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Jüdische Rundschau · 1923-10-12 · Heft 88 (12.10.1923) · page 4

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXVIII (1923)
Issue
Heft 88 (12.10.1923)
Date
1923-10-12
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seite 520 Hr. &נ H, JU ED IS CHE RUNDSCHAU sich sein Tatwille in jeder wirklich treibenden und führenden Bewegung des Judentums aller Zeiten vorfand. Diese Erkenntnis gibt uns eine ganz andere Sicherheit als irgendwelche Fuiulicrung, die aus der Umwelt entnommen .!st. Und wenn die Frage gestellt wird, ob der Zionismus die Judenfrage löse, so wissen wir, daß sich im Galuth zwei Judcnfr.igen kreuzen: die eine durch die Umwelt, durch das Zeitliche bedingt, durch Assimilation und Verfall, die andere aber die Frage nach dem Sinn jüdischer Geschichte, nach jüdischer Schicksalsgebuiidenheit, eine Frage, die auf der Erkenntnis beruht, daß jüdisches Volk auch vor der Diaspora unterschieden war von den Völkern der Welt, irgendwie belastet mit einer Sendung, die es nidit untergehen ließ trotz der Zerstörung seines Landes. Zionismus löst die Judenfrage im wahrsten Sinne des Wortes, d. h. er befreit sic von allem Ungraden, Unorganischen, Lösbaren. Aber diese Lösung kann nidit bcdeuten die Normalisierung des jüdischen Volkes, die Hinweg- «ahme seines Schicksals. Die Lösung und Reinigung ist nur in und durch Palästina möglich, aber wir verzweifeln nicht in der Erkenntnis, daß trotz Palästina eine Frage bleibt, weil wir dann wissen, daß diese Frage nichts anderes bedeutet als die nach dem Sinn des jüdischen Daseins. Und gerade weil wir im Zionismus das Judentum in seiner Totalität erlebt haben, bejahen wir unsere Schicksalsgebundcoheit, bekennen wir uns zu einer Sendung, die uns immer Unterscheiden wird von den Völkern der Welt, Ich weiß, daß mir der Ein wand gemacht werden kann, daß die Gedanken sich berühren mit dem Missionsgedanken des Liberalismus. Und doch ist da ein grundlegender Unterschied. Wenn wir gegen den Liberalismus gekämpft haben und seinen Missionsgedanken einen Irrweg nannten, so war das richtig, weil dort die Gegenwart bejaht wurde, deren Vcrwesungszustand wir erkennen. Aber richtig ist auch, daß in «len! Missionsgedanken des Liberalismus etwas fortlebt, was organisch in der jüdischen Geschichte gebunden ist. Wenn wir so den Zionismus ׳ in seiner geistigen Fundicrting zu befreien suchen von Zeitlichem, der Umwelt Entlchntem und ihn binden in jüdischer Geschichte und jüdischer Erkenntnis, dann wird cs uns, glaube ich, leichter, zu erkennen, was uns mit anderen jüdischen Gruppen verbindet und was uns trennt und damit die geistige Auseinandersetzung mit diesen Gruppen erleichtert. Die erste Aufgabe zionistischer Propaganda muß also darin bestehen, Zionismus wieder zu fundieren. Es ist am Anfang unserer Tätigkeit eine Aussprache führcndcrThcorctiker über die zionistische Ideologie beabsichtigt, die nicht nur etwa einmal stattfinden soll, sondern fortgesetzt werden muß, bis man zu einer Klärung gelangt Ich begrüße es, daß es uns gelungen ist, für diese ideologische Auseinandersetzung Herrn Arnold Zweig als ständigen Mitarbeiter zu gewinnen. Daneben soll eine Aussprache führender Zionisten sich ausschließlich mit unserer Stellung zum Staat beschäftigen. Es gilt sodann, diejenigen zionistischen Menschen einander näher zu bringen, die den Zionismus als letzte, höchste Verbindlichkeit ihres Lebens anerkennen, die über den Maasser des Keren Hajcssod hinaus, jedenfalls aber unter chrliciistcr Bejahung des Maassergedankens, die Verpflichtung zu besonderer Leistung an Geld und Zeit fühlen, die bereit sind, sieh im letzten dem Willen der Organisation zu unterwerfen und die dies nicht Opfer nennen, sondern dankbar sind, daß sie das Glück haben, durch konkrete Tat am Aufbau teilzunehmcn. Das organische Wachsen eines Bundes solcher zionistischen Menschen müßte gefördert werden, er würde dann ein Kraftzentrum in der Bewegung werden, das immer neue Menschen zu seiner Leistung heranzöge. Erhöhte Sorge muß dann auch der zionistischen Jugend gelten. Der Landesvorstand hat ein Jugendsekretariat gcschaffen, das mit Herrn Dr. Werner Bloch besetzt wird, lluu liegen innerhalb der zionistischen Jugend zwei Aufgaben ob: die Verbindung zwischen Organisation und den bestellenden Jugendbünden herzustcllen und dann die Fühlungnahme der einzelnen Bünde untereinander, wodurch vielleicht das organische Wachsen einer einheitlichen Jugendbewegung gefördert werden kann. Dies alles ist Propagandatätigkeit nach innen. Ochcn wir an die Propaganda nach außen, so wissen wir, daß der Zionismus nur wirksam wird bei einer bestimmten Art raensch- . lieber Disposition, daß er nur ״Menschen einer bestimmten seelischen Struktur ganz erfassen kann, Menschen, die die gesehen hat, der braucht nicht mehr zu jener sentimentalen Novellenlitcratur zu greifen. Aus den Memoiren der Glückei erfährt inan es besser, und so leicht geht es einem ein, weit die lebensvolle Schiciberin den Leser zu fassen weiß. Weshalb Ist dieses Memoirenbuch so reizvoll? Es stellt eigentlich nichts anderes darin als der Bericht über ein im äußeren nicht absonderlich verlaufenes Leben. Die Glückcl war keine Frau ״von Geist“ und sie hat auch keine so besonderen Dinge erlebt, wie andere Memoirenschreiber. Es ist auch nidit das vielerlei kulturhistorische Drum und Dran, was den eigentlichen Reiz des Bttdies ausmacht; obwohl auch dieses bemerkenswert bldbt. Das schönste dabei ist vielmehr die Erlebenskraft, die dieser völlig unlitcrarischcn Frau in ihrem gramvollen Alter die Feder in die Hand zwingt. Es ist sicher bei weitem nidit alles wahr, was sie schreibt; so kräftige Frauennaturen, die stets voller Impuls sind, berichten nicht objektiv in persönlichen Dingen, und diese nehmen bei der Glückcl den entscheidenden Raum ein. Um so treffender sind sicher alle sachlichen Berichte über die Geschäfte — ihrer selbst und anderer —, über die Meßreisen, die Cholera und die ganze Not und Enge der Zeit, von der wir uns selbst im heutigen Deutschland kaum einen Begriff machen können. Nicht nur um dieser überall unausgesprochen durchsdiimmemden mühebeladenen Zeit- Stimmung willen erinnert das Budi an Grimmelshausens Simplizissimus. An diesem herrlichen Buch lieben wir das vollsaftige Erleben der Wirklichkeit, und diese finden wir nicht nur bei Grimmelshausen, sondern auch bei dem älteren Zeitgenossen Shakespeare und der jüngeren Glückcl. Diese Parallele darf nicht Wunder nehmen: so sehr uns der Rangunterschied auch bewußt bleibt, so findet sich doch zwischen dem Realismus des englischen und des deutschen Dichters und der Jüdin Glückei manches Gemeinsame, und dieses erklärt sich wohl aus einem ihrem Jahrhundert gemeinsamen Lebensgcfülil. Besonders von der Art des Simplizissimus, dem rauhen Leben trotzig ins Auge zu blicken, ist bei dieser jüdischen Frau viel zu verspüren. Man muß das Buch nicht mir zu den interessantesten jüdischen Memoirenwerken rcchnen, die ja gering an Zahl sind, soodeia auch zu deq Gegenwart und ihre Verfallserscheinungen verneinen und nach Umkehr, Reinigung suchen. Dies führt uns naturgemäß wieder in erster Linie zur Jugend. Aufgabe des Jiigcndsckrctanats ist es, UiifItilS zu gewinnen auf die nichtzionlsfisclic Jugend- Bewegung und die Jugend zu erfassen, die in keiner Bewegung stellt. Line für unsere Propaganda besonders disponierte Schicht sind dann die in Deutschland ansässigen und vielfach erst vor kurzem *!!gewanderten Ostjuden. Ucbcr diese bilden uinrisseuen Kreise, Jugend und Ost Juden, hinaus aber scheint mir heute für zionistische Propaganda ein besonders günstiger Moment. Das deutsche Judentum ist, soweit es überhaupt noch eine geistige Haltung hat, im tiefsten erschüttert durch die furchtbaren Enttäuschungen der letzten Jahre, cs fühlt den Boden unter seinen Füßen wanken; und in dieser Erschüttcrung ist cs dem Zionismus möglich, auch Menschen zu erfassen, die in normaler, ruhiger Zeit seiner Forderung nicht erlegen wären. Die Lage der Gcsamtorganisaiion, über die wir am heutigen Vormittag gesprochen haben, und die Notwendigkeit einer Neubelebung der Propaganda stehen nach meiner Ucbcrzeugung in engem Zusammenhang, was auch Sie dadurch zum Ausdruck gebracht haben, daß Sic im Rahmen der politischen Aussprache in einer Resolution die Ncubclcbung der zionistischen Propaganda und die Einflußnähme der Exekutive hierauf gefordert haben. Sind wir durch innere Sammlung und durch <lic Gewinnung neuer 'Menschen wieder stark geworden, dann können wir mit Beruhigung daran gehen, Nichtzionisten für die Arbeit am Aufbau heranzuziehen, eine so gestärkte Zionistische Organisation kann Er- Weiterung der Agency und.Weltkongreß mit Ruhe und Sicherheit in ihren Aufgaben!krcis einbeziehen. Die Debatte Nachstehend geben wir noda eine gedrängte Zusammenfassamg der Debatte, die sich an Dr. Landsbergs Referat anschloß. Karl Glaser: Wenn die Schlagkraft des Zionismus gclitten hnt, so ist das darauf zurückzuführen, daß man in weiten Kreisen das Gefühl hatte, daß der Zionismus praktisch kapituliert hat. Der Zionismus hat seine revolutionäre Form abgestreift u!1d sich verbürgerlicht. Unsere Leute in den Logen, den Gemeinden usw. unterscheiden sich beinahe in nichts von den andern Mitgliedern. Es scheint, daß der Geist dieser Körperschaiien den Zionismus belegt, wenn ein Zionist herein,gerät, statt daß cs umgekehrt ist. Dazu kommt, daß die Zionisten keinen Zusammenhang mit der wirklichen jüdischen Welt gewinnen, so daß sie auch den Kont akt nicht haben, der für Propaganda notwendig ist. Durch Teilnahme nn den täglichen Sorgen des jüdischen Volkes würde der Zionismus gestärkt und nicht geschwächt werden. Darum habe ich empfohlen, daß wir uns stärker an dem Kampf gegen den Antisemitismus beteiligen. Dr. Georg Wöllstein wendet s'ch dagegen, daß die Arbeit für den Keren llajessod Jiintangcsetzt wird. Für die radikale Propaganda ist noch ein weites Feld offen, denn diese kann sich an die Zionisten selbst wenden, die noch lange nidit alle von lefztcr zionistischer Verantwortlichkcit erfüllt sind. Arnold Zweig: Der tiefste Grund des Niedergange* liegt darin, daß wir ein Teil unserer Umwelt sind und jede Acnderung des Rythmus im europäischen Leben mitmachen. Wir haben früher die Fascadenpolitik des wiliiclniiiiischcn Zeitalters mitgemaeht und heute ciliegen wir auf der ganzen Linie unseren eigenen Schlußworte«. Wir haben aus jeder kleinen Begebenheit ein großes nationales Ercignis gemacht und an diesem Schwindel gehen wir zugrunde. Am deutlichsten sehen wir die Einflüsse der Umgebung in der Jugendbewegung. Dort machte man zurzeit des Wandervogels die Nahrrschwäremcrci mit, als die deutsche Jugend sich geistigen Problemen zuwamltc, ging unsere Jugend z.u Buber, man war zur Zeit der Revolution sozialistisch und ist heute faizlstisch. Dies ist der Grund unserer Krise, i ictrte erleben wir da! scheinbaren Zusammenbruch aller Ideen, das Abdanken des Geistes zugunsten der Wirtschaft, und dieser Tendenz scheinen auch wir zu unterliegen. In Wirklichkcit ist davon keine Rede. Wir müssen nur erkennen, welches Minimum wir von jedem Mensdtcn erwarten dürfen. Unser Plus besteht darin, daß wir den Leuten zcDcn können, daß, obwohl alles zusammenbricht, noch das Große fortbesteht, das wir ihnen geben könnten: wir haben ein Ideal, das in die Zukunft weist, aber schon an der Verwirklichung ist. Ein weiterer Mangel, den wir noch zu wenig beachtet haben, ist die Tatsache, daß der Zionismus geistig bei dem Nationalismus der achtziger Jahre stehen geblieben ist. Wir haben die naturwissensdiatüich-libcrale Auffassung seiner Grundlegung akzeptiert, vielleicht etwas spiritualisicrt, aber persönlichsten Werken der abcndländisdten Autobiographien überhaupt. München. Raphael Straus. חורת הטגיד טטוריטש ושיחותיו. נלקטו תערכו ע״י ש. א. הותדצקי. עתות" ברלין. חרנו״ג. Die Lehre des Maggid von Mescritsch und seine Gcspräche. Gesammelt und redigiert von S. K Horodezky. Verlag Ajanoth, Berlin, 1023. In der Sammlung von ehassiäischcn Quellen, de der Verlag Ajanoth unter der Redaktion von S. A. I lorodezky herausgibF, erschien soeben eine Sammlung der Aussprüche und Gleichnisse des großen Lehrers des Chassidismus, des Nachfolgers des Baal Schein, R. Dow von Mcscritsch, dessen 150. Todestag in diesem Jahr gefeiert wird. Rabbi Dow ist der ״große Maggid“, den Martin Buber in seinem letzten Buch der deutschen Lesmvclt bekannt gemacht und nahe gebracht hat. Horodetzki schildert in seiner kurzen Einleitung das Leben und die Art der Wirksamkeit des Maggid, der nach dem Tode des Beseht von der ganzen chasskliachen Gemeinde als Haupt auerknnnt wurde. Die Grundlagen seiner Lehre war wie beim Beseht die Einheit von Schöpfer und Geschöpf. Da er also in allen Dingen nur eine Verkleidung Gottes sieht, kennt er auch das Böse nicht; ״in jedem Bösen ist ein Gutes״, ebenso wie in der letzten, ungestaltetsten Materie noch der Geist, die Göttlichkeit verborgen ist, die der Mcnsdt dort entdecken und erlösen kann. Dow baute seine chassklisdie Lehre auf der allen jüdischen Mystik des Talmud und Midrasch, der Kabbala 11 und des Lurjamsmtis auf und gab sie meist in der Form des Gleichnisses weiter. Horodetzki hat seine Aussprüche systematisch geordnet und in Abschnitten mit besondem Titeln wie ,Gott“, ״Sehechina״ ,״Gottesnamen,״ ״Thora ‘, ״Mensch“ ״Mann und Weib“, ,Der gute und der böse Trieb״, .,Israel“ ״Glaube“, ״Gebet" ״Umkehr“, ״Ekstase“ .,Der Zaddik“ rtsxv. und schließlich ״Gleichnisse1‘ versehen. Im ganzen enthält das Buch 31 solche Kapitel. Weiche Fülle an Lebensweisheit und Scelcnkraft, welche Innigkeit und Tiefe des Empfindens und der Weltbctrachtung 8131 hier offenbart, kann in einer kurzen Anzeige nicht einmal andeutungsweise _ wictlergegeb.;1t werden. In unserer *selben verarmten Zeit, in unserm seelisch immer mehr verarmenden Molk müßte wahrer Nationalismus u, E. darin bestehen, daß wir haben noch nidit erkannt, daß soziologische Gesetze י in gewissem Sinn den biologischen verwandt sind, und daß | der Nationalismus eine soziologische Erscheinung ist Der | Nationalismus ist heule nach außen siegreich und nach innen S kompromittiert. Wir müssen eine Stellung des jüdischen Naiio* f nalhmus zu dieser Dnppdionn haben, Ebenso bedart unser I Sozialismus einer geistineu Klärung, ferner die schon erwähnte | frage der zionistischen Verfassung. : Dr. Nnlitim Ooldmann: Die Wiederbelebung de* Zk>. f nbmtH? als Idee erfordert die Besinnung auf die latsadnj ן daß der Zionismus eine Antwort auf die jüdische Frage in י ihrer Totalität geben muß, Der Zionismus kann nur dann in breite Schichten dringen, w־unn das Volk sicht, daß hier J eine Bewegung Ist, die sein ganzes Leben erfaßt. Im Osten I hat der Zionismus vor allem auch dadurch einen Aufschwung 1 genommen, daß er die »genannte Gegeuwartsarbcit zu or. I ganisicren begann. Auch bei der Agitation für den Keren J Hajcssod haben wir die Erfahrung gemacht, daß die ideo- | logische Propaganda den stärksten Eindruck auf die uns 1 noch Fernstehenden macht, wir dürfen daher auch die Ke rin I f lajossod-Propaganda nicht auf das reine Sammeln absteUcn, 1 sonst bleibt sie wirkungslos. Wir müssen heute zum iu- I disdien Volke kommen, und ihm klar machen, daß die Re. 1 sultatc der Emanzipation in Frage gestellt sind. Leberall I fühlt man heute die Judenfragc iu einer Schärfe, die man I früher für unmöglich gehalten!Litte. Man sieht heute ein, I daß die Emanzipation keine Lösung der Judenfragc gewesen I ist. Die anderen Völker haben die Judenfrage von neuem 1 aufgerollt. Wir müssen den ratlosen Leuten dir'Lösung sagen, ihnen zeigen, daß nur der Zionismus die Luom : >1111 kann, * Im weiteren Verlauf der Sitzung ergriff Herr Rosen* blüth das Wort, tun die versammelten Vertreter d:3 dcutsehen Zionismus auf die Gefahr aufmerksam zu machen, die der Zeitschrift ״Der Jude“ infolge der Verhältnisse droht. ״Der Jude“ ist die vornehmste Tribüne geistiger Auseinander- Setzung und gerade das Bedürfnis nach einer vertieften Propagaiida wird von ihm befriedigt. Die große Wirkung, die der ״Jude" in der Vergangenheit hatte und das Interesse, das er für di? jüdische Bewegung in ganz feine stehenden Kreisen erregt hat, ist zu bekannt, um ausführlicher Erinnerung zu bedürfen. Cer Redner appelliert an alle Zionisten, die Erhaltung des ״Juden“ in dieser schweren Zeit als Ehrenpflicht zu betrachten. General 11.111er und die Judenprogromc ln Polen New York. (J.C. B.) Der polnische Generalstabschtf General Holler ist in New York eingetroffen. Sein Reiseziel ist, für polnische nationale Zwecke z.u sammeln. General Haller ist als Werber einer freiwilligen polnischen Armee bekannt, die in der Geschichte der jungen polnischen Republik eine große Rolle spielt, und durch ihre wilden Ausschreitungen gegen die Juden berüchtigt ist. In einem Gespräch 1r.it dem J. C. B.-Vcrtreter erklärte General Haller, er hatte nie an der Organisierung der Pogrome auf Juden tcilgenommen. Ueberhnirpt begingen die polnischen Soldaten keine Pogrome (?), cs sei denn, daß sie betrunken gewesen wären. Dann freilich seien sie für ihre Taten nicht verantwortlich zu machen. Der Nuracrns clausus in Polen Lemberg. (J. C. B.) Der Rektor der Lemberger Universität empfing eine Delegation der assimilatorischen akademischen Gesellschaft ״Zjednoczcnie“ und erklärte ihr, die Fakultäten hätten vom liiitcrrichtsminister Glombinski vollständige Autonomie mit Bezug auf die Aufnahme neuer Hörer erhalten. Bei der Aufnahme neuer Hörer werden gewesene Soldaten der polnischen Armee bevorzugt werden. Nach diesen kommen diejenigen, d e eine öffentliche Arbeit zum Vorteil des Staates geleistet haben, endlich solche Kandidaten, die eine Mittelschule mit polnischer Unterrichtssprache absolviert haben. Warschau. (J. C. B.) Wie verlautet, bestellen an den Universitäten in Lemberg uhd Posen bereits Be• Schränkungen in der Aufnahme neuer Hörer, An der Posen er Universität ist in den mathematischen und naturwissenschaftliche« lnstitmcn der Numerus clausus bcre'ts eingeführt worden. A11 der Krakauer Universität besteht der Numerus clausus in der medizinischen Fakultät. Die weiteren Fakultäten haben noch keine Beschlüsse gefaßt. Laut ״Rzeczposjxilita“ soll auch schon an der Lemberger juri- (fischen Fakultät der Numerus clausus bestehen. solche Bücher wieder zum lebendigen Besitz des Volkes gcmacht werden. Für diese ״moderne“ daher leichter zugängliche Ausgabe, der ein aiisfuhriichcr Quellennachweis angetügt ist und deren Druck und Ausstattung durchaus entsprechend ist, gebührt dem Herausgeber unser herzlicher Dank. W. Herrmann Johannes und Baumglirtel Friedrich, Beiträgt zur Entstehungsgeschichte der Septuaginta. 97 Seiten, Stuttgart 1923. \V, Kohihammer Verlag. G.-Z. 2,50 M. An Jesaja Ezechiel und am Zwölfprophctcnbuch wird nachgewiesen, *Jaß diese drei Bücher in der Septuaginta von je zwei Uebcrsetz.crn lierriihrcn, an Ezechiel sogar ein dritter Ucbcrsetzcr wahrscheinlich tätig war. Sehr zögernd wird auch eine Mehrheit von Vertretern bei den einzelnen Büchern des Pentateuchs angenommen. Die Verfasser kommen zutu Schluß, ״daß die Ucbersctzung der Prophctenscliriften von einer Gruppe von Uehcrsetzern zu einer bestimmten Zeit gemeinsam, kommissionsweise ausgcfiihrt wurde . . . man hat die einzelnen Bücher ungefähr halbiert und jede Hälfte verschiedenen Ucbcrsetzern überwiesen“. So wird auch der wohl richtige Kern des Aristoasbriefcs hcrausgeschält ... ״die Tatsache, daß die Ucbersctzung als offizielle Unternehmung der alcxandrinisdien Gemeinde von einer vielgliedrigen Kommission von Gelehrten angefcrtigt und von der Gemeinde als autoritativ anerkannt worden ist.״ — Die Arbeit ist, wie von Schülern Rudolf Kittels nicht anders zu erwarten, in gründlicher Methode mit großen Fleiß durchgeführt. Wohltuend ist die Vorsicht im Urteil. Bcwumlcriiswert, mit welcher Entsagung hier Kärrnerarbeit getan wird, — Bei uns Juden hatte die Septuaginta ihre Rolle ausgespielt, als sie im Christentum beinahe kanonische Geltung erlangte, als die Ucbersctzung des Aquila an ihre Stelle trat und vollends, als die Kenntnis des Griechischen bei den Juden nufhrtc. Zaöcharias Frankel, der sie in den vierziger Jahren des vorigen Jahrhunderts zum Gegenstand ausgedehnter Forschutig ninclite (meines Wissens der erste und einzige unter uns), hat ihr vom Standpunkt der Exegese, also der für uns so wichtige:! Targuni- und Midraschliteratur, Intei’essc zbgcwonnen. Bei solcher Betrachtung kann viel Subjektives unter* laufen. Im vorliegenden Büchlein ist ein allgemein gültiger Maßstab angelegt worden. H. M. W.! 1! r: i ן 1 ׳ ✓ I

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