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Jüdische Rundschau · 1924-01-08 · Heft 2 (8.1.1924) · page 5

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXIX (1924)
Issue
Heft 2 (8.1.1924)
Date
1924-01-08
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Nr, 2 JUEDISCHE RUNDSCHAU Seite 13 Aus der jüdischen Welt!11 Wien Ist der zionistische Schriftsteller D r. Paul Weisengrün gestorben. Dr. Wcisciigrün, der ans Rumänien stammte und in Leipzig Nationalökonomie studierte» ist durch zahlreiche soziologische und ökonomische Schriften bekannt geworden. Er gehörte in Wien anfangs der ,Jüdischen Volks• Partei“ an und schloß sich dann noch zu Lebzeiten Uerzls der Zionistischen Organisation an. Am 4. Dezember fand die Konstituierung der erster• rcichischen Landesorganisatiou des WcKvcibaiui es für hebräische Kultur und Sprache ״T.irbuth•‘ statt. 1111 öslcrrcichischen Landesverband ״Taibuth“ sind samt liebe 11«• br,rischen Organisationen und Kultiiraiisialtai in Oesterreich vertreten. Dr. Nalium Ooldmami, als Vertreter des Berliner Zentraihiiros der ״Tarlnitli“, hat den österreichischen Lnndes• verband organisiert. Zum Präsidenten der östcrrekliisclirn Tarbulh-Organisation wurde Professor Dr. Chajes gewählt, ln der Nacht auf den 1, Dezember explodierte in der Budapester Hauptsynagogc in der Tabakgnsse eine Bombe, die Sachschaden nnriclitetc. Da sich niemand mehr ira Synngogenraum befand, sind keine Menschen zu Schaden ge- % kommen. In der letzten Sitzung des ungarischen Parlaments hielt der antisemitische Deputierte Lendway eine seiner autijüdischen Hetzreden und bezog sich dabei auf eine antisemitische Broschüre des früheren Ministerpräsidenten und jetzigen Abgeordneten Karl lluszar, Abg. Dr. lluszar erwiderte, er habe diese Broschüre vor zwanzig Jahren geschrieben, sich aber seither davon überzeugt, daß er «In 111.11s irre gegangen sei. Auf Grund wissenschaftlicher Forschungen und persönlicher Lebenserfahrungen habe er sich von der Verkehrtheit seiner damaligen Meinung überzeugt. lluszar schloß: ,,ich sage cs heute offen und ehrlich: das ungarische Volk erwacht und sicht mii offenen Augen, wie die Antisemiten das Christentum in Ungarn schänden. Ich aber will jedem Juden die Hand eutgcgcnhalteii und mit ihm für das ungarische Vaterland Zusammenarbeiten.“ In Lemberg fand dieser Tage die erste pädagogische Lehrerkonferenz der jüdischen weltlichen Schulen Ostgaiizicus statt. Anwesend waren außer den Exckutivmitglicdcrn der ״jüdischen Schulorgnnisation in Ostgaiizien“, 36 Lehrer und Lehrerinnen. Aus dein Rechenschaftsbericht ging hervor» daß die jüdische Schulorganisation Ostgalizicns bis jetzt 13 Städte mit zusammen 11 Kinderheimen, 10 Volksschulen und 1() Abendkursen umfaßt. In allen diesen Schufen ist die Unterrichtssprache jiddisch. Die polnische Sprache ist überall obligat, wogegen das Hebräische als nicht obligater Gegenstand gelehrt wird. Die Konferenz nahm eine Reihe von Beschlüssen über «las allgemeine Lehrprogramm sowie über audetc pädagogisch« Fragen an. Den vereinigten Bemühungen des Voikcrhunclsvert icters Herrn Brucncl und des Bevollmächtigten des Emigratiansdirektoriums Herrn Dr. Tiomkin ist es gelungen, zu erwirken, daß die Evakuierung der russisch-jüdischen Flüchtlinge aus Rumänien, die schon am 1. Januar 1024 beendet sein sollte, bis auf weiteres hinausgeschoben worden ist In Saloniki wurde eine jüdische Bank gegründet, di* schon im Januar ihre Tätigkeit beginnen soll. Die Batik wird auch mit den palästinensischen Bankanstalten und 111• dustrien Verbindung untcrlultcn. Die neue Bank wird auch als Zahlstelle des Keren Hajessod in Griechenland fungieren. Der Plan der Errichtung einer jüdischen Republik in Weiürnßland im Rahmen der vereinigten Sowjetrepubliken ist jetzt aufgegeben worden. Dieser Entschluß ist wohl von der Erwägung ausgcgangcn, daß eine jüdische Bundesrepublik zu sehr Anfeindungen von außen ausgesetzt sein wtiwlc. Die Kownoer jüdische Tageszeitung ״Idische Stimme׳■' protestiert in scharfer Form gegen eins Regiere1*gsnrg.111 ״Lictuwa", das eine ausgesprochen antisemitische Propaganda betreibt, obwohl cs auch vdn dem Oelde der jüdischen Steuer• zahlcr erhallen wird. (J.T. \) In der Aula der Amsterdamer Universität fand ein« feierliehe Versammlung der holländischen Gelehrten statt, die zu dem Zwecke einberufen wurde, um den vor a 11t wem ui sch«ז Verfolgung zeitweilig aus Deutschland fortge/ogaten, jetzt in Holland weilenden Professor Albert Einstein zu ehren, Es wurde Einstein die Goldene Medaille der ,,Genossenschaft zur Förderung der Naturwissenschaften“ überreicht, (/, T. A.) Lausanne. (J. T. A.) Mitte des Monats Dezember starb hier im Alter von 70 Jahren der Arzt Sir Frederik T roves. Es sind authentische Beweise dafür vorhanden, daß der Verstorbene ein Nachkomme des großen Bibel- und Talmudkommentators Raschi war, der Ende des zwölften Jahrhunderts in Troyes lebte. Sir Frederik Troves war zum Christentum übergetreten und ist als C 11 r ist gestorben. Bei den Salzgcwinnungsarbeiten bei Atlith sind derzeit 60 Arbeiter beschäftigt, 20 Facharbeiter, die von Port Said bezogen worden sind und 40 jüdische Arbeiter. Das Salz wird in großen Haufen gestapelt und danach mit einer Kleinbahn zur Mühle überführt, wo es gemahlen wird. Die ausgegrabencu Salzblöcke sind von prächtiger Weiße und guter (Juniitüt, Die Austrocknung der Sümpfe in der Umgebung von Atlith hat viel zur Besserung der sanitären Verhältnisse beigetragen. (Ziko.) In Jaffa wurden im Einvernehmen mit dem Waad Lenin i und dem Keren ilagculah-Komitcc mit Hilfe der Alij.1l!. Abteilung der zionistischen Exekutive zwei grolle Häuser an der Grenze von Tel-Awiw erstanden, die zusammen mit den nötigen Umbauten 4291 äg. Pfd. kosten. (Der palästinensische Keren Hagciilah hat seinerzeit beschlossen, daß das von ilun aufgebrachte Geld vom Keren Hajessod für den hier erwähnten Sonderzweck verwendet werden soll.) In ei 11 cs dieser beiden Häuser wurde das Büro der Alijah-Abtcihing in Jaffa überführt, ebenso das Immigrantenheim, so daß •die Ein- Wanderer, die bis jetzt in Zelten zu kampieren gezwungen waren, nun in einem gut eingerichteten festen Bau sieb von ihren Rciscstrapazen erholen können. (Ziko.) Sir Alfred Mond ist kürzlich mit seiner Gemahlin in Paris cingctroffcn. Am 28. Dezember reiste er nach Marseille ab, von wo er sich nach Indien zum Besuch des Vizekönigs Lord Read i 11g (Sir Rufus Isaac) einscliifft. Die Zahl der Juden in Südafrika ist von 1911 bis 1921 von 40,919 auf 62,103, also um 32,3 0/0 gewachsen. Die in Nagasaki (Japan) vor kurzem verstorbene Frau Sophie Lerncr hinterließ 3000 Yen für den jüdischen Nationalfonds. Die Summe ist bereits beim Zentralbüro des National• fonds in Jerusalem eingegangen. Was die Ortsgruppen in i. Quartal 1924 an Ziontstensteucr abzulielern haben: Ort Konllngfnt 1,Quartal 24 RückaUmU für 4. Quartal 21 lnageaamt In 1, Quartal abauUtfem Allcnstcin 60,— 27,— 87,— Aschaffcnhurg 50,— 4,- 54,— Ascherslcbcn 30,— 12,— 42,- Augsburg 5t),— — 50,— Bamberg 75,- 6,- 81,— Bei iiu 5000,— 619,- 5619,— Bi titlicn 150,— 150,- Bielefeld 50,— _ 50,— Bochum 300,— — 300,— Bonn 50,— 5,80 55,80 Brandenburg 10,- 5,- 15,— Braunscliwcig 30,— 30,— Bremen 4(),— 30,— 70,- Breslau 1200,— — 1200,— Bruchsal 15,— 10,- 25,— Cassel 450,— 450,— Chemnitz 900,— 204,65 1104 ,(>5 Cöllicn 60,— 4,— 61,- Cottbus 50,— 50,— Darmstadt 20,- 13,50 33,50 Dessau 50,— 50,— Dortmund 600,— — 600,- Dresden 450,— 90,75 5.10,75 Duisburg 600,-a _ 600,- Düsseldorf 750,-1 140,- 800,— Elberfeld 1000,-- 226,50 1226,50 Eisenach 18,- 2,50 20,50 Emden 15,- 4,25 19,25 Erfurt 70,- — 70,- Essen 600,— 41,25 611,25 Fydtkuhnen 200,— 50,— 250,— IT.uikfurt a. M. 1300,— 890,80 2190,80 Frankfurt a. O. 60,— 25,70 85,70 Frribtirg . 20,— 0,45 20,45 Fulda SO,— _ so,— Ciclsenkirclicn 300,— 11,75 311,75 Gießcn-Marburg-Wctzlar 30,— 11,50 41,50 Glawitz 150,— 53,— 203,- G log au 15,- 1,50 16,50 Görlitz 60,— 17,25 77,25 Gotha 100,— 100,- Güttingen 15,— — . 15,— Guben 10,— 1,75 11,75 1 lagen 100,— 4,- 104,- Haiberstadt 300,— 300,— Halle 150,— 150,— I tamborn 600,— 63,— 663,— 1 Fimburg 1000,— 497,— 1497,— Hameln 15,— 8,- 23,— Hamm 25,- 10,- 35,— 11,111a 11 25,- 500,- 25,- I lamiover 300,- 800,— i kidelbcrg 50,- — 50,- I icilbronn 25,- 8,25 33,25 1 liklcshciin 20,- _ 20,— 1 lindenburg 40,— — 40,— Insterburg 50,— — 50,— Karlsruhe 125,— 75,- 200,— Kiel 35,— 24,50 59,50 Köln 1000,— 267,50 1267,50 Königsberg 600,— 81,60 681,60 Konstanz .30,- — 30,— Landsberg 50,— 11,- 1500,- 61,- 3300,- Leipzig 1800,— Uegmtr. 50,— 50,— 1 ,iibeck SO,— — 60,— Magdeburg 300,— 52,90 352,90 Mainz 200,— 54,- 251,— Mannheim!20,— 4,- 124,— München 300,— 129,0 429,25 M.-Gladbach 25,— — 25,— N’ordli;msen Nürnberg 100,— — 100,— 450,— 2,- 452,— Oppeln 80,— 80,— Osnabrück 100,— — 100,— Pfalz. 200,— 82,- 282,— Pforzheim 30,— 12,50 42,50 Plauen 50,- 40,- 90,- Ratibor 100,— 100,— Saarbrücken 300,— -ל125 425,— Schönianke 15,- 10,— 25,- 121,— Stettin• 100,- 21,- Slolp 20,— 20,— Stuttgart 100,— 207- 120,— Trier 300,— 300,— Waldenburg 10,— — 10,- 100,— Wanne 100,— — Wiesbaden 300,— _ 300,- Wilrzburg 40,- 22,75 62,75 Zwickau 150,- — 150,— Einzelne Zionisten 650,- 212,70 737,30 Spezifikationen za Ausweis ln Nr. 1 (1924) Berlin: (Liste 1): Ilaarpudcr, J. Hepner, D, Holzer, J. Horowitz, Dr. E. Jacks, R.-A, Jaffd, M. Kalian, Dr. J. Katz, M. Kikolcr, J. Klein, A. Korn, L. Krisch, S. Kühnreien, R.-A. . Lachmann, Lcibowitz u. Frau, I. Lewin, Frau H, Lichtcnstcin, . Rosenbaum, Dr. Rosenberg, A. Rosenberg, Artur Rosenberg, Paul Roseuberg, M. O. Rosenblum, J. Roscnfeld, M. Rosolio, R. Snloschin, L. Teiz je 3,—, J. f&han u. Frau, J. Ledermann u. Frau, R.-A. Dr. E. Lcszynskl u. Frau je 3,75, II. Bein 5,—, Dr. E. Fischer u. Frau, L. Intrator. Dr. V. Jacobson, A. Lazarus u. Frau, A. Rosenfeld, I. Salomon je 6,—, W. Roth u. Frau 12,—, Max, W. Kober 20,—. Kurt Ruppin 20,75, diverse 53,20. (Liste 2): I. Abramowtcz, N. Baum, N. Bendiner, Dr. B. Benjamin, Dipl.-Ing. J. Beyes, Dr. A. Bloch, Dipl, ehern. G. Brillant, L. Chaske!, Prof, Dr. Cohn, E. Cohn, S. Ehrenberg, E. Englard, H. Ephraim, H. Gerstmann, M. Getreide, S, Gewürz, W. Biberg u. Frau, Dr. Kaplun-Kogan, Fr. Katz, Rechtsanwalt Dr. Klee, II, Kluger, Rechtsanwalt M. Kollcnscher, S. Meyer, Dr. W. Riese, Paul Ringel, A. Rosenthal, Dr. Scheinesohn, P. Schmelzer, Dr. H. Schmul, L. Schöner, Dr. W. Sklarek, Dipl.-Ing. Spisbach, Refr. E. Sicinbcrg, B. Weiner, P. Wolpert, I. Worin, A. Trakcitsch, Zcllermcycr, L. Zerenze je 3,—, G. u. H. Hirsch, Dr. II. Preiss, O. u. E. Saul, W. Silberstein u, Frau, H. u. C. Sulmann, Schmucklcr u. Frau je 3,75, R. Posner u. Frau, F. Singer, K. Svm.inn, E. Schragcnlieim, B. Wolfsohn je 6,—, i am. justizrat Sicinitz 6,50, Gcschw. Holder, L. Translnteur u. Frau je 6,75, I». Lichtenstem 16,—, L. Guten, B. fc'isuer je 20,—, W. David u. Frau, Max Kober u. Frau je 23,—, Farn. Wollstciner 26,25, diverse 87,— * Braunschweiff: B. Gutm.inn 16,20 * Cassel: R.-A. Dalberg, Lewinsohn, Lipschilz, Peristein je 5,— 4c Duisburg: Fritz Epstein 210,— 4t Elberfeld: D. Walter 12,— 4t Frankfurt a. M.: Edwin Feist 50,—, Erna Leist 20,—, R. Kaufmann 3,--, Jul. Meyer 3 j|t Fulda: M., G. u. O. Nussb.ium je 10,—, Schuster, Katz, je 10,—, Stichel, J. Ntissb.ium je 5,—. div. 5,— £ Gotha: Ilcilbriuiti 1(),— 4t Hagen: Dr. Sackheim 6,— 4t Halle: H. Fcltscher 10,— , Miihlbaucr 15,—, div. 3,— * Heilbronn: W. LnmPbcrg (3. u. 4. Qu) 6,— 4c München: Benno und Theodor Friedmann je 3,—. 4« Einzelne Zionisten: Floss: F. Bloch 3,-־, klar: N. Baer 6,—, H. Baer 3,—, Sobernheim: Dr. Wunderlich 3,—, Tschcrnowitz: Sigal 3,—, Trebbin 1,50, Wester,Cappelns Esso 8,10. Im Ausweis in Nr. 102 sind 317 — M. aus den Rulirgebieten veröffentlicht, die sich folgendermaßen zusammensetzen: Dortmund 80,—, Duisburg 125,—, Düsseldorf 57,—, Elberfeld 23,-, Essen 32,-. PiücSilerliiüung Fast unbeachtet von der zionistischen Ocffcntlichkeit hat sich in _ Deutschland etwas ereignet, das der besonderen Verhältnisse wegen, unter denen cs ward, dem Ueberpangenwerden entrissen und in seiner eindeutigen Eindringlichkeit einem größeren zionistischen und jüdischen Interessentenkreis mitgeteilt zu werden verdient. Der Keren Kajemeth hat Im Jahre 1923 sein volles Kontingent erreicht: der Gegenwert von 500 Dunnrn Boden sind aufgebracht worden. 1 Leser Erfolg ist durchaus nicht unbcträcfitlieh. Bedenkt man die psychologischen Voraussetzungen, unter deren oft fast erstickendem Drucke die Arbeit vor sich ging: das unerhörte Sinken der deutschen Valuta, das Monate hindurch den Erfolg der bisherigen Arbeit fast täglich in Frage stellte, die politischen Wirren, die die Gemüter wochenlang in Spannung hielten, Gefährdung der jüdischen Situation durch die völkische Heize, die nur zu oft Panik zu erzeugen drohte, so wird klar, was der deutsche Zionismus damit geleistet hat. Wieder einmal hat sich die enorme Triebkraft der Idee bewährt. Das bedeutet nichts Geringes in einer Zeit, in der Pessimismus und zersetzende Skepsis unter den Einwirkungen der Kriegs- und Nachkriegszeit sich auch in unseren Reihen cingcnistct haben. Wir sind heute überreich an Besserwissern, die an allem, was geschieht und gewollt wird, immer nur mäkeln, und die sich nicht genug daran tun können, Unheil zu unken. Vielleicht glauben sic, auf diese Weise der Sache 711 dienen (viele von ihnen mögen es ehrlich glauben), aber sie übersehen, daß der Zionismus kein Problem ist, das durch noch so geistreiche Diskussion gelöst werden kann — bei uns werden die Probleme gar zu oft in Worte aufgelöst — sondern ein Problem der Tat, der Leistung, des realen Wollcns. Daß das Kontingent aufgebracht wurde, beweist auch noch zu wiederholtem Male, von weicher Bedeutung es ist, einzelnen Landesorganisationen einzelne, genau beschränkte Aufgaben zu stellen. Die deutschen Zionisten haben cs auf sich genommen, Jadjur auszulösen und dort eine deutsche Kolonie zu errichten. Diese Kolonie auf Jadjur ist nicht allein für die deutschen Zionisten von Bedeutung, sondern darüber hinaus auch für die deutschen Juden. Es sei ganz davon abgesehen, daß ladjur zum engsten Hinterhände Haifas, des zukunftsreichen Hafen Palästinas gehörend, infolge dieser besonders günstigen Lage von großer wirtschaftlicher Bedcutung für die Entwicklung Palästinas ist, und daß die Ansicdlung gerade von deutschen Juden auf diesem zukunftsreichen Gebiete dem Lande ganz spezifische Vorteile sichert. Umgekehrt aber: Wer vermag heute und hier den Einfluß zu übersehen, den diese Kolonie in jüdischem, und sei es zunächst auch nur spirituellem Sinne auf die Juden Deutsch- Lands ausüben kann? Der deutsche Zionismus hat die große Aufgabe, die die Realität iiim stellte, erkannt; er ist mit jenem mustergültigen Elan, der Um vor allem auszcichnct, an ihre praktische Lösung geschritten. Er hat den Beweis erbracht, daß ihm die Idee nicht allein eine mehr oder minder umfangreiche Angelegenheit des Geistes ist (auf die Gefahr, die in solcher Auffnssung liegt, hat Adolf Böhm unlängst hingewiesen), sondern vielmehr ihren Sinn erst durch ihr unverzüglich unternommenes Verwirklichen erhält. Die Erfahrung lehrt, daß die zionistische Arbeit in Deutsch-!and außerordentlich befruchtend auf die Arbeit der Gruppen außerhalb Deutschlands einwirkt; deshalb ist dieses deutsche Resultat für die allgemeine zionistische Arbeit von besonderer Bedeutung. Mit tim so größerer Befriedigung darf unsere Abteilung des Keren Kajemeth auf das hinter ihr Hegende Arbeitsjahr zurückselicn. Sic hat bewiesen, daß ein fester und unbeirrbarer Wille auch die scheinbar stärksten Widerstände und Hemmungen überwindet. Die allgemein politischen Verhältnisse und die wirtschaftliche Situation in Deutschland haben sich jetzt grundlegend geändert, und auch in Palästina sind politische Bewegungen cingctreicii, die unserer Arbeit größeren Antrieb geben müssen. Unter diesen Auspizien tritt der N.-F. in ein neues Arbeitsjahr ein, für das, wie wir hören, das Kontingent verdreifacht werden soll. Wir hoffen, daß die deutschen Zionisten, vom Erfolg des Jahres 1923 au״cfeucrt, alles daran setzen werden, um die Keren Kajemeth-Arbeit im Jahre 1924 ebenso erfolgreich vor sich gehen zu lassen, wie die des vergangenen Jahres. Wir sind davon überzeugt, daß auch das verdreifachte Kontingent aufgebracht werden kann, so daß am Ende des Jahres 1924 nicht nur der Boden Jadjurs vollständig ausgclöst, sondern auch seine Amclioration in Angriff genommen worden sein wird. Von da bis zur Erriclitung der Kolonie ist es dann nur noch ein Schritt, allerdings ein großer. Wenn wir vom Willen der deutschen Zionisten und von ihrer Pflichttreue das Höchste erwarten und verlangen dürfen, wird auch er getan werden; und jeder Schritt ist eine Annäherung an die Lösung der großen, uns anvertrauten Aufgabe, dem jüdischen Volke zu normalern, fruchtbaren Dasein zu verhelfen. Sch. Auf seiner Tournee durch Obcrschlcsien für den Keren Kajemeth sprach Herr Oskar Hirschmann, Berlin, auch in Pltschen una Konr.tadt über wirtschaftliche Fragen Palästinas, insbesondere die Besiedlung Jadjurs und brachte durch seine an die Vorträge sich anschließende Arbeit dem Keren Kajetneth erhebliche Spenden ein. Unterstützt wurde er hierbei von den Herren Rechtsanwalt Kurzweg, Pitschcn, und Haller, Konstadt. —4 ־ . kSSuflg mit größeren Spenden! Jeder bedenke Jetast wieder die

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