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Jüdische Rundschau · 1923-11-09 · Heft 96 (9.11.1923) · page 2

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXVIII (1923)
Issue
Heft 96 (9.11.1923)
Date
1923-11-09
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Seite 55 י JUEDISCHE RUNDSCHAU Viillifsclse Dfi'frlallkoninwnflss Der Geschäftsführer des Verbände«; OrofV Berliner 01!5srupnen der Zaili almdiiä deulijier Staatsbürger jüdisch«! Glauben־, der sich auf die Alammnchrl eilten bis an den Orl der AmsclmiHtn;;1׳n begeben hatte, um lieh über deren Um• fang zu iiiitcmcliku, wurde In der Gegend der Kaiscr-Wilhchit• iuhI Hirlcintr.-illr v!»11 cim111־ f:1i» gekleideten völkischen Agitator, der mit einem Dehei fallknmmaiulo *!beitete, ,unter der 1kscliuldiguii״ fi'sigfhnltcn: ״Der Jude hat mit dem Messer pr*t״fhf11l" T.ilsnrlie Ist, daß <i<׳r Nen-hnldigte weder ein '1 aH'henmrssrr iinrli sonst irgendeine Waffe bei »ich trug, so daß ilic.-.c IVovokalion als ein verabredetes Angriff'- Kirlu'n vi'tclu'iut. Sofort wurde der Herr von der Menge iihcrfiillrn. Man schlug mit Stöcken und Fäusten auf ihn ein, während au־ der Umgebung Rufe erschollen: ״Zieht dm ans umlegen!“ Nur dadurch entging der Ucbcrf.illcne dem Tode, dal! ihn ein Scliul/poli/i'ikoimnando von *Irr Menge befreite und ihn auf einem l.a־lanto in Sicherheit brathlc. Fei diesen I lehlenlatcn zeichneten sich besonders Frauen und ganz junge I oute übelsloii Airssehens aus. Sie lockten, wie man heiihacUteu konnte, erst die Arbeitslosen an und rei/ten sic dann zu Tätlichkeiten und Plünderungen *auf. liiiifgrrilrn der Regierung Nachdem bereits Atonl.i!; aheml im Preunischen Ministerium des Innern und im HcidisjU'-ti/ministeiitim Besprechungen über die l.age slaltgeliindt n hatten, wurden die Beratungen über den Tori״,iin: der I )i11״e for■!gesetzt. An diesen Besprechungen nahmen der Poti/etpiasideiit, der Kommandeur der Schutzpolizei und (k r Chef der Politischen Polizei, Ohcrregicrungsrat I >r. Veil! teil. Wie wir erbihren, ist Montag bereits Anweisung gegeben, der plötzlich ent«Inmlencii Bewegung mit allen vertiii'haivn At 1*Ich! ciitgcecii/iitretcn. Infolgedessen hat mich die Puh/ci alle Maßnahmen erg rii feil, um der Pliiudcningen 11 ml der l'< 111111(10׳;; von Baioi-m I leir zu werden. Augenblicklich ist im .Scliciineiiviertel nicht nur (1ie ziut.uidigc Schutzpolizei aut) den itiigrci'zemlen Revieren eiiigoetzt worden, sondern es sind ri.irnbir hinaus I IiiihIi ilschafleii bcreilgestelll, um eine gnmdliehe Sä!1ben!ng־.tki«m vor/.michnicn, wem! die bedauerlichen Voilallc des gesliigen Tages sieb wiederholen sollten. Oer Knn::11»ndeiir der Schutzpolizei hat in einem besonderen Erlaß ״eine i*c.׳,mtcn nacltdrittklich■ angewiesen, den Schutz: alh-r Buigsr ohne Onleisehied der Konfession in der ihnen ob• |it gemlcn Weise energisch durclizufiiliren. Sollte die Bewegung auch aut nmlere Sl,oltteile ühergreifen — cs sind hereits ent■ sprechende Scluii/uinfhiulimen getroffen —, werden, wie mitgcleill wird, seitens des Ministers des Innern lind des Reich.«• piin identen Ik sondere Maßnahmen getroffen werden, um die Ruhe und Ordnung irnlor allen Umständen aiifrcchtzucrhaltcn, Im Laufe des Montag Abends und der folgenden Nacht sind von der Polizei noch gegen 150 Personen fcstgcnommcn und in das Polizeipräsidium cingeliefcrt worden. Ein großer Teil der Tcstgeiummiciieit rekrutiert *ich übrigens nicht aus den Kreisen der Erwuhslosen, deren Vorgehen allenfalls verstandlieh wäre, sondern es handelt sich zum grollen Teil um halb• wüchsige Burschen, die sich in testen Stellungen befinden und die lediglich die gute Gelegenheit zum Plündern aiuzu• nutzen bestrebt waren. Der Befiehl des Polizeipräsidiums Ueher die Vorfälle am Montag gab das Polizeipräsidium den folgenden amtlichen Bericht aus: Die gestrigen Plünderungen, die an den verschiedensten Stellen der Stadl, insbesondere aber in dem sogenannten Sclieunenvicrtcl (Münz-, Dragoner-, Grcnadierstraße usw.) stnttfamkm, haben zur polizeilichen Festnahme von 120 Personcu geführt, 81 davon sind von der Abteilung JA des Polizcipräudiuuis in Haft behalten worden. Bet veisrlutdriirn Eiiigelicfcrtcn wurden, gerauhte Gegenstände, wie Stiefel und Lebensmittel, gefunden. Bei ihrem Vorgehen gegen die Plimderer hat die Schutzpolizei nur einmal von der Schußwaffe Gchraucli machen müssen, und zwar bei der Plünderung eines Fahrradgcschäftes in der Brunnenstrafle. Hierbei wurde ein Mann durch Brustschiin schwer verletzt. Einige andere, an sonstigen Plünderungen beteiligte Personen, wurden durch Hiebe mit der blanken Waffe verletzt. Der Polizeipräsident bat die Dolizeiorgnne angewiesen, bei etwaigen weiteren Plünderungen und sonstigen Storungen der öffentlichen Sicherheit mit aller Schärfe und unter An- Wendung aller verfügbaren Mittel gegen die Ruhestörer vorztigc'hcii. Dlcnslag Ucber die Lage am Dienstag berichtet der ״Vorwärts‘': Im Laufe des gestrigen Tages sind die Plünderungen!1» Berlin fortgesetzt worden. Trotz des umfangreichen und aufreibenden Dienstes der Sehut/jxdi/ci konnte nicht in allen Fällen mit der wünschenswerten Schnelligkeit clngcgriflcn werden, da die l'ulrmiillcnaiitos der Schupo unausgesetzt unterwegs sind, um auf die Hilferufe von Geschäftsleuten wenigstens greif!ere Ausschreitungen zu verhüten. Immerhin hat das energische Dtircligreifen des Kommandeurs der Schutz- Polizei, Oberst Kn dpi sch, doch erreicht, dal! die fast uniflaiibliehen Szenen, die sich gestern im Zentrum Berlins atigespiclt haben, sich nicht wiederholen konnten. Man bat auch zu einem neuem Mittel gegriffen, von dem das Kommando der SiJnijio «-ic.li;■ule ITfnlgc verspricht. Nach drin Muster der amerikannrhen und englischen Polizei sind die Berliner Br;unten am Dienstag nachmittag au den hcmmlers gefährdeten Plätzen mit Gummiknüppeln versehen worden, ohne dal! natürlich die sonstige Bcwaflniing vermindert worden ist. — Allent* halben traten de 11 f s c 11 v ö lk i s ch c Hetzer auf, die zu Pogromen gegen die jüdische ßevftlkerung und solche, die ihnen nicht ,/ as * c n re i!1“ genug erschienen, au {forderten, Man muß sich Irage!1, was diese Gesellschaft veranlaßt, gerade in diesem Atifciil'ljrk, wo ihre GesiniumgigctKisscu in Bayern zum Sturm auf da.; Heidi rüsten, hier bi Berlin ihre fragwürdige Tätigkeit zu entfalten. Dali gegen diese unsauberen Elemente eilige• schlitten wird, ist mir zu begrüßen, Im Sclicuncnv icrlel kam cs in den N;n,T1mitlagsstumleu wieder zu großen und teilweise sehr bedrohlichen Ansammlungen. Es hatten sich Dienstag Nachmittag in der Umgehung des' Sdrcimenvicrtels wieder viele Tausende atlgefumleii, die auf eit« Gelegenheit zum Plündern warteten. Man verfolgt dabei, wie sieh immer deutlicher feststcllcn läßt, die Taktik, die Polizei zu ermüden. Ml bis (>!) junge Burschen sammeln sich an einer Straßen- Bckc an und bcschäfttgen die Sicherheitsbeamten. Im Rücken dir ־»■*י, Trupps wird' daun von!2 bis 15 Personen geplündert, was 51;h Irgendwie erreichen läßt. Wollen dann tlie Beamten elur.rrif* «. יי■׳ versperrt der deckende Hauten den Weg und <1> 11; amten nmfltrii gestern Im Scheunenvlerlel wiederholt mit blanker Watte vorgehen, um in die bedrohten und zum Teil schon ausgerauhten Geschäfte Vordringen m können. Durch die Tatsache, daß gestern in der Dragoner•, Grenadier•, Rucke!•1)1111 ־ den jiuleren Straßen dev Srlieime«viertel» sich starke Abteilungen der Scltupn unablässig zeigten, wurden zwar Air ״>* lu<■ ituui.cn gegen Anwohner 11ml Passanten ztmt größten Teil verbinde!־(, (loch konnten kleinere PKiiklerungrn selbstver- Mündlich nicht vermieden werden. Nachmittags gegen 1' j Uhr wurde (he Situation wieder einmal kritisch. Kurz entschlossen Heß der dleir.ihnbende Offizier die Orcnailicrsfraße ahricgeln, ׳zog Versliirknngen auf Kraftwagen herbei mir! nahm eine regelrechte Razzia vor. 300 Personen, unter tlrncn sich gew e r b s n! ä II i g c Verbrecher befanden, wurden auf Lastkraflwngeti nach dem l’oludprtiKidium gebracht und dort festg<■stell(, Line nicht geringe Anzahl der Fcs1p»110n1mencn entptipple «•ich als alte Bekannte des Erkennungsdienstes und wurde hinter Schloß und Riegel gcbr.icht. Trutz aller Bemüliungoii zerstreute sich die Menge jedoch in den späteren Nadmiitt.ag'.siimilc» 11<>ch nicht und 50 war cs nötig, nach wie vor starke Polizeikräfte in den meist bedrohten Straßen zusauimenziizirhen. Die jüdischen Anwohner des Sclit’iincnvlcrlels zeiglcip sieh gestern überhaupt nicht aut der Stralic, sondern blichen in den Wohnungen. Eine Anzahl Geschäft»•!entc brachte große Schilder über die Eing ä ח g c an, a u f cl e n e n 7.11 lese n w a r» daß d i c Inhaber ״christliche Geschäftsleute'1 «eien. Der Kommandeur der Schupo, Oberst KatipiscB, hielt sich längere Zeit in den gefährdeten Bezirke» *uf, um weitere Maßnahmen treffen zu können, falls die Lage dort jsich verschärfen «,rillte. Beulsdivöikischc Wühlerei linier den Erwerbslosen Der ״Vorwärts“ teilt mit: Bei den Arbeitsnachweisen und an den F.rwcrbslosen• fürsorgesteilen wird jetzt nicht nur von den Kommunisten eine ^skrupellose Agitation unter den bedauernswerten Opfern des Zus;u)1!m1thnH11־s der Wirtschaft getrieben. Auch Deutschvölkische iK’teiligcii sich an dieser Wühlarbeit und erzählen ihren durch Not und Elend widerstandslos gcw<u denen Zuluireni das Blaue vom Himmel herunter, lieber (las Treiben dieser Agilatdien, die der Revolution mul der SoziaUIcmokratie die l'olgen des durch die. Moiiarrltie mit ihrem Milttarismus lierbeigcfiihrten Krieges anfbürden möchten, wird ima hesoaders aus dem Arbeitsnachweis in der Gitschiner Straße und aus der Erwerbslosenfürsorgcstellc in der Friesenstradc berichtet. * Die ,,Deutsch« Zeitung“ findet anläßlich der Pogrome in Berlin folgende Worte: ״Der .0.׳/iaklf mokratiscli« Parteiaufruf beschwört zum t.iusendiiiidciiitcn Male die auswärtige Politik. Der ״Vorwärts“ wird deutlicher: Die Judcnhctz c in den Straßen Berlins, in Wahrheit die Rache, die das betrogene Volk an seinen Ausmugcrn nahm, wirkt nach ihm verheerend auf die auswärtige Politik, indem es die ״Sympathien“ zerstört, ״die sich eben jetzt in England und Amerika für uns zu regen beginnen“. Immer, wenn sic mit Ihrem i1merpoliti«chcn Latein 711 Ende .sind. Büchten sie in das Gebiet d׳׳r aullenpohtisrlicji iiltKioii. Auf diese ״Sympathien" hat (Ins deutsche Volk wie ein Narr fünf Jahre hindurch vergeblich gewartet. Jetzt ist die Stunde gekommen, wo <־:. sich die Narrenkappe vom Kopfe nimmt und denen um die Ohren haut, die es so lange betrogen haben. Dieses Erwachen des Volkes ist die wichtigf-te Tatsache und die stärkste Kraft in dieser Stunde. Sic wird auch über alle Künste parlamentarischer Taktik schließlieh doch .siegen und den Weg zur Ehrlichkeit ttnd Einfachheit Bilden.“ Verhol aiiilsemlllsclier Versammlungen Im Hiublirk auf die gestrige Störung der öffentlichen Grdming in Berlin, die vorwiegend antisemitischen Charakter trug, hat der Polizeipräsident von Berlin die für Dienstag abend aiibcraomtcn drei Versammlungen ries ״Deutschen UeroW“, einer deiitsdivölkischcn Organisation, verboten. rin 0rit!alichkcils«1ntrng der Dcufsclinafloiialen Die Fraktion der Dciilselnialkmalen hat einen Dringlich•! keif *ui 11 trag drr Stadtverordnetenversammlung unterbreitet, den Magistrat zu ersuchen, Schritte zu Unternehmen, damit endlich die Zustände im Sclieunenvicrtcl gebessert und dieser Stadtteil von unsauberen Elementen schleunigst gesäubert: wird, damit eich die dortigen Tumulte nicht wiederholen und ihre Quellen verstopft werden. Gleichzeitig verlangt die Fraktion Aufklärung darüber, oh es richtig sei, daß den Erwerbslosen und anderen in den IHzteu Tagen in betrügerischer Absicht durch jüdische Aufkäufer wertbeständige Stadlkassenscbciiie abgeschwatzt und ihnen dafür minderwertige Scheine mit Abschlag behändigt worden Seien, lila Aultut der GcwcrkscUnHcn Die Allgemeine Gewerkschnflakoinniisslon, der Allgemeine freie Angrslflllcnbiind, der allgemeine deutsche B-eamtenbund «!!■; **׳•n im Zusammenhang mit dem Judenpogrom im Zentrum Berlins einen Aufruf, in welchem e« U, a. heißt: ״fViilsehvölklfirhc •Agitatoren haben mißleitete Massen zu Pogromen aufgcpeitsrlit, Der große Sturm auf dis Berliner JuiicDvicrtol ist sorgiiillig und mit kühler Berechnung von deutschvüikBclien Demagogen vorbereitet worden, 1ון1ז die zerfahren« politische Lage in Deiitseiilaiwl kntastroph.1l zu steigern und die Massen den dunklen Zwecken des Fascisiiius nutzbar zu madien. Die deulsclivftlkischcn Führer wollen nicht allein gegen die Juden;iiifwiegeln, sie wollen zugleich durch diese Ausschreitungen ״•׳?ז Beweis führen, daß mir eine Rechtsclü Htiir den Bürg« eclcn in DciiUclihnid noch siclicrn kann.“ ,,Arbeiter! Gcmüsc'ii( Durch Ausplünderung von Juden kommt Ihr der knpiüslistischen ÄuslKiitung nicht bei. Wenn Kolm heute nicht mehr wuchern kann, vviiciicrn morgen Thyssen umi Stinne* in» so mehr. Der jüdisclie wie der christliche Au»h .־iiter, der schwarze wie der w׳eißc Jude werden erst fallen, wenn der Kapifafismm fällt. Nur e|1! wurzcHiefcr Eingriff in die kapitalistische Ausbcuttmg*wl1t*chal| kann das deutsche Volk retten." Ein Todesopfer D*’r SüilÄchtiTmeWer Sllberbcrg, der ebenso wie »ein Schwiegersohn am Montag schwer mißhandelt und vericlzl wurde, als er einen in seinen La<ten flüchterden Verfolgten fidiützte, ist seinen Verletzungen crUtfen, ' ׳ Wie cl l0־<r!rora entstand Wir verkennni uiclil, dnü die Unruhen, dis am Morn». In Berlin statlgcfumteu haben, nicht allein aui a:1ti*e1n *f »eheni Instinkt hervorgebrochcn lind. Der Antiscmitiiiimt .j mir c.i.e der Komp mcnleii <|irs! r Ereii’iiisie, aber er w,1,!!e zu der mtscliridcn.ieii. Ts ist eine ulte Trfulming 11n■-״r^r ric-Hliichte, daß Um1!hen, <11(• aus t|er allgemeinen 1;!^^ friedenhvit und Not (inen Volkes entM.iiidc» »md, nur cei..^ Zinalzes von Antr.1 mitismiu bedin len, um ihren (,Imrsfct״ völlig zu verändern und sich g.uu und gar gegen die j1!ic״ zu wenden. *So war *s aiicli dieses mal. Die u11;;lu*k«cl1Ct Politik, die Deutschland seit drin Trinlensscliluß vcilolip 11,g vor allem die uiiMiinige V/jrIscbaftsjiolitik, die die Rdctu-tJ immer n1.ichli1;er 11ml die Armen immer elender werdt 11 ||,.1 ןן die die Alitk'l der Allgemeinheit an eine kleine Schicht ReklirJ I vcr«( 111(11«icr(e iuhI 1l:c Armen *ystematisrh cxpropriii 1 ip, | haben «llmählitb einrii Ztistjiul herbei,״«.fu11rt, der das \׳,,\\. I an den Rand rlrr Verzweiflung gebrach( hat. Am vergangen, 1 ״ Montag hat die voll!)! kiim i■ (,imllidie, voll einer merkn 11r,l1£ ( (1 1 Wirklichkeitsfrenuihfit zeug(tidc Maßregel der ] Erhöhung des Brolprclses aui 140 Milliarden dem Faß den Flexion (iiuf.'rsfhlogrn. Es ist tief bedauerlich, j ilorh begreiflich, dal! sich die Verzweiflung der Hungcrnkca i zunächst in Meinen f’iiimlrriingcn von Leriensniilteln Luit \ maelile. Wir wiv.rn nicht, ob cs richtig ist, dal), wie <kr ’ l’olizeibrricht Lc!1a(1|1lct, dann der Vtisucli einiger Juden, vnt Erwerbslosen Golii.inleihe zu kaufen, den Anstoß zum Pogrom gegeben bat. Die geschilderte Tatsache allein wäre kein Citunj; dafür, denn nach der polizeilichem Darstellung selbst bähen die Julien für die Goldaiilcilic mehr I'.rpicrinark zu zahlen sieh erboten, als die Envcrbsloscn, tlie doch das Papier flicht zu Sparzwcrken /uniikb gen, *omlcrn stjfort .■iiisgcben '< müssen, cntspredicnd den ,initlklien Kursen überall dalur ■ erhalten. Auch ist es nicht Schuld dieser Juden, wenn andere und zum Teil sehr christliche Kreise bereit sind, Devisen zu höherem Kur e zu kaufen, als der künstlich fe-lgesft/g Ilcrlinrr Kurs »!!zeigt. Wenn das Reich aus Mitteln der Allgemcinheit nun schon durch Jahre Gold und Devisen an die Kapitalisten verschenkt, und diese trotzdem für ihren Iktlaij poch aus dem privatverkehr möglichst viel Valuten zu rcliliv Billigen Kursen zu kaufen suchen, so ist das nicht die Sclintd der paar Armseligen Juden, die aus der VeimiuU-rgdnihf ihr!),isem fristen. Ohne etwaige Ucbertretungen solcher Juden beschönigen zu wollen, muß daher doch mit allen Nachdruck dagegen protestiert werden, daü man durch derartige Berichte, die auch von liberalen Zeitmige, übernommen wurden, den Blick des Volkes für die wahr; Sachlage noch mehr verdunkelt. Leider liegt cs gerade in! Interesse jener Kreise, die durch Ihre großzügig( 11, in die Ookjmillioncn gehenden Geschälte das Volk betrügen, du• Schuld an der Notlage des Wilkes jenen letzten Ausläufern eines verkehrten Wirtsüiaftspro/csses zuzutcliiebcn. Dieser planmäßigen, aus mysteriösen Geldquellen reichlich gespeisten antlwmllischcn Agitation ist cs gelungen, die Volkswut auf jene Juden abztisehicbcn, die auch dein kleinen Mann auf der Straße sichtbar sind. Ei ist also kein Wunder, wenn die Hititgerkrawaile sehr bald In antisemitische Au.ssclireiltmgt’n umschlugcn. Es kann aber nach der übereinstimmende 11 Meldung aller vorurteilslosen Augenzeugen auch keinem Zweifel unterliegen, daß die Menge der Lx/edcnten sehr bald von Llememen duich* setzt war, die planmäßig darauf a1r>gingcn, das Volk rum Judenpogrom zu reizen. Die Mehrzahl der Menschen, die am Montag und Dienstag sicli in den vorwiegend von Juden bewohnten Straßen des Zentrums hcriimtfiebcn, waren keine erwerbslosen Arbeitet, sondern teils dunkelstes l.iimpeiipmle■ tariat, teils antisemitische Rowdics, die unter der Maske einet ErwerbsloRcndcmonsiraiian ihr Mütchen an den Juden kühlen wollten. Das Gezeter der völkischen Presse über ״jüdische Verleumdungen gegen die Völkischen'‘ wird nichts an der Tatsache ändern, daß die Leute, die mit dem Rufe ״Sclil.ifli die Juden toi“ mit Gummiknüppeln und Messern bewaffnet, durch dH Grenadicrüraße und die angrenzenden Straßen zogen, die jüdischen Wohnungen plünderten, {ritdliche jüdische Passanten bestialisch mißhandelten und beraubten, aus der Schule li'tlcn und Kunzes bcrvorgcg.ingen sind. E* ist richtig, daß auch christliche Geschäfte goplumictt wurden, wie denn überhaupt der Sturm auf die Lebensmittelgeschäfte In allen Teilen der Stadt anderer Natur war a!*; die antijiidlschcn Exzesse itu Zentrum. Allein die Tatsache, daß *ine Anzahl von Gesell ■ftc« cs für nötig gefunden haben, Tafeln mit der Aufschrift ״Christ• liebes Geschäft*' aus/11h1i!!gen, beweist auch denen, die och dumm stellen wollten, welchen Charakter die Vorgänge im Zentrum tragen. Die aiiOcriioJUlscIicn Folgen Am ersten Tag ’waren die Juden der wilden Meng* zunächst schutzlos pn.isge,gehen. Später schritt di* Polizei energischer ein und am Dienstag vermochte sic im grollen und ganzen die Ruhe atifrrchtziKrhalteii. Es »* schwer, eine Prognose zu stellen, aber cs Ist doch annmelv.nen, daß, die Regierung sich dessen bewußt Ist, wie sehr «solche Vorkommnisse geeignet sind, den Rest von Sympathie zu vernichten, den Deut!׳eld.ind in der Welt besitzt. Man muß schon ganz blind '•*־in, 11111 nicht zu *eben, «׳eiche Waffe ein Judenpogrom in 1 »rtitschl.'ind ln der Hand aller derjenigen ist, welche ohnedies alles ,daran selzen, da* Ansehen de* «leutfclicn Volkes in der ftlfenllichrn Meinung aller Völker *icr Welt zu untergraben. Wels« de« deutsche Volk, was diejenigen an Ihm verbrechen, die, um der Befriedigung Ihrer Raubtier- Inslinkte willen, den deutschen Namen ln der Welt mit Schmach bedecken? Ein Rückfall ln rite Bsrbazei des Mittelalters, wie er weit In diesen Tageo in Berlin ereignet hat, ist Wasser auf die Mühle derjenigen, die behaupten, daß die Demoralisation de* deutschen Volke* schon 80 weit fortgeschritten ist daß eine Hilfe nutzbfl wäre. Md Recht weist der ״Vorwäics“ darauf 11*111, welchen nicht wieder giilziimacbchdeii Schaden für da* *leuticlie Volk durch diese antisemitische Hetzpropaganda gc~ jade diejenigen Kreise anstiften, die die bestell l’alrioteu **•

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