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Jüdische Rundschau · 1923-11-20 · Heft 97 (20.11.1923) · page 4

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXVIII (1923)
Issue
Heft 97 (20.11.1923)
Date
1923-11-20
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seite 564 JUEDISCHE RUNDSCHAU Nr. 97 Randbcnicriiuuocn zur A.-C.־Sitz11110 Von Cliajim A rlosorof f. 1. Seit wir zum letztenmal aua aller Herren Ländern in London versammelt waren — seit der Zeit der Jahreskonfcrenz. von 1920, die den Keren Hajcssod proklamierte — hat sich, sowohl in der zionistischen Bewegung als auch irr London, manches gewandelt. Die Wandlungen bei uns sind zu deutlich, als da IS man viel darüber zu sagen brauchte. Von den Wandlungen in London hat sich eine geringfügige Einzelheit, als außerordentlich und vielsagend, besonders eingeprägt. Eine winzige, äußerliche Veränderung im Bild der Wellst,•!dt: am Ansgang des Trafalgar-Square ist die Statu« Georg« Washingtons errichtet worden. Hier, auf dem Boden, auf dem sich im Umkreis weniger Quadratmeter die liistoriscen Traditionen der britischen Weltgeschichte am stärksten konzentrieren, ist ilun, dem Mcuterergcneral, der aus der Krone Englands das kostbarste Kleinod herausgebrochen hat, das Denkmal gesetzt worden. Kaum fünfzig Schritte von der Nelson-Säule, mit dem Gesicht nach dem Sieger von Abukir, steht der Landesverräter, der Rebell, der hartnäckige Feldherr der aufständischen Amerikaner. Die verhüllteren Motive für diese Ehrung sind angesichts der weltpolitischen Lage Klar. Aller die einfache, kleine Tatsache als solche spricht zu stark, als daß man achtlos daran vorübergehen sollte. Liegen darin nicht im Kern alle die politischen Tugenden, die aus den Engländern ein staatcnbiklcndcs Volk höchsten Ranges gemacht haben? Spricht nicht daraus die zähe Selbst- »iherw imhmg, der schwere Verzieht auf überspannte Prestigerücksichten, auf Affekte und Stimmungen, das kaltblütige Zielstreben — aber and» die innere Anerkennung der historischen Wirklichkeit, etwas wie eine Ehrfurcht vor den ״vollendeten Tatsachen“, die Taten und Ereignisse rechtfertigen, besser als es irgendeine Doktrin könnte? Wird nicht hier plastisch die Zügelung allzu verlockender Instinkte und der Wille zu harter Selbstdisziplin auch im scheinbar belanglosen Handeln gelehrt? t 11. Keine dieser Tugenden hat das Zionistische Actions-Comitö in seiner politischen Haltung während der Sitzung, die jetzt in London stnttgefunden hat, bewährt. Ohne Sclbstbchcrrschling, ohne die innere Möglichkeit zum Verzicht auf äußerliehe, wertlose Prestigefragen, war es — im Gegenteil — all zu offenkundig von Stimmungen und Affekten beherrscht, die seine Entschlüsse diktierten. Leicht vergeßlich gegenüber dem, was noch gestern die Gemüter bis zum Sieden erhitzt hatte (man vergleiche den Jcwidi-Agency-Konflikt des Xlil. Kongresses mit der gegenwärtigen Stellung von Exckuiive, Actions-Comite und Bewegung zu diesem Problem), unfähig eine and» nur etwas ausgedehntere Kette von Gescliclmissen in einem Zusammenhang zu überblicken, unfällig, das Wesentliche vom Un wesentlichen zu unterscheiden, war cs jetzt auf die Frage der Arab Agency konzentriert. Der Beschluß, mit dem die Erörterung dieser Frage endete, war iiiigcnacheiniich nicht gefaßt, um als politisches Mittel zu pol irischen Zwecken zu dienen, sondern vielmehr um das überreizte Blut der Politiker abzukülilen (wie es ein Abgeordneter in der Debatte seihst ausgedriiekt hat). Ist es verwunderlich, dnß das Produkt einer derartigen politischen Auffassung und Haltung als wenig sinnvoll und zweckentsprechend angesehen werden muß? In der Tat, auch wenn man die reale Bedeutung einer Rcoshition noch so wenig übertreiben will, wird man sich des angenommenen Beschlusses zur Frage der Arab Agency nicht freuen können. Erstens: Welchem vernünftigen Zweck sollte dieser Be- Schluß dienen, nachdem die Araber den Vorschlag der Schaffung einer Agency eindeutig zurikkgewiesen hatten und die ganze Frage keine praktische Aktualität mehr besaß? Welchen Sinn sollte es besitzen, eine formulierte Meinungsäußerung des Actions-Comites für den Fall herbeizufüliren, daß ein poli tisdies Problem akut geworden wäre, das «loch eben nicht akut geworden war? Die Arab-Agcncy-Episodc konnte uns vieles — zur Taktik der Engländer in Palästina, zur Taktik des christlich-mohammedanischen Klubs — lehren; wir konnten Schlüsse daraus ziehen. Aber nur ganz besonders radikale Revolutionäre im Zionismus konnten Lust verspüren, ohne zwingenden Grund, linier den heute gegebenen Verhältnissen, Wenn-Sätze zu konstruieren, um sie mit Nein- Sätzen beantworten zu können, Die Folge dessen, eine ziemlich starr und unbeweglich festgclcglc politische Stellung hätte durch einen einfachen Akt des Schweigens leicht vermieden werden können. Aber dieser einfache Akt gehört für unser Actions-Comite zu den schwierigsten. Zweitens: Wciui schon eine Meinungsäußerung des Actions-Comites herbcigcWlnt werden sollte, warum mußte dann die günstige taktische Waffe, die für uns mit der Ablehnung des Agency-Vorschlags durch die arabischen Notabehi gegeben war, mutwillig aus der Hand geworfen werden? Die taktische Situation war doch folgende: Die britische Administration als die Treuhändern! des Völker• blindes versucht in Palästina den Ausgleich zwischen jüdischen und arabischen Interessen durchzusetzen, der allein imstande ist, zur F.ntwicklung der Produktivkräfte Palästinas, zur Ent• faltung unseres Kolonisatiouswcrks, zum Fortschritt der gesamten Bevölkerung zu führen. Auf der einen Seite stellt ihr die Zionistische Organisation gegenüber, die schweren und zahlreichen Bedenken zum Trotz jeden Versuch, den berechtigten Aspirationen der Araber eti tgegenzukornmen unterstützt, der nicht die Lebensinteressen ihrer realen Arbeit im Lande verletzt. Auf der anderen Seite eine arabische Extremistenfaktion, von egoistischen Gruppeninteressen und tollen Machtgelüsten bis zur Blindheit in Radikalismus verrannt, jeden Versuch ablehnend, der nicht ihrer va-banque-Losung genügt; ein nicht vcrhandlungsfähiglcr Kontrahent, so sehr schlaue europäische, auch englische, Judenfeinde in- und außerhalb Palästinas sich bemühen, ihn verhandlungsfähig zu machen. Die Ablehnung des Agcncy-Vorschlags hat die ohnehin nicht günstigen Chancen dieser Faktion gewiß nicht verbessert. Ist das schon Grund genug, ä tout prix, durch eine post fest um ablelincndc Resolution, die unseren in den Wind zu schlagen? Drittens: Wenn sogar von diesen taktischen Erwägungen abgesehen werden sollte, warum war dem sachlichen Inhalt unserer Politik nach, eine ausgesprochen negative Stellung zum Plan einer arabisdien Agency notwendig? Gewiß mußten für den Fall der Verwirklichung dieses Projekts schwere Entwände und Bedenken gegen einzelne Bestimmungen des Planes erhoben werden. Die zionistische Bewegung wind niemals anders als mit ernster Besorgnis Wlerfa? :!er Friedcnsabonncmcntsgebiilircn, bei wortticatütid!- ffor EozäMuöfj verlangen die Berliner Tageazeitungen. Die ״Jüdische Rundschau“ fordert wicht einmal den Frfe• cleasprel• und bekommt immer noch von einem grorto 1 Teil der Abonenten entwertete Papiermark, wahrend ein anderer Teil überhaupt nicht bezahlt. Diene ■tarke ScliilcMgwBg «loa wichtigsten Hilfsmittels der Bev/e«uaj; muB störend auf dl© zionltUichs Arbeit ■wirken. Es ergeht daher die dringende Bitte an alle Abonnenten, die ihren Zahlungsverpflichtungen noch nicht nachgekommen sind, dies unverzüglich nachzuholen und wenn irgend möglich wertbcatlindlg zu zahlen! Wer die eingefordeten Ulk. ©,50 Nachzahlung für November und Mk. 1,10 für Dezember nicht «ungeschickt hat, bekommt vom 1. Dezember ab das Blatt nicht mehr zugestclltl Zionisten I Sichert den Fortbestand Eures Partei- Organsl Verlag ״Jüdische Rundschau“ Berlin W13, Sächsische Straße 8 1־-"-—————-־~ eine Kontrollkommission in Einwamlcrungsangelegcnhciten hetrachten können, die absichtlich zu fünf Sechsteln aus Nichtjuden zusammengesetzt ist. Sic wird darin stets nicht nur eine drohende Gefahr für die gesicherte Fortführung ihrer konstruktiv-wirtschaftlichen Arix:iteil im Lande, sondern auch eine Verletzung des politischen Gedankens, der durch die Arab Agency gerade zum Ausdruck kommen sollte, der vollständigen Gleichheit der beiden palästinensischen Landesvölker, erblicken können. Gewiß bleibt cs bedauerlich, daß im Verlauf der ganzen Verhandlungen mit den Arabern •wir gehalten waren, die Initiative und die Durchsetzung dieser Versuche einem!Dritten — terlius gaudeus oder ״ehrlichen Makler"? —, der britischen Administration nämlich, zu überlassen, ohne daß uns die Möglichkeit gegeben wurde, durch eigene politische Aktion in unmittelbaren Verhandlungen mit der Gegenseite das von uns, aus freier Willenscntschließuiig des XII. Kongrosses, gewünschte und angestrebte Einvernehmen zu schaffen. Wenn man jedoch auf die Entwicklung der arabischen Aspirationen im Laufe der letzteri Jahre zurückblickt, wenn man die politische Linie der christlich-mohammcd,mischen 5artei verfolgt und ihre vergeblichen und bisher völlig fruditlosen Versuche registriert, die politischen Grundlagen unserer Position — Deklaration und Mandat — 711 erschüttern, so weiß man, daß nach dem Scheitern der Hoffnungen in bezug auf die Kaliinctlkvunniission, nach dem Mißerfolg der Non- Cooperation-Bewegung in Palästina (auch in Indien übrigens), nacli dein Auf tauchen neuer konkurrierender arabischer Parfeien im Lande, dieser Weg zu direkten politischen Aktionen für uns in naher Zeit offen sein kann. Gewiß war gerade darum und gerade im Hinblick auf das Arnb-Agcncy-Pnojckt das Gefühl des faktischen Noch- Aiisgcschallet-Seins besonders unerfreulich. Mußte doch die Verwirklichung dieses Projekts von unserer, der Jewish Agency, Zustimmung abhängig gedacht sein, sollte nicht sein Grund■ gedanke, der der Glciclistelhuig der beiden nationalen Kontrahenteu, von Anfang an erschüttert werden. Aber nach alledem? Nach alledem war der Kern des Angebots, das den Arabern gemacht worden ist, wie wir zu behaupten wagen, durchaus nicht unbrauchbar, Verhängnis• voll, katastrophal. Er enthält sogar eine so deutlich warnende Skiptendenz den arabischen Scharfmachern gegenüber, wie sie schon lange in Vorschlägen der britischen Administration — man denke an die Wahlen zum Legislative Council, die bcab sichligte Zusammensetzung des Rates — nicht mehr zutage getreten war. Mit der Aufrichtung der Arab Agency sollte der letzte Schein einer ungerechten Privilegierung des jikli׳ scheu Jisdiuw beseitigt, der Status des Zwei-Völker-Staates formell begründet werden. Aber Sir Herbert Samuel ließ in seiner Rede vor den Notabehi in Jerusalem keinen Zweifel darüber, nicht mir dal) die Grundlagen der jüdischen Position unerschüttert bleiben müßten, sondern and! darüber, daß mit diesem Angebot die britische Politik sidi der Grenze des Entgegenkommens nähere, die die Araber zu überschreiten sich hüten sollten, wollten sic nicht ihre ganzen Aspirationen in Nichts ziisammcnfallcn sehen. Auf dieser Basis also sollte, die Zustimmung beider Teile vorausgesetzt, ci41c mindestens für absehbare Zeit stabile Situation im Lande geschaffen werden, Und darum Räuber und Mörder? Demgegenüber ist das Plus, das in dem negativen, ex■ pressis verbis ablehnenden Beschluß des Actions-Comites liegen soll, ein außerordentlich fragwürdiges. Es soll uns allen, der ganzen Bewegung, die beginnende Hinwendung der zionistischen Politik zur aktivistisclien Abwehr der gegnerischen Bestrebungen anzcigcn. Als ein erster Akkord soll diese Reso lut Ion gehört werden in einer neuen, weniger milden und weichen Tonart unserer Politik. Aber was soll diese neue Tonart eigentlich, nicht ab Fanfare vom Podium herunter, sondern in ihrer konkreten Linie betrachtet? Kampf gegen den High-Commissiaiver? Non.Cooperation gegenüber der Mandai.irmneht? Legionen? Bankrotteurphantasien? Proteste? Was soll eigentlich diese ganze Kraftmeierei, die Athleten manieren mit politischem Aktivismus verwechselt? , Es gibt nichts, worin die Juden im Verlauf ihrer ganzen Diasporageschichte entschlossener gewesen wären als im Protest — und mit welchem Erfolg?, Protestnoten habet! nämlich in einem Punkt eine verwünschte Ähnlichkeit mit Banknoten. Sie laufen nur so lange zu ihrem vollen Werte um, nls die Ucberzcugimg besteht, dnß hinter ihnen die klingende Münze zur Einlösung bereit liegt. Das Gold der ökonomischen Wirklichkeit und de'r sozialen Macht, das dem papicrucn Schein erst Leben gibt. Eine fortgesetzte Ausgabe ohne die Möglichkeit der Einlösung muß — auch bei' Protestnoien imd Kampfrcsolutioncn —' notwendigerweise zur inflation, zum Ilsagio, zum Verfall des öffentlichen Vertrauens führen. Was wollen unsere Aktivisten diesem morgen ihrer Politik drohenden Verfall des politischen Kredits unserer Be• wegung entgegensetzen? Warum wollen sic mit Gewalt, daß der Zionismus und seine verantwortlichen Führer morgen ihren Namen nur noch unter wertlose, achtlos fortgeworfene Papierfetzen setzen? Drolit nicht diese Gefahr stets und ständig, solange unsere kolonisatorischen Arbeitspositionen in Palästina nicht den tragenden Rückhalt für unsere politische Macht bilden können? Muß nicht also im Ausbau dieser Lebenspositionen zuerst eine Grundlage für eine aküvistische Ifoiitik geschaffen werden? Für diesen Ausbau aber brauchen wir eine Beruhigung l״״j Stabilisierung der politischen Situation im Lande, Auf diese* Ziel, sei es auch nicht für unbeschränkte Zeit und nur um den Preis von wichtigen Zugeständnissen erreichbar, müssen daher unsere politischen Anstrengungen gerichtet sein. Und darum hätte das Actions-Comitö der» Vorschlag det Schaffung einer Arab Agency im Kern annehmen können -s und müssen, wenn dieser Vorschlag aktuell gewesen wäre. Ls hätte schweigen sollen — und dürfen, nachdem er seine praktische Aktualität verloren batte. Statt dessen konsntierte cs künstliche Wenn-Sätze, um sie mit einem bindenden und starren Nein zu beantworten. Iil. Aber so schwer zu sättigen die Zionisten in bezug auf radikale politische Resolutionen sind, so genügsam, friedlich und schnell zu besänftigen sind sie zumeist in Wirtsch ältlichen, finanziellen, ko Ion is a to r i* sehen Fragen. Dabei sind gerade hier, wo der Schlüssel zu unserer ganzen gegenwärtigen Situation und zur Ent- Wicklung der letzten Jahre zu suchen ist, die Dinge heute so weit gedielten, daß ein Alarm des Actions-Comites wohl am Platze gewesen wäre. Liegt doch hier unsere entscheidende Schwäche und unser entscheidendes Versagen. Erfordert doch liier die zionistische Exekutive, in ihrem finanz- und wirt. schaftspolitisch« 1! Gebaren weit eher eine scharfe und allezeit wache Opposition als auf dem Gebiet der ״Außenpolitik“, wo sic sich auf temperamentvolle Gesten beschränkt Was hat die Finanz- und Wirtschaftscxekutive der Zio. nistischen Organisation bisher getan; Scharf formuliert: Sie hat die Schecks des Keren Hajcssod, vor allem die aus Amerika, erwartet, in Empfang genommen und sic an den Schatzmeister in Palästina überwiesen. Für die Erfüllung größerer, produktiverer־ Funktionen, für eine weiterblickende wirtschafts- und k.tpünlpolilische Initiative blieb kaum noch Raum. Die täglichen Sorgen ersticken alles. Was hat der Finanz- und Wirtschaftsrat der Zionistischen Organisation bisher getan? Scharf formuliert: Er hat die Summe der cingclaufenen Schecks des Keren Hajcssod mit dem vom Kongreß beschlossenen Etat verglichen und, vermittels ziemlich primitiver Mathematik, die jeweils notwendigen ״proportioneilen Reduktionen“ im Budget errechnet. Für die Erfüllung größerer, produktiverer Funktionen, für eine ernsthafte Fundierung unseres finanz- und wirtschaftspolitischea Systems blieb kaum noch Raum. Die täglichen Sorgen erdrücken alles. Unterdessen vollzieht sich im Leben eine finanzielle Ent- Wicklung, deren liquidatorischc Richtung und Bedeutung allinäbüch auch für schwächere Augen deutlich wird und die durch tatenloses Zuschaucn, Lamento und Deklamation über Imjxuiderabilien nicht nufgclialteii werden kann. War cs in demselben London, wo L'ssisdikin der Jahreskonferenz sein Vier-Millioncn-Pfuml-Biidgct als den normalen Bedarf unserer jährlichen Kolonisaiionsarbcit zur Bestätigung vorlegtc? Liegen wirklich nur drei Jahre zwischen jener Zeit und der Gegenwart, wo unser ״reguläres Budget“, über viele Etappen und schwere Lcidensstationcn hinabglcitcnd, bis zu dem unznlänglichen Betrag zusammcngeschrumpft ist, mit dem wir heute arbeiten sollen und um da$ noch bitter gekämpft werden muß? Längst sind die ausschweifenden Budgetphantasien der Jnhrcskonfcrcnz von 1920 vergessen. Die Karlsbader Jahreskonferenz und der diesjährige Kongreß haben schon nach anderen Richtlinien gearbeitet: auf Grund der praktischen Erfahrungen zweier Jahre winde ein wahrscheinliches Minimum sicherer. Einkünfte abgeschätzt, dem die Ausgaben mühsam angepaßt wurden. Kein Budgct|>osten ohne vorgesehene DcckungsmögücBkcitl hieß die Losung. Und dennoch mußte schon dieser Actions-Comite-Sitzung wieder, zwei Monate nach dem Kongreß, ein Vorschlag zum Etat vorgclcgt werden, der formell auf eine zeitweilige Rückstellung, faktisch auf eine Kürzung des gesamten minimalen Manatsbudgets von 25 000 £ huiauslicf. . Wie weit soll diese Entwicklung noch gehen — wie weit kann sie' noch gehen, um auch der zionistischen Wirtschaftsexekutivc greifbar deutlich zu machen, daß ein Verharren bei den heute geübten Methoden von verhängnisvollen Folgen begleitet sein mußte? Ein wacher politischer Instinkt, wenn schon nicht die wirtsdiaftspolitische Erkennt- 11 is müßte ihr sagen, dnß es höchste Zeit Ist, den Uebergang zu neuen Formen uml Perspektiven unserer finanziellen und ökonomischen Politik zu finden. Allerdings wäre dieser liebergang leichter, glücklicher und erfolgreicher zu vollziehen ge* wesen, müßte er nicht erst von einer erschütterten Basis aus unternommen werden. Genug kostbare Zeit und einzig* artige Gelegenheiten sind ungenutzt verstrichen. Aber vielleicht bietet auch der gegenwärtige Augenblick gerade eine derartige wichtige Gelegenheit: wir stehen nach dem formellen Inkrafttreten des Mandats und der Jewish Agency — und vor dem neuen großen Keren-Hajessod-Fcldzng ln Amerika, von dem eine relativ bedeutende Aufbesserung unserer Finanzlage, mindestens für eine kurze Zeit zu erwarten ist. Gerade ein solcher Augenblick der Entlastung, des Aufstiegs, des Aufatmens sollte zum entschlossenen Ueberleiten zu einer in Methoden und Zielen neuen und großzügigen Wirtschafts- und Kapitalpolitik benutzt wenden. Die Pläne und Vorschläge, die unsere Exekutive in dieser Stunde zu bieten hat, sind׳ ebenso dürftig wie ihre wirtsrhnftspoliiischcn Ueberzcugimgcn. Das was wir darüber im Actions-Comitö von verantwortlicher Seite zu hören bc• kamen, konnte in dieser Beziehung nur Vermutungen zu Gewißheit machen. Eine Vertriebsstelle für palästinensische Wertpapiere soll an geeignetem Ort geschaffen werden. Es besteht Klarheit darüber, daß zurzeit für ein Placement von dieser Stelle aus fast nur die Pfandbriefe der Mortgagc• Bank in Betracht kommen. Aber bestellt dann auch Klarheit darüber, daß, so wichtig der Absatz der Pfandbriefe an und für sich ist, durch die Nachfrage nach Hypothekarkredit, die eine Funktion des zeitlich und quantitativ begrenzten Baubedarfs im Lande ist, nur ein ganz kleiner Bruchteil aus dem Finanzicrungsbedarf des Kolonisationswcrks getroffen wird? Und daß dieser Ausschnitt für di« Dauer kaum imstande sein kann, der heutigen Arbeitslosigkeit einige*־

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