Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXIX (1924)
- Issue
- Heft 1 (4.1.1924)
- Date
- 1924-01-04
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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"Sene 4 JUED ISCHE RUNDSCHAU KilirlicHc E>arstcU11 npr »l>cr das Vorgehen der dortigen Zweigstelle des Arbeiterfürsorgeamtes, mit dein auch die ostjüdischen Vertreter sich einverstanden erklärt haben. Nachdem nodi Dr. Landsberg und Herr Alfred Berger zu dieser Angetegenheit Stellung genommen haben, erklärt Dr. Dllcski gegenüber Dr. Skriiiatin, daß mich die Crz.iclmngsfrageii die deutschen Zionisten nachhaltig beschäftigen. Wir müssen eins ohne Rücksicht auf die Wirkung auf Palästina um die Er• Haltung der jüdischen Voikssubstatiz in ihrer Gesamtheit küinnicrn. Den Rest, der nadi Palästinn zurückkehrt, werde mau nur finden, wenn man sich an die Gesamtheit des Volkes wendet. In der Frage der Alnvchr des Antisemitismus habe die Aufklärung dort ihre Grenzen, wo nun noch mit Intellektuellen Gründen wirken kann.!Wir nHissen uns aber auch dieser Arbeit unterziehen, weil wir die Sorge um das tägliche Ergehen des jüdischen Volkes zum Ausdruck bringen müssen, L)cr Zionismus habe äuge fangen mit der Kritik der Assimilation, diese Kritik mul) mich im Zusammenhang mit der Abwehr des Antisemitismus weiter geübt werden. Der wes!jüdische Schieber sei ebenso verwerflich wie der ostjüdischc, — Dr. Hanfke: Unser Hauptinittel in der Bekämpfung des Antisemitismus ist die jüdische Leistung. So sei der Aufbau Palästinas der beste Beweis dafür, daß die Juden Achtung lind anständige Behandlung verdienen. Ebenso sei auch unsere Aufbauarbeit im Gnlutli das beste Mittel zur Bekämpfung des 'Antisemitismus. Die Kinderkrankheit, daß die Zionisten sich von den übrigen Juden separieren müssen, muß überwunden werden. Jüdisch organisierte Antisemiten gebe cs nicht, Eine Entwicklung wie die in der Keren Hajessod-Arbeit sei zu begrüßen. Das nicli (zionistische deutsche Judentum sei keineswegs preiszugebeu, cs müßten vielmehr seine jüdischen Instinkte geweckt werden. Die Frage, ob Palästina oder G11uth, sollte keine Rolle spielen. Wir sind ,keine Sekte, sondern der aktivste Teil des Volksorganismus, Wenn wir aktiv וו ml inten׳.iv arbeiten, daun wird jede Arbeit eine Spitze auf Palästina hahcii. R.-A, G ro 11 c in an u wendet sich dagegen, daß wir in der Ostjudenfrage und in der Abwehr des Antisemitismus Opporhinilätspolitik treiben wie der Centralverein. Der Antisemitismus sei nicht wegen der Schwachen, sondern wegen der Vorzüge der Juden entstanden. — Dr. Köllen scher: Das Referat von Dr. Landsberg besage: Zionismus ist Weit, eine Umweh gibt es nicht. Die Disknssion habe bewiesen, daß cs eine Umwelt docli gibt. Die Forderung nach Bündnissen ohne Kompromisse habe nur für Palästina, nicht für das Gilutl» Geltung. Audi er sei der Meinung, daß die jüdische Substanz erhalten werden müsse. Es kommt aber darauf an, wie man jüdische Arbeit leistet. Die Erziehung der Juden selbst könne nur dadurch geschehen, indem man ihnen ein vernünftiges Leben vorlebt, daß man keiner jüdischen Arbeit fernsteht, daß man ihnen helfen wolle in der Arbeit des täglichen Lehens und überall, wo sie kulturell und wirtschaftlich in Bedrängnis sind. Nach Bemerkungen von Karpin und R.-A. Jacobsohn zu der Stellungnähme des Breslauer Arbeitcriiirsorgcamtcs erklärt Dr. Joseph Prager, er habe in dem Referat die Richtlinien für die praktische Arbeit vermißt. Die Umwelt sei zu kurz, gekommen. Die Hebung der seelischen Konstitution der Juden sei die wirksamste Bekämpfung des Antisemitismus und die jüdischen Inhalte müßten stärker werden, daher sei die Stellungnahme Landsbergs nun ״Lernen“ abzulchncn. — Dr. Egon Rosenborg: Eine Revision unseres Standpunktes sei nicht eingetreten. Unsere!Position sei so erstarkt, daß wir jetzt auch die Möglichkeit haben, den Kampf gegen den Antisemitismus aufzunelimen. Dieser Kampf werde bisher mit falschen Mitteln geführt Juden, die wirtschaftlich rechts stehen, dürften!ich nicht linken Parteien anschließen. Audi im Kampfe gegen den Antisemitismus dürfe die Erziehung im nationaljüdischcn Geiste nicht unberücksichtigt gelassen werden. Wir sollten Sieber im nationaljüdischcn Geiste erfclglos arbeiten als mit unzulässigen Mitteln crfolgrcidi. — Prof. Girl Lew in: Die Tatsache, daß man sich jetzt mit dem Antisemitismus beschäftige, spricht für die Acncleiting des früheren Standpunktes ln Deutschland. Die rein paliUtino zentrische Einstellung sei ins Wanken geraten. Früher habe man die innere Politik in Deutschland für gleichgültig gehalten. Es gebe keine jüdische Kultur im Galuth. — Karl Glaser: Wenn von einer revisionistischen Wandlung des deutschen Zionismus gesprochen wird, so müsse betont werden, daß eine solche mich bei den niditzionistisclicn Juden slattgcfunden habe. Die frühere Tendenz zurScktaibikiung war berechtigt. Die propagandistische Taktik könne geändert werden, da sicii auch die Assimilaiitcn geändert haben. — Dr. Georg W o 11 - stein (Trier): Wenn hier van Revision gesprochen würde, so bedeute das einen furchtbaren Rückschritt und rechtfertige die schlimmsten Befürchtungen. Nach dem Prinzip der Arbeitsteilung müßten sich die Zionisten nur auf die Palästinaarbeit beschränken. Die notwendigsten Arbeiten werden nicht ausgciiilirt, weil die Zionisten, auch wenn sie schon ihren Beutel offnen, keine Opfer an Zeit bringen. Unsere Kräfte reichen nicht einmal für den Aufbau Palästinas und die politische Arbeit aus. Nur radikalster, ausschließlich auf die PaUistinaarbeit eingestellter Zionismus, habe bei der Sani inhing Erfolg und werde auch von Nichtziwüsten anerkannt. — Dr. Sandler: Wöllstein verwechselt radikale zionistische Gesinnung mit zionistischer Taktik. Wir dürfen uns nicht radikal auf die eigene Sekte zurück ziehen, sondern!missen volkspolitische Arbeit leisten. Die Gemciiidcarbeit sei der einzige Weg zur Gewinnung von neuen Zionisten. Der Palästinagcdankc müsse cinmiinden in den großen Volksgcdankcn. — Scharf (Chemnitz) fordert, daß die Einheitsfront der Zionisten licrgcstcllt werde. In seinem Schlußwort sagt Dr. Landsberg ■u. a.: Ich bin etwas erstaunt über den Verlauf dieser Diskussion und insbesondere darüber, daß einige Diskussionsredner im Anschluß an mein Referat von einer Neuorientierung der zionistischen Arbeit und einer Aendenmg der Methoden sprachen. Mein Referat bezweckte im Gegenteil angesichts der Tatsache, daß sich in, vieler Hinsicht in letzter Zelt eine gewisse Desorientierung unserer Zionisten zeigte, anläßlich des Themas ״Zionismus und Umweit“ unseren zionistischen!Weg wieder ganz klar zu legen, so wie wir ihn im Grunde immer gingen. Ich hatte das Gefühl, daß die Einwirkung der Umwelt sowold im jüdischen Bezirk wie auch im niclitjüdisdien gerade in letzter Zeit sehr stark war, und cs lag mir daran, die Anfechtungen der Umwelt aufzuUcckcn und zu zeigen, wie wir uns dazu verhalten. In diesem Sinne lehnte ich z. B, das Lernen als Programm ab, indem icli mich gegen eine bestimmte Gruppe zionistischer Menschen wandte, weil ich sali, daß dieses Lernen als Lebenshaltung von unserem Wege äbjiihrt, Jeh sagte *her deutlich, daß ca not tut, Zionismus irn Jüdischen zu fundieren und cinzureihen in jüdischen Oesdiichtsahlnuf, und cs ist selbstverständlich, daß wir nach wie vor mit aller Entschiedenheit und wie ich glaube, mit einem gewissen Erfolg die Erlernung des Hebräischen fordern. Unsc re Stellung zum Antisemitismus bedurfte einer gniiidsiillichen Klarstellung und sie geschah wie ich glaube nicht im Sinne einer Revision. Wie hniner, glauben wir auch heute noch, daß unsere zionistische Arbeit, ohne daß sie sich an der Zeit orientiert und an der Mentalität der Umwelt, durch die Erneuerung des jüdischen Menschen und •durch den Aufbau Palästinas dem Antisemitismus das wirksamste Argument nimmt, nämlich die Behauptung, daß der Jude destruktiv, niciit aufbaufällig sei uml nicht produktiv arbeiten könne. Wir nehmen uns nadi wie vor das Recht, die Assiinilatiöii zu bekämpfen und ihren Verfall nufzuzelgcii, aber wir tun es, i in lern wir zu gleicher Zeit an uns Forderungen stellen und zionistische Menschen zur Leistung, zur Verantwortlichkcit, zur Opfervvil’igkeit erziehen. Wir lehnen nadi wie vor den Gesin1H111g‘.kompro111iß mit anderen jüdischen Gruppen ab, einmal, weil er zur Unwahrheit führt und dann auch, weil er wirkungslos ist. Nur das Aufzeigen starker zionistischer Leistung, nur eine Darstellung der zionistischen Idee in ungcfälschtcr Größe wirkt auf andere Gruppen und veranlaßt sic auch, durch Geldleistungen am Aufbau Palästinas tell/uiiclimcn. Die Verständigen unter den andern wissen, daß nur eine starke und durch keinen Kompromiß gebrochene Zionisli-.die Organisation die Menschen für den Aufbau herverbringt. Mit aller Entscliiedcnhcit wende ich mich gegen die Diskussionsredner, die, nachdem sie sich jahrelang der zionistischen Arbeit ferngchaltcn haben, davon sprechen, daß ihre Ideen angenommen seien. Es ist kjun Zufall, daß gerade ,Menschen mit der Auffassung, wie sic Dr. Wöllstein in der Diskussion zum Ausdruck brachte, auch große Keren Hajessod- Erfolge haben, während andere, die Kompromisse fordern^ ihrciM'it׳• keine großen 111 folge aitl/clgeii können, teil bestreite, daß wir jemals voiksfremd waren, aber wir betrachten uns nach wie vor als der Vortrupp, dem es obliegt, die ln Erstarrung geratene jüdische Masse in Bewegung zu setzen, uml wir müssen Vortrupp bleiben, um diese Masse weiterzuführen, die uns immer in einigem Abstande folgen wird. In der Nachinittagssitzung berichtet zunächst Dr. Viktor Jacobson, der anläßlich seiner Anwesenheit ln Berlin hierzu .aufgefordert wurde, ausführlich über die Exekutive in London und die Vorgeschichte der Demission Dr. Solovvcitsdiiks sowie über diese selbst. 111 der Debatte sprachen hierzu Herr Richard Licht heim, Herr Dr. Sdimarja Lev in, Herr Lazarus Barth, sodann neuerlich Herr Dr. Jacobson, ferner die Herren Beiizion Fett und Herr R.-A. ü ro ne in a n 11. Eine von Dr. Landsberg vorgcsclilagenc Resolutioii wird, da wegen vorgerückter Zeit nur wenige Mitglieder des Zentralkomitees noch anwesend sind, dem Landcsvorstnnd der Z. V. f. D. zur Beschlußfassung überwiesen. , Die ״Moraing Posl“ über die arabischen Pliine In einem Artikel über die gegenwärtige Lage in Palästina schreibt ״Moriiing Post“: ״Es Ist augenscheinlich, daß die endgültige Lösung des P.aliistinaproblcms sich auf der in Irak angenommenen Linie wird bewegen müssen: eine 11 nabhängige einheimische Palästina-Verwaltung unter einem einheimischen Oberhaupt, die ihre Funktionen mit britischer Hilfe und britischem Rat ausübt, wobei die Beziehungen zwischen den beiden Lindem auf einem Vertrage basieren sollen. Das Oberhaupt einer solchen Verwaltung wird offenbar kan anderer als Emir Abdullah sein. So eine Lösung wird den denkenden Zionisten faktisch nicht unangenehm sein. Es ist bekannt, daß der Emir im vergangenen I leibst während seines Aufenthaltes in London mit Dr. Weizmann in vertraulicher Form eine solche Lösung diskutiert hat.“ ״Mornin״ Post“ spielt offenbar auf ein Interview an das Emir AMullah der palästinensischen Zeitung ״Fclestin‘* im Februar gewährt hat Der Emir sagte u. a.: ״Als Ich in London war, informierte ich Dr. Weizmann, daß eine arabisch-jüdische Verständigung möglich ist, wenn eine a ra bi sc 11 e Verwaltung in Palästina etabliert sein wird. Ist das geschehen, werden wir die Balfour-Dcklaration durchführen, ohne daß die arabischen Rechte verletzt werden. Dr. Weizmann stimmte zu, sagte aber, daß er zuerst die amerikanischen Zionisten über diese Angelegenheit be* fragen wolle.“ Dr. Weizmann, von dem J.T. A.-Vertretcr fm Zusammenhang mit der Erklärung des Emirs befragt, gab die folgende Darstellung: Während Emir Abduliah ln London war, wurde die Frage der Zukunft Palästinas nicht nur mit ihm (Dr. Weizmann) erörtert. Es wurde indessen nichts von einer arabischen Verwaltung in Palästina gesprochen. Es war nur vcm einer nationalen Verwaltung ln Palästina auf demokratischer Basis die Rede. Dr. Weizmann hatte gesagt, ihm persönlich sei dieser Gedanke sympathisch, aber er müsse vier entscheidende Vorbehalte machen: 1, Das Mandat darf nicht angetastet werdenj 2. die Z11 s ti m mu ng Gro ßb r 11 a n ni e ns sei eine wesent* liehe Bedingung; 3. die unbehinderte Entwicklung des jüdischen nationalen Heims müsse vollständig garantiert werden; 4. er niib'-.e zuerst mit den Zionisten der ganzen Welt über diese Angelegenheit beraten, Dr. Weizmann hatte iimzugdiigt, er gehe in kurzer Zeit nach PnlKstinn und darauf nadi Amerika und werde versuchen, die Ansichten der Zionisten in diesen Ländern zu erfahren. Die p alästinensiscli-arabfsehe Presse und der Advlsory*ConncII Jerusalem. (J. T. A.l Die Zeitung ״Beit el Makdes" schreibt über den neuen Advisory Council, dieser britische Advisory Council sei keineswegs ungünstig für die Araber, im Geg׳enteil, diese Einrichtung sei für die Araber weit besser als ein Legislative Council oder sogar «ine Arab Agency. Denn der Legislative Council, in welchem Araber in geringer Anzahl hätten vertreten sein sollen, ebenso wie die Arab Agency wären nur ein Vor* wand gewesen, um sich gegen eine Kritik von arabischer Seite zu schützen. Man hätte dann sagen können: ..Die Araber haben doch selbst bei der Ab• fassuug dieser Bestiuummij mitgewirkt.“ Jetzt hat also der Kolonialminister seine Meinung geändert und wünscht, mit den Arabern in friedlicher Weise atiszukommcn. Deshalb hat er auch den Qbcrkominlssar beauftragt, einen neuen, nur miB Engl,1indem bestehenden Advisory Council cinzu* rKliteu. Für jede Ungerechtigkeit ln den Beschlüssen diese! Councils trägt allein England die Verantwor* t u n g. Nr. I Zionismus und Umwelt Referat von Dr. Alfred Landsberg auf der Zentralkomitee-Sitzung vom 1. Januar 1924. Noch immer ist der Angriff nicht beendet, der als der stärkste, den das Judentum während־ der Diaspornzcit traf, vor 100 Jahren ansct/tc; das Volk ohne Land trat heraus aus der künstlichen Umzäunung, die es sich gab und aus dem Giictto, in das man es seiner nationalen Geschlossenheit wegen verwies, die zu bewahren es trotz aller Dedrängung und Bedrückung sich unentwegt bereit zeigte. Die Welt litt unter dem starken Willen dieses Volkes und auch unter dem Unrecht, daß sie wieder und wieder an ihm übte, als sie es absperrte von Lieht und Luft und dem einzelnen Juden die primitivste Freiheit versagte. So gab man, als die Iranzösische Revolution Menschenrechte proklamierte, dem Juden die iiiißcre Freiheit, aber nicht um der Gerechtigkeit willen allein, sondern um zugleich damit das Judentum zu überwinden, den Juden zu zwingen, aufzugehen in der Umwelt und damit das drückende und rätselhafte Dasein dieses Volkes endheh zu beenden. Es war ein verhängnisvoller Irrtum, daß damals beide Vertragspartner glaubten, es sei in dem jüdischen Sonderfall möglich, ein Menschenrecht zu erkaufen gegen die Ver* pflichtung zur Preisgabe tiefster innerer Verbundenheit. Was in einem anderen Fall des Verlangens nationaler Vermischung von Seiten der mächtigeren nationalen Macht nur unmoralisch, nur Gewalt gewesen wäre und dennoch hätte zu einem äußeren Erfolge führen können, der allerdings dann erkauft war durch den Untergang wertvoller nationaler Sonderheit, das war in bezug auf das jüdische Volk auch ein verhängnisvolle 1 Irrtum; denn die Folge zeigte, daß es unmöglich war, was der Jude versprach und die Gegenseite verlangt(*, da fl jüdische Kraft, durch die Jahrtausende in Hcroli.inus erhalten, zu stark und zu lebendig war, um den Untergang zu dulden, Und so kam es dann, daß nach hundert Jahren verg ebb dien Bemühens auf beiden Seiten, Stein nach Stein abzutragen von dem jüdischen Gebäude, in einem westjüdischen Menschen, der wahrhaft weit abgedrängt war von seinem jüdischen Ur- Sprung, plötzlich die jüdische Kraft ausbrach und ihm befahl sein Volk zur Rückkehr, zum Wiedererstehen im eigenen Lande, aufzurufen. Dieses nationale Erwachen jüdischer Menschen unterscheidet sich sehr wesentlich von dem Erncucrungsstrebcn anderer Nationalitäten. Dort erwächst alles organisch aus der Umweit, aus dem lebendigen nationalen Leben auf eigenem Boden und gerade durch die Verbindung mit der Scholle und der ungebrochenen Liebe zu ihr. Hier aber begießt ei sich, daß in Menschen ein Erlebnis wach wird, das nicht nut nicht aus der Umweit ciwächst, sondern das In bewußtem und letztem Gegensatz steht zu dieser Umwelt. Der jüdische Mensch hatte 100 Jahre lang den Geist Europas mit lies011• derer Inbrunst aufgenommen, er wurzelte schließlich in Ihtn und war dieser Umwelt dann aucli wirtschaftlich und poli• tisch verbunden. Und mm erwachte in ihm das jüdische Bewußtsein, das durch all dies verschüttet war und trieb ilm an, ein Leben zu wählen, das die Umwelt verneinen mußte, sollte seinem naiionalcn Streben Erfüllung werden. Jüdische Menschen schickten sich an, die Wurzeln auszureißen, die sie mit dem europäischen Erdreich verband und sic begaben sich auf den Weg nach Erez-Israel, um dort neu zu beginnen. Es tut not, immer wieder das Beispiellose dieser T a t aufzuzeigen, die letzte menschliche Kraft erfordert. Denn der Weg in das Land ist weit, und wenn es schon geling^ dem ersten Erlebnis hingegeben, die Bandungen zu brechen, die bis dahin den Menschen fesselten, so bringt das Leben fort und fort gerade dem geistig Wachen neue Bindung, die cs immer wieder zu lösen gilt und dies alles ist ein Kampf, der nicht einmal endet, wenn der In europäischer Geistig- . kclt auferzogene Mensch den Boden Palästinas betritt. So wissen wir denn, daß das Natürliche, das dem täglichen Leben Konform«, die Assimilation ist, der der jüdische Mensch anheimfallen muß, der nicht den starken Willen zu letzter Verwirklichung anfbringt, der ln dem Kampfe mit der Umwelt unterliegt. Zionismus ist die Wahl zwischen dem Tag und der Zukunft oder wie cs Buher ausdrückt, die Scheidung zwischen Zlcimenschrn und Zwcckmenschcn, zwischen Urjuden und Oaluthjuden. ״Uljude aber“, so sagt er weiter, ״nenne Ich den, der In sich der großen Kräfto des Urjudentums be* wußt wird und sich für sic, für ihre Aktivierung, für ihr Werk* werden entscheidet.“ Zionismus also ist die bewußte wißen«• mäßige Entscheidung, das schier Unmögliche zu wollen und entgegen allen Mächten des Tages und der Umwelt das Volk von der Erstarrung und der Anglcichung dem neuen Aufbau in Palästina zuzuführen. Und uns stärkt zu solch schwerem Werk nur das De• |Wt1n!sei!1, daß unsere Einstellung auf Tat, vom jüdischen Blickfeld gesehen, nichts Anorganisches und Zufälliges ist, sondern daß sic Wurzel zu fassen vermag in der Erkenntnis, daß unsere Haltung konform Ist der der schöpferischen iü* dischcn Menschen aller Zeiten, die stets auf das letzte eingestellt waren, die vorbehaltlose Hingabe an die Idee forderte und die Zeitlichkeit überwanden. — So gilt es denn, den Kampf «ufzunchmcn mit der Umwelt, eile wir zu überwinden trachten, der wir,.aber immer wieder *vetfallen, weil das Leben, das alltägliche kleine und wichtige Lehen, und die geistigen Kräfte, die in diesem Lehen am Werk sind, feindlich zu unserer Idee stehen. Wir haben es nötig, aus der Verstrickung in den Tag immer wieder das Ganze, das Ziel zu sehen. Nur dann gelingt es, der Anfechtungen des Tages und der Umwelt Herr zu werden und trotz der Bindungen mit ihnen stark zu sein und den Willen aufzubringen, den unsere schwere Arbeit erfordert. Es tut also Abgrenzung not gegenüber der Umwelt und zwar zunächst gegenüber der jüdischen. Unser Verhalten gegenüber der A s 61 m i 1 a 110 n, um unseren stärksten Gegen• pol zuerst zu nennen, Ist klar. Bei ihr einen Augenblick zu verweilen, kann Ich mir nur deshalb nicht ersparen, weil neuerdings eine Gruppe von Menschen, der Assimilation ganz verfallen, völlig entfernt von ihrem jüdischen Ursprung, deren hundertjährige Anglcichung genügte, um die durch die Jahr• tausende erhaltene Kraft zur Erschlaffung zu bringen, sich als jüdische Gruppe gebärdet und als solche Ochör verlangt, ׳ ln dem letzten Jahrhundert sind bekanntlich vielfach jüdische Menschen abgcsplitiert, untergetauclit und für sich und ihre Zukunft verschwunden. An Einzelerscheinungen dieser Art Ist man gewöhnt, und zumeist verhielten *Ich diese Menschen wenigstens Insofern würdig, als sie nicht viel Aufhebens machten von Ihrem dünnen Blut und Ihrer jüdischen Schwäche, J&aa Aber neuerding! der äußeren J4n\welt besonder! au•