Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXVIII (1923)
- Issue
- Heft 94 (2.11.1923)
- Date
- 1923-11-02
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 04 yUEDISCHE RUNDSCHAU Seite 549 ft? 5 di cht i'n die diü ein cal Er ah ei, x?r sie 03י kl, rer eran- 8t? nis rer aut »zu In? 'S Im im ml- 110, em die es | ern de die t’t kB sie laß tut ndber ste, terreis teshen erum) ten, nen den das Igle raft 'eit, nie tns.;en, en“ vor ube teile dvt ein• tnis etile die •11־1 ז erat /ort nes: li״t. j ion, '?en. I dar• j seil• jj des •| der;1 iblc, ebte 1 eilte :׳ :heu täre!, sich s lebe 111111. t׳ US־; ,״ Ein• I er In re . 1 Wie 1 eine :neu sich gC5• Uli• dem aubt tincr vird, י י ubt: : .( cs i f!ei II all); un״r, 1 :her• •aus• den ijcn haben — etwas Eigenes, — etwas, das nur uns in einer langen (je ist cs- und Icbcnsgcschichte zugcwaclisen ist. Wer kann Ocsdiidite sehen, wie sie der Jude sieht, der sich als Glied jes jüdischen Volkes fühlt? Geschichte aus der! Perspektive eines Volkes, dem in jahrtausendelangen Erfahrungen eigene pegnlfe von llerrcnniensclientum, von Ehre und vom Sinn jjes Lebens aufgegangen sind? So zu sich selbst zurückkehrend, bringt der deutsche, der europäische Jude des 9ן. Jahrhunderts die geistige Ausweitung mit, die er erfahren hat, und er bringt, als Ergänzung zu jener Geborgenheit im Gegebenen, die der gesefzestreue Jude repräsentiert, den Antrieb mit, aus der Gegenwart Bausteine für die Zukunft iw machen. Wer das nicht tut, wer sein Denken nicht an der altjüdischcn, volksmäßigen Auffassung vorn Leben messen und seine Kinder nicht für iiberpersöniiehe Aufgaben a(s Glieder des jüdischen Volkes erzielten will, dessen ״jü- (lischcs Sehnen“ wird rasdi in Hilflosigkeit versanden. Der Verlauf der Debatte legte diese Prophezeiung sehr nahe. Sic zeigte erschreckend, wie matt die jüdische Gcisteshaltunj־ ist. Schwammige ״Wie ich cs mad1c״-Rcdcn übcrwudicrtcn allgemeinste Wendungen, unterschiedslose Bcifallsspendcn. So hat dieses Beisammensein deutlich gemacht, was ist, aber nicht, was werden muß. Und was sagte die Jugend selbst dazu? An dem Abend, der ihr gewidmet war, sagte sie herzlich wenig. Rabbiner, Lehrer und andere Ausgewachsene׳ warteten darauf, daß sidi ihnen Jugendbewegung vorfüluc. Cora Berliner hielt ein sehr wohl erwogenes, sehr fein durchgearbeitetes Referat, etwa über Vergangenheit und Oegenwart der deutschen Jugendbewegung unter besonderer Berücksichtigung der jüdischen Bünde. Damit wußten die jungen Menschen nichts anzufangen. Man hätte sic herauslocken müssen. Und man hätte sie berauslockcn können. Frau Dr. Moses Referat über ״Die Kunst als Erziehungsfaktor“ zeigte das. Da war der Weg ain Pcrsönlidikcitskram vorbei gegeben, da kamen Forderungen und Maßstäbc, angesichts derer cs nicht gilt, sich auszusprechen, sondern sich auscinandcrzusctzcn, seine eigene Zulängliclikeit zu erweisen. Leider konnten gerade diese Worte nicht mehr zur Ausspradic gestellt werden. So war cs wie ein Friedensfest, aber eins ohne Fahnen. Man war nicht prinzipiell gestimmt. Man erklärte, einer wie der andere, an den Quellen des Judentums zu trinken — und im übrigen von seinen Erlebnissen uidit reden zu können. Jugendpflege und Jugendbewegung schlichen unerkennbar durcheinander. Und nur einmal sprühte ein Funke, Das war, als die Agudah sidi weigerte, sidi innerhalb der Genieinschaft zu stellen — und eine Agudistin die ״Parteidisziplin“ brach, für ihre Sache prachtvoll lebendige Worte fand. Ueberbiiekt man das Programm, das dieser ״Jüdischen Erzichungskonfcrcnz“ zugrunde lag, so heben sich zwei Zweck- Setzungen hervor: die eine, Wege und Ziele für das Jüdische in der Erziehung des jungen Juden zu finden, die andere, Fragen der fürsorgenden Erziehung von Juden an Juden zu bcspredien. Was für diesen zweiten Zweck erreicht worden ist, mögen Fachleute aussagen. Für den ersten ist nicht viel mehr herausgekommen, als das Wissen, daß wir am Versanden sind. Daß nichts die deutsche Judenheit davor bewahren kann, als der moralische Mut, mit sich selbst abzurechnen, und sich den Konsequenzen dieser Abrechnung vorurteilslos gegenüberzustellcn. Solang der Himmel sein darf, wie er will — nur nicht blau; solang das Wasser sdn darf, wie es will — nur nicht naß; solang die Lösung aussehen darf, wie sie will — nur nicht zionistisch: solang wird man aus der Unklarheit nicht herausfinden. Einschränkong des jüdischen Ministerium in Ulanen Kowno, (J. C. B.) Die litauische Presse bringt jetzt die Ziffern aus dem projektierten Staatsbudget für das Jahr 1924. Aus denselben Ist zu ersehen, daß das Budget für das Ministerium für jüdische Angelegenheiten von 73 030 auf nur 12000 Lit. reduziert werden soll. Eine in Berlin weilende litauische Persönlichkeit äußerte sich dem J, C. B. gegenüber über die geplante Reduzierung des Budgets des jüdischen Ministeriums in Litauen dahin, daß für den Fall, daß dieser Plan durchgeführt wird, das jüdische Ministerium faktisch zu existieren aufhören wird. Das neue Budget dürfte höchstens für die Be- Zahlung eines Sekretärs und einer Stenotypistin ausreichen. Das jüdische Ministerium wird auf diese Weise in das Büro eines Ministers ohne Portefeu 111 e umgcwandclt sein. (Das Ministerium für jüdische Angclegenheilcn in Litauen wurde im Jahre 1919 gegründet. Der erste jüdische Minister war Dr. Soloweitschik. Das Ministerium enthält drei Departements: Gemeinden, Schulen und Presse. Im Jahre 1922 setzte in Litauen die Propaganda gegen die jüdischen Rechte ein und im Zusammenhang damit die Weigerung der christlichen Demokraten, das jüdische Ministerium in der Verfassung zu verankern. Endlich einigte man sich auf ein Kompromiß, wonach der Bestand des Ministeriums in der Verfassung nicht vorgesehen werden soll, dagegen sollte ein besonderes diesbezügliches Gesetz geschaffen werden. Der erste Sejm ging aber auseinander, ohne daß dieses Gesetz Wirklichkeit wurde. Der Nachfolger Solowdtschiks war Dr. J. Brutzkus. Als Dr. Brutzkus zurücktrat, setzte die litauische Regierung gegen den Willen des jüdischen Nationalrates und der gesamten jüdischen Bevölkerung den Krcisrichtcr Friedmann zum Minister ein. Als dann die Be- Ziehungen zwischen’ Regierung und der jüdischen Vertretung freundlicher geworden waren, wurde der Präsident des jüdisehen Nationalrates, Dr. S. Rosenbaum, zum Minister bestimmt. Die Regierung Jvoffte, dadurch die ausländischen jüdischen Beziehungen für sich mobil zu machen. Die Position des Ministers Rosenbaum im Kabinett ist jetzt insofern ungeklärt, als man in politischen Kreisen jetzt mit einer Umbildung des Kabinetts rechnet, In der ׳Weise, daß in dasselbe ausschließlich Vertreter der christ* liehen Demokraten mit ausgesprochen antlsemiti• *chen Tendenzen Platz finden sollen.) Jüdische Massenverhaflungen in Ostgallzlen Lemberg. (J.C. B.). Die Massenverhaftungen aus Anlaß der Katastrophe in der Warschauer Zitadelle in Lemberg und in anderen Städten Ostgaliziens dauern fort Obwohl sich die Aktion nach amtlicher Verlautbarung bloß gegen die Kommunisten richten sollte, wurden zahl* reiche jüdische Arbeiter, die nichtkommunistischen Organisationen, wie ״Bund", ״Poale Zion" angehören, in Haft genommen. In mehreren Orten wurden auch bür* gerlfche Zionisten verhaftet Die Eizmt In Ec:1ז?נ!״י Prolrst der Berliner JMbclicn Gemeinde Am Sonntag, den 23. Oklobcr fand eine Sitzung der Re• präsent,inlcnvcrsamnilung der Berliner Jüdischen Gemeinde statt, in welcher über die dringende Interpellation der jüdi seil en Volks partcl über die antijiidisclicn Ausschreitungen In Bcuilicn verhandelt wurde. Die Interpellalion lautete: ״Nachdem in den letzten Monaten vereinzelt Ausschreitungen gegen Juden In dm verschiedensten Teilen Deutschlands vorgekommen sind, haben am 5. Oktober in Bcuilicn Jmlcnexzcsse, die, systematisch vorbereitet, einen pogrom artigen Charakter trüget(, stattgefunden. Welche Schritte beabsic htigt der Oeincindcvorstand als die legitimierte Vertretung der größten jüdischen Gemeinde Deutschlands und als Geschäftstülircrhi des Preußischen Landesverbandes zu unternehmen, um Ehre, und Lehen der in Deutschland lebenden Juden zu schützen. Auf Antrag zweier Mitglieder wurde zuerst In geheimer Sitzung beraten, die aber dann auf Antrag des Vorsitzenden der Fraktion der jüdischen Volkspartcl, Herrn Dr. Alfred Klee wieder der Ocffcntiichkcit zugänglich gemacht wurde. 1>. Klee führte aus, daß es sich hier nicht allein um eine Frage des Selbstschutzes handle, sondern um eine Frage, die ebensosehr die Juden, wie den Pre ußischcn Staat und die R ei eh s be hörd e 11 an gehe, Redner rechnet auch auf die Unterstützung der gesamten Presse. Von dieser Ver- Sammlung aus soll ein Weckruf ergehen an alle Juden und Nichtjuden Deutschlands. Zur Begründung der Interpellation führte Dr. Klee weiter aus: ״Diese Sitzung hat eine historische Bedeutung. Es ist das erste Mal, daß wir uns mit einem Pogrom auf deutschem Boden zu beschäftigen haben. Als wir früher von den Pogromen in Rußland hörten, waren wir überzeugt, daß «1 etwas In Deutschland nicht möglich sei. Aber die augenblicklichen Verhältnisse in Deutschland sind von außer• ordentlicher Bedenklichkeit und cs seheint an der Zeit, daß die größte Jüdische Gemeinde Deutsch• lands, die beinahe die Hälfte aller Juden in Deutschland umfaßt, sich mit dieser Angelegen heit befaßt.“ Audi in anderen Gegenden Deutschlands sind deutsche Juden Kränkungen und Beleidigungen ausgesetzt, allein das, was sidi in Beuthen zugefragen hat, muß gesondert betrachtet werden. Das Charakteristische eines Pogroms in Rußland sind immer zwei Dinge gewesen: 1. Die Zusammenrottung organisierter Banden, 2. daß Pogromliclden sich eine labile Stimmung aussuchten für ihr Vorgehen. Beide Bedingungen sind in Obe rschie slcn vorhanden. In weldicr Art haben wir uns mit dem Staat in Verbindung zu setzen? Kommen nodi andere Schritte in Frage? Die Nachrichten, die aus Bayern kommen, sind sehr ernst, und es scheint, daß diese Dinge mit der Beuthener Angelegenheit nodi nicht ihren Abschluß gefunden haben. Aber wir haben dann wenigstens die kleine Beruhigung, daß wir in ernster Zeit unsere Pflicht getan haben, daß niemand hier eine andere Empfindung hat als wir.“ Der Vorsitzende der Rcpräscntantcnvcrsammlung, Rechts• anwalt Heinrich Stern, führte aus, cs sei überflüssig festzustellcn, daß die Versammelten einig seien in dem Augenblick, wo auch nur ein Tropfen jüdischen Blutes ge• flössen sei. ״Wir sind überzeugt, daß nicht nur das deutsche Judentum, sondern audi alle sich ihrer Verantwortung bewußten Kreise in Deutsch land diese Vorkomm• nisse als menschenunwürdig brandmarken werden. Jedenfalls sind wir uns darüber einig, daß allesgeschehen muß, damit solche Geschehnisse unwirksam gemacht werden, ehe sic weiter um sich greifen. Diese Zu ver• sicht haben wir den jüdischen Organisationen gegenüber, die mit allen menschenmöglichen Mitteln ver• sucht haben, Abhilfe zu schaffen, Wir erwarten von allen Behörden des Staates, daß alles getan wird, um die Unruhe• Stifter zu bestrafen und daß Maßnahmen ergriffen werden, damit sielt derartige Dinge nicht wiederholen. Wir danken den Beuthener Juden für ihren Opfermut und ihre Haltung und sichern ihn en zu, daß das ״Arowim Jisroel“, die Bürgsclinft eines Juden für den andern, sich besonders io unglücklichen Tagen zeigen wird,“ Die Repräscnfanicnvcrsammlung nahm dann die folgende Resolution an: ״Die Rcpräsentantcnvcrsammlung spricht ihre Empörung und ihre Entrüstung über die Vorgänge in Beuthen aus. In voller Würdigung der Tätigkeit, die schon vor diesen Vorgängen die jüdischen Organisationen der Ab• wehr zum Schulze von Leben und der Ehre unserer schlesischen Glaubensgenossen geleistet haben und noch Ic'sfen, erwartet die Rcpräscntantcnversammlung, daß der Vorstand der Jüdischcn Gemeinde, als Geschäftsführer des Preußischen Landes• Verbandes alle Maßregeln ergreifen wird, welche Sicherheit Ehre, Freiheit und Leben der deutschen Juden gewährleisten." Hierauf führte das Vorstandsmitglied Woiff im Namen des Vorstandes aus, die Versammlung wolle nicht daran zweifeln, daß die Vorkommnisse den Vorstand mit ernster Sorge erfüllt haben. Auch, der Ocmcindcvorstand wird seine Pflicht erfüllen, er ist jedoch nicht in der Lage, näheres darüber mitzuteilen, wie das geschehen kann. Auf Vorschlag des Vorsitzenden wird die Angelegenheit an den' Landesausschuß überwiesen. Die Wahlen Sn Wien und Prag Die jüdische Wahlgcmelnschaft In Wien hat insgesamt 24 884 S'.immcn bei den Parlaments- und Gemeinderatswnhlcn erhallen. In den Gcmcinderat wurde der fnähere nationaljüdische Vcrtietcr der Lcopoldstadt Dr. Leopold Plaschkcs wicdcrgcwählt. Der Listenführer der jüdischen Wahlliste für den Nationalr.it im Lcopoldstädtcr Bezirk, der frühere demokratische Gcmcinderat Dr. Sch w ar z-H i 11 er, erreichte mit 9725 Stimmen nicht die Wahlzahl. Infolgedessen konnte auch ein Rechlsstimmcmnandat, für das Ing. Stricker kandidiert wurde, nicht besetzt werden. Die Zunahme der jüdischen Stimmen gegenüber den letzten Wahlen beträgt zirka 35 ״/<!, ist also viel geringfügiger als durch die Teilnahme von weiteren niehtzionistischen Kreisen an der jüdischen Wald• liste anzunehmen war. — Von den bei den letzten Prager Ge• mcindcwalilcn gewählten «leben jüdischen Stadtverordneten wurden letzthin vier in den Stadtrat für Oroß-Prag bzw. die Stadträte für die einzelnen Prager Ortsteile entsandt Auch in Te pl i t z-Schönau wurde von den drei wiedergewählten jüdischen Stadtverordneten ein zionistischer Vertreter in den Stadtrat gewählt \ Der Jüdische Relcliluiu Von Dr, Jos et Klausner, Jerusalem. Wenn wir die Zeitungen und Bücher der Antisemiten verschiedcner Richtung lesen, so finden wir immer wieder die gleiche Klage, dasselbe Lied: ״Die Juden sind reich und in ihren Händen liegt der Reichtum aller Völker.“ ln den Schriften der Juden hingegen heißt cs: ״Die Juden sind em armes und bedürftiges ■Volk; Kol Jisroel ist ein grober Bettler,“ (Mcndele.) Welche von diesen beiden Behauptungen ist nun die riehtige? Die der Juden! Dm jüdische Volk ist in Wirklichkeit arm und bedüifiig, und zwar nicht deshalb, weil in seiner Mitte weniger Reiche leben, als bei anderen Völkern. Wir haben Reiche, wenn auch nicht in dem Ausmaß, wie unsere Feinde es behaupten, aber das jüdische Volk ist nicht reich. Es ist in Wirklichkeit ein armes und bedürftiges Volk und Kol Jisroel ist wirklich ein Bettler. Das jüdische Volk ist ärmer als irgendein anderes auf der Welt; ärmer als die Litauer, als die Isländer. Denn diese haben ein nationale• Vermögen und die Juden haben es nicht. Die einzelnen Juden könne« reich sein, das jüdische Volk bleibt arm und bedürftig. Nur ein Beispiel! Die deutschen Juden waren vor dem Kriege fast alle reich, oder doch wohlhabend. Das jüdische Volk ist aber auch in Deutschland arm und bedürftig geblieben. Ein nationales Vermögen hatten sie auch dort nicht; denn was heißt der Reichtum eines Volkes, wenn sein ganzes ökonomisches Leben von anderen abhängig ist, wenn es keinen Boden unter den Füßen hat, wenn es keine eigene Wirtschaftspolitik führt? Es gibt ein hartes Wort, das wir in der jüdischen Literatur aller Sprachen finden, das vom ״Hauptvolk“, vom ״Wirtschaftsvoik“. Das jüdische Volk ist nirgends, vorläufig auch nicht in Palästina, Hauntvolk; denn die Hauptsache fehlt ihm: der Boden. Das jüdische Volk ist auch kein Wirtschafts- Volk, Denn tn seiner Wirtschaft, in seinem Erwerb, ist es gezwungen, sich dem Hauptvolk zu Unterwelten. Und dies beeinflußt den ganzen Lebensgang der Juden. Man braucht kein Ins torischer Materialist zu sein, um zuzugeben, daß die Volkswirtschaft sowohl das politische, wie auch das gesellschaftliche Leben beeinflußt. Das Wirtschaft*• leben der Juden fließt nicht aus eigener Quelle, aus dem Boden, und deshalb ist den Juden eine eigene Wirtschafts- Politik versagt, und weil sic in ihrem Wirtschaftsleben sich nach den Hauptvölkern, nach den Wirtschaftsvölkern richten müssen, ist es auch unmöglich, daß sie sich der geistigen Beeinflussung durch diese entziehen. Dilicr die bewußte oder unbewußte Assimilation und die Nachäffung, welche die ori• gincllcn, vom nationalen Gedanken gebildeten Lebensformen verwischt. Die Juden erwerben in der Diaspora durch den Handel Reichtum, aber er dient nicht dem jüdischen Volk, sondern anderen Völkern und er ist kein primärer, sondern sekundärer Rekl.tum. Er entstammt nicht der Lebenswurzel, kommt nicht aus der Quelle allen Schaffens her, aus der Muttererde. Im Talmud heißt cs: ״Wer keinen Boden hat, ist kein Mensch.“ Und wir können hinzufügen: ״Ein Volk das keinen Boden hat, ist kein Volk.“ Dieser große Gedanke bewegte Dr. Schapira, als der Plan des Keren Kajemctii in ihm wach wurde. Er, gleich Herzt, der diesen großen Gedanken verwirklicht hat, waren sich der großen Wichtigkeit des Bodens für den Aufbau des Volkes vollbcwußt. Dus jüdische Volk muß ein nationales Vermögen haben; einen Boden, der ihm und nur ihm gehört. Dann wird cs aufhören, ein anncs und bedürftiges Volk zu sein. Und selbst wenn nur ein Teil des Bodens in das Eigentum unseres Volkes übergeführt wird, muß dies den Aufbau des Landes, richtiger die Baufortn, mächtig beeinflussen• Dieser Gedanke ist cs, der dem Keren Kajemeni, unserer nationalste!» Schöpfung, zugrunde gelegt worden ist. was der Keren Kajcineth bisher erreicht hat, ist schon recht bedeutend. Wäre nicht er, so hätten wir keine Farmen und keine Kwuzotli, keine Clialuzim und keine Chaluzoth und womit hätten wir das Herz unseres Volkes entflammt, womit könnten wir vor die kommenden Generationen hin• treten! Vor 40 Jahren haben die ״ßilti“ von einem nationalen Vermögen geträumt. D.uin kam die Unterstützung von oben, die den Jiseliuw zwar gerettet, aber — unabsichtlich — den Begriff des nationalen Vermögens zurückgedrängt hat fm Keren Kajemctii ist dieser große Gedanke wiede re!־Ständen. Durch ihn ist ein Vermögen, nicht fiir einzelne und auch nicht für Gruppen, sondern für das Volk als Ganzes geschaffen worden. Das ist das Geheimnis der Liebe, die das ganze Volk, ohne Unterschied der Partei und des Standes, dem KKL. entgegenbringt, sowohl Bürger als Arbeiter, reich und arm, ״Materialist׳‘ und ״Idealist", ״Politischer ‘ oder ״Praktisclicr". Und kaum ein Jude ist gegen den KKL., weil dieser etwa auf einem sozialistischen Gedanken bciuht. Alle fühlen, daß dieser Sozialismus ein nationaler ist, der die materielle wie auch geistige Erlösung bringt, und daß es sich darum handelt, das Volk von der Schande des Bettlcrtums zu befreien. Daher, also die Erfolge des Keren Kaiemeth trotz aller Hindernisse, trotz aller Hemmungen! Bei KriegsschluH hatte er 22 000 Dttnam Palästinaboden zucigcn; jetzt aber, nach fünf Jahren einer schweren Weltkrise, nach furchtbaren!סיgromen, nach Paupcrisicrisng der russischen Juden durch den Bolschewismus und nach dem Kurssturz in ganz Europa hat der KKL. nahezu 100 000 üunam und davon das meiste im Emck Jesrcel, dem fruchtbaren Emek, unserer Sehnsucht seit langem her, im Ein Charod Gideons, nahe den Bergen Gilboas, im schönen Lande Ephraim. Dort werden neue Formen des nationalen und sozialen Zusammenlebens erprobt, deren Wichtigkeit aut keinen Fall zu unterschätzen ist. Wer weiß, ob nicht diesen Versuchen die Erlösung des Einzelnen und die Erlösung des Volkes wie die der ganzen Menschheit zu danken sein wird! Der Keren Kajemeth hat eine weltweite Aktion für die Geullath Haadama in den jüdischen Massen proklamiert Da gilt es, daß vor allem Ercz Jisracl das Beispiel gibt. Nicht etwa deshalb, weil es von der Auslösung des väterlichen Bodens Vorteil zieht; aber es ist die Zeit gekommen, daß alle Initiative von Jerusalem ausgeht, vom Zentrum her, aus dem Herzen des Volkes, von dem sich die Adern des wärmenden und belebenden Blutes zum ganzen Volksorganis* nius tun verbreiten. Wir wollen mit der Erlösung beginnen und das ganze Volk wird sich durch uns erwecken lassen. Wir wollen ihm Kraft und nationalen Reichtum Zufuhren, keinen fiktiven Rcic t un, keinen Galulhrcichtum, keinen Reichtum von Individuen. Erlösung dem Lande und nationales Vermögen dem Volke I (Aus ״Haarez״.) Das Zentralkomitee des Weltverbandes ״O. Z. E,“ (lüdische Gesellschaft für Gesundheitspflege) hat aut Vorschlag von Dr, M, Schwartzman beschlossen, ihr Tätigkeit*■• feld auch auf Palästina »uszudclincn, und zwar durch( U ehe rnali me des Pasteur-Instituts, das die Vereinigung jüdischer Aerzte und Naturforscher vor ungefahr 12 Jahren gegründet hat. Nach dem Plan Dr. Schwarz* man* soll das Institut von jetzt an das Zentrum der sanitären Arbeit der ״O. Z. E.“ in Palästina bilden. Das Jahresbudget wurde auf 10000 Dollar festgesetzt. Die Leitung führt ein Kuratorium. Direktor bicibt Dr. Beham. ' ־ *