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Jüdische Rundschau · 1923-10-23 · Heft 91 (23.10.1923) · page 2

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXVIII (1923)
Issue
Heft 91 (23.10.1923)
Date
1923-10-23
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Seite 536 JUEDISCHE RUNDSCHAU Nr. 9! gegen den ״internationalen Marxismus“ und gegen das Judentum als Narkotikum verabreicht. Wir dürfen uns nicht verhehlen, in welchem hohen Maße diese raffinierte, mit Hilfe eines riesigen Prcsscapparatcs und durch Unter- Stützung der beschäftigungslos gewordener! militaristischnationalistischen Freischärler betriebene Suggestion von Erfolg begleitet war. Tatsächlich meinen heute große Teile der ahnungslosen Massen, daß das Judentum׳ am Untergänge Deutschlands Schuld trägt. Ausschlaggebend ist dabei’der Umstand, daß der Instinkt der Massen diesen Oedankengängen entgegenkommt. Die Drohungen gegen die Juden sind nicht mehr zu überhören und Vorfälle wie die Judenmißhandlungcn in Beuthen zeigen, wie ernst die Situation des deutschen Judentums geworden ist. Noch nach dein׳ Kriege, als die Nachrichten von antijüdischen Ausschreitungen in Polen und später die blutigen Pogrome in der von konterrevolutionären Banden heimgesuchten Ukraine nach Deutschland drangen, glaubte man es!nid einer Erscheinung aus dem ״unzivilisierten Osten“ zu tun zu haben, und fühlte sich sicher in einem Kulturland. Heute ist für Deutschland diese Ehrenstcllung eines Kulturstaatcs vor den Augen der ganzen Welt gefährdet. Die deutschen Juden, die vor kurzem noch ihren östlichen Brüdern Hilfe leisten mußten, stehen heute vor der Notwendigkeit, sich selbst zu schützen, ln einer solchen Stunde der Gefahr halten wir es für selbstverständlich, daß alle deutschen Juden für das bedrohte Judentum einstehen. Alle noch so tiefgehenden Unterschiede der Anschauung, alle Partei- Interessen müssen u. E. in einem solchen Augenblick zurückgestcllt werden. Wo es sich um׳ physische Abwehr handelt, sollten alle Juden zusammenstehcn. Die Zionisten, die ungeachtet ihrer unverrückbaren Auffassung von der Judenfrage und ihrer Lösung — eine Auffassung, für die gerade iin heutigen Deutschland genug Argumente sprechen — stets die Treue zum׳ eigenen Volk als Leitstern ihres Handelns betrachtet haben, wünschen eine Zusammenfassung aller Kräfte, um den Schutz der Juden in Deutschland mögliclist wirksam zu gestalten. Auch in der Stunde der Gefahr darf allerdings nichts gc- Beheben, was mit der Würde d־es Judentums unvereinbar ist, ganz abgesehen davon, daß Würdelosigkeit die Position auch dem Angreifer gegenüber nicht stärkt, sondern schwächt. Die deutschen Zionisten sind sich!der Dringlichkeit dieser Aufgabe bewußt und werden sich bemühen, zu einer Koordination mit anderen .Gruppen des deutschen Judentums zu kommen. Selbst-;(verständlich setzt das voraus, daß auch andere'Gruppen sich in diesem Moment nicht von Partei- oder Gruppen- Interesse bestimmen lassen.; Verhandlungen, die in dieser Richtung begonnen ,wurden, haben bisher zu einem! endgültigen Resultat noch nicht geführt. Selbstverständlich! können Zionisten nicht zu antizionistischen Organisationen das Vertrauen haben, daß sie allein den Abwehrkampf in einem auch (für uns annehmbaren Geiste führen, und können keine ׳Mittei beisteuern, über deren Verwendung sie keine [JOontroile haben. Me Zionistische Organisation wird jidie volle Mithilfe aller ihrer Mitglieder und der Jahr nahestehenden Kreise in Anspruch nehmen jlmüssen, um wirksame Maßnahmen zu treffen. Sollte :es sich ergeben, daß diese Maßnahmen gemeinsam mit anderen getroffen werden können, dann werden wir dies;!freudig begrüßen. Viel Zeit ist jedoch nicht mehr zu!verlieren, * , Die zentrale Frage der jüdischen Galuth-Existenz!ist heute wieder die Frage der jüdischen Er- Iziehung. In Deutschland ist dieses Problem vielleicht niemals zuvor so brennend empfunden worden wie heute. ,Die erstarkende Gegenrevolution hat es mit sich gebracht, jldaß die Erziehung in deutschen Schulen heute nationahstischcr ist als je und gleichzeitig ist durch dieselben Ursachen das jüdische Selbsibewußtsein wieder erstarkt, Die Unmöglichkeit, seine Kinder im frühesten Alter nicht nur einer feindlichen Welt auszusetzen, sott- ‘dem auch mit Ideen und Gedanken erfüllen zu lassen, die dem jüdischen Wesen fremd sind, wird heute keineswegs nur von Zionisten, sondern von den meisten deutsehen Juden empfunden. Das große Interesse, das jüäischo Eraielmuigsfragen finden, zeigte sich bei der!von der Zentralwohlfahrtsstelle einberufenen Erziehungskorferenz. Das Bedürfnis nadi dem Geistigen erstarkt wieder, nachdem die völlige Auflösung sdton nahe war,!und wir haben gesehen, daß die Probleme unserer geistigen Existenz und Zukunft leidenschaftliche Teilnähme aller jüdischen Kreise, vor allein aber der Jugend selbst finden. Die Jugend — und nicht nur die zionisiisclic — hat ein starkes Bedürfnis nach der Erfassung jüdischer Kulturwcrte. Sie fühlt deutlich, daß gerade die heutige schwierige Situation ein starkes jüdisches Selbst- Bewußtsein erfordert. Auch der Zionismus muß wieder stärker zur aktiven Kulturarbeit zurückkehren. Eine der wichtigsten zionistischen Aufgaben, die noch immer nidat gelöst wurde, ist die Verbreitung der hebräischen Sprache. Ohne Hebräisch ist nicht nur eine Kenntnis unserer Verßangeiilicit und der großen Werke des jüdischen Geistes!völlig unerreichbar, sondern auch eine Anteilnahme an 'dem jüdischen Leben der Gegenwart ist ohne Kenntnis des Hebräischen undenkbar. Alles, was in dieser Hinsicht getan wird, bleibt ahnungslose Geschäftigkeit, solauge die Brücke zur hebräischen Welt nicht geschlagen Ist. Der Jüdische Sclniiverein in Berlin und die von Bim erhaltene Hebräische Sprachschule haben auf diesem Gebiet im stillen bereits beträchtlicltc Arbeit geleistet und Erfolge erzielt. Trotzdem kann man wohl sagen, daß .,sogar die große Masse der Zionisten der hebräischen Sprache noch viel zu apathisch gegemibasteht Soeben 1 11 *ו.■''״זר-ץ־ 0.-\f% Pif ך;*;־ ל Wir machen hierdurch dnraaf acfsierksso, daß die Lieferung dci Blattes an unsere Abonnenten Io Auslands nnr nach Voran► Zahlung der AbonncmentsgcbBbren erfolgen kann, Eine Stundung der Gebühren Ist bei den heutigen Herstellung* und Vorland• Spesen anm5״l!ch. Die Gebühren betragest Für Afrika ...... •, . . 4 eh 1» Amerika .... . . 1 Dollar!» . . ׳. «Aigypts 4 . ,׳ eh ff Belgien . .••; . ־ *10 Franc . , 1( üulgarlen . . . . . 80 Lewa >* Dänemark, Schweden a. Norwegen 3 Kronen sr Dcufcch-Ocstcrrelch ,.35020 Kronen 11 England . . . י 11• 4 . ״, tt laüaad .... , 350 eatn.Klark II Finnland . , , . . 30 flau. Mark II Frankreich . , . . 12 Franca II Griechenland , . , . 12 Francs II Holland .... 1 , . 2H Calden ■ || Italien .... , . 20 Lire t» Jugoslnrlen . . . , . 80 Dinars H Lettland .... . . 5 Lats tl Litauen .... . 12 Llts 1« Luxemburg . . . , . 10 Francs fl Memelland . , . . . 10 Llts |# Palästina . , . , . 4 sh tt Polen . , . .480 000 po!n. Mark 1! Rumänien . s , , . 200 Lei t| Schweiz . . . . . 5 Franca f« Spanien .... , . 7 Peseta* 1• Tschechoslowakei . . 30 Kronen H Türkei .... , . 12 Francs 1! Ungarn .... , 14000 Kronen Die Z nsendnng der Gebühren erbitten « in Originalnoten Io eingeschriebenen Brief, Verlag Jüdische Rundschau Berlin W15, Sächsische Sir. 8 beginnt ein neues Arbeitsjalir. Die Hebräische Sprachschule eröffnet neue Kurse und niemand, der die äußere Möglichkeit hat, sollte versäumen, an diesen Kursen teilzunehmen oder seine Kinder in die Schülerklasse zu senden. Selbstverständlich muß jeder Lernende feste Entschlossenheit und Liebe zur Sache mitbringen, beide gibt das Bewußtsein der unerläßlichen Notwendigkeit. Es muß die Zeit kommen, wo ein Zionist, der nicht hebräisch versteht, als ein Kuriosum angesehen wird. Keren I^ajessod Keren Oafessotl Aktion in Saarbrücken Die Arbeit für den Keren Hajessod in Saarbrücken wurde bisher ohne Hilfe von außerhalb durch die zionistische Orts• gruppe gemeinsam mit dem dort bestehenden neutralen Komitee des Keren Hajessod durch,״cfiihrt Die Schwierigkeiten in Deutschland wirken naturgemäß auch auf das Saargebiet zu• rück, da ja trotz der besonderen .Stellung des Saargcbicts die wirtschaftlichen Beziehungen zu Deutschland außerordentlich enge sind. Es schien notwendig zu sein, trotz der schwierigen Lage eine größere Aktion in Saarbriicken zu unternehmen, da die budgetmäßig v erg eschenen Vkheinkäufe für die Arbeiter- Siedlungen, die im Augenblick statt finden, nur durch außerordentliche Kraftanstrcngungcn gesichert weiden konnten. Aus diesem Grunde hatte Herr Dr. Heitmann im Aufträge des Keren Hajessod am 3. Oktober eine groß angelegte Aktion befonnen. Diese Aktion, die ein außerordentliches Resultat errächte, hätte nodi einen größeren Erfolg aufweisen können, wenn sämtliche in Betracht kommenden Stellen die Bedeutung dieser Arbeit richtig eingcschälzt hätten. Bedauerlicherweise muß festgcstcllt werden, daß einige sonst sehr aktive Herren aus. verschiedenen Gründen sich nicht in den Dienst dieser Aktion stellten. Das Ergebnis betrug an Zcichnungen 64 209 Frcs., wovon 48819 Frcs., also mehr als 75 % bereits bar eingezahlt wurden. Wenn man bedenkt, daß die Gemeinde m Saarbrücken bloß 1200 Seelen umfaßt, so darf wohl gesagt werden, daß das Resultat im Verliältnis zu der kleinen Seelen zahl der Gemeinde als eines der besten Er• gebnisse in Zentral-Europa gewertet worden darf. Erwähnen«- wert ist vor altem die hohe Durchschnittszeichnung, die mit 770 Frcs. -=10 ־ £ pro Zeichnung erzielt wurde. Es ist selbstverständlich, daß dieses Ergebnis Sn erster Linie der aktiven Mitarbeit einiger Freunde des Keren Hajessod und der Energie von Herrn Dr. Helfmann zu danken ist. Das Ergebnis der Aktion in Saarbrücken beweist ebenso wie die Arbeit in Eyd'tkufmen, auf die bereits hier von uns bin gewiesen wurde, daß bei intensiver Arbeit fast jeder einzelne Jude für den Gedanken des Palästinaaufbaueg zu gewinnen ist Keren Hajessod Propaganda In. der Schwei* Man sdircibt 1ms aus Zürich: Die zionistische Wintersaison in der Schweiz wurde am 13. Oktober mit einer größeren Versammlung in der Züricher Augustin-Keller-Loge begonnen, in der Nationalrat Dr. Farbstein über die Eindrucke seiner Paliistinarcisc referierte, die er kn vergangenen Sommer unternommen hatte. Er bekennt sich zur Auffassung, daß kein Grund vorhanden sei, der englischen Rcirieruiig und Administration Vorwürfe zu machen, daß sie ihre Vcrsprechungen nicht einhielten, da die jüdische Bevölkerung in Palästina ent* sprechend der Zahl überall volle Berücksichtigung finde. Jn anerkennenden Worten schilderte der Referent Arbeit und Erfolge des Jischuw und die Wiederbelebung des Hebräischen im täglichen Leben. Um so unerklärlicher erschien Beine Abfchnung der hebräischen Universität, deren Schaffung ein Bild ״der Ideologie in den Köpfen der Intellektuellen'‘ םI:gäbe. Denn ״für die jüdischen Intellektuellen sei die Jitdcnfragc eine IntcJlcktucIIcnfrage“, eine Behauptung, für die Dr. Farbstein schwerlich Beweise erbringen könnte, i>ic Versammlung war von Zionisten, Nichtzionisten, gelaufen Juden und Christen besucht, ein Zeichen, daß das Interesse für Palästina auch in der Schweiz zu steigen beginnt. II an8 Kohn als Dolegiericr des Keren Hajessod nimmt gleichzeitig seine Propagandatätigkeit, die er zu Anfang dieses Jahres begonnen, wieder auf. Die Schweizer Juden haben bei weitem noch nicht das für den Keren Hajessod getan, wozu sie kraft ihrer Leistungsfähigkeit imstande wären. Vcf1talocS)tc Nachrichten EÄ|1I0Blor!s - Ka;a0?ropI!c ln der Warschauer Zitadelle (Polnische Judcnhclze.) 1' In der Zitadelle in Warschau hat aus bisher noch unauf. geklärten Ursa dien eine Explosion statigefunden, deren k Opfer mehrere Tote und viele Schwerverletzte waren! Auch viele Juden sind dieser Katastrophe zum Opfer gcfaUei j Diene Katastrophe wird nun von den Rozwoj-Elemeuten ni einer antijiidiscbcn Hetze ausgenützt Die Rozwoj-Zcitungcn machen Anspielungen darauf, daß cs sich um einen polenii feindlichen Anschlag handelt, an welchem ״Juden :i und Deutsche“ beteiligt seien. Die Redaktion der jüdisehen Tageszeitung ״Hajnt“ wandte sich angesichts gewisser beunruhigender Gerüchte an den Minister und fragte ihn, . welche Mittel zur Verhütung trauriger Folge, erscheinunge n der gegen die Juden verbreiteten Legenden ergriffe« worden sind. Der Zeitung wurde geantwortet, der Minister habe die Mitteilungen zur Kenntni» :1 genommen und an dem Regicrungskommissar zur Verhütung; von Unruhen die nötigen Instruktionen erteilt. ן Im Zusammenhang mit dieser Explosion hat die Regierung \ zahlreiche Zionisten und nationalgesinnte jüdische Arbeiter j verhaften lassen. Bis jetzt wurden 150 Juden verhaftet. Das Präsidium des jüdischen Parlamcntskiubs wandte sich an den Regicrungskommissar für öffentliche Ordnung und machte ihn auf die Gefahr der antijüdischen Hetzarbeit seitens unverantwortlicher Elemente aufmerksam. Die Deputierten Dr. Thon und Kirschbraun besuchten den Innenminister und forderten ihn auf, alle Mittel für den Schut! der bedrohten jüdischen Bevölkerung zu ergreifen. Eine Interpellation des jüdischen Sejmklubs Der jüdische Parlamentsklub hat im Sejm eine Interpellation cingebracht, in der festgcstcllt wird, daß der Aufruf der Regierung, der, ohne eine vorherige Untersuchung abzuwarten, von einem verbrecherischen Attentat polenfcindlichcr Elemente spricht, das Ziel verrät, einen Verdacht auf die Juden zu lenken. Obwohl im Aufruf nicht klar von der jüdischen Bevölkerung gesprochen wird, wiederholt derselbe gewisse Bemerk ungeti der antisemiti. sehen Presse, welche mit diesen Epitheta die Juden bezeichnet hat, so daß es für jeden naheliegend ist, daß auch die Regierung die jüdische Bevölkerung für schuldig hält. Indem die Regierung alle ״die polnisch denken“ zum Kampf gegen den ״inneren Feind“ aufruft, versteht cs sich von selbst, daß die von der antisemitischen Presse aufgehetzten Massen dies als eine Aufforderung zu antijüdischen Exzessen betrachten werden. Damit aber über die Absichten der Regierung keine Zweifel entstehen können, werden im ganzen Lande Revisionen veranstaltet, und legale jüdische Arbeiterinstitutionen geschlossen. In Kongrcßpolen allein hat man 100 jüdische Personen verhaftet, darunter Kaufleutc und politisch Indifferente. Die Arretierungen unter den Arbeitern haben einen Massencharakter angenommen. Wenn man die Starostas fragt, warum man ausschließlich Juden verhaftet, antworten sie kategorisch: ״Es heißt so in dem Aufruf der Regierung." So zeigt sich die Regierung bestrebt, bei jedem Unglück den Volkszorn gegen die Juden zu lenken. Angesichts der erwähnten Gründe fordern die Interpellanten den Sejm auf, folgendes zu beschließen: 1. Der Sejm stellt fest, daß die Regierung keinerlei Grund gehabt hat, gegen die jüdische Bevölkerung eine so unerhörte Beschuldigung zu erheben; 2. eine außerordentliche Sejm-Kommission, bestehend aus neun Deputierten, soll die Ursachen der Katastrophe in der Zitadelle untersuchen; 3. die Regierung wird aufgefordert, die unschuldig verhafteten Bürger zu befreien und die ordnungsmäßige gerichtliche Untersuchung nicht weiter tu stören. Verltallang Alexander Eliasbergs Dr. Alexander Eliasberg, der bekannte Uebersetzer, der seit Jahren in München lebt, war in der letzten Zeit auch das Opfer der antijüdischen Verhetzungen in München. Vor einiger Zeit wurde seine Frau Zina Eiiasbcrg von einem Münchener Gericht zu sechs Wochen Gefängnis verurteilt, weil' sic einem halbwüchsigen Mädchen, das sie durch antisemitische Redensarten gereizt hatte, das Wort Boche zugerufen hat Auf die Berufung des Staatsanwalts erhöhte das Landgericht München die Strafe auf 5 Monate Gefängnis. Frau Zina Eliasberg mußte auch sofort die Strafe antreten. In Verbindung mit diesem Prozeß erschien im Hitlerorgan ״Völkischer Beobachter“ eine in scharfer Form gehaltene Denunziation gegen Dr. Eliasberg, der kommunistischer Umtriebe beschuldig? wurde. Das Blatt for* derte seine sofortige Ausweisung. Am gleichen Tage noch wurde Dr. Eliasberg verhaftet. Nachdem aber dem Gericht nach gewiesen wenlen konnte, daß Eliasborg als Antibolschewist bekannt sei, und er es abgekirnt hat, die russische Staatsangehörigkeit unter der Sowjet- Regierung bcizubch.iiten, wurde er, der schwer herzkrank und durch die letzten Erlebnisse völlig zusammcngerbrochen ist, aus der Haft entlassen. Seine Frau blieb in Haft und wurde der Fremdenpolizei unterstellt, damit sie nach Ver* büßung der Haft ausgewiesen weide. Deutscher Antisemitismus in der Tschechoslowakei Prag. (J. C. B.) Nachdem der Senat der Prager deutschen Universität die beiden Forderungen der arischen Studenten nach Maßregelung eines sozialdemokratischen Dozenten und nach Zurücknahme der Berufung des jüdischen Universitäts- Professors Kisch aus Halle zurückgewiesen hat, ließ der Vorstand der deutschen Studentenschaft der Prager deutschen Universität am schwarzen Brett der Universität eine Bekanntmachung anschlagen, daß die deutschen Studenten den Vorlesungen der in Verruf erklärten Professoren nicht mehr beiwohnen werden. Prag. (J.C.B.) Der deutsch-national« P*r• laments-Klub beschloß, mit Rücksicht auf die ״Verjudung“ der Prager deutschen Universität neuerdings im Parlament den Antrag auf Einführung einer Prozentnorm für jüdische Lehrer und Hörer cinzubrinpe»• (A's Listen füll rer dieser Deutschnationalen hat bei den letzten Wahlcn der J u d e Dr. Josef Eckstein kandidiert. — Spiegel für Assimtiantaal) , . ,7

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