Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXVIII (1923)
- Issue
- Heft 93 (30.10.1923)
- Date
- 1923-10-30
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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/ 544 JUEDISCHE RUNDSCHAU Nr.נס «sc, Dieses Interesse wüd jctrt von einer Menge von Schriftstellern und Staatsmännern als ln der Entwicklung eines Pufferstaates zur Verteidigung des Suez-Kanals bestellend, offen verkündet. ... Ich bin sicher, daß Eng- |and die Balfoiir-Dcklaration nicht als bloßes Kriegsmanövor erlassen hat, sondern aufrichtig glaubte, das jüdische Problem durch die Errichtung eines jüdischen Staates lösen zu können. Es ist schlimm genug, daß die l loifmmgen unseres Volkes getauscht wutden, aber die Täuschung als eine beabsichtigte liinzustcllen, hieße ihr Land beschuldigen, als habe cs den jüdischen Idealismus ausgc nützt, um Palästina für sich selbst zu• erhas-chen; cs hieße England des gemeinsten Geschäftes in der ganzen Geschichte beschuldigen. ,.. Obgleich die Balfour-Deklaration zu einem ״White Pa per“. Fetzen degradiert wurde, war Baifour fraglos aufrichtig. ... Der Vorwurf trifft die Militärverwaltung von Palästina, die die Zmlrcgierung amverschämt beherrscht, und unsere ewige britische Bürokratie. ... Mr. Philipp 1 Oravcs berichtet in seinem letzten Buch ״Palästina“, daß jedes Wort der Balfour-Deklaration vorsichtig gewählt war. In unseren Synagogen dankte man Gott für die Wiedererrichtung Palästinas als einer Jüdischen Heimstätte, ohne zu bemerken, daß es durch das Wort ״ein Jüdisches Hein» io Palästina“ schlau ersetzt worden war,“ ״Sir Alfred Mond warnte uns Juden ... davor, daß wir nicht genug tun könnten, um Englands Aufrechtcrhaltung des Balfour-Mandate zu rechtfertigen. ... Sir Alfred hätte lieber England warnen sollen,daß es nicht genug tun könnte, um unsere Geldmittel nach Palästina strömen zu lassen. Besonders in einer Zeit, da die Diaspora die dunkelste Zeit selbst in ihrer Geschichte erlebte. Denn das ״Jüdische nationale Heim in Pa* las bi na“ ist in diesem Augenblick ebensowenig jüdisch oder national oder ein Heim wie irgendein anderer Teil der Diaspora, zu der Palästina nun tatsächlich hinzugerechnet werden muß. ... Die Araber bleiben 60 hartnackig wie immer. Die Wcizmann-Samuel-Politik dau* ernder Konzessionen hat nur ihre Opposition verstärkt Ab Pessimist wird ein Mann bezeichnet, der, zwischen zwei Uebcln stellend, beide wählt. Die Zionisten scheinen ihm zu gleichen, denn ihre Führer haben die jüdische Autonomie geopfert, ohne von den Arabern Anerkennung oder Freundschaft dafür zu gewinnen.“ ״Ich weide immer davon überzeugt bleiben, daß ein jüdisclwr Staat in dem Augenblick möglich war, ab die Araber ein besiegter Feind waren, befreit von den Türken und bereit, jeden politischen Druck anzunehmen. ... Verbunden mit einer vollen Entschädigung für enteignetes Land, hätte meine Politik, mit der selbst unsere ״Moraing Post“ ursprünglich einverstanden war, die Schwierigkeit, eine Heimstätte aus einem Territorium zu schaffen, in dem. wir mir ein Zehntel der Einwohner bilden und in der unser ganzer Landbesitz nur vier Prozent beträgt, zum großen Teil aus dem Wege geräumt. ... Aber die Scliicksaisstunde ist vorüber. ... Der große Augenblick fand, wie Hcrzl vorausgeahnt hatte, ein kleines Geschlecht >... Eine Enteignungspolitik, die in der großen Tragödie des Krieges tragbar war, wäre heute nicht ratsam. ... Der politische Zionismus ist tot.“ ״Die Angelegenheiten der Diaspora sind umso wichtiger, als der Zionismus, der sie zerstören wollte, ihre Grundlagen gefestigt hat.“ ״Bezüglich der Massenkolonisation lassen Sic mich kurz und bündig sagen, daß die Vorstellung, daß die Juden nur nach Palästina gehen wollen, ein Mythos ist.“ . Ist es erforderlich, im einzelnen auf alle diese Geäankengänge einzugehen, die die typischen Merkmale aller Halb- und Viertelwahrheiten haben und darum Skeptische, resignierte und extremistische Geister viellach sehr verwandt und vertraut anmuten werden? Muß man nicht zunächst die allgemeine Voraussetzung als :auch für einen Dichter geltend und ziemlich bekannt annchmen, daß Geist und Leben, Idee und Wirklichkeit nicht identisch sind und daß es keine Wahrheit .'des Einzelnen und des Volkes gibt, die restlos und der ursprünglichen Vorstellung adäquat verwirklicht wird? Daß allerdings am Beginn der modernen zionistischen Bewegung das Wort ״Judenstaat“ stand, aber schon itn nächsten Jahre, als cs sich nicht mehr um ,einen Gegenstand dichterischer und politischer Phantasie 'handelte, sondern um das Programm einer Orgnnisation, durch den Terminus der ״öffentlich-rechtlich gesichcrien Heimstätte in Palästina“ ersetzt wurde. Und, ,a propos ״Dreistigkeit“ (audacity) der Ungewähltcn, es ist vielleicht doch nicht von der Hand zu weisen, 'daß dem antizionistischcn Lnndsucher Israel Zangwill die ergreifend schwermütige und schmerzliche Stimmung .!jenes französischen Wortes angemessener gewesen wäre, das sich ,Theodor Hcrzl, Erwählter seines Volks und ,Schicksals, auf seiner vergeblichen Landsuchc so oft;vorsagen mußte: ״Ricn n’arrive ni comme on le craint ,ni comme on I'csp&rc.“ Und auch auf Zangwills Witz ,vom Präsidenten der Zionistischen Organisation als dem j,Könige der Schnorrer“ läßt sich mit einem vielleicht nur noch etwas bittererem Zitat aus den Tagebüchern Jierzls antworten, das erklärt, warum unsere Regierung;die Steuern nicht mir auszuschreiben braucht, sondern Sie auch cintrcibcn muß. Im Zangwiilschen Sinne aller- ,'dings trifft dieser Satz: ״Tatsache ist, was ich jedermann verschweige, daß ich nur eine Armee von Schnorrern habe“ -־ leider —׳ nicht zu. Niemand hat behauptet, daß der Keren Hajessod den gesamten Palästina-Aufbau finanzieren solle. Aber daß nun gerade die Nationalanlcihe, wie sie Zangwill vorschlägt, trotzdem er selbst betont, daß wir keinen Charter erhalten haben, also auch kein Land und keine Rechte besitzen, die!eine entsprechende Pfandsicherung abgeben könnten, das;!geeignete Finanzinstrumcnt sein solle, — darüber dürften :!sogar die Finanzfachlcute der Zionistischen Organisation luachgemäßcr entscheiden können als unser gefeierter |3B0et Auch der Vergleich mit den 10 000 000 Pfund, die äill tZfiZOZ’C ifcal״; Bel den dnuoraden starken KmrtidiWB.afccitib'a kam» der Verla;; ״Jüdische Rundschau" seinen Lenem in Deutschland das Blatt mir noch aui Basis der Goldmarkberechnung liefern. Die Gebühren betragen pro Monat So lange eine stabile Währung noch nicht eiagelührt ist, kann oie Zustellung der Zeitung in Zukunft nur an diejenigen Abonnenten erfolgen, die den festgcectztca Betrag von 1,10 Goldta&rk, berechnet nach dem Tageskurs der Einzahlung, aui da« Postscheckkonto! Berlin 17393 ein• gezahlt haben. Die Ortsgruppen und Vereine sind aufgeiordort worden, die Goidmnrkgobftliren, wie früher von den Mitgliedern der Gruppe, die das Blatt eugo&toüt wünschen, einsur.ichea, die cingeiogcnon Beträge sofort wertbeständig anzulcgcn und aui schnellstem Wege an unseren Verlag gelangen zu lassen. Dio ״Jüdische Rundschau“ wird nur weiter erscheinen können, wenn diese neuen, don Verhältnissen entsprechenden Maßnahmen durch geführt werden. Wir erbitten hierbei die Unterstützung unsorcs geaant* ten Leserkreises. Verlag ״Jüdische Rundschau“?;3; Berlin W13, Sächsische Straße 8 Postscheckkonto : Berlin 17392 r כ: das englische Rote Kreuz während des Krieges Im vierten Teil der Welt, z. T. durch die fürstliche Generositat der indischen Rajahs“, gesammelt hat, erschreckt uns nicht. In einer Rede vor amerikanischen Juden hätte Mr. Zangwill immerhin auch eine nähcrlicgcndc Analogie finden können, z. B. die der mehr als 75000 000 Dollar, die das Joint Distribution Committee unter amenkanisclien Juden in einigen Jahren aufgebracht hat. Auch Mr. Cecil Rhodos hat allerdings ״Rliodesia mit einer kleineren Summe begründet als der Keren Hajessod gesammelt hat“. Warum erinnert Zangwill nicht auch hierbei an geographisch näherliegendc Beispiele, etwa an einen Mann namens Christoph Columbus, der Amerika sicher auch mit weniger ״begründete“ oder die Herren Cortez und P.izarro, die ihre ,,Kolonisation“ sogar noch reichlich bezahlt bekamen? Der Vergleich von Rhodes mit den spanischen Konquistadoren liegt mir fern, aber sollte Zangwill wirklich nicht wissen, daß Rhodesia und Palästina nicht Identisch und daß Kolonisation und ,Kolonisation“ auch zwei verschiedene Dinge sind? Zangwills Unterscheidung von Recht und Macht ist sehr richtig und treffend. Sic spricht nur in ״er• drückender Logik“ gegen ihn. Denn wenn sogar das jüdische Volk seinen menschenfreundlichen, mehr von Macht als von Recht zeugenden Vorschlag einer Ex׳ propriation der palästinensischen Araber anzunehmen den Willen gehabt hätte, wo war die Macht? Und wenn es sich schon um Illusionen handeln soll, dann lieber noch eine Illusion des Rechts als der Macht. Es waren und sind gefährliche Phantasien, die dieser milde ״Träumer des Ghetto“ sich da ausgemalt hat, damit die Wirklichkeit mit aller Gewalt seiner Wunsch- (oder Wahn-?)Vorstellung assimiliert werde. Muza Kazim hat recht: solange wir nicht die Herren im Lande sind, wird es nicht unser nationales Heim sein, und Zangwill hat in einem streng exakten Sinne auch recht, wenn er Palästina heute noch zur Diaspora rechnet. Nur bedeutet uns die Herrschaft im Lande nicht die Unterdrückung oder gar die Austreibung der Araber, sondern bereits die zahlenmäßige Gleichberechtigung mit ihnen oder die Erlangung der Bcvölkerungsmchrheit. Aber die politische Herrschaft sind wir durchaus bereit zu teilen; wir wollen nicht allein und ausschließlich die Herren sein. Gelingt cs uns, das Prinzip der Gleichbcrechtigtmg der Nationen, das einen treffenden Aus• dmck in einem von Th. G. Masaryk häufig zitierten Worte eines bedeutenden Denkers der tschechischen Regenerationsbestrebungen, Karl Havliccks: ״ich Herr — du Herr“ gefunden hat, in Palästina zu verwirklichen, dann sind wir mit einer ״Entwicklung der jüdischen Nationalität“ statt eines ״Judenstaats“ ganz zufrieden. Und dann, dies ist sicher, gehören wir nicht mehr zur Diaspora. Den alten Streit über die englischen Beweggründe für den Zionismus können wir wohl übergehen. Die englischen Politiker würden sicherlich sehr erstaunt sein, wenn ihnen einmal alle die Artikel zu diesem Thema vorgclcgt würden; sie würden Respekt vor ihrem bisher gar nicht geahnten politischen Raffinement bekommen. Es hat ja auch wenig Sinn, über Einzelheiten zu streiten. Daß in Zangwills Kritik manches Wahre ist, das an• erkannt werden muß, braucht nicht geleugnet zu werden. Eine Betrachtung aber ist für uns, wenn wir die Divergenz zwischen unseren Hoffnungen und dem Er■ reichten bedenken, doch von einer tröstlichen Kraft. Wo gibt cs noch eine nur mit Mitteln des Geistes wirkende Bewegung eines politisch so ohnmächtigen, ja׳ bis vor kurzem eigentlich politisch gar nicht existierenden, so vielfach gefährdeten und gepeinigten Volkes, die in dieser Welt der brutalen Gewalt solche Realität geworden ist? Nur diese, ach so leicht kritisierbarc und so unendlich schwer erreichbar gewesene Realität! Man denke nur au den Sozialismus und die völlige Irrealität seines ökonomischen Programms heute wie einst, um den Unterschied zu sehen! Und was nützen uns die ״Wahrheiten“ Zangwills, wenn die ab surdesten Vorschläge und naivsten Gedankengänge da mit untrennbar verbunden sind? Es gibt Wahrheiten die befruchten, bessern und vorwärtsbringen, und solche die steril sind, die lähmen und verwüsten. Cul bono? möchte man bei dieser Rede immer wieder fragen. Zum Nutzen des Zionismus, Palästinas, des jüdischen Volkes, vielleicht sogar des Keren Hajessod und der zionistischen Führung? Die einmütige Ablehnung, <!!e er fand, müßte Zangwill darüber belehren. Aber der Wahrheit willen, die nicht vom Votum der Menge abhängig ist, könnte ein Fanatiker der Wahrheit einwenden, hätte diese Rede gehalten werden müssen. Dje Antwort gibt ein Wort Goethes: ״Was fruchtbar ist, allein ist wahr“. Siegmund Kaznclson, prgööescbau Der ״Knnstwarl“ über den Zionismus In der Septembernummer des ״Kunstwart“ linden wir einen mit W. Sch, (Wolfgnng Schumann) gezeichneten Artikel ״Zio• nismus“. Die Redaktion hat dem Artikel «ln« Vorbemerkung vorangeetcllt, In welcher gesagt wird: ״Es Ist Zeit, wieder vom Judentum und von der Judcnheit zu sprechen. Vör Jahren fand im ״Kunstwart“ eine solche Erörterung statt, die unabgcschlosscn blieb. Unter uns lebt eine Anzahl von Männern, Frauen und Kindern, die gemeinsamt Abweichung vom Durchschnitt kennzeichnet! Juden. Manche wissen es kauin, viele dulden es freundlich, einige mit Ucbcrwindung, etliche bekämpfen sic und ihr Dasein unter uns. Der Kampf hat die schärfsten und gefährlichsten Formen angenommen. Er greift tief in das Wesen des Wirtsvolkes, rückwirkend hinein. Dennoch schwelgt das gebildete, das geistige Deutschland davon. Doch sind tausend«, schntauscnde unter uns, die sich fragen: wer sind die Juden, warum bekämpft man sie, sind die Kampfgründe gut, sind sic wahr, was ist die Judenfrage, welche Lösungen gibt ts da? und noch vieles andere. Wir werden diese Fragen behandeln. Sachlich und ruhig. Jede begründete Meinung, auch die scharf betonte Gegnerschaft soll zu Wort kommen, die Erörterung soll lange fortgesetzt werden. Der folgende Aufsatz bedeutet nichts als einen Auftakt. Die Judcnheit zerfällt in zwei Gruppen: Zionisten und Nicht* Zionisten. Nur die letzteren, die AssimlUtionswilligen, kennt man allgemein. Es ist notwendig, auch die erste ren In Art und Bestrebungen zu kennen.“ Der Artikel, der das Problem des Zionismus nach allen Richtungen hin In sachlicher und gut unterrichteter Weise er* örtert und in *ehr warmem Tone geschrieben ist, wird hier noch Gegenstand weiterer Erörterung bilden. Heute begnügen wir uns damit, die Schlußworte dieses Artikels wiederzugeben: ״Zuweilen bedaure ich, daß die schematische Formaldcmo* kratisierung Deutschlands von 1919 uns nicht ein Oberhaus gegeben hat. Ein Obcrhausforum, wo mit geringerer Tages- Wirkung, aber größerer geistiger Tragweite, minder demagogisch, aber mehr verantwortungsbewußt, leiser, aber kundiger als im Reichstag die politischen Ereignisse der Erde besprochen worden ׳ wären, ln solchem Oberhaus hätte ein P*ir von Deutschland heute dieses zu sagen: ״Einer Angelegenheit tue ich Erwähnung, die uns nichts angeht. Ich tue cs aus Gewissenspflicht. Wir gehören nicht dem Völkerbund an, welcher das Mandat über Palästina im Interesse der Judenheit erteilte; mit der Mandatarniacht sind wir nicht enger befreundet. Berührt indes die Emigration und Immigration der Judcnheit, so langsam sic geschehe, zufolge der besonderen geistig-sittlichen Bedeutung gerade dieses Vorgangs das Nervensystem der verbundenen Völker, der eben durch die Judcnheit vielleicht am stärksten verbünde* nen Nationen, so berührt er schon fühlbar allerdings auch uns. Wir werden über kurz oder lang der Folgen dieser Vor* gängc inne werden. Indes, auch nur den geringsten Machtcinfluß auf diese Angelegenheit haben wir nicht. Mit Recht werden sich die jüdischen Führer auch hüten, unsere engere Freundschaft zu suchen, feilen wir doch mit dem stolzen Volk Israel neuerdings die nicht unehrenhafte׳ Eigentümlichkeit, daß entgeistete, blind-triebhafte Schichten mancher anderen, machtigeren Nationen unsere Freundschaft für erniedrigend erklären, und der Mechanismus der Politik kann jederzeit auf diese Tatsache zurückgreilen. So hätten wir politisch zu schweigen. Wir haben aber moralisch zu reden! Aus eigenen Berichten wissen wir, daß die Heimkehrbewegung der Judenheit stockt. Die Mandatamtacht England löst nicht mit jener Energie ihr Wort ein, die man erwarten durfte. Wir sprechen nicht von Recht; mögen die Juristen cs feststellen. Aber davon spnedicn wir, daß Europa der Judcnheit die Hei* mat schuldig ist, daß England ein Wort cinzu* lösen hat, welches jeder Angehörige der großen Nationen Europas im stillen der Ju• den heit so oft erneuert, wie er ihrer Ge* schichte gedenkt; und dieses Wort heißt: Sühne. Nicht um eine Kolonialbngatcllc und nicht um eine Sektenmarotte handelt es sich in Palästina. Sondern •um unsere Schuld und deren Sühnej unsere, auch Englands, das sein Mandat nicht allein vom Völkerbund, sondern auch vom Gewissen Europas erhielt. Das VölkOrieben strotzt nicht von ethischen Impulsen — hier aber hat ein solcher gewirkt, und wahrlich ein berechtig* tcr. Viele von uns teilen nicht die Hoffnung leidenschaftlieher Zionisten, der Staat oder Halbstaat, den sie als ״nationales Heim“ errichten, werde einmal die gesamte Judcnheit umschließen. Die Zweifelnden sehen nicht mehr im Lande Israel entstehen als einen Stützpunkt, eine Erneue* rungszellc des jüdischen Volksorganlsmut» ein Symbol seines Erden rechtes; sic wollen nicht mehr als dieses um der europäischen Entwicklung willen. Gleichviel, auch diese ״symbolische“ Heimat ist ein hohes Ziel. HeimatI Seit unsere Soldaten von Kriegsbeginn bis Kriegsende dieses Wort auf den singenden Lippen trugen, hat es für uns seinen seelischen Klang verdoppelt. Gedenken wir, welche Gewalt cs auf die ausübt, für die cs nicht gewissen Besitz, sondern letzte Volkshoffnung und höchste Verheißung zugleich umschließt. Eine Heimat ist der Judenheit zugesngt, Wehe der Mandatarmacht, die das leichtfertig ver* gäße und den Fluch eines grausigsten historischen Wortbruch• über uns all« brächte. .