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Jüdische Rundschau · 1924-01-04 · Heft 1 (4.1.1924) · page 5

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXIX (1924)
Issue
Heft 1 (4.1.1924)
Date
1924-01-04
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
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(;ו I •11 i) i ג!1 m. t TUEDISCHE RUNDSCHAU Seite 5 ■tf §!»ף!י״י» i»*} a**uMl§ Mit der vorliegenden Nummer beginnt der 29. Jahr״«־«{« unsere« Blattes. Trotz der ungeheuren Schwierig kcitcn hoben wir die ״Jüdische Rundschau“ im vergangenen Jahre weiter Zweimal in der Woche und zumeist 1m ן Itichcn Umfang wie früher erscheinen lassen, trotzdem die Abonnements-Eingänge bei weitem nicht hinreichtrn um die stark gestichenen Kosten zu decken. Wir wollten dem deutschen Zionismus sein hinreichtrn, um zentrales Organ, sein wichtigstes Bindemittel und seine wesentlichste Informationsquelle ungeschmälert erhalten. Leider haben unsere Anstrengungen bei unseren Abonnenten nicht den erforderlichen Widerhall gefunden. Es ist notwendig, daß «die Abonnenten nichlnur ihre Abonnementsgebühren pünktlich zahlen, sondern auch bei der Gewinnung neuer Abonnenten behilflich sind. Die ״Jüdische Rundschau" ist das wichtigste Werbemittel iür die zionistische Orgenisalion. Die Abonnementsijcbfthrcn iür Deutschland betragen jetzt im Einzelbezugc monatlich 1,85 Mk״ vierteljährlich 5,25 Mk,! im Sammclbcxugc durch die Ortsgruppen monatlich 1,70 Mk., vierteljährlich 5 Mk. Trotz der andauernden schweren Krise im Zeitungsgewerbe, glaubten wir für den neuen Jahrgang alles untetnehmen zu sollen, um die ״Jüdische Rundschau" nicht nur im Umfange zu vergrößern sondern auch inhaltlich auszugestaltcn. Wir hoffen, unsere Leser mit der Mitteilung besonders zu erfreuen, daß wir der ״Rundschau" eine wöchentliche Romanbcilage hinzulügen wollen, in der, dem Charakter de« Blattes angemessen, nicht leichte Unterhaltungslektüre erscheinen 801L sondern die wirklicli wichtigsten Schöpfungen unserer nationalen Literatur, die dein deutschen Leser noch unbekannt sind. Wir beginnen im Januar mit der Veröffentlichung des klassischen Werkes der jüdischen Literatur, des Romans ״SCHLOIME RED CHAJIMS“ von Mondoie Moichcr-Siorim (Autorisierte Ueberaetzung aus dem Jiddischen von Salomon Birnbaum). Dieser Roman des berühmten ״Großvaters" der hebräischen und jiddischen Literatur, dem sich andere, dem deutschen Leser ebenfalls unbekannte Schöpfungen anschlicßcn sollen, nimmt in der jiddischen Literatur einen hervorragenden Platz ein! es gehört zu den Werken, an deren Stil und Form sich die neueren jiddischen Dichter gebildet lind von dem sie außerordentlich viel gelernt haben. Außer dem Roman werden auch Feuilleton und Literatur-Rubrik eine Ausgestaltung erfahren. Auch den jüdischen und zionistischen FraiicnSragca sowie dem Problem der Frauenarbeit ln Palästina werden wir ein erhöhtes Interesse zuwenden und zunächst den Versuch einer eigenen Frauen-Rundschau machen, die, falls sich dafür ein aktives Interesse zeigt, auch weiter in periodischen Abständen erscheinen soll. Es versteht sich von selbst, daß die ״Jüdische Rundschau" wie bisher zu allen Ereignissen in Palästina in der Zionistischen Organisation, sowie zu den heute brennender als je gewordenen jüdischen Gegenwartsfragen eine objektive, sachliche, dabei aber unabhängige und rückhaltlose Stellung einnchmen wird. Wir werden uns bemühen, auch den Nachrichtendienst, der unserem Blatte schon heute eine besondere Stellung in der jüdischen Zeitungswelt sichert, noch weiter zu verbessern. Die Probleme der Palästina-Kolonisation werden weiter im Mittelpunkt der redaktionellen Tätigkeit stehen. Durch besondere Palästina-Beilagen und durch erhöhte Berücksichtigung aller Palästina-Fragen bei der Auswahl unserer Aufsätze und Nachrichten wird die ״Jüdische Rundschau" weiterhin die erste Informationsquelle für Palästina bleiben. Diesem erweiterten Programm entsprechend wird im neuen Jahre auch der Umlang der ״Jüdichen Rundschau" vergrößert werden. Wir hoffen, daß die Ortsgruppen und Einzclabonncntcn unsere Bemühungen dadurch erleichtern werden, daß sie uns hellen, die finanziellen Grundlagen des Blattes zu sichern. Ohne eine solche Sicherstellung wären alle unsere Anstrengungen letzten Endes zwecklos und vergeblich. Verlag׳ und Redaktion der ״Jüdischen Rundschau“. geglichene Menschen sich zusammenfitidcii, jüdische Inhalte leugnen, keinerlei positives Verhalten dem Judentum gegenliber mehr aufbringen und trotzdem nicht resignieren, sondern ihre Schwäche zum Programm erheben, dann werden wir diese Nat1nm1n1-<jr11j>j»e und die ihr nahestehen, als schwäch liehe Verräter hr^ndninrken; wir werden sie nicht sehr wichtig nehmen, allerdings, denn wir wissen, daß sie spurlos verschwinden 0<ler daß vielleicht schon in ihren Kindern wieder dss jüdische Blut sein Recht verlangt, und diese Kinder werden lernen aus dem Verhalten ihrer Väter und sieh von dem unwürdigen Programm der Schwäche und der Inhaltlosigkeit hinfimlcn zu uns, die wir Bejahung und Tat verlangen. Die politischen Ereignisse der letzten Jahre und, wie wir glauben, nicht zuletzt das Sichtbarwerden eines aufbauenden lind arbeitenden Palästinas, die Erkenntnis von produktiver jüdischer Leistung in diesem Land und die schon jetzt spürbare Rückwirkung dieser Leistung hat auch die Judenheit im Westen, insbesondere in Deutschland, doch ein* wenig umgeschichtet gegenüber iiirer Struktur vor dem Krieg. Es gibt heute auch in Deutschland außerhalb unseres Kreises etwas wie national-jüdisches Empfinden, wie das Bewußtsein einer untrennbaren Verbundenheit mit dem Schicksal des jüdischen Volkes, an dessen Bestellen man zu glauben beginnt, weil man in den Spatenstichen unscier Chaluzim seinen Pulssclilag fühlt. Audi diese jüdische Schicht arbeitet am jüdischen Werk, ja sie steht sogar vielfach in praktischen Patästinaaufgaben, indem sic sich z. B. der Keren Hajessod-Bewegung anschließt. Wir begrüßen diese Entwicklung, aber wir wissen, daß sie nur ein Anfang ist und kein Programm. Die Frage unseres Verhältnisses zu ihr ist die Frage nach dem Verhalten des Zionismus zuin Oaluth. Es ist gleichgültig in diesern Zusammenhang, wie man als Zionist grundsätzlich zum Oaluth stellt, oh man glaubt, daß cs untergehe oder auch neben einem starken Palästina bestellen bleibe. Sicher ist, daß das Oaluth für unübcrcehbnrc Zeit da sein wird, daß wir in ihm für Palästina arbeiten müssen und daß es die Kraftquelle bleibt, aus der Palästina neues Leben, neue Menschen zieht. Die zionistische Arbeit im Oaluth ist also mit dem Bück nach Erez-Israel zu leisten, und wenn wir im Gegensatz zu anderen national-jüdischen Schichten von Ga-!utliVerneinung sprechen, so tun wir es in dem Sinne, daß wir nur an eine Lösung der Jiulenfrage glauben, die nicht im Oaluth, sondern in Erez-Israel möglich ist. Aui eine Formel gebracht, könnte man also sagen, daß cs für den Zionisten keine Galutharbeit geben darf, von der er nicht überzeugt ist, daß sic letzten Endes dem Autbau Palästinas dient oder der Erhaltung und der Belebung des Galuth als notwendige Kraftquelle für diesen Aufbau. Unser letztes Ziel muß uns gerade dann mit besonderer Klarheit vor Augen stehen, wenn wir uns anschicken, mit anderen jüdischen Gruppen zusammcnzuaibeiten,;■4״ cs in der Fürsorge, sei es in der Gemcindearbeit oder sonsevie immer.!Wir fühlen uns stark genug zu dieser Zusammenarbeit mit anderen jüdischen Gruppen, aber nur die besten uiita•־ uns sollten sich in solche Arbeit begeben, die ganz gewiß n;e Oefahr des Abgedrängtwerdens mit sich bringt, wie sogar diti Keren Fiajessod-Bewegung lehrt, bei deren Beginn wir be- ' sonders deutlich von Bündnis im Gegensatz zum Kompromiß sprachen. An dieser Stelle klären wir auch 1»1sere Beziehungen zu dem gcsc t zes t reue 11 Judentum, das den Vcrsucliitngeil der Zeit widerstand und die nationale Bindung trotz allem aufrecht erhielt. Wir haben Achtung und Ehrfurcht vor der Leistung, die nur die Treue zum Gesetz ermöglichte, das Volk in der Zerstreuung stark und national gebunden zu erhalten. Wir verstehen die Tragik, die darin liegt, daß weite Kreise des gcsclzestreuen Judentums, deren Leben auf Erhaltung und nicht auf Erneuerung eingestellt sein mußte, und zwar gerade, was sie leider vergessen, um diese Erneuerung einmal möglich zu machen, nun, wo dia Erneuerung beginnt, ratlos stehen und ohne die Kraft, sicii diesem .Willen zur Erneuerung hin/ngcben. Wir sollten auch nicht leicht über den Heroismus hinweggehen, der in jener orthodoxen Gruppe verkörpert kt, die den Weg zum Zionismus nicht wie wir aus der Leere und derAssimiLation, sondern trotz und mit ihrer Bindung am jüdischen Gesetz gefunden hat, die mit uns Ernetierurig will und sieh einreiht in die aufbauende Gemeinschaff. Wir begreifen, daß der zionistische Mensch, in der Unmöglichkeit, sich sofort in Palästina im neuen Leben zu binden, im Galuth nach Formen jüdischer Bindung sucht, und daß dann die Treue und die Rückkehr zum Gesetz als der jahrhundertelang geübten Lebensform im Galuth, auf ihn in starker Weise wirkt. Aber kein ,Aufruf an die Zeit", keine Flucht in die Orthodoxie, kann über die schwere Tatsache hinwegtäuschcn, daß es ein wirklich organisches jüdisches Leben im Galuth nicht gibt, daß alles dort und auch die Orthodoxie in die Leere und Assimilation führt, zum untätigen Verharren, zum Gescliehcnlasscn und zur Erstarrung. Wir wissen, daß nur das neue Leben in Palästina die Synthese schaffen kann zwischen Leben und Gesetz, Ucberlieferung׳ und Verlebendigung. Wir, die assimilierten Menschen des Westens, fühlen gerade aus unserer zionistischen Erkenntnis die jüdische Leere, das Abgcrisscnscin von jüdischer Vergangenheit, die Unkenntnis des jüdischen Schrifttums und der jüdischen Kultur, und wir verstehen es, wenn vielfach wertvolle zionistische Menschen aus dieser Erkenntnis heraus immer wieder nach der Auffüllung dieser Leere streben und in eine Lebenshaltung gedrängt werden, die auf Lernen, auf Abschlicßimg und auf persönliche Erfüllung durch dieses Lernen geht. Ich habe Achtung vor einer Wald, die auf Lernen gerichtet ist, doch wirkliches Lernen muß ein Leben ausfüllcii und gibt — von besonderen Menschen abgesehen — nicht Platz für anderes, gewiß nicht für die vorbehaltlose Hingabe an die Tat, die wir fordern. Es mag schwer sein, wie alles was wir hm schwer ist, der Versuchung zu entgehen, die danach strebt, die letzten Inhalte dieses erlebten Judentums aufzunehmen. Es ist besonders schwer, weil nicht für alle die Erfüllung ihrer zionistischen Sehnsucht, das Hinübergehen, möglich ist. Und so entstand das gefährliche Wort von dem ״Einrichten unterwegs“, das cs nicht geben darf für uns, die wir ohnedies ständig der Gefahr unterliegen, unterwegs stecken zu blcilnm und schwach zu werden. Zionismus bedeutet Loslösung und Einriciiten heißt Bindung, neue Wurzel schlagen und kann daher nur zu leicht zum Scheitern des zionistischen Menschen führen. Wenn wir somit das Lernen als Programm ablehnen, so fordern wir dennoch, daß wir unseren Zionismus in seiner geistigen Fundierung zu befreien suchen von Zeitlichem, der Umwelt Entlehntem und ihn ein* reihen in jüdischen Geschieh isabUui und jüdische Erkenntnis, daß*tz:׳ aber den Verlockungen, in der Klause zu verschwinden, widerstehen. —• So stehen wir innerhalb der jüdischen Oemcinsein ft, zwar mit ihr durch gemeinsame Entwicklung und auch durch gemeinsame Assimilation und Anfechtung verblinden, aller zugleich getrennt von ihr durch den Willen, die Angleichung und Starre zu überwinden, das jüdische Volk, an dessen Lebenswillen wir glauben, in Marsch zu scheu ■ind für den Aufbau, für die erneuernde Tat zu gewimicn. Wir fühlen uns in diesem Marsch als der Vortrupp, dem nur die Jungen und Wachen sicii frühzeitig zuzureihen vermögen, tuid gerade so sind wir verbunden mit dem ganzen Volk, dem wir vorangchcn. Wir sehen besonders deutlich die Verfallserscheinungen dieses Volks auch auf nichtjüdkchem Gebiete, und wir sind gewiß entsetzt darüber, falls cs gerade in dieser Gegenwart sich der Materie, dem Gelderwerb, dem äußeren Leben in besonders starkem Maße hingibt, wobei wir allerdings nicht übersehen, daß es in dem Strudel der Verwahrlosung, den gerade die deutsche Umwelt zeigt, mitgerissen wurde und alles, was wir in ,ihm als Verfall erkennen, auch ein Spiegel des Verfalls in der Umwelt kt. Wir fühlen uns verpflichtet, mit allen Mitteln, die uns zur Verfügung stehen, im Innern diesem Verfall zu begegnen, indem wir zum Beispiel die Umschichtung durch das Schicksal gänzlich entwurzclter ostjüdisclier Menschen in produktive Berufe fördern, indem wir vom frühesten an die Jugend zu erfassen suchen und sie ans der Gefahr des Verfalls hinweken auf ein reiuea Leben in produktiver Arbeit und auf eigener Erde. Aber wir protestieren mit Nachdruck, wenn jüdische Krekc den Versuch unternehmen, den Judenhaß, der sich gegen uns alle richtet, auch wenn er die Grenadierstraße plündert, auf irgendeine jüdische Schicht abzulcnkcn. Die deutsche Wirtschaft der letzten Jahre war so wirr, ließ so viele Lücken, daß an der gewissenlosen Bereicherung auf Kosten des Staates und des Mittelstandes alle Schichten in Deutschland gleichmäßig tcilnahmcn, vom alteingesessenen deutschen Kaufherrn .tngcfangcn, der Rcichsbv.nkkrcdite in Anspruch nahm, um sic entwertet zurückzuzahlen, und der sich durch Zahlungen in entwertetem Geld auf Kosten von Mündeln und Kleinrentnern, die dem Elend preisgegeben wurden, von seinen Schulden befreite, bis zu dem Ostjuden, der geheime Wechselgeschälte betrieb, und aut den sich die Wut und der Haß der auf solche Weise durch den Staat Entrechteten, aber dann durch geschickte und lügenhafte Ablenkung irregeleiteten Masse ergoß, nur, weil er ihr als Jude besonders sichtbar war. Wenn es 90 schließlich gelingt, innerhalb des jüdischen Umkreises Haltung zu bewahren, weil wir dort nur Auflösung und keinerlei auf Dauer gestelltes natürliches Leben scheu, so wird uns die Grenzsetzung gegenüber der nichtjüdischen "Umwelt schwerer. Denn Ihr sind wir nun einmal lebendig verbunden, durch Geburt, Erziehung, Sprache und Beruf. Und gerade wir, ab die geistig beweglicheren, sind cs mehr, als viele von denen, die ständig von unlösbarer Verbundenheit mit der Umwelt reden und damit im Grunde nichts anderes meinen, als die Sicherheit wirtschaftlicher Betätigung und die Ruhe im Alltag, eine Einstellung, die der Haltung des Durch!ehniUsbiirgere im allgemeinen entspricht, der vom Staat nur Sicherung und nicht mehr verlangt. Wir aber, die wir letzte Hingabe wollen, äußerste und tätige Teilnahme am nationalen Leben, von der kleinsten Alltagsarbeit bis zur schöpferischen kulturellen Leistung, wir sehen die Konflikte mit dran anderen nationalen Komplex, denea jeder wache Jude verfällt, angefangen bei dem, der das Zentrum seiner ganzen Geistigkeit in Deutschland sieht, bk zu dem püästinozcntrisch Gerichteten, der aus der deutschen Umweit hinausstrebt, um in Palästina ein neues Leben zu beginnen. Wir sehen einen ganz besonders starken Konflikt des geistigen Menschen, und Jakob Wassermann schildert in seinem Bekenntuisbuch, das diesen Konflikt offen legt, »in Grunde das typische Schicksal des geistig sciuffcmlen Juden in Deutschland, ein Schicksal, an dem Heinrich Heine zerschellte und das die geistig Stärksten zerbrechen kann. Wir erlebten das Scheitern derjenigen jüdischen Menschen, die der deutschen Revolution zum Opfer fielen, der sie sich mit dem Wiilen, Erneuerung und Reinigung zu bringen, Hingaben. Aber sic vergaßen, daß cs für den Juden eine hemmungslose Hingäbe an die Umwelt nicht gibt, und daß zumindesten die deutsche Umwelt in der Gegenwart nicht bereit ist, die be sonderen Dimensionen jüdischer Aktivität autzunehmen. So mußten sic scheitern und ihr Opfeftod, den sie als reine und edle Menschen erlitten, brachte nicht nur den Kreis, in dem sic wirkten, und dem ihre Taten nicht konform waren, in Verwirrung, sondern schuf notwendigerweise eine Reaktion, die sich dann kn wesentlichen und in erster Linie gegen die Juden wandte. Wir sind nicht so vermessen, zu glauben, daß wir schon heute den Konflikt dieser geistigen Menschen zu lösen vermöchten. Sic brauchen Leben und ihre Leistung erwächst aus dem organischen Leben der Umwelt, und wir können ihnen heute nocli nichts Gleichwertiges im jüdischen Bezirk zeigen. Aber gerade alle geistig Beweglichen unter den Juden, alle schöpferischen Menschen unter ihnen, sollten aufhoichen, wenn sic die Hammerschläge des Aufbaus hören, denn dort in Palästina entsteht ein Leben von unten herauf, eine orgallisch geschichtete, produktive Arbeit, die einmal, wenn aiwu nicht gleich zum Beginn, dem schöpferischen jüdischen Menschen letzte Auswirkung gestattet, wie sie ihm niemals im Galuth möglich ist. Wir lioffen, daß sich in nicht zu ferner Zeit gerade die geistig Stärksten, weil sic letzte Wirkung brauchen, in Palästina sammeln werden und daß dann ihre Schöpfung als •jüdische in die Weit geht, nicht mehr anonym, nicht mehr zerrissen, wie vordem, sondern eindeutig und dann mit der Möglichkeit, den Kristall zu schleifen bk zur letzten Reinheit. So fordern wir heute auch von den geistig Schaffenden, daß sic sich uns zureihen und nicht nur, weil sie erkennen sollten, daß ihr schöpferische* Werk solche Anteilnahme fordert. Wir rufen sie auf, auch deswegen, weil das Volk sic nötig hat, weil wir Bereicherung unserer Arbeit wollen und weil wir glauben, daß aus der Wechselwirkung zwischen ihrem Schaffen und der Anteilnahme an unserem nationalen Aufbau beide Teile Gewinne ziehen. Wir fordern Klärung und Abgrenzung zur nichtjüdischen Umwelt auch außerhalb des rein Geistigen, auch in dem Verhalten zum Staat, zur Politik, zur Wirtschaft. Wir sichen keineswegs gleichgültig beiseite, wenn der Judenhaß m Deutschland gerade in der letzten Zeit in besonders starkem Maße ausgebrochen ist und ״on der gesellschaftlichen Accliiung überging zu Pogrom und Vertreibung. Wir sehen allcrui.igs in der Bekämpfung des Antisemitismus keine primäre .mfgäbe, und wir lehnen es vor allem ab, dem Judenhaß durch Einstellung auf die Mentalität der Zeit und durch ein Entgegenkommen an dies- Mentalität iu begegnen. Wir!ordern Anerkennung 13 ג die Mecechcn, die überaä» wo »te wirken,

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