Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXVIII (1923)
- Issue
- Heft 98 (23.11.1923)
- Date
- 1923-11-23
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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Seite 572 TUEDTSCHE RUNDSCHAU Nr. m H offnung und ein S t o 1z, Aus Odessa, Minsk, Chat• kow, Kiew, Petrograd, aus den jüdischen Kolonien und aus vielen kleinen Städten zogen Juden in unsere Ecke, unser Pavillon war in ein kleines palästinensisches Zentrum um• gewandelt. Mit ungeheurem Interesse erkundigten sicli die Besucher nach den Existenzformen der Kwuzotli und der Kooperative, sowie über die Tätigkeit der allgemeinen Arbeiter-Organisation. Selbst fernstehende Kreise nahmen die Nachrichten über die Leistungen d c s jüdischen Arbeiters in Palästina mit groll ein Interesse, ja oft mit Bewunderung auf. Die Beziehungen der Leitung der Ausstellung zu uns waren sehr gute, ja kameradschaftliche. Der ״Emcs“ nahm uns zwar mit Tadel auf und veröffentlichte noch vor meinem Eintreffen einen Brief ans Tcl-Awiw, der gegen mich und gegen dir Allgemeine Arbeiter-Organisation gerichtet ist. Aber auch dieser Brief brachte uns mir Nutzen, denn die l eide erfuhren durch ihn von unserem Koimncn und überschwemmten unsere Ausstellung.“ De Ausstellung wurde am 20. Oktober geschlossen. ״Hamaschbir“ und die inlcrnalionalcn Bcrufsflcnosscnsclialten Das Mitglied des Komitees für das arbeitende Palästina, Mos, hatte im Namen der Berufsgcnosscnschaft der jüdischen Arbeiterorganisation in Palästina ״H a m a s c h b i r“ eine Konlerenz mit dem Generalsekretär der allgemeinen internationalen Coopcrative Henry May und mit Professor Charles Ciide in Anwesenheit des Leiters des Zentrc-sojuce in Berlin, Baru. Hos gab einen Bericht über die Lage des ״Hamaschbir“, sowie über dessen Aufgabe und Bedeutung in dem Arbeiterleben und der allgemeinen ökonomischen Entwicklung des Landes. Er legte ihm eine Reihe von statistischen Tabellen vor, die die Entwicklung des ״Hamaschbir“ seit seiner Begründung im Jahre 1017 bis heute betrafen. Der General- Sekretär der internationalen Coopcrative, Henry May, lud 1״ lamaschbir“ ein, sich an der kooperativen Aus* Stellung, die im nächsten Sommer in Oent stattfinden wird, mit zu beteiligen. Betreffend die Frage des Anschlusses des ״Hamaschbir“ an die internationale Coopcrative äußerte sich der Generalsekretär dahin, daß z v c i f e 11 o s <1 c r ״H a m a s c h b i r“ a 11 ־ genoinmen werden wird Es werde nur übrig bleiben, die Zahl der Stimmen, mit denen der ״Hamaschbir“ in der intcrnationalen Coopcrative gefunden werden wird, festzusetzen. Die Herren zeigten ein großes Interesse für die Arbeiten ln Palästina und versprachen, jede Unterstützung zu leisten. Die Wiener Universität Beschlossen W! ic 11. (J. T. A.) Der neue Rektor der Wiener Universität, Prof. Dr. Doller, hat infolge der wüsten Ausschreitungen der liakenkreuzler-Stiidentcu. an drei Fakultäten soeben die Einstellung der Univcrsilätsvorlcsungcn und die Schließung des Uiüversitätsgcbuudes verfügt. Die Ose •Arbeit in Rußland London. (J.T.A.) Auf einer gemeinsamen Sitzung des War Victims Fund und des Verbandes ukrainischer Juden in London teilte Dr. Schwarzmann mit, daß aus den Geldmitteln der englischen Gesellschaften in Rußland 6 Sanatorien für rekonvaleszente Kinder, 5 Ambulatorien, 8 Spitäler, sowie 3 sanitäre Stationen gegen Epidemien, endlich eine große Anzahl Säuglingsheime und Spielplätze errichtet worden sind. Litauen and die Jcwish Agency Kowno. (J.C,B.) Der jüdische Nationalrat in Litauen hat bei der zionistischen Exekutive in London a 11 - gefragt, ob und wie der jüdische Nationalrat von Litauen in der jcwish Agency vertreten sein könne. Amerika und der Numerus clausus W a sM1 i 11 gl o n. (j.C. B.) ln Verbindung mit der verbreiteten, zum großen Teil von den Professoren unterstützten Propaganda an verschiedenen amerikanischen Universitäten, die Zulassung jüdischer Studierender zu b e - schränken, verdient eine Rede des Staatssekretärs H ug he s, die sich entschieden gegen solche Bcsehränk tin gen wendet, großes Interesse. Staatssekretär Hughes erklärte auf einem Universitätsbnnkctt folgendes: Sollte es tatsächlich an den amerikanischen Universitäten an Platz mangeln, 90 muß man eben neue Universitäten bauen. Keineswegs darf in einem demokratischen Staat wie den Vereinigten Staaten ein S t u d i e n w i 11 i g c r, sei cs durch welche Gründe immer, zuriiekgewiesen werden. Jüdisches Emigranlcnelend Moskau. (J. C. B.). Die emigrationswiliigen Juden in Rußland sind wegen der allzuschnellen Erschöpfung der russischen Eünvaiidenmgsquote «ach Amerika in eine sehr prekäre Lage geraten. Während im vorigen Quotenjahre die Quote erst nach einem Verlauf von neun Monaten (Juli bis März) ausgenutzt worden ist, endigte die diesjährige Quote schon nach zwei Monaten, so daß im September keine Russen in Amerika landen konnten. Das kommt davon, daß die im Auslände weilenden zahlreichen russischen Flüchtlinge und politischen Emigranten der russischen Quote zugezählt werden. Auf diese Weise blieben für die in Rußiand selbst wohnenden Emigrationswiliigen nicht mehr als 4100 Amerikavisen übrig. Diese unerwartete Tatsache hat zahlreiche jüdische Emigrationswiiligc in Ruß- Land, die siel» bereite mit Schifiskarteii, Durchrasepässen tisw. versorgt und auch schon ihre Geschäfte liquidiert haben, in eine ungemein traurige Lage gebracht Die jüdischen Emigrationsorganisationen in Rußland trösten die Emigranten damit, daß das Kontingent russischer Emigranten im Ausland gesunken ist, daß aber im kommenden Quotenjahr eine weitaus größere Anzahl Emigranten aus Rußland selbst nach Amerika werden kommen dürfen. Ein Knlfnrbiid Wien. (j.C. B.). In der aberösterreichischen Stadt Wels hat der Gemcinderat gegen die Stimmen der Sozialdemokraten beschlossen, auf jüdische und französische Theaterstück Cj die im Stadttheater aufgeführt werden, eine besondere Steuer zu legen. Die Steuer ist so hoch, daß sie den offenbaren Zweck verfolgt, die Aufführung jüdischer und französischer Stücke unmöglich zu machen. Zur Judcndcbafte des ״Kuiislivarl“ DaR der Zionismus eine ungeheuer starke und wirkende Krntt ist, deren Eindruck sich auch vollständig Außenstellende nicht entziehen können, wenn sie mit ihm in Bcrülmmg kommen, beweist der Aufsatz des Nachfolgers Avciiarius’, Wolf gang Schumann, im Scptcmbcrhcft des ״Kunstwart“, auf den hinzuwcisen wir bereits Gelegenheit nahmen. Wir möchten cs nicht unterlassen, uns mit diesem Aufsatz jetzt noch des näheren zu befassen. Denn er erscheint uns gerade in der Situation, in der die Juden in Deutschland sicli seit einigen Wochen befinden, in einem höheren Sinne aktuell. Wolf gang Schumann hat dein XIII. Kongroß beigewohnt, und er hat dort, das Wollen, das in dieser Bewegung steckt, in ihrem ganzen Umfange und mit ihrer ganzen Triebkraft kennen gelernt. Er hält es für notwendig, in der Einleitung zu diesem Aufsatz, der gleichzeitig der Erüffuuiigsartikcl einer Reihe von Aufsätzen ist, die sich mit der jüdischen Frage und dem Zionismus befassen sollen, die Zionisten als eine besondere Gruppe innerhalb des Judentuins heranszuheben und deren Art und Bestrebung einem größeren nichtjüdeschcn Publikum zugänglich zu machen. Er hält cs für notwendig, weil diese Bewegung, wie er sagt, das Nervensystem der Völker, dessen die Jiidcnhcit ein Teil ist, berührt. Schumann erkennt -- und zwar ist er einer der wenigen, die cs in positivem Sinne tun und nicht im negativen —, die Jtidenheit als einen Organismus an, welcher allerdings nicht in den berlinischen Großbankiers, Frankfurter Großhändlern, Wiener Advokaten, mitteleuropäischen Allerwelteliteratcn sich äußert. Er erkennt sic an, als einen lebenden Organismus, der, Jinchdem das erhaltende Baud der Religion immer mehr an bindender Kraft verliert, seine eigene autonome Organisation sucht und sic in Palästina findet. Das Judentum befindet sich in einem Ucbergangsprozcß, dessen Ausgang heute noch nicht vorausgesagt werden kann. Die unmittelbar greifbare Situation und der begreifliche Pessimismus, der dieser Situation entspringt, lassen Untergangsgctlankcn immer freieren Spielraum und tatsächlich sehen wir, wie Resignation und Erschöpfung weite Kreise des Judentums befallen haben. Gerade in dieser Situation! tritt der jüdische Nationalismus auf den Plan, willens, die Kräfte, die im Volke unleugbar vorhanden sind und die auch das entnervende, zerstörende, nivellierende Diaspora-Dasein .nicht zu brechen vermochte, zu sammeln, sic zu höchster Leistung zu konzentrieren, zu steigern. Schumann erkennt, daß dieser Organismus, der, würde er seine eigene Art nunmehr ausschließlich und ohne das Verlangen und Streben nach einem psychologischen und Nervcnzentrum, ohne die ihm gemäße autonome Organisationen zu finden und zu schaffen, in die Luft bauen müßte, — durch den Zionismus sein Zentrum, seinen Nährboden, den Urquell seines Seins gefunden hat. Cs handelt sich hier nicht um Macht und Geltung, mag vielleicht auch der Geltungstrieb, der in 1ms alle« wohnt, den einen oder <1011 anderen veranlaßt haben, zum Zivinisinus zu kommen. Es handelt sich vielmehr um das Bauen des Hauses, des schützenden Daches, unter dem ungestört von äußeren Einflüssen, unhcliclligt von einer .ständig aiifgezwungcncn Defensive, dieser Organismus sich frei entfalten und die Leistung, zu der er innerhalb der Völkergemeiiisehaft berufen ist, endlich wieder vollbringen kann. Diese Leistung wird, liici für zeugen nicht allein Bücher wie das von Rundt und Ikcrmaiin und das I iolitschers, dafür zeugt auch die Zusammenballung der Kräfte, die, wenn auch nur von hunderttausend Menschen getragen, in Palästina heute stattfindet. Unter vier deckenden Schicht par-!amentarischen Geplänkels und bis zur Siedehitze erregter Diskussion hat Schumann erfahren, daß diese hunterttausend Juden in Palästina für die Millionen, deren Vertreter er in Karlsbad versammelt sah, tatsächlich schon ein Zentrum sind und daß sie ans diesem Grunde weit mehr bedeuten, ״als daß eben hunderttausend jüdische Menschen oder ein Vielfaclies dieser Zahl am Rande des arabischen Völkcrmccres ein bißchen Boden bebauten und unter dem Schutze London parlamcnticrtcu“. Diese hunderttausend Juden sind ״beim künftigen jüdischen- Volke, unleugbare Wahrzeichen Volksschöpferischer Kräfte und Verheißung besonderer Zukunft“. Was dort in Palästina entsteht, ist ״ein einiges, mit sich selbst einiges Judentum, welches dem Vater nicht eignete, eine Eigcnlcbensfähigkcit und — Würde, welche seit vielen Jahrhunderten die Vorfahren nicht besaßen“. Diese Keimzelle zu stärken, ihr die Möglichkeit organischen Wachstums zu geben, das war im tiefsten Sinne die Aufgabe dieses Kongresses, und gerade in Karlsbad hat Schumann kennen gelernt, was ihm sonst unbekannt geblieben wäre, ein geradegewachsenes, sclbstigcs, in sich wesendes, wesentliches und volllriirtiges Judcnvoik“. Europa hat vieles am jüdischen Volk zu .sühnen, denn Europa hat vieles au der Jiidcnhcit verbrochcn, cs ist in einem Maße schuldig geworden an diesem Volke, wie kaum noch Völker au einem anderen Volk schuldig wurden. Um Schuld und um Sühne Europas geht es n u n , .sagt Schumann, nicht um eine koloniale Bagatelle und nicht um eine Sektcnnr!rotte. Qb nationales Heim oder symbol is eh cs Heim, was dem Juden fehlt und wonach er eine glühende Sehnsucht in sicli trägt, ist das Heim. Und England hat sein Mandat ül>er Palästina und den darin enthaltenen Auftrag, die Errichtung einer jüdischen Heimstätte in Palästina zu fördern, nicht so sehr einer politischen Konstellation, als •vielmehr jenem Geiste Europas zu danken, der einmal erwachte (cs geschieht ,selten genug) und eine folgenschwere Ungerechtigkeit gut z,u machen unternahm, die in seinem Namen Jahrtausende hindurch begangen wurde. Der Lebenstrieb des jüdischen Volkes gibt sich im Zionismus kund und wenn cs noch Maischen gibt, deren soziales Empfinden trotz allem wach ist und u11geschwächt, sie .sollten, wes Amtes immer sic sind, diese Volksbewegung kennen zu lernen und zu verstehen versuchen. Sie werden darin eine Aufgabe finden, wie sie unsere Zeit nicht allzu häufig darbictet, und es will uns ein gutes Zeichen dünken, daß unter den Deutschen dieser Zeit sich ein Wolf• gang Schumann gefunden hat, der diese Aufgabe erkannt hat tmd aus ihr die weitere Aufgabe für sich fand, von höherer, der Aktualität entrückter Warte aus, seinen Volksgenossen und den Bewohnern seines geistigen Bezirkes den Weg zu dieser Erscheinung zu weisen. Wie aber verhält sich das deutsche Judentum zu dieser Frage? Wir wissen nicht, wie viele den Aufsatz Schumanns gelesen haben, aber wir würden wünschen, daß ihn so viele als möglich lesen. Das deutsche Judentum befindet sich in einer schweren Situation, Noch ist der Kampf um die Ncuforiming des deutschen Reiches nicht zu Ende geführt und eine der Begleiterscheinungen dieses Kampfes gewiß sind die Ereignisse, die sich in München, in ikuthen, in Berlin zutnigcn; was sein Ausgang uns bescheren wird, wissen wir nicht. Aber genügt in einer solchen Lage Ressentiment, hat cs einen Sinn, zeugt cs von Wurde, solchen Ereignissen gegenüber sich ausschließlich auf das zu berufen, was e!ne < nur unvollständig dargebotene Emanzipation geben s<>!t!c (dam gegeben hat sic cs nicht), empfinden die deutschen Juden nun endlich die ganze Schärfe der Zurückweisung, qij sie erfahren haben, sic, die sie glaubten bereits Bestandteil dieses Volkes zu sein? Die Juden sollten zumindest endlich erkennen, was unsere Gegner längst erkannt haben; 0a(j wir von eigener Art sind. Eine Idee ist da, in dieser an * Ideen wahrhaftig nicht allzu reichen Zeit. Eine Idee, die das Bewußtsein, ja das ganze Leben vieler hunderttausender jü<li- » scher Menschen tragt• Die deutschen Juden suchen nach einer Antwort. Aber eine Antwort kann heilte nur linden wer tlen Mut zur Wahrheit hat, und das heißt In unserem i Falle: den Mut, seine eigene Art, sein eigenes Wesen zu j erkennen und zu betonen, ohne es darum aus dem Zu. sammenhang reißen zu müssen, in dem cs als ein Zweifellos befruchtendes Element sich befindet. Aber befruchtend kann cs nur sein, weil es eigener Art ist, nicht gegensätzlich, aber eben anders als das der Mehrheit um uns. Der Zionis- ' imis hat die Erkenntnis dieser eigenen Art, die historisch 1 bedingt ist, zur Grundlage und zur Voraussetzung. Er will 1 diese eigene Art von allem Belastenden, Hemmenden, sie Bc- 1 drängenden befreien und ihr freie Entfaltungsmöglichkeit 1 geben, und er will den Juden das Bewußtsein geben, daß 1 cs möglich ist, diese Eigenart sich frei auslebcn zu lassen, | daß es notwendig ist, die Möglichkeiten hierzu zu sichern, I Ständige Verteidigungsstellung muß letzten Endes detnorali- I sieren, wenn nicht gar alle Widerstandskraft brechen. Hier I ist ein Gebiet, auf dem cs nicht mehr um Verteidigung I geht, allerdings auch nicht um Angriff, sondern um die 1 Bewahrung seines Soscins mit all seinen Möglichkeiten, mit 1 all seinen Grenzen, die ihm gesetzt sind. Der Zionismus I ist Nationalismus, zweifellos, aber nichts hat weniger mit I dem Nationalismus zu tun, der uns heute in Europa entgegen• I tritt, als eben der Zionismus. Nietzsche sagt irgendwo ״zu- I riiekkehren ins Engste und Kleinste“.' Es ist möglich, eine 1 Antwort zu finden an dic.se Zeit, wenn die Juden sich ent• I schließen, in dieses Engste und Kleinste zuriiekzukehren, das 1 in ihnen wolmt, wenn sie aus der gefühlsmäßigen Solidarität, j die alle Juden zweifellos verbindet — auch darin haben I unsere Gegner recht •— sich zur nationalen Solidarität empor• I ringen, lind wenn sic ihre Kräfte, anstatt sic in einem auf- I reibenden Guerillakrieg zu verzetteln, auf ein Werk kon• I zentrieren, dessen befreienden Inhalt, dessen Unabsehbare I Möglichkeiten ihnen der Aufsatz des Deutschen Wolfgang 1 Schumanns zeigt. 1. Sch. I Kleine Nachrichten Das Moskauer hebräische Theater ״Habimah“ plant im Jahre 1924 eine Tournee durch die Städte Polens. Außer m Polen soll ״Hnbimah“ auch in anderen europäischen Ländern gastieren. (J. C. B.) Wie der New Yorker ״Tog“ meidet, versammelten sich am 7. Oktober, zufolge eines Aufrules von Mr. Louis Marshall, 700 jüdische Delegierte im Hotel Astor in New York, zu einer Konferenz, um die Existenz des ״J ewtsh T h c o 1 o g i c a 1 Scminary“ durch eine SanimclKninp.ignc von 1 Milhon Dollar sichcrrustdlcn. Die Konferenz beschloß, die Sammelaktion am II. November d. J. zu beginnen und cs wurden bereits an der Konferenz selbst 70000 Dollar gezeichnet, und zwar gab Mr. Louis Mars ha I! 25 000 Dollar, Mr. Sol. Rosennloom aus Pittsburg 25 000 Dollar, Mr. Lourie 10000 Dollar und ein Herr aus Manchester 10000 Dollar. (J. P. Z.) Grolle Bestürzung erregen in Wilna die in den letzten Tagen vorgckommenen M a s s c 11 v c r h a f t u n g e n unter denjenigen in Wilna wohnenden Juden, die keine polnischen Pässe haben, aber im Besitze einer vorläufigen Autcnthahs• Bewilligung sind. Oie Massenausweisungsverfügungcn der Flüchtlinge im Frühjahr haben auf diese Kategorie bekannt• lieh keine Anwendung gefunden. Nunmehr wurden sic in Massen arretiert und sollen teils nach Litauen, teils nach Rußland abgcschobcn werden. Alle Interventionen bei der Regierung hatten keinerlei Erfolg. Ein Beamter der Eiscnbahnverwailung, Tibschurini. ist in der Nähe von Haifa von unbekannten Personen überfallen und schwer verletzt worden. Dieser Tage wurde in Jerusalem der Grundstein für ein neues Einwandcrcrhcim der Juden aus Ycmen gelegt. Das neue Heim wird sich in der Nähe de;• öezalel• Schule befinden. Der Vcfwattung'srat der Gesellschaft Ica hat das Rück* trittsgcsuch des bisherigen Gc1u׳r.j;sckrc‘.ärs Emil Mcyrsohn angenommen. Zum neuen Generalsekretär der Gesellschaft wurde Herr Louis U 11 g e r ernannt. Als seine Stellvertreter wurden die Herren Eduard Ungcr und A. Schmoll bestimmt. Aus Damaskus wird berichtet, daB sich die Cholcia in Bagdad und der Umgebung immer mehr ausbreitet, und daß vorläufig keine Besserung der sanitären Lage zu er* warten ist. Dr. Simon Tanncnbaum aus Amerika wurde zum Direktor der medizinisch-hygienischen Hadassa ernannt In Wien wird von Banktachlcuten, die führende Mitglieder der Misrachi-Organisation sind, eine Bank für den Aufbau Palästinas gegründet. Es wurde beschlossen, eine der neu«! Jerusalemer Straßen nach Ben Jehtida zu benennen. . S . Die Regic-Ottomanc-Administration ' hat• in diesem Jahr zum ersten Mai 30 000 kg palästinensischen 'Tabak gekauft. Nach einer Mitteilung des statistischen Büros wurden während der letzten Volkszählung in Litauen unter einer allgemeinen Bevölkerung von über zwei Millionen im ganzen I5J00Ü Juden gezählt. Der Ziparettcnimport aus Aegypten nach Palästina hatte im Jahre 1922 einen Wert von 185 348 Pfund, während die Notu für 1923 nur 19 (»19 Pfund nennt. Dieser Unterschied erklärt sich durch die Ausbreitung des Tabakanbaus und der Zigarcttcnimlustric in Palästina selbst. In Palästina wurden einige Kommunisten in Halt genommen, die am Jahrestag der boIschc wisti* scheu Revolution in Rußland Aufrufe unter die Bcvölkerung verteilt hatten. Seit dem 15. November'erscheint in Moskau eine neue literarisch-künstlerische Revue. In seiner Ankündigung stellt sich das Journal zur Aufgabe, jene literarischen Kräfte zü organisieren, deren Schaffensgrundlage revolutionär ist, ferner eine intime Verbindung zwischen Schrillsteller und Leser und auf diese Weise einen aktiven literarischen Bezirk zu schaffen. Der Verband der orthodoxen jüdischen Vereine Amerikas cht jetzt daran, die vielen orthodoxen jüdischen Vereine des andes zu einem Zcntralvcrband zu vereinigen, ferner eine Laudesorganisation der Frauenvereine, sowie eine Föderation vor. Jugendvereincn zu gründen.