Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXVIII (1923)
- Issue
- Heft 102 (7.12.1923)
- Date
- 1923-12-07
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Für Tschechoslowakei: rostsparkasjcnamt Prag, Konto Nr.59410, — RednktionssehluQ Sonntag und Mittwoch nachmittag. — :rr; תרס״ד s'‘x*1׳r־״ss’23‘S15x'nsü:;rx1'r”*' r Iünurucr 102• ^s*tÄSXaa*ES'' per Zionismus erstrebt für das jüdische Volk die Schaffung alnor öffentlich ■ rechtlich geslchortan Heimstätte ln Palästina. *TOD כ״ט XXVIII. Jalirg. ■SST**, .׳״ .fmT*.’1“ —ן "" ■TTs־^i1 ״Baseler Programm.'* <׳/3 ולו■ ״d י> Aofsclmb der amerikanischen Hilfe für Deutschland wegen der antisemitischen Exzesse , Aus New York meldet am ■1. Dezember das• : Wölfische Tclcgraphcnbüro durch Funkspruch: j Das Mitglied des Kongresses Geller hat er-;! klart, daß er mit Rücksicht auf Berichte, wonach 1 einige Leute in Deutschland sich empörende Verbrechen gegen unschuldige Juden hatten zuschulden kommen lassen, die Einbringung der gemeinsamen Resolution aufschieben : würde, durch die 25 Millionen Dollar zur Unterstützung der notleidenden Bevölkerung Deutschlands bewilligt wer- | den sollen. | Diese Nachricht zeigt,‘ von welch weiltragender Wir-? hing die antisemitischen Ausschreilungen in Deutschland S auf das Ausland waren. j England und die Ausweisungen aus Bayern München. (J.T. A.) Wie der Sonderberichterstatter der; J.T.A. ans zuverlässiger Quelle erfährt, hat nunmehr auch die ’ englische Regierung Vorstellungen wegen der Judcnauswci-; stmgen erhoben. Sic hat auf Grund der ihr zugegangenen 5 Beschwerden in München Erkund gtmgen eingezogcu und der J bayerischen Regierung mittcilen lassen, sic wolle mit Rück-!sicht darauf, daß kein englischer Untertan ausgewiesen ist, keinen formellen Protest erheben, halte es aber für ihre Pflicht, die Aufmerksamkeit der bayerischen 1 Regie;ting auf den außerordentlich schlechten j Eindruck, den die Vorgänge machen, zu lenken. p j Die bayerischen Vorgänge und die Deutsch •Amerikaner Eitip der letzt hier eingetroffenen Nummern des New Yorker; ״Herold", des verbreitetsten Organs der Deutsch-Amerikaner,! bringt einen Aufruf an die Deutsch-Amerikaner zur Hilfe 1 für das deutsche Volk. 1 Im Anschluß an diesen Aufruf schreibt die Redaktion des , .,Herold": ״Die von der bayerischen Regierung verfügten I Ausweisungen jüdischer Bewohner sind geeignet, hier in Amerika und in der ganzen Welt großen Anstoß zu ' erregen und einen starken Protest auszulösen, I und die bayerische Regierung wäre gut beraten, { wenn sie sich entschließen wollte, von diesen Verfolgungen ״j unverzüglich abzuschen, die in gegenwärtiger Zeit unerhört sind; besonders, da einflußreiche r c ikanische Knisc!ich der deutschen Not erbarmen und die Speisung von mehrcren Millionen deutscher Kinder durch die Quäker in die Hand nehmen wollen, kann die Nachricht nicht anders als in hohem Grade schädlich wirken.“ Me Anglo Jewish Association und die läge ln Dcniscliland * London. (J.T. A.) Unter dem Vorsitz von Herrn O. d'Avigdor öoldsntid fand in London am Z Dezember eine : Sitzung der Anglo-Jewish Association statt. Die Wahl des bä;identen, Herrn d י A v ig d o r-Gol d sm i d rutn Mi glied Jk Ccntral-Komitecs der Alliance Israeüte wurde bestätigt Lord Rothschild wurde sodann zum Vice-Präsidcntcn der Anglo-Jewish Association gewählt Mr. Lucicn Wolf berichtete, die a n t i j üdi sehe ti Verfolgungen in Deutschland hätten in der letzten; Zeit nachgelassen. In Berlin sei es ruhig und einige der aus Am ft. Dezember ' . oi r‘ ׳ V• '.!'c •s h cl-rrs eng- : cchc Unterhaus stattgefunden. Die Gesamtergeb- »iss« waren bis Redaki.onssci.luß noch nicht bekannt. Von den Kandidaten, die als gewühlt erscheinen, da; ihnen keine Gegenkandidaten entgegenstanden, sind fol- Fnde Juden: Mr. Samuel Samticl (Unionist), Sir ’■ Miilip Sassoon, Bt. (Unionist), Major J. B. Cohen (Unionist), und Mr. David Rcid (Unionist). Sonach ■!i״d bisher vier Juden Mitglieder des englischen Par- 1*nunts, die sämtlich der konservativen Partei angeboren, ^on diesen ist nur Mr. Samuel Samuel als Antizionist '^rvorgetreten, 1 Folgende Juden wurden als Kandidaten aufgestelit: Liberale: Major Lcslie Ho re- Be U*h a, Col. ( Barles Waley Cohen, Mr. Leonard B. Franklin, Mr, 1; Philip G u e d a 11 a (Zionist), Mr. Percy A. Harris, Mr.; h A. Levinson, Sir Alfred Mond (Zionist), Mr. *י• Q. Solomon, Mr. George & Spero, Mr. L. J. Stein {־ Monist), Mr. E. A. Strauß. Konservative: Councillor Samuel Finburgh, Sir! kalter de Frece, Capt. R. Oree, Capt, Alfred Ins tone, * י׳),1 י C. L. N 0 r d 0 n, Mr. A. M. S a m u e L : Labour Party: Mr. S. Sherman, Mr. Emanuel l ®hinwell, Mr, Leopold Spero, Mr. M. Turner-Sa*!4Ul«, ׳ p tf Bayern angewiesenen Familien seien dorthin zuriickgckchrt. Fs bestehe auch Aussicht auf Schadenersatz für die l’yctrotfcnen. Die Ausschreitungen seien nicht ausschließlich antisemitischer Natur gewesen; in erster Reihe waren allgemein politische und wirtschaftliche Ursachen im Spiele. In Norddeutschland hat die Regierung die Ordnung aulrcchierhaltcn können, ln Bayern sind fremde Regierungen mit Erfolg gegen die Ausweisungen der Juden eingeschrittcn, da der Antisemi i-rmis d>rt einen Grad erreicht hatte, wie nicht in Jahrzehnten zuvor. Die Juden in Deutschland leiden mehr unicr der allgemeinen wirtschaftlichen Not, a'sunter antisemitischen Ausschreitungen. Das wird in Briefen, die da« Joint Foreign Committee (Auslandskomitec der englischen Juden) in letzter Zeit erhalten hat, deutlich zmn Ausdruck gebracht. Es wurde bereits eine Konferenz aller Körperschaften, die sich an dein Hilfswerk für Rußland beteiligt hatten, abgehalten, um nun über das Hilfswerk fiir Deutschland zu beraten. Lucicn Wolf verlas einen Brief eines vor kurzem aus Deutschland ziirückgckchrten Herrn Schiff, In welchem die Lage der deutschen Juden als ungemein kritisch bezeichnet wird. Besonders die Mittelklassen hätten sehr zu leiden. Zu dem vorliegenden Bericht aus Riga ergänzte Herr Lionci Löwy noch, daß die Juden wegen schwerer Verfolgung aus Sowjet-Rußland fliehen. Er glaube nicht, daß Vcrhandlungsverstichc mit der Sowjet-Regierung irgendeinen Nutzen haben würden. Wohl glaube er, daß es zur Besserung der Lage beitragen würde, wenn man Rußland die notigen landwirtschaftlichen Maschinen geben würde, aa welchen dort großer Mangel herrscht. Herr Lucicn Wolf bemerkte zu den Berichten über Riga, daß diesen in der ״Times“ widersprochen worden ist. Dieser gegenteilige Berieht stamme aus einer Quelle, die über die Lage wohl ebenso gut unterricht« sei, wie cs der Reuter-Korrespondent ist, der zuerst seinen Bericht gegeben hatte, Sir Philip Magnus fragte, ob die Zahl der jüd 1 sc 11 en Studenten an der Wiener Universität eine Einschränkung erfahren hätte. Herr Lucicn Wolf er* widerte, das sei seines Wissens nicht der Fall. Nur an der Technischen Hochschule, die ein privates Institut sei (Das ist ein Irrtum. Annt. der Red, d. ״J. R.״)> hatte man die Zahl der jüdischen Studenten beschränkt, doch bezöge sich diese Bestimmung nur auf Ausländer. Er glaube jedoch, daß mit allen Kräften an der Rückgängigmachung dieser Bcitim* rnung gearbeitet wird. Antiscralilschc Krawalle In der Provinz Berlin. (J. T. A.) In der Stadt Landsberg a. W. wurde eine dcutschvölkischc Versammlung abgchalten, in der so maßlos gcletzt wurde, daß die Polizei zur Auflösung schreiten mußte. Nach der Versammlung wurden in der Wohnung eines jü* dischcn Kaufmanns die Fenster eliigeschlagcn. Auch in Krof a n k e, in der Grenzmark, verübten die Völkischen ln der Nacht allerlei antisemitischen Unfug, ln Königsberg in der Neu mark kam es zu Plünderungen jüdischer Geschäfte. Die jüdischen Geschäftsinhaber wurden gezwungen, der Menge Waren ohne Bezahlung zu überlassen. Wo dies nicht sofort geschah, wurden die Geschäfte leer geplündert und die Schau* fcnstcrschciben zertrümmert Es mußte Polizei aus Ktistrin, sowie Reichswehr aus Sclnvcdt hcrangeholt werden. Die demo* kratischen Zeitungen dieser Gegend führen darüber Klage, daß in den Schulräumcn dcutschvölkischc Jugendversamm* lungen statttinden, in welchen Berliner Agitatoren antisemitische Hetzreden halten. Stellungnahme der euglischen politischen Parteien zu Jadenlunt and zum Zionismus Viscount Ol ad s tone hat namens der liberalen Partei Englands an den ״Jewish Chroniclc“ ein Schreiben gerichtet, in dem er die englischen Juden zur Wahl der liberalen Kandidaten mit der Begründung auffordert, daß die liberale Partei ״ein bcwäiirtcr und bekannter Freund der Juden" sei. Es sei eine liberale Regierung gewesen, welche den Juden zuerst das Recht der Teilnahme an den Parlamcnlswahlcn im Jahre 1832 gegeben hat Ein großer Führer der Liberalen, Lord John Russell, habe im Unterhause auch die Bill eingebracht, durch welche die Juden Im Parlament Sitz und Stimme erhielten. Später wurden die Juden dann unter der Regierung Gladstones im Jahre 1871 zu den Universitäten zugclasscn. Die Labour Party begründet in einem von ihrem Vorsitzenden L. L’Estrangc-Malone, dem stellvertretenden Vorsitzenden Mr. J. L. Cohen und dem Vorstand der englischen Poalc-Zion unterschriebenen Schreiben an den ״Jewish Chronicle“ die Forderung, für die Labour Party zu stimmen, folgendermaßen: ״Die Labour Party Ist die einzige politische Partei, welche in ihre internationale Politik die Begründung des jüdischen Nationalheims ln Palästina clnschlicßt. Sie hat den Gedanken der jüdischen Wkdcrbcsiedlung Palästinas 80• gar noch vor der Balfour-Dcklaratlon proklamiert. Sie hat dann wiederholt Beweise dieser Stellungnahme durch Rcsolutioncn ihrer Landeskonferenzen, Erklärungen ihrer Führer und durch den Druck gegeben, den sic wiederholt auf die Regierung ausgeübt hat" Das Schreiben hebt weiter hervor, daß die Labour Party gegen die antisemitische Welle auf dem, / europäischen Kontinent und auch in England scharf Stellung genommen habe, daß sie die Unterstützung der reaktionären Kräfte in Rußland und Osteuropa verurteilt habe, ein Vorkämpfer der unterdrückten Nationalitäten und nationalen Mindcrhcilcn gcwc't״׳ und infolgedessen der ״einzige zuverlässige I r< 111111" der verfolgten Juden in Ost- und Zentral• europa in England sei. Die Labour Party trete für dta wesentlichen jüdischen Ideale sozialer Gerechtigkeit, Frieden und Brüderlichkeit unter den Nationen «in. Das offizielle Schreiben der konservativen Partei an den ״Jewish Chroniclc“ enthält keine Hinweise auf Beweggründe von jüdischem Interesse, die die englischen Juden zur Wald der konservativen Kandidaten veranlassen sollen, sondern nur ein kurzes allgemeines politisches und wirtschaftliche* Programm der Partei. Das Organ der English Zionist Federation, ״Tire Zionist Review׳“, stellt in seiner Dezember-Nummer fest, daß im englischen Wahlkampf die Palästinafrage diesmal keine solche Rolle spielte, wie im vorjährigen. Als Gründe hierfür führt das Blatt die folgenden an! Einmal hat die Palästinafrage aufgihört, eine reizvolle Presse-Sensation zu bilden und sogar die enthusiastischsten Araberfreunde können sie nicht mehr gegen die Juden ausniitzen. Ferner hat Palästina, was noch erfreulicher ist, aufgehör», eine Parteiangclcgenhcit zu sein, da nicht nur die Anhänger von Lloyd George und der Labour Party, sondern auch die Konservativen und ihre Richard-Gefolgschaft auf die min einmal festgelcgtc britische Politik in Palästina verpflichtet seien. ״Zionist Review“ erklärt, es sei auch vom allgemein-jüdischen Gesichtspunkt gegen das Interesse der Juden in England, ein ״Jewish votc“ zu fordern oder sich mit einer einzelnen Partei zu identifizieren. Alle Parteien haben unter den Juden Anhänger. Das Blatt weist dann noch darauf hin, daß die Liberalen von Lloyd George und Alfred Mond geführt werden und die Juden daher, trotzdem jüngst ein gewisser Zweifel durch die Haltung von Mr. Asquith und Lord Grey entstanden ist, auf diese Partei zählen können. Die Konservativen seien die Partei von Lord Balfour und des Duke of Devon- «hi re, der durch das neue Weißbuch die Balfour-Deklaration nett bestätigt hat. (Lord Robert Ce eil, der als ncuerrianntes Mitglied des Oberhauses jetzt nicht mehr kandidieren konnte, gehört ebenfalls der konservativen Partei an.) Die Labour Party hat stets den Zionismus unzweideutig unterstützt. •p Ein neuer Advisory Council in Palästina Der High Commissioner von Palästina, Srr Herbert Samuel, hat am 3. Dezember eine Proklamation erlassen, worin er einen neuen Advisory Council einsetzt, mit dem er sich über die Verwaltung des Landes beraten will. Als offizielle Mitglieder der Regierung gehören dem Advisory Council an: Der Zivilsekretär der palästinensischen Regierung, der Attorney General, der Trcasurcr, der Gcneralinspcktor der Polizei, der Gouverneur von Jerusalem und fünf Leiter der verschiedenen Departements. Ob außer diesen englischen Beatiiten noch arabische und jüdische Mitglieder dein Advisory Council angeboren werden, ist noch nicht bekannt. Nach einer. Meldung der ״Vossischen Zeitung" ans London bestellt der neue Council nur aus Beamten. — ★ Die Einsetzung des neuen Advisory Councils erfolgt in Ausführung eines Auftrags des Staatssekretärs für die Kolonie:■, des Duke of Devonshire, der am 10. November Herbert Samuel telegraphisch übermittelt wurde und in dem neuen Weißbuch noch Aufnähme fand. Diese Depesche drückte zunächst das große Bedauern der englischen Rcgicntng darüber aus, daß die Araber das Angebot einer Arab Agency abgelehnt haben und führt aus, daß die Regierung drei eiander folgende Vorschläge den Arabern in der Absicht gemacht habe, eine engere Verbindung zwischen der arabischen Bevölkerung und der palästinensischen Verwaltung herzustcllcn, nätnlich die Errichtung eines ״Legislative Council", in welchem die Araber durch zehn gewählte Mitglieder vertreten sein sollten, dann die Wiederherstellung des ״Advisory Couiic 118" mit einer Reihe arabischer Mitglieder und schließlidi die Einsetzung der ״Arab Agency", welche ähnliche Funktionen haben sollte wie die nach den Bestimmungen des Mandates vorgesehene Jewish Agency. Allen diesen Vorschlägen gegenüber, sagt das Telegramm an den High Commissioner, hätten die Araber dieselbe ablehnende Haltung eingenommen und infolgedessen sei die englische Regierung zu dem Schluß gejangt, daß weitere Anstrengungen in der gleichen Richtung zwecklos seien. ״Unterdessen ist das Mandat für Palästina durch die Entscheidung des Völkerbundsrats vom 29. September definitiv in Kraft getreten, und die englische Regierung ist verpflichtet, in der Erfüllung ihrer durch das Mandat gegebenen Verpflichtungen fortzufahren". Der High Commissioner wird infolgedessen bevollmächtigt, die Verwaltung Palästinas mit der Unterstützung eines Ad* visory Couifcils durchzuführen. 1