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Jüdische Rundschau · 1923-11-20 · Heft 97 (20.11.1923) · page 5

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXVIII (1923)
Issue
Heft 97 (20.11.1923)
Date
1923-11-20
Page
– (sequence 5)
Language
German
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w. m:■ Uk *II!re m 1? 1? «I c1׳ 11 ca et c. na ie nd 111 da sei 1f- 1t<* וי!< eie k11 rteil .10, e 1US CU «ff l«e KU Kai die nit er- :cji die isticn er- ,ntall- «iie her in ein!rer en enmti au- '1 »r reritader hn bklies len roroch sv-ei legt Isch |ets Avic 11 rtfer- Men In- |mt- Jang lind 1ergelasis itißvieleine for- I — in funff erimg, iber- ־Toß iesef ivirtim bczu!«die Es von agc-;rheit ,in ikarbe-!1er «ries lauer ־igee Nr. 97 JUEDISCHE RUNDSCHAU (n1dc11 Herr zu werden, geschweige denn die Basis für eine fortgesetzte und breitere Einwanderung abzugeben? Außerdem pillen industrielle Versuche, auch wenn sie nationale Zufclmßkapitalien, gewissermaßen als Ersatz für den fehlent|f11 Erzicliuiigsscltutz der Industrie erfordern, unterstützt und gefördert werden. Eine kostspielige und, wie uns scheint, verhüllte, überhastet konstruierte Idee. Pns ist im G mnde genommen alles an Hoffnungen lind Entwürfen, was den Ausführungen L>r. Halpcrits entnommen werden konnte. Aber dazu hat das Actions-Comitö nichts gesagt und gar nichts beschlossen. IV. Es hieße die vollkom mene, uneingeschränkt« Finanz- und Wirtschafts• Knt-Losigkeit der?jon!siiscl1cn Exokntve sankli.miercn, wollte man eine Methode fdiiit/eit, die auf bloßen Zufälligkeiten und Einfällen aufgebaut ist und die letzten Endes keinen anderen Ausweg weiß, als aktuellen Kassenvcrlegciilieiteii mit monatlichen, uuaufhaltsamen Reduktionen in unserer praktischen Aufbauarbeit zu begegnen. Auch die Vorschläge, die der Londoner Actions-Comitd- Sitzung zum Palästinabudget vorgelegt wurden, liefen letzten I ndes auf nichts anderes hinaus, als der Exekutive die Blanko Vollmacht zu verschaffen, notwendig werdende ״Umstellungen1‘ und ״Stundungen“ ün regulären Lt.1t vorzimeluncn. Die Begründung für diese Anträge wird besser als durch Worte durch die augenblickliche ökonomische Situation in Palästina gegeben. Wir stehen an der Schwelle des Winters. f>le Bauarbeiten sind fast völlig zum Stocken gekommen. Die Arbeiter, die hier seit der Beendigung des public Works konzentriert gewesen sind, stehen nun beinahe gänzlich ohne Beschäftigung. I>ie Arbcitsloscnziffcr wächst. Mehr .nodr. d:c Auswanderung junger arbeitender Elemente setzt ein und wächst; die Monate Anglist bis Oktober dieses Jahres sind die ersten, die ein statistisches Uebcrgcwietit der ״Clialuzim“־ Auswanderung über, die ״C]1aluka“-Auswandcru11g zeigen. Pie objektive Seite dieser Erscheinung ist wahrscheinlich gar nicht so ernst. Größere KolonisationsUindcr mit besseren natürliehen Voraussetzungen als Palästina haben Längere Perioden hindurch unvergleichlich stärkere Rückwände! migsquoien aufgewiesen. Immerhin bedeuten einige 1 hinderte Auswanderer viel im Verhältnis zu den linmigrationszitfcm der letzten Monate und zu der absoluten Zahl der dritten Alijah vom Jahre 1920/21־. Und schlimmer noch als die objektive Seite ist die subjektive: die Rückwirkung der Emigration auf die Spannkraft und die Widerstandsfähigkeit des arbeitenden Jisclmw; auf die Stoßkraft, das Sclbstbewußtscin, die Werbef.ilugkeit der zionistischen Bewegung im Galuth. Es kann kein Zweifel darüber bestehen, daß diese akute Krisis der laufenden Wintermonate pariert, die Arbcitslosigkcit so weit als möglich ciiiged.immt, die Riickwaiidenuigswelle ztim Stellen gebracht werden muß. Zu diesem Zweck wurde beantragt, einige 1 *osten aus dem ״Etat für Kredite und Investitionen“ in das ordentliche Arbeitsbudget zu übertragen. Auf solche Weise sollten dem Misrad Belriebskapi- Lilien zur Veifüguug gestellt und der Hypothekenbank neue Operationen ermöglicht werden. Der Antrag war angängig. Konnte es aber auch für angängig gehalten werden, diese Febertragung durch die berühmte, einfache, ״proportiotidle Kürzung“ aller!*osten des ordentlichen Budgets zu bewerkstclligcn? Man mag selbst die Hoffnung, die im Hintergrund dieser Transaktion schlummert, daß nämlich durch die bevorstehende amerikanische Kampagne eine nachträgliche Deckung der normalen Verpflichtungen möglich werden werde, teilen, so wird man dennoch dieser eleganten Gruiltotinicnmgsmethodc in unserer Budgetpolitik nicht mehr länger ohne Widerspruch zustimmen können. Eistcns, weil ihr eine doch etwas zu einfache und mcikwimligc Auffassung von den Aufgaben einer zionistischen Wirtschaftsexckuiive zugrunde liegt; Zweitens, weil dadurch lebenswichtige Arbeiten in Palästina leiden müßten, verzögert oder aufgegeben werden würden. Dem durfte mindestens die geregelte Fortführung unserer landwirtschaftlichen Kolonisatlonsarbcitcn, der Ausbau unserer wichtigsten und lebensfähigsten Position im Lande, nicht ausgesetzt werden. Nacii den wohlerwogenen Beschlüssen des Kongresses sollte die Landwirtschaft für diese laufenden Monate, in die der Beginn des neuen Arbeitsjaiires fällt, niciit nur ihr regelmäßiges Budget, sondern sogar noch besondere Vorauszahlungen ä conto der später fälligen Raten überwiesen erhalten. Damit sollten die Betriebe ihre Wirtschaftsführung für das ganze Jahr planvoll fundieren können. Und nun sollte nach den Vorschlägen der Exe׳ kutive an das Actions-Comite nicht nur dieser Beschluß des Kongresses unausgeführt bleiben — das scheint angesichts des augenblicklichen Kasscnbestandes unvermeidlich —, son■ dem auch das ordentliche Monatsbudget der Landwirtschaft von «)500 £ eine Reduktion u־m etwa 20 ״/o erfahren! Daß es gelungen ist, einen Beschluß des Actions-Comitös hcrbci/.ufiiliren, der diese Gefahr beseitigt und der der Exekutive die Pflicht aufcrlegt, das landwirtschaftliche Budget auch im Fall notwendiger Rückstellungen anderer Posten, ungekürzt zu erhalten, muß fesigehaltcn werden. Die Exekutive ist an diesen eindeutigen Beschluß gebunden, ihre Amtsführung wird in den nächsten Monaten in diesem Punkt genau überwacht werden müssen. Gewiß bringt dieser Beschluß Unannehmlichkeiten und Schwierigkeiten mit sich. Die übrigen Posten des regulären Budgets werden durch diese' Priorität der Landwirtschaft noch stärker als proportional belastet. Es werden Proteste kommen, Proteste des Treasury, Proteste der Lehrer, der Beamten. Aber das hilft altes nichts. Wenn die zionistische Exekutive nicht imstande ist, einen außerordentlichen Mehrbedarf von einigen tausend Pfund im Monat durch eine außerordentliche Erhöhung ihrer Einnahmen zu genügen — obwohl das sellzst mit Hilfe des Keren Hajcssod bei großzügiger Ausnutzung aller Kräfte und Möglichkeiten nicht unerreichbar sein kann, dann muß sic wenigstens die schweren Konscquenzen dieses Zustandes tragen können. In puncto Budget müssen wir eben, so lange die Dinge «o liegen wie heute, lernen, das Ailcrwescntiichste vom Sehr- Wesentlichen zu unterscheiden. Das ist sehr schwer zu lernen. Es ist hart, aber unumgänglich, V. Was werden soll? Neue Initiative muß kommen, neue Aktivität, neue konstruktive Oedankenkraft, neue Energien. Deshalb ist beinahe das Bedenklichste an der Londoner 'Sitzung, daß sie, abgesehen von richtigen oder falschen Be- *chlüssen, eine Qcsamtwlllcn&haltung von £xckuüve und Ac- Die Einführung dca weytbofitSmUgen Geldes nindd «uch die Keren Kajemeih-Arbetl wieder In vollem Umfange möjtf 1(11. Intbeiondcre wird Jetzt wieder die NotionalbUdue zu einem wichtigen Sammclmiilel, In dennSchilen Wodv n werdendalier in Berlin u. Inden Provinzorten In Verbindung mit den BOchienlecrunecn itaitflnden. Jeder bfdenkewteder *eine NailonalfondtbUchie und spende in wert• beständigem (leide iflr JAD JUKI ss(as.-uja».-1rr»1eKaat3aaaMncns1a*w1aumturrMB10m«1nQa«wrraBMuaiaaw tions-Comife enthüllt hat, die sich jeder neuen Initiative gegenüber mißtrauisch und feindlich abschließend zeigte. Es war deutlich zu. spüren: jeder neue Gedanke und Wille, gleichgültig, von wem er ausging, gleichgültig worauf er sich bezog, ob cs sich um die Reaktivierung der Organisation, die Entfaltung einer großzügigen politischen Propaganda, die Finanzreform oder um irgend etwas anderes handelte, stieß auf eine Mauer von Fremdheit, Eine Mauer aus Spcpsis, Ironie, Trägheit des Denkens, Routine. Und doch muß klar sein, daß wir mit Skepsis, Ironie und Routine keiner der drängenden Lebensfragen unserer Bewegung Herr werden können. Die neue, große, unverbrauchte ,Initiative muß kommen. Glücklicherweise ist das zionistische Naturrecht, das vor einigen Wochen in diesen Spalten (von Felix Roscnblüth) entwickelt wurde, nichts anderes als abstrakte Philosophie. Der ordre inturel in der zionistischen Bewegung, der ilun als die gottgewollte Ordnung erscheint, die starke ״allgemeine" Partei in! Zentrum, mit den schwadien oppositionclien ITügclgruppcn, ist nur eine theoretische Konstruktion, die schon heute ohne Leben ist. Junge, unverbrauchte Gruppen im Zionismus drängen nach, müssen aufsteigen, sich in Arbeit und Leistung bewähren, die Verantwortung für den Weg der Gesamtbcwcginig teilen, tragende Gruppen der ganzen Organisation werden. Von da aus müssen neue, fruchtbare Energien frei werden und die Gesamtbewegung erneuern.! Die Rolle Englands In Palästina Schwere Anscliuldifjunncn eines arabischen Folllikers Jerusalem. (J.T.A.) Der Herausgeber der Zeitung ״Alif Lla" in Damaskus schreibt in seinem Blatt: ,.Paläslina wird weder den Zionisten, noch den Arabern gehören, sondern cs wird'eine britische Kolonie werden. In der ersten Zeit, da Großbritannien von Palästina Besitz genommen hatte, war ich Mitglied der christlidi-mosiemanischen Vereinigung in Palästina. Ich erinnere mich genau — das werden zweifellos alle Mitglieder dieser Vereinigung tun —, daß der britische Oouvcr. 11 cur, als er merkte, daß wir die Balfour-Deklnralion nihig hiiigcnommcn hatten, Boten zu uns sandte, um uns aus unserer Ruhe auf zu stören. Er warnte uns, die Zionisten würden uns das Land abnehme 11 und riet uns, durch Demonstrationen dagegen aufzutreten. Wir folgten seinem Rat und veranstalteten Kundgcbtmgen. Jedoch am nächsten Tage schon wurden die Demonstranten auf Befehl des Gouverneurs verhaftet. Das ist alle! mir getan worden, um zu zeigen, daß Palästina nicht ruhig sei und daß die Zionisten nur unter britischem Schütz sicher sein würden. So sind vier Jahre vergangen und die Lage hat sich nicht verändert. Was die Engländer der einen Partei zugesagt haben, widerriefen sie der anderen Partei gegenüber. Weder die Zionisten, noch die Araber werden von Großbritannien etwas erhalten." Diese aufsehenerregenden Erklärungen, die man wohl zunächst mit Reserve auf/unchmen haben wird, erfordern wohl eine ■offizielle Stellungnahme der englischen Bciiördc. Desonders die behaupteten Tatsachen — das Doppelspiel eines englischen Gouverneurs (Namen nennen!) — müssen autgeklärt werden. Die englische Verwaltung müßte sich dazu äußern. Lloyd George und Israel Zangwiil ״Der politische Zionismus ist nicht toi“ C 1 e v e 1 a n d (Ohio). (J. C, B.), Bei einer Unterredung, die tier J. C. B.-Vertreter mit Lloyd George hatte, fragte jener t)r. Newton Baker, Sekretär des Kriegsamts ini Wil'on-Kabinett, der sich in Lloyd Georges Begleitung befand, wie er über Zangwills Erklärung auf dem amerikanisch-jüdischen Kongroß, daß Groß-Britannicn seinem dem jüdischen Volke gcgeben en Versprechen nicht treu geblieben sei, denke. Hier fiel Lloyd George ein: ״Hat Herr Zangwiil das wirklich gesagt? Wie kommt er zu solch einer Behauptung? Ich ve rs tc 11 c 111 n nicht. Er ist ein sehr guter i־*rcutu! von mir, aber hierin kam! Ich nicht - mit ihm gehen. Der politische Zionismus ist nicht tot. Zangwiil ist ein großer Schriftsteller, aber kein großer D i p 1 o in a t.“ Mr, Baker wies auf Dr. Stephen S. Wises Bemerkungen zu Zangwills Rede hin, daß er ״zu Israel, und nicht für Israel" gesprochen habe, ״Genau so ist es“, bemerkte Lloyd George. Aus Anlaß der Anwesenheit Lloyd Georges wurde in Louisviilc eine kleine Feier im Cherokee Park abgehalten, bei der die zionistische Organisation von Louisviilc eine Dank- | adrcssc an Lloyd George verlas, in welcher dessen Bemühungen 11111 die Errichtung cüier jüdischen Heimstätte in Palästina anerkannt winden. In seiner Antwort sagte Lloyd George, er glaube fest an die Bewegung, allein der Erfolg ist abhängig von der Unterstützung der Juifcnlieit der ganzen Welt. Auch die Juden Amerikas könnten «och mehr für die Sache tun, weiui auch das, was sic getan haben, schon ganz gut sei. Zangwills Antwort. New York. (J. C. B.), In einem Gespräch mit dem J. C. B.-Vertreter, der Zangwiil auf Lloyd Georges Ausspruch, Zangwiil sei ein großer Schriftsteller, aber kein großer Po'Jtiker, liinwies, sagte Zangwiil: ״Diplomatie ist immer ein zweitrangiges Geschäft. Die Aufgabe des Schriftsteller• ist cs aber, die Wahrheit zu verkünden.“ Zangwiil kündete an, er wolle in seiner Vorlesung in der Town Hall am 7. November Amerika die Wahrheit erzählen. Fr fügte hinzu: ״ich trage die Konsequenzen. Ich habe n .inc Frau kommen lassen, um einen befreundeten Menschen um mich zu haben, der niith begraben und meine Angelegenheiten ordnen wird,“ , Seite 565 Dr. N. Kazenelson Am Freitag, den 9. November ist in Li bau Dr. Nussan Kazenelson gestorben. Der Verstorbene gehörte zu den engsten Mitarbeitern und ergebensten l'rcu iden Ilcrzls, der. seiner in seinen Tagebüchern wie der Welt mit großer Wärme Erwähnung tut. Kazndson war einer der Initiatoren von Herzls' berühmter Rußl.iiidrn'se, und ihm ist cs an •11 gelungen, die berühmte Audienz Ilcrzls bei PIrhwc herbeizuf’iiircn. lle./I setzte so großes Vertrauen in K.i/caclson, dali er ihn zu seinem Vertreter der russischen Regierung gegenüber bestellte. Kazenelson hat in der Zionistischen Un!an1;1tion zur Zeit Herzig und Wolüsohn* eine nicht uiibeiiächtlkhe Rolle gespielt, und sich vor allen Dingen als Direktor des Jcwlsli Colonial Trust verdient gemacht. Kazentlvin hat auch wiederholt Herzt auf seinen diplomatischen Reisen nach Konst,uitinopcl begleitet, und ihm dabei manchen Dienst erwiesen. Kazenelson hat auch am jüdisch-politischen Leben in Ruß. Land Anteil genommen. Er gehörte der ersten Duma an, und war einer der Unterzeichner des Wiborgcr Manifestes, was ihm eine Gefängnisstrafe eintrug. In der letzten Zeit nahm Kazenelson an der Bewegung und am jüdisch-poti i-clicn Leben keinen aktiven Anteil mehr. Hingegen befaßte er sich viel mit jüdischen Wanderung?- Problemen. Möglldslieitcn für Auswanderer nach PaläsUna in der letzten Zeit haben wir eine Reihe von Anfragen verschiedener in Deutschland wohnender Juden cihaitcn, die nach Palästina auswandern wollen. Die meisten der Leute besitzen etwas Vermögen und fragen an, ob sie sich damit im Lande eine Existenz gründen können. Wir haben nun die Gelegenheit der Anwesenheit Dr. Ruppins, der sich auf der Durchreise von Wien nach London (und von da nach Amerika) vorübergehend in Berlin aufhiclt, dazu benutzt, um diesen besten Kenner der Landesverhältnissc über seine Meinung zu befragen. Dr. Ruppin hat uns ungefähr folgende Auskunft gegeben: Es ist sehr zu begrüßen, wenn Juden mit Vermögen aus Deutschland nacii Palästina gehen. Allerdings ist weniger zur Beteiligung an Unternehmungen anderer zu raten, wenn man nicht in der betreffenden Branche Fachkenntnissei besitzt, sondern Palästina braucht Menschen, die sich mit ihrer ganzen Person und allen ihren persönlichen Fähigkeiten für ihre Unternehmung voll cinsctzen. Dabei ist e» natürlich schwer, einen allgemeinen Rat zu geben, weil die Fähigkeiten, Erfahrungen und Interessen von Personen, die schon längere Zeit im Wirtschaftsleben stehen, natürlich sehr individuell sind. Es ist aber damit zu rechnen, daß bei längerem Aufenthalt im Lande cs dem betreffenden M i tu gelingen wird, ein Betätigungsfeld für sich zu finden, wo-, durch er sich und seine Familie ernähren kann, sei es eine industrielle Unternehmung, ein gewerblicher F,crc>, Hius.rbau oder ähnliches. Es kommt also darauf an, daß mau die Möglichkeit besitzt, etwa ein Jahr lang ohne beträchtliche, Verminderung des mitgebrachten Vermögens i:!1 Laude zu leben. Dies ist n i c 111 allzu schwer, da die Kosten der Lebenshaltung in der letzten Zeit ziemlich gesunken sind. Die Kosten eines mittleren bürgerlichen Haiubal.c; betragen etwa 300 bis 500 Pfund jährlich, wobei bei 31)0 die untere Grenze (etwa ein Volksscliullclircr oder kleinerer Bcamer) gezogen ist, mit 500 schon ein sehr behagliche; Auskommen (4 Zimmer, Dienstbotc) möglich ist. Nun besteht bei der Kapitalknappheit im Lande für jeden, der Geld mi.bringt,; die Möglichkeit, dieses Geld sofort gewinnbringend a:1/u-i legen, in Hypotheken oder industriellen Ob igationen oder in, einer andern Form, die Hirn eine Verzinsung von 8 —10 0׳״j sichert. Wer also soviel Geld mitbringt, daß diese Zinsenj die Höhe des vorstehend angegebenen Lebensbedarfes erreichen, der soll getrost hingchcn. Er wird dann am besten tun, zunächst ein Jahr auf diese Weise seinen Lcbcnsunter• halt zu finden und wird inzwischen die Verhältnisse des Landes genau studieren können, um sich dann cndgiiEig zu entscheiden. Ein Aufenthalt von nur wenigen Wochen oder Monaten ist in dieser Hinsicht weniger zu empfehlen, da man in so kurzer Zeit die Verhältnisse nicht übersehen kann. Der dargclegte Vorgang cmpf.chlt sich also für alle Auswandcrungslustigcn, die mindestens 15 0» bis 25 033 $ mit■( bringen, diese können, solange sic nichts anderes finden, von ihrem Kapital bequem leben. ■ Forderung nach Ccmclndcivalilen in Palästina Jerusalem. (J. C,B.) In einer hier stattgefundenen öffentlichen Versammlung wurde folgende Resolution angcnominell; Da sämtliche Gemeindeverwaltungen des Landes, besonders die Gemeindeverwaltung in Jerusalem, die Rechte der jüdischen Einwohner in einer'auffallenden und1 aufreizenden Weise verkürzen, indem sie sich weigern, jüdische Arbeiter cinzusteilen, den Gebrauch der hebräischen Sprache nicht zulassen, die Zahl der jüdischen Beamten vor״ ringern usw.; im Hinblick ferner darauf, daß der größte Teil der gebildeten städtischen Bevölkerung Juden sind, und in Jerusalem 1111d i n T i b c r i a s die Juden den größten Teil der G c s a rn t e i n wo 1111 c r s c h a f t ausmachen und auch den bedeutendsten Teil der Gemeindesteuern tragen, hat sich die Versammlung entschlossen, folgendes der Regierung zu unterbreiten: Da die jetzigen Gcrncindcräfe seinerzeit von den mi'.ifiirisehen Autoritäten provisorisch eingesetzt worden sind, jetzt aber die Verwaltung seit drei Jahren von der Zivilbehörde übernommen worden ist, die ihrerseits die dringende Not• Wendigkeit anerkannt hat, die G c tn cinderats*!Mitglieder durch neue, von der Bevölkerung! gewählte, zu ersetzen; da ferner alle oftiicllcn 1 lindernissc zur Durchführung der Gcmei.iderntswahlcn infolge der endgültigen Ratifizierung des Mandates durch den Völkerbund, beseitigt sind, forJcrt die Versammlung die Regierung auf: a) die Wahlen in den Ocmcindcrat in kürzester Zeit f c st zus c t z cn , b) bis zur Erledigung der Wahlen die e r f 0 rd c r I i cli c n Maßnahmen zu treffen, um der Verkürzung der jüdischen Rechte durch die bestelleuten Gemcindcvcrwaitungcn Einhalt zu gebieten. Die Versammlung ersucht den Waad Lcunii, daß er den vor kurzem veröiientlichten Bestimmungen für die Gemcindcwahlen seine besondere Aufmerksamkeit widmet, damit die Rechte der jüdischen Wähler voll gewahrt bleiben.

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