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Jüdische Rundschau · 1923-12-21 · Heft 106-107 (21.12.1923) · page 5

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXVIII (1923)
Issue
Heft 106-107 (21.12.1923)
Date
1923-12-21
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Nr. 106/107 JU EDISCHE RUNDSCHAU Seite ÖlS Die ElekfriBzicmiifl Palästinas Nach Mitteilungen von Ing. Ruthenberg. (Von unserem Wiener Korrespondenten.) Nach Mitteilungen von Ing. Ruthenberg, der gegenwärtig in Wien weilt, erstreckt sieh seine Elcktrifi/icrungskonzession auf Palästina, Transjordanien und alte sonstigen Oebiete, die evtl, einmal unter die Administration des High Conunissioner für Palästina falten werden. Sie erstreckt sich auf die Wasserkräfte des Jordans und seiner sämtlichen Nebenflüsse, sowie auf die Wasserkräfte im französischen Mandatsgebiet, die nach der französisch-englischen Konvention für Palästina nutzbar gemacht werden können. Ihre Dauer ist 70 Jahre. Sie gilt auch für die Erzeugung von Elektrizität durch andere Mittel, als durch Wasserkraft, ferner gibt sic ein ausschließliches Recht für Anlage elektrischer Straßenbahnen und elektrischer Vollbahncn. Die Tarife sind so zu erstellen, dal) die Dividende in den ersten zehn Jahren nach Rücklage von 20 °/0 vom Gewinn g 0/a erreichen darf. De Rtifhcnbcrg-Oc-eil schalt genießt die Stellung einer Körperschaft öffentlichen Nutzens (Public utiiity body) und hat, solange die Dividende nicht 8 ״/o beträgt, keine Einfuhrzölle auf die von ihr Importierten Materialien zu zahlen. Für die Gesellschaft, die ״Palestiue Electric Company“, sind bereits 250 000 Pfund c i 11 g c z a h 11 und weitere 159000 Pfund gesichert Das noch fehlende Kapital wird zurzeit durch Aktienwerbung aufzuhringen versucht Der größte Vorzug des Projektes ist es, daß der wichtigste und kostspieligste Teil einer derartigen Anlage, das Staubcckcn, schon von Natur vorhanden ist: der Tiberias• sec mit 170 qkm Fläche. Dieses Becken reicht für allen erdenkbaren Bedarf, docli wäre außerdem auch der Mcromscc als Staubecken verwendbar. Das große Wassergefälle des Jordans wird in der Weise ausgenützt, daß das Wasser des Tiberiassees bis auf 2'/a m von der Oberfläche hinab bcnutzt wird; als Wasserrinne dient zunächst auf l km der Jordan selbst, dessen Bett ausgebaggert wird. Nach dieser 1 km langen Strecke wird das Wasser in einem Oberwassergraben von 2,2 km Länge geführt, um sich am Ende der Strecke mit einem Oefälie von 24 m in das Jordanwasser zu ergießen. Vorher wird es durch Röhren in das Maschinenhaus geführt Die erste Stufe, die ausgebaut wird, kann 6000 P$־Stu11den leisten, sic ist auf 18 000 PS erweiterungsfähig. Vom Kraftwerk fließt der Strom Ln einer Hochspannung von 66 000 Volt zu den Vcrbrauchsstdicn, wo er auf niedrige Spannung transformiert wird Ein großer Absatz ist schon jetzt gesichert, und zwar durch den Kraftbedarf der bestellenden Industrie, der Eisenbahnen — die Strecke jaffa—Jerusalem wird sofort nach Fertigstellung desWerkes elektrifiziert werden — ferner durch den Bedarf der zu bauenden Hafenamlagen, der Pumpen in Wasserwerken, Orangerien usw., ferner durch den Bedarf der Städte an Straßenbahnen, Licht usw. Da der Strom sehr billig sein wird, indes alles Heizmaterial importiert werden mul) und sehr teuer ist, werden auch Kochen und Ficizen in Städten und Kolonien durch clcktrischcn Strom vorteilhaft betrieben werden können. Man kann sagen, daß dadurch eine gewaltige Verbilligung der Lebenskosten — auch in den Kolonien — eintreten wird. In Tcl-Awiw besteht schon eine Station, die vor- .. LJufig durch zwei Dieselmotoren zu je 500 PS betrieben wird, in Haifa soll eine zweite gebaut werden. Nach Aus• bau der Wasserkräfte werden diese Anlagen als Reserve- Stationen dienen. Die Bedeutung des Ruthenbergwerkes — das vom Früh- Jahr an zahlreiche Arbeiter beschäftigen wird — für die Kolonisation Palästinas kann nicht hoch genug veranschlagt werden. Erst nachdem billiger Strom vorhanden sein wird, werden Industrie, Landwirtschaft, Gewerbe usw. einen mächtigen Aufsclivvung erfahren können. Da die Konzession so umfassend wie nur möglich ist, die Gesellschaft überdies auch die clcktrischen Installationen und die Lieferung der Elcktromaterialicn und Maschinen für alle Anlagen übernehmen wird, kann sie als erstklassiges Geschäfts unternehmen mit vollkommen geskherter Rentabilität angesehen werden. Es ist daher kein Zweifel, daß Ruthenberg die nötigen großen Kapitalien finden wird * Wien. (J.T.A.) Ingenieur Pinchas Ruthenberg weilt seit einigen Tagen in Oesterreich und ist mit der Zusammen- Stellung einer österreichischen Gesellschaft zur Finanzierung des palästinensischen Elektiifi/ierungsprojckts beschäftigt. Die neue Gesellschaft soll mit einem Kapital von 50 OCX) Pfund Sterling gegründet werden. An der Spitze dieser österrei• eliischcn Aktion steht Ingenieur Johann Kremenezky, der Irereits eine Anzahl jüdischer Kapitalisten für das Unternehmen gewonnen hat Das Gründungskapital in der Höhe von 50000 Pfund wird bald zustande gebracht sein. Die öster• rcichischc Gruppe wird für ihr Kapital die entsprechende An• zahl Shares der Ruthenberg Gesellschaft übernehmen, Jerusalem. (J.T.A.) Der stellvertretende Distrikts• Gouverneur von Jaffa, Major Campbell, veröffentlichte eine Entgegnung auf den Protest der mohammcdanisch-christliehen Vereinigung gegen die Versorgung Jaffas durch das Ruthenberg-Uuteniclimcn. Major Campbell erklärt, die Kon- Zession sei Herrn Ruthenberg erst nach langen Verhandlungen gegeben worden. Die von der Stadtverwaltung genehmigte elektrische Lichtanlage in der Stadt ist eine ausschließlich geschäftliche Angelegenheit Die beiden Araber Kenia! Daj ani und Mussa Kiali wurden verhaftet, weil sie das Volk zu Gewalttaten aufgcrcizt hatten. An der Spitze der Tagesordrung der ersten Zusammenkunft des Exekutiv-Komitees der neuen arabischen gemäßigten Partei stand der Protest gegen das Rutlicnberg-Untcrndiincn und der Entwurf eines Berichtcs über diesen Plan, der der Regierung und der Bevölkerung vorgelegt werden sollte. IcseMlUgunf jütllsclicr Arbeiter durch arabische Notabcln Jerusalem. (J.T. A.) Einer der reichsten Notabcln In Jaffa, Ali Effendi *1 Mustakom, hat mit der jüdischen kooperativen Arbeiter-Verein!- gung in Palästina einen Vertrag über den Bau von elf großen Lagerhäusern in der Hauptstraße zwischen Jaffa und Tel-Awiw abgeschlossen. Die für den Bau gebrauchten Maschinen werden von der Ruthenberg-Station mit ciektrisclrer Kraft versorgt werden. AU Effendi erklärt öffentlich, er sei von der bis jetzt geleisteten Arbeit außerordentlich befriedigt, er rate allen seinen Freunden, der jüdischen kooperativen Arbeiter-Vereinigung Aufträge zu getm. Sifmig des Koard ©I Dcpiillcs London. (J.T. A.) Am 15. Dezember fand ln London eine Sitzung des. IDepnticrlcnratcs der englischen Juden (Board ol Di'pnlics) sialt. Der Präsident H. S. Q. Henriques begrüßte den anwesenden Minister für, jüdische Angelegenheiten in Litauen, Dr. Rosen ba um, und fügte hinzu,* das Joint Foreign Committee werde in den litauischen Fragen mit Dr. R0‘-.(1!׳bm1m die Verbindung unterhalten. Colonel Waley Cohen berichtete über die Arbeiten des Gesetzes- und Parlnmcntskomitecs. Er verlas sodann einen Brief des Korrespondenten In Dublin, ans dein hervorgeht, daß allem Anschein nach die Urheber der zwei Judenmorde keiner organisierten Aatiscmltenpartci angehörten und daß die Re* (gierung ihr möglichstes tue, die Mörder ausfindig zu machen. Herr Landau wünscht, daß der Board of Deputies direkt im Parlament vertreten sein solle um! daß man vielleicht Herrn Tu r 11 e r-Sa muel, einen Abgeordneten der Labour• Party und früheren Delegierten des Board auffordem sollte, in den Board einzutreten. Die Lage in Deutschland. In Abwesenheit des Herrn d’Avigdor Ooldsmid (der sich auf einer Ica-Vcrsammlung In Paris befindet) erstatt etc Herr B, S. Strauß den Bericht des Komitees für auswärtige Angelegenheiten (Joint Foreign Committee). Der Bericht legte dar, daß die Situation in Deutschland etwas übertrieben ciargestellt worden wäre. Noch sei jedoch die antisemitische Bewegung in Bayern bedrohlich. Durch die Möglichkeit einer Wiedererstarkung der Hitler- Partei ist die Lage für die Juden noch immer unsicher. Auf Anordnung der Regierung hat der britische Konsul in München in freundschaftlicher Weise den bayerischen Behörden zu verstehen gegeben, weichen schlechten Eindruck die Judciimiswcisiiiigen in England gemacht haben. Britische Hilfskomitees hatten sich zu Hilfsmaßnahmen für Deutschland zusaimnengcschlossen. Es ist aber davon abgesehen worden, einen besonderen Aufruf an die jüdische Gemeinschaft zur Hilfe für die deutschen Juden ergehen zu lassen, obgleich sehr viele Gesuche im Namen von Juden des Gelehrten- und Mittelstandes eingegangen sind. Die Juden in Litauen. Der Rericht über die Juden in Litauen stellt fest, daß die Vollmachten des Ministers für jüdische Angelegenheiten vermindert worden seien und ferner, daß der litauische Sejm die Annahme des Gesetzentwurfes über die Ratifizierung des Minoritätenvertrages mit dem Völkerbund in dritter Lesung abgclchnt bat. Die Herren Luden Wolf und Dr. Rosenbau 111 ergänzten den Bericht durch Einzelheiten. Dr. Rosenbauin gab hierauf eine allgemeine Uebcrsicht über die Lage der Juden in Litauen und bezeugte, daß die Verhältnisse im allgemeinen günstig sind. Die Juden macken 8—10«> der Gcsamtlicvölkcrung Litauens aus. Sie hätten dort eine neue Form der jüdischen Organisation geschaffen, die vielleicht als Muster für andere Länder dienen könne. Sie hätten einen Minister für jüdische Angelegenheiten. In Polen würde das als eine Anmaßung angesehen und in England und Frankreich wäre cs ein Nonsens. Litauen ist das einzige Land Osl- und Zcntraleuropas, dessen Juden es nicht nötig hallen, sich nach London und Paris um Hilfe zu wenden. Die litauische Verfassung gewährt den Juden ein großes Maß von Selbstverwaltung. In Litauen besteht eine große Anzahl Institutionen zur Unterstützung der aus Rußland kommenden Flüchtlinge. Dann seien auch die Kreditanstalten von besonderer Wichtigkeit. Ferner gäbe es keine Stadt, in der nicht die jüdischen Schulen einen Staatii ciicn Zuschuß erhalten. Die Juden Litauens haben mit inneren Schwierigkeiten zu kämpfen, und möglicherweise würden sich auch noch weitere Schwierigkeiten ln ihren Beziehungen zu den übrigen Teilen der Bevölkerung ergeben. Trotzdem sei es ein Zeichen der zwischen Juden und Nichtjuden bestehenden guten Beziehungen, daß in Litauen noch nichts über einen Numerus clausus laut geworden ist, obgleich 50 °/0 der Studierende n' Juden seien, während die Juden nur 8°/» der Gesamtbevölkerung ausmächcn. Herr Luden Wolf führte dann aus, daß die Lage In bezug auf die Handhabung der Minoritätenfragc seitens der litauischen Regierung ungeklärt sei. Das litauische Parlament behauptet, nicht die Befugnis zu haben, den Vertrag zu ratifizieren, und daß dies auch nicht nötig sei, während der Völkerbunds• rat ohne Diskussion den Vertrag als rechtmäßig ratifiziert ansicht. Heber die Frage der Flüchtlinge in Rumänien, be• richtete Herr Luden Wolf, sei 111 Paris eine Konferenz ab• gehalten worden. Es habe sich als unmöglich herausgcstellt, die Zusage ciuzuhalfen, daß bis Ende Dezember alle FHiebt■ lingc aus Rumänien heran?geholt sein werden; cs sind Schritte unternommen worden, um das den Flüchtlingen deswegen drohende Unheil zu verhüten. — Das Joint Foreign Committee besdiältigte sich weiter mit der Ritua Imo rdpropa gauda in verschiedenen Ländern. Bezüglich der Fallaschas in Abessinien wurde der Beschluß gefaßt, an den Völkerbund mit dem Ersuchen herauzutreten, die Fallaschas, im Hin• blick auf die vor kurzem erfolgte Aufnahme Abessiniens in den Völkerbund, unter •den Schutz des Minoritätenvertrages zu stellen. Antisemitische Ausschreitungen in Memel Kowno. (J.T.A.) Die litauische Telegraphen- Agentur (Elta) berichtet über ,nitijüdischc Exzesse in der jetzt zu Litauen gehörenden Stadt Memel. Mau habe dort jüdische Bürger in den Straßen angcfallcn und die Schilder jüdischer Cicscltitflsiädcn in litauischer Sprache beschmutzt. Die litauis ehe Tclcgiaphcii-Agcntur nimmt an, daß diese Auaschrcitungcn von aus Deutschland cingetroffcnen Hakenkreuzlern begangen w-orden seien. Die Waiden 11t Crlcclicnland und die Juden, Saloniki. (J. T, A.) Die vom Vorstand der $ak>- nikicr Jüdischen Gemeinde vor kurzem erlassene Erklärung, daß sich die Juden Salonikis an den Parlaincntswahien bcteiligen werden, wurde auf energisches Betreiben der Zionisten und Arbeiter zurückgezogen. Da nun die meisten Anti- V e n i zelis t en ebenfalls Wahlenthaltung üben wollen, wurden zwischen diesen und der jüdischen Opposition, wegen eines einheitlichen Vorgehens bei den Wahlen, sowie wegen einer gemeinsamen öffentlichen Erklärung, Verhandlungen gepflogen. Nalintn Sokolow In Paris Pari*. (J.T.A.) Natnim Sokolow ist am 12, Dezember in Paris eingetroffen. Von hier begibt er sich zunächst wieder nach London und dann nach Südafrika, wo er die Propagandatätigkeit für den Keren Hajessod cinlcitwi wird. Ucberslcd'tmg J. B. Kanus nach Palästina Haag. (J, T. A.) f lerr J. H. Kann reist in den nächsten Tagen mit seiner Familie nach Palästina ab. Herr Kann äußerte sich dahin, man könne nieht über die Lage Pa• lästinas urteilen, wenn man nicht selbst im Lande geweilt hat. Er wolle sich deshalb ln Palästina eingehenden Studien über die Entwicklung des Landes widmen. Er betonte, er ziehe nicht als Gast nach Palästina, sondern er wotic dort seinen Wohnsitz nehmen. Es sei möglich, dali er für den- Sommer wieder nach Holland komme; dann werde er über die Fortschritte in Palästina Bericht geben. Die polnische Rcgicrunfiskrlse und die jüdischen Abgeordneten Warschau. (J.T,A.) Der jüdische Parlamentsklub gab ein Kommunique heraus, in welchem mit Entrüstung festgesteUt wird, daß 4er Staatspräsident Wojcicchowski während seiner Beratung mit den Oppositionsparteien die jüdischen parlamentarischen Führer nicht zugezogen hat ln dem Kornnumique wird ferner gefordert, daß die neue Regierung in Polen sich auf sämtliche demokratischen Parteien stützen und öffentlich und entschieden mit dem bisher geübten System der Unterdrückung der nationalen Minderheiten ln Polen brechen muß. Die nationalen Minderheiten verfügen über 83 von insgesamt 414 Deputierten im Sejm, sowie über 26 von 111 Senatoren im Senat. Der jüdische Parlamentsklub setzt sich zusammen aus 32 Sejm-Deputierten und 14 Senatoren. Dille amerikanisch jüdischer Arbeiter Ittr die Arbeiter im Ruhrgebiet New York. (J.T.A.) Das ״Jüdische Arbeits-Hilfskomitce“ erhielt von verschiedenen Gruppen jüdischer Arbeiter im Ruhrgcbict Gesuche um finanzielle Hilfe. Das Komitee hat vorläufig die Summe von 1000 Dollar zur Verfügung gestellt und gleichzeitig auf telegraphischem Wege den Poale-Zionisten Alexander C h a s c h i ei in Berlin auf ge fordert, er solle sich nach dem Ruhrgcbict begeben und einen genauen Bericht über die Lage der jüdischen Arbeiterschaft im Ruhrgebiet nach New York senden. (Bekanntlich existieren die größeren jüdischen Arbeiterzentren im Ruhrgebiet nicht mehr, da nach der französischen Besetzung fast die gesamte jüdische Arbeiter- Schaft von dort nach Belgien und Nordfrankreich abgewandert ist. Es befinden sich im Ruhrgcbict nur noch etwa 1000 jüdische Arbeiter, die ■unter Hunger und Arbeitslosigkeit m leiden haben.) Verband aircrikaniscli-iildischcr Frauen St Louis. (J, T, A.) Die 30. Konferenz des Verbände» amerikanisch-jüdischer Frauen (Council of Jexvish Woiticn) nahm einen Beschluß an, daß sich die amerikanischen Frauen durch ihren Verband an der Arbeit ihrer europäischen Schwestern beteiligen sollen. Der Verband soll sich aber keinem Weltverhand oder sonst irgendeiner Weltorganisation, die sich mit Politik befaßt, umschließen, jedoch wird der amerikanische Verband zu periodischen Weltkonferenzen Vertreter entsenden. An den Diskussionen über das Em grationshilfswerk des Councils beteiligten sich auch di« aus Europa anwesenden Gäste, Frau Rosa Ponicrantz-Mcizcr, die einzige weibliche Abgeordnete des polnischen Parlaments, und Frau Sidonie Werner, Hamburg. Aus der jüdischen Well Am Morgen des 9. Dezember fand in der St. Oeorg*. Kathedrale zu Jerusalem ein Dankgottesdienst aus Anlaß der sechsten Wiederkehr des Tages des Einmarsches britischer Truppen in Jerusalem (unter FeldmarschaU Lord Allenby im Jahre 1917) statt An der Feier nahmen der Oberkommissar Sir Herbert Samuel, sowie alte anderen Regierungsbeamten, Christen, Juden und Mohammedaner teil Ebenso waren der Oberrabbiner, die griechischen und armenischen Geistlichen und alte in Jerusalem weilenden ausländischen Konsuln zugegen. Der Multi und der römische Patriarch Monsignore Barlassina blieben der Feier fera Der Gottesdienst wurde in den drei offiziellen Sprachen 1 Englisch, Hebräisch und Arabisch abgchaltcn. Dieser Tage ist der neue Direktor der Oesundheits- Organisation ״llatlassah“, Dr. Tannen bäum aus New York in Jerusalem et 11 getroffen. Dr. Tanncnbauin stand mehr als 20 Jahre im Dienst des Gesundheitsamtes in New York, wo er der Chef der Hygiene-Abteilung und der Tuberkulosen- Abteilung־׳ war. Später war er am Mount Sinai-Hospital tätig, und darauf ging er nach Philadelphia als Direktor des dortigen jüdischen ' Krankenhauses und des Iteth-DavRl-Krankcnliauses. An der Universität New York las. er über Volksliygiene. Das von ihm verfaßte ״Handbuch für Oesundheitsbeamte“ hat starke Verbreitung!gefunden, lieber die finanzielle Lage der ״Hadassah“ äußerte’ sich Dr. Tannenbaum befriedigt. Das Budget sei bis zum Mai 1924 gesichert und er hälfe, dal) inzwischen auch weitere Mittel aufgebracht werden, um die gegenwärtige Arbeit nicht nur fortzusetzen, sondern auch zu erweitern. In Nablus wunde dieser Tage ein arabisches Stück mit Gesang aufgeführt. Der Thcatcrclior hatte ein Lied zu singen, welches mit dem Refrain ״Nieder mit den Juden, heraus mit den Zionisten!“ schloß. Ein Teil des Publikums protestierte laut gegen dieses Lied; mehrere riefen: ״Die Juden bringen dem (andc großen Nutzen, die Araber brauchen ihre Hilfe!“ Es kam zu einer Schlägerei, so daß die Polizei cingrcifcn mußte. Einige Personen wurden, verhaftet. Die vor kurzem wegen Aufhetzung der Bevölkerung gegen das Riithcnbcrg-Uutcrm timen verhafteten Kanal el Dajani und Mnsa el Kawil wurden gegen l1ün:.H1aft freigclassen. Professor Dr. Paul Rosenstein, der Leiter der chirurgischen Poliklinik des jüdischen Krankenhauses in Berlin, ist als Nachfolger des jüngst verstorbenen großen jüdischen Cliirurgen Professors Karowski zum Direktor der chirurgischen Abteilung dieses Krankenhauses gewählt worden. Der amerikanisch-jüdische Millionär und Philanthrop Nathan Straus trat am 20. November «ine Reise nach Europa und Palästina an. Herr Straus beabsichtigt, in Italien, England und Frankreich Milclipastcurisicrungsbctriebe zu gründen und das Pastcurisierungsvcrfahrcn, dem er seit vielen Jahren seine Kräfte gewidmet rut, überall, wo er hinkommt, zu propagieren. (J. T. A.) In Berlin erscheint in einigen Tagen die erste Nummer einer neuen hebräischen Monatsschrift unter dem Titel ״Atidenu" (Unsere Zukunft). Die neue Zeitschrift wird das Organ der hebräischen Kulturorgauisation ״Tarbutti“ sein.

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