Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXVIII (1923)
- Issue
- Heft 103 (11.12.1923)
- Date
- 1923-12-11
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/2651273-2652595-2652502-2652590--16981-2674689- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
V Seile SOS JUEDISCHERUNDSCHAU Nr.!03 1. Militaristischer und jüdischer Geist Eine kurze Durchsicht von Nachrichten aus den letzten Kalendertagen gestattet uns, den Zusammenhang zwischen militaristischer Gesinnung und aktivem Antisemitismus zu unter־ streichen. Zu anmutigem Kranze verflechten sich Kundgebungen der Waffenträger aller Länder; und die Hindernisse der Sprache und Volksgrcnzcn verschwinden vor der Einmütigkeit, mit der der Mensch in Uniform gegen ״den Juden“ Steilung nimmt. In Paris versammeln sich die royalistischcn Studenten — die Anhänger König Cruchos aus Anatolc Franecs un• sterblicher ״Insel der Pinguine“ — und proklamieren die Vernichtung der Juden, jenes Haupthindernisses für die Aufrichtung der Monarchie in Frankreich, als den ersten Schritt zur notwendigen Zerstörung der französischen Republik, In Deutschland — in Sachsen ־— sucht die Reichswehr nach Waffen unter anderem bei bekannten bürgerlich •jüdischen Persönlichkeiten und Einrichtungen; in Chemnitz z. B. in der Jüdischen Lesehalle und auf dem Friedhofe, wo die Juden bekanntlich mit Vorliebe Waffen Hinterlegern Die Schupo in Danzig stimmt bei der Wahl zuin Volkstag ״dcutschsozial“; die benachbarte litauische Armee gedenkt für ihre Verproviantienmg und Ausrüstung jüdische Kaufleute nicht in Ansprach zu nehmen, deren Steuern sie allerdings zu ihrem Solde ungern entbehrte, während der Jungdeutsche Orden wiederum, der ״Jungclo“, welcher einen Oroßkomlhur hat, bei seiner Tagung im Berliner Kriegervereinshause als den taktischen Hauptpunkt des Ordens feststellt, dab an einen Auibau des Vaterlandes erst dann gedacht werden könne, wenn ״der Jude aus dem deutschen Volke wieder herausgedrängt worden sei“. In schöner Einigkeit mit der Gesinnung der französischen Royalisten —■ warum besteht noch keine Verschmelzung Ihrer beiden Parteien, meine Herren? — wird auch für ״Jungdo“ der Kampf für das Vaterland notwendig zum Kampf gegen das Judentum; und wenn in Frankreich zwei jüdische Journalisten (Landau und Golzki) seit sieben Jahren unschuldig verurteilt im Gefängnis sitzen, weil man sie anno 1916 ohne Grund in das Verfahren gegen Almercyda und sein ״Bonnct Rouge" hineinzog, so müssen sich die bayerischen Volksrichter brüderlich angchcimclt fühlen, dank deren Rechtsprechung der jüdische Journalist Fechenbach im Zuchthausc darauf wartet, daß der Geist der Kriegsgcrichtc aus der deutschen Rechtsgesinnung eines Tages ausfahren werde. Wir erinnern uns, daß die niederträchtigsten Verbrechen gegen Juden, nämlich gegen Wehrlose, von den überaus eleganten Trägern rumänischer Achselstücke begangen worden sind; wir zweifeln nicht daran, daß die Abneigung cnglischbr Generäle, auch wenn sie in Jerusalem sitzen, gegen uns nicht geringer ist, als die deutscher, wenn sie in München sitzen; und wir wissen, daß, wenn die Untergebenen, welche nur Achselklappen tragen, ihren judenfeindiiehen Gefühlen und dem allgemeinen Ton einer militaristischen Truppe durch Bestialitäten Ausdruck gegeben haben, die Herren Führer ebenso bestreiten werden, für die Ausschreitung ihrer Helden die Verantwortung zu tragen, wie der Ataman Machno soeben vor einem Warschauer Gericht seine Verantwortlichkeit für die ungeheuerlichen Morde, Foltern und Vergewaltigungen abgclchnt hat, die von seinen Truppen an den Juden der Ukraine begangen worden sind, Wir geben zu, daß überall nationale Abschattungen zu verzeichnen sein werden. Ver• geblich werden siel» z. B. deutsche oder amerikanische Anti• semiten zu einer ״Kriegslist" versteigert, wie sie eben im Prozeß wegen des Bombcnattentatsplans gegen die französischc Gesandtschaft in Budapest der Angeklagte, Student Franz Fiß, zu Protokoll gab, der gestand, daß er Ende 1919 und im Jahre 1920 ganze Tage lang aut der BudapesterStraßenbahn umherfuhr, um Offizieren und Studenten mit vergifteten Nadeln Stiche beizubringen, welche furchtbare Schmerzen verursachtcn. Er hatte diese Nadeln von dem Führer der Erwachenden Magyaren, Herrn Joseph Marffy, mit dem Auftrag erhalten, Stiche nur dann auszutcllcn, wenn in der Nähe des heimlich so Angegriffenen ein Mann jüdischen Aussehens oder ein Arbeiter säße, damit sich der Verdacht der Titerschaff auf Juden und Sozialisten lenke. Solch ausschweifende Phantasie bringt man nur in Ungarn aufj zum Aequivalent dafür bringt man allerdings in Ungarn auch die Kühnheit auf, den Finanzmlnistcr des Staates, wenn er in London Geld sucht, erklären zu lassen, es sei ״ein Unglück gewesen, daß sich die Verärgerung der Massen gegen den Bolschewismus auf die Juden übertragen habel" Dieses Unglück hat die ungarische Regierung in Form überaus tatkräftiger Offiziersvereine nicht nur gekannt, sondern auch geschehen lassen, und wenn wir solche Ablcugmingstaktik nicht als ein Mittel der Kriegsführung sehr wohl kennten, müßten wir hier von einer eisernen Stirn sprechen, wo es sich doch nur um einen etwas täppischen Kunstgriff der eisernen Faust handelt. Sprechen solche Meldungen nicht für sich selbst? Der Träger der Waffe fühlt mit gutem Instinkt im Juden seinen typischen Ccgengeist Der Jude zweifelt an dem, woran zu zweifeln ein todeswürdiges Verbrechen ist: an der Ewigkeit des Kriegertums, an der Uncrsetzlichkeit des Militärs, au der dreimal heiligen Bestimmung produktiver und friedliebender Arbeiter und Bürger, als Heeresersatz und Menschenmaterial dem Genius des Krieges Gefolgschaft zu leisten. Der Jude ist für die Landesverteidigung durch eine demo• kratische Miliz zu haben; in der agressiven Armee sicht er das Mittel zur Verewigung der Kriege. ״Der ewige Friede ist ein Traum und kein schöner" — das sagen die Generäle aller Farben. Ihr gutes Recht; dafür sind sie Generäle; und weder verlangt man von Fleischern das Lob der Pflanzenkost zu hören noch von Gastwirten das Hohelied der Abstinenz. Aber der Jude, als Sohn der gesunden Vernunft und in ihrer Anwendung respektlos sogar vor der Uniform, untergräbt durch seine Existenz die Lehre, daß aus den Verkündern der Ewigkeit der Kriege und des Vorrangs der Uniformen vor allen anderen menschlichen Arbeitskicidcm nicht etwa die Wahrung berechtigter Interessen spreche, sondem die Stimme der göttlichen Weltordnung; und also ist die Antipathie berechtigt, die ihm von der Uniform entgegen gebracht wird, und an der noch so viele vom Nimbus des Waffenrockes und der Sporen faszinierte bürgerliche Juden nichts lindern werden. 2. Keine Äbleugnung! Wir erwarten nicht, daß man die emsig aufgezogene antisemitische Hetze jetzt, wo die wirtschaftliche Not breiter deutscher Schichten ihr zu Hilfe kommt — wobei wir unerörtert lassen wollen, wie weit diese Not von denselben ״Staatscrhaltenden“ mitverursacht wurde, die auch die Jagd auf den Juden starteten und reiten —wir erwarten nicht, daß man sie jetzt aufgllt, wo sich bei der Bcrr.tinmg mit der rauhen Wisl.lichkeit, der Jude doch nicht g.': : so vereinsamt hcrausstcllf, wie rnr..1 insgeheim überzeugt war, daß er sei — wenn mm! msci• immer den ׳ alten Trick a!wandte, von der Uebermacht des Judentums zu schwätzen, gegen das die bekannte Abwehr der bedrohten, unschul* digen, arisch-christlichen Wcltmajorität nun endlich cinsctzcn müsse. Wohlgcmcrkt: es liegt uns nichts daran, die niederträchtige Repressalien- und Gciselpoliiüc kriegführender Mächte, die sicli von der Antike her bis zum heutigen Tage bewundernswert frisch erhalten hat, nun einmal zugunsten von Juden angewendet zu sehen; sie wird dadurch nicht schöner. Der Zustand der Erde wird nicht wohnlicher, warn nun deutsche, in Polen wohnende Familien unglücklich und ihrer Existenz beraubt werden, well vorher jüdische, in Bayern wohnende Familien aus der ihren herausgeworfen und unglücklich gemacht worden sind, oder wenn deutsche Hungernde weiter hungern und erkranken müssen — falls der Ccllcrschc Plan, die Diskussion einer deutschen Anleihe in Amerika zu sistieren bis Bayern seinem Antisemitismus etlichen Zwang antäte, sich durchsetzt — damit die Dcutschvölkischcn ihre idealen Ziele besser im Busen zu wahren lernen. Man wirkt auf Völker nicht mehr ein, indem man einzelne ihrer Glieder- Individuen drangsaliert; dazu sind Nationen heute zu groß und zu locker im Gefüge geworden; die verbindende Kraft in ihnen ist allzu verdünnt, als daß sich Repressalien, ganz abgesehen von ihrer ethischen Minderwertigkeit und Scheußlichkeit, noch wirksam zeigten, um einen Unrechttätcr zu hemmen. Man lerne aber wenigstens, daß man nicht unbeachtet von der Welt Judenfamilien aus Ihrer in dreißig Jahren aufgebauten Existenz hinauswerfen kann, ohne daß man damit Gegenkräfte entfesselt, und daß man vergeblich versucht, unter der Spitzmarke allgemeiner Nahrungsmittel- Unruhen speziell antisemitisch geleitete Tumulte und Piünderungen zu verhüllen. Darum, weil auf so plumpe Technik ja doch niemand mehr hincinfällt, gebe man sie endlich auf. Man Sei so dreist, wie man ist Man versuche nicht, die verfolgte Stuart zu spielen, wenn man die verfolgende Elisabeth ist. Man habe den Mut seiner Taten. Man erkläre nicht vor aller Welt, daß in Bayern keine Ausweisungen von Juden mehr Vorkommen sollen, wenn man daran geht, den Ort dieser Ausweisung von München nach Nürnberg zu verlegen. Aus dieser Stadt wird die Ausweisung von zehn jüdischen Familien gemeldet; dieser Akt völkischer Politik wird durch die Dementis und Mitteilungen, die W. T. B. gleichzeitig verbreiten muß, der Welt nur um so fühlbarer. Und aus Neusalz in Nicderschlcsicn erfahren wir mit allen Einzelheiten, wie aus einer allgemeinen, gegen die Teuerung, besonders des Fleisches, gerichteten Protcstvcrsammlung eine ausgesprochene Judenplünderung wurde. Die Unglücklichen begannen die Plünderung freilich bei einigen christlichen,' Fleischern. Dann aber zog man von einem jüdischen Geschäfte zum andern, indem man die nichtjüdischen Läden unbeachtet ließ, und zerschlug bei Juden, die man seit Jahrzehnten als reelle Kaufleute kannte, Schaufenster, erbrach Rolläden und plünderte Geschäfte, besonders Schuhgeschäfte, bis auf den letzten Nagel überall dort, wo die bedrohten Inhaber der Masse nicht freiwillig Warenmengen auf die Straße warfen. Weder Mißhandlungen noch das Eindringen in Privatwohnungen fehlten, so daß das Bild eines freilich durch ״schlesische Gemütlichkeit“ gelinderten Pogroms voll ständig Ist Wie bei all solchen Aktionen des ״Volkes“ fehlten auch humoristische Züge nicht, die freilich nur der Zuschauer gewahr wird. So etwa warfen die Plünderer an einer Stelle der Inhaberin Filzschuhe, für die man offenbar keine Verwendung hatte, wieder ins Geschäft zurück, ver• langte durch Zuruf bestimmte Qualitäten, bestimmte Größen, probierte Socken und Schuhwerk an und ließ sich dann durch gutes Zureden der Führer an eine neue ״Arbeitsstätte“ bringen. Schließlich griff Schupo ein, zerstreute die Menge, die man vorher leicht durch gelindere Mittel hätte über׳ wältigen können, durch Handgranaten und verhaftete siebzig Personen. Ausdrücklich wird uns gegenüber betont, daß nur jüdische Geschäfte oder Geschäfte mit jüdisch klingenden Namen verheert worden sind. Es war keine Plünderung allgemeinen Charakters; möge man ihr nirgendwo einen solchen verleihen; wir schreiben sie vielmehr ohne Ab• strich auf das Konto jener von rechts her unablässig bc triebenen Propaganda, und wünschen nur, daß man sich dort, wo man säte, auch öffentlich der Früchte freue. A.Z. i-'V .;1 lcte.nl l: Hain Landeskonferenz der polnischen Zionisten Wahl J. Grünbaums zum Präsidenten. Am 25. November wurde in zwei Tages* und einer Nacht- Sitzung die 2. Session der VI. Landeskonferenz der Zionisten Polens zu Ende geführt. Abg. Grünbautn hielt ein erschöpfendes Referat über die politische Lage, den Ausbau der Jewish Agency und die Mittel für Stärkung der Organ! sation. Er legte eine Reihe von Resolutionen vor, die jedoch zum Teil dem Widerspruch der Gruppe Eth Liwnoth begegneten. Dr. Korngrün, der unlängst Palästina besucht hat, referierte über die Aufbauarbeit in Palästina und Dr. Klumd erstattete einen Bericht über die Tarbutharbeit. Bei der Debatte über die vom Permanenzausschuß vorgclcgtcn Reso lutioncn wandte sich Abg. Orünbatim gegen den Vorschlag, die Resolutionen dem Zentralkomitee und dem Parteirat als Richtlinien zu überreichen, und erklärte, in diesem Fall in das Zentralkomitee nicht cintrctcn zu können. Nach längerer Diskussion, gab er seine Zustimmung, daß man diese Resolutioncn zwar auf der Konferenz annahm, deren endgültige Redigierung jedoch, die binnen einer Woche zu erfolgen hat, dem Zentralkomitee und den Warschauer Mitgliedern des Partclrates überlassen soll Bei den vorgenommenen Wahlen in das Zentralkomitee wurden Grünbaum (Präsident), Dr. Klumel, Abg. Hartglas, Elcnbcrg, Noah Dawidsohn, Dr. I. Mangel, Elijahu Lewtn, Dr. Lifschitz und Noah Finkclstcln, alles Mitglieder der Gruppe Ai Hamischmar, in namentlicher Abstimmung gewählt, und zwar Grünbaum als Präsident mit 42 Stimmen gegen 20 Stimmenthaltungen (Oruppe Eth Liwnoth), und die gesamte en Bloc-Liste mit 32 Stimmen bei 24 Enthaltungen. Es ist noch folgende im Laufe der Diskussion von Dr. Klumel 'abgegebene Erklärung zu erwähnen: Wie mitgeteilt wird, soll cs Präsidenten zionistischer Ortsgruppen wie auch Keren Hajessod-Sammlcr geben, die selbst lür den Keren Hnjcssod nicht bcigcstcucrt haben. Etwas Derartiges könne nicht geduldet werden, und er schlage deshalb vor, daß jeder, der seine Pflichten dem Keren Hajessod gegenüber nicht erfüllt, kein Ehrenamt in irgendeinem zionistischcn Verein bekleiden dürfe. Der Antrag Dr. Klumeis wurde per Akklamation angenommen . Jerusalem. (J.T.A.) Die Vertreter des Waad Leumi (Nationalrat der palästinensischen Juden), David Yellln und I. Ben Zwi, wurden am 3. Dezember vom Obcrltommissar Sir Herbert Samuel empfangen. Die jüdischen Vertreter überreichten Sir Herbert Samuel die Resolution, die von der gemeinsamen Konferenz des Waad Leumi und der Vertreter der jüdischen Gemeinden Palästinas angenommen worden ist (Siehe letzte Mumme! der ״J.R.“.) Die Unterhaltung berührte die Fragen der Arab Agency, der Einwanderung, des Unterrichts, des Polizeiwesens und der Sabbathruhe für jüdische Arbeiter. Sir Herbert Samuel ging auf alle Fragen ein und erklärte' der bericht, wonach jüdischen Arbeitern, die es ablelmcn, am Sonnabend zu arbeiten, der Lohn für zwei Tage abgezogen würde, nidit ganz mit den Tatsachen iiberemstimmt Die Regierung ist jetzt bemüht, für diese schwierige Frage eine befriedigende Losung zu finden. Inzwischen soll den Arbeitern, die am Sonnabend nicht arbeiten wollen, gestattet werden, am Sonntag zu arbeiten.;r Wand Lenral bcliarrt aul seiner Vertretung In der Zionistischen Exekutive — Vertrauensvoten! lür Dr. Ruppig Jaffa. (J. T.A.) Vor einiger Zeit wurde hier eine außerordentliche Sitzung des Waad Leumi (Nationalrat der pj. lästincnsischen Juden) abgclialtcn, in der das Mitglied der palästinensisch-zionistischen Exekutive, Professor Pick, über die Einwanderungsfrage sprach. Er sagte, vide hunderte Juden warten auf die Einwandcrungserlaubnis. Ein anderes Mitglied der palästinensisch-zionistischen Exekutive, Herr Sprinzak, sprach über die Arbeitslosigkeit. Der Geschäftsführer der politischen Abteilung der zionistischen Exekutive, Colonel Kisch, gab einen Bericht über den Vertragsentwurf der britischen Regierung mit König Hussein. Er ging auch auf die bekannten vom ״Doar Hajom“ gegen Dr. Ru pp in erhobenen Angriffe ein, sowie auf Zangwills Ansprache an den amerikanisch-jüdischen Kongreß. Colonel Kisch sagte, daß an dem Vertragsentwurt Aenderungen nicht vorgenommen worden sind. Seitens der Sprecher des Waad Leumi wurde der Standpunkt vertreten, daß dem Waad Leumi das Recht, in der palästinensisch-zionistischen Exekutive vertreten zu sein, vom Zionistenkongreß zugestanden worden wäre, keine andere Körperschaft könne deshalb ihm dieses Recht ahsprcchon. Es wurde eine permanente Kommission von acht Mitgliedern gewählt, die sich mit der Beschaffung von Arbeit für die Arbeitslosen befassen solL Sodann würde der Ein• Setzung einer vereinigten Kommission des Waad Leumi und der zionistischen Exekutive zwecks Schlichtung von Streikeiten zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern zugestimmt. Der Waad Leumi faßte hierauf den bekannten Beschluß, im Hinblick auf die kürzlich von dem ״Doar Hajom“ gegen den jetzt in Amerika weilenden Dr. Arthur Ruppin ausgesprochciicn Beschuldigungen an Dr. Ruppin telegraphisch ein Vertrauensvotum zu senden, in welchem ihm für die seit Ausbruch des Krieges der palästinensischen Sache geleisteten Arbeit die Anerkennung ausgesprochen wird. lieber 1 Million Plrnid bisher lür den NationaHonds eingegaiigen Das seit Ucbcrsicdlung des Hauptbüros des KKL nach Jerusalem erzielte Wieder ansteige n der Spendenelnnahmcn hat erfreulicherweise auch während der Sommer* monate angchalten. In den neun Monaten von Januar bis Ende September 1923 betrug die Spendensumme £ 108.700 und nach Abzug der Beiträge des Keren Hajessod per £ 16.303: £ 92.305. Dies bedeutet eine starke Steigerung gegenüber der gleichen Zeit des Vorjahres 1922 per £ 64.217. Die Gesa m tspendensumme seit Gründung des KKL. beläuft sich bis Ende September 1923 auf £ 1,063.500 (davon Beiträge des Keren Hajessod £ 19.305). Die wichtigsten, wn Jahre 1923 beitragenden Länder waren: Ver. Staaten £ 27.460, England 10.503, Tschechoslowakei 7.235, Ercz-Jisrael 6.220, Südafrika 3.505, Mesopotamien 3.205, Rumänien 2.938, Canada 2.867, Argentinien 2.803, Indien 2.400, Polen 2.035, Brasilien 1.876, Australien 1.S01, Deutschland 1.612, Litaucn-Kowno 1.590, Ostgalizien 1.490, Elsaß-Lothringen 1.132, Jugoslawien 1.121, Griechenland 1.017, Holland 1.027, Italien 901, Befiarabien 845, Oesterreich 823, Charbin 769, Schweiz 685, Aegypten 668, Straits Settlements 633, Lettland 613, Belgien 593, Litauen-Wilna 440, Neuseeland 417, Transsylvanien 393, Bukowina 353, Westgalizien 259, Chile 171, Frankreich 192, Finnland 100, Uebrige Länder 540, insgesamt £ 92.395. Propagandatätigkeit: Herr Direktor van V riesland hat auf einer Konferenz der KKL.-Vertrauens- Icutc Hollands und vor dem Bundesrat der dortigen Zionisten die Aussprache über eine zu gründende holl andis ehe Kolonie cingelcitct. — Herr Direktor J. Wilkansky hat in den wichtigsten Städten Litauens eine starke Bewegung ausge löst, die Mittel für den Ankauf von 5000 Dunam einer neuen Kolonie zu beschaffen. Ein aus allen Parteien beschicktes ״Bodendirektorium“ hat die ganze litauische Judcnschaft in den Dienst dieser Arbeit gestellt. — Herr Meir Es ra ehi hat nach kurzem Besuch Beßarabiens seine Tätigkeit seit September auf Altrumänien konzentriert, wo er bisher eine Reihe von Städten in der Moldau und die Hauptstadt Bukarest propagandistisch bearbeitet hat. — in Nordamerika wurde an Stelle des im Juni verstorbenen Dr. B. Epstein, Herr P. A4. Raskin als Reisepropngandist gewonnen. — Mrs. Peysner hat ihre Tournee durch alle jüdischen Siedlungen Australien* und Neuseelands abgeschlossen. Sic wurde überall nicht nur von den Juden aller Richtungen, sondern auch von den staatlichen Funktionären freundlich begrüßt Es gelang ihr, Spenden für den KKL. zu gewinnen und überall arbeitsfreudige KKL.-Kommisslonen cinzusctzen. Sie ist auf dem Rückwege nach Singapore und Ostasien. — Herr Elias M. Epstein, Ueamter des Hauptbüros, hat in den Monaten September, Oktober und November England bereist. — Herr Adolf Pollak, der Berliner Vertreter des KKL״ begibt sich nach einer eingehenden Studienreise durch Ercz- Jlsrael. demnächst nach Oesterreich und Transsyl• v a n i e n. P