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Jüdische Rundschau · 1924-01-11 · Heft 3 (11.1.1924) · page 3

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXIX (1924)
Issue
Heft 3 (11.1.1924)
Date
1924-01-11
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Nr S TUEDISCHE RUNDSCHAU Seite IT nur in diesem Geiste müssen Sie Ihr Leben betrachten. Zionismus ist nicht mehr 'eine Arbeit für Dilettanten. Er ist keine Arbeit mehr, die man zwischen Mincha und Maariw abtim kann. Er braucht den ganzen Menschen und mehr als einen. Nur wenige von Ihnen vergegenwiirtigcn sicli wohl die ungeheure Konzrntrallon feindlicher Kräfte, jüdischer und niclitjüdisdier, die die Zionistische Organi• sation gern zerstört sehen würden. Und diese Kräfte sind in Jerusalem und außerhalb Jerusalems zu finden. Es ist typisch für uns und für den Stand unserer Angelegcnbeiteii, daß der Jerusalemer Korrespondent des hefligst ant'z'onist'scken Blatics in Eng'and, des ״Daily Express“, Jude ist: Mr. de Haan, der zu der ״Agudas Jisroel“ z:1 gehören behauptet. Es ist typ.sch und svnibolisch für uns. Aber während wir von Feinden, von Feindseligkeiten und Verleumdungen umgeben sind, hören wir zur gleichen Zeit die Schrille der Choluzim. Und sic feuern uns an. Sie sind diejenigen, die die Last auf sich nehmen. Von ihnen müssen wir Mut lernen. Betrachien Sic den Weg, den wir zurückgelegt haben, prüfen Sie unsere heutige Lage und bedenken Sie, daß wir am Anfang stehen. Ein langer, dorniger, Steiler Weg liegt vor uns. Wir werden das Land sehin und es vicllcicnt nicht betreten dürfen; aber die, die Hwch uns kommen, werden es betreten. lelfung ist Leistung Von Dr. Moritz B i 1 e s k i. Die Erledigung des neuesten Konfliktes in der Exekutive darf nicht datauf beschränkt b.eiben, daß die Achtling ge• wisscr Pflichten, die für Mi g'.icdcr unserer leitemlca Körperschaff solbstveiständlidi sein müßte, verlangt und die Störung der wichtigen Aktionen, d.e jetzt ausgeführt werden sollen, veihindcrt wird. Es ist notwendig, dall die Organisation sich anläßlich dieses Falle.. über die unumgäitg.idie Notwendigkeit klar wird, die or:niiisal)1 i.dien Pioltleme so zu behandeln, daß Grundlagen ,für eine dauernde Arbeit gewonnen werden können. Der letzte Kongreß hat d'esc Fähigkeit nicht gehabt, das hat sich besonders deutlich hei der Bildung der Exekutive gezeigt. Der Fehler darf nicht wiederholt, ’für Abhilfe muß rechtzeitig gesorgt werden. Dazu gehört vor allem, daß d.e Unzuäsjigkcit oder Unzweckmäßigkeit der fiir die Wahl der Exekutive äugewandten Methoden erkannt wird. Das Bes.rcbcn des Permancnzausschiisses und in der Folge des Kongresses ist in erster Linie darauf gerichtet, die In.crc&sen der verschiedenen auf dem Kongreß vorhandenen Gruppen durch eine, Beteiiigung an der Exekutive au.tzuglcichcn. Dieses Verfahren ist für die Verhältnisse der Zionistischen Organisation denkbar ungeeignet. Es soll hier nicht auf die Frage eilige״,mgen werden, wie weit die Differenzierung der Kongreßgruppen durch echte Meinungsverschiedenheiten legitimiert ist, die sich notwendig aus einer reinen, zionistisch orlcntier.cn i-rüfung des Weges und des Zieles ergeben hätten. Nur wenn die Teilung der Kongreßgruppen dadurch gerechtfertigt wird, daß ein einheitlich wirksamer Trieb zu wirklich unbefangener Erkenntnis des zionistischen Bedürfnisses doch zu Antworten verschiedener Art fährt, könnte ilirz Zusammen• fassung den Sinn einer wirklichen Verbindung der geistigen Krüfie fiir das gemeinsame Werk haben. Ist die Voraus- Sitzung nicht gegeben, so ist auch keinerlei Gewähr für die Folgerung vorhanden, daß die Aufteilung der Exekutive unter die Kongreßgruppen die in der Organisation wirksamen Kräfic am besten zum Ausdruck bringt. Aber es ist nicht notwendig, die Frage — die in der Tat nach vielfacher Meinung negativ zu beantworten ist — zu untersuchen. Ein anderer Grund spricht gegen diese Art parlamentarischer Bildung unserer obersten Behörde. Wir übersehen nämlich, daß für kein politisch geschultes Volk, das eine gute Verwaltun״ besitzt, die parlamentarische Leitung der Verwaltung Der Maler Issachar Ryback (Zur Ausstellung im Logcnhausc.) Früher besuchte man die Ausstcl u.igen jüdischer Maler unter der Vcrausscizam״, daß man jüdische Sujets auf durchschuittliche Weise gemalt finden und das jüdische Gemüt des Künstlers zu bewundern haben werde. Dann kam eine Generation von guten Malern in allgemeinen Ausstellungen zur Schau, deren Kunst nur auf unterirdische Weise Zusainmenhang mit ihrer Rasse zeigte: europäische Maler jüdischcn Temperaments, unter ihnen Meister wie Pissarro und Licbcrmami. Jetzt nun stellt eine Generation von Malern aus, die auf ganz, sclbs.verständliche Weise ihre Jugend, ihre ■fiühcn Er.ebnissc, ihr Mi.ieu malend, und gut malend, jüdische Stoffe bi.dmäßig gestaltet: ohne das Pathos, das aus Sehnsucht, Umkehr oder Vergeistigung kommt, denn sic brauchen sich nach Jüdischem wpder zu sehnen noch zu ihm umzukehren noch es durch Spiritualität zu adeln. Sie sind Juden, auf selbstverständliche Weise, waren cs stets, werden es immer sein; und so kamt ihre Entwicklung sie in, allgemeine, vielleicht auch abwegige Strömlingen tragen, ohne daß sie Gefahr laufen, ihr jüdisches Wesen zu verdünnen. Es sind, endlich, jüdische Maler, so sclhstvcrständlieh jüdisch wie etwa — ein großes Beispiel, kein Vergleich — Corinth ohne jede tendenziöse Unterstreichung ein deutscher Maler ist. Es sind manchmal west.'iidischc, oft ostjüdische Maler. Sie erwuchsen in völlig ungebrochenem Milieu. Sie geben uns eine hinreißende Versprechung für spätere, große Gestaltungen, wenn unsere Umwelt erst ganz ein! bcltllch sein wird, drüben ... Rybacks Bilder fesseln sofort durch ihre prachtvollen malerischen Qualitäten. Es sind zuerst und zuletzt schöne Bilder, die man mit rehnsüchligen Augen ansieht, weil sic geeignet sind, im Zimmer hängend Freunde und. dauernde Gücksqttelle zu werden. Landschaften aus der jüdischen Kleinstadt, nicht als Straßendarstdlimgen gefühlt, als Porträts kirnstlicher Gegenstände, sondern als Landschaft, als Bild gcwachsertcr Erd. brrf ä:he, einbezogen in d e natürlichen Dinge durch die Medien der Luft, des Lichtes und des lebendigen möglich ist, ohne eine andere, gleichzeitig notwendige Grundläge des politischen Systems: eine tüchtige, nach dem Gesichtspunkte sachlicher Eignung gebildete Beamtenschaft. Denken wir wieder einmal an das englische Beispiel, atij das wir uns ja olt genug berufen. Die parlamentarischen Staatssekretäro arbeiten zusammen mit Beamten gleichen (manchmal unwesentlich gciiiigercn) Ranges, die B.rtifsbcam'.cn sind. Das parlamentarische Ministerium ruht auf einem bis in die höchsten Spitzen gestaffelten Beamtentum, das in fast ängstlicher Sorge dem Wechsel der poiit'schcn Richtungen ferngchalten und unter dem Gesichtspunkt der fachlichen Eignung gebildet wird. Die zinnislFdie Exekutive muß, wenn die Zioiilst'schc Organisation sich zu sachlichen Leistungen heiufcn fühlt, in erster Linie den sachlichen Aufgaben gerecht werden können. Was kann sonst der Sinn einer von der Organisation eingerichteten Verwaltung sein, deren oberste — und, was wir häufig übersehen, mit einer überragenden Fülle suchlieber Zuständigkeiten belastete — Brhörde doch die Exekutive ist? Wir haben aber den merkwürdigen Versuch unternominell, gewissermaßen in die Lnft hinein, die paVlamen-!arische Leitung einer Verwaltung zu bilden, die im 'fibrgen kaum existiert. Wir haben übersehen, daß hei der Primitivit.it und Winzigkeit unserer organisatorischen Vcrlia tnissc die zu fachlicher Ausführung befähigte Exekutive noch gar nicht da ist. Ihre Bildung muß das erste Erfordernis sein. Solange dieses Gebäude nicht errichtet ist, ist es sinnlos, parlamentarische Dekrrationcn anzubringen. Im übrigen muß aber auch mit gewissen unmöglichen Vorstellungen von Pailamentarlsniirs aufgeräumt wer len, die mir aus einer sonderbaren im Zioii'simis aber leider zu häufig zu beobachtenden Vc balihormn״ po'it'srhcr Mc hod’11 zu erklären sind. Wenn eine Gruppe von Parteien gemeinsam eine Regienmg bildet, so bedeutet das, daß sie eine Reihe politischer Aktionen, über die sie sich verständigt haben, gemeinsam durchführen wollen. Wiil sich eine Partei an der gemeinsamen Aufgabe nicht mehr beteiligen, so zieht sie ihre Vertreter zurück. D:e״er einfache, in der ganzen politischen Welt übliche Vorgang ist Im Zionismus in einer seltsamen Weise umgcwandcti worden: in der DisktiRsion über das Ausscheiden Scloweiischiks (und schon zur Rechtferiigiuig des Verhaltens m,■melier Fraktionen auf dem Kangrell) ist die Auffassung vertreten worden, cs sei cr'aiibt, in die Exekutive Personen zu entsenden, deren Aufgabe darin bestände, andere Mitglieder auf die gebührende Benchtimg irgendwelcher Anschauungen zu kon'.rol'icrcn. Diese Auffassung steht nicht nur mit der politischen, insbesondere der parlamentarischen Methodik in Widerspruch. Auch in gesellschaftlichen■ Gebilden anderer Art ist cs sclhstvcrständlieh, daß die kontrollierende und die aitsführende Instanz getrennt von einander gehalten werden. Eine Ak.iengc:eilsdiaft wird vielleicht‘— auch nicht in allzu großem Umfange — eine Vertretung verschiedener, möglicherweise divergierenden Gruppen iih Aufsicht!rat zulassen. Sie wird sich aber keiner allzu hohen Rentabilität erfreuen, wenn sic in den Vorstand Direktoren schickt, deren Aufgabe darin bcsteht, andere Direktoren am Abschluß gewisser Geschähe zu verhindern. Die Zionistische Orjani'a ion kann s ch cl e;1 solchen Luxus gewiß nicht leisten. Sie ist mit Aufsicht- Organen reichlich versehen: Kongreß, Jahre;konfereuz, Actbns- Comite. Was ihr fehlt, ist ein wirklich agierendes Komitee, wie cs die Exekutive seht soll. Was will man sagen, wenn die zu kontrollierenden Mitglieder ihrerseits wieder ihre Aufgäbe in einer Kontrolle ihrer Kontrolleure sähen (wozu sie doch von der konsequent <turchgcfüi:rtcn Kontroltauffa seng aus gewiß ein Recht hätten)? Der Eintritt in die Exekutive kann nur den ausschließlichen Sinn der aktiven Teilnahme an der wirksamen Durchführung der notwendigen Aktionen haben. Die entgegengesetzte Auffassung muß sich klar darüber sein, daß sie auf eine zielhewußt geleitete, zur Leistung ztisr.mincngcschlossonc Organisation verzichtet. Sic mag sich mit' der gelegentlichen Veranstaltung von Demonstrationen begnügen, bei denen sich allerdings der Gedanke der Re- Präsentation mehr in den Vordergrund drängen daif. Die nächste Tagung, die eine neue Exekutive zu bi'den hat, wird daran denken müssen, daß das Ziel ihrer Lc’stnngsfähigkeit mit Unerbittlichkeit dtirchztiscizcn ist. Nur wer an der gemeinsamen Leistung tcilnchmcn wiil und kann, ist zum Mitglied der Exekutive befähigt. Ivewolmtselus, Alterns und Dauorns. Sic wandeln sich auch. Wo erst ein altes Fzcßmcdrcsch als kristallinischer Gebilde, dunkel und starr in die gleichsam erstarrte Atmosphäre stoßt, hat auf einem späteren Bilde das Wolkige der Lufthülle um! ihre heile Farbigkeit den gebauten Gegenstand überwälligt und gleichsam aufgelöst, eine der scltöitslen S:höpfimgen Rybaci.s entstellen lassend. Eine Fülle von jhd.srhcn Typen, ganz auf geschlossenen Umriß und belebende Farbe gestellt, der Scku.ter, der Wasserführcr, der Schneider, Marktszenen, alte Frauen haben in anderen Bi'dcra starke Gcst,11t bekommen: Gestalt aus Farbe und-Zeichnung, in Bildern, die ihren Rang von der selbstverständlichen, ganz, zwanglosen Form herbekommen, die den Biklr,111111 gestalten nach malerischen Gesetzen, nicht nach gegenständlichen, und mit den M'tlc'n des Malers, nicht des Psychologen oder dessen, der auf Genauigkeit und Vollständigkeit aus Ist, des Photographen. Schöne Bilder also, lockend und fesselnd, und heiilige B'lder: unsere rythm jschcn Freuden regieren sic, unsere Dy namik läßt aus vieler Schiefe ein vollkommenes Gleichgewicht spiccud sich aulbaueii, uns re Ausdrucks ust und cn.s hl'srcn leidenschaftliche Geste geht tief erheitert mit den weithinfahrenden l.inien dieser Gc״rälJc mit und dieser Lithographien. An besonderer Wand hängen Aquarelle, ein Pogrom darstellend. In ihnen befreite sich der junge Ryback, Zwanzigjähriger, von dem grausigen Erlebnis, das er den Helden Denikins und Petljuras verdankte und bei dem sein Vater umknm. Wie er es tat, das ist das zunächst Eindrucksvolle an dieser Sammlung: dunkle Blätter, ganz ohne Aquarellcharakicr, mit schwerer düsterer Farbe ganz zugedeckt. Daraus grellweiß stechen die Säbel der reitenden Kosaken, das fahle Leichengrün von toten Frauen, das Rot von Flammen. Die Formciigcbung naiv wie auf alten Bauernbltdcrn, so daß das Fratzenhafte der Kosaken zugleich ganz gehalten und ganz dämonisch wirkt, und 45ו Einzelne formal 80 stark geblinden und von so vollendeter Kunsihaltigkcit, daß man immerfort an alte persische Miniaturen erinnert wird, deren Rang einzelne der Blätter streifen, Und nun, bei dieser künstlerisch bis ins le.zle dtirdigehiklctcn Formltrafl, bei vollendeter Gelassenheit der artistischen Vortrags, ja erst kraft solcher Unser Faseliing Das neue bürgerliche Jahr bringt uns einen blutigschntiervcllcit Fasching: in allen Gestalten tanzen die Leidenschäften und Tricbi•, die sich gegen uns richten, wieder an, alte Bekannte in ״euer Gestalt oder neue Fr .chciiuiiigeii wenigstens lür den, der nicht (:denn hatte, den Dingen auf den Grund zu schul. Manche von ihnen haben Groteskes und Komisches an sich. Da ist der I litlerpfarrcr Johnson aus Gaimrsladt bei Kohurg, der in einer Annonce der ״Kobtirger Warte" sich seiest UarstclH, knapp und gänzlich: ״MiUBedauern habe ich Kenntnis genommen, dill mehrere Brüder in dieser Nd/eit größere Mengen Lelnmsmi.tcl (Kartof.'cln) an Juden geliefert haben. Ich habe bereits mehrere B.üder wegen dieses imdetilsclicn Verhaltens aus der Organisatioii ausschließen müssen. Weitere werden folgen.“ Wie witzig wäre cnun aber, wenn dieser tapfere Priester nichts weiter wäre als unser alter Freund Pldferkom — ein Renegat nämlich, einer von jenen chri;tuchen Geistlichen, die eine Zierde des Jut.cntums waren, oevor sie e.ne Bimic im Beete der Kirche winden? N.1ch:׳c-a״t wird Herrn Johns״״ dies, von der Li-te der ״di utscliarischi n Vcria .. ans.a teil"; und uns wurde das nicht wundern. Wir keimen den Juden als Abtrüiuiigin, kennen :11:1 auch als F f.rer, mir tritt er als »״'eher diesen Faseliing in der R.tisc eines jiidisch-kommiinistischcn Arbeiters aus 1schcn10i.il bei Kiew, vor uns. Er ist ücgjrt’r religiöser Zeremonien, und a's ihm in seiner Abwesenheit ein Söhnchcii geboren wifrde, mul seine frommen Schwieger- «'•lern das r.nkclhiml nach uralter Sitte in Abrahams Bund aiifnehmen ließen, ließ er, znrückgckehrt, alle Beteiligten, darunter den Raivimr, vor Gericht stellen und trennte sich von seiner Frau. Das Gericht verurteilte die fünf beteillgtcn jüdischen Bürger einschließlich des Rabbiners zu sechs Mon iten G.f.itigttis; damit war den Gefühlen des Vater* wohl genug getan, dein er versöhnte sich mit seiner jungen Frau wieder; sie Fruchte ihr Kind in den Arbeitcrkltib■ mit den Worten: ,,Ich schenke mein Kind der Revolution“ woran! dem Würmchen ein neuer Name heigc’cgt wu de! Das Ganze ein nnrltdenklichcr Spall, soka'd man seine Rechtsgesetze und geistigen Grundlagen urtc!sucht, nur für die Emgekcrkerten nicht, die mit sechs Monaten ihres Lehens diese revolutionäre Geste iiiitirstreiclieii müssen, Line andere Gruppe in unserem Karneval: Die ״Weisen von Zion" vor Gericht - ein ■t genommen, mit der ganzen schwarzen Amtsmiene nemieii.scher R'eiiter, jenes gefälschte Gesudel, das f.ir die Sprachen, in denen es abgefaßt ward, eine brutale Schande ist, blöd wie nur irgendein völkisches Produkt, franzo i ehe Mache, rnss'sehc S/.i.z l.irbei׳, Fantasie eines deutschen Schiiiiit/r.miancicis, zu •ainmcngchacfcvn zu einem Gericht für das Gcdürai deutscher Nachlsricgspcnnäler und Politiker ä la Ludendorft. Man sollte eine monumentale Büitcnausgabc davon herstellen, von diesen ״Weisen von Zion“, mit eingedrucktem Ludendortfpiol, damit man spätdren Zeiten dokumentarisch darl.'gen könne, welchen Formutes die Intcll.gcnr des v<>.Hs:h>11 Rrhnt/gottcs und seiner Paladine sei, die einen so aufgelegten Dreck ernstnehmen konnten. Diesmal bot der Beklagte, Dr, Johannes Staniek, dem Gerichte den Beweis dafür an, daß das Enthüllungshtich Fälschung und Schwindel sei, und daß Herr Hauptmann Müller von Hausen, einer jener Unlformtrngcr, die sich iin Kriege reklamieren ließen, um in der Heimat aus Vaterlandsliebe antisemitische Propaganda zu leisten, dies genau gewußt habe, als er das Zeug hei ausgab. Gewundene Er :lärmigen, tapferer Rückzug; die großartigen Flausen deutscher Heeresberichte tauchen auf, wenn der greise Hauptmann das Eingeständnis seiner Mitwisserschaft an dieser Fälschung in die Werte kleidet: ״die Annahme, daß cs sich um Protokolle handle, habe sich als irrig he!•ausgestellt.“ Gestalten tauchen auf wie jener tapfere völkische Regierung;rat, der unter dem Rückgrat ein Hakenkreuz zu tragen scheint und das Ganze oder Teile aus dem Russischen übersetzt hat, indessen nicht genannt sein will, weil er sonst seine Stellung verlieren und der deutschen Republik seine unschätzbaren Dienste entzielten müßte. Und als ,,Sachverständiger“ geladen werden wird Graf Ernst v. Rcventlow,der als erprobter und geübter Antisemit von dieser Sache gewiß etwas versteht. Vortiber, vorüber! Neue Gruppen drängen heran, hi torisch f.ist im Kostüm: das ist der deutsche Militäraltache v. Schwarzkappen, der im Dreyfusprozeß, damals, als ganz Frankreich in eine Arena und ganz Europa in eine Zuschnucrsrhaft ... ..*"..—I.״.......*..1 Eigenschaften, wird der in seiner Intensität durch nichts beeinträchtigte Ansdruck des seelischen Erlebnisses frei. Das Grauenhafte, das Erhabene, das Tierisch-dumme, das Heroische des Vorgangs trilt in den Betrachter unmittelbar ein. Fester und härter als jedes wilde Pathos vermöchte, packt diese strenge Bildnerkraft die Seele des Schauenden an und gibt ihr in einem das Unerhörte des Pogroms und das Unzulängliehe, das darin ■unabänderlich zum Ausdruck kommt, das Verzweifelte daran und das Dumme. Hier ist aus Zeichnung und Malerei das menschliche Dokument der Zeit weit über unsere Gegenwart hinaus gestaltet worden; dieser Ryback ist mit solchen Blättern, unter solchen Umständen zu Wege gebracht, als Künstler legitimiert. Darum folgt man ihm gern zu seinen Bilderbüchern für Kinder, denn ihnen hat er Entzückendes zu erzählen; um so widerwilligcr aber zu den Bildern und Zeichnungen seiner letzten Zeit, zu den gezeichneten, prismatisch zerlegten Porträts und den ganz abstrakten Gemälden, die weder Raum noch Gegenstand mehr darstcllcn, sondern ganz allein die von Farbe harmonisiert überzogene Fläche wirken lassen wollen. Das ist nicht die Farbe des Malers, die ein sccFscher Ausdruck ist, sondern die de* Stickers, die sich irt Glanz und Ton des Materials erschöpft; nicht die Flächen des Bildes, die ein von seelischen Bewegungen durchpulster Raunt ist, sondern einfach eine von den vier Rnhmcnlcisten cingeschlossenc Ebene ohne andere als rein geschmacklich-optische Ansprüche an uns. Wir haben aber das Recht, von einem Bilde seelische und erregende Ansprüche zu verlangen, und warnen Ryback vor diesem Wege über das intellektuelle Malm, der als Umweg seine Notwendigkeit haben mag, den aber geradeaus weiterzuschreiten keinem wahrhaften Maler ohne die Gefahr geistreicher Verspielt* heit und schlicßl'chcr Unfruchtbarkeit gestattet ist. Ryback Ist ein wahrhafter Maler; ob aber auch ein wehrhafter, der die verirrenden Experimente rechtzeitig lassen und zur Sache zurückkehrcn kamt? Wir hoffen es sehr. Denn da» starke Talent, welches zugleich das empfindliche ist, hört ,doch wohl, tiefer in sich hineingebeugt, das Raunen seiner wahren Stimme, die ihm von seinem wahren Wege erzählt. Arnold Zweig.

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