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Jüdische Rundschau · 1923-11-20 · Heft 97 (20.11.1923) · page 6

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXVIII (1923)
Issue
Heft 97 (20.11.1923)
Date
1923-11-20
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Seile 568 JUEDISCHE RUNDSCHAU Nr. 07 Vorlrafl Jabolinsky Vor einigen Tagen — der Berliner Druckcrstrcik liegt dazwischen — Ist Jabotinsky «ach längerer Pause zum erstenmal wieder vor ein größeres zioriistisclics Publikum getreten. Seit seinem Austritt aus der Zionistischen Organisation im Januar dieses Jahres hat sich Jabotinsky in der russischen zionistischen Wochenschrift ״Rasswjet“, die von dem Berliner Zentralkomitee russischer Zionisten ihm anvertraut wurde, ein Organ geschaffen, in dem er seine Politik weiter verfolgt In dieser Zeitschrift hat er zu allen politischen Ereignissen und auch zuin Kongreß Stellung genominell, in eine Agitation breiten Rahmens ist er jedoch nicht eingetreten. Erst jetzt scheint er den Augenblick für gekommen zu halten. Wahrscheinlich halt er durch das Angebot einer arabischen Agency die psychologischen Vorbedingungen für geschaffen, außerdem lassen ihn wohl Zangwills Lorbeeren nicht schlafen. So hat er jetzt eine Kampagne begönnen, die sich besonders auf die russischer» Randstaaten konzentrieren wird, wo er in der nächsten Zeit öffentliche .Vorträge über die Lage iin Zionismus halten wird Als Einleitung zu dieser Kampagne ist der Vortrag im Berlin anzusehen, Jabotinsky sprach beinahe drei Stunden, mit Aufgebot seines ganzen rhetorischen Temperaments. Zunächst kam eine Schilderung der politischen Entwicklung der letzten drei Jahre, die bekannte Gcnernlabrcdinung mit Herbert Samuel, dessen ganzes Sündenregister, beginnend mit den Pogr-omen in Jaffa über die Eiinvaiidcningsbesdiränlungcn, die Haycraft-Kommission, das White Paper, die palästinensische Konstitution, die Annullierung der Wahlen, die Begnadigung Abu Kischks, bis zur Arab Agency vorgeführt wurde. Dann folgte der große Angriff auf die sogenannten ״Klcinzionistcn“, die, aus der Schule des Ghetto hervorgegangen, aus der Not eine Tugend nindirn und zu allem ihre Zustimmung gehen, wo andere, aufrechtere Völker protestieren würden. Man hat das große zionistisdie Ziel, im Lande die Majorität und der bestimmende Faktor zu werden, aufgegeben und sidi damit ahgefunden, daß wir in Palästina nur ein neues Ghetto schaffen, zwar — wie inan von höchster zionistischer Stelle (von w׳cicher?) erklärt haben soll — das beste Ghetto, aber nicht mehr. Jabotinsky setzte sich dann mit dem ״Klcinzionismus aus Taktik“ auscinander, den er als völlig aussiditslos bezeichnet, denn man kam» nicht annehinen, daß sich die Araber täuschen oder beruhigen lassen wenden. Im zweiten Teil seines Vortrages ging Jabotinsky davon aus, daß mau für Palästina zwei Kräfte braudit; Menschen und Geld. Beide kann man nicht gewinnen, wenn mnn das groß« zionistische Ideal aufgibt. Er entwickelte nochmals seine bekannte Theorie, daß nicht der Geldgeber, sondern der Geldnehmer, der Werber heute versagen muß, da er auf die Einwendungen, die ilim beim Geldsammeln gemacht werden, nicht antworten kann. Gäbe cs eine zionistisdie Bewegung, die trotz der schlechten politischen Lag« nidit nachgibt, und die Fahne hochhält, dann könnte man auch unter ungünstigen objektiven Bedingungen mit ungcschwächten! Enthusiasmus sammeln. Heute aber ist diese Arbeit zu Erfolglosigkeit verurteilt An der Spitze des Zionismus stehen zwar großartige ״Galvanisatoren“, die auch einen toten Frosch galvanisieren könnten, aber wenn inan die besten Leute Geld sammeln schickt, dann bleibt die politische Füllrung um so mehr verwaist. Es gibt nur zwei Wege. Entweder den Zionismus aufgeben oder aber eine aktive Politik betreiben. Aktive Politik bedeutet zweierlei: erstens mit allem Nachdruck von England die Einlösung seines Versprechens fordern, denn der Engländer gdii immer auf der Linie des geringsten Widerstandes und als Gentleman löst er einen Wechsel ein, wenn er ihm präsentiert und als edit nachgcwicscn wird; wird aber der Wechsel gar nicht präsentiert, so kann man nicht erwarten, daß selbst der beste Gentleman seinem Gläubiger nachläuft. Wird die zionistisdie Bewegung den Mut haben, zur englischen Regicrung zu gehen und offen zu sagen, daß der Zustand uncrhäßlich ist, dann werden wir sicher Aufmerksamkeit finden —• unter der Voraussetzung allerdi ngs, daß auch die zweite Bedingung erfüllt ist. Diese Bedingung ist, daß wir einen eigenen Schutz haben. Wir können nicht als ״Schutz■ juden“ reden, sondern nur als aufrechte Juden, die nicht wollen, daß andere ihr Blut für die jüdische Sache vergießen, sondern selbst bereit sind, ihr eigenes Blut 11erzugeben. Entweder also — formuliert Jabotinsky Auf- Stellung einer Wehrmacht, Schaffung eines energischen politischen Apparates und Zionismus, oder aber keine Wehrmacht, keinen politischen Apparat und auch keinen Zionismus. Es ist eine Beschimpfung des jüdischen Volkes, wenn man immer wieder sagt, das jüdische Volk hat versagt. Nicht das jüdische Volk Iwt versag!, sondern das System hat versagt, darum muß das System geändert werden. Soweit Jabobinsky. Wer bisher schon Gelegenheit hatte, ihn in verschiedenen zionistischen Körperschaften zu hören, dem brachten seine Ausführungen kein neues Wort. Sein Standpunkt ist logisch durchdacht und konsequent; daß wir ihn politisch für falsch und zionistisch für eine Verirrung halten, braudit an dieser Stelle kaum neuerlich wiederholt zu werden. Auch das von Jabotinsky geprägte Schimpfwort ״Kleinziouisten“ wird uns nicht von der Meinung abbringen, daß das Problem unserer politisdien Situation in Palästina nicht mit den» Sdiwcrte gelöst werden kann, sondern daß es sich uir! eine Auseinandersetzung mit Realitäten handelt, die wir nidit aus der Welt schallen können und die bei der Verwirklichung unseres Zieles auch von uns gewisse Opfer fordern. Jabotinskys durch und durdi rationalistische und mechanistische Auffassung des Nationalismus kann in unreifen Hirnen, besonders Unserer Jugend, schweren Schaden stiften und sie zu der mühevollen Aufbauarbeit, die Zionismus ist, unfähig machen. Welcher Auffassung aber auch man im einzelnen sein mag, das eine ist sicher und durch die Erfahrung vielfach bestätigt, daß nur eine Sache unsere!Position im Lande und unsere politische Stellung nach außen und innen entscheidend beeinflussen und lieben kann, nämlich unsere eigene Arbeit, unsere positiven Leistungen im Lande. Und da ist es unbegreiflich, daß der sonst so schlagfertige Herr Jabotinsky nicht die richtige Antwort an jenen Werber gefunden hat, der mit seinen Zweifeln zu ihmkam. Noch unbegreifliclicr ist es, daß er es mit seinem zionistischen Gewissen für vereinbar hält, in Öffentlichen Ver- Sammlungen die Berechtigung jener Zweifel zu erörtern, al&o nicht nur den Geldnehmern, sondern auch den anwesenden Geldgebern gewissermaßen die Philosophie ihres Ntdttgcbctiwollens fertig zu liefern. Das ist eine Art der Propaganda, die selbst durdi innerpolitische Ziele nicht entschuldigt werden kann, Trotz allein was Jabotinsky. von den heute von der überwältigenden Mehrheit der Zionisten als richtig erkannten politischen Methoden trennt, dürfte er u. E. doch nichts tun, w.19 geeignet ist, der positiven ökonomischen Aufbauarbeit im Lande Allbruch zu tun. Wir vertrauen auf den gesunden Instinkt der jüdischen Massen, die sieb nicht irre machen lassen werden, sondern je schwärzer man Ihnen die Lage schildert, um so eindringlicher sich selbst die Frage verlegen werden: was können wir tun, um das Werk zu fördern? Und das erste, das mindeste, was man verlangen muß, ist die materielle Mithilfe. Wir wissen nicht, ob das jüdische Volk ״versagt“ hat; aber soviel kann wohl mit Sicherheit behauptet werden, daß cs nodi lange seine Pflicht nicht erfüllt hat. Wir wissen auch nicht, ob das System versagt hat; tyir wissen, daß die objektive Lage ungeheuer schwer ist, von unserm politisch unreifen und unerfahrenen Volk außerordentliches Verstämliiis und Selbstbeherrschung verlangt, daß es Wunder nicht gibt und daß nicht sensationelle Erfolge, sondern mir ein langsames, von vielen Hindernissen und Rückschlägen unterbrochenes Vorwartsschreiten möglich ist, das die An- Spannung aller unserer Kräfte erfordert. Und ferner wissen wir, daß ein System, das bei zutage tretenden Schwierigkeiten nicht mehr die Kraft nufbringt, in vollem Glauben an die Sache volle Leistung vom jüdischen Volle zu verlangen, bestimmt untauglich ist, die jüdische Heimstätte aufzubaucn. W. Resolutionen der österreichischen Zionisten Der österreichische zionistische Parteitag, der am 11. und 12. November in Wien stattfand, war von zirka 140 Delegierten beschickt. Ais Gäste nahmen daran teil als Vertreter der Exekutive Dr. Runpin, der auch ein großangelcgtcs Referat über den Aufbau Palästinas hielt, Dr. Martin Rosertbfüth für die Zionistische Vereinigung für Deutschland, Dr. Ruf• eisen als Vertreter der Zionisten in der Tschechoslowakei, der Präsident der bulgarischen Zionisten AI Fa re hi, Prof. Boris Schatz vom Bezalel und als Vertreter des Keren Hajessod-Ilüros für Zcntralcuropa Dr. Erich Moses. Dem nbtretcmleii Lamlcskomitcc wurde Dank und Anerkennung ausgesprochen und das Absolulorium erteilt. Zum Präsidenten des Landeskoinilces für das kommende Jahr-wurde Oberbaurat Stricker und zum Präsidenten der Keren liajessod-Kommission Oberrabbiner Dr. C 11 a j c s gewählt. Die von den verschiedenen Kommissionen des Delegiertentages ausgcarheitctcii Re s o 1111 io 11 c 11 wurden einstimmig augenommen. Wir geben die wichtigsten dicscrRcsoIutioncn wieder: 1. Die;!!!gemeine politische Entwicklung in allen von Juden bewohnten Staaten läßt deutlich erkennen, daß die zionistischc Lösung des jüdischen Problems den einzig möglichen Weg zur Erhaltung des Judentums zeigt. Die Einigung des Judentums im Zeichen des Palästina- Gedankens, der nationalen Selbstbestimmung in der kulturellen Autonomie, bleibt darum weiter unverrückbares Ziel in der zionistischen Arbeit. Indem der Pclcgicrlcntag dies nir.sprlcht, verweist er jinchd dicklich st darauf, daß die historische Verbin• düng des Judentums mit Ercz-Israe! durch Beschluß der Mächte die Anerkennung als Bestandteil des internationalen Rechtes erhalten hat, und er spricht die Erwartung aus, daß die Zionistischc Exekutive alles daran setzen wird, das gesamte Judentum durch die Arbeit für Ercz-isracf zu vereinigen, daß cs alles Erforcicrlidie veranlassen werde, um die Sicherung und Vergrößerung des jüdischen Besitzes in Erez-lsracI durch die Bereitstellung von Menschen und Mitteln zu erreichen und darauf liin/iiarbcitcn, daß die Balfour-Deklaration in ihrem vollen Inhalt und Umfang in das polnische Bewußtsein der Völker übergehe. Zu diesem Zweck hält es der Dclcgicrtentag für unumgänglich notwendig, daß die Exekutive In allen politischen Zentren der Welt politische Vertretungen errichte, deren Aufgabe es ist, die Völker und ihre Leitungen mit den nationalen Forderungen des Judentums vertraut zu machen. 2. Der Dclcgicrtentag erblickt in der 1n Wien erfolgten Bildung einer jüdischen W a I1 lg c m e i n s eh a f t einen aussidßsr; i'ehcn Versuch zur Sammlung aller jüdischen Kräfte und erwartet von allen Zionisten, daß sie die Aufrichtung einer vom Geist (!er jüdischen Erneuerung erfüllten Gemeinschaft in inniger Fühlung mit allen iiüiischen Gruppen fördern werden, die die Erhaltung des lebendigen Judentums wünschen. Der Dclcgicrtentag erneuert das Bekenntnis zu dem demokratisdieu und nationalen Inhalt der zionistischen Idee und ist überzeugt, daß alle Zionisten unter Einhaltung dieses Rahmens den Zusammenschluß des Judentums anstreben werden. 3. Der Parteitag begrüßt cs mit großer Genugtuung, daß *von seiten der deutschen B r ud c r 0 r g a n i s a t io n die Anregung gekommen ist, mit ihr »inet der Bruderorganisation in der Tschechoslowakei über gemeinsame Fragen zionistischen Charakters gemeinsam zu beraten. Er erblickt in der Durchfülirini״ dieser Anregung eine sehr wichti,;c Aufgabe der zu wählenden Leitung. 1. Der Parteitag nimmt mit Schmerz und Trauer von dem Unglück Kenntnis, das das deutsche Judentum betroffen hat und er ruft alle Zionisten zur werktätigen politischen und materiellen Hilfe auf. 5. Der Parteitag fordert das kommende Landeskomitec auf, mit der zionistischen Fraktion Misrachi Oesterreichs die bereits angeb,ahnten Verhandlungen 10rtzusctz.cn, um deren Anschluß an die zionistische Landcsorgnmsalton in Oesterreich zu ermöglichen. 6. Der Parteitag beauftragt cfas L.lndeskomftcc, die Keren 11־ a j css od - A rbc i t mit voller Energie zu betreiben. Zu diesem Zwecke wird das Lnmleskoniiiec ermächtigt, eine Kon!- mission «iiizusclzcn, welche im steten Einvernehmen mit dein Keren Hajessod-Rcfcrcntcii tätig ist. Direktor Wassermann in Wien Aninniich der Anwesenheit des Vorsitzenden des Keren I Injessod-Komitccs für Deutschland, des Herrn Oskar Wassermann, Direktor der Deutschen Bank in Wien, fanden am 15. November auf Veranlassung der österreichischen Keren Hajessod-Kommission zwei Konferenzen mit führenden jüdischen Persönlichkeiten der Wissenschaft, Finanz, Industric und Presse über die Fragen des Aufbaues Palästinas statt. In beiden Konferenzen, die der Vorsitzende der Keren Hajessod-Kommission, Herr Oberrabbiner Dr. Z, P. Chajes, leitete, entwickelte sich nach der» Referenten der Herren W.nse r 111 a!1 n und Dr. Nnliiim G 01 d 111 a n » eine lebhafte Aussprache, in der von allen Seiten der feste Wille zur Betciligung am Keren Hajessod und dem Aufbauwerke zum Ausdruck gebracht wurde. Diese Veranstaltungen bildeten die Einleitung einer groß-, zügigen Keren Hajessod-Aktion in Wien, für die in allen' Kreisen der Wiener Judenheit bereits Vorbereitungen getroffen sind und die bedeutsame Resultate erwarten läßt, Zur Präsenzliste des A.*C. Zu der in Nr. 03 der ״Jüd. Rundschau“ veröffentlichten Präsenzliste sind »och die nach Eröffnung der Sitzung eingetroftciicu Mitglieder des Actions-Comi 11s l)r. Jacobson, Dr. Arlosoroff, Ruhaschov, Dr, Heitmann und Abr. Lewinson Itümtzufügcn. Koalcrcaz des Palesfiise Development CoubcU New Yorfc. (J. C. B.) Hier fand eine Konferenz des Palestinc Development Council statt, in der Robert Szo|<j den Vorsitz führte. Es waren über 500 Personen anwesend. Eg wurde beschlossen, sofort eine Summe von 700 000 Dollar! zu erheben, die als Einlage in die palästinensische Kooperativ. Gesellschaft eiugczahlt und für die zur Erschließung Palästina» notwendigen Kredite verwandt werden soll. Julian W. Maclc der vor kurzem aus Palästina zurückgekehrt ist, gab einen Bericht über seine Eindrücke. Er sprach sehr zuver. sichtlich von der Zukunlt Palästinas und gab eine genaue Beschreibung der Städte und Ortschaften, durch die er gereist war. Er betonte die Notwendigkeit, daß die amerikanischen Juden die wahre Lage Palästinas, das vorzügliche Klima und die Entwickl ungsmöglichkciten de* Landes kennen lernen. Der Vorsitzende der Baudnrlchns- und Sparkasscn-Gesell. schnft des Komitees gab einen Tätigkeitsbericht Der pa. lästincnsischc Vertreter des Palestinc Development Council, N. Moll, gab einen Bericht über den Fortschritt in der Wirtschaftlichcn Erschließung Palästinas. Ein amerikanischer Keren Hajessod Council Das amerikanische Keren Hajessod-Direktorium hat auf einem am 9. Oktober in New York abgchal lenen Meeting den Beschluß gefaßt, einen ״National Keren Hayesod Coli n c i 1“ zu bilden, und zwar entsprechend dem in ver* scbiedcnen Teilen des Landes laut gewordenen Verlangen der Keren 1 lajcssod-Zekhner, die sich an der Administration des K.H. beteiligen wollen. Nach längeren Bemühungen und Erledigung gewisser Formalitäten will man also jetzt an die Bildung eines derartigen Council schreiten. Dieser soll zusammengesetzt sein aus lfX) bis 120 Mitglieder, deren jedes von je 300 Zeichn«rn gewählt wenden. Die ncugebildete Körperschaft wählt nun 50״/® des Direktoriums, während die arideren 50«׳« wie bisher von den beteiligten Organisationen gewählt werden. Man ist der Ansicht, daß diese neue Einrichtung die den Zeichnern selbst die Kontrolle über die Verwaltung des Keren Hajessod verschafft, und dadurch auch ein größeres Vcrantwortlichkeits- und Selbstgefühl, die Keren Hajessod- Arbeit um ein bedeutendes fördern wird, indem sic mehr und mehr Interessenten gewinnt. m Die zehnte Jahres-Convention der Misrachi-Organisation in Amerika!.:׳!.•t vom in. bis 20. Noveinber in Pittsburg statt. Wie verlautet, soll als Vertreter der Misrachi-Exckutivc Hermann Struck ander Convention teil, nehmen. Pro!. Mea«l in Palästina Am 30. Oktober ist der bekannte Landvirtschaftsfachmann aus Kalifornien, Prof. Me ad, in Palästina eingetroffen. Prof. Mcad ist bekanntlich im Vorjahr in Amerika von Weizmann namens der Zionistischen Organisation cingeiaden wo ז• den, die jüdischen Siedlungen in Palästina zu besuchen und ein Gutachten darüber abzugehen; er kommt jetzt aus Australien, wo er im Aufträge der Regierung weilte, um die landwirtsdiaftliehen Siedlungen der australischen Regierung zu begutachten. Prof. Mcad, der von Van Vriesland und Agronom Ettingcr abgcholt wurde, begab sich gleich am nächsten Tag mit Ettinger nach Tel Awiw, um dort die landwirtschaftliche Versuchsstation der Zionistischen Organisation zu inspizieren. Von dort aus wird er die landwirtschaftliche Schule in Mikweh Israel und die Kolonien Rischon Ic-Zion und Petach-Tikwah besuchen. Hedwig Mayer - Lüblte Hedwig Mnyer-LObkc ist nicht mehr. Seit Monaten bangten und zitterten die ihr nahestehenden Freunde und Gcsinmtngsgenossen um ifir Leben. Am 3. Kislcw hauchte sie ihre Seele aus. Noch können wir cs nicht fassen, daß wir ihre sichere Beratung und unermüdliche Arbeit entbehren müssen. Die Arbeit, die bei aller flammenden Begeisterung immer gleich jiraktisclic Formen nnn.ihm. So wurde sie, als sie in unsere Reihen trat, Rcligionslchrcrin, u:11, wie sie sagte, eine Genemtion von gesetzeskundigen!!ml gesetzes* treuen N.itkmaljudcn zu erziehen. Vollwertige Zionisten wollte sic heranbildcn, bei denen der nationale Gedanke zur nationalen Tat werde. So hatte sie das Glück, in ihrer (riilic.sten Jugend schon praktische, zionistische Arbeit zu leisten. In ihrem Manne Ludwig Mayer fand sic einen Kanteraden und Gesinnungsgenossen, der sie freudig in ihrer zionistischen Tätigkeit unterstützte. Was Tausenden von uns eme unerfüllte Sehnsucht, ein Traum nur ist, wurde ihr Erfüllung. Itn Jahre 1010 zop sie mit ihrem Manne nach Palastina, wo sie eine segensreiche, soziale Arbeit entfaltete und zugleich eine würdige Vertreterin des ״Verbandes jüdischer Frauen für Kulturarbeit in Palästina“ wurde. Die unseligen Kriegswirren brachten sie irn Jahre 1014 nach Europa zurück. Trotz aller Schwierigkeiten und Widerwärtigkeiten der letzten Jahre, unter denen sie besonders litt, arbeitete sie unernüidlieh für unsere Bewegung und nahm regen Anteil an allen zionistischen Fragen. Ihr ungemein scharfer Verstand und ihre schnelle Auffassung der Dinge konnte das langsame Tempo des ״A u f bn 11 e n s“ nicht ertragen, daher suchte sie immer neue Wege zur schnelleren Verwirklichung unseres Ideals.Ohne die geringsten Konzession cd zu machen, knüpfte sic Be- Ziehungen zu Vereinen und Verbänden an und überall wußte sie, dank ihrer liebenswürdigen Energie und rednerischen Begabung, eine Fülle jugendlicher Begeisterung für unsere Ideen zu wecken. In jüdischer Arbeit gab cs für sic keine Parteien, keine Abgrenzungen, Ä\it der ihr eigenen Iliffs- Bereitschaft und Gute arbeitete sic in der Armeukomntission der jüdischen Gemeinde, avie sie im Kulturvcrband, in der Jüdisch-nationalen Fraiicnvcrcinigung und anderen jüdischen lnstitutioncu sieh betätigte. Ucbcrall trat sie für unseren sieghatten Willen zum Judcnlumc ein, sowohl in sozialer, nationaler als auch kultureller Arbeit. Selbst als eine heimtückische Krankheit sie aufs Krankenlager warf und unsagbare Schmerzen sie quälten, arbeitete ihr reger Geist utui'ßcrbrochen. lieber alle!•'ragen innerhalb unserer Bewegung mußte sie bis zum letzten Augenblick orientiert werden, Ihre letzte zionistische Freude war die Gründung des ״Bundes zionistischer Frauen Deutschland s“. Von diesem Bunde, von der zionistischen Frauenarbeit überhaupt, hielt sie ungemein viel. Von der Höhe ihrer Schaffenskraft wurde Hedwig Mayer-Liibke uns entrissen, wir können sie nicht mehr befragen, ihren Rat nicht mehr einholcn, wenn es steh um wichtige Dinge handelt. Nur eine Hand voll אר״־ישראל Erde könnten wir ihr mitgeben. Jene teuere, heilige Erde, für die ihr Herz in unendlicher Liebe und Sehnsucht bis nun letzten Atemzuge schlug. Ihre Zionstiebe wird uns voranleuchten und uns Kraft geben, in ihrem Sinne weiter zu arbeiten, fest und zielbcwußt, unermüdlich, bis uns die Sonne der Freiheit leuchtet. In der Geschichte unserer Bewegung wird Hedwig Mayer- Lübke unvergeßlich *ein. LinaWagner-Iauber,

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