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Jüdische Rundschau · 1924-01-11 · Heft 3 (11.1.1924) · page 2

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXIX (1924)
Issue
Heft 3 (11.1.1924)
Date
1924-01-11
Page
– (sequence 2)
Language
German
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<V<e 1« in hohem Maße politische Zionisten mul die j>01itisclu'11 Zionisten waren im höchsten Grade unpraktisch. Im Jahre 1908, einige Jahre nach 1 ierzls Tode, wurde . /wisthen «len beiden Richtungen eine Ar» Synthese geschaffen. Die Zionisten waren durch die ganze Ent- Wicklung zu dem Schlüsse gelangt, daß es sehr wesentlich ist, oh man ein Minimum oder ein Maximum an politischen Bedingungen nulV.iiwcisen hat. Und politische Bedingungen werden nur dadurch geschaffen, gestärkt und gefestigt, daß in Palästina Arbeit geleistet und gefördert wird. Die politische Kraft einer Bewegung kann nicht in der Luft schweben. Sie muß sich auf tntsäch■ liehe Positionen, auf materielle Stärke stützen. Sie kann nicht ein Oberbau bleiben. Sie muß auf bestimmten Grundlagen und Leistungen in Palästina aufgebaut sein.!Mit anderen Worten: diese zwei Dinge, die Fortführung unserer Arbeit in Palästina und die Propaganda 11ml Organisierung der öffentlichen Meinung müssen Hand in 1 iand gehen. Zn jener Zeit wurde I>r. Ruppin nach Palästina entsandt, um dort praktische Arbeit zu leisten und mit der Kolonisntionstätigkcit zu beginnen. Das für die Arbeit in Palästina bewilligte Budget betrug 1000 Pfund jährlieh. Und damit begann Dr. Ruppin die Eroberung Palästinas für Juden! Das ist nur fünfzehn Jahre her. Wenn wir danach unseren Maßstab anlegcn wollen:heute ist Dr. Ruppin mit einem Budget von 500000 Pfund nicht zufrieden. Wenigstens sind wir also in fünfzehn Jahren um dos Fünfhundcrtfadic vorwärts gekommen; und wenn wir dies zur Grundlage unserer Berechnungen nehmen: in weiteren fünfzehn Jahren werden wir über ein Budget von 500 000 Pfund lächeln. Es gibt noch einen anderen Gesichtspunkt in der zionistischen Bewegung, den ich liier berühren möchte. Er wird gewöhnlich erst an zweiter oder dritter Stelle genannt. Das ist die Kulturbewegung -- die Wiederbclebung des jüdischen Volkes, der hebräischen Sprache und Literatur, der Schulen' usw. Es bedeutete einen Wendepunkt in der zionistischen Bewegung, als wir fast ohne Warnung einem Kampf für die hebräische Sprache in Palästina gcgcinibergcstellt wurden. Dieser Konflikt bildet ein interessantes Kapitel iu der Kulturgcscliichte der zionistischen Bewegung, und auch liier wurde in einer Weise vorgegangen, die, vom gegenwattigen Standpunkt betrachtet, beinahe lächerlich anmutet. Wir waren arm wie die Kirchenmäuse und über Nacht wurden wir vor das Problem gestellt, die Verantwortung für das gesamte Schulwerk in Palästina zu übernehmen. Das bedeutete eine Ausgäbe, die bei weitem alle Beträge übertraf und überstieg, die die zionistische Kasse je zu haben auch nur träumen durfte. Wir übernahmen buchstäblich in einer Nacht die Schulen der deutschen Organisation und verwandelten sie in hebräische Schulen, ohne zu wissen, wie wir die Lehrer bezahlen sollten, der .Vorsehung vertrauend, die die Kasse der Zionistischen Organisation schon irgendwie füllen würde. Vom Standpunkte des praktischen Mannes ans betrachtet, war dies der reine Wahnsinn. Und doch taten wir es. Wir sehen heute die Resultate. Wir haben ein hebräisches Erziehungssystem in Palästina gescliaffen, das Zeugnis abiegt für unsere Bewegung und das einen großen politischen Aktivposten bedeutet. Und so war etwa um 1909 herum eine vollkommene Synthese der wiciitigstcn Richtungen in der Bewegung zustande gekommen: der politischen Arbeit, der prakfischen Arbeit und des kulturellen Elementes der lichräisehen Wiederbelebung, die alle zusammen harmonisch ״Ulrike Woylicli“ von Jakob Wassermann Das neue Buch von Jakob Wassermann ist ein Roman, heißt Ulrike Woyticli und bildet die ״dritte Folge“ des ״Wendekreis“, in dem Wassermann versuchen will, ein ״Oemilde deutschen Daseins und bürgerlicher Welt“ zu geben. Dieses Buch hat etwas Bewundernswertes: eine glänzende Rhetorik, Und etwas Aergcrndes:■ die unglaubliche Inkonscquenz in der Zeichnung seiner Charaktere. Ulrike Woyticli ist ein herrenhaftes Wesen, das van früh an auf sich selbst gestellt war. und dessen Leidenschaft cs ist, in die ,Schicksale anderer Menschen einzugreifen. Als junges Mädchen lernt sie auf abenteuerliche, aber denkbare Weise beim Brande des Wiener Riugtlu-atevs die Mutter und eine Tochter der Familie Mylaus keimen. Sie beginnt in dem Hause zu verkehren und sicht bald eine entsetzliche Bedrückung der gesamten Familie durch den Vater. — li. O. Mylius ist einer der berühmtesten Kunsthändler Europas und Besitzer eiiics ungeheueren Vermögens, von dem seine Familie nichts weiß und die Welt nur entferntes ahnt. Selbst ganzlieh bedürfnislos, ist er nicht nur ein Feind jedes Luxus, sonder» auch jeder Behaglichkeit. Der Zuschnitt des Han..- hallcs ist geradezu ärmlich. Frau Christine muH tun jeden Groschen Wirtschaftsgeld mit ihm kämpfen. Die Atmosphäre ries Hauses ist denkbar mißmutig. Mylius ist ein Feind jedes Frohsinns und jedes Müßiggangs. Geselligkeit wünscht er in seinem Hause nicht, Frau und Töchter dürfen keine Einladungen annehmen. — In dieses Hans kommt jung und sieghaft Ulrike Woyticli. Sie ahnt etwas davon, daß dieses harte Leben der Familie unnötig und hervorgerufeu durch den Geiz des alten Mylius ist. Sie verfügt über eine fabelhafte psychologische Koinbinationsgahc. Es gelingt ihr, die Größe des Myiiussclieu Vermögens in Erfahrung zu bringen. — Aus erschrecktem Staunen über die Zahl der Millionen wächst die. Empörung, daß die Millionen sinnlos für nichts und niemanden aufgespeichert sein sollen, und aus der Empörung kommt der Entschluß, Frau und Kindern dieses freudlosen Mannes zu helfen, V \ IUED1SCHE RUNDSCHAU Nr. 3 Uns bilden, was heule die Zionistische Organisation gc* nnimt wird. Diese und die von der Epoche des Barons Rothschild .111 während und nach der Zeit lierzls bis zum Jahre 1914 geschaffenen Werte waren cs meiner Ansicht 11,ו di, die er; uns allein ermöglichten, die Rnlfour- Deklaration za erlangen. \ Hier möchte ich etwas anführen, was vielleicht nicht allgemein bekannt ist. Im Jahre 1914 besuchte Baron Rothschild Palästina, ftu Mai 1914, einige Monate vor dem Kriege, kehrte er von dort zurück. Wir waren alle außerordentlich gespannt, die Meinung dieses Mannes zu liöien, der der Vater der Palästina-Kolonisation war, der abseits vom Zionismus gestanden und sicit selbst einen 11icl1t|X)litise!1en Zionisten genannt hatte. Einer meiner Freunde interviewte lim über diesen Gegenstand und faßte seine Antwort folgendermaßen zusammen: ״F.r sagte, ohne ihn hätten die Zionisten nichts getan, aller ohne die Zionisten wäre sein Werk tot gewesen.‘‘ Dies ist meiner Meinung nach die einzig richtige Ein- Schätzung der tatsächlichen Arbeit. Ohne Schaffung einer Grundlage hätten wir n’.cht weüeikonnncn können, aber diese Grundlage allein ohne die vitale Kraft der zioulstisclien Bewegung wäre in den Sandwüsten Palästinas nutergegaiigcn. Es war also ein Irrtum des jüdischen Volkes, zu glauben, daß durch eine blojjc DcMa׳,aHon, möge sic selbst von der mächtigsten Regierung der Welt kommen, mögen 51 Nationen ihr zustimincn, und möge sic auch noch so bedeutsam sein — und ich bin der Letzte, ihre Bedeutung zu unterschätzen — Palästina aufgcrichtet werden kann,׳ daß sie eine Erlösung von all unseren Sorgen bedeutet. Sie bedeutete den Beginn unserer Sorgen iu großem Ausmaße. Auch vorher hatten wir Sorgen, aber cs waren kleine-Sorgen. Sic bedeutete den Beginn einer ungeheuren Arbeit, und keine Arbeit kann ohne Sorgen durchgeführt werden. Es ist absurd und sicherlich ganz unpolitisch, zu glaube!!, daß der Inhalt des Mandates, so bedeutsam er sein mag, den Verlauf der Geschichte der zionistischen Bewegung oder des jüdischen Volkes endgültig entscheidet. Als das Mandat verfaßt wurde, wurde jedes Wort und jeder Satz hin und her gedreht und besprochen. Zum ersten Mal lernten "die Engländer verstehen, was der tnhnudischc Pilpulisiuus bedeutet. Nach meiner Ansicht ist nur ein einziger Satz de» Mandat» von Wichtigkeit, der die politische Grundlage all unserer Arbeit in Palästina ist und bleiben wird, und das sind die ersten zehn Worte der Prcainbcl: ״In Anerkennung der historischen Verbundenheit des jüdischen Volkes mit Palästina ..Das ist die einzige politische Errungenschaft, die etwas bedeutet. ׳Wenn das nicht im Mandat stünde und im Bewußtsein des Volkes, das es geschrieben hat, so wäre das Mandat wertlos. Es braucht in dem Mandat nichts von Konzessionen, nichts von Rechten zu stehen: wenn wir dieses uralte Recht haben, das Recht, unsere Heimstätte aufzubaucn, dann werden wir arbeiten und arbeiten, und wenn wir es heute nicht 'zusfnmie bringen, dann sind wir verpflichtet, es morgen zu tun. Alles andere, ob wir diese oder jene Konzession bekommen oder nicht, ist eine Frage des Handels; aber in einem Punkte ist kein Handeln möglich, und das ist die klare' und unzweideutige Anerkennung unseres Rechtes, nach Palästina zu kommen. Auf der Grundlage dieses Rechtes müssen wir weiterbauen. Wenn wir das Ziel nicht erreichen, so werden unsere Kinder unsere Arbeit fortsetzen. Und das ist eine Rechtfertigung der Zionistischen Organisation, Es ist eine unbestreitbare Tatsache, daß über das ganze Problem gar nicht hätte verhandelt werden müssen, wenn wir zur Zeit der Friedenskonferenz. 250000׳ Juden in Palästina gehabt hätten. Es wäre dann das gleiche Problem gewesen wie das der Tschechoslowakei oder Montenegros oder Polens. Da diese 250 050 Juden nicht dort waren, so ist es klar, daß wir uns auf eine Formel beschränken mußten,• auf die Festsetzung des Rechtes, in der Hoffnung, daß das Uebrige kommen wird, wenn diese 250 f;00 Juden in Palästina sein werden. All das, was von meinen Vorrednern aufgezählt worden ist, ist die Arbeit der Zionistischen Organisation. Es ist viel, und wenn Sie wollen, wenig. Es ist viel für unsere Kräfte. Es ist wenig in! Vergleich zu dem, was zu tun ist Es wird weiter wachsen, aber nur wenn Sic fest bleiben, wenn wir alle fest bleiben. Wenn ich von der Zionistischen Organisation spreche, erinnere ich mich an ein Rätsel, das wir als Kinder anfziigebcn pflegten. Was ist das: es bekleidet alle und ist selber nackt? Die Auflösung lautet: die Nadel. Die Zionistische Organisation hat ihren Apparat und ihre Kräfte dazu verwendet, um eine Reihe von fnstitutionen zu schaffen: Banken, Fonds, den Keren Hajessod, den Nationalfonds, die Hypothekenbank, den Jewish Colonial Trust — es sind so viele, daß ich mich gar nicht an alle erinnere. Und die Zionistische Orgaui* sation selbst muß herumgehen und um Unterstützung betteln. Die treibende Maschine, die Mutter, die alle diese Institutionen zur Welt brachte — große und kleine, solche, die bleiben werden und solche, die verschwinden und wieder durch andere ersetzt werden, aber sie alle ein Ergebnis der Energie und der Arbeit der Zionistischen Organisation — sie scibst, die Zionistische Organisation, hat heute nicht genug Geld, um ihre Arbeit weiterführen zu können; und trot/.dem ist sie der Gegenstand aller Kritik und aller Angriffe nicht nur nn Bereich des Zionismus, sondern auch außerhalb desselben. Wir sind schleßLh zu dem Entschlüsse gekommen, die Jewish Agency zu errichten. Es scheint mir jedoch einleuchtend zu sein, daß auch trotz der Jewlih Agency die Zionistische Organisation noen lange Jahre die treibend': Kraft wird bleiben müssen. Manche bestimmte Arbeitsgebiete werden der Zionistischen Organisation bleiben, denn sie hat eine Tradition und die andern haben sie nicht. Sie standen so weit abseits von all diesen Problemen, daß es noch eine Weile dauern wird, ehe sie sich mit der Methode und der allgemeinen Arbeit vertraut machen werden. Die Zionistische Organisation wird weiter auf dem Posten bleiben und wird weiter noch auf Jahre hinaus für die Entwicklung der politischen und der Erziehungsarbeit in Palästina wirken. Es ist an Ihnen, die Bürde zu tragen. Wenn ich Ihnen etwas raten darf, so lassen Sie sich vor allem nicht entmutigen. Bedenken Sie eines: wenn Sic wirklieh Zionisten sind, so sind Sie für ihr ganzes Leben mit ״Zorcs“ versorgt. Wenn Sic das wissen, brauchen Sie nichts .zu fürchten. Selbst wenn die Immigration heute eine ideale wäre, wenn sie dreimal so groß wäre, wenn im nächsten Jahre anstatt fünfzehntausend fünf« iindvierzigtauscnd Juden nach Palästina kämen — cs würde nur die dreifachen Sorgen bedeuten. Für mich ist das eine Quelle des Optimismus. Ich habe miclf damit abgefunden, daß ich von morgens bis abends Sorgen haben werde, und deshalb ist jede Stunde ohne Sorgen ein reiner, ungetrübter Gewinn. In diesem Geiste und Während dieser Periode des Buches wird Ulrike als der Typus eines freien, jungen Menschen geschildert, dessen helle Stimme in moderige Luft dringt, dessen Hände Fenster öffnen, Sonne hcroiiilasseiin dessen Augen Ernst und Lächeln sind. Ls gelingt ihr, die einzelnen Glieder der Familie Mylius, Midier, Sohn und Töchter zu revolutionieren. Das ist kein leichtes Werk; denn die Widerstandskraft der Mutter Ist gebrochen, und die Kinder kennen nichts anderes als eiserne Einengung und sklavischen Gehorsam. Ulrike erreicht aber durch die volle Einsetzung ihrer eindrucksvollen Persönlichkeit, daß die Familie sich gegen ihren Tyrannen auflehnt. — Ulrike wird in hellstem Lichte gezeigt. Herrlich sind die Worte, die sie in einer erzieherisch schwierigen Situation dem jungen J.olliar Mylius gegenüber findet. . . . Wenn das huch endet, ist durch eine erdrückende Fülle von. Geschehnissen hindurch diese selbe Ulrike Woyticli grausam, geizig, abschreckend scheußlich geworden. Und nicht eine Zeile des Buches sagt: wie und warum sie so wurde. Schon zu Anfang, als sic als ein lichicr Mensch gezeichnet wird, sticht hervor, daß sie sehr hart, fern der Sentimentalität, auch daß sie vielleicht egoistisch und selbstgerecht ist. — Ich gehe zu, daß sich daraus ein solcher Mensch wie die Ulrike des zweiten Teiles entwickeln kann, ein Mensch, dessen Ichenshcwegendcr Inhalt «Las Wort ״Haben“ Ist. *Aber diese Entwicklung von der edlen zur unedlen Habsucht müßte gezeichnet, nicht teils übersprungen und teils gcwaltsam als Selbstverständlichkeit genommen worden sein. Ein Beispiel mir; er, wird erzählt, die erwachsenen Töchter Mylius dürften mir eine genaue Stunde täglich lesen. Der Ton der Erzählung drängt darauf, daß — symbolisch gesprochcn - Ulrike den Tüclilern Mylius die Bücher, die Freiheit bringen wird. — Als daun die Bresche geschlagen, die Schanzen den alten Mylius erstürmt sind, führt Ulrike die. Töchter aut Bälle und Reunion», gibt ihnen übcrqncllcnden Luxus der Kleidung, führt elegante Müßiggänger bei ihnen ein, bringt ihnen — ln einem Wort — mondäne Luft des Kabaretts. — Ich muß gestehen, daß Ich erschrocken \var, als ich das las. Ich« versuchte wieder und wieder, die einzelnen Bilder zusammenzusetzen. Es kt mir nicht gelungen. Ich stieß immer nur auf Widersprüche und auf 'die Frage: Ist das noch die Ulrike, wie sie wenige Seiten vorher war? — Den anderen Menschen dieses handlungübcrlaJenen Romans geht cs nicht besser: der, der sie schuf, wollte seitsam verschiedene Dinge in einen Menschen hineinpressen. Die Folge war, daß cs keine Menschen wurden, sondern schillernde Puppen eines voltigierenden Rcportagcstils. Alles in allem: ein Buch, das uns nichts •zu sagen hat, und nur eine bittere Frage aulstchen läßt: Ist das Jakob Wassermann?! Dieses Buch geht, scheint mir, schon fast bis an die Orcnzc aut dem Wege der tötenden Selbstverleugnung, den Jakob Wassermann vor Jahren beschriften hat — aus Gründen, die aus seinem Buch ״Mein Weg als Deutscher und Jude“ hervorgehen, und die in der nötigen Schärfe unter dem Titel des ״!'alles Wassermann“ oft erörtert worden sind. Die zweite Folge des ״Wendekreis“, ״Oberlins drei Stufen", konnten wir noch lieben. Obwohl diese beiden Er- Zählungen schon zerrissen und auch inkonsequent waren. Aber wir konnten die Gestalt des Jugendführers Lucian von der Leyen noch lieben, obwohl sic sich mul dem Erzähler ent• glitt, wir konnten diese Geschichte der Freien Schulgemeinde noch lieben, Ein wenig schmerzlich war diese Liebe schon. Aber wir achteten die schweren Sätze des Schauspielers Sturrcganz, dem das Dcutschscin so schwer fällt. Heute stehen wir vor diesem Buch ״Ulrike Woytich“ im Innersten leer. Ist das Jakob Wassermann? Mit diesem Buche ist er tief licruntcrgcgangcn auf dem Wege, den er In tragischer Irrung glaubt gehen zu müssen, fürchterliches Beispiel eines Dichters, der an sclhcm Judentum zerbrochen ist. Sollten wir wirklich endgültig sagen müssen: ״zerbrochcn״?l Es ist eine vage Hoffnung — aber wir wollen sie hegen 1 — daß Jakob Wassermann sich doch noch finden wild, sich doch noch einmal errafft und zur Höhe richtet Er hat ja das Vorspiel der ״Juden von Zirndorf“ geschrieben. Das Ist freilich lange her.,., Hans Rosenkran*,

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