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Jüdische Rundschau · 1923-12-21 · Heft 106-107 (21.12.1923) · page 4

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXVIII (1923)
Issue
Heft 106-107 (21.12.1923)
Date
1923-12-21
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seite 614 JUEDISCHE RUNDSCHAU Nr- 109ד10׳ das weit über das allgemeine Interesse an einer neuen psycho- Ionischen Theorie liuiausgeht. Wir horchen auf. Verdrängung alier ererbter Strebungen mul Triebe, um sich die Wertung umi Stellt!!)» in der durch Sitte und gesellschaftliche Mund normierten Kultur /u sicher״? [Xis ist ja unser Fntl! Schon heim einzelnen Juden mag oft genug ein individuelles Erlebnis in ■früher Kindheit ihm sein Judescin zu einem mit seiner Gesamtpcrsönlidikvit imvcrciiihar erscheinenden Komplex gemacht und bis zur Verdrängung gebracht haben. Deutlicher aher wird der Komplex noch bei der (ksanitheit der durch das Emanzipations- und Assimilalionsjalirhuudert gegangenem westeuropäischen Judeuheit. Diese Judenheit, wie sie sich etwa zu Beginn des 20. Jahrhunderts entwickelt hatte, ist, so pflegt man zu sagen, krank an ihrer Seele. Man spricht, so seit *etwa 20 Jahren, fortwährend von der ״Zerrissenheit der jüdischen Seele“, und meint wohl damit, datl sic hin- und hergerissen sei zwischen ihrer Liebe und Zuneigung zu den überlieferten jüdischen Werten einerseits lind der gewollten und gcmnlllen Teilnahme an Europas Kultur andererseits. Heinrich Heine, am erste״ und Jacob Wassermann am letzten Höhepunkte dieser Periode, werden etwa als Beispiele und Beweise dieser Zerrissenheit angeführt. Aber tiefer, als es aus hei solchen Betrachtungen erschien, geht der ״Rill“. Er geht bis tief in die letzten Tiefen der Seele, bis dorthin, wo ihre eigentlichen geheimnisvollen Triebkräfte ruhen, die allem seelischen Geschehen Kraft und Rhythmus gehen, bis in die letzten Wurzelspitzen, wo die Nährstoffe für den ganzen weitverzweigten Baum der Seele aiisgcwhhlt und aufgesogen werden; ja, cs ist überhaupt gar kein Riß mehr, sondern cs ist das Aufgeben und das Ausschalter» dieser am Ursprung des Seelenlebens wirkenden Kräfte, oder sagen wir richtiger, das Ausschaltcnwollcn; denn nur ein Versuch ist cs, ein Versuch Unmögliches zu erreichen; und das gerade ist der Tatbestand der Fieudsehen Verdrängung. Sehen wir nun noch etwas näher zu, warum wi'rd denn verdrängt? Nach Freud sollten es meist Erinnerungen oder Wünsche sexueller Natur sein, die zu der sonst ״anständigen“ Persönlichkeit nicht ״passen“. Nun, wir wissen jetzt, dal! die sexuelle Natur der Komplexe keineswegs immer zutriift, jeden• falls nicht wesentlich ist. Wesentlich ist nur, daß die Komplexe mit stärksten Kräften des Affekts an die Persönlichkeit gebunden sind, aber mit der freiwillig oder unter dem Zwang der Verhältnisse gestalteten Lebensführung in Widerspruch stehen. Und zwar ist dieser Widerspruch kein absoluter, nicht nnturiiotwcudig gegeben, sondern er entsteht erst dann, wenn eine bestimmte Wertung dieser Lebensführung, ein Streben nach Geltung in der einmal übernommenen Lehensform vorhanden ist. Der Komplex m 11 ß erst dann verdrängt werden, wenn im Gegensatz zu den Kräften und Strebungen der eigenen Seele fremde Wertmaiktäbe zur Grundlage der Lebensführung genommen werden, wenn dann die eigenen Inhalte au diesem anderswoher geholten, also eigentlich in• kommensurablen Wertmesser dennoch gemessen werden und dann natürlich wertlos erscheinen. Um es nochmals kurz zu sagen, nicht das Anderssein, sondern die andere Be• wertung macht einen Komplex Verdrängung*fähig uiui vordrängungspflichtig. So ist cs in der Seele des Einzelnen, so auch in der Kollcktivscclc von Völkern und Gruppen. Und so sehen wir nun deutlich, wie die moderne Krank• heit der jüdischen Seele sich als Vcrdrängungskranldieit im Freudsrhen Sinne darstcllt: Diese Seele war gefüllt mit reichsten eigenen Inhalten und gesegnet mit stärksten eigenen Kräften; sic war mit den Affekten einer jalirtauscndaltcn, durch unerhörte Martern immer wieder geprüften und bewährten Treue, und einer an unzähligen Leiden stets neu gestärkten Liebe an sic gebunden, und wurde nun in das europäische 19. Jahrhundert hincingcworfcn, das, aus ganz anderen Wurzeln stammend, aus ganz, anderen Quellen ge speist, seine eigenen, von den jüdischen sehr verschiedenen Inhalte und Kräfte entwickelt hatte. Und auf diesen ihr so ganz fremden Rhythmus, der im wesentlichen von der unatifhallsrmi fortschreitenden Technisierung, Mechanisierung und Kapitalisierung des Lebens beherrscht wurde, mußte siel» die jüdische Seele nun sofort einsteltcn. Unvereinbar erwiesen sich da ihre alten Inhalte und Strebungen mit den Erfordernissen dieses Lehens, oder wenigstens erschienen sic unvereinbar 'den Menschen, die in dieses Lehen sich cinzustelicn für ihre wichtigste und dringendste Aufgabe hielten. Der Wertmaßstab der anderen war allein noch gültig, auf der Wage der Kultur der anderen Völker wurde alles Eigene (angefangen von der Tracht und Kleidung, über Ausdruck, Sprache, häusliches und Gemeinschaftsleben hinweg, bis schließlich zum Letzten und Heiligsten, der Form und dem Inhalt des religiösen Lebens) gewogen und zu leicht gefunden, Diesem, mit vollem Bewußt- *ein sich abspielenden Prozeß der Assimilation entsprach in der Tiefe der Seele in» Reicli des Unbewußten der Verdrängungsprozell. Denn mit dem nach außen, als wirtschaftlichen und kulturellen Vorgang in Erscheinung tretenden Willen, den anderen ähnlich zu werden, ging -■ infolge der Verschiebung des Wertmaßstabes — im Inneren das Nicht-mehr-Jude-scinwollen einher und schuf hier die Erkrankung der jüdischen Seele, III. Verdrängte Komplexe, wir sagten es schon, sind nach der Theorie der Psychoanalytiker keineswegs aus dem Seelenlebe« des betreffenden Menschen ausgeschieden, sind vielmehr hinter der Barriere des Bewußtseins unausgesetzt tätig. Nicht nur, daß sie dauernd das Bestreben haben, hinter dieser Barriere hervorzubrechen, so daß stets eine gewisse Summe psychischer Energie erforderlich ist, um den Zustand der Verdrängung aufrecht zu erhalten, sondern sie Juden! sich ohne Wissen und gegen den Willen des betreffenden Menschen bei alle״ seinen Handlungen, indem sic gerade jene lein«״ ReguHenmgsmechanismen entscheidend beeinflussen, die das Charakteristische in der Erscheinung eines Menschen ausmachcn. Gesichtsausdruck, Rhythmus der Bewegungen in Gang, Sprache und Schrift gebendem Psychoanalytiker wichtige Anhaltspunkte für das Vorhandensein verdrängter Komplexe und auch im schriftstellerische» Stile ist dein geübten Leser die Mitwirkung solcher Kömplexe unschwer erkennbar. Der Jude nun, schon der Assimilationswillige, aber noch mehr der wirklich Assimilierte, der sich nun ganz mit der Kultur dir Umwelt verwachsen fühlt, dein die jüdischen!״halte, und erst recht die jüdischen Wertungen, fremd, ja Unverstandlieh geworden sind, ist geradezu ein Typus solchen KomplextrSpers geworden, Sein Judentum, ihm selbst kaum noch bekan»(, sicher als treibende Kr.ut seiner Seele ihm nicht mehr bcvv״LJt, ist doch in den kt/.ie״ Tiefen, dort, wo seine seelischen Quellen entspringen, inuner mittreibend und mit• 1' '* ׳t> ki'ö 111 Die Abonncmcnlsgcbütircn für die ,Jüdische Rundschau" betragen: Für Dcutsclilandl Im ninzefabonnement monatlich , .. im S״mn1e1ab1Mi1c1!1cnt der Ortsgruppen. Im I inzelalxmnemciit vierteljährlich im S&minclabonncment der Oitsgruppen 18$ a. Uö ,, ״ 2$.$ « ־.5 Afrika . . . Ausland (vierteljährlich) .... 6 sh Aegypten ... 6 sh Amerika . , . . . 1'/» Dollar Schrien . , . ... 35 Francs O01;׳arl*n * » י .... 220 Lewa Dänemark . . ... 9 Kronen . . 100000 Kronen Deutsch Oesterreich Enytand . . .... 6 111 Estland . . . . . 700 estn.Mark Finnland . . . . .60 finn. Mark Frankreich . . ... 30 Franca (!riechen land ״ .... 30 Franca Holland . . .... 4 Oalden Italien . , .... 36 Lire jugoslavlen . . . . .HO Dinare Lettland . , .... 8 Lata Litauen . . Luxemburg . M׳:mc׳tand , .... 12 Lits Norwegen . .... 10 Kronen Palästina .... 6 sh Polen . , poln. Mark entspr. 1'/! D01 Ram&nlen . .... 300 Lei Schweden .... 6 Kronen Schweiz . . .... 9 Franca Spanien . . .... 12 Pesetaa Tschechoslowakei .... 50 Kronen Türkei . . « .... 30 Francs Ungarn . . . . . 30 000 Kronen Verlag ״Jfulisclic Rundschau“ G. m. b. H, Berlin W 15, Sächsische Str. 8 formend, häufig auch gestaltend und entscheidend am Werk, Der Vergleich mit dem gepfropften Obribamn liegt nahe und ist zutreffend: wie auf den Stamm des Birnbaums vom Gärtner ein Apfelrcis gepfropft wurde, weil Acpfel zu produzieren ihm aus irgendwelchen Gründen ratsam schien, so ist auf den alten Stamm des ungcschwächt produzierenden jüdischen Geistes der blühende Zweie; europäischer Kultur und Wissenschaft auf• gesetzt worden, lzcr Baum bringt mm herrliche Acpfel, an Reichtum, Form und Farbe der Früchte von denen eines wirk• liehen Apfelbaumes nicht zu unterscheiden, wegen des guten Geschmacks mut guten Aromas sehr ge chätzt; nur der Fach mann cikcnnt prüfend den biruigen Geschmack und weiß, daß die Wurzel, aus der die Kraft zu solcher Reifung stammt, einem Biinhaum gehört. Was der Jude als Kaufmann, Wissenschattier, Künstler, Schriftsteller in europäischer Kultur geschaffen hat, gehört zu Europas Früchten, teilweise seinen wertvollsten F1 iichlcn, wird aber aus den »!»geschwächten Triebkiäiten der jüdischen Wurzel gespeist, erhält von ihr den ,.biruigen“ Beigeschmack, der den Früchten ihre Eigenart und damit auch ihren eigentlichen Wert gibt. Beispiele brauchen hier nicht gegeben zu werden. Das Problem des ״Juden in der deutschen Literatur" ist ja jedem geläufig, Doch auch der ״Jude in der modernen Wissenschaft“ stellt dasselbe Problem dar. Der assimilierte jüdische Forscher — und welcher aus der Generation derer, die das Studium der Lehre Israels mit der Forschung in der Weisheit der Völker der Welt vertauscht haben, wäre nicht assimiliert? — trägt ja auch den verdrängten Komplex des Judentums in sich. Und ohne sein Wissen und Willen schafft auch in ihm bei allen seinen Arbeiten das ״ewige Leben, das in uns gepflanzt ist“. Und nun schafft der jüdische Scclcnforschcr Freud aus Beobachtung und Ucbcrlegimg die Theorie der Verdrängung. Sollte nicht auch bei dieser Schöpfung der jüdische Geisl, ihm selbst nicht bewußt, mitgewirkt haben? Ich will liier nicht, wie man cs in dem oft häßlichen Kampfe um seine Theorie mehrfach spöttisch und ernsthaft getan hat, Freud seihst der Psychoanalyse unterwerfen; aber mir liegt die Frage am •Herzen, ob nicht vielleicht die Theorie der Verdrängung, die, wie wir gesehen haben, auf die Er• scheiuuug des in der fremden Kultur wirkenden, von seiner Quelle ahgedränglcn Galuthjuden so auffällig paßt, selbst im jüdischen Geiste wurzelt. Wei/maim ׳jenen die Exlrcmisten New York. (J.T. A.) Ain 5. Dezember sprach Dr. Weizm:um im Hause des Herrn Boris Orabclsky über die Kritik au der zionistischen Führerschaft und spielte besonders, ohne den Name« zu nennen, auf Israel Znngwills Kritik an. Dr. Wci/maiut führte aus, cs handle sieh nicht darum, oh man noch mehr von England fordern könne, sondern darum, <l.1־li die Forderung bewilligt wird, Es ist sehr viel leichter, eine theatralische Geste zu machen als mit Stetigkeit den Fortschritt der Bewegung vorznbcrcitcn. Von so vielen ־ feindlichen Mächten umgeben, können wir cs uns nicht leisten, eine theatralische Handlung zu inszcnicren. Dr. Weizmanu gab zu, daß das Regiernitgsko mite«, das die Lage in Palästina zu untersuchen hat, zu 60 o/o aus Zionisten gegnern besteht. T rotzdem waren diese gezwungen, die zionistische Sache als gerecht und. die von den Zionisten gchanxlhabtc Methode als mit dem gegebenen Versprechen übereinstimmend zu bezeichnen. Es sei schwer, fuhr er fort, sich zu mäßigen, dagegen überaus leicht, sich extrem zu gebärden. Abereine Di ק lomatic, die Erfolg haben wolle, dürfe nicht extrem sein. Das hat der arabische Extremismus be wiesen. - - ln Erwiderung auf die Warnung Reuben Brai n i 11 s vor der Aufnahme der reichen Nichtzionisten in die Jewish Agency, sagte Dr. Weizmann, nicht ein Jota der zionistischen Prinzipien wäre aufgegeben oder abgeändert worden, i1״ Gegenteil, clic Außenstehenden hätten ihren Sinn geändert. Dr. Weizmann schloß: Ich über'«!sc «3 dem Urteil der Gcsdtie. e, ob unsere gemäßigte Politik gegenüber England und gegenüber den außerhalb der Bewegung stehenden Juden die richtige war. Zitate Völkische Mordhymne und zionistisch. psychopathische Gedankengänge Ueber die in Berlin stnttgcfnndcnc und vertagte Prozeß. Verhandlung gegen den Platzmeister Samuel Lewinxohn, de«e« Verteidiger die Rechtsanwälte Dr. Klee und Dr. Fritz Simon sind, berichtet die ״Deutsch« Zeitung“ vom 18. De. zember: Samuel Lewinsohn, der die Frau Förster mit einem Beile erschlug, ist zunächst reif iür die irrenärztlidie Beobachtung: damit endete die gestrige Verhandlung vor dem Schwurgericht in Moabit. Nicht überraschend für den der genau hiusah: Da war das überraschend große Aufgebot von sechs medizinischen und psychopathischen Sactivcrständigen und hier saß als Verteidiger ein bekannter zionistischcr Anwalt, Samuel Lewinsohn sollte durchaus unter den Unzurechnungsfähigen oder mindestens nicht ganz Zu. reellruiiigsfäliigen uutertauchen. Nur der Entschluß des Ge. ricbls, so schnell mit den zionistisch-psychopathi. j sehen G e d a 11 k c 11 g ä n g c n mitzugcbeti, aus dein Heer j der geladenen Zeugen drei zu vernehmen und dann zu i vertagen — der Entschluß überraschte. In der deutschen Kriminalgcschichtc treten Juden, die blutigen Mord begehen, sehr selten auf. Durch die bekannte Abneigung gegen des E n t s c 11 e i. dende, den Hang, cs ui rgends zum äußersten kommen zu lassen, verliert der Jude einen Teil der seelischen Vorbedingungen, aus denen heraus die meisten Bluttaten begangen werden. Töten ist ein Korrelat von Sterben. Und nur das nicht 1 Docli nun wird in den Gcrichtssaai ein polnischer Jude geführt, der getötet hatte, und soll erzählen, wie er dazu gekommen ist. 2. Eine sympathische kochende Volksseele. lieber die orthodoxen Ausschreitungen in Warschau, bei der die Amtsräumc der Jüdischen Gemeinde demoliert und der greise Gemeindepräsident schwer mißhandelt wurden, schreibt der ״Israelit“: Was sich dort ereignet hat, dürfte in der Geschichte des jüdischen Gemeiiuiclcbeiis ziemlich ohne Vorbild dastdien. Es waren nicht etwa ״Proletarier“, keine Leute von der Straße und auch keine Arbeiter, die gegen die Verwaltung der jüdischen Gemeinde demonstrierten und sich dazu hinreißen ließen, statt der לול יעקב die ידי עשו anzuwenden, sondern gutjüdisehc Miltclstandskrcisc, Bachurim und ßnc Thora aus allen Schichten der Bevölkerung. Und au der Spitz: der Demonstration stand einer der hervorragendsten T a 1 in i d c C h a c 11 o n i m W arschaus, ein Manu, der noch nie aus den ,ד׳ אניות של הלבד herausgetreten war und der nun plötzlich die Massen gegen den Gemeindevorstand mobilisierte! Diese Tatsachen beweisen schon, daß ungewöhnliche U ebergriffe der leitenden Assimilanten die Volksseele zun! Kochen gebracht haben müssen. Und in der Tat: wenn cs ein schmerzliches Erlebnis bedeutet, daß orthodoxe Elemente zu dein unter allen Umständen verwcrllichen Miitci der rollen Gewalt gegriffen haben, so i,t das Attentat der Warschauer Gemeindeverwaltung gegen das religiöse Empfinden der Gemeinde, das den Anlaß dazu gau, nicht minder zu verurteilen. Die Herren wollen ein Studentenheim er rieht c n, das Studierenden männlichen und weiblichen Geschlechts zum Aufenthalt dienen soll. Ob für diesen umstrittenen Zweck gerade in Warschau öffentliche Mittel in Anspruch genommen werden dürften, soll hier ״»!untersucht bleiben. Aber daß inan dieses ״Heim■‘ nun ausgerechnet vor dem Eingang der Mikwa zu erbauen sich ansducU, obgleich der Gemeinde andere Piälze zur Genüge zur Verfügung stehen, das kann man nur als «ine unerhörte Herausforderung der großen Mehrheit des Warschauer Judentums, ja geradezu als ein Attentat auf סתרת בגוש ישראל bezeichnen. Das Rabbinat der Warschauer Gemeinde hatte das schändliche Bauprojekt der Gemeindeverwaltung, wenn wir recht berichtet sind, verboten! Und das Wiener agudistischc Organ, die ״Jüdische Presse“, nimmt solchermaßen Stellung: Uns hat diese Nachricht von der Ausschreitung der orthodoxen Jugend in Warschau überaus svm• pathisch berührt. Es wurden in uns Eindrücke lebendig, die wir bei der Lektüre der jüdischen Geschichte in unserer Jugend gewonnen haben. Einst hat man gegen einen jüdischen König, der sich gegen die religiöse Vorschrift verging, mit Esrogiin demonstriert, und zwar im Heiligtum selbst. Dann dachten wir an die Schüler Rabbi Akibas, die den Feind mit ihren Orificln Zurückschlagen wollten. Dies sind Eruptionen der jüdischen Jugend, die sicli im Dienste der väterlichen Tradition gegen die Feinde derselben wendet. Lange, lange Zeit naben wir nichts von dieser jüdischen Jugend gewußt. Im Mittelalter ist selten jemand öffentlich gegen die Tradition aufgctrctcii. 111 der Neuzeit wiederum hat die Jugend für die Tradition nicht viel übrig gehabt, vielmehr setzte sic sich in Gegensatz zu der alten Generation und alten Tradition. Erst seit einigen Jahren, in unverkcnnbarem Zusammenhänge mit der A g ud »bette• gütig, können wir wiederum von einer Jugend sprechen, die ihrer Pflicht der jüdischen Tradition gegenüber bewuOt ist. . , t Glücklicherweise hat sich diese thoratreue Judenheit aus ihrem Schlafe erwecken lassen. Sic hat eine Jugend, die i;11 ehrlichen Ringen für die Ideale der Alten cintritt und jede 1 I.indlung gegen das jüdische Gesetz und gegen die geheiligte Tradition als einen PcitscF.cnhieb empfindet, der, falls er von jüdischer Seite kommt, doppelt schmerzt. In Warschau scheint ähnliches vorgefallen zu sein und wenn auch die Ausschreitung der Jugend nicht als eine Kulturtat bezeichnet werden kann, so wollen wir in dieser, wenn auch etwas derben Demonstration, ein kulturhistorisches Zeichen des Erwachens der thoratreueu Jugend erblicken. Diese thorntreuc Jugend arbeitet und lernt, sie erblickt die geistige Heimstättc des jüdischen Volkes im Beil» Hatnidrasdi. Merkt sic, daß die aul Irrwege geratenen Ocmcindcgcwältigcn, statt dieses Bell» Hamidrascli ein Studentenheim, in dem das System der Koedukation bis zum Exzesse getrieben werden soll, in den Höfen der Synagogen errichten wollen, so führt sie den schlagenden Beweis, daß sic nicht gewillt ist, so offenkundige Kränkungen des tlioratrcucn Judentums u 11 gerächt geschehen zu lassen. Ein hebräisches Gymnasium In Danzig •Zoppol Danzig, (J.T. A.) Un!er der Mitwirkung des Zentral• biiros der 1״ arbuth“ die zu diesem Zwecke Herrn Pugatschow nach Danzig entsandt hat, wurde die Gründung eines hebräisehen Gymnasiums in dem in der Nähe von Danzig gelegenen Seebad Zoppot beschlossen. Da* Gymnasium soll schon Ende 'Januar PHt eröffnet weiden. Zum' Direktor der neuen Au• Halt wurde Dr. Auerbach bestellt, der bereits in Zoppot weilt, um die Vorbcmtung&arbeitcu zu leiten.

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