Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXVIII (1923)
- Issue
- Heft 100-101 (30.11.1923)
- Date
- 1923-11-30
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2651273-2652595-2652502-2652588--16962-2674668- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
!10׳ t d c n .; וי <• m I!ז fn,. : 1ן[1;1י!'י!( At «k>;^ Sinais.י ח»;זיי' e t Z (! s *0י׳ t!jc ״seltnft 1 rc n. »:׳ der ul e n.!יו-', ob >011111!״ « a ßlj <|ןן Bridge. nmiltce 'liinii ־.״liillt lic \)q. <1 be. aiiiitccs ten der äs ident eilende Das גי no!. «irisch, tat fiel! Arbeit > rin;;!•,ן 1. n halte ermissür Ärlej au wurden S.1 che er I>la11 ח : vor, ׳rwri rh, ,a und , ■rli alten ■Le nimg 11:1t!11 und itlir in )11 er• t wo ז• er antilerhicil, micnde vic die eil hem der J. folrrung Polen, I tks her die; Nit•; des , stellt cn Ge• wieder en ein f, daß Flacht- Jahren üchent• alästina migung יי , JL dJ# Date; Materialien •*-י Probleme Nummer 9 Erscheint tu z w nn iftoie r Folge ך* üit״ ״ ”'״7',‘ ״׳ . 1 M■! ‘ •■!יו••' ■ Berlin, 30. XI. 1923 ״caiitX׳.T«aaK:'»־־riacrr. \1— י : Die Parole: 30000 Einwanderer uni ll 12 Millionen £ im Jahre Von Adolf Böhm. Ruppin hat in seinem Kongreßreferat berechnet, daß zur Pro duktivierungvon 30 000 Ei nwa nde• rtrn pro Jahr ein Betrag von 1,5 Millionen pfund nötig ist. Hiervon würden entsprechend der rt>1. ihm aufgestelllcn Rechnung zirka 200 000 Pfund auf den Jüdischen Nationalfonds und 1 300000 Pfund auf den Keren Hajes; ' entfallen. Es bi iiichtcn also die Einnahmen, die im letzten!,ihr für beide Fonds zusammen zirka 500 000 Pfund betrugen, bloß verdreifacht ru werden, uni dieses Ziel zu erreichen. Hierbei ist noch zu veranschlagen, daß ״eben dem Keren Hajcssod auch noch Gelder für Bauten, Kredite usw. aus privaten Quellen fließen. Würde die Einwanderung von 30 000 Seelen pro Jahr — «der wie es Ruppin faßte, von 7500 Familien ru vier Köpfen, welch e bloß aus dem allgemeinen Fonds produktivjert werden — durch zehn Jahre fortgesetzt, dann wurde die Entwicklung des Landes so rasch er* folgen, daß auch durch private Unternehmungen u. dgl. weitere tausende Juden Erwerb finden würden. Nach reim Jahren wären dann weit über eine halbe Million Juden in Palästina angesied eit. Mit anderen Worten: Nach all den jahrelangen Diskussionen über das Tempo und die Möglichkeiten der Schaffung einer besonderen Jüdischen Siedlung in Palästina hat Ruppin auf Grund der Erfahrungen (ülirigcns halte er schon vor diesen Erfahrungen von einer Ein- Wanderung von 20 000 bis 30 000 Menschen pro Jahr gesprochen und am 12. Kongreß 1,5 Millionen Pfund fiir den Keren Hajcssod verlangt) ein klares und deutliches Programm aufgestcllt: 30000 Einwanderer pro Jahr, das sind. 1,5 Millionen Pfund für Keren Hajessod und Nationalfonds! Im Ablauf eines Jahrzehnts mindestens eine halbe Million Juden in Palästina! Damit ist die Aufgabe der Zionistischen Organisation in bezug auf die praktischen Ziele auf eine einfache Formel gebracht Es ist nicht zu zweifeln, daß diese von größtem Wert für die Keren Hajcssod-Arbeit sein wird. Kein Jude wird sidi ihrer Uebcrzeugungskraft verschließen können Die andere wichtige Konsequenz, die sich aus den Anschauungen Dr. Ruppins ergibt, ist die technische Bewältigung der Finanzierungsfrage durch den Keren Hajcssod. Bekanntlich sind diesbezüglich zwei Meinungen vertreten worden: 1. Die Aufbringung von Aktienkapital fiir eine sogenannle Holding Company, welche die not* wendigen Finanzinstitute in Palästina gründet und an ihnen mit 50 0׳,״ beteiligt ist (Plan des Ausbaues der tünchet is Ucd Schlägl Volkswege» iiiidunf 1t« *" big« tau <׳r•:! k I ns 1 tn A# 1en Kolonialbank oder Schaffung der Jüdischen Kolonisationsgescllschaft nach Ruppins Aufbaubuch.) Einhcitliche Zusammenfassung, nationale Kontrolle, Lückenbsigkeit der zu schaffenden Zweck Institute — das sind die Prinzipien, die auf diesem Wege erreicht werden tonnen. 2. Aufbringung der Mittel für dieselben Zwecke durch eine Nationa lanleihc. Dieser Plan ist neu* tstens ins Einzelne ausgearbeitet und wohl begründet worden in dem Buche von Dr. Arlosoroff: ״Die Kolonisationsfinanzen der Jewish Agency“. Beide Pläne sind darauf angelegt neben dem Gemeinschattsfonds private Kapitalien für die finanziellen Institute zu beschaffen. Ihre Durchführung erfordert »ber langwierige Vorbereitungen. Ruppin geht bezüglich der finanztechnischen Frage derzeit vom Bestehenden, dem Keren Hajcssod aus. Dieser hat durch kleine Beteiligungen die Keime der Fjnanzinstitute zu bilden. Einmal gegründet, können sie tin Mehrfaches des von ihm beigesfeuerten Kapitals durch Obligationen oder, wie bei der Hypothekenbank, durch Ausgabe von Pfandbriefen erlangen, später auch neue Aktien emittieren, bis die im Zuge befindliche Gründüng dafür (Investment Cy. oder Emissionsbank) durchgeführt sein wird. Der Keren Hajcssod ist bereits beteiligt an der bäudkaufsgesellschaft (P. L D. C.), der Hypothekenhink (General Mortgage Bank), deren Gründung er 5Hein durchgeführt hat, ferner sind durch seinen Indu- Jkiefonds und seine Kolonisationshilfe die Grundlagen eine Industriebank und eine Landwirtsdiaftsbank?'legt worden, ferner ist die Zionistische Organisation whr stark an der Arbeiterbank beteiligt. Auf jeden Fall, auch wenn die Pläne sub t und 2 finmal durchgeführt werden könnten, schafft der Keren {{3jessod dafür die Basis. Er arbeitet also nicht nur die Zwecke, die nur aus Gemcinscttaftsrnittcln ge- Raffen werden, sondern leistet auch die Pionierarbeit "j* die Lösung der finanztedmischen Probleme. Die 5!*« angeführten Postuiate der nationalen Kontrolle usw, Slnd in ihm gewährleistet. DaB überdies der Keren Hajcssod trotz seiner relativ gingen Mittel auch der Schrittmadier für große Unter- ""U&umen Jsjk.hat sidi bei dgt Ruthenberg-Geseüscliaft, f gezeigt. Da Keren Hajcssod hat die Vorarbeiten finanziert und damit das Zustandekommen der Konzession und der, Gesellschaft ermöglicht, an der er sich überdies auch finanziell beteiligt. So sehen wir, daß die Rolle des Keren Hajcssod im Aufbauwerk eine grundlegende nach jeder Richtung hin ist. Es bedarf nur einer Erhöhung der Intensität der Propagandaarbeit, um die großen, nunmehr fest umrissenen Aufgaben zur Durchführung; zu bringen, Die Landarbdtcrfraße Von Dr. Arjeli T a r t n k 0 vv e r. Es mutet einen merkwürdig an, noch immer von einer Landarbeiterfrage in Palästina zu hören. Und doch bestellt die Frage ununterbrochen seit jener Zeit, wo sic mit dem Einsetzen der Kibusch-1 laawoila-ftcwcgung auftauchtc und ist beute gerade so brennend, wie sie vor fünfzehn Jahren war. Allerdings hat sich Sinn und Bedeutung (1er Frage bedeutend verschoben. Vor fünfzehn fahren war sie eine Frage der Existenz, eines Arbeiterstamms in Palästina überhaupt. Bei aller Anerkennung der nationalen Bedeutung der jüdischen Arbeit in den Kolonien, wurde doch imineF wieder und in erster Reihe die Notwendigkeit der wirtschaftlichen Erhaltung der Arbeiter betont. Auf das Prinzipielle der Frage ließ man sich meist nicht ein. So konnte man denn ruhig darüber debattieren, wie man den Landarbeitern den wirtschaftlichen Aufstieg, die Umwandlung in Kleinbauern ermöglichen könne. Die Frage der Arbeiter war damals brennender als die Frage der Arbeit. Dem ist nun heute bei weitem nicht mehr so. Die Landarhcitcrfrage ist heute keine Frage der Existenz der jüdischen Arbeiterschaft überhaupt, wenngleich ohne weiteres zugegeben werden mag, daß eine Ersetzung der arabischen Lotuiarbeitcrscliaft in den Kolonien durch eine jüdische, vielen Tausenden Arbeiter Besd1äftlg11n״smii;!lichkcit );eben uml der Arbeitslosigkeit auf lauge Zeit hinaus ein Ende mache 11 würde. Aber tatsächlich besteht ja heute .ein starker jüdischer Arbeiterstand im Land« und er wird bcstehen, ob nun die Arbeit in den Kolonien erobert wird oder nicht. Und selbst für die landwirtschaftlichen Arbeiter ist die Frage der Arbeit in den Kolonien keine Existenzfrage mehr. Die Zahl der in den Genossenschaftsbetrieben beha fügten Arbeiter dürfte schon heute der der jüdischen Arbeiter in den Kolonien glciclikomnicn und es gelangt schließlich ein jeder Landarbeiter nach mehr oder weniger Jahren des Harrens und Kämpfen» in eine Genossenschaft, in der er auch sein Lebensziel sieht. So schiebt sich denn heute die allgemein-wirtschaftliche und nationale Seite der Frage vielmehr hervor als ihre unmittelbare Bedeutung für d e Himdcrtc jüdischer Arbeiter, die heute in den Kolonien beschäftigt sind und für die Tausende, die dort an Stelle der Araber beschäftigt werden könnten. Auf diese Seite der Frage soll hier cingegangcn werden. Doch zunächst ein kurzer historischer Rückblick. Es schien im Laute der letzten fünfzehn Jahre zweimal, als ob die Landarbeiterfrage sich einer Lösung nähern wollte. Das eine Mal war cs die Einwanderung der Jemeniten, die als die beste Lösung der Frage der jüdischen Arbeit' in den Kolonien von der jüdischen Öffentlichkeit lind von der übrigen Arbeiterschaft selbst mit Freude begrüßt wurde. Das andere Mal brachten die traurigen Maiercignisse des Jahres 1921 als eine der sehr wenigen guten Konsequenzen die restlose Durchsetzung des Grundsatzes der jüdischen Arbeit in den Kolonien. Aber sowohl in dem einen als auch in dein anderen Fall kam nacli dem ersten Rausch die bitter® Enttäuschung. Die Geschichte der Jemeniten in Palästina ist eines der schmachvollsten Blätter in der Geschichte der nationalen Kolonisation des Landes. Nachdem man eine kurze Zeit lang viel Aufsehen mit ihnen gemacht hatte, ließ man sie (besonders nach dem Ausbruch des Weltkrieges) im Stich und lieferte sie vollends der Ausbeutung durch die Kolonisten aus. Und cs fällt wirklich schwer, einen anderen Ausdruck als ״Ausbeutung“ zu finden, um das Vorgehen der Kolonisten gegenüber den Jemeniten zu kennzeichnen. Man ließ sic für einen Pappenstiel arbeiten, beschäftigte sie, wann man wollte und ließ sic an anderen Tagen hungern, zerstörte ihr Familienleben, da die Frauen fast durchweg als Bedienerinnen in fremden I läusern arbeiten mußten, behandelte sic durchweg wie Leute einer minderen Sorte, die man ständig beaufsichtigen muß, damit sie nicht stehlen und keinen sonstigen Unfug treiben und gewährte ihnen keinerlei Hilfe, weder in kultureller, noch in sanitärer, noch auch in einer sonstigen Hinsicht So gestaltete sich denn das Leben der Jemeniten in den Kolonien zu einem wahren Martyrium. Fast völlige physische Degeneration und eine erschreckende Sterblichkeit waren die Folge. Nach den Angaben von Javnicti, der im Jahre 1918 von der Arbeiterorganisation mit der Unter- Stellung der Lage der Jemeniten beauftragt worden war, starben in den 6 Jahren 1912—18 von den 270 Jemeniten in Pctncli-Tikwa 121, d. L 40 ״/o, darunter 73 Kinder unter fünf Jahren, von den 237 Jemeniten in Rcchoboth 101, hiervon 76 Kinder. Zu gleicher Zeit starben von der übrigen Bevölkerung in Rcchoboth, die 900 Seelen zählte, 75 Leute, hiervon 11 Kinder! (Milgctcilt in Jlaaclmna 1920, Heft 1.) So ist cs denn erklärlich, daß sich unter der jcminitischen Bevölkerung rasch ein ungeheures Gefühl der Verbitterung ru regen begann und sic heute in ihrer Arbeit in der Kolonie nur mehr einen Fluch sieht. Das Streben, ein selbständiges, wenn auch noch so kärgliches Leben führen zu können, machte sich rasch geltend und kam auch kräftig zutn Ausdruck. Die letzte 1m Februar!922 von der 'allgemeinen Organisation der Arbeiter zusammengcnifcnc Delegiertenkonferenz der Jemeniten beschloß cs ausdrücklich, daß man von nun an sich darum bestreben müsse, die bestehenden Jemcnitensiedlungcn, die lediglich als Hüuslcrsiedlungen bcgründet worden waren, im selbständige Dörfer iimzu wandeln, wo jeder Bewohner sein volles Einkommen aus eigener Wirtschaft wird ziehen können. So ist es denn mit dem Traum (sofern mau da überhaupt von einem Traum im Sinne eines erstrebenswerten Ideals sprechen kann) einer jemenitischen Lohnarbciterscliaft für die Kolonien endgültig vorbei. Keiner von den Jemeniten denkt heute daran, Lohnarbeiter in der jüdischen Kolonie zu bleiben. Viel rascher zerstob die zweite Illusion. Trotz der feicrliehen Versprechen und Gclübdcf keine arabische Arbeiter mehr zu beschäftigen, begannen die Kolonisten bereits nach einigen Monaten, nachdem der erste niederschmetternde Eindruck der arabischen Ucbcrfäile vergangen war, sehnsüchtig nach den arabischen Dörfern hinüberzublicken und machten Anstalten, sich von der ״Tyrannei“ der jüdischen Arbeiter zu befreien. Eine Kolonie nach der auderen begann das Schlagwort von der freien Wahl der Arbeitskräfte zu prägen, was tu der Praxis Freiheit der Beschäftigung arabischer Arbeiter bedeutete. Manche Kolonien (z. B. Riachoa le’Zion) lutlen sich von vornherein dem Verbot der Beschäftigung arabischer Arbeiter nicht gefügt. Schließlich gingen auch f ctacl1-1 ,kwa und Chcdcra, die beiden Kolonien, die einiget Monate vorher von den Arbeitern mit den Kolonisten zusnmmcn gegen arabische Ucbcrfäile verteidigt worden waren ״ Uhcdera war die Rettung der Kolonie in erster Reihe) der Tatkraft und der Entschlossenheit der Arbeiter zu verdanken), zu arabischer Arbeit über. Man suchte zunächst im Einverständnis mit den jüdischen Arbeitern deren Zahl zu beschränken und di<׳ Arbeitslöhne hcrabzudrücken, gab aber später die Verhandlungen, ehe zu keinem Resultat’ führte«, auf und ging zur unbeschränkten Anwendung arabischer Arbeitskräfte über. In Chcdcra verließ d;e jüdische Arbeiterseliaft zum Zeichen des (,rötestes die Kolonie. Und »O kehrten denn die alten Zeiten wieder. Heute ist die Zahl der jüdischen Arbeiter in den Kolonien geringer denn je. Von Saisonarbeiten abgesehen, wo immerhin fast regf»1)1äßig eine größere Zahl von Arbeitern vorübergehend beschäftigt 'Drei, weiden jüdische Arbeiter nur für einige qualifizierte Arbeiten verweilt!׳.׳(, die viel Intelligenz und 1 ert. t verlangen, also vom Araber nicht geleistet werden können. Aus dem eingangs Erwähnten dürfte schon erhellen, daS das Interesse für du: Frage der Arbeit in der Kolonie heute in Palästina selbst in Arbeiterkreisen hei weitem nicht mehr s« groß ist, wie etwa vor 15 Jahren. Es lasten heute auf der jüdischen Arbeiterschaft so viele und so dringende Fragen des wirtschaftlichen und des sozialen Lebens, ’daß daneben diese Frage in den Hintergrund getreten ist. Selbst auf den Konferenzen der Organisation der landwirtschaftlichen Arbeiter wird fast ausschließlich die Frage des Ausbaus der Pnchtgciiosseiiscliaftcn besprochen und daneben der Frag* der Arbeit in den Kolonien wenig Aufmerksamkeit geschenkt Und doch mit Unrecht. Die Lolin,־irbeitsfragc in den Kolonien ist in erster Rc-ihc eine nationale Frage, wenngleich sie natürlich auch ihre soziale wenig erfreuliche Seite hat. Die Tatsache der Beschäftigung von Tausenden feindlich gcsinnier, auf einer äußerst niedrigen Kulturstufe stehenden Lohnarbeiter bedeutet eine ständige Bedrohung der Sicherheit der jüdischen .Siedlungen, schon abgesehen davon, daß sie den jüdischen Charakter der Siedlungen überhaupt in Zweifel stellt Man hat bisher viel zu viel die einzige vermeintlich p-ositive Seite der Erscheinung betont, die Tatsache nämlich, daß der Nebenverdienst in der Kolonie dem arabischen Bauer seine wirtschaftliche Lage erleichtert und ihm die Vorteil« der jüdischen Sicdhmgsarbcit vor die Augen führt. Ich glaube, das gerade Gegenteil ist der Falk Gerade die Tatsache, daß der arabische Lohnarbeiter tagtäglich die Gelegenheit hatte bzw. hat, seine Uettelarmut mit dem (ihm natürlich sehr groß scheinenden) Reichtum des Kolonisten zu vergleichen, war am meisten geeignet, den Haß und die schlimmsten Instinkte zu wecken. Fugt man noch hinzu, daß die Behandlung des arabischen Lohnarbeiters fast alles ZU wünschen übrig läßt, so wird man sich die Gefühle, vor» denen der arabische Arbeiter zunächst dem Kolonisten, dann aber dem Juden überhaupt gegenüber beseelt ist, leici»! vorstellen können. So sind denn auch folgerichtig gerade d,e reichsten Kolonien im Jahre!921 zunächst überfallen worden und es waren die bisherigen arabischen Arbeiter, die bei den Angriffen den aktivsten Anteil genommen haben. Wenn es überhaupt einen Weg der jüdisch-arabischen Annäherung gibt, so ist cs nur der gegenwärtig von der allgemeinen Arbeiter- Organisation geplante Weg gemeinsamer freier Arbeit auf dem Fuße der Gleichberechtigung. Der Weg der Lohnarbeit in den Kolonien kann am allerwenigsten zu jenem Ziele }*ihren. Jedoch ist mit dieser Feststellung zunächst wenig geholfen- Es gilt zugleich die wirtschaftliche Seile der Frage zu untersuchen. Es ist nämlich einzig und allein die Schuld der Verhältnisse, wenn die Lösung der Lohnarbeit frage in den Kolonien heule gerade so schwer fällt, wie vor 15 Jahren. Es können weder die Arbeiter dafür verantwortlich gemacht werden, daß sie nicht zu einem Lohn arbeiten wollen, der auch nicht das allcrbcscheidenstc Existenzminimum deckt, noch auch die Kolonisten, daß sic keinen höheren Lohn gewähren wollen. Denn in den allermeisten Fällen können V;e auch keinen höheren Lolin zahlen. Ja, man kann sogar behaupten, (für die galiläischen Kolonien gilt dies ganz zweifellos), daß auch derjenige Lohn, der dem arabischen Lohnarbeiter gezahlt wird, in sehr vielen Fällen das wirtschaftliche Vermögen des Kolonisten übersteigt Und da kommen wir ru der Widersinnigkeit, an der die meisten jüdischen Kolonien kranken: l>ie einzelnen Kolonisten wirtschaften sind einerseits in der überwiegenden Mehrzahl der Fälle zu groß, um von einem einzelnen Menschen bearbeitet zu werden, anderseits gewähren sie nur allzuoft viel zu kleine Einkünfte, um davon anständig zu leben und auch den Arbeiter menschenwürdig bezahlen zu können. Daneben muß natürlich noch die überaus §" der vorher erwähnten Tatsache ist So ist es denn eigentlich i«nc Erscheinung, eine Konsequenz der chaotisch geführten landwirtschaftlichen Kolonisntionsarbcit der früheren Jahrreimte, die die Ursache der traurigen Arbeitsverhältnisso in den Kolonien ist. Die Frage der arabischen oder jüdischen l.ohnarheit entpuppt sich somit als eine sekundäre, an deren definitive Lösung gar nicht gedacht werden kann, solang® jene Erscheinung weiter bestehen bleibt. Von diesem Gesichtspunkt aus genommen, ergibt sich eine ganz andere wünschenswerte Lösung der Frage. Weder arabische, noch jüdische Lohnarbeit, sondern eigene Arbeit des Kolonisten nezw. seiner Familie sollte das Ziel sein, dem Von rein wirtschaftlichen Standpunkt aus (auf die sozial® Seite der Frage soll hier gar nicht eingegangen werden) zugestrebt werden müßte. Also weitgehende Inncnkolonisatior» in den bestehenden jüdischer Kolonien, Auffüllung derselben, Zersplitterung des Besitzes des Kolonisten in kleiner« selbständige Bniiernbesitztümer (heute paßt die Bezeichnung Bauer für einen Kolonisten nur in den seltensten Fällen, obwohl sicli alle Kolonisten so bezeichnen) dies sollte die Losung sein für etwaige systematische Reformarbeit in den Kolonien. Und sic wäre vielleicht nicht so schwer zu verwirklichen, wie es auf den ersten Wiek scheint. In einigen Kolonien (insbesondere in den ackerbautreibenden) haben sich di® Kolonisten bereits einige Male bereit erklärt, einen Teil ihre* Bodens anderen Anwärtern (meist Kolonistensöhnenl ahzu. treten unter der Bedingung, daß von der betreffenden, für die Entwicklung der Kolonie sorgenden Institution (meist der Ica) für bessere Ausstattung ihrer Wirtschaften, sowie der der neuen Siedler mit Inventar und Baulichkeiten gesorgt werden würde. Dieser Weg wäre bei entsprechender Pronaganda auch In den anderen Kolonien gangbar, wobei in» Bedarfsfälle nationale Behörden bei ■ der Neuansiedluug I*- hiiflich sein könnten. Natürlich kämen als Ansiedler in erster Leihe Kolonistc 11 söhne in Betracht V.clieicht wäre dies auch mit ein Mittel, die Kolonistenjugcnd, die heute in helle 1» Scharen die Kolonien verläßt, in ihnen festzuhalten und si« in richtige Bauern umzuwaadetn. Die in letzter Zeit unte* t