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Jüdische Rundschau · 1923-10-30 · Heft 93 (30.10.1923) · page 1

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXVIII (1923)
Issue
Heft 93 (30.10.1923)
Date
1923-10-30
Page
– (sequence 1)
Language
German
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FUrAuiUnctiiniirita I0Q%V• 11» Um ichUg Anxrl^ertscUhtJs Dienatftg und K ז i t g nacbratltig 4 Uhr• ) 1 י a. äST* -*.il Telephon: Pfnlzburg 669711.6693, Postscheckkonto: Berlin Nr. 17392, Für Oesterreich) Postsparkasjenamt Wien, Konto Nr. 156030, Für Tschechoslowakei: Poatsparkaasenamt Prag, Konto Nr.59410, — RcdaktionsschluQ Sonntag und Mittwoch nachmittag. — assrzrsras*«*»»*»« תיס״ר כ׳ מרה' XXVIII. Jahr?. für das Jüdische Volk die Schärfung einer Öffentlich - rechtlich gesicherten Heimstätte ln Palästina. ״Baseler Programm.*4 f 0 m f% ß * <ז*‘, * ן Jj üüS• (Spezialbcricht der ״Jüdischen Rundschau") £XA. Die Sitzung des Zionistischen Aclions-Camitds wurde I am Freitag, den 26. Oktober, im Zeiitralbüro in London I eröffnet. Anwesend sind: Exekutive: Dr. Weizznann, Mr. J.Lewen, Dr. M.Solowcitschik.A ction$-C01mit6: Dr. Chajes, R. Stricker, Dr. A. Katznelson, M. Aleini-!;off, K. Blumcnfcld, Sol. Cohen, D. Florentin, Rcv. J. K. Ooldbloom, A. Goldstern, Dr. J. Göttlich, Dr. A. Hantke, Dr, S. Lev in, L. Levite, N. de Lieme, L. Motzkiri, Dr. L Reich, Dr. O. Thon, H. Farbstein, L. Levin-Epstein, Rabbi S. Brod, Dr. M. Nurock, Dr. S. Federbuscli, Dr. R, Weltsch, J.Grünbaum, Dr. N.Goldmann. I. Mereminski. Finanz* und W i r t sch a f t s rat: Dr. B. Fciwcl, Dr. G. Halpern, Mr. I, Naiditsch. Jüdische Kolonialbank: Jean Fischer. Keren Hajessod: S. Kaplansky. Der Präsident des Adions-Conut<$s, Dr. Chajes, erklärte in seiner Eröffnungsrede, daß die Sitzung auf, Wunsch der Exekutive zusarnmengetreten ist, weil die Exekutive mit dem Actions-Comitc über das Verhalten der Zionistischen Organisation anläßlich des Vorschlages der englischen Regierung zur Schaffung einer Arab Agency beraten wollte. Hierauf ergriff das Wort Dr. Weizmann, der er* klärte, die Sitzung habe nach seiner Auffassung zwei Aufgaben. Erstens müsse das Actions-Comitfi Stellung nehmen zu der aktuellen politischen Lage, zweitens müsse der Arbeitsplan für die nächsten sechs Monate besprochen werden, weil die Mitglieder der Exekutive bereits in der nächsten Zeit sich in verschiedene Länder zerstreuen wer* den, er selbst am 24, November nach Amerika gebe und das Bedürfnis habe, vor seiner Abreise sich mit den Mit* gliedern des Actions-Comites über die kommende Arbeit auszusprecltcn. Bezüglich der politischen Lage berichtete Dr. Weizmann über die Informationen, die er während seines kurzen!׳.!!altes in London einhölen konnte. Massenausweisung von Juden aas München Die Tagesblättcr haben bereits berichtet, daß der bayerische Generalstaatskommissar v. Kahr eine große Zahl von ostjüdischen Familien, die bereits seit Jahrzehnten in München ansässig sind, ausgewiesen hat Durch den Ausweisungsbefehl sollen außerdem auch mehrere reichsdeutsche Juden betroffen sein. Wir werden auf Grund authentischen Materials über die Einzelheiten noch berichten und begnügen uns heute mit der Wiedergabe der Darstellung in den Berliner Sonntags- und Montagsbläftcm, in denen mitgeteilt wird: ״Die Münchener Polizei-Direktion veröffentlicht authentische Mitteilungen über die vom Generalstaatskommlssar verfügten Ausweisungen. Die ,Münchener Neuesten Nachrichten' sprechen von einer ״Reihe von Ausländern", die ausgewiesen wurden. Es wird nicht nur in München, sondern in ganz Bayern gegen alle lasti* gen Ausländer vorgegangen. Die Konfession spielt hierbei keine Rolle. Hier wird also die antisemitische Tendenz der Anordnung bestritten, während die Kahr nahestehende ״München - Augsburger Abcndzeitung" ausdrücklich von einer Ausweisung von Juden aus München und Bayern spricht. Tatsache ist, daß die Ausweisungsbefehle, soweit sie bekannt geworden sind, durchwegsjtidcn betreffen. Die antisemitische Tendenz gellt klar auch daraus hervor, daß in einem Falle einem Ausgewiesenen der Wohnungstausch nur unter der Bedingung gestattet wurde, daß er nicht mit einem Juden tausche. Unrichtig ist in den Darstellungen der Münchener Presse ferner, daß es sich ausschließlich um Ausländer und Staatenlose handelt. Von der Ausweisung dud vielmehr auch Reichsdeutsche nichtbayerisrher Staatsangehörigkeit betroffen." Alliance and Jewish Agency Die Jüdische Pressezentrale in Zürich meldet aus Baris, daß das Zentralkomitee der Alliance 18raeIite Universelle in seiner letzten Sitzung ^schlossen hat, einen offiziös gemachten Vorschlag, a״ der Jewish Agency tcilzunehmen, abzulehnen, da *s die neutrale Haltung der A. I.U. gegenüber dem Ziohisnius nicht aufzugeben wünsche. Die gleiche Presseagentur bringt die weitere Nachficht, daß auch das Zentralkonsistorium der französischen Israeliten von Dr. Weizmann, der bis vpr kurzem in Paris weilte, aüfgefordert worden sei, sfrh in der Jewish' Agency vertreten zu lassen. Der Pariser Berichterstatter der J. P. Z. glaubt auch die Ab* frbnung dieses Angebots Voraussagen zu können. Auf den Vorschlag einer Arab Agency hat die Zionistische Organisation bisher nicht geantwortet, da indes die Araber den Antrag bereits abgclehnt haben, sei im Augenblick die Angelegenheit nicht vongroßer praktischer Bedeutung. Dr. Weizmann setzt dann auseinander, in welchen Linien sich nach seiner Meinung die zionistisclic Antwort bewegen könnte. Nach der Rede Dr. Wcizinanns wird nach längerer Geschäftsordnungsdebatte beschlossen, noch eine Reihe von Ergänzungen abzuwarten, bevor die Debatte eröffnet wird. Die Debatte wurde auf die nächste Sitzung verschoben, die Samstag, 7 Uhr abends, stattfindet. Inzwischen wird in der Tagesordnung fortgefahren. Dr. Feiwel berichtet namens der Exekutive über den Plan der Durchführung des Beschlusses des XIII. Kongresses bezüglich . Erweiterung der Jewish Agency. Die Exekutive hat Richtlinien ausgearbeitet, die einstimmig von der Exekutive angenommen wurden und eine Arbeit vor allem in zwei Richtungen vorschen: einerseits Heranziehung der organisierten Judenschaften der einzelnen Länder, in den den Verhältnissen dieser Länder entsprechenden Formen, andererseits durch Bcnützung der bestehenden Keren Hajessod-Komitccs in denjenigen Ländern, in denen deren Leistung bereits ein beträchtliches Resultat ergehen haben. Die folgende Debatte, an der sich viele Redner beteiligen, nimmt zu Einzelheiten der Vorlage Stellung, ohne jedoch zu einem . Abschluß zu gelangen, da infolge des Sabbath-Anfangs die Sitzung unterbrochen werden mußte. Besondere Erwähming verdient die Erklärung mehrerer Redner, die auf dem Kongreß Gegner des Beschlusses über die Jewish Agency gewesen waren, daß im gegenwärtigen Augenblick, nachdem der Kongreß den Beschluß gefaßt hat, nicht mehr um das Prinzip gekämpft werden dürfe, son* dcrn auf dem Boden des Kongrcßbcschlusses ein Weg der Durchführung von allen gesucht werden muß. Amcrikardse IVelzmanns and Ruppins Die Abreise Dr. W c i z m a tt n s nach Amerika ist für den 24. November vorgesehen. Zugleich mit Dr. Weizmann fährt auch Dr. Ru pp in nach Amerika, um dort als Mitglied der Zionistischen Exekutive die Verhandlungen über die Gründung der Investm e 111 Bank f o r P a l e s t i n e, die von ihm bei seinem scinerzeitigen Aufenthalte in Amerika begonnen und dann vom geschäftsführenden Direktor des J. C. T., Dr. Georg Halpern, fortgesetzt worden sind, weiterzuführen. Arabische Scheichs beim Obcrkommissar Jerusalem. (J. C. B.) Sämtliche Scheich!; der Provinz Bcisan sind in Jerusalem cingetroffen und haben Sir Herbert Samuel einen Besuch im Rcgierimgsgebäude abgestattet. Die Scheichs überreichten dem Oberkomrnissar ein Memorandum, in welchem sie ihre Loyalität gegenüber der Regierung kundtun und ihrem Wunsche Ausdruck geben, mit der jüdischen Bc• völkerung im Einvernehmen zu leben. Die Scheichs erklären, sie wollen Land an die Juden verkaufen und sie protestieren gegen die Agitatoren, die versuchen, Feindschaft zwischen den Juden und Arabern in Palästina zu säen. Sic wiesen dabei Insbesondere auf den Wadi Effcndi el Bustani hin, der ein Mitglied der arabischen Delegation in London gewesen ist. DemoustrafIons-Verbot für den 2. November Die Regierung hat für den 2. November, den 6. Jahrestag der Balfour-Dcldaration, die Veranstaltung von Demonstrationen verboten. Die zeitweise aus Jcrusalem zurückgezogenen britischen Truppen wurden dahin wieder zurückbeordert. Araber-Kongreß in Mekka Jerusalem. (J. C. B.) Der arabische Kongreß in Mekka hat die Forderung aufgcstelit, daß sämtliche arabischen Länder ihre volle Freiheit erhallen und sich zu einer arabischen Konföderation Zusammenschlüßen. Gleichzeitig hat der Kongreß den Beschluß gefaßt, eine Konferenz einzuberufen, an welcher Vertreter sämtlicher arabischer Herrscher teilnchmcn sollen. In einer bc* sonderen Resolution fordert der Kongreß die arabische Bevölkerung auf, die englischen, französliclteti und jil* disehen Waren zu boykottieren. Unfruchtbare ״Wahrheiten“ Israel Zangwill hat seine Rede i!1 der Eröffnungv• Sitzung des amerikanisch-jüdischen Kongresses mit Worten eingcleitct, die seine Haltung legitimieren so'lteti«1 Er sei der Einladung gefolgt, das zu sagen, was cif wolle, und nicht der Versuchung unterlegen, das zu sagen, was die amerikanischen Juden wünschen. Und' er rechtfertigt seine Absicht mit dein Hinweis, daß auf: ihn, der nicht gewählt sei und nur sich selbst verant* wörtlich, Walt Whilmans Wort von der ,,niemals enden* den Dreistigkeit der Gewählten" keine Anwendung finde, und daß er von solcher Dreistigkeit weit entfernt sei. Es scheint, als ob Zangwill, als er seine Rede aus* arbeitete, sich an dieses Wort doch erinnert fühlte und so wird cs für ihn zunt Verräter selbstcmpfundener, Bedenken. Nicht als Schriftsteller, sondern als praktischcr Arbeiter, als Prä.••ident dry LT.O. und ihres Emigrationsdepartements, der die Führer des curopäischcn und amerikanischen Judentums zu seinen Mitarbeitern zählte und ״mehr Zeit an das jüdische Problem verschwendet hat als irgendein anderer lebender Mensch“, wolle er reden. Und nun gibt Zangwill in Anlehnung an Nordaus Kongreßreden und das Bibelwort: ״Wächter, wie weit ist es in der Nacht", einen Ueberblick über die jüdische Lage in der Welt, ״sozusagen wie von einem Acroplan aus betrachtet“. Wir beschränken uns hier nur auf die Teile seiner Rede,׳ die sich mit Palästina und der Zionistischen Organisation befassen. Ein kurzer Auszug ist in der Presse,׳ auch in diesem Blatt, bereits veröffentlicht worden. E9 seien hier nur die markantesten und charakteristischsten Gedanken des Vortrags wiedergegeben, von denen manche, wohl mehr bewußt als unabsichtlich, eine fast sentenzenhafte Formulierung gefunden haben: ״Es wird keinen jüdischen Staat in Palästina geben, nur die Entwicklung einer jüdischen Nationalität, die es bereits früher in Palästina gab. Dies wurde in dem Weißbuch Churchills und Samuels formell mcdcrgelcgt und von den zionistischen Führern formell angenommen, Meine Warnung auf dem großen Meeting zur Feier det Balfour-Deklaralion, d,1ß der kreißende Berg Zion nicht eine Maus gebären dürfe, wurde mißachtet." ״Der Zionistenkongreß, der tagelang hitzige De- ־ batten darüber führte, ob er mit anderen die Macht teilen solle, die er nicht besitzt und von der sic auszuschließen er, selbst wenn er sic besäße, nicht die Macht hätte, ist ein Maßstab für die Irrealität, zu der der Zionismus jetzt degradiert ist.“ ״Es ist wahr, daß ein so ruiniertes Land wie Pa• lästina, das von einer Diaspora bevölkert werden soll, die so ruiniert ist wie die europäische, ein gut Stück vorbereitender Philanthropie benötigt. Aber so zg sprechen, als ob der Keren Flajcssod wirklich die finan* ' ziehe Grundlage bilden könnte, ist durchaus untunlich. In Wirklichkeit können große Summen nur durch die von dem unsterblichen Hcrzl vorgcschlagene Methode einer Fmanzicnmgsgescllschaft zusamuiengcbracht wer* den. Hcrzl hat sich den Führer des Zionismus nie* mals als einen ״König der Schnorrer" vorgestellt, sort* dcrn er wollte dem Souverän eines Landes die Lebenskraft des jüdischen Volkes als Entgelt für das Land anbieten und dieses durch die jüdische Arbeitskraft bereicherte Land dem geldanicgendcn Publikum als Sicherheit für seine Kapitalanlage.“ ״Wie Muza Karin! el I fnsseini, der Führer der arabischen Opposition, in einem Brief an die Londoner ״Times“ mit erdrückender Logik bemerkte, müssen die Juden, wenn Palästina wirklich ein ״Heim“ für sie werden solle, dort die Herren sein. Ein gewisses Maß von Autonomie ist eine conditio sine qua non jeder Kolonistaion und sogar jedes anderen Werkes, wenn cs nicht in der Mitte unterbrochen werden soll.“ ״Wenn Sie clcn Bereich nationaler Politik betreten, so treten Sic in den Bereich der Macht. ... Und obgleich es über den kriegerischen Nationen noch ein Recht gibt, dem zur Herrschaft zu verhelfen unsere Pflicht ist, so bleibt es wahr, daß selbst dieses Recht ohne Macht selten begründet werden kann, Im Fall des Ziolüsnuis betreten Sic nicht nur den Bereicl! der Macht, sondern auch den des Rechts. Aber wenn das Weiß» buch sagt, daß die Juden in Palästina sind, ״von rechts* wegen“, muß dieses Recht auch durch die Macht bc* «tätigt werden. ... Es ist nicht Jüdische Macht, son* dcrn britische, wie die Araber klar sehen. ... Britischer Zwang, der im letzten Grunde die Form von Bomben und Giftgasen annimmt, muß angewendet werden, um die jüdische Immigration gegen die Araber zu schützen, und ebenso gegen die jüdische Immigration, um England vor einem arabischen Aufstand in einer pan■! arabischen Gegend zu schützen. Der Zionismus kann sich! daher nur insoweit auf Englands Macht stützen, als cs Englands Politik entspricht. Und seit die Zionisterl bereit sind, alle Bed:::״ungcn zu akzeptieren, und «eiert sie noch so erniedrigend und undurchführbar, und seit Biitannien von einem zu taktvollen jüdischen Gouvere ח cur vertreten wird, ist es klar, daß nur ein Minimutrt j an Macht dem jüdischen nationalen Heim zur Verfügung [ stehen wird, und dies hauptsächlich int britischen Intel*

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