Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXVIII (1923)
- Issue
- Heft 108-109 (28.12.1923)
- Date
- 1923-12-28
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 91% known words query
- IRI
…/2651273-2652595-2652502-2652594--17007-2674719- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Seite 620 JUEDISCHE RUNDSCHAU Nr. 108100 I weise der Exekutive, den Beschluß nicht sofort der Rvgieiung zu übermitteln und das Memorandum nicht mit aller ik'schleunißiuiß eiusrureichen, dringend der Auf* klänuif; bedarf, üieichzeitig aber ist wohl anzunc Innen, daß mir ernste Gründe, nur verantwortungsvollste Sorge tun das Wohl unserer Sache und genaue Kenntnis der politischen Stimmungen und Tatsachen Dr. Wetzmann . veranlaßt haben können, in dieser Weise zu handeln. Wir müssen jetzt besonders bedauern, daß das Actions- Coinitd der Anregung ür. Weizmnnns, selbst eine Depaitntion zu der verantwortlichen Regierungsstelle zu entsenden, nicht gefolgt ist. Wenn der Beschluß nicht im Geiste des Actions-Comitös atisgcfiihrt wurde, so liegt zweifellos ein schwerer formeller Verstoß vor. Ob auch ein sachlicher Fehler vorliegt, werden wir erst beurteilen können, wenn wir die Motive dieses Vorgehens hören werden, Dr. Wcizmaun ist Manns genug, auch für einen I'eltler eiuzustehen, der begangen wurde. Wenn Dr. Solowciisdtik diesen Fehler für so schwerwiegend halt, daß er deswegen seine Demission gibt, so war cs seine Sache, vor dem Aciions-Comite oder anderen zuständigen zionistischen Instanzen die Gründe darztilcgcn. Daß er aber alle internen Einzelheiten der Oeffentliclikeit preisgibt und sogar ein für die Presse bestimmtes Memorandum mit ״Enthüllungen" anki'md'gt, ist ein bedauerliches Faktum, für das man zumindest bei Völkern mit ,־msgebildeter konstitutioneller Tradition schwer einen Präzedenzfall — und daher auch kein Verständnis - - finden wird. Wir begreifen, daß die Exekutive nicht die Möglichkeit hat, Dr. Solowcitsehik auf das Gebiet der öffentlichen Diskussion zu folgen, da sie verpflichtet ist, zumindest auf dritte Beteiligte Rücksichten des Taktes und der Diskretion zu nehmen, insbesondere was Verhandlungen mit der Regierung oder vertrauliche Besprechungen mit anderen Körperschaften betrifft. Wir fürchten, d.aß die Enthüllungen Soloweitschiks über die Verhandlungen mit den Vertretern der englisclien Juden geeignet sind, diese wichtigen mul sclnvL׳- Hgcu Verhandlungen empfindlich zu stören. Wenn in diesen Verhandlungen etwas gesagt wurde, was eine Ueberschrcitung der der Exekutive vom Actions-Comite gegebenen Vollmacht dnrstellt, so gab es zweifellos genügend Möglichkeiten, dies zu korrigieren, und dies ist auch von der Exekutive beschhv-cn worden, bevor Soloweitschiks Veröffentlichung erfolgte. Ob diese Korrektur durch seine Veröffentlichung erleichtert wird, und ob er also der Sache gedient hat, muß man bezweifeln. Im übrigen kann es sielt hier nur 11m formelle Vorbcsprcchungcn gehandelt haben, da das Actions-Comitö sich ausdrücklich das Recht vorbehielt, jedes getroffene Abkommen zu ratifizieren. Ohne also geschehene Fehler beschönigen zu wollen, muß doch die Frage aufgeworfen werden, ob ein Mitglied der Exekutive berechtigt war, die Bewegung aus diesen Gründen in derartige Verwicklungen zu stürzen und der keineswegs sachlich urteilenden, sondern höchst sensationslüsternen’ Oeffentlichkcit, darunter auch alten Gruppen unserer jüdischen und nichtjüdischen Gegner Material zu liefern, das oie zionistische Sache diskreditiert. Wir fragen uns, ob es nicht möglich war, Abhilfe gegen die schwergefühlten Mängel unserer Organisation auf anderem Wege zu finden. Wir wissen, daß unrere Ovnanisation den Wendepunkt des Krieges, der ihr zuerst völlige Zerreißung, sodann ein plötzliches und unorganisches Anwachsen brachte, nicht unbeschädigt überstanden hat. In den letzten Jahren wurde das Bewußtsein der Verfallserscheinungen auf organisatorischem Gebiet immer stärker und kuhninierle gerade in der letzten Actions-Comite-Sitzung in dem Entschluß, alle Hebel in Bewegung zu setzen, tun die Aktivität der Bewegung wiederhcrzustellcn und die zionistische Tätigkeit auf allen Gebieten systematisch zu beleben. Das unglückselige Ende des letzten Kongresses hat dazu geführt, daß wir heute keine Exekutive haben, die imstande wäre, diese organisatorische Arbeit zu leisten. Es ist nicht zu umgehen, bei dieser Frage sich mit Personen zu beschäftigen. Die Londoner Exekutive bestellt aus Dr. Weizinnim und Sola!low, welche beide teils mit Politik, teils mit der Aufbringung der Gelder für Palästina beschäftigt sind, Lipsky, der in Amerika ist und wahrscheinlich bis auf weiteres dort durch organisatorische und Keren Hajessod- Arbeit in Anspruch genommen sein wird, Cowcn, der vor allem an der politischen Arbeit tcilnchmen muß mul in organisatorischer Beziehung außerhalb der englisch-sprechcmlen Länder eine geringe Wirkungsmöglich- Reit hat. Der einzige Mann, nuf dessen Schultern die Wiederaufriclitung der Bewegung in Europa liegen sollte, war Solowcitsehik. In der letzten Actions- Ooinild-Sitzung wurden Möglichkeiten geschaffen, um ihm auf diesem Gebiete alle erdenkliche Unterstützung zu sichern. Er hat es für richtig gehalten, diese Gelegenheit nicht ans zu 11 ätzen, sondern gerade in diesem Moment sich von der Verantwortung zurückzuzichcn. Unsere Meinung ist, daß Solowcitsehik nicht hätte gehen dürfen, sondern den Versuch hätte unternehmen müssen, die Bewegung wieder zu innerer Stärke, zu einem mächtigen Organismus, zu einer lebendigen Kraft zu erheben, die sich nach innen und außen, und wenn cs notwendig ist, auch gegenüber ihren eigenen Führern, Autorität verschafft. Wenn aber sein Gewissen ihn zwingt, sein Amt zurückzulegcn — obwohl dieselben Gewissenskonflikte sich eigentlich schon in Karlsbad hätten einstellen müssen — dann soll er der konstitutioncllcn Behörde das ganze Material unterbreiten, er soll ferner zusammen mit seinen engeren Gesinnungsgenossen ein positives politisches System und Aktionsprogramm vorbereiten, das, gestützt auf geeignete Lcitungskandidaten, bei dem nächsten Kongreß oder bei der Jalircskonfcrenz. dem System Wcizmanns gegenübertreten kann. Jede Opposition, die nicht zugleich positiv ist, hat nur destruktive Wirkungen. Die zionistische Ocffcntlichkcit soll die Aufklärung der Angelegenheit durch die berufene Instanz verlangen, aber sie darf nicht zuiassen, daß der innere Kampf unsere ohnedies schwachen Kräfte vollends verzehrt. Sic muß die Angelegenheit als ein neues .Symptom unserer organisatorischcM Zerrissenheit und Zerfahrenheit betrachten und Mittel zur Abhilfe suchen. So wie bisher geht es auf keinen Fall weiter. Die Bewegung lebt seit Jahren ohne ein organisatorisches und ideelles Zentrum, Wenn dieser Zustand noch einige Zeit anhält, dann wird cs bald keine Hoffnung ״mehr auf Heilung dieser schleichenden Krankheit geben. Dr. Weizmanri steht wiederum in hartem Kampf in Amerika, um die Unterstützung der jüdischen Massen für den wirtschaftlichen Aufbau der jüdischen Heimstätte zu erlangen. Wir dürfen nicht zuiassen, daß der Vorgang vom vorigen Jahre sich wiederholt und in seiner Abwesenheit ein Kampf gegen ihn entfesselt wird, in den er nicht cingreifen kann. Er hat ohnedies mit Schwierigkeiten zu kämpfen, vor ihm war Zangwill in Amerika mul hat dort den Kampf gegen ihn eröffnet, Gegnerschaften aller Art und die bekanntlich von Natur aus nicht allzugroße Gebefreudigkeit der Juden machen ihm die Arbeit schwer genug. Die europäischen Länder haben leider bisher bei der Aufbringung der Mittel für Palästina vollständig versagt. Wir haben es mit Freude begrüßt, daß in dem in jüdischer Beziehung wichtigsten europäischen Land, in Polen, die neugewähite Parteileitung mit Abg. Griinbamn an der Spitze sofort nach ihrem Amtsantritt einen wirkungsvollen Aufruf für die Keren Hajessod-Arbcit in Polen erlassen hat. Wir hoffen, daß diesem Aufruf auch Taten folgen werden. Nur durch Leistung kann sich heute ein Landesverband oder eine politische Gruppe eine Stellung innerhalb der Bewegung verschaffen. Es wäre der Gipfel politischer 1 Unmoral, wenn die Bewegung zuschen wollte, wie der I eine Teil — Wcizmann und die Amerikaner — alle f Lasten übernimmt und ein anderer Teil die Tatsache 1 der völligen Absorbierung ihrer innerzionistischen Gegner 3 durch die Keren Hajcssod-Katnpagnc d.!zu ausnützt, einen 1 politischen Kampf auf Kosten der eigenen sachlichen Leistung zu führen. Kein Zionist kann wünschen, daß dieser Kampf die Kräfte verzehrt, die für eine bessere Arbeit vorbereitet waren. RobertWeltsch. Der Einfluß der Umwelt Von Dr. jnques Adler, Leipzig. Die Tragik des jüdischen Geschicks im Galuth besteht vor allem im Mangel des gemeinsamen hisiori eji ii Erleben*. Was wir auch erleben mögen, es Weiht hei aller Größe doch nur individuelles Erlebnis, da aut dem Wege vom einen zum zuin anderen, auf der Schwelle zum gemeinsamen Erlebnis d« Volkes, sich der Einfluß der Umwelt störend dazwischen drängt Zwei Erlehnisreihen begleiten, durchkreuzen, verwischen ein• ander, die jüdische und die des Milieus. Den Stärkegraden nach sind sic recht verschieden. Es kann oft nicht ausbkiben, daß die Umwelt, da cs sich hier um den natürlichen Lebensraum, um die Existcnzbcdürfnissc handelt, weit kräftiger, weit häufiger, weit nachhaltiger auf unser Erleben einwirkt als die jüdische Sphäre, die nur in Bruchstücken um uns und in un* vorhanden ist, in der nur unsere kulturellen und sozialen, nicht unsere individuellen Exislcnzbcdürfnissc wurzeln, die die ständige Ergänzung durch gedankliche Konstruktion erfordert. Da* Jüdische, das Primäre unseres Scelcngehalts, steht tatsächlich an zweiter Stelle. Wir empfinden das Unnatürliche dieser Situation und suchen nacli Acnderung. Bekanntlich gibt es da zwd Wege. Der eine will das Jüdische, 90 wie es de facto zurückgedrängt ist, nun auch de jure nur als sekundär noch gelten lassen. Dieser Assimilation steht der Zionismus gegenüber, der dem Jüdischen die Vormachtstellung, die ihm von Rechts wegen zukommt, nun auch in der Wirklichkeit wieder verschaffen will. Das Mittel hierzu, das sich aus der logischen Verknüpfung der Dinge ergibt, ist ihm die Aufhebung des Einflusses der Umwelt, die Wiederherstellung eines rein jüdischen Erlebens, indem das jüdische Volk aus der Diaspora wieder in Palästina, der historisehen Heimat, zur nationalen Einheit konzentriert wird. Diese Methode ist durchaus folgerichtig. Gelingt die Heimftihrung beträchtlicher jüdischer Massen nach Palästina, dann kann es auch gar nicht daran fehlen, daß aus der Konzentration der Individuen dank der Einwirkung der gemeinsamen Sprache, der gemeinsamen religiös-ethischen Kultur, der gemeinsamen Wirtschaftsbasis, des gemeinsamen durch geschichtliche Erinnerttngen verklärten! Icimatbodens sich erneut das soziale Oebilde eines in der Wirklichkeit lebenden jüdischen Volkes ent• wickelt, dessen Erleben und Empfinden von Ursprung aus, vom Alltag, von den Lebensnotwendigkeiten aus ein jüdisches ist und nur am Rande von den Einflüssen der Umwelt gestreift wird. Die primär jüdische Scclcnhaitung ist somit als natürliche Erscheinung nur in der jüdischen Heimstätte in Palästina denkbar; darum führt allein der Zionismus zur Erneuerung des leben• digen Volkstums der Juden. Außerhalb des sozialen Zusammen•!langes einer bodenständigen jüdischen Bevölkerung ist sie nur vom Einzelnen durch besondere Anstrengung erreichbar, als“• Ziel des bewußt hierauf eingestellten Willens, und auch dann nur annähernd, denn immer wieder zeigt sich der Alltag — der in Palästina das jüdische Erlebnis fördert — im Galuth dem jüdischen Ideale feind und erzwingt in der Praxis den Vorrang des Milieus. Nur dort, wo der Alltag jüdisch ist, toud-ert normalerweise auch das L:ben jüdisch, in der Diaspora erzielt also auch der bestgcwillti Zionist nur Annäherungswerte des jüdischen Erlebens, Solche Feststellung ist durch Log.k und Psychologie bcgründet. Ein künstliches jüdisches Volksleben im Galuth würde ein innerer Widerspruch sein. Denn Volksleben entsteht nur •durch organisches, ungezwungenes Wachstum. Als Ergebnis besonderer Willensanspannung ohne natürliche Grundlage ist cs höchstens ephemer. Die Verwirklichung des Zionismus bleibt allein die Ucbetsicdlung nach Palästina; was sich als national-kulturelle Arbeit, als nationaljüdische Erziehung im Galuth bezeichnet, hat Sinn und Zweck lediglich durch die unmittelbare Beziehung zum lebendigen Volkstum in Ercz-Israel, sei cs als Vorbereitung, sei es als Reflex; losgelöst davon wäre Die eis- und sfänzeilliclie Besiedlung Palästinas Von Rudolf Hund t. Menschheitsgeschichte ist nicht mir in Büchern und Urkünden geschrieben 'erhalten, sondern, wo diese mit ihren Aufschlüssen versagen, da fließt sie mit der Kunde von ausgestorbenen Tieren, mit der Paläontologie zusammen. Diese ältesten Spuren von Menschen, die nach ihrem Bau und ihrem vermutlichen Aussehen urzcitlichen Menschenaffen als sogenannte Affenmenschen glichen, sind als Knochen in Erdschichten erhalten oder aber, von ihnen schon benutzte und grob ziircchtgcschlagene Steine, welche sic zweckdienlich verwendeten, erzählen von dem Vorhandensein einer Urhevolkerimg, die unter einfachsten Verhältnissen lebte. Gerade die Werkzeuge lassen uns in die früheste Menschheitsgcschiclitc historische Ucbcrblickc tragen. Die ältesten Werkzeuge besitzen noch keine gewollte Form. Mau hat sic zu irgendeinem Zweck vorübergehend gebraucht. Diese Zeit zählt man dem Eolitliikum zu, der Zeit, die als Morgenröte der Steinzeit aufgefaßt wird. In der nachfolgenden früh• oder altpaläolithischcn Zeit ist ein gesehlagcncr Faustkeil das Hauptwerkzeug und die Universal- Waffe. Diese Zeit der offenen Stationen wird abgelöst von der spät- oder jungpaläolithisclien Periode, in der die Eiszeitindischen in Grotten und Höhlen wohnten. Aus Feuerstein und verwandten Steinen schlug man Messerklingen, Lanzen- und Pfeilspitzen. Auch den Knochen widmete man dieselbe Technik. Und erst in der Ncusteinzcit schliff und polierte man Beile und Meißel aus Stein oder Horn, Die Messerklingen sind von einer Vollkommenheit, ebenso die Sägen. Der Bc• wohner hält sich nicht mehr in Grotten und Höhlen auf, sondern ist als Ackerbauer seßhaft geworden, betreibt Töpferei, baut Häuser. Und diese Entwicklung der Menschheit aus uns bis jetzt unbekannt gebliebenen Menschenaffen führt in das sogenannte Diluvium, das als geologische Zeiteinheit vor unserer Jetzt-?eil liegt. Damals war Nordamerika, Nordeuropa, Nordasien wiederholt, Nordeuropa nach neueren Forschungen viermal von gewaltigen lulandeisinassen bedeckt, die aus dem Norden nach Süden vordrangen. Der Süden, also auch das Mittclmccrland, kennt solche diluviale Vereisungen nicht. Aber Funde von Schuttnnhäufimgen und Pflnnzciiresteii wie Eiche, Buche, Ulme, Haselnuß in den Kalkttiffcn des Libanon lassen erkennen, daß zu dieser Zeit ein anderes, niedcrsclilagreichcrcs Klima in Syrien gcherrscht haben muß als heute. Damals muß in Syrien und Aegypten ein gegen vier Grad kühleres Klima als heute vorhanden gewesen sein, Niederschläge waren häufiger und zwischen diesen Regenzeiten schalteten sich Trockenperioden ein, in denen die klimatischen Verhältnisse ungefähr denen von heilte glichen. Ehe diese merkwürdigen klimatischen Verhältnisse in Syrien, Palästina, Aegypten herrschten, brachen an der Wende von dom vorhergegnngenen Tertiär (unserer europäischen Braunkohlcnzeit) und dem eiszeitlichen Diluvium die Erdgebiete ein, in denen heute die Gräben des Roten Meeres, des Golfes von Aden, des Persischen Meerbusens sich befinden. Das vom Indischen Ozean hcrciuhrcchettdc Wasser überschwemmte zeitweise die Küsten Arabiens, die Landenge von Snes, die südsyrisclic Küste. Wie überall sonst in der Welt, riefen diese gewaltigen Erdcinbrüchc vulkanische Erscheinnngen wach und wir sehen zu damaliger Zeit zwischen Mekka und Clicibcr, an den Küsten des Roten Meeres und des Aden- Golfes Vulkane rauchen. Das Aegäischc Meer brach damals ebenfalls ein und im übrigen Mittelmccr lassen sich noch eine Reihe von vulkanischen Ereignissen feststellcn, die bcsagen, daß in der damaligen Zeit diesem Mecrcstcii seine heutige Gestalt gegeben worden ist. Damals schon muß im Mitfcliueergcbict ein kühleres Klima geherrscht haben, denn man findet im Gebiet des Mittclmcercs in den damals abgelagerten Erdschichten eine Reihe von Tieren, die heute in Grönland leben. Wir sahen schon weiter oben, daß an Stelle der nordischen Inlandvereisung im Norden der Erdkugel hier Regen- und 'Trockcupericden alnvcchseltcn. De älteste Regenperiode an der Wende von Tertiär und Diluvium war für das ägyptisch• syrische Gebiet nur unbedeutend. Am Beginn der darauilolgenden Trockenperiode brach der Graben des Jordan- und Orontestals ein. Im Roten Meer und am Sucsgolf wurden damals die ältesten Korallenriffe hochgehoben. Die Gcwäs'cr trockneten in der nun beginnenden Trockenperiode ein. Im südlichen Teil des Toten Meeres schied sich hei Dschebel Usduitt Steinsalz und Gips aus. Eine neu entsetzende Regenperlode ließ den Jordanscc gewaltig an;teigen. Rings um ihn herum bildete sich eine Sceterrasse, auf der heute Jericho liegt. Vielleicht haben in dieser längsten Periode des Abkiihlcns der Hermon und der Libanon kleinste Gletscher oder Pirnfeldcr getragen. Die Sdumlzwasscr wuschen in dic-.cn Kalkgebirgen Höhlen aus, die später Menschen und Tieren als Unterschlupf dienen konnten. In der dritten sich anschließenden Trockenperiode ging der Jordansee noch weiter zurück. Die Täler schnitten sich ein und die Höhlen in dem verkarsteten Kalkgebirge vertieften sich. In der letzten Regenperimlc gingen wieder Gebirgsbildungsprozcsse vor sich. Die bis jetzt bestandene Landverbindung zwischen Spanien, Si/iliett und Afrika wurden aufgehoben. Das feuchte und kühlere Klima erkennen wir an den Tierfunden aus damaliger Zeit. Man fand bei Runel ein Kalb und in der Höhle von liavajcl im Libanon Reste des sibirischen wollhaa igen Nashorns, dann hier und noch an fünf anderen Fundorten den europäischen Auerochsen oder Wisent, den großen Steinbock, Damhirsch, Höhlenlöwen, Hirschkuh, Antilopen, Sinaisteinbock, Pfc*d, Wildschwein, syrischen Bären, Und mit diesen Resten zu* samnicti zeigten sich die ersten Fcuersteiiigeräle des paläolithlschcn Bewohners. Aus dienern Klima entwickelte sich das heutige Steppen• und Wüstenklima. Nachdem im großen und ganzen diese geologischen Vor• gängc geschildert sind, müssen wir den Urmenschen in seinem ersten Auftreten in der so gewordenen Landschaft begreifen. Spuren des ältesten Menschen, der nur vorübergehend sich einmal eines Steines als Hilfe für Irgendeinen Zweck bediente, finden sich als Eolithe in Aegypten in der Umgebung von Theben, Kib, Schaghab, bei Kairo in der Abbäsije-