Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXVIII (1923)
- Issue
- Heft 100-101 (30.11.1923)
- Date
- 1923-11-30
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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ווו Seite 580 זuז!d!sc!1 ז! Rundschau Nr. 100101־ teien, hat sie ihr Auseimuulerklaffcn in eme immer mehr verfallende Rcidisfinaitz und eine bis zum Zusain* inenbriich des Ruln׳kric״es beispiellos kraftvolle Privat- Wirtschaft (Industrie, Landwirte, Finanz) gestattet mal bcgi״,s;int. Mit Rathenaus Tode, der kraft ehrcr cinzi״- artigen Stellung in der privaten Wirtschaft und seinem großen Wolien n!r nalioaalen Gesundung eine Zuleitung darstellte, durch die ernährendes Blut aus den schwellenden Adern der Privatwirtschaft in die anämischen des Staates strömen sollte, setzt eine Epoche deutscher Wirtschaftsgebarung ein, die in ihrer moralischen Bedenken- .losigkeit auch daun zur Ausbeutung durch grolle und kleine Räuber aufgefordert hatte, wäre sie nicht vor allem ein Durcheinander aus einzelnen Anordnungen — ordte, eoutreordre, desordre — von Beamten gewesen, die weder die Tragweite solcher Maßregeln abruschätzen vermochten, noch die notwendige Verflochtenheit intcrnationaler Beziehungen in ihrer Rückwirkung auf die deutsche Wirtschaft in ihr Kalkül cinstcllt.cn, und die so, auf einem Gebiete, für das sie nicht erzogen waren, ununterbrochen die Möglichkeiten unmoralischer, aber innerhalb des Gesetzes verbleibender Bereicherung von Einzelnen entstehen ließen. Gleichzeitig ließ derselbe Staat diejenigen verarmen, die ihm (Kriegsanleihe) in Notzeiten ihr bißchen Vermögen anvertraut hatten, bcjgünstigte die Verpnlverung von Mündc'geldern und Sparkassenkonten und denkt nicht an Hilfe für die so Geplünderten. So Ist seine Lage allerdings unerträglich geworden, nehmen die Leiden lntndciLausender Deutscher (und Juden) von Woche zu Woche an Eindringlichkeit 2u, bereichert sich eine zahlenmäßig außerordentlich ge- Tinge, an Einfluß überstarke Schar von Trägern privatkapitalistischer Kräfte aus dem immer kleiner werdenden nationalen Vorrat — aber verglichen mit den innerhalb des Gesetzes verbleibenden Transaktionen der Finanz-' und Imliistriegewaltigcn, die sich an der Ungeschick- Jieiikeit des Staates skrupellos um Millionen von Gold mark gesünder und ihn kränker machten, sind die Schädigungen doch wohl minimal, die der deutschen Volkswirtschaft entstehen, wenn jüdische — ostjüdische — Geldwechsler ־versuchen würden, in illegaler Weise wertbeständige Noten mit einem Aufgeld cinzuhamstcrn. Es heißt auf den Trick der Antisemiten hineinfallen und sic in ihren geschickten Angriffen unicrstützcn, wenn wir mit ihnen unsere Aufmerksamkeit auf solche vergleichsweise lächerlieh harmlosen ostjüdischen Parasiten der deutschen Wirtsciiaft konzentrierten und nicht antworteten, wie es sich allein gehört; mit dem Aufzeigen jener untenvühlcnden Grnndkräfte, die mit ungeheuren Mitteln die verhaßte Staalsform dieses Reiches beseitigen wollen, indem sic noch außerdem dabei das Volksvermügcn in ihre Geldschränke und über die Landesgrenzen hiuaustransporticren. Aber Ostjuden verhaften, tim die deutsche Wirtsciiaft zu heilen, das heißt doch wohl, einen Schwindsüchtigen mit Hustenbonbons kurieren wollen. In dem Augenblick, wo sicli dieser ökonomische Organismus •auf . seine moralische Basis besinnen und zurückstellcn wird, in dem Augenblick, wo die ״nationalen“ Zerstörer der Republik aufhören werden, die großen Städte auszulsuugein, das Volksvermögcn aufzusaugen, aus der lnfiation Gewinne zu ziehen, vor der Steuer zu flüchten und das in Deutschland Verdiente zur Gründung von ausländischen Gesellschaften zu benutzen, und wo sie darauf verzichten werden, die Lebenshaltung des deutschen Arbeiiers unter der des chinesischen Kuli zu halten — kurz in dem Augenblick einer wahrhaft nationalen Besinnmig und Erneuerung dieses unglücklichen Landes wird sich die Möglichkeit ergeben, und auch für uns, in dem ostjüdischen < leidhändier pur den Parasiten zu sehen. Aber eher nicht. Und auch dann werden wir wissen, wie er vor dem Kiiegc gelebt, unter welch verächtlichmachendem Drucke c!• gestanden und wie ihtn dann der Krieg mitgespielt hat; wir werden ihm seine höhere Begabung für das Abschätzeu geldwirtschaftlicher Einzelheiten auf praktische Ausnützbarkcit hin, die sein hartes Leben ihm anerzog und die die Verführung für ihn erhöht, ebenso als mildernden Umstand für ihn anführen wie die unverzeihliche Schikane, der er von europäischen Staaten ausgesetzt ward und auf die er nur mit seinem Mangel an (:cr.iemgcfüb! reagieren kann; und so werden wir ihn zuerst und zuletzt als Objekt einer sozialen Umschiclitungsa.bcit arischen, die ihn oder seine Kinder, auf den Wegen des Arbeiterfürsorgcamtcs z. B., zu produktiveren, befriedigenderen, vernunftgemäßeren Besehäftigungen zu bringen versucht, die ihm Volkshcimc und 1 oynbcclnl'en ausbaut, die Bolen und Helfer zu neuer Gesinnung in seine Quartiere sendet, und ihm den schaffciHK'i) Uii,׳k;mi das Leben hier oder in besseren Um- Ständen, üifnet. Man kann und man muß gegen den privaten Kapitalismus, der heutzutage Schranken des An- Standes, der Menschlichkeit, der Gerechtigkeit und natio- Haler!1fiiehi.eu überkaiipt nicht anerkennen kann, gewinnhetumken wie er ist, mit aller Kraft protestieren. ״Von ostjubiv. hen Schiebern nbriieken“ aber kann nur derjenige a'imündige Jude, der nicht merkt, wie sehr er damit von vornherein jiukiifeindliclicn Perspektiven verfallen ist. Es ist schwer, gelegentlich nach außen hin den Eindruck von Passivität machen zu müssen. Erinnern wir uns daran, welch ein reiches Feld wirklichen und fnichtbaren Tum um Irulc innerhalb der Judcnhcit geöffnet ist. Alle unsere Voraussagungen sind eingdroffen. Unsere zionistische Gruudaiischauung, obwohl sie solcher Bestätigmig nicht bedurft hätte, hat über alle Maßen recht lxh. iuü: nie Emanzipation der Juden war eine Oberfläclumerscheimin״, soweit sie die nichtjtklische Welt angeht; die ganze Assimilation hat nichts geholfen: der T,1־tbcs׳a;1d unverminderter antijüdischer Grunde in- Stellung konnte ans Tageslicht treten im ersten Augen- Trotz unr.crer Appelle 1.1 der ״Jüdischen rhuulrrltnu״ und der immer wieder an unsere! Ortsgruppen, Vertrauensleute und einzelne Zionisten gerichteten dringenden Zahlungs-Aufforderungen Kt nur von einem ganz geringen Teil unserer Gesinnungsgenossen dar Beitrag für die Zl©11MIs>,i:c Vereint 1!iiug für Doatnchland, die l::. n! ץ׳ז׳״-ין! ü y y t —ןן ,׳ , י .י-־-, י ׳.,au Ue,.׳ W -eA V.--i Ü gezahlt worden. Wir können heroits jetzt (entstellen, daß cs infolt.ro dieses unwürdigen Zustandes nicht möglich sein wird, clen Etat des laufenden Vierteljahre» auch nur teilweise zu decken. Dabei erfordert der jetzige Augenblick besonders intensive Arbeit; sio zu leisten, ist Aufgäbe der Leitung der Organisation, sio finanziell sicher zu stellen, drlngcndnto Pflicht aller organisierten Ztonlalen, Wir verlangen daher von unseren Ortsgruppen, daß sie das ihnen für dieses Quartal anfcrlegte, niedrig bemessene Kontingent restlos aufbringen, und von unseren nicht in Gruppen zusammengeschlossenen Gesinnungsgenossen, daß sie sidi ihren Vcrrnögemvcrhältnkscn entsprechend in eino der untenstchr!irf־n Stufen cinscliiilzcn und uns den auf diese» Viertel ahr entfallenden Betrag — möglichst wertbeständig — überweisen. Die Zionistcnsteucrstufcn pro Vierteljahrs I. Stufe: jugendliche ohne Einkommen 0,25 Goldmark II. Stufe: Personen mit geringem Einkommen 0,75 HI. Stufe: Personen mit mittlorem Einkommen.3,00 ״ IV. Stufe: Personen mit höherem Eiakommen ..6,00 ״ V. Stufe: Personen mit höherem Eiakommen «.«...»• 20,00 ״ Wir bitten unser« Ortsgruppen und Vertrauensleute, die Beträgo nach Möglichkeit wertbeständig cinzuzichcn, wo dieses nicht möglich, sio sofort in wertbeständiges Geld umzuwcchscln und dann ohne Verzug durch Postschock (Berlin 8091) oder durch Einschreibebrief uns zu übermitteln. Zionistische Vereinigung' für Deutschland. Nur ein Drittel der Abonnenten der ״Jüdischen Rundschau“ hat die von ihnen direkt and fortgesetzt In der ,.Jüdischen Rundschau“ verlangten Abonncmcntsgebülrcn bisher bezahlt. Wir sind slchrr, daß bei den meisten die Nichtbezahlung nur auf Nachlässigkeit beruht, und drtl diese Leser sehr erstaunt sein werden, wenn die ,.Jüdische Rundschau" nach dem I. Dezember bei Ihnen ausbleibcn wird. Die Lieferung des Blatte■ ohne Vorausbezahlung, ist aber unter den heutigen VerbiUtniftsen utmiö dich gcwoidrn. Wir riclüen daher \vi• tierholt den dringenden Appell an alle Abonnenten, die mit der Zahlung der Gebühren im Rückstände geblieben sind, 0,50 Goldmark Nachzahlung für Novenibar und 1,10 Go’dniark Abonnemcnisgcbührcn filr Dezember 111 Rentenmark oder Gold־ anlcihc, Rcrt in Papierjunrk, eingerechnet zum Tageskurs unver» zügbcli im liritf an die ,,Jüdische Rundschau“ cliuuschlcktn. Die nächste Nummer, die auch eine Palästina-Beilage enthält, erscheint ah Ctinnuklsuh-Nntumcr In einer Stärke von 12 Seiten. Sie sollte für Propaganda-Zwecke von den Ortsgruppen verwandt werden. Bestellungen müssen enter Vorausbezahlung des Betrages und zwar für Llnzelnnmmcrn 040 Goldmark (Ortsgruppen erholten 20% Rabatt) bis spätestens l'reitag, den 30. November d, J. •n die Expedition der ״Jüdischen Rundschau“ erfolgen. Verlag ״«lüdssche Rundschau“ Berlin W15, Sächsische Straße 8 Board 01 Dcpuiies Füreine Abinder 11 ngdcsenglisc 11 enFrcnidcn de!!! gesetzes. Di Pi «M* ,' WC« e Lage der Juden au! Kontinent. London. (J.T. A.) Der Flirrt of Deputier י(|י lisclicn Juden hielt am 18. November unter dem Präsid;^.' des Mr. 11־. S. Q, Hcnriques in London eine S11;'u.jj ab. Aus dem von dem Vorsitzenden vorgclcgtcn Bericht 4.( Rechts- und Parlaments-Komitees ging hervor, daß der Staat- Sekretär des Innern nicht abgeneigt sei, Vorbereitung zu einer Verbesserung des Fretndengesct zu unternehmen. Dr. Issac Landau regle an, dafl überall dort, wo de jüdische Wählerschaft bei einer Wal1igcmcinsc|U|t stärker vertreten sei, während der t latiphvahleii A n s t rt n. gungen gemacht werden sollen, um die Zustimmung d׳r Kandidaten zu einer Revision des Fremden, ge setzes zu erhalten. Mr. Michael Levy bezweifelte, dieser Weg wünschenswert wäre und sprach die Hoffnur.» aus, die Wahlen würden ein Ergebnis bringen, dalf sympathischerer Innenminister an die Steile des Mr. Bri<J׳e. man treten wird. Der Bericht wurde genehmig. h Hierauf wurde der Bericht des Joint Foreign Committe» (Komitee für auswärtige Angelegenheiten des Board) dur.ii Herrn O. E. d’Avigdor GokKinid vorgelegt. Aus dem Berich! ging hervor, daß zürn Zwecke der Beratung über die!א. sorgniserregende Lage der Juden in Deutschland bc. rcitseinc außerordentlich «Sitzung des Komik״ abgchaltcn worden ist. Von repräsentativen Körperschaften de; deutschen Juden lagen keinerlei Gesuche vor. Der Präskier,! des Joint Foreign Committee hat trotzdem vorbereitend Schritte zum Schutz der Juden in Bayern ergriffen. [>ä; Komitee hat seinen Vorsitzenden ermächtigt, gewisse 0״!. wendige Vorkehrungen zu treffen. Di« Lage in IXmud' land ist übersichtlicher geworden, und auch in Bayern hat si 'u die Lage gebessert Er ersuchte den Doard, der Arbeit des Joint Foreign Committecs Vertrauen cntgcgenzu'iringej und zunächst auf weitere Darlegungen zu verrichten. Die Lage der jüdischen Flüchtlinge in Rumänien halft infolge der Ueberfüllmig der amerikanischen Einwanderung, quotc und der neuen Emwandcmngshcstiminungcn für Ar■ gentinien Anlaß zu Besorgnissen gegeben. Diel« hat einen Plan der Repatriierung von etwa 10;Jf> Flüchtlinge,־, die wieder nach der Ukraine zurückkehren wollen, äugt! arbeitet Durch die Vermittlung des Völkerbundes wurde! Unterhandlungen mit der Sowjctrcgicmng in dieser Sa dt «ingclcilet. Es finden bereits die Besprechungen s-tatt. Der Pia: sicht auch efn Abkommen mit der rumänischen Regierung vor Aber in beiden Fällen gehen die Dinge nur langsam vorwärts, und cs Ist schon zweifelhaft geworden, ob die Ica ui1!,־ die mit ihr vereinigten Gesellschaften die Möglichkeit erhalt!■ werden, alle Flüchtlinge bis Ende des Jahres über die m manische Grenze zu bringen. Die rumänische Regierung 1;; eine umfassende Untersuchung über die Verhaftungen ur ungesetzlichen Abschiebungen von Juten durch Militär :׳ Beßarabien angestrengt. Das Ergebnis war, daß der Ober komtna ndeur General Popovici ab gesetzt w den ist und der Minister des Innern, der mit der at: semitischen und faszistischen Bewegung Verbindung unterhielt, sein Amt nieder gelegt hat. Die cntgegenkomnicr.i, Haltung und Loyalität der rumänischen Regierung, sowie 1l;r von der Ica gemachten außerordentlichen Anstrengungen!*• stärken das Komitee in der Hoffnung, daß das Problem dt; Evakuierung doch noch erfolgreich gelöst werden wird. Das Komitee befaßte sich dann auch mit der Verfolger; der Juden in Litauen, mit der politischen Lage in Pole.:, Rumänien lind Oesterreich, endlich mit der Ucbcr, veisung 1k! Präliminar-Berichts des staatsrechtlichen Subkomitees über c: Frage der Gesetzlichkeit des ungarischen Nu merus clausus an das ständige Gericht <1 <1 internationalen Gerichtshofes. Schließlich sic! der Bericht fest, daß dank dem Eingreifen des britischen ('*■ sandten in Rio de Janeiro die Ordnung in Südbrasilien wiedu hergestellt wurde und den dortigen jüdischen Kolonien t: ausrcidicndcr Schutz zuteil wird. Auf verschiedene Anfragen erwiderte Luden Wolf, daß in Rumänien gegenwärtig nur noch weniger als 6030 Fluch:• finge weilen, gegen 45 000 Flüchtlinge, die vor zwei Jahren dorthin gekommen waren. 100 Flüchtlinge w'crden wöchcn:• lieh nach Canada geschickt Flüchtlinge, die nach Palästina zu gehen wünschen, werden, falls die nötige Genehmigung vorhanden ist, dorthin geschickt. dal rc pf , V0J auf I auf I! '5יי1. bet Zit <131 Da ja! ru 1 pre da iolt wc! ze ha si Di' de1 Pa!, go Wir RC fü: dt w! K< Ja Pi in Fc f!r K< , kc ' blicke, wo man zur Ablenkung eigener Schuldgefühle einen Prügelknaben brauchte. Ein — schlechter Politiker ist, milde gesagt, wer nicht den Westjuden iniigemcirit spürt, wenn auf den Ostjuden losgcschiagcn wird. Ein Narr ist, wer auf die einzelnen Beschuldigungen eingehen möchte, die gegen uns oder jene ausgestoßen werden, uni sie 7.11 widerlegen. Und rührend in seiner Gutgläubigkeit scheint uns der Zionist, der außer seiner zionistischen Arbeit und Gläubigkeit vor dar deutschen Ocffentliclikeit demonstrierend an antisemitischen Sympfernen herumkuneren möchte. Wir wünschen ihm dafür eher einen allgemeineren Blick für die Gebundenheit des Juden im ualutli, Tür die entwertende Macht äffentlieber Verachtung, die in die Seele jedes davon lange Getroffenen dringt — ״Haß macht häßlich“, in jedem Sinne, aktiv und passivise?! — und einen sicheren Blick für die Wirkung jedes in der Ocffenüichkeit dieses Galufh getanen'Schrittes. Nicht abrücken heißt ja nicht: sich ciniiselzeii und einset/.en. Wären wir Juden ganz unter uns, so daß uns unbefangenes Vorsicliliinleben als ,Volk oder Gemeinschaft möglich wäre, dann dürften wir uns eine Sehweise leisten, die das Jüdische ganz außer Acht ließe und nur den Menschen und seine Wirkling in der Gesellschaft zu seiner Einschätzung gelten ließe. Jetzt aber leben wir, der feindseligsten Iktrachhing von außen ausgesetzt, wie in einer bekriegten Stadt; die elendeste unserer Erscheinungsformen wird nicht mehr entwertet ais unsere edelste, und ausgerufen wird nur jene. Wir liclfcn keinen Schieber seiner Strafe entziehen; noch weniger aber ״rücken wir von ihm ab“. Sollten wir alle Instinkte der Selbsterhalhing aufgeben, so weit, daß wir im Sperrfeuer uns benehmen wie beim Aufbau unseres neuen Daseins im neuen Lande? Ai Bc H tn, so. w ih' Ji: K in 10 d: k• d Ci \c K Der Terror an der Wiener l'niversitat Wien, (J. T. A.) lieber die Vorgänge, die zur Schließung der Wiener Universität am 19. November geführt haben, is! noch zu melden: Die völkische Studentenschaft ist a:׳ 19. November vormittags in die Lchrsnlc der jüdischen Prcfcssoren Grünberg und Tandler cingedrungen und hat 4( jüdischen Studenten mit Sdilamvabcn schwer mißhandelt Mein cre jüdische Studenten trugen Verletzungen davon. D* jüdischen Studenten waren au! einen Ueberfall in den Leb!• Sälen nicht gefaßt und deshalb wcbilos. Audi die Professor« wurden mit unflätigen Schimpfworten bedacht, jedoch wurdet sie durch die jüdische Studentenschaft vor Tätlichkeiten schützt. Am Nachmittag trat der Senat zu citie/f Sitzung zusammen und besdilotl auf Antrag des Rektors, die Un;■ versität auf unbrstitmulc Zeit zu schließen. Als Bann dt jüdischen Studenten das Uiüversität'.gel'äiidc verließen,Lvurd;: sic auf der Haupttreppe mit Gejohle und $tockscW;rtt־ empfangen, einzelne Studenten wurden die Treppe \binab־ gestoßen. Auch In die Universitätsbibliothek versuchten ] Hakcnkreu/lcr cinzudringcn, die Büchcreilcitung vcrafahStf! die jüdischen Studenten, den Saal durch einen Ncb<v״״• | gang zu verlassen. ן Es wurde fcstgestcllt, daß Agitatoren aus Mü t und Berlin die Unruhen organisierten. Es wurde das j ״Das Hakenkreuz am Stahlhelm“ gesungen und Rufe ״S< den Tandler tot!“ ausgestoßen, Die sozialdemokratischen Studenten haben in die halte des Rathauses eine große Protest Versammlung der Vorgänge an der Universität einberufen. W Eine jüdische Liga Kr Meuschcnredic c n. (J. T. A.) Die Vorbereitungen zur liegt i! einer j üdiichc n Liga fiir Menschen rec 111 Oesterreich, als ein Teil der internationalen für Menschenrechte, werden intensiv fortgesetrt. M: wartet in diesen Tagen das Eintreffen Leo Motz der die formelle Gründung der Liga bewerkstelligen IW oft'■ «(iI