Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXVIII (1923)
- Issue
- Heft 93 (30.10.1923)
- Date
- 1923-10-30
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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Nr. 03 JUCDJSCHE RUNDSCHAU Seite 545 Der Kernpunkt des orpnlsalorfsclien Problems Zum Interview mit Louis Lipsky Das Interview mit Herrn Lipsky in Nr. 87 der ״Jüdi- (dien Rundschau'‘ verdient als erste programmatische Aculie• fiiiuf aus dem Kreise der neuen Exekutive weitgehende iieacistung. Leider ist nielit ganz klar ersichtlich, was Lipsky eigentlieh meint. In seinem Verlangen nach einer »türkereu geistigen Belebung der zionistischen Arbeit durdi die Zentrale befindet er sich in Übereinstimmung mit den aktuellen Teudeiucn in oef Oigunisation (vgl. die jüngsten Beschlüsse des Zentr.11• komitecs dei Zionistischen Vereinigung für Deutscliland). Es ist alier nicht cinzuselicii, wie sidi mit diesem Postulat jene Stellen des Lifn'-wschen Interviews vertragen, die eine größere Selbständigkeit der Verbünde verlangen und gleichzeitig für eine »־eitere Einschränkung des Budgets der Londoner Zentrale timtreten. Sicher ist, daß diese Forderung, so unklar sie klingt, und vielleicht eben deshalb, der Stimmung entspricht, die in der vom Kongresse beschlossenen Verminderung des Budgets def Exekutive um 10000 £ zum Ausdruck kommt. Um so wichtiger ist es, zu untersuchen, wie denn die von Lipsky gcwünschte stärkere geistige Regsamkeit der Londoner Zentrale und ihr Ausbau zu einem ödstes- und Willcnszcntrum der Organisation zustande kommen soll, wem! gleichzeitig die organisatorische Arbeit mehr als bisher den Verbünden überantwortet und das Budget der Exekutive systematisch bc- ,schnitten wird. Öewiß ist es richtig, und das wurde in diesen Blättern bereits ausgeführt, daß der bisherige Zustand höchst unerfreulich ist, der es den Verbänden ermöglicht, sich im wesentliclien auf die Kritik zu beschränken und die eigentliche Arbeit und die Verantwortung auf die Zentfalc abzuwälzen. Anderer- Reits alicr ist cs schon lang« klar, daß der Zustand unserer Verbände ungemein unbefriedigend ist Und daß wir fast keinen Verband innerhalb der Zionistischen Organisation mehr haben, der imstande wäre, aus eigener Kraft auch nur einen Bruch teil seiner Aufgaben zu erfüllen. Nicht nur, daß die Verbände die organisatorischen Erfordernisse zentraler Art, die an sie gestellt werden — das sind vor allen Dingen die großen finanziellen Aktionen: Keren Hajessod, Nation.11 fotids, Bankpropaganda — aus eigener Kraft nicht bestreiten können, sind die wenigsten von ihnen noch imstande, auch nur den Spezi,!!nufg.iben ihres engeren Landes- oder Frnktionsbereiches nachzukommcn. Die Jugendarbeit liegt samt und sonders im 'Argen, wird kaum noch betrieben. Die Hachscharah und Alijah befindet sich mit geringen Ausnahmen in einem bcklage 11swerten Zustand, die kulturellen Arbeiten werden vernachlä-sigt Selbst die Snnerjiolitischc Arbeit leidet in den meisten Fallen unter der organisatorischen Schwäche der Verbände und dem Mangel einer ideologischen Begründung und einer fortlaufenden geistigen Befruchtung, Es nützt nichts, die Schuld an diesen Tatsachen, wie Lipsky cs tut, der angeblichen Vormundschaft der Exekutive den Verbänden gegenüber Zu zuweisen. Ich weiß nicht, wö Lipsky sein« Erfahrungen über diese Vormundschaft gesammeh hat. Sicher ist, daß gerade Amerika davon sehr wenig zu spüren bekommen hat, genau so wenig wie die anderen Verbände. Im Gegenteil, alle prakti sehe ei Arbeiter innerhalb der Verbände beklagen seit langem das geringe Maß von Unterstützung, Von Anregung, von Kontrolle, das die organisatorische Arbeit durch die zentralen Stellen der Organisation erfährt. Das trifft für die Keren Hajessod-Arbcit ebenso zu wie für die des Nationalfonds, für die Bankpropaganda eben90 wie für die Stärkung der Privatinitiative und nicht zuietzt für jede Art geistiger Tätigkeit der Organisation. Uebcrall Vermißt man in wachsendem Maße die Befruchtung seitens der Zentrale, die Führung durch die leitenden Stellen. Und wenn Lipsky jetzt «ine geistige Bc fruchtung der gesamten Arbeit durch die Exekutive für nötig OTachtct, so bfeibt dies ein leeres Wort, wenn nicht gleich sseitig festgestcllt wird, wie dies im Verhältnis zu den Verbänden zu geschehen hat. Keinerlei Bestimmung des Statuts hat bisher die Verbände gehindert, die Arbeit selbständig durchzuführen, •Woran liegt es nun, daß trotzdem der Zustand der Arbeit so schlecht ist, daß z. B. jede größere Aktion, die von den Ver bänden unternommen werden soll, immer wieder scheitert, ,wenn nicht dafür Kräfte von den zentralen Stellen zur Verfii- Rung gestellt werden? Ein Schulbeispiel dafür stellt gerade Amerika dar, das aber keineswegs euren Sonderfnli, sondern das gleiche Bild wie fast alle anderen Verbände biciet, nämlich dieses: wälirend die Aufgaben der Zionistischen Organisation sich seit 1914 in einem unendlichen Maße Vergrößert und ver• vielfacht haben, ist der Aufbau der Organisation, mit der wir diesen Aufgaben gerecht zu werden versuchen, noch derselbe wie im Frieden, immer noch versuchen wir mit denselben Methoden und mit denselben Mitteln auszukommen wie vor dem Kriege. Der Unterschied bestellt nur darin, daß wir danials ein Verein waren und Vercinsaufgaben zu erfüllen hatten, daß wir seit der Baifour-Dcklaration aber als Volk anerkannt sind und die Aufgaben erfüllen müssen, die einem Volk aufer■ legt sind und die sich für uns in dem Aufbau Palästinas aus drücken. Bis 1914 war das ein frommer Wunsch, eine rheto zische Phrase, seit der Balfour-Erklärung ist das eine ganz reale Angelegenheit. Für die Aufgaben bis 1914 mochte unsere Organisation genügen. Heute ist es ausgeschlossen, daß wir damit zustande kommen, heute reicht unsere Maschine eben noch aus, den — bekanntlich so produktiven Parlanictrtaris• mus unserer Kongresse hervorzubriiigcn. Darum genügt cs nicht, zu sagen, daß man die Verbände selbständig machen muß, damit die organisatorischen Kräfte der Bewegung wieder• hergcfiteilt werden. Was würde geändert werden, wenn etwa die Durchführung aller zentralen Aufgaben den Lande sver■ biinden übertragen und die Aufgabe der Exekutive darauf bc schränkt würde, Anregungen zti geben und um die Veibändc mit Ideen zu versorgen? Wild <1lc Koren Hajessod-Arbcll r. B. bessere Resultate bringen, wenn das Direktorium in London darauf verzichtet, Propagandisten zu suchen, auszublidcn, zu entsenden, Propagandamaierial zu beschälten, die Tätigkeit der Verbände zti kontrollieren und dgl., wie das in einem viel zu geringen Maße jetzt (geschieht? Würden die Verbände selber dazu imstande sein? Alle Erfahrung spricht dagegen. Da, wo die Zentrale nicht tnit Nachdruck einsetzt, erfolgt auch Leine Arbeit der Verbände, und einigermaßen angemessene Resultate sind überhaupt nur da erzielt worden, wo die Arbeit dauernd von der Zentrale angeregt und beeinflußt worden Ist, Und Wenn heute eine geistige Verödung der zionistischen Arbeit festzusfellcit ist, Sa doch nur deshalb, Weil di® Zentrale in den letzten Jahren gerade dieses Arbeitsgebiet in besonderem Maße vernachlässigt hat und well die Verbände nicht imstande waren, aus eigener Kraft besondere Leistungen hervorzubriiigcn Diese Tatsache, die unbestreitbar ist und über di« keine noch so glänzenden Bericht« der Landes* und Söndemrbäiidc brawegtäuschcn dürfen, kann weder durch Vorschläge über eine größere Selbständigkeit der Verbände, noch durch irgendwelche Vorwürfe beseitigt werden, die man etwa an die Adresse der Verbände richtet. Der Zustand liegt in den Tatsachen begründet. Die Aufgaben, die uns heute obliegen, sind zu groß, als daß man ihnen mittels des auf freiwillige Arbeit gegründeten Apparates der Zionistischen Organisation gerecht werden könnte. Es ist nicht möglich, daß Menschen, die im Berufe stellen, deren Geist und Kraft von den Sorgen iiihI Laste« ihrer Existenz in Anspruch genommen ist, die Energie, ja auch nur die Zeit anfbrinßc.n, die die Durchfülmnig der in« Enorm« gesteigerten zionistischen Aufgaben von heute verlangt. Def geringe Ertrag der Keren Hajessod- Aktion rührt in erster Linie davon her, daß wir bisher knapp 30 hauptamtlich tätige Propagandisten dafür mwnifttnKlen imstände waren. Hätten wir 300, fco wäre der Ertrag citl mindesto ns um das Hundertfache größerer. Das trifft »ber auch zu für unsere rein geistige Propaganda. E* war früher so- »!sagen ein Leichtes, Zionismus zu propagieren, damals aia die Bewegung noch nicht ln das Stadium der Realität getreten war und sich Ihre Probleme sonwagen im luftleeren Raume bewegten. Damals ließ sich das alle» noch au den ״freien Abenden" erledigen. Wenn heute liitaiaive zionistische Propaganda betrieben werden soll, so verlangt das Kräfte, die auf die enorme Vervielfältigung und Vertiefung eingestellt sind, die unsere Probleme erfahren haben, seitdem sic körperliche Gestalt angenommen haben. Das heißt aber intensive Schulung, Vorbereitung — wie lle nur In Unausgesetzter, durch keinerlei äußere Abhaltungen und Notwendigkeiten gehinderter Konzentration erworben weiden kann, — das verlangt Zeit und Kraft, um den Vielfältigkeiten des modernen Lebens, den Vervielfältigten Möglichkeiten und Not- Wendigkeiten, die die Propaganda heute In zeitlicher, ftrtlieber und klceller Hinsicht bietet und verlangt, gerecht zu werden. Mit anderen Worten: Wir benötigen den Aufbau der organisatorischen Arbeit auf einen! eigens dafür gesebaffenen und dafür geschulten und nur dafür tätigen A|»paraL Das ist und bleibt das Kernproblem unserer gesamten organisatorischen Arbeit. Die öffentliche Meinung mag e» noch so unangenehm empfinden, wenn immer wieder auf dieses eine Problem hingewiesen wird, das ändert nichts an der Tatsache, daß wir solange unseren Erfordernissen nicht gcrecht werden können, min wir nicht endlich großzügig und eindeutig den Schritt Zur Umwandlung unseres freiwilligen Apparates in einen Bcamicnapparat getan haben. Auch IMlastina wird nicht voll Touristen, sondern von Menschen aufgebaut, die daraus ihre Lebensaufgabe machen. Wenn dem aber so ist, entsteht ein Problem, das »ehr eng mit der Stärkung der zentralen Gewalten Zusammenhangs, Ebensowenig wie die Verbände imstande sind, aus eigener Kraft die organisatorischen Aufgaben der Zionistischen Organi* sation von heule zu erfüllen, ebensowenig sind sie befähigt, auch wenn sic willens wären — sei es, »Ich von innen heraus auf die Neuordnung des organisatorischen Apparate» einzustdlcn, sei cs, den Apparat selbst zu schaffen, ln den Verbanden herrschen, ebenso wie ln den Vereinen, die ״verdienten Größen". Es wäre sinnlos, an der Tatsache vorüber* zügelten, daß die Zionistische Orgäiüsaliört heute im wesentliehen eine Notabcln-Organiaation darstcllt und an allen üblen Erscheinungen einer solchen Organisation krankt, eine Feststellung, die auf die Landesverbände ebenso zutrifft, wie auf die Sondcrvcrbände. Wenn Wandel geschaffen werdet! soll, muß die zionistische Administration von der notabclnmäßigen Einstellung freigemacht werden, die ihre Verkalkung zur Folge gehabt hat Die Verbände sind nicht sehr geneigt, für die allgemeinen Aufgaben der Organisation zu arbeiten, sic wollen sich nicht der schweren Arbeit unterziehen, Geld für zentrale Zwecke aufzubringen, wo eie es schwer genug haben, ihre eigenen Vcrbamlszwecke zu finanzieren, sie wollen nicht die dauernde angestrengte Arbeit, die Unruhe der lebendigen Initiative, die Schwierigkeit der unausgesetzten Bcein* fiussimg nach außen und Umbildung nach innen. Sie müssen Immer wieder auf« neun mit einer gewissen Gewalt zur Arbeit gezwungen werden. Dan Verbänden ist das Hemd de* Verbandes näher als der Rock der Organisation, wie da* mit beschämender Deutlichkeit von einem der prominentesten Führer des Misrachi auf dem deutschen Misraclii-Delegierte«, tng neulich offen zugegeben wurde. Wir haben aber (licht in erster Linie Verbandsaufgaben zu erfüllen, zentrale Aufgaben stehen vor uns, und darum ist cs nötig, daß zentrale Gewalten da und mit genügendem Budget auSgcstattet sind, die stark gChug sind, die Durchführung der 7en ra'ctt Aufgaben durch zusctzäi. Ihnen obliegt cs, den neuen Apparat zu schaffen, nuszubildcn, cinzusetzen, zu beobachten, zu unterstützen und ihm die geistige Grundlage für »eine Arbeit zu geben. Sic müssen die Energie den Verbünden gegenüber atifbringcn, damit der Apparat überall produktiv funktioniert und die Belebung der freiwilligen Mitarbeit erzielt, die heute allmählich ciuscliläft oder die lebendige Arbeit veriumpfen läßt. Das den Verbänden überlassen, heißt die Organisation noch mehr ul« bisher zu einer immer leerer klappernden Maschinc gestalten. Aber auch um de* Apparate* willen bedürfen wir der Stärkung der zentralen Instanzen, dertt: natürlich besteht die Gefahr, daß der Apparat die Idee überwuchert. Jetzt schon macht sich die mangelnde Beeinflussung auch nur unseres kleinen Apparates, In seiner Zusammensetzung, Einstellung und Wirksamkeit fühlbar. Keinerlei Schulung erfolgt, die An- Stellung erfolgt zufällig, die Disziplin und Ordnung entspricht nicht initiier der Größe der Aufgabe, die Methode def Arbeit ist willkürlich Und die geistige Regsamkeit findet oft keinen anderen Ausdruck als Opposition. Andererseits vermissen wir bei den Zentralen den Willen und di® Fälligkeit, dir! Krültc zu halten, ihnen die Arbeit lieb Mud wert zu machen, vermissen wir die Einwirkung, die die Arbeiter davor bewahrt, sei Cs selbstherrliche Diktatoren, sei cs erstarrt® Bürokraten tu werden. Hier liegen die eigentlichen Problem® des orgnnisnlörisChcrt Aufbaues, Es mag unbcrpient und mag monomanisch drsCfieb neu, daß an dieser Stelle immer wieder darauf!Ungewissen wird, aber «0 muß gesagt werden, daß, wenn nicht die Organisation die Wichtigkeit der Schaffung eines groß 1111׳ gelegten, gut geschulten Und ständig befruchteten V®rwältungsappara'.es entstellt, der aufgcitcllt, geschult lind gtlcüct wild von mit hiiirelclwmiait Kräften und Mitteln anageätattcicit zentralen Stellen, ütitl wenn alt nicht die erforderlichen Schritte dazu tut, sic an dem dauernd wachsenden Mißverhältnis zwischen der Größe der Aufgabe und ihrer Fälligkeit, sie zu bewältigen, zerschellen wlid. Hoffen wir, daß sein Mann wie Lipsky, daß die neue Exekutive die Bedeutung diese• Problems t!f* - kennen. luliua Berger, Arthur Runäl iller Pällslin* (Vortrag In der zionistischen Bezlrksgrupp« West.) Oie Anwesenheit vöu Herrn Dr. Arthur Kuppln tmd Herrn Dr. Run dt au» Wien, der, wie bekannt »ein dürfte, Im Aufträge von führenden mitteleuropäischen Zeitungen in diesem Jahre Palästina besuchte, und dessen gemeinsam mit Richard A.!teerinann (Arnold llullricgel) ticrausßCgcbentB Reisebuch über Palästina grolle« Interesse erregte, hatte Herrn Dr. Apfel, Mitglied des Präsidium* de» Keren Hajessod, Veranlassung gegeben, einen engeren Kreis von Persönlich-* keiten, die an dem Aufbau Palästina» interessiert Sind, zu einet* Besprechung in das Logcniiaus zu laden. Der Abeml sollte einer Information über die Lage tm Lande dienen. Def ttge Besuch der Veranstaltung zeigte, daß das Interesse für de« Aufbau Palästinas auch im Berliner Judentum dauernd an Boden gewinnt. Fast *amtliche Ein geladenen, was vielleicht besonders erwähnenswert ist, hatten der Aufforderung Folge geleistet. Herr Dr. Apfel «rftftnctc die Ver- Sammlung Und begrüßte vor allem Herrn Dr. Kuppln, Herrn Prolesnor Einstein und Herrn Dr. Rumlt. Herr Dr. Run dt berichtete In längeren Ausführungen über »eitle Reise nach Palästina, die ihn, einen Nicht*!«nisten, von dem wert der Aufbauarbeit de* Zionismus In RälSslina übet■• zeugt habe. Der neue jüdische Menschenschlag der Ohalurim sei ein tiefes Erlebnis für jeden jüdischen Menschen, der nach Palästina kommt. Seine Kritik galt vor allem dem Judentum Im Gaiuth, da* die Größe der Auf-* gäbe noch nicht erfaßt habe. Die objektive Dar- Stellung der Verhältnisse in Pa'Sstlna fesselte dt® Zuhörer außerordentlich. Dr. Arthur Ruppln ketmzeichncte in kurzen Strichen die Entwicklung des jüdischen Leberts in Palästina, über dessen augenblicklichen Stand Dr. Rundt berichtet hatte. Er streifte kurz den Rückschlag, den die jüdisch® Aufbauarbeit durch den Krieg erlitten habe und der in vielen Menschen di« Befürchtung erwecken mußte, daß die Arbeit nicht mehr zu Ende geführt werden könnte. Er schilderte In eingehender Weise den Ncubcglnn der Arbeit, der sofort nach Kriegsende ein*ctztc, und wie* auch auf die grundlegend® Aut« gab® hin, die der Landwirtschaft beim Aufbau zulalle. Itti weiteren Verlauf Mine« Referat« skizziert® er auch die Möglichkeiten der Industrie und wies aut di» bestehenden Unternehmungen im einzelnen hin. Die Grundläge für jeden Aufbau seien Menschen und Geld. Die jüdi- »dien Bewohner des Landes selbst »eien noch nicht imstande, durch eigene Steuer die notwendigen Ausgaben, die durch die steigende Immigration entstehen, zu decken. Die Aufgäbe de» Judentums im Cialutli sei es daher, die nötigen Kapitalien bereit?urteilen. Entscheidend für die weitert Entwicklung de» Aufbaues sei der Keren HajesSod, der erat die Investierung von Privatkapital in Palästina ermögliche. Herr Professor Wa rb u r g wies vor allem «ut die kulturelle Seite de* Aufbaus hin und zeigte die Notwendigkeit der Errichtung einer jüdischen Universität ri> Jerusalem. Nach einem minutenlangen Beifallssturm crgrilt Herr Professor Einstein das Wort. Er schloß *ich den Ausführungen Professor Warburgs au und wies ebenfalls auf die Notwendigkeit der jüdischen Universität hin. Int Augenblick der größten kulturellen Not de» Judentum*, Im Zeitalter des Numeri!» clausus, baue das jüdische Volk »eine Heimstätte. Zum Schluß ergriff Dr. Aptcl da* Wort, um noch einmal die Verpflichtung des gesamten Judentums fcstzulegcn, an dem Aufbau Palästinas durch Mitwirkung am Keren Hajessod tätigen Anteil zu nehmen. Die Zeit sei vorbei, in der man an die Juden heranfrete, um 0.1 ben für ücn Aufbau Palästinas zu bitten. Der Keren Hajessod lei eine Forderung, die an Zionisten und Nicht* ziemisttn gleichermaßen ergehe. HislriklMag der bühmischen Zionisten Am 20. und 21. Oktober fand in Prag der Distriktslag der böhmischen Zionisten statt, Als Gäste nahmen daran teil Dr. Shmärj® Lewin und der Generalsekretär dH Keren Hajessod-Direktoriums in London, Leo Herrmann. Das Zeit* tralkomllec der tschechoslowakischen Zionisten war durch die Herren Finzl, Dr. Hugo 11 e r r m a ti n und Df. F. Kahn vertreten. Auf der AbCndsit&nlg erstattete Df. Resek den Rechenschaftsbericht, worauf nach Annahme eines Absolutorium« di« Neuwahl der DislriklleltUng StattfShd, wobei den Vertretern der Jugend, wie Bl au wc i ß usw., d i» Majorität in der Leitung eirtgefäumt wurde. Auf der Sonntagssilzuitg referierten die beiden Kongrefkielcglerten Böhtu ent, N. Adler uml Dr, Emil Margulies, über de« XIII. Kongreß. Herr Adler vertrat den Standpunkt der Kongreßmajorität und Dr. Margulies den der demokratische« Fraktion. Gegen Margulie* sprachen u. a, Dr. Shmarjl Lew in und Dr. Ruf® Isert. Bei der Abstimmung wurde eine Resolution, wonach der Bericht Adlers zur Kennt- 1118 genommen, der Exekutive das unbedingte Vertrauen ausgesprochen und alicn Zionisten die Verpflicht tuug zur energischsten Fortsetzung der Kcrert HäjHSod-Afbeit auferlegt wird, mit all n gegen drei Stimmen ange* noninten. Das Technikum In üalla Der kürzlich unter Vorsitz von Sir Alfred Mond tn London gegründete Board of Dircetors des Haifacr Technikums hat beschlossen, das Technikum im April 1924 zu eröffnen. Zweck des Instituts ist Ui® Ausbildung technischer Arbeiter niederen und mittleren Grades, snezlcll von Mechanikern und Handwerkern, Hilf»* Ingenieuren und Zeichnern. Unterrichtet wird in Tageskursen, die einige Jahre in Anspruch Keimten, kt HaiBtags- und Abendkursen sowie in Sondcrktirscn von bcschränkler Diner. Einen wichtigen Unterrichtszweig wird die Werk- *tattpraxis bilden tn Ergänzung zum theoretischen Unterficht Die erste Klasse, die im kommenden Frühjahr erö flucti wird, *oll die Kla»ao für H*uunterricht sein. Die Ausblldmig V611 MaechiiHUi* und Elektrizitätsingertiturert wird etwas später beginnen. In Anbetracht de* sich Int ganze« Lande fühlbar machenden großen Bedürfnisse* nach technischer Ausbildung hat du* Direktorium des Weiteren beschlossen, bereits vom NpvCmbcr 1923 bis Mär* 1924 provisorischen technischen Unterricht im Baufach und den damit ZUäfttnmcAhängenden Fächern zu erteilen, und twa! *ö, daß er I!« April ohne Unterbrechung Im Technikum fort* gesetzt werden kann. Die Gesellschaften ״Ort" und ,Idgesköm" treffen Vofbe• reituu&tii, um die Abteilung ftve jüdische Landwirtschaft det Kl« 20־. Oktober geschlossenen allrussischen landWlrtSchaft* liehen Auss teilt mg ki Moskau teilweise «ach Amerika ZU überführen, wo die genannten Gesellschaften eine Ausstellung für jüdisch® Landwirtschaft arrangieren, Auch der Palästina- Pavillon auf der Moskauer landwirtschaftlichen Aufteilung soll zum Teil nach Amerika gehen. י