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Jüdische Rundschau · 1923-12-28 · Heft 108-109 (28.12.1923) · page 3

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXVIII (1923)
Issue
Heft 108-109 (28.12.1923)
Date
1923-12-28
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Nr. 108/109 Iueרןische Rundschau Seite 621?j cs eint snobistische Spielerei. Selbst dort und gerade dort, wo M i״ den staatsrechtlich gesicherten jüdischen •nationalen Minder■ [I heilen der Ostliiiider das jüdische Eigenleben sich noch aufs ü Unmittelbarste entfaltet, wird Ercz-Isracl mit Recht als un- I entbehrliches stärkstes Krafuenfrum, Energie erweckend und | Energie aussendemi, empfuiHlen, bei dessen Fehlen nun dem | nlh.11:liehen Einfluß der Umwelt troiz aller Kuiturpolitik nicht | gewachsen wäre — dies zeigt die polnische und die moderne 1 sowjetrussische Assimilation; so erklärt sich der mächtige I Ei folg des Zionismus eben dort, wo zwar bisher der Kultur- Konflikt der Westjuden den breiten ostjii-,tischen Massen noch,. | kaum bekannt geworden, wo er aber in Zukunft nicht minder ן unvermeidlich ist ן Aus der zwiespältigen, aber wohl zu, begreifenden seeli- 1 sdicii Struktur des Juden in der Diaspora, aus der Vorherrschaft Idts wesensfremden Einflusses der Umwelt — dank den l.ebcns* notvvendigkeiten des Alltags — über den eigentlichen jiUlisehen Grundgehalt der Seelcnregimgen, erklärt sich die merk■ würdige Situation, die heute im europäischen Zionismus, insonderheit im deutschen, auzutreffen ist, die eigentümliche Ualimig gegenüber der Gesamtbewegung und ihren Erfolgen. Die Arbeit der zionistischen Führung hat Ergebnisse erbracht, denen gegenüber kein Jude gleichgültig bleiben kann. Die Anerkennung des jüdischen I Icinintrcehtcs in Palästina durch die Mnndntsurkiiiide des Völkerbundes ist auch für den Historiker, der sein Werturteil ganz objektiv, losgelöst «,,11 allen jüdischen Wünschen und Sehnsüchten, fä.it, ein n!17i.:artiges Dokument, das selbst in Jahrhunderten außergewöhnlich dastellt, ein kühner Gedankt', der sogar in der nüchternsten Fassung noch das Aktenformat zu sprengen scheint, eine politische Tat, die ein Programm, «las man als Utopie verschrie, in die feierliche Wurde der Artikel eines internationalen Staatsvertrages kleidet. Man hat in langen, dusteren Epochen die Jude« außerhalb der Gesellschaft gestellt, sic mit dein gelben Flecken am Gewand gekennzeichnet, sie von allen ehrbaren Berufen ausgeschlossen, sic aticli in der modernen Zeit der Aufklärung, Duldsamkeit und Demokratie nur als Individuen, nicht als soziale Einheit für die abendländische Gesellschaft akzeptiert, man vcrla־'zeit sic noch heute als Simdciibock für alle politisch ׳ökonomischen Ucbcl, als Bolschewisten, als Kapitalisten, ganz wie es den lietzern in den Kram paßt, und da erscheint mm dieses völkerrechtliche Dokument, spricht das zersplitterte, verstreute Volk — kaum noch ein Volk — als Rechtspersönlichkeit an und handelt durch die Anerkennung des jüdischen IIciuufrccUlcs in Palästina so .111 den Juden, wie keine Macht zuvor seit dem Altertum, seit den Tagen des Cvrus. Daß dieses Erlebnis bei den Juden Mitld'iiropas bisher noch nicht die tief״eilende, wescnsinngc* st.dScmle Bewegung des Aufbaues, der Heimkehr, die weit nulir ist als die Begeisterung des Augenblicks, in dem brrcchti;.te11 hohen Maße entfesselt hat, liegt nicht an mangelnder Größe und Bedeutung jenes Erlebnisses, sondern an dem übermächtigen Einfluß der Umwelt, des Alltags, des Daseinskatnpfes, der fast die gesamte Aufnahmefähigkeit der Seele des Juden in Anspruch nimmt. Die Menschen sind überlastet, die Nerven überreizt, die Wahrnehmung für alles den Umkreis der materiellen Interessen Uebcrschreitcnde zu matt geworden, daher die verminderte Wirkung des Gewaltigen, das unabhängig davon gewaltig ist und bleibt. Warum die Erlebiiisfähigkcit so sehr gelitten hat, dies beantworten uns die Zeitverhältnis»(. Der Alltag, die Arbeit für das Stückchen Brot, verlangt alle Aufmerksamkeit und Kraft und läßt keinen Raum mehr für das andere, das Kulturelle, das Geistige, das Schöne, das Außerordentliche. Zu diesem Anderen gehurt aber auch das jüdische Erlebnis. Hier heilend zu wirken, die Kraft zum jüdischen Erleben wieder wachzurufen, sollte Gegenstand einer besonderen Scclciitherapie sein. Neben die Geldpropaganda gehört mit gleichem Recht die Idcenpropaganda, die durch individuelle Einstellung, durch Arbeit am Einzelnen, die Dornenhecken durchbricht, mit denen die übermächtige Alltagssorgc das gute reine Empfinden, gerade das jüdische Erlcbnisvermögcn, so vieler zu gutem Dienste an der Sache I Fähiger, insbesondere aus den intellektuellen Kreisen und dem Mittelstände umschlossen hat. Die Idee ist mächtig, nur die Menschen sind müd und matt. Was liegt da näher, als die Idee selbst, ihren schlichten menschlichen• Inhalt von Einheit, Würde und Selbstbestimmung, ihren Erfolg des Anerkenntnisses der jüdischen Rechte und ihre tapfere Verwirklichung im Erez Israel der Gegenwart als Mittel zur seelischen Rckonvalcszcnz auf die Juden einwirken zu lassen! Dem grauen Ebene. Man hat jedoch Zweifel in diese ältesten Steingeräte gesetzt. In Palästina haben sich solche Edithen noch nicht nachwciscn lassen, obgleich hier sicher auch schon Urmenschen an der Wende der Tertiär- und Diluvialzeit gelebt haben, die affenähriliches Aussehen besaßen. Erst in der aUpaläolithischeu Zeit begegnen wir von allen Forschern anerkannten Stänwerkzeugen. Mail hat nach den einzelnen charakteristischen Funden das Altslcinzcitaltcr in verschiedene Unterabtcihingen eilige teilt, die meist ihren Namen nach den französischen Fundorten tragen, an we’chen die ch.1 rnktciistisehe 11 Formen aufgefunden worden sind. Diese einzelnen Untcrzcitcn nennt man Prcchelccn, Chcllecn, Achculdcn, Moustvrien. Funde aus dieser Zeit des Altpalaolithikums sind in Aegypten gemacht worden. Das charakteristische gerade dieser ägyptischen Funde ist, daß sie nicht in verschiedenen Lagern gefunden wurden, die eine 7.eitlichc Gliederung zulassen, sondern daß man Werkzeuge aller Kulturstufen in einer einzigen Schicht, in der Schotterterrasse auf dem linken Nilufer hei Theben gefunden hat. Man fand typische Schaber, grohgchaucnc Späne, halbfertige Handschläger, Fäustel. Die 1 undc zeigten sich alle auf zweiter Lagerstätte und sind durch (Wasser in den Schotter verrollt worden, so daß man die erste Heimat nicht mehr kennt Auf den Abhängen und dem Hoch- Plateau bei Theben, bei Gebel ci-Ahmar bei Kairo, den Pyra- Willen von Ghizeh und Dalischen, bei Alrydos, Farschut, Türk, Nagada, Lucienhiigcl, Dar el-Bahri, Gcbelücn, Hierakonpolis, Esnnh finden sich Obcrfläclienfundc, deren Kultur bis in das Magdalcnien hinein entwickelt wurde. Seit diesen Urtagen, die bis 25 000 Jahre zurückliegen, befinden sich in der Wüste die Steine, nur mit einer Wüstenpatina bedeckt, ohne Zudecke Wind und Wetter ausgesetzt. In Palästina-Syrien fehlen auch die Funde aus dem Prfcheleen. Erst die Kulturstufe Chellöen und Achculden ist m Palästina durch sichere Funde bestätigt worden. Zwischen lyrus und Sidon an der phönizischen Küste fand man auf einer 500—600 m langen und 200—300 m breiten Terrasse Splitter, bearbeitete Feuersteinstücke, Fäustel, Kratzer, Am Alltag Europas sei der zwar auch nicht leichte, aber jüdische und zukunftsreiche Alltag Palästinas gcgoniibcrgcstcllt! Vielleicht wird dadurch, daß man an alle Gesundung*• und Ermuenmgsinsiinkte appelliert, daß man die Erhaltung des besseren Iclrs, der eigentlich lobenswerten Existenz unmittelbar mit dem jiidiselicn Erlebnis verbunden erscheinen läßt, jener Geist entflammt, der durch die Kräfte aller das Werk aller zur Vollendung führt. Frei von Europa, das uns elend und müd gemacht! Die Revolution des jüdischen Empfindens zu entfachen, den Willen zur rettenden Tat zu entfesseln, ehe der Einfluß der europäischen Umwelt alle Eigenart der jüdischen Seele nivelliert, ist die historische Aufgabe des Zionismus, Und zwar noch heute, da die Tore der Heimstätte einem jeden, der da wirklich will, weit geöffnet sind. Dem, der nach Palästina geht, weil er nicht mehr mit zwiespältigem Empfinden leben kann noch mag! ״Probleme der PalüsUna ־ Kolonisaüon“*) Besprochen von M. Beilin son (Rom). Es dauerte einige Zeit, bis der zionistische Sozialismus sich von fremden Gcdniikengängcn und Schemata befreite tmd sieh frei und selbständig auf den Boden der jüdischen Wirklichkeit stellte. Der jüdische Sozialismus der Diaspora wollte an das jüdische kleinbürgerliche Leben unbedingt mit Kiite.ien des Knsscnkamplcs hciantrctcn; der palästina-oricntierte Sozialismus aber nicht hinter dem ״Bunde1‘ zurückbleiben, und die Zeit ist noch nicht lange her, daß man die zionistische Ikv.cgung unbedingt durch Marx zu belegen und mit Notwendigkeiten des proletarischen Khisscnkampfes zu beweisen gedachte. Dazu kam noch, daß die nationale Idee vordem Kriege in sozialistischen Kreisen als krasses Biirgcr.um galt, und man bemühte sich deshalb, sic im sozialistischen Zionismus mögliehst zu bcjnänieln. Manchmal schien cs, als ob die palästinaorientierten Sozialisten nur deshalb Zionisten seien, weil kein anderes I .11111 solche Möglichkeiten für den jüdischen Klassenkan-.pf darbietc wie Palästina — sozusagen, ans Notwemligkeit. Die Formel hieß ungefähr: wir sind Sozialisten und auch Nationaljuden. Abstraktheit des sozialistischen Gedankens, Schwäche des Einflusses auf breite jüdische Kreise war die Folge. So ging es solange, als der Schwerpunkt des zionistischen Sozialismus auf propagandistischer Tätigkeit in der Diaspora Iw• ruhte. Die Sache änderte sich aber, als die nette Siedlung in Pahistina eine, wenn auch nicht sehr große, Realität wurde, als Sozialismus mit tagtiiglichcr praktischer Arbeit in Kontakt kam. Unkr dem Einflüsse von neuer Erfahrung änderte sich allmählich, wenn nicht vollständig, 60 doch zum guten Teile,• die Mentalität der sozialistischen Zionisten. Man merkte es deutlich an Zusammenkünften und Kongressen, wo Achd11th-1 lanwoda immer mehr den Poalc-Zionisnms überwog (beide Begriffe nicht territorial verstanden); man merkte es aber auch an der sozialistischen Literatur, Einen neuen Beweis dieser geänderten Denkweise bringt die im Verlag Ferdi- «and Ostertag, Berlin, erschienene Sammlung von Aufsätzen des Führers der Poalc-Zion, S. Kaplansky. Das Buch ist ruhig, sachlich, fase trocken. Keine Schlagworte, keine Phraseologie, viele Ziifcrn. Ein Einlcitungs* artikcl ist nicht spezifisch sozialistischen Fragen der Besiedlungsfähigkcit Palästinas gewidmet. Ein anderer größerer Artikel stellt die Besprechung dis bekannten Buches von Preyer über italienische Agrargenossenschaften dar. An Hand von Zahlen werden verschiedene Fragen der palästinensischen Siedlung sachlich auseinandergesetzt. Von diesem Standpunkte aus würde das Buch eine besondere Besprechung verdienen. Was aber hier vor allem hervorgehoben werden soll, ist die Einstellung des Verfassers dem ganzen Sicellungsproblent gegenüber, die neue sozialistische Mentalität, die sich in dem Buche kundgibt und die in Europa selten, aber auch in unseren Kreisen eine relative Neuheit ist Man wird liier keine der früher üblichen Rechtfertigungen des zionis.ischcn Gedankens nach Marxsclicn Theorien herauslinden. Es wird auch nicht gesagt, daß man nach Palästina gehe, nur um dort sozialistische Gemeinwesen zu gründen. Umgekehrt: der Verfassen bemüht sich zu beweisen, daß tnan, um nach Palästina zu gehen, gezwungen sei, genossenschaftliche Siedlung zu fördern. *) S a I o m o 11 Kaplansky, Problem der Palästina- Kolonisation. Ferdinand Ostertag, Verlag, Berlin. AVe.-tfuß des Antilibanons liegt die Station D'iha. Hier liegen Feiicrstciiibrockcii reich!ich verstreut. Da in der näheren Umgebung kein Feuerstein vorhanden ist, muß man ihn erst «lorüiin gebracht haben. Man findet vor allem an diesem Arbeitsplatz Fäustel. Auch in Galiläa fand man gleichaltrige Werkplätze an der Quelle Ain cl-Emir bei Nazareth und in einem Tal hei Ain Ibl. Gehören diese bis jetzt angeführten Stationen dem Chcllecn und Acheuk'en an, so ist der Libanon reich an ilrtlilcn, in denen der Motistierc-Mensch lebte. Solche I Iöhienstatioiicn finden sich an der phönizischen Küste. Auch die beiden F'reihiftstationcn Adlün und Kafraja gehören in die Moustierc-Zcit. Fei Adlün fand mau Fäustel, 1 Landspitzen, Schaber, Messer. In den Höhlen zwischen Saida und Sür fand man diese Fcucrstcingcrätc mit Knochcribrcccicn, Knochenablagcrmigctt zusammen. Es zeigten sich Knochen vom Giropäisehen Anerochs, vom mcsopotaniisclicn Damhirsch, von der Wildziege, von! Wildschwein. Auch nach der Werkstatt Kafraja hat inan den Feuerstein erst hintransportieren müssen, da sich an Ort und Stelle kein Feuerstein findet. An dieser Fundstelle fehlen die Fäustel und Messerklingen. Die Abschlagstellen sind ohne weitere Bearbeitungen. Am häufigsten sind Schaber. Dern jüngcrciiMoustdricn zählt man offencStationen und Höhlen Palästinas und Syriens zu, die man bei Jutta in Südjudäa als Spitzen und Schaber, bei Sheaf’ At und Rftm ullßh bei Jerusalem als Spitzen erkannthat. ■Weitere Feuerstein-und Knochenfunde entstammen einem Fundort Müdi zwischen Hannaach und Küna in Obcrgnliläa. An Feuersteinfunden erkannten die Forscher Spitzen und Schaber und Knochen vom Hirsch, Reh, Pferd und Rind. Einer offenen Station gehört die Fundstelle am linken Ufer des Nähr Beirut an, die mit Feuersteinen, zusammen vorkommenden Knochen sind mit Brandspuren versehen, die zusammen mit gefundenen Kohlen darauf hinweisen, daß diesen Urbewohnern schon das Feuer bekannt gewesen ist- Am Vorgebirge RÜs cl-Kalb an der Mündung des 1 iundsfhrsses fand man Knochcnbrccclcn mit Knochen, Zähnen, Klingen und Fcuersteinsplittcrn. An Tieren fand man: Höhlenbär, das sibirische oder wollhaarige Nashorn, Wildpferd, Wild• schwein, Auerochs, nvesopotamUeber Damhirsch, Stein bock, » ■ .—.-— ■ ..—.—...—.. ״ .־״■•■■־״ Wir h dien vor uns, sagt Kaplansky, ein Volk, das au* Städtern besteht und in seinem heutigen Zustande zur Land• arbeit nicht geeignet ist, das in seiner Mehrzahl besitz!(* ist, in dun aber Land- und Arbeitshunger wahrnehmbar ist; wir haben vor uns ein Lind, das für Jahrhunderte brach lag und deshalb Anwendung von ungewöhnlichen Anstrengungen erheischt: wir wollen in Palästina eine natio■ 11,111־ Heimstätte bilden tmd das heißt «las Land besetzen, das Land bearbeiten. Die zionistische Aufgabe besteht also darin, «laß man im jüdischen Volke diejenigen Kräfte und Energien, die sich in ihm infolge seines Arbeitshmigers angesammelt haben, löst, und die besitzlosen Iniidarbeitniigcwohnten Massen in Palästina zur Landarbeit überführt. Wie kamt das am besten geschehen? Durch Privatwirtschaft? Der palästinensische Gedanke hat mit ihr schon seine Erfahrung gemacht. Ls ist wahr, daß die niclrtzufriedciistcllendcn Rcsultat«"'der privatwirtseh.־»!fliehen Kolonisation zum Teil auf das philanthropische System zurückz.ufubren sind; KapLursky warnt aber davor, alle dunklen Seiten der bisherigen Siedlung auf das Konto dieses Systems buchen zu wollen. Stellen wir uns vor, daß der Kolonist selbständiger geworden sei, daß!,eine Arbeit größeren Ertrag bringe. Wird er aber damit imstande sein, eine solche Wirtschalt zu organisieren, daß ein ungelernter Städter in ihr seine landwirtschaftliche Erziehung bekommen kann? Kann erwartet werden, daß nationale Rücksichten, die materiellen Vorteile neutralisieren werden, die dem Kolonisten die billigere arabische Arbeit bietet? Die bisherigen Erfahrungen sprechen entschieden dagegen: die privat wirtschaftliche Kolonisation schließt das Land von der jüdischen Arbeit ab, schafft einen kleinen Kern von jüdischen Besitzern, der von arabischen, nicht von jüdischen Arbeitern umgeben ist. Wer sich des geradezu erschütternden Bildes erinnert, (las in dem poalc-zionistischcn Berichte 1920 (״Ero Israrl-Arhcit“, hebräisch und jiddisch, deutsch z. T. in Kuba, schaff ״Privatwirtschn(fliehe und genossenschaftliche Arbeit in Palästina“) entworfen wurde, kann Kaplansky nur recht geben. Ebensowenig kann die privat wirtschaftliche Kolonisation den Landhunger der arlx'itsuchcmlen, aber in überwiegender Mehrheit besitzlosen jüdischen Massen stillen. Ein paar hundert jüdischer Pfla11z.ungsbesi.zcr in Palästina, das Ersetzen, wie Kaplansky sich ausdriiekt, des arabischen Effeudi durch den jüdischen, bist weiter die jüdische soziale Frage noch die palästinensische Kolonisationsfrage. Dieses Ersetzen schafft außerdem eine neue, höchst unliebsame besondere Konstellation; ein jüdischer Effendi, umgeben von arabischen Arbeitern, bedeutet sozialen Kampf mit nationalen Motiven vermischt und ver• stärkt, während die jüdische (ienossensrhaft, eine starke jüdische Arbeiterklasse, Hilfe für den arabischen Arbeiter und Bund mit ihm bedeutet. Und weiter: der verwahrloste Zustand des palästinensischen Beelens bedeutet kein absolutes Hindernis für die jüdische Siedlung; mit Menschenkraft, mit Energie und Hin• gebung ist alles wieder gutzumachen. Wohl aber muß man damit rechnen, daß dieses Wiedergi 11 machen dessen, was Jahrhunderte der menschlichen Nachlässigkeit und Verwüstung verdorben haben, außerordentliche Anstrengungen und, wenig• stens für die erste Zeit, größere Kapitalinvcstionen erheischt Das Privatkapital hat keine Gründe, dorthin m gehen, wo Opfer oder jedenfalls geringere Vorteile zu erwarten sind. Die Erschließung des palästinensischen Bodens kann nur auf nationaler Grundlage geschehen. Und deshalb ist ״die landwirtschaftliche Prodtiktivgcnoss«1• schaft in Palästina kein kolonisatorisches Experiment, das aus sozialer Einsicht und politischen Rücksichten auf die Arbeiterschaft unternommen wird, das aber ebenso gut unterlassen weiden könnte, wie manche Freunde des Zionismus glauben, die vor einer ,Belastung׳ der nationalen Bewegung mit sozialen Versuchen warnen“. Es .,״soll festgcstellt werden, daß wir, Poalc-Zion, an die Probleme der palästinensischen Kolonisation nicht mit einem fertig hergebrachten sozialistischen Schema hcrantreten, wie es viele glauben. Wir sind nicht vom grünen Tische zu unserem Kolonisation*- Programm gekommen, sondern auf Grund der Tatsachen der palästinensischen Kolonisatioif und der Bedürfnisse der weiten arbeitenden Massen, die in Palästina eine Existenz durch ihre Arbeit suchen“. Die genossenschaftliche Kolonisation ermöglicht dem jüdischen Städter, durch die landwirtschaitliehe Schule zu gehen; sie ermöglicht den besitzlosen Massen, auf das Land zu kommen, sie ermöglicht die Urbarmachung de* Am Nordufer des Nähr Ibrahim findet sich %in Fclscnmassiv mit drei Grotten, die nach dem Meer hin geöffnet sind. Auf dem Vorplatze fanden sich Feuersteine, Knochen und die erste und zweite Höhle war mit Küchenabfäilen angcfüllt. Auch eine Stein Werkstatt wurde aufgcdeckt. Auf dem Höhlenboden finden sielt Knochen, Feuerstcinsplitter,Seemuschch1, Schnecken. Bison, Wildschweine, Damhirsch, Steinbock sind als jagdtiere nachgewiesen worden. Eine jüngere steinzcitliclie Station liegt am Nähr cl-Dschöz unter einem überhängenden Felsdach bei den Mühlen von Kahr Hai'. Die hier hausenden Jäger nährten sicli in erster Linie vom Fleisch des großen Sfeinbockcs und vom Damhirsch. Nicht so häufig finden sich Knochen vom Wisent, kleinen Steinbock, Edelhirsch, Reh, Gazelle, Wildschwein, Antilope, syrischen Bar, Höldenlöwe, von der Schildkröte. Int südlichen Palästina sind eine Reihe Fundplätze mit gcmischtaltrigcn Werkzeugen bekannt geworden, so in der nördlichen und südlichen Umgebung von Jerusalem, von cl-Plrc, im Norden bis Bethlehem bis Sür Büher im Süden, auf dem Scopusbcrge und in der Rephaimebene el-Buke'a. Entweder halten an solchen Stellen Bewohner gelebt, die noch lange die altsteiiizcitiichc Technik pflegten, oder ein kulturell niedrig stehendes Volk besiedelte diese Landschaft, Auch für die jüngere Zeit der Altsteinzeit, für das Altpaläolithikum hat Palästina-Syrien Devvcismatciial geliefert. Man hat Messerklingen mit symmetrischer Zurichtung gefunden. Manchmal sind diese Klingen am Rande schon sägeartig gezähnt. Zierliche Messer und zugcrichtctc Knochenwcrkzctige weisen auf einen Uebergang nach dem Magdalcnien und Azilien hin. Solche Funde hat man bei Ain Kuseimc gemacht. An den Funden kann man fcststclhn, daß man durch Schlagen diese Technik erreichte. Demselben Magdalcnientyptis gehören die Funde in Ma'ün, Gilgal im Jordantal, Wadi Für'a bei Tarcibc, zwischen ef Bi re und Rüwallüh an. Besonders interessant ist die Höhle Murärct el-Abcd bei DibL Sic liegt 50 m über der Talsohle, Ueber dem Höhlenboden liegt eine meterstarke Schicht mit Asche, Knochenstücken, bearbeiteten Feuersteinen. Das Feuersteinmaterial Kat man weither geholt. Man findet Mcs*er, Spanschaber und schmale

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