Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXVIII (1923)
- Issue
- Heft 88 (12.10.1923)
- Date
- 1923-10-12
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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- Haifa 5× ep/1047930
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> ¥ Nr. 8a JUEDfSCHE RUNDSCHAU Seite 521 Haifa als Stätte der Teclmlk Von Dipl.-Ing. Max Hecker, Jerusalem, zur Zeit Berlin. (Zur J.uljur-Aktion des J. N.-F. in EX'utsehiaud.) Die Absicht des Jüdischen Nationalfonds in Deutschland, jadjur bei Haifa zu einem neuen Siedlungspunkt zu bcstimmen, muß besonders glücklich genannt werden, denn die dort entstehende Kolonie wird von vornherein einen starken Rückhalt in der unmittelbaren Nähe einer gröberen Stadt finden. Diese Sicherheit, die der Absatzmarkt von Haifa bietet, kann mit einem hohen Orad von Wahrscheinlichkeit für die Zu- Inrnft noch als wachsend angenommen werden. Unter den Städten von Erez-fsrael hat keine innerhalb der letzten zwei Jahrzehnte eine so lebhafte Entwicklung crtalircn, wie gerade Haifa, — von dem ncucntslandcncn Tel-Awiw abgesehen — uml kaum eine andere Stadt trägt die gleiche Gewähr in lieh, daß diese Entwicklung sich auch in Zukunft in ahnlichem Tempo fort setzen wird. Noch vor kurzem war Haifa nichts als ein unbedeutendes Landstädtcbcn, vollständig in den Schatten gestellt durch das gegenüberliegende Akka, das von jeher als Verwaltung^- und Handelsplatz die führende Stelle innchatte. ■Beinahe mit einem Schlage, durch ein einliges Ereignis änderte sich das Bild. De türkische Regierung 11 גן sich während des Entstehens der Hcdschas-Bahn veranlaßt, dieser wichtigen Lebensader des ottomanischcn Reiches und des Islams einen anderen Meerausgang zu eröffnen, als ihn anfangs das zu sehr unter französischem Einfluß stehende Beirut geboten hat. Die Wahl fiel nicht auf Akka, sondern auf das benachbarte Haifa. Die 1901 erfolgte Inbetriebsetzung der Anschlüße recke von Haifa nach De ran hatte nach wenigen Jahren zur Folge, daß die Rollen der beiden Städte direkt vertauscht wurden. Haifa überflügelte mit Riesenschritten Akka, das seither in das Dämmerlicht einer Provinzstadt versank, in dem seine glücklichere Rivalin zuvor geschlummert hatte. Diese Aufwärtsentwicklung Haifas!erhielt einen erneuten Impuls, als England seine Hand auf Palästina legte. De neue Regierung verlegte auch den Verwaltungssitz von Akka nach Haifa, das sich späterhin noch weiter, bis zum Vorort des ganzen nördlichen Palästina (Galiläa und Nordsamaria) ent• wickelte. Die neue Eisenbahnlinie, die Erez-lsracl an Aegypten anschlicßt, wurde gleichfalls bis Haifa geführt, das hierdurch Mittelpunkt des palästinensischen Bahnnetzes wurde. Es war daher naheliegend, auch die Verwaltung de* gesamten Bahnwesens hier cinzurichten, und nicht in der Landeshauptstadt, die vom Haupt verkehr ganz abgcrückt liegt. Haifa ist di« einzige Stadt des Landes, die, von Jerusalem abgesehen, zentrale Regierungsbehörden — und zwar außer der Eisenbahn, auch noch die landwirtschaftliche Abteilung —- aufnimmt. Noch bedetriungsvoller Ist der Aufschwung Haifas in kommerzieller Beziehung. Nachdem die Eisenbahn eröffnet und im Zusammenhang damit auch die Hafenverhältnisse verbessert worden waren, wuchsen Haifas Ein*, Aus- und Dirchfuhr- Handel in raschem Tempo. Es wurde im Laufe der Zeit eine ernsthafte Rivalin für Jaffa, das bisher unbestritten den Handel des Landes beherrsdit hatte und begann sogar Beirut zu bedrohen, indem es, gestützt auf eine kluge Tarifpolitik der Hcdschas-Bahn, sidi zum Ausgangshafen für das Getreide des Hauran und zum Einfuhrplatz für Damaskus zu entwickeln anfing. Von Natur als Hafen weit besser ausjestattet als die anderen Seeplätze des Landes, war Haifa die erste und einzige Stadt, die — wenn auch noch besdieiden — künstliehe Hafenanlagen erhielt, ein weiterer Anstoß zum Auf- Schwung. Und jetzt, nach dem Kriege, ist es im Laufe weniger Jahre so weit gekommen, daß es Jaffa bereits zu überflügcln beginnt. Im Jahre 1922 haben die Ein- und Ausfuhr- Ziffern von Haifa jene der Konkurrentin zum erstenmal hinter sich gelassen, Schließlich beginnt in der neuen Aera noch ein weiteres Feld wirtschaftlidier Betätigung sich in Haifa zu erschließen, das der Industrie. Ansehnliche Fabriken sind entstanden, oder befinden sich im Stadium der Vorbereitung. Dieses Ocbiet ist besonders berufen, unser Interesse zu erregen״ denn cs ist vorwiegend jüdischer Unternehmungsgeist, der sich auf diesem Felde betätigt. Audi die Bautätigkeit erfuhr im Zusammenhang mit der allgemeinen Entwicklung der Stadt einen sehr lebhaften Anstoß, Bereits diese allgemeine Skizzierung des Aufschwungs läßt erkennen, daß Haifa in der neueren Zeit einen besonderen Einschlag erhallen hat, der es von den anderen Städten des Landes bereits charakteristisch unterscheidet. Trägt Jerusalem den Stempel des geistigen und religiösen Zentrums und des Vcrwaltirngsmittelpunkts, wird die Doppelgemcindc Jaffa- Tel-Awiw durch rege Handelstätigkeit gekennzeichnet, so spielt ln Haifa die Technik eine vorwiegende Rolle. Eines ihrer Werke, die Schaffung der Eisenbahn, ist es gewesen, die den entscheidenden Anstoß zu Haifas Entwicklung gab und so treten während des ganzen folgenden Zeitraums Wirkungen der Technik immer besonders deutlich hervor. Es ist somit für einen Ingenieur (der zugleich ein Freund dieser schönsten aller Städte des Landes ist) eine lockende Aufgabe, den Spuren der Technik in Haifa nachzugehen und auch einem größeren Kreise ihre Leistungen und Versprechungen bekannizumaclien. Dem Reisenden, der in Haifa ankommt, fallen sofort die Eiscnbahnanlagen auf, welche die weitaus größten in ganz Palästina sind. Schon die türkische Regierung bemühte sich, die Bedeutung der lledschasbahn, die sie als ihr Werk ganz aus eigenen Kräften schuf, dem Europäer glcidi bei der ersten Berührung ostentativ zur Erscheinung zu bringen und gab daher den Empfangs- und Verwaltung*- gebäuden ein besonders stattliches Aussehen. Zwischen diesen kündet ein Denkmal die Vollendung des Bahnhaus, das freilieh als typische Schöpfung jenes berüchtigten kvantinishen Mischstils mehr interessant als schön zu nennen ist. De Lage des Bahnhofs, unmittelbar am Meeresufer, war sehr, günstig gewählt, indem sie von vornherein einen direkten bequemen Güteraustausch von Land zu Meer ohne Zwischentransporte und Umladungen ermöglichte. Die Einführung der neuen englischen Hauptlinic verlangte eine bedeutende Erweiterung der Eisenbahnanlage. Ihr Anschluß an den östlich der Stadt liegenden Bahnhof war nicht einfach, denn die von der Hebräische Sprachschula in Berlin. Bio neue Anränparkiatiaa, für Schüler lernt Bienst*!ן und Donnerstag, 68-־ Uhr abood* in der JUdlooben Gemeinde, Oranienburger Sir. 29, I Trepp», Zimmer 83. Beginn 4*1 ' Unterrichte Dienstag, don 10, Oktober. Eine Anffingerklasgo für Erwachsone wird Ende Oktober eröffnet. Die Vorbesprechung für diese Klasse findet Sonnabend, den 27. Oktober, 7 Uhr abonde in der Mochaohule für die Wissenschaft do* Judentums, Artlllerleitraess 14, 1 Troppo, statt- Der Schulleiter! N. Berggrün. entgegengesetzten Seite ankommende Linie mußte an der langgestreckten Stadt vorbei, längs der Meeresküste auf einem Damm geführt werden. Kostspielige Bauwerke, Ulerniaueni twd Drücken wurden hierdurch erforderlich. Auch bedingte die Verschiedenheit der Spurweiten eine gewisse Kompliziertheit der Anlagen. Die Hcdschasbahit war aus Sparsamkcitsrücksich len und zur Verbindung mit der älteren Linie Beirut-־ Damaskus, schmalspurig (mit einer Weite von 1,05 in) gebaut worden. Dagegen erhielt die englische Bahn, die von dem ägyptischen Bahnnctz *»ging, Normal spur (1,435. m). Ei« Umbau der Hcdschntfcahn —• »0 wie er für die gleichfalls schmalspurige Strecke Jaffa—Jerusalem durcligcführt wurde —, hätte bei den technischen Schwierigkeiten, die sich im Jarmuktal entgcgcnstellcn, übergroße Kosten verursacht. Auch erwies sieh das Bedürfnis nicht als so dringend, da der durchgehende Güterverkehr zwischen beiden Linien nicht sehr beträchtlich ist, In Haifa, das wie bereits erwähnt, Sitz der Eisenbahn- Verwaltung ist, befindet sich auch die Reparaturwerkstätte der palästinensischen Bahnen. Ihr Ausbau n einer großzügigen modern eingerichteten Anlage ist ln Vorbereitung. Bezeichnend ist, daß unter den Werkstätten• Arbeitern das jüdische Element vorwiegt, während sonst im allgemeinen — bei der nicht gerade sehr judcnfrcundlichcn Stimmung der Rahnverwaltung — das Verhältnis umgekehrt ist. Auch unter der» leitenden Stellen finden wir zwei mit Juden besetzt. Der Hafen von Haifa ist durch die Natur weitaus günstiger bedacht, als alle anderen Seeplätze des Landes. Allerdings bietet er für Dampfer und größere Segler nur eine offene Rheede, in der die Schiffe I—1»/* km vom Ufer entfemt ankern mi'mscn. Doch gewährt die Bucht, an welcher Haifa liegt, einen solchen natürlichen Schutz, daß die Schiffe auch im Winter bei Sturm geborgen sind und mit Hilfe von Leichterschiffen ohne Unterbrechung be- und entlad;!! werde'!! können. Zu diesem natürlichen Vorzug gesellen sich noch die Vorteile gewisser künstlicher Anlagen, ln direktem Zusammenhang mit dem Bahnhöfe wurde eine Quaimauer und eine massive Mole angelegt und mit Gleisanschlüssen versehen, sowie Zollschuppen errichtet. Nach dem Kriege wurde die Mole noch weiter ins Meer hinausgeführt, tragfähige Krahne «!(gestellt, elektrische Beleuchtung eingerichtet, die Z.dU der Schuppen vermehrt — Maßnahmen, die den Lösch- und Ladeverkehr der Leichterschiffe noch .weiter gefördert haben, Die natürliehen Vorzüge des Hafens durch die erwähnten Anlagen noch gesteigert, erscheinen erst in besonders günstigem Lichte, wem! sie mit den gefährlichen Landumgsvcrh.illnisscn und primitiven Einrichtungen in Jaffa verglichen werden. Dort können die Schiffe im Winter oft durcli Wochen hindurch nicht ankern und müssen die für diesen Platz bestimmten Waren in Haifa ausladcn. Besonders schwere und große Güter öimcu überhaupt nicht an Land gebracht werden, so mußten z. B. die sehr umfangreichen Härtckessel der Silicat-Fabrik in Haifa gelandet und von dort mit der Bahn nach Tel-Awiw transportiert werden. Diese krassen Unterschiede in■ den äußeren Verhältnissen׳ machen es erklärlich, daß die junge Hafenstadt Haifa die ältere Rivalin in so kurzer Zeit cinholcn konnte. Unter diesen Umständen ist cs auch nahehegend, daß der Plan eines Kunsthafens gerade ln Haifa besonders günstige Aussichten findet. In der ersten Zeit nach der Occupation Palästinas beschäftigte sich die cnglisdie Regierung mit sehr weittragenden Plänen und ließ verschiedene Unter suclumgen vornehmen und Projekte *ufstcllcn. Mit der Aendcnmg in der politischen Einstellung wurden diese Plähc allmählich auf ein bescheideneres Maß zurtlckgeführt. Iinmethin behandelt die Verwaltung die Frage des Hafenbaus in Haifa sehr ernsthaft und bat sich, gestützt auf ein Outaditen des Ingenieurs Pahncr, dafür entschieden, ihm gegenüber dem Konkurrenz-Projekt eines Hafens in Jaffa den Vorzug zu geben. Die notwendigen Mittel sollen aus der in Vorbereitung befindlichen Anleihe der palästinensischen Regierung gedeckt werden- So verspricht die Zukunft dein Hafen Haifa noch ungeahnte Entvvicklungsmöglidikciten. Wie aus dem bisherigen hervorgeht, entwickelt die Landesregienmg gerade in Haifa ein« besonder» rührige Tätigkeit die ihre Wurzel in einem intensiven Interesse für diese Stadt findet. Es äußert sich' auch 111 indirekter Weise, indem die Landesregierung einen starken Einfluß nuel! auf solche technischen Maßnahmen ausübt, die in das Bereich der kommu nalen Tätigkeit hiucinfallen. Dadurch zwingt sie die orien taliseh rückständige Stadtverwaltung von Haifa gleichfalls zu einer für sic ganz ungewöhnlichen Aktivität. So wurde auf direkte Veranlassung der Regierung durch den bekannten Soziologen Prof. Geddes ein genereller Bebauungsplan für Haifa aufgestellt. Dadurch wurden die allgemeinen Grund zöge der künftigen Entwicklung von Groß-Halfa fcstgc'.egt, das ein bedeutendes Areal einschließlich des vorderen Teils des Karmelgebiets umfaßt. Dies erwies sich als notwendig, da die bauliche Entwicklung Haifas infolge seines starken Aufschwungs und der dadurch bedingten Bevölkerungsvermdirung zwar sehr lebhaft, jedoch vollständig unsystematisch gewesen ist. Nach allen Richtungen standen Zusammenhangs',«* neue Stadtviertel. Afs beachtenswert ist zu erwähnen, daß das gartenstädtisehe Prinzip zum ersten Male in Palästina hier Anwendung fand und zwar in den vorbildlichen Siedlungen, welche die deutschen Templer schufen. (In der deutschen Kolonie westlich der Stadt und auf dein Karmel.) De jüdische SicdUingstätigkcit setzte kurz vor dem Kriege in bescheidenem Maße ein und beginnt erst jetzt einen größeren Umfang und ein lebhafteres Tempo anzuncltmcn, Bedauerlicher׳ weise leidet sic unter einer großen Zersplitterung, indem die einzelnen jüdischen Viertel an 4—5 Stellen ohne jeden Zusammeuhnng und kilometerweit von einander getrennt entstehen Diese Siedlungen selbst werden auf Grund von Spezinlbc׳ batttmgsplänen des aus Deutschland stammenden Architekten Kaufmann nach modernen stadtbaulichen Prinzipien angelegt, Haifa besitzt eine Anzahl girier Straßen. Besonders die Kricgszelt, welche die Stadt zu einem wichtigen E.appcn platz machte, hat wertvolle Notanlagen veranlaßt un i dem gehemmten Verkehr in den engen Altstadt mit Fllfe von Durchbrüchen Luft gemacht. Für die Zukunft sind Wittere großzügige Projekte in Vorbereitung. Dem Ausbau und der Unterhaltung der bestehenden Straßen wird unter der Leitung des jüdischen Stadtingenieurs Ciffpin, (eines Palästinenser», riet gleichfalls in Deutschland seine Ausbildung erhalten hat) be sondere Sorgfalt gewidmet. Der starke Bevölkerungszuwachs zwingt dazu — wiederum unter der Acgklc der Regierung — den sanitärtechnischen Franca besondere Aufmerksamkeit zuzüwcndcn. Die Wasserversorgung erfolgte bisher im allgemeinen für jedes Haua gesondert mittels Eiiizclbrunnen und Zisternen. Nur die neueren jüdischen Viertel besitzen gemeinschaftliche Anlagen. De starke Zunahme de» Wasserverbrauchs ׳und die fortschreitende Versalzung der meisten Brunnen, die durch die Nulie des Meeres verursacht wird, haben dazu geführt, einer großzügigen zentralen Lösung der Wasserfrage näher zu treten. Es liegen mehrere Projekte vor, Queliwasser aus größerer Entfernung in die Stadt zu leiten und durch ein Roiimetz zu verteilen. Audi das Problem einer geregelten einhcitlidien Kanalisation ist auf Anregung der Regiertmg behandelt und vom Verfasser untersucht worden. Ebenso wirrt die Durchführung einer allgemeinen Elektrl* z i fäls-Versorgung und •Beleuchtung eine Frage der nächsten Zeit sein. Die technische Regsamkeit in Haifa beschränkt sich nicht , allein auf Maßnahmen der staatlichen und städtischen Vcf- Wallung, sondern wird auch in weitgehendem Maße von privatem Unternehmungsgeist getragen. Er ist es, der die erwähnten neuen Stadtviertel geschaffen und eine sehr lebhafte Bautätigkeit, sowohl vor wie nach dem Kriege, veranlaßt hat. So betrug die Zahl der Banerlaubnisse, die im Jahre 1922 für Neu- und Umbauten erteilt wurden mehr als 700 und bißt die Ziffern aller anderen Städte des Landes auch der größeren, hinter sich. Der Hauptanteil entfällt naturgemäß auf einfache Einfamilienhäuser, jedocl! hat die Wohlhaberilicit mancher Kreise auch eine Anzahl ansehnlicher größerer Wohngebäude geschaffen. Die öffentliche Bautätigkeit tritt mehr in den Hintergrund. Sie wird nur durch ein einziges Werk würdig vertreten, das wir mit Stolz als jüdische* bezeichnen dürfen: die Gebäude des Technikums, die auf dem Roden des Jüdischen Nationalfonds stehen und jetzt Eigentum der Zionistischen Organisation sind. Von dem Berliner Ardiitekten Baerwald geschaffen, können sie zweifellos den Anspruch erheben, als die schönsten Gebäude Haifas zu gelten. Eine andere Bauschöpfung wird — gleichfalls von jüdischer Seite — gegenwärtig vorbereitet, die Behauung eines großen Blocks am Meere durch Geschäfts-Bürohäuser, ein Hotel, Kino usw״ die von dem ״Mcrkas Mischari" ausgeht. Ein Wettbewerbs,■msschreibfn hat in diesen Tagen seine Entsäyridung gefunden, die einigen deutsch-jüdischen Künstlern die ersten Preise gebracht hat. Last not least gewinnt unlcr den Privatunternehmungen die Industrie eine wachsende Bedeutung. Bis vor kurzem steckte sie noch vorwiegend im Rahmen kleingewerblicher Tätigkeit und halte erst in der letzten Zeit eine großzügigere Wendung genommen. Während im I lande! Haifas das jüdische Element etwas zurücktritt, ist es auf industriellem Gebiet dominierend. An erster Stelle stellt die Mühle der ״Socidrte Des Orandes Moti'liis De Palestine“, das größte Unternehmen dieser Art im Lande, Für eine tägliche Leistung von 50 Tonnen Mehl täglich eingerichtet, muß die Anlage schon jetzt, — im ersten Jahre ihres Bestehens, — auf 75 Tonnen erweitert werden. Auch in baulicher Beziehung ist die Mühle bemerkenswert, da sie das erste größere GcbäuJc in Erez Israel darstellt, das vollständig in Eisciibctonkonstruktion hcrgcstellt ist. In englischem Besitze befindet sich die Eisfabrik der ״Palestine Pure Jcc and Col-d Storage Company", welche die erste Kühlhausanlage des Landes eingerichtet hat. Nahe der Fertig- Stellung ist die Oei- und Fettfabrik der Gesellschaft ״Stiemen". Auch die große Salzgcwinnungsnnlage der ״Athüt Salt Enterprise Company", die ihre Tätigkeit vor kurzem begonnen hat, muß, afs noch innerhalb des Einflußgebiets von Haifa liegend, hier erwähnt werden. Von kleineren Unternehmungen, die sich teils in jüdischen, teils in arabischen Händen befinden, sind zu nennen; Steinbrüche, die vorzüglichen Kalk- und Sandstein für Bauzwecke liefern, Fabriken zur Erzeugung׳ von Zementwaren, Tischlerei Werkstätten, (darunter als besonder* leistungsfähig die jüdische Gesellschaft ״Carmel") Maschinen- Werkstätten, Seifenfabriken u3w. Noch, im Vorbereitung*• Stadium befindet sich die Unternehmung einer Ziegelei, die von Deutschland ihren Ausgang nimmt und die erste Zementfabrik des Landes, die von der ״Portland Gement Company Ncshcr'* geschaffen werden wird. ,Diese Fabrik wird ihren Platz in Jadjur linden, in unmittelbarer Nähe der neuen Nntionalfond»-Siedlung. So ist zu "erwarten, diß die fördernde Wirkung der Technik sich bis in den stillen Frieden der Kolonie Jadjur hinein geltend machen wird. Hiermit rundet sich sich der Ueberblick ab, den wir über die konkreten Leistungen der Technik, die mit Haifa verknüpft sind, geben können. Doch wäre er unvollständig, wollten wir nicht noch eine besonders geartete Einrichtung ideeller Natur elnsclilicßcn, die gerade uns Zionisten an* Herz gewachsen ist. Wir hatten bereits vorhin, von der äußeren Seite her, das Jüdische Technikum erwähnt und müssen in diesem Zusammenhang auch noch seiner inneren Bedeutung gedenken. Vor der nahen Eröffnung stellenI, wird es die erste technische Lehranstalt des Landes sein, weiche die für seinen Aufbau notwendigen technischen Arbeit*• kräfte hcranziclien und weilcrbildcn soll. Unsere Skizze, die doch nur die Verhältnisse einer einzelnen Stadt berücksichtigt hat, gibt wohl eine gewisse Vorstellung von dem großen Aufgabcrikrei», den die Entwicklung des ganzen Landes, — und des vorderen Orients überhaupt — an Technik und Industrie stellt. Hierfür Menschen heranzubilden, die •handwerkliche Beherrschung und theoretische Kenntnis ihres Faches, Vertrautheit mit den Landcsbcdlngimgcn, sichere Ein- Stellung und selbstlose Hingabe an ihre Beruf »pflichten zu einer Einheit verbinden sollen, ist eine Aufgabe von hoher . Bedeutung. Mit dem Technikum wird der e.s.e Schritt getan werden, um eine höhere Stufe des nationaljüd,*chen Erziehung*• werke» zu erschließen. Es erscheint als ein gutes Omen, daß dieser erste Beginn eine gesunde Vereinigung geistiger und körperlicher Erziehung, eine Verschmelzung idoe.ler und re.ilcr Interessen anstrebt. Abgesehen von seiner Erziehung*- aufgnhc ist das Technische Institut berufen, auch direkt f!» den Dienst der Wirklichkeitsaufgaben zu treten. Es wird alle seine Einrichtungen — Werkstätten, Laboratorien, Sammlungen, Bibliothek — der Ocsimineit aller in Technik, Induttrie und Ocwerbe tätigen Kräfte des Lande» zur Verfügung stellen und dadurch fruchtbare Wirkungen auf die Prax.1 selbst ausüben. So wird 0» ein geistig-wirttchalülches Zentrum d« technischen Arbeit von Erez Israel werden und mit dazu beitragen, daß Haifa es verdient, «ine Stätte dcrTcchniil genannt zu werden. .׳. 4 I