat die Landwirtschaftliche Kolonisation In diesem Jahr verheißungsvoll eingesetzt. Sie kann aber nur durchgeführt werden, falls der Keren Hajcssod das volle vom Kongreß bewilligte Budget zur Verfügung stellen kann. Werden die neuen Siedlungen ihr volles Budget erhalten, so besteht die Hoffnung, daß sic bald auf eigene Füße gestellt, Erträgnisse abwerfen I!und die gewährten Vorschüsse werden zurückzahlet! können. Laut Kongrcfibcschluß soll vom Keren Hajcssod ein Koloni- *ationsfonds geschaffen werden, welcher, separat ver* waltet, seine Geschäfte nach wirtschaftlichen Gesichtspunkten eines gemeinnützigen Unternehmens führen soll. Dieser Fonds soll die an die Siedler aus den Mitteln des Keren Hajcssod bis nun gewährten und in Zukunft zu gewährenden Kolonisationsvorschüsse für produktive Ausgaben als auch die von der Exekutive in den bestehenden Siedlungen und Betrieben bereits geschaffenen Sachwerte umfassen. Die auch vom Keren Hajessod nun gewährten Vorschüsse werden an diesen Koloni- 1) r:1