Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXVIII (1923)
- Issue
- Heft 102 (7.12.1923)
- Date
- 1923-12-07
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 502 1UEDISCHF. RUNDSCHAU Nr. 102 Ansprache wt 6111811 Palästina-Film Von Arnold Zweig, , Meine Damen und Herren! Gekommen um zu sehen sind wir, und die Worte, die ich im Aufträge der Zionistischen Vereinigung für Deutschland und der Nalk>11:>lfondf,!.omnnssion 711 sprechen habe, bevor die weihe Fläche mit der Land- Schaft Palästinas lind den Gestalten junger Juden sich belebt, diese Worte haben eigentlich keine andere Funk• tion, als die einer Ouvertüre: Sie aus/.uliiseu aus den Zusammenhängen, aus denen Sie hierher kamen, Sie inner• lieh und ohne Vorbehalt dem zu öffnen, was im Bilde und in Wirklichkeit auf Ihr Urteil wartet. Ihrem Urteil unterstellt wird hier die neue Gestalt des Juden — die natürliche, erfrischte, seine wahre Gestalt, wie sie der Boden aus ihm hcrnusholtc, wiilirend er mit seinen Kräften jenen, den alten, erstarrten, zu verjüngen begann. Wir wissen sehr wenig von den plastischen Wirkungen eines Landes, von dem formenden Geheimnis seiner Kälten und Hitzen, der Nähe des Meeres und der Sterne unter leichterer und trockener Luft, seiner Ausdünstungen, seiner Frdcn und Steine, mehr schon von der umgestaitendeii Kraft der Arten menschlicher Arbeit, und so gut wie gar nichts von dem, was wir doch glauben, von der besonderen inneren Gebundenheit einer Mcnschcnart an gerade den Boden, den sie in ihrem plastischen Momente in Besitz nahm, in einer jener heißen und voriibergehenden Epoche, wo ihre Seele zugleich noch bildsam und schon charaktervoll war, wo sie von־ den formenden Kräften des Klimas angepackt, sieh nur noch nach solchen Richtungen;msgestahen konnte, die ihr als Fnteicchic gleichsam eingeboren waren — ״geprägte Form, die lebend sich entwickelt“. Aber wie dem auch immer sei, wir rechnen damit, daß in jenem Lande der Jude seine eigentliche, seine nationelle Schöpferkraft wieder finden werde. Palästina wird eibaut zum Träger eines erneuerten jüdischen ,Volkes. Und was Utopie schien, als wir damit begannen, als die Staaten und Zustände wie eherne Klötzen lagen, und uns von jenem Lande die großen Dimensionen der Erdoberfläche trennten, das hat honte, in der Zeit der Autos, Flugzeuge und drahtlosen Stationen, weit eher den Geruch und Geschmack der Wirklichkeit als der fruchtlose Versuch, zerbrochene Einrichtungen wieder über mündig gewordene Völker zu stülpen. Damit wird dieser Film, und was er zeigt, zu unserer Antwort auf das teils nichtige, teils peinliche, teils widerwärtige Gew die jener Art von Psychose des sozialen Krieges, die als Antisemitismus heute, seit fünf Jahren, seit Jahrhunderten auf den Juden losstürzt. Es ist eine schweigende, eine anschauliche, eine tätige, heitere und fruchtbare Antwort, und keine andere sollte nötig sein. Sic werden Kolonien scheu; Sic werden im B.Ue Zeugen einer Kolonisation werden, Und nun bitten wir Sie, zur Kenntnis zu nehmen, daß dies keine enteignende, keine iiiipiri.'.rUralie, keine Kolonisation erobernden K:tpitals ist, sondern eine schöpferische und revolutionäre Kolonisation. Schöpferisch — indem sie vor» totem Boden ausgeht., von Landstrichen, die die Herrschaft der Paschas und Walls hat in Oecie verfalle 11 lassen, und an denen der ׳ Pflug des Fellachen vorüberging, wie das wucherische Interesse des Effcndi. Und revolutionär: Junge und ältere Menschen, die aus der vielfachen Gestalt des 111a• derneu Juden in die entschlossene Einheit eines neuen, mir jüdischen Daseins und Wesens traten, schufen fast prograiTimlos, ganz tätiger Geist im wahren Sinne, neue Formen menschlichen Zusammenlebens, nicht aus der!Wirtschaft, ans dem Geiste, wie Gustav Landauer pro• phctisch forderte, in Gemeinsamkeit der Arbeit und Gec כ s 0 ב e :־ o 0 o •eiscroc o!,' :3 o ■; i'j “ Berliner Zionlr.FFc’to Vereinig«!! OSOCIOCCOC3000CO» © M © . rnt, ״•״. I« ־״״’׳••;HnSEäl, ״ o sennstsond, csti 15.0a011;0rt aüenä i‘/3 unr im sc Linkf.tr. 43. a a ö m Dr. Ariosoroff:?113LP חזוי׳ üUiU .0 mim o •f) liiii . 11 Kftr'r'n?tun I'roi«* von 1.05, 1.10, 0.0& Ooldmnrk im YonrorltMif מי?! orhaltiioli im Itüro!lor B. Z. V., BoyilvUtr. II. u, *11 d»r Ab#n׳ik**»a. üCGOD.#cc?0o®c1aeo^oos:ocoooxe«1ft©©co110ooooi9 mcinsamkeit des Ertrags, in Fclilsclilag und Erfolgen eng zueinander gesellt, und glücklich, das geworden zu sein, was sie werden wollten: Clialuziin, Pioniere. Es sind Pioniere im härtesten Sinne des Wortes. Sie werden die Arbeit sehen, aber nicht die nie nbreißende Mühsal der Arbeit, Sie werden junge Menschen aus bürgerlichen Elternhäusern bei schwerster Anstrengung — Schwarzarbeit —, bei Straßenbau .und Bewässerung sehen, aber das Fieber, das in ihnen pocht, werden Sic nicht sehen, Zelte, ja! aber das Schreckliche der Existenz in Zehen und Baracken, jahrelang, werden nur die empfinden — erinnern Sie sich! — die als Soldaten jahrelang dieses entsetzliche Unbehaustsein in ungewohntem Klima erduldet haben. Wir können vorläufig nichts daran ändern. Wir strengen alle Kräfte an, das zu erhalten und zu erweitern, was bis jetzt da ist. Und nur eines wissen w׳ir unbedingt: verlassen werdcu wir diese Jugend nicht, die ausgegangen ist, Same und Setzling einer neuen Judcnhcit. Die Grundlage dieser ganzen Arbeit geschaffen hat die Institution, die Sie, meine Damen und Herren, heute als ihre Gäste zu begrüßen die Ehre hat, der Jüdische Nationalfonds, Keren Kajemcth Lcjisracl, besser Jüdischer Landschatz genannt, der aus den Mitteln, leidet noch viel zu geringen Mitteln, die seine Werbearbeit in der ganzen Judcnhcit sammelte, einen großen Teil des Bodens kaufte, auf dem dieses Siedlungswerk des neuen Palästina sich vollziehen konnte. Nationalfondsbodcn ge• hört dem jüdischen Volke, er ist jeder Spekulation, jeder priVaten Ausbeutung entzogen. Die Verantwortung vor den Gebern des Geldes — welche nicht die großen jüdi• sehen Kapitalisten sind, nicht die Großjuden und weitbekannten Namen, sondern die Masse, die breite anonyme Zahl der kleinen Juden, der kleinen Spender, die etwas opfern, wenn sic von ihren Einkünften einen Teil 11er• geben uin der Zukunft willen — die Verantwortung, noch einmal, vor den Gebern verböte das, wenn nicht der Sinn unserer Kolonisation es zum Glücke ebenso ausschlösse wie die Gesinnung der neuen Arbeiter und Siedler, der Chaluzim und ihrer Kwuzotli, ihrer Gcnosscnschaflcii. Untrennbar verbunden ist diese allgemein-jüdische Landspcnde mit dem Schöpfer und Organisator des modernen Zionismus, mit der großen tragischen Gestalt Theodor Heizls, die durch seine gerade jetzt veröffentlichten Tagebücher nun auch dem Urteil und der Anscliaiumg Fcrncrstclicmler dargeholet! worden Ist. Und mir zu‘erinnern brauche ich, an die eben noch Gegenwart gewesenen Ereignisse der großen Politik, die dem Keren Kajemcth und dem jüdischen Volke die Tore des alten Landes öffneten, nicht so wie wir cs planten und hofften, aber doch in einem Rahmen, der die heutige Arbeit erlaubt und noch viel mehr davon ermöglicht, an die mit Lord Balfours Namen verbundene Deklaration Palästinas als jüdischer Natioiialhcimstättc, an die Konferenz von San Rcmo und an den Völkerbund, als dessen Beauf• tragter heute ein englischer Jude Palästina so unparteiisch verwaltet. Mehr hier zu sagen, ist unnötig. Hoffentlich ver• mochte ich, ihre Ungeduld zu erregen, hoffentlich werden Sie auch aus dem, was Sie sehen, zu Schlüssen kommen die Ihnen gestatten werden, an dem Bilde, das heute vom Juden und seinen Zielen überall plakatiert wird die Merkmale parteiischer Verzerrung zu studieren. Wjf' Inzwischen arbeiten daran, dem jungen Judentum jenseits des Mittclmeers, diesem neuen Samen neuer Menschheit Freunde zu־ werben, spendende und tätige, und Hilfe zu senden, Zuzug, der ungeduldig darauf wartet, als Keim in die neu zu reißende Furche gesenkt zu werden. Und so machen wir uns den Säerspruch zu eigen, den Conrad Ferdinand Meyer erhaben in sein Deutsch brachte: ״Bcnicßt den Schritt, bemeftt den Schwung, Die Erde bleibt noch lange jung! Hier fällt ein Korn, das stirbt und ruht, Die Ruh ist süß, es hat cs gut; Hier eins, das durch die Scholle bricht, — Es hat es gut, süß ist das Lieht. Und keines fällt aus dieser Welt, Und jedes fällt, wlc’s Gott gefällt." Der neue Pnläslinafiim j Am Sonntag, den 2. Dezember, fand in der Alhambra die Uraufführung des neuen Palästinafilms des Jüdischen Nation!(. 1 fonds vor geladenen Gästen statt. Eingelcitet wurde die 1 1 •Aufführung durch die in dieser Nummer veröffentlichte An. 1 spräche Arnold Zweigs. Wir geben im Folgenden di«! ' bisher vorliegenden Urteile der Berliner Presse wieder, <!j־! ,. den großen Erfolg der Aufführung am deutlichsten iliustitcren. Der Film wird weiter in den ״Urania“-Lichtspie!cn sehen sein. Der ״Vorwärts'‘ schreibt: ״...Ein herrliches Schau, spiel Ist es, wie aus dem Wüstensand, ülier dem noch vor ( kurzem Kanicikarawancu zogen, mm neue Städte, fruchtbare Getreidefelder, lochende Traubengärten entstehen. Siunnie werden trockcngclcgt, Dnuincn gebohrt, der Wüstensand be. wäliigt, Kindergärten, Schulen, Museen, sc.bst eine Univcrs'tjf I werden errichtet. .. Vom Ocsichtsftink.c der erreichten Ko• 1 lonisationsarbcit erscheinen die angeführten Zahlen imponic•! rend.... Mit seinen wundervollen Landschaftsbilrlctn, dem! bunten Trc.bcn der orientalischen Volksmenge, den reizvokn Straßcnziigcn Jerusalems und Jaffas, dem sich ganz al.m.ihäch nufbauenden jüdischen iü'irgcrlebcn und den Stiit.cn ruhmvoller Vergangenheit liefert der Film vorzügliches geographisches Lehrmaterial, gibt aber gleichzeitig zahlreiche Anlegungen au! sozialem und historischem Gebiet“ ״B. Z. am Mittag“: ״... Ein b c d c u t s ג m c 5 und clncliticksvolles Dokument, insofc.n er jüdi •.ehe I and *in. schafi, jüdische Technik, jüdisches Kunstgewerbe und jüJi.c.-.e Industrie in ihrer Entwicklung im uralten Lande am Jordan zeigt — und damit auch ein Stück völkischer Ertüchtigun;, das die anliscmiiischcn Schlagworte in vielen Punkten übet• zeugend widerlegt ...“ 8״• Ult r• A b e n dbl a11״... Im Rahmen einer Ta• ristenfahrt durch das Land wird die geradezu erstaunliche Kolonisationsarbcit gezeigt, die die Zionisten in Palä.'ina ge• leistet haben. ... IXt Film ist nicht nur sachlich intet• 1 cssant und menschlich erschütternd, er ist auch! fitmtcehnisch g u t gcra aeh t.. ״Berliner Oötsc n •Coti rl er“: ״... Der Fils schildert Aufbauarbeit der jüdischen Kclonisat ,ren und bringt Aufnahmen von Werdendem und Vollendetem. Inlerewaut sind die Bilder der vcischicdciicn Si.dltingcn und die zum Teil außergewöhnlich schönen LamischaLsphuo• graplticn.. ״Voss Ische Zeitung“: . Blühende Plantagen, ■ vor vielen Jahren der vcrdo1r.cn Erde abgmingen und durch j zähe Ausdauer zu Stätten der Fruchtbarkeit eiiifiorkuilivicr:. Jj junge Siedlungen, über die zum ersten Mal der Pflug gebt, I Sumpfland» das erst entwässert, Wüste, die erst bericsu: J werden muß. An Bauwerken: breite Stadtstraßen,das hebräische 1 Gymnasium in Jaffa, das jüdische Technikum in Haifa, I das erste Gebäude der Universität in Jerusalem; Dulten und 1 Ställe der Dörfler, Zelle der jung-teil Ansied er. Art Mcnsdnn: I stattliche Besitzer blühender Farmen, jüdische Bauern rat I Pflug und Sense, junge Arbeitspioniere, ״Chaltizint‘׳, oft aus 1 geschützter westeuropäischer Herkunft, hier uni ihrer Idee I willen ein schwer nrbdtendos, allen Gefahren iirtd Embcli• I rungen ausgesetztes l'rolctar.at; der jüdische ״Wächter“ w Pferde lind die Flinte tiberin Rücken..." >s Die Bibel in der bildenden Kunst Von Dr. Bruno Kirsch ncr. Soeben sind die Abschlußlieferungen eines kunstgeschicht• liehen Werkes erschienen, das, in seiner systematischen Anläge wundervoll aufgebaut, in seinem Bildungswert für uns Juden von besonderer Bedeutung und in seiner technischen Aufmachung und Ausstattung ganz hervorragend, in der jüdischcn ()Öffentlichkeit bedauerlicherweise bei weitem noch nicht die* Beachtung gefunden hat, die ihm in kultureller Hinsicht zukommt. l>cr Wiener Kunstsamndcr und •Forscher Theodor Ehrciistcin hat im Kunstverlag Albert Kcnd e, Wien, int Laufe dieses Jahres unter dein Titel ״Das Alte Testament im Bilde" ein — in für unsere Zeit typischer Welse ״dem großen Menschenfreund Herbert Hoover“ gewidmet es — Illust rationswerk herausgegeben, das auf über 9tK) ׳Großfolioscilen rund 2000, dem Schaffen aller Länder und Zeiten entnommene künstlerische Darstellungen biblischer Erz.'ihlungsinotivc in tadellosen Reproduktionen zur Abbildung bringt. Zum altergrößleu Teil sind Kunstwerte wiedergegeben, die seihst den Fachleuten bisher recht unbekannt, mindestens aber unzugänglich gewesen sein dürften — von weiteren Kreisen ganz zu schweigen. Der eigenartige Reiz der Pitblil;,1׳lion besteht nur, im Gegensatz zu einigen früheren zusanimenfasseiidcn Veröffentlichungen über die Bibel, in der Kunst (meist monographischer Art), ln der motivischen Gruppierung der dargebotenen Kunstschöpfungen. 2u diesem Zwecke wurde das ganze altbiblische, auch außerkanonische, Schliß tum nach den wichtigsten Sujets aufgctcilt, und zu den fast 60 Motiven — von der Weit- und Menschen- Schöpfung angefangen über die Erzvätcrsagcn, die ägyptische und Wüstenperiode und die Volksanfänge durch die Richter-, Königs• und Prophctciizcit hindurch bis zu Esther, Daniel, Judith und Tobias - die aus historischen oder künstlerischen Gründen bedeutendsten Kunstwerke zusammengcstelit So erstreckt sich der Ueberbiick von der frühchristlichen, also der römischen Kaiserära bis auf unsere Tage, bis zu Begas und Böcklin, Chagall und Corinlh, Kokoschka und Licbermann, Pcchstem und Uroma; daß auch jüdische Künstler wie Ed. Xkndctuann, Uriei Birnbaum, Jchudo Epstein, Gliccustcin, Josef Israels, Solomon, Lcsser Ury u. a. gut berücksichtigt sind, versieht sich von selbst. Was Katakomben und Sarkophagc, Goldgläscr, Reliefs und Mosaiken, Wandmalereien und Fenstergcmäidc, Gobelins und Holz- oder Elfenbcinschnitzcreien, was Buchminiaturen, Handzclchmmgcn und Oclbildcr an künst'.crisdicr Bearbeitung biblischer Szenen und Personen bieten, vereinigt sielt auf diese Weise zu einer grandiosen Veranschaulichung der Impulse, die die B<ibc! den bildenden Künstlern in zwei Jahrtausenden gegeben bat Die naive Kunst des frühen Christentums, der in den Schöpfungen der karolingischen und byzantinischen Blütezeit beginnende Autsehwung, die Meisterwerke der Gotik und des Romanismus, Renaissance, Barock und Rokoko, das 19. und das 20. Jahrhundert bis zum Futurismus und Kubismus — mit einem Wort: alle Zeit- und Slilrichtungcn sind mit einer Auswahl des Besten und Charaktervollsten vertreten; die Großen und Größten int Reiche der Kunst: Botticelli und Correggio, Donatcllo und Michelangelo, Murillo und Raffael, Cranach und Dürer, iiolbein und Peter Vischcr, Jordaens und Rcnibrnndt, Rubens und Vau Dyck geben sich hier ein Stelldichein, und, was eben den Reiz atismacht, alle unter der einen Parole: Bibel. Es ist mm z. D. von hohem Interesse, die Wandlungen zu verfolgen, denen derselbe biblische Gegenstand in den subjektiven Auffassungen und Da!Stellungen der Künstler unterwoifen war; bald kindlich naivster Naturalismus, dort süßlichsentimentale Stimmung, hier heroisch-monumental, einmal gctreu angclchnt an die Details der biblischen Erzählung, dann wieder freie Aus- und Umgestaltung des Motivs unter Einfluß von der Bibel fremden Gedanken, meist natürlich chrktologischer Art jede Abbildung enthält die wissenschaftlichen Kunstdaten: Motiv oder Titel, Kunstgattung, Künstler, Stil, Ort und Eiitstehungszcit, Rcprcduktionsquelle. Durch die Beigäbe eines über tausend Kiinstqucllcn (Bibliotheken, Museen, Kirchen und Schlösser) umfassenden Ortsverzeichnisses, das für die umsichtige Sorgfalt des Herausgebers zeugt, sodann eines Künstlcrvcrzcicbnisscs mit etwa 300 Namen und endlieh einer laiusfgcsdiichtlichcn Biographie mit wiederum mebreren hundert (jueII werken erhebt sich das den ganzen Werde• gang der Kunst begleitende Monumentalwerk über den Volks• tümlichcn Unterhaltung*- und Belehrungscharakter weit hin• aus zu einem kunstwissenschaftlichen Studienma;c!ial ersten Ranges, dessen, allerdings knappe, Vor- und Nachworte gleichfalls lesenswert sind. Weitere Einzelheiten gehören natur• gemäß nicht In den Rahmen dieser Anzeige. Diesem Standardwerk ist nur noch das große jüdische Publikum zu wünschen, das, der Acsthclik des biblischen Stoffes so betrüblich entfremdet, aus der immer wiederholten Betrachtung des Werkes nicht nur hohes künstlerisches Ent• zücken, sondern auch verständnisvolle Liebe zu uttserm altnationalen Schrifttum, lebendige Anregung zu seiner l.ekttirc und die Erkenntnis schöpfen könnte, wie tief die europäische Kultur auch in dem viel verkannten künstlerischen Betracht von der Bibel beeinflußt worden ist und wieviel seelische Bc* gliickung der jüdische Genius, als er die Kunst der Völker aus seinem goldenen Ucbcrfluß befruchtete, der Welt gcschenkt hat, der Welt, die ihn, zum Danke dafür und für seine anderen Kulturgabcn, heute bespeit. — * Einer wertvollen Anregung Ehrcnslcins sei zum Schluß noch gedacht, die eine Popularisierung des in seinem Bibel• biklcrwcrkc gebotenen Stoffes in der Richtung anstrebt, daö die öffentlichen Museen und Galerien von Zeit zu Zeit Sondervorstellungen biblischer Sujctdat• Stellungen nach den hier be lolgtcn Grundsätzen voran• staltcn; gewiß dürften dann Proben aus den Hamlscbriftcn• schätzen der Bibliotheken, Klöster und Kirchen sowie vo! allem die in dem vorliegenden Werk unberücksichtigt _ gt• blicbcncn Gebiete der Graphik; Holzschnitte, Kupferstiche, Radierungen — die noch besonders zur Behandlung komme״ sollen — nicht fehlen. Vielleicht findet doch noch einmal, in besseren Tagen, die alte Hoffnung nach einer großen jüdischen Ausstellung Verwirklichung, wo dann in der Kunstabtcilung das jüdische Element nicht nur alt schaffender Faktor (der Jude als Künstler und Kuiistgc׳ wcrbler), sondern auch als jüdisches Sujet zu Wort und Geltung kommen. Wird einmal etwas aus dem jüdischen Welt• kongreß. dann sollte man aus diesem gccignctm Anlaß di* große jüdische Ausstellung, später als Wauiderausstcltung «1*4׳ gestaltbar, nicht vergessen!