Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXVIII (1923)
- Issue
- Heft 100-101 (30.11.1923)
- Date
- 1923-11-30
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2651273-2652595-2652502-2652588--16967-2674673- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Seite 580 JUF.DTSCHE RUNDSCHAU Nr. 100 10׳! Hrbdtamarht Die Ärteitslafle In Paläsliua Von 1. Eft er. Der Sekretär des ״Komitees für das arbeitende Pa- Instina" in Berlin, 1. Liter, der vor kurzem ans Palästina cintraf, erstattete folgenden Bericht, den 1ms das Komitee zur Verfügung stellt. Wir geben die wichtigsten Teile in deutscher UeberseUutig wieder. Die Red. Die Einwanderung. In den ersten sechs Monaten des Jahres 1923 sind die Einwanderungszitfern die gleichen geblieben wie im vergangenen Jahre, d. 11. cs sind ungefähr 1000 Menschen monatlich ringewandert. Seit Juli hat sich diese Ziffer um ungefähr 25-30 ״/o erhöht. I Xiiigegemibrr aber hat auch die Zahl der Auswanderer /ugenonunen und 111411 kann in den Monaten Juni, Juli und August dieses Jahres die Auswanderung mit ungefähr 25- 30 0,״ der Einwanderung beziffern. Selbst wenn man berücksichtigt, daII ein Teil der Ausgewanderten unter Umständen ins Land zurückkciimi wird, und daß ein ge• wisscr Prozentsatz der Auswanderer aus jenen Personen dcsteht, die sich nicht länger in Polen atifli,ilten koiu.t.’i» und für die Palästina nur ein Durcli wa 11 d c r un g s I and nach Amerika war. Auch wenn man das alles berücksichtigt, muß gesagt werden, da IS die Zahl der Auswanderer aus dem Lande gestiegen ist. Ls ist nicht ganz, richtig, wenn behauptet wird, dal! der Grund dieser Erscheinung nur die schwere ökonomische Lage der Betroffenen ist. Es muß darauf hingewiescii werden, dali auch Menschen nuswaiuleni, die in der Lage waren, einiges von ihrem Arbeitslohn zu ersparen und die sieh in der Zeit, die sie im Laude verbracht haben, in einem bestimmten Fache spezialisiert haben, welches ihnen die Existenz, sichert. Selbstverständlich wandern viele auch wegen der Arbeitslosigkeit aus, Viel schlimmer und um ein bedeutendes schwerer als die Auswanderung an sich ist die Stimmung, die durch sic geschaffen wird, lind die, wcnii man keine energischen Schritte zu ihrer Bekämpfmif» unternehmen wird, sich zu einer dauernden und gefährlichen Erscheinung entwickeln wird. Mail muH alles unternehmen, um die Einwanderung zu erleichtern tmd die Arbeitslosen mit Arbeit zu versehen. Notwendig ist auch die Ueberführung in dauernde landwirtschaftliche und städtische Beschäftigungen. Gleichzeitig aber muß besonderes Gewicht auf eine groß angelegte Kulturarbeit und Clialuzcrzichung durch die Arbeiterparteien und die allgemeinen Arbeiterorgani- Nationen im Lande selbst gelegt werden. Die Arbcitslagc in dien Städten. Die Lage in Jerusalem ist bisher nicht schlecht gewesen Zwar waren die Jerusalemer Arbeiter nicht mit täglicher Arbeit versorgt, im allgemeinen kann man aber von einer Arbeitslosigkeit nicht sprechen, ln den letzten Monaten hat cs Arbeiten verschiedener Art gegeben, Bauarbeiten, Chausseearbeiten, bei verschiedenen Unternehmungen. Diese Arbeiten werden aber in Kürze beendet sein und ein großer Teil der Arbeiter wird nach neuen Arbeitsplätzen suchen. Dieselbe Lage besteht in Haifa und in Tiberins. In diesen beiden Städten ist die Arbeitslage bis in die letzte Zeit ganz, normal gewesen, Line besonders schwere Lage war in Tcl-Awiw zu konstatieren. Hier befinden sich ungefähr 101)3 vollständig Arbeitslose, deren Mehrheit mir durch die Beiträge der Leihkassc der allgemeinen Arbeiterorganisation in der Höhe von 21 Piaster lebt. Dabei muß auf den Unterschied zwischen der Lage des alleinstehenden und der des kooperativ organisierten Arbeiters verwiesen werden. Während die Mitglieder einer Kooperative die Früchte einer gegenseitigen Hiltc getiielien, ist der alleinstehende Arbeiter ganz auf sich allein angewiesen und seine Lage ist daher 1«11 vieles ärger. Bei solchen Verhältnissen muß'mit großem Respekt auf das Gefühl nationaler Verantwortlichkeit und organis.rtorisclicr Disziplin hingewiescii werden, welches die Arbeitslosen erfüllt, und das seinen Ausdruck darin gefunden hat, daß sic alle Tragen, der Arbcitslagc und Arbcitsvcrsorgmig in den Händen der Arbeiterschaft selbst konzcntrieit haben. Die durch das Amt für öffentliche Arbeit durchgeführten Arbeiten, die in den letzten 1—8 Monaten einen Wert von 10000 äg. Pfd. hatten» werden bald zu Ende sein, und von den 1000 Arbeitern, die bei diesen Arbeiten beschäftigt waren, werden im November 1000 arbeitslos sein, die übrigen werden es in den nächsten 3- 4 Monaten. Außerdem werden in größerem Maße auch Arbeiter arbeitslos werden, welche bei Privatunternehmern beschäftigt waren, und so kann man die Zahl' der Arbeitslosen in der nächsten Zeit auf 2000—2200 Personen beziffern. Auf der letzten Sitzung des Waad Hapocl der Arbeiterorganisation gemeinsam mit dem Amt für öffentliche Arbeiten und der Arbcitsabtciluug der Zionistischen Exekutive hat man sich eingehend mit der Trage einer raschen Arbcitsvcrsorgmig beschäftigt. Die Mittel hierfür müssen wir in unseren finanziehen Institutionen suchen. Es ist keine Möglichkeit vorhanden» Arbeit von der Regierung zu bekommen, weil auch sic kein Geld hat. Sic wäre vielleicht bereit, Straßen zwischen den Kolonien zu bauen, wenn wir dazu beitragen würden. Aber cs muß bemerkt werden, daß ein besonderer Wille, Arbeit Juden ,mzuvcrtraucn, bei der Regierung nicht bestellt. Zwei große Arbeiten im Werte von 80 000 £, die Einrichtung eines Friedhofs für die Kricgsgefallencn und die Aufführung von Gebäuden in Haifa, sind ägyptisch-italienischen Unternehmern übergeben worden, welche diese Arbeiten mit aus Aegypten bergehohen Arbeitern aiisführeii werden. Und das geschieht, nachdem das Amt für öffentliche Arbeiten bereits zwei Friedhöfe errichtet und von der Regierung ■nach Beendigung der Arbeit Dankschreiben für die gute und fehlerlose Durcliführung der Arbeit empfangen hat. Es ist wohl noch möglieh, daß ein Teil der Eisenbahnbauten in Haifa dem Amt für öffentliche Arbeit übertragen werden wird. Auch gibt cs Bauprojekte im jüdischen Jiseliuw selbst, in Tcl-Awiw, in Ir-Ganim, in den galiläischcn Kolonien, den landwirtschaftliehen Arbeitersiedlungen. Alle diese Arbeiten würde man durchführen können und bei ihnen während des ganzen Winters alle Arbeiter beschäftigen können, die heute arbeitslos sind, wenn für sic eine Summe von )0000—100000 äg. Pfund zur Verfügung stünde. Diese Summe werden wir von der Arbritsahtciluiig der Zionistischen Organisation, vom!andwirtschaftlichen Budget für Wirtschafts-Gebäude, von der Hypothekenbank und aus anderen Quellen in Palästina und außerhalb Palästinas bekommen müssen. Außerdem wird die für diese Geldsumme ausgeführte Arbeit auch private Einzelpersonell und Gesellschaften aneifern. In Betracht kommt auch Tcl-Awiw, welches seine Kanalisation durchführen muß, zu welchem Zweck die Stadt in Amerika einen Kredit von 75 000 äg. Pfd. auf seine Obligationen bekommt. Diese Arbeit wurde noch nicht in Angriff genommen, weil nach Behauptung der Stadtverwaltung die Pläne noch nicht fertig- , gestellt sind. An dem Tage, an dem ich das Land verlassen habe, hat eine gemeinsame Sitzung des Amtes für öffentliche Arbeit, der Arbeitsabteilung der zionistischen Exekutive und der Stadtverwaltung von Tcl-Awiw st.1ttge(u11<Ien, die sich mit dieser Frage befaßt hat. Der Wand Poel der Arbeiterorganisation hat gemeinsam mit den zuständigen Instanzen der Zionistischen Organisation in den letzten Wochen seine ganze Aufmerksamkeit der Frage einer genügenden Arbeitsversorgung für die .Wjnt-crsaison gewidmet. Die Arbcitslagc in der Landwirtschaft. In unserer Aibeilcrlandwirlsdiaft können wir in den letzten zwei Jahren einen Fortschritt konstatieren. Das Hauptziel, das wir uns darin gesteckt haben: die notwendigsten Lebensbedürfnisse durch eigene Produktion zu decken, ist im großen und ganzen erreicht worden. F.s ist wohl richtig, daß der Ertrag der Arbeit noch nicht gestiegen ist, im allgemeinen aber haben sich die Wirtschaften in ihrer Mehrheit konsolidiert. Das ist auf die allgemeine Vcrbilligimg der Lebensmittel im Lande zurlickzuftihrcii. Im allgemeinen sind in mehreren Wirtschaften Gebäude und Vieh iiin/ugckomiiicn, und cs sind auch neue Arbeitszweige erschlossen worden. Vor allem ist in einem größeren Teil der Wirtschaften wie auch in vielen Kolonien die Tabakannflaiumig eingeführt worden. Der Ertrag des vergangenen Jahres, sowie die Einnahmen waren gut. Unsere Wirtschaften, die bereits selbständig geworden sind, oder cs jetzt werden, leiden stark unter einem Mangel von billigem ünd dauerndem Kredit. Die Arbeiterbank, welche in diesem Jahre der bedeutendste Faktor in der Entwicklung der Wirtschaften und der Vergrößerung ihres Vermögens gewesen ist, ist infolge Mangels au Mitteln nicht in der Lagc; allen Anfoiderungen auf diesem Gebiete zu genügen. Sie hat noch keine Möglichkeit, den Zinsfuß hcrabzusetzen und Kredite auf einen längeren Zeitraum als auf sechs Monate zu bewilligen. Klar ist, daß, solange die Kredit frage nicht gelöst sein wird, die schnelle und fortschreitende Entwicklung unserer Wirtschafeu gäelicmnit ist. Die Landwirtschaft leidet auch aus einem anderen Grunde, der nicht für Palästina allein charakteristisch ist, nämlich infolge der Tatsache, daß die Existenzbedingungen des Dorfes und der Stadt miteinander nicht im Einklang stehen. Die landwirtschaftlichen Produkte sind verhältnismäßig billig, während die städtischen Erzeuguisse, die Preise von Reparaturen, die medizinische Hilfe usw. bedeutend teurer sind, aber dieses Probien» ist sehr kompliziert, und sei daher hier nur angedeutet. Was das Gemeinschaftsleben in unseren landWirtschaftliehen Siedlungen betrifft, kann ich leider einen Fortschritt nicht konstatieren. Dieselben Fragen des Gemeinschaftslebens, welche die ganze Zeit über vor uns gestanden haben, bestehen auch heute noch, vielleicht in einem etwas abgcschwächten Maße. Die Frage des Zusammenlebens ist auch heute noch für uns eine der schwersten. Die Frage wird in der letzten Zeit zu wenig erörtert. Es ist klar, daß uns noch die innerliche Erziehung zu einem Gemeinschaftsleben fehlt, welches von jedem eine gewisse Nachgiebigkeit und auch eine gewisse Anstrengung erfordert. Für eine derartige Erziehung hätten die Kwuzoth sorgen müssen. Es ist aoer fcsizusiellcii, daß nicht nur unter den alten Arbeitern, sondern in hohem Maße auch unter den Neiicingcwnndcrtcn eine Neigung zu individueller Siedlung in der Form des ״Moschaw owdim'• bestellt. Die Kolonisation in diesem Jahr wird sich nicht in dem Tempo entwickeln, wie in den letzten zwei Jahren, weil ein bedeutender Teil des landwirtschaftlichen Budgets die Bedürfnisse decken muß, die in den Siedlungen der letzten zwei Jahre noch unbefriedigt geblieben sind. In diesem Jahr werden einige Moschawc owdun und einige Kwuzoth, welche zusammen izäO—300 Personen umfassen, gegründet werden. Hätten wir die Möglichkeit, eine breite Aktion für eine neue landwirtschaftliche Siedlung durchzuführen, so könnten wir viel erreichen, einmal, weil bei den Arbeitern des Landes ein starker Drang zum Uebergang in die Landwirtschaf» besteht, dann aber auch, weil die Ansicdlung um die Hälfte billiger würde. Dieses Bestreben der Arbeiter, in die Land- Wirtschaft iihcrzugcucn, beruht auf der Ueberzeiigung, daß hier die Grundlage und das Fundament unserer Gesundung zu finden ist: cs wird noch verstärkt, durch den Willen und die Notwendigkeit, eine ständige Arbeitsposition im Lande einzundimen und als solche kann mau nur die Landwirtschaft und nicht die Arbeit in den Städten anschcn, weder jetzt noch in der nächsten Zukunft. Die Neigung, landwirtschaftliehe Positionen cnizuiichmcn, und sich auf diese Weise mit dem Lande zu verbinden, findet ihren Ausdruck aucli in dem Plane der Arbeitervorstädte. Die Lösung dieser Frage kann erst nach der Lösung der öodenfrage erfolgen. Augen, blicklich hat der Nationalfonds noch niciit die Zustimmung gegeben, neue Plätze in der Umgebung der Städte zu erwerben; er behauptet, daß er zunächst ein oder zwei Jahre Geld sammeln will, um ein größeres zusammenhängendes Stück Land für Kolonisationszwccke zu erwerben, etwa in der Art, wie er cs im Emck getan hat, und er will sich nicht in kleinen Haufen auf verschiedenen Plätzen zersplittern, - Die städtischen Kooperativen haben sich nicht vergrößert, zu den alten Kooperativen sind keine neuen hinzu• gekommen. In einer guten Lagen befinden sich die Druck, kooperativen. Die Zahl ihrer Mitglieder ist groß, ihre matciiellc Lage ist eine gute. Da und dort existieren kleine Kooperativen, aber eine städtische Fachkooperativ-Bcwcgmig ist noch nicht vorhanden. Es ist verständlich, daß ich zu den städtischen Kooperativen nicht die Baugenossenschaften zähle, weil sie keine ständigen Kooperativen sind mit dem absoluten Willen, bei ihrem Fach zu bleiben. Zu den Gründen, die das Wachstum der städtischen Kooperativen verhindern, gehört vor allem der Mangel an Kredit für diese Zwecke. Die Arbeiterhaiik unterstützt die Kooperativen tmd sie wird auch die Ncuzugrüiideiidcn unterstützen, aber sie kann ihnen keine Darlehen auf längeren Termin mit kleinen Zinsen geben, die ihr Umsatzkapital bilden könnten. Aber der Hauptgrund der geringen Entwicklung der städtischen Kooperativbewegung ist das Fehlen eines speziellen Zentrums, dessen wesentlichste Aufgabe die Entwicklung dieser Bewegung wäre. Augenblicklich stellt diese Frage auf der Tagesordnung der Arbeiter- Organisation, welche so schnell als möglich die Kooperativzentrale begründen wird, die die oben geschilderte Funktion ausftillen soll. Bei dieser Frage muß ich auch hei dem Amt für öffentliche Arbeite« verweilen. Die zweite Periode der Amtstätigkeit, die Periode der Bauarbeit hat mit einen größerem Erfolg geendet, als die erste Periode der Chaussecarbcit. Diese Bauperiode stand in keinem organischen und profcsbnellcn Zusammenhang mit der ersten Periode, und sie hat die Fordcruiig nach Spezialisierung und größerer Erfahrung, sowohl der Arbeitslcitcr als auch der Arbeiter selbst gestellt. In diesem Augenblick verfügen wir schon über eine ansehnliche Zahl von!Menschen, die sich in verschiedenen Zweigen der Dauarbeit spezialisiert haben. In den letzten acht Monaten hat das Amt für öffentliche Arbeiten Bauten im Werte von 110 000 Pfund durcligeführt und cs ist auf diese Weise der führende Unternehmer auf diesem Gebiete geworden. Die Hauptquclle, aus der das Amt seinen Kredit zieht, ist die Arbeiterhaiik, welche größere Summen zur Verfügung stellt gegen die Garantie der Arbeitgeber. Auch das Umsatzkapital des Misrad bei der A. P. C. hat in den neun Monaten des Jahres 1923 die Summe von 28000 ägvpt Pfund betragen, In dieser Zeit hat das Amt für öffentliche Arbeit, ungeachtet der finanziellen Krisis im Lande, Wechsel in der Höhe von 69 OOO Pfund bezahlt, Waren um 27 000 Pfund cingekauft und sich gleichzeitig auch in geschäftliche Verbindung mit anderen Unternehmungen und Handelsgesellschaften gesetzt, Das Amt hat unter einem Mangel von Umsatzkapital zu leiden, welches cs zu einer Geschäftsführung braucht und das hofft man nticli seiner Legalisierung als Genossenschaft für Industrie- und Bauarbeit zu bekommen, indem, man sein« Aktien im Werte von einigen!0000 Pfund verkaufen will Gleichzeitig mit der Verbesserung seiner finanziellen *La™ ist auch bei seiner Reorganisierung notwendig gewesen ver. sdilcdcnc technische und organisatorische Neuerungen ein! Zufuhren, welche seine weitere Entwicklung gewährleisten sollen. Es ist noch darauf hinzu weisen, daß das Amt in der letzten Zeit auf verschiedene Konkurrenten gestoßen ist welche sich auf gewisse zionistische Biirgcrkrcisc stützen* aber cs ist anzuricnmcn, daß nach Durchführung der finanzielten und technischen Reorganisierung das Amt diese Kon! kurrenz nicht besonders fühlen wird. H a tri a s c h b i r. Dieser hat sich sehr stark entwickelt״ Er ist heute die röBte Handdskooperative im Land. Der monatliche Umsatz cträgt 10000 ägypt. Pfund, seine Filialen entwickeln sich im ganzen Lande gut. Außer den Städten hat er Filialen auch in den einzelnen landwirtschaftlichen Punkten. |n H.mdclskrcisen hat der Hamaschbir einen sehr guten Ruf, Vertrauen in Krcditangclegenlieitcn, seine Wechsel werden von allen Kauflcutcn und Danken diskontiert Die Arbeiterbank. Bei der Arbeiterbank ist die erfreuliche Erscheinung zu konstatieren, daß sie alle Tätigkeitsgebiete der Arbeiterschaft in Ercz-Isrncl umfaßt. Sie macht alle Anstrengungen, um mit ihren Mitteln, wenn diese auch vorläufig noch sehr bescheiden sind, alle wichtigen Arbeitsuntcrnclimungcn im Lande, im Dorfe und in der Stadt zu unterstützen. Sic kümmert sich sehr um jedes Bedürfnis und um jede Initiative, welche für die weitere Entwicklung unserer kofoni- $,»torischen Arbeit in der Stadt und auf dem Lande wesentlich sind. Besonders in 'dem Krisisjalir, welches das Land überstanden hat, war die Arbeiterhaiik von großer Bedeutung, indem sie beispielgebend gewirkt bat lind andere Institutionen veranlaßt hat, sich an wichtigen landwirtschaftlichen und andern Unternehmungen zu beteiligen. Kredite gibt sic unter sicheren Bedingungen und Garantien, und cs hat sich bis heute noch kein einziger Schadensfall ereignet, Eine wuchtige Aufgäbe ist, das Kapital der Arbeiterbank zu vergrößern, um sic zu einer Erweiterung ihrer Operationen in Stand zu setzen und um ihr zu ermöglichen, die Provision zu verringern und größere Kredite auf längere Zeit zu geben. In der letzten Zeit hat die Arbeiterbank eine Sparabteilung eingeführt. Literatur Das jüdische Problem!וי Palästina. Von Dr. Alphons J, Su ß n i t z k i. Diese Broschüre ist eine Wiedergabe eines vom Verfasser — dem Sekretär des P. E. C. — im I ah re 1921 in [Deutschland im Bunde ״Neues Vaterland“ gehaltenen Vortrags. Obzwar ein Teil der Ausführungen namentlich jener über Kolonisation, der sich hauptsächlich auf das Buch Ruppins und die Vor• schlüge Soskins stützte, heute veraltet ist, enthalten andere Teile bemerkenswerte Ausführungen. Sehr gelungen ist der Hinweis auf die fehlende subjektive Vcrziclitlctstung der Juden auf• ihr Land bis auf den heutigen Tag (ähnlich wie die Franzosen •seit 1870 den inneren Verzicht auf Elsaß-Lothringen nicht aufgegeben hatten), was nach Sutlnitzki einen Völkerrechtlichen Anspruch begründe. Interessant und durchaus noch aktuell sind die Ausführungen des Autors über die Araberfrage. Besonders eingehend weist er darauf hin, daß die christlichen Araber in Palästina stark nach Syrien gravitieren, wo ihre Gleichgesinnten die geistige Vorherrschaft haben, und daß ihre antizionihtischc I letze auf die Errichtung eines Groß- Syrien unter französischem Protektorat hinzie.t Ob das heute, nach Schaffung der drei arabischen Königreiche bei fortgesetzter antizionistischcr Agitation des vereinigten mohammedanisch-cliristlichcn Komitees noch zutrifft, ist sehr fraglich. — Die Broschüre könnte sehr gut zur Aufklärung der nicht* jüdischen Oeffcntlichkcit verwendet werden. Intensive Kolonisation. Von Dr. S. E. Soskin. Orient• Verlag. Diese Broschüre enthält die verschiedenen Aufsätze und Reden Soskins über dieses Problem. Darunter befindet sich auch sein Artikel über die Nationalisierung des Bodens (1919). Soskin verlangte damals, daß in Palästina eine Landordnung nach Art der Deutschen in Kiautschou eingeführt werde. Privatkäufc von Boden sollten ver 1x1 teil werden, die Regicrung' ein Entciguungsrecht besitzen und als Entschädigung nur die Vorkriegspreise bewilligen. Der Einwand, daß dies die Araber aufbringen könnten, begegnet Soskin damit, daß er sagt, daß nur die Effeudis über die Landordnung wüten wurden, nicht aber die Masse der Fellachen. Jener Einwand ist damit nicht entkräftet. Wenn die Regierung arabisches Land enteignen, dafür Vorkriegsprcisc zahlen und es Juden in Erbpacht übergeben würde, so würde dies die nationale Hetze zu einem furchtbaren Ausbruch steigern. Die Erinncrting an das Vorgehen der Deutschen m Posen liegt sehr nahe. Woher die Regierung das Geld für den Ankauf nehmen soll, darüber spricht sieh Soskin dahin aus, daß die Zionisten ihr es zur Verfügung stellen sollen! Gegenüber dieser nach einer ganz schiefen Analogie mit der .Stellung des Deutschen Reichs in Kiautschou geforderten Vorgehens wäre viel eher die Einführung von Badenwert- und Wertzuwachsstcucrn von allgemeinem Nutzen, ohne daß dagegen von irgendeiner Seite ein begründeter Eirnvand gemacht werden könnte. In bezug auf die von Soskin propagierte intensive Kultur ist ein Aufsatz bemerkenswert, der sich gegen Soskins Kritiker am XII. Kongreß richtet. Soskin führt unter anderem aus, daß auf Kalifornien nur 3V2 Millionen Menschen wohnen, daß das enorme Erzeugnis an Gartenfrüchten Kaliforniens daher in der Hauptsache nach dem weit entfernten amerikanischen Osten exportiert wird. Allerdings ist dieses für Kalifornien ein natürliches Absatzgebiet, indes ein solches für Palästina in Konkurrenz mit dem billigeren ägyptischen Gemüse erst geschaffen werden müßte. Soskin meint, daß dies nur Sache der richtigen Organisation seL Angesichts der Tatsache, daß seihst nach Palästina heute ägyptisches Gemüse exportiert wird, ist diese Ansicht zu optimistisch. In bezug auf Ettingers Meinung, daß es viele Jahre brauchte, bis ein Boden zur intensiven Kultur geeignet sei, weist er auf andere Länder hin, wo auf ursprünglich sandigem Boden schon nach zwei Jahren befriedigende Erträgnisse erzielt wurden und auf das Beispiel der Gemüsegruppe Schum bei Slchron. — Es ist anzutichmen, daß die Reise von Mr. Elwood Mead nach Palästina, als Sachverständiger der Zionistischen Organisation auch über die Frage der intensiven Kultur eine Klärung• bringen wird. Auch Dr. Soskin selbst befindet sich gegenwärtig auf einer Studienreise in Palästina, Die jüdische NationalbibKothck in Jerusalem Wendet sich •an die jüdische Oeflcntlichkcit mit der Bitte, zu einer Sa mmlang für einen Denkstein atif dem Orabe des Gründers der Bibliothek Dr. Chazanowitsch beizusteuern, Dr. Chazanowitschs Grab befindet sich w Jckatcrinoslaw. Es sali nun ein Denkmal aus einem Jeru* salcmcr Stein hergesteitt und nach Jckatcrinoslaw befördert werden.