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Jüdische Rundschau · 1923-11-23 · Heft 98 (23.11.1923) · page 3

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXVIII (1923)
Issue
Heft 98 (23.11.1923)
Date
1923-11-23
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Nr. 08 JUEDISCHE RUNDSCHAU Seite 571 PB on hluR- •.•rt“ four. (vor. K e I so. den *iie idt't! dien, Aber Mioil II e 1t iber. eben in SPSC ck. Ccn ünle mit iben, •«ין An. ״mg 311 te. iverc Teil sonst ilen tina- Padaß Art iirde hes der Beein nden len n a. ren iber, s a r ist t זז [ment lügen der!wird, ID. C. 1 rcien |;ions• aus!Dons |onen . Idgc'l In in Rundschau Die englischen Wahlen — Keren Hajessod-Moblllslerung In Europa — Hetze gegen Ruppln R. W., 21. November. Etwas Überraschend ist 11,1׳s Gesnmtschicksnl der britischen Politik חוה Entscheidung des Volkes gestellt worden. Hie Fragen, um di« cs sich diesmal im englischen Wahlkampf handelt, sind so gealtet, daß der Zionismus nicht in einem direkten lntcresscnziisaiiimenliarg damit steht. Es darf also vielleicht auch erwartet werden, daß in diesem Wahlkampf die Palästinatrage keine so große Rolle spielen wird, wie in dein vorigen, mul daß die nntizioiibtischcn Ontppcn, die gegen die gegenwärtige Regierung nicht in einer derartigen Oppositionsstellung sich befinden, wie gegenüber der Re• giernng Lloyd Georges, diesmal mit ihrer Agitation zurückhaltender sein werden, weil sic selbst fühlen, daß das Intere5<c des englischen Wählers anderen, für Um aktuelleren Problemen, vor allem dem innerpolitischen Zentralprobkm der Arbeitslosigkeit im Lande und dein außenpolitischen der Stellung וה den kontinentalen Prägen, zngewandt ist. Die Regierung scheint jedenfalls in diesem Punkte keime heftige Opposition zu befürchten, sonst hätte sie nicht gerade in diesem Moment das neue Weißbuch he rausgegeben, das sehr entschieden das Festhalte« an der Potitik der Bnifour-Dcklaralion proklamiert. Wir Zionisten sind der politischen Scnsa• tjoiien milde und wünschen, daß man uns nunmehr etwas Zeit und Ruhe zum Arbeiten läßt. Der Zionismus hat in allen drei (;roßen Parteien Englands warme Freunde und Förderer, und es wird die Aufgabe der nächsten Zeit sein, das Interesse dieser Freunde stärker zu aktivieren als bisher und neue Freunde zu gewinnen. Dennoch muß das beinabe über Nacht eingetretene Ereignis der Auflösung des Parlaments auch uns ein Memento sein. Wir scheu daraus, daß der st! tc Appell an die jeweilige englische Regierung, den manche Kreise des Zionismus zum Um und Auf unserer Politik machen mochten, immer nur begrenzte Wirkung haben kann. Regierungen können stürzen, ehe man sichs versieht. Die Regierung kann durch eine uns ungünstigere, sie kann auch durch eine uns freundlichere abgelöst werden. In jedem Falle werden wir mir dann eine starke politische Position haben, wenn wir auf unsere eigenen Leistungen werden iiiiwvcisen können. Der unerschütterliche Wille des jüdischen Volkes, in seine historische Heimat zunickznkehrcn und das Land mit eigenen Kräften zu einem blühenden Gemeinwesen zu entwickeln, darf seine Ucbcrzciigungskraft nicht nur in Resolutioncn und l*n testen dartun, sondern in lebendigen Tat- Sachen. Mit diesen wird auch jede englische Regierung und jedes englische Parlament rechnen. Denn vor nichts hat der Engländer soviel Respekt wie vor Tatsachen und Leistungen. Das Manifest, das das Direktorium des Keren Hajcssod soeben an alle Laudesbüros in Europa gerichtet hat, verdient eine starke Resonanz, zu finden. Wir haben seit dem Kongreß immer wieder warnend darauf aufmerksam gemacht, daß wir mit vollen Segeln in dieselbe Klemme hinc infahren, wie vor einem Jahre. Wir haben verwundert gefragt, warum die Leitung nicht energische Schritte ergreift, um dies zu verhindern. Allerdings kann man sagen, daß die Landeskomitecs selbst soviel Einsicht und Verantwortungsgefühl haben müßten, um die Lage zu erkennen und ohne Aufforderung die größten Anstrengungen machen müßten, um eine Krise zu verhindern. Wenn das aber die Auffassung der Leitung ist, dann kann man sich der Frage nicht entschlagen, wozu überhaupt eine Zentrale notwendig ist. Von ihr müßte der Mobilisicrtnißsplan ausgehen, sic müßte rechtzeitig mit strengen und ernsten Weisungen, wo nötig durch Entsendung von Delegierten, eingreifen und vor allein rechtzeitig allen untergeordneten Stellen die Gefahren der Lage klarmachen. Es gehörte nicht viel Vorausblick dazu, um zu erkennen, daß amerikanische Gelder erst nach Beginn der Wcizmann-Kampagne in größerem Maße flüssig sein werden, und daO man daher inzwischen die Bemühungen auf Europa konzentrieren muß. In Europa sind noch unbegrenzte Möglichkeiten, die nicht ausgcschöplt wurden. 1111 Osten Europas, in Polen, den Raudstaaten, aber auch in Mitteleuropa, sind die Juden imstande, ohne erhebliche Schwierigkeiten ein Vielfaches von dem autzubringen, was bis jetzt aus diesen Gebieten kam. In einzelnen Ländern, wo mit syste■ matischcr Arbeit auch mir der erste Anfang gemacht wurde, bat sich dies erwiesen. Es ist längst ein Märchen geworden, daß für den Keren Hajessod ״Opfer“ gebracht wer■ den. Bisher kann man die Fälle, wo Menschen wirklich Opfer gebracht haben, - d, b. mehr gegeben haben, als sie tu!hehren können, ohne cs auch nur zu merken, - - an den Fingern abziihleii. Darum sollte die Aufforderung des Keren i iajcssod-Drcktoriurns, die unter dem Eindruck der Verhandlungen des Actions-Comites erlassen wurde, dazu den Anstoß geben, nun wirklich überall die Aktion in dem Stil zu beginnen, wie es der Würde der Idee entspricht. Das Monatsbudget von 30000 E könnte wahrscheinlich von 300 Juden, sicherlich aber von 3000 mit Leichtigkeit ge deckt werden. Soll es unmöglich sein, diese 3000 in. Europa zu finden, wenigstens für die nächsten vier Monat«? Soll Wirklich die Schande auf itnserer Bewegung lasten, daß man das ohnedies schon geringe Budget wieder und wieder herab- *etzi, daß man wieder Lehrer und Arbeiter hungern läßt und die wichtigste Zeit zur Vorbereitung des produktiven Anbaues versäumt? Wir sind gespannt, ob die durch das Rundschreiben des Drektoriums angeordnete finanzielle Mobi■ feicrung zeigen wird, daß wir noch über genügend Kraft knd Enthusiasmus verfügen, um dies zu verhindern. der |;iele« die liegen und heit Sonnabend, (Ion 1, Dornmbor, abends 8 Uhr Im oberen Lichtanal der Philharmonie Dr. Schmarju Löwin snchliehe Gegensätze glaubte man am besten mit diesen Methoden erledigen zu können. Besonders verhaßt sind dem Blatt alle Pcruoncn, die im Verdacht stellen, links orientiert zu sein, die Arbcitcrkotonisntion zu fördern und im Lande etwas Neues zu schaffen, das wirklich jüdischen und nicht Icvaiitiiiischcn Geist atmet, Manchen dem Blatt nahestehenden Kreisen ist z. B. die zunehmende Konkurrenzfähigkeit sic,׳ Arbeilcrkoopcrativen unbequem, andere wieder zürnen, daß sie für ihre Prlvatzwcckc nicht genügende Unterstützung fanden, während die Arbcitcrkolmiisation als nationales Werk gefördert wurde. Durch dies und anderes ist vielleicht der Haß zu erklären, den die Gruppe des ,,i>■ >ar Hajoin“ gegen alle zionistischen Beamten empfindet. Schon vor dem Kongreß setzte die Kampagne gegen die Beamten ein, Sclbstvcrständ• lieh wird kein vernünftiger Mensch verbieten wollen, daß suchliehe Kritik mt der Verwaltung unserer Institute geübt wird und auch das ncarntcmvescu und seine Auswüchse kritisiert werden. Ahcr es gibt gewisse natürliche Grenzen. Jetzt wird unter der Parole einer ״Reinigung“ der Angriff fortgefütirt. Es wird erklärt, daß alle Beamten mir auf ihre persönlichen, materiellen Interessen bedacht sind, daß überall Korruption herrscht und die Beamten sich und ihre Angehörigen 11creichern, während der Jischmv hungert. Als erstes Opfer wird Dr. Arthur Ru pp in heygenommcii, über den bisher — soweit in unserer llniul — drei Artikel erschienen sind. In diesen Artikeln werden Vorwürfe schwerster Art gegen den Alaun gerichtet, der der Schöpfer des neuen Jischmv ist und in allen Kreisen der Bewegung Respekt und Verehrung genießt. Es wird behauptet, daß Dr, Ruppin während des Krieges in Konrtantinopcl sicli unter Mißbrauch der Amtsgcwalt persönlich bereichert habe, daß er zahlreiche Empfaiigor amerikanischer '! Jilfsgekler hei der Auszahlung betrogen habe, lind ähnliche Dinge mehr. Das Blatt weiß allerdings? daß ein größerer Betrag, der damals infolge der Kriegs- Verhältnisse talsiicltlich in Ruppitis 1 land blieb, für zionistische Zwecke verwendet wurde. Gerade darin sieht es das besondere Raffinement, denn Dr. Ruppin habe z. B. 30 000 £ für die Arbcitcrbaiik zur Verfügung gestellt, u!n dadurch das Schweigen der Linken zu erkaufen, was ihm auch gelungen sei. Tatsache ist, um nur deu einen Fall zu erwähnen, daß das gesamte, aus den zionistischen Transaktionen verbliebene Geld damals der Exekutive übergeben wurde, und daß die Schaffung der Arbeiterbank auf einen Beschluß der Exekutive zurückgeht. Die Arbeiterbank, die sich, nebenbei bemerkt, als eines der wertvollsten und produktivsten Institute erwiesen hat, ist dem ״Doar Hajom" ein Dorn im Auge. Es würde zu weit führen, wollten wir hier auf alle Einzelheiten cingchen, cs ist auch nicht unseres Amtes und unseres Geschmackes. Wir würden immer den Kürzeren ziehen, denn kein anständiger Mensch kann sich dazu verstellen, dem ״Doar Hajom“ mit denselben von ihm geübten Revolvcrmethoden zu begegnen. Dcniioch müssen wir diese traurige Angelegenheit registrieren. Wir tun cs, um znin Ausdruck zu bringen, daß das Vcr• trauen der zionistischen Weit zu Dr. Ruppin, dessen Leistungen für Palästina eines der Ehrenblätter unserer Geschichte bilden, durch die Angriffe gegen ihn in keiner Weise erschüttert wurde. Wir hoffen und wünschen, daß Rttppins wertvolle Kraft unserer Sache noch lange erhalten bleibe, und daß seine Amerikarcisc den für Palästina so wichtigen Erfolg haben möge. Zweifellos wird auch in Amerika Ruppin nicht von der Schmutzwcllc verschont bleiben, die von 'Glästina uusgegangen Ist. Es bestellt sogar der Verdacht, daß die ganze Kampagne unternommen wurde, um die Amerikareise zu verhindern oder zu kouterkarricren, wobei nicht vergessen worden soll, daß das Blatt in diesem Sommer wahrend der Anwesenheit von Mrs. Fels und Judgc Mack in Palästina für die Brandcis-Gruppc gekauft wurde. Das große Interesse der zionistischen Welt an einem Gelingen von Ruppins amerikanischer Mission zwingt uns, zwei Fragen aiifzuvvericn. Die erste Frage ist: Was gedenkt die zionistischc Exekutive zu tun? Hält sic cs für notwendig, die den Beschuldigungen des ״Doar Hajom“ zugrunde liegenden Tatsachen zu prüfen, dann möge sie es schleunigst tim und der Oeffcnlllclikcit das Resultat mlttcilcn, Jedenfalls darf kein Zweifel über die Haltung der Exckulive bcUehcu. Die Exekutive ist dies ihrem Kollegen Ruppin schuldig, sie ist aber noch viel mehr zionistisch verantwortlich dafür, daß nicht in Amerika ihr Emissär mit Kot bcvvorlcn werden darf. Unseres Erachtens ist die Fortsetzung der Tätigkeit Ruppins von einer unzweideutigen Erklärung der Exekutive abhängig. Ehe zweite Frage, die wir stellen müssen, Ist die: Wissen die führenden Männer der Brandcis-Gruppc, welches Spiel liier von ihnen gedeckt wird? Ganz, abgesehen von der allgemciii vereinten, jnlcgrcn Persönlichkeit von Urämien selbst, dessen Namen doch die Gruppe führt und dessen Gerecht igkeitssimi und Moral sich wohl kaum mit einer derartigen Journalistik identifizieren kann, — wissen Männer wie Judgc, Mack, Stephen Wise, Julius Simon, mit wem sie sich da eigentlich verbunden haben? Die zionistische Oeficntlichkcit muß fordern, daß auch über diese Frage einmal Klarheit geschaffen wird. Man muß wissen, wcldic Fäden von New York nach Jerusalem hinübcrreidien. Wir sind in einer genügend schwierigen Lage. Aber sollen wir, die einst auszogen, um den neuen Juden zu schaffen, Zusehen, wie unsere große und hohe Sache im Schmutze erstickt wird? Das Jerusalemer Tageblatt ״Doar Hajom“, das Organ des reaktionären und Icvantinisclicn Klüngels, hat den Augenblick iür richtig gehalten, um einen Boulevard-Skandal unappetitlich- *tcr Sorte zu provozieren. Das Blatt kündigt in sensationeller Aufmachung eine Artikelserie an, für die es das gute Wort «3’aceusc“ mißbraucht, in der cs die hervorragendsten zionistisdien Beamten und Männer des öffentlichen Lebens ״entlarveii“ will. De Spezialität des ״Doar Hajom“ war ohneimmer, im Privatleben ihm mißliebiger Persönlichkeiten ״enimzustöbern und nach klassischen Methoden der Revolver- Journalistik jeden 'zupraiigcrn", der sicli irgendwie zu den ^m Blatt luhestenenden Kreisen in Gegensatz gesetzt hatte. Auf diese Weise suchte man nicht nur persönliche Gegner 1»attzusetzen, alte Feindschaften auszutragen, sondern auch Prof.Mead über die pläsllncnslschei» Kolonien Der Sachverständige für Bewässerung und Landwirtschalt, Professor Elwood Mcad, Kalifornien, sprach sich nadi einem Besuch der Siedlungen in! Emck Jcsrocl und anderer jüdischer Kolonien überaus lobend über die jüdische Arbeit in» Lande aus und sagte Palästina eine glänzende Zukunft voraus. Während des Mcnafe Oktober kamen €00 Einwanderer nach Palüsiinn, De Zahl der Einwanderer im September betrug 643. ״Zusammenhänge“ Unter diesem Titel berichtet die Prager ״Selbstwchr“, indem sie auf die »ntijudisdien Exzesse in Berlin bezug nimmt, über einen iitiglatddiclien l־'al| indischer Sclbsteiiidirun׳;. Wir׳ haben seinerzeit berichtet, daß bei den letzten Prager Gcmcimlcrntswahlcn der Jude Dr, Eckstein sich als Listenführer׳ der Pr.igcr dciitsclieii Emlicilslislc, die auch deulsdiiintional« und Niitionatai/ialKU-ii umfaßte,!!ergab. Wie sich das Auf• treten dieses Mannes weiter gestaltet, möge man aus der nachstehenden Episode beurteilen. Die ״Sclbs.weht" schreibt; ,.Es ist wieder einmal eine grausige Lektion, wcldic das Schicksal den luden erteilt, wenn es auch infolge unserer faktischen Soliuarlialtung gerade jene zu spüren bekommen, welche nicht die Schuldigen sind. Es ist eine grausige Lehre für jene Juden, wcldic immer noch die Judenfrage damit losen wollen, daß sic das Judentum liquidieren wollen, da 11 sic sicli vor der Welt möglichst eindringlich und aufdringlich als Dcutsdic oder sonstwie -- nur nicht als Juden gebärde« und politisch agieren. Ls nützt nichts, wenn man noch 90 laut in die Welt liinausschrcit: Ich hin ein Deutscher! Es nutzt nichts, wen« man auch das Opfer bringt, sicli vor den anderen lächerlich zu machen, und — jetzt kehren wir aus Deutschland in die Tschechoslowakei zurück -- wie ein Jude, der im Pra.icr Stadtrat die Deutschen vertritt, den versammelten tschechischen Parteien in Anleimung an Luther inittcilt: 1;C 11 r i s 111 s hält c das Wort ,Liebe‘ i n d e u t 5 c h e r •Sprache gebraucht, wenn er sic gekannt 11 ä 11 c.* Es ist eine peinliche Groteske. Ausgerechnet der Mann, der als lüde um jüdische Stimmen zu werben für gut fand, und der vmi Tschechen, Deutschen und Juden als Jude empfunden wird, muH ausgerechnet Luther und Christus zitieren; ausgerechnet Dr. Eckstein muß 1m Stadtrat eine aufreizende Brandrede halten, und dies ausgerechnet ׳ zu der Zeit, da die deutschen Parteigenossen seiner Kollegen, mn deren Beifall und Anerkennung willen er offenbar 90 gesprochen, in Deutschland die schwarze Fahne des Judenpogroms entrollen. Es ist ein (einer Zusammenhang zwischen den Taktlosigkeiten jener Juden - und da Ist der Fall Dr. Eckstein nur ein kleines abseits liegendes Beispiel — denen es nicht genügt, sich geräuschlos zu assimilieren, sondern die es für gut halten, in den Kampf um die heiklen Probleme der Völker laut und schreiend als Führer und Arrangeure einzugreifen — und der heutigen Situation in Deutschland. Es ist rin tiefer Zusammenhang zwischen diesen Orgien von Instinktlosigkeit und de« Orgien der bösen Instinkte, die nun in Deutschlands tiefster Not das fiebernde Volk überfallen. Wie lange wird es noch dauern, bis alle erkennen werden, daß wir nur eine ehrliche jüdisch c Politik machen dürfen; bis alle cinschcn werden, daß die Verehrung für die Kultur und Literatur des deutschen Idealismus — von der heute das deutsche Volk in seiner Uelicrzahl recht weit entfernt ist — auch den, der in deutscher Kultur erzogen und deutscher Kultur dankbar zu sein hat, nicht verpflichtet, die Politik der Dcutschnationalcn milzumachen; und daß uns unsere jüdische Wesenheit und Aufgabe verpflichtet, jüdische Politik zu machen! Das Auftreten Dr. Ecksteins fet ein Schulbeispiel dafür, wie es nicht gemacht werden darf. Er hat den Deutsche« wahrhaftig nichts genützt und die Juden geschädigt. Und dies zu einer Zeit, wo eine furchtbare Sorge Zentnerschwer auf uns lastet, die Sorge um das Schicksal und um das Leben unserer Brüder in Deutschland!“ Dies mögen alle denkenden Juden in Deutschland aufmerksam lesen und die ״Zusammenhänge“ zu ergründen versuchen. Elementare Wahrheiten verkünden sich oft aus der Bcobachtung relativ kleiner Erscheinungen. Werden wohl die deutschen luden genügend Ehrlichkeit und genügend Kraft besitzen, logische Konsequenzen zu ziehen, mögen sic der gewohnten und anerzogenen Denkungsart noch so schwer fallen. Die palästinensische Ausstellung ln M«skan Moskau. (J. C, ß.) Das landwirtschaftliche Wissenschaftliehe Komitee hat der palästinensischen Ausstellung in Moskau das folgende Zeugnis, ausgestellt: ״Die Prüfungskommission der allrussischen landwirtschaftliehen Ausstellung bezeugt hierdurch, daß die Aussteller, die sich an der Ausstellung der palästinensisch-jüdischen Arbeiter- Föderation beteiligt haben, einem sehr großen Kreise Intercsscntcn die Möglichkeit gaben, die Landwirtschaft kennen zu fernen. Der palästinensische Pavillon rief ein u n - geh eures Interesse hervor und zog die Aufmerksamkeit der Besucher der Ausstellung auf sich. Viele Arten der palästinensischen Vegetation sind von ungeheurem Interesse für die russische Landwirtschaft und Samenzüchtung. Die Auswahl der Sorten wurde als sehr zweckmäßig ancrkannt; unter ihnen befinden sich die besten Abarten der Flora der Mittclmccrländcr, Die Export-Kommission für Samen und Sclcktionswcscn drückt hiermit der palästinensischen Arbcitcr-Organisation und den Agronomen, die sich au der Ausstellung beteiligt haben, ihren tiefsten Dank aus.“ Unterzeichnet ist dieses Gutachten vom Vorsitzenden der Outachter-Kommission, Prof. J. Tolanow, Vizc-Vorsitzendcn der Kommission N. Wnwilow, Sekretär der Kommission W. Pisarow, Das Komitee für das arbeitende Palästina hat von Ben Gorion, der den pnli1slinensistT.cn Pavillon auf der russischen landwirtschaftlichen Ausstellung geleitet hat, aus Moskau ein vom 13. Oktober datiertes ausfürliches Schreiben erhalten, in welchem u. a. gesagt wird: ״Unsere Ausstellung hat ihre Mission in einer völlig unerwarteten Weise erfüllt. Sic wurde von Tausenden von Menschen aller Kreise und Stände besucht; von Juden wie von Nichtjmlcn aus allen Teilen Rußlands. Der Eindruck war überwältigend. Scharenweise zogen die Bauern in unsere Ecke, beobachteten mit größtem Interesse die Produkte Palästinas, besonders den Weizen und waren von den Früchten der palästinensischen Kolonisation begeistert. In den Kreisen der Gelehrten rief der Weizen eine förmliche Sen- Ration hervor. Autoritäten der ntssischen Wissenschaft des Ackerbaus besuchten uns und stellten fest, daß unser Weizen weder in Rußland, noch im übrigen Europa sei* n es gleichen hat. In der landwirtschaftlichen Akademie in Moskau werden »iber die Qualität unserer Ausstcllungsproduktc Vorträge gehalten und aus allen landwirtschaftlichen Institutionen in Moskau, Petrograd, Charkow, Kiew, Samara kamen Professoren und Studenten, die unseren Weizen, Gerste, Flachs, Sesam, Tabak und die anderen Produkte in Augenschein nehmen wollten. Sie baten sich Proben für ihre Univcrsitälskollektionen und Priifimggstationcn aus. Was die Ausstellung für die Juden bedeutet hat, läßt sich nicht in Worten wiedergeben. Es war ein Trost, eine I

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