Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXVIII (1923)
- Issue
- Heft 87 (9.10.1923)
- Date
- 1923-10-09
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 87 JUEDISCHE RUNDSCHAU Seite 515 Pressesümmen , Bei Emir Abdullah Der bekannte Aguda-Fülirer de Haan in Jerusalem veröffentlicht im ״Alg. Handelsblad“ eine Schilderung seines Besuches bei Emir Abdullah in Aman, wahrend der An• Wesenheit des Königs Fcisul von Bagdad, Wir entnehmen dem Frankfurter ״Israelit“, der diesen Bericht auszugsweise wiedergibl, nachstehende Stellen, Zuerst sprach de Haan mit Fei«ul, der sich über Palästina nachstehend geäußert haben soll: ״Ich bin der König des Irak , . . und 700 Meilen Ist der Irak von Palästina entfernt. Außerdem ist die Politik bei uns verteilt. Mein Vater und mein Bruder Ali führen die allgemeine arabische Politik. Ich bin der König des Irak. Und mein älterer Bruder Abdullah, der Sie schätzt, hat mit den Ländern des Westens sich zu beschäftigen: Syrien, Palästina . . . Transjordnnicn.“ Später fragt de Haan den Emir Abdullah um seine Meinung. ״Ein jüdisches Palästina? Wer soll so etwas je sehen?״ sagt der Emir bestimmt. ״Will England denn das noch? Lord Mifner . . . Lloyd Oeorge ... Sir Marlin Conway, ist da noch einer, der den Ausspruch des Dr. Wcizmann übernimmt: ,Palästina so jüdisch, wie England englisch ist״?״ ״Er hat das nicht so schlimm gemeint," fällt der sanfte König Fcisul ein, ״er hat das für die Propaganda sagen müssen.‘' ״Oefiihrliche Worte," sagt der Emir, ״ich kann Ihnen mir sagen: ich sehe kein jüdische» Palästina, Solange die Engländer in Palästina sind, wird die Politik englisch sein. Und sobald England das Und verläßt, ist das Land arabisch. Es ist seit Jahrhunderten ein arabisches Land. Seit Jahrhunderten,“ ״Ja,“ sage ich, ״aber das war doch die Idee: England als Mandatannacht sollte den Juden helfen, eine Wirtschaftlieh gesunde Niederlassung zu schaffen, und danach die Verwaltung den Bewohnern des Landes übergeben. Das ist der Gedanke des Mandats." ״Gedanken sind noch lange keine Taten,“ sagt Sldna Abdullah, ״ich sehe kein« jüdische Mehrheit in Palästina... und dann ringsum arabische Länder. Ihr könnt in Palästina ohne Friede, ich meine wirklichen Frieden mit dein großarabischen Gedanken nicht leben. Uebcrall Mißtrauen. Und denken Sic, daß, wenn Dr. Wcizmaim sagt, daß die Juden in Palästina keine politischen Vorrechte wollen, die Araber ihm das glauben? Und •wenn ich sage, daß eine konstitutionclle Regierung in Palästina den Juden kein Unrecht tun wird, glauben es die Zionisten mir denn? Mein Land ist den Juden offen. Und auch das Land meines Bruders ist den Juden offen. Alle arabischen Länder. Aber eine Vor• aussetzung: keine besonderen politischen Rechte. Audi nicht in Palästina. Ihr habt die Wahl: Friede und Freund• schaft mit allen arabischen Völkern, oder etwas Umnöglidiem in Palästina nachjngen. Ich bin für eine jüdisch-arabische Zusammenarbeit auf Grund der Gleichheit in allen arabisdien Ländern . . . Palästina inbegriffen. Wenn die Zionisten das nicht können oder nidit ־wollen, laßt’g dann die anderen, von Agudas Jisroel (1! — Red. & ״J.R.“) tun . . . Verräter? Ja, wer sich fürchtet ... Verräter .,, ein großes Wort.“ Sidna Abdullah hat schnell gesprochen. Die letzten Worte kurz und bestimmt. Der König von Bagdad hat sanft mit zugehört und geschwiegen. Wdl der Irak von Palästina doch immerhin 700 Meilen entfernt liegt" * Der Bericht Ist jedenfalls nicht weniger interessant als die Unterredung selbst. Amerika ond die ,Jüdische Rundschau“ Das ״Jüdische Volk“, das offizielle Organ der amerikanischen Zionisten, nimmt in seiner letzten Nummer an leitender Stelle Bezug auf die ln unserem Blatt veröffentlichte Schilderung der materiellen Gefährdung der ״Jüdi* sehen Rundschau‘‘. ״Die ,Jüdische Rundschau‘,“ heißt es dort, ״kämpft in der letzten Zeit einen schweren Existenzkampf. Die allgemeinen finanziellen Verhältnisse in Deutschland haben dem Blatte, infolge der ständig steigenden Papier- und Druckkosten, das Messer an die Kehle gesetzt Wer die Rolle kennt die die ,Jüdische Rundschau״ m der Bewegung spielt, wer die erzieherische Wirkung des Blattes auf einen breiten jüdischen Leserkreis, seine führende Stellung in der zionistischen Bewegung in Mittel- und Osteuropa kennt, wird diese Nachricht mit Trauer aufnehmen. Die ,Jüdische Rund• ,schau' gehört zu den besten zionistischen Publikationen. Ein Lehrer und Wegweiser in der zionistischen Ideologie, ein hervorragendes Informatfemsorgan, welches alle Geschehnisse im jüdischen leben widerspiegelt, ist es nicht allein das führende Organ für die deutschen Zionisten, sondern auch für breite jüdische Massen Osteuropas geworden. In der Entwicklung der zionistische« Bewegung und der Keren Hajcssod-Arbcit in Deutschland ist die ,jüdische Rundschau' ein entscheidender Faktor, Das Nichterscheinen der ,Jüdisehen Rundschau' würde einen gefährlichen Schlag für die Zionisten in den Ländern des deutschen Sprachgebietes be* deuten. Wir glauben aber an die starke Anhänglichkeit unserer deutschen Freunde an die Organisation, und hoffen, daß sic alle Ihre Kräfte anstrengen und alle Mittel anwenden werde«, um den Untergang einer unserer stärksten Positionen zu verhindern, welche nicht allein für Deutschland, son• dem auch für die Verbreitung, Verteidigung und Vertiefung der zionistischen Idee von unabachätzbarer Bedeutung ist,“ *' Der ״Bayerische Kurier“ veröffentlicht aus der Feder des Prager Umvcrsitäteprofcssore Monsignore J. Sedlacek einen längeren Artikel über die Tätigkeit der Zionisten und Chaluzim. In dem Artikel heißt cs: ״De heiligen Orte bleiben jeder Religionsgemeinschaft gesichert. Es sind wohl auch schon Judenstimmen da, welche auf den Tempelplatz Anspruch erheben und sagen, daß, wenn man ihnen d:c Omarmoschec überläßt, sie wieder ihre mosaischen Opfer darbringen werden. Daneben wollen sie das Davidsgrab haben, auf das auch die Franziskaner Anspruch machen, weil dort nach der Tradition des Cönaculurn (Abendmahlsstätte) liegt. Für dag arbeitende PalSsÜna Am 15. Oktober wird in Berlin die erste'Vollversammiung des von allen jüdischen Arbeiterparteien eingesetzten Komitees für das arbeitende Palästina stattfinden, auf welcher die end• gültige Konstituierung des Büros erfolgen soll. ,* tÜ J c r u s a 1 c in, (J. C, B.) Emir Abdullah traf am 29, September in Jerusalem ein und begab sich direkt in das Rcgicrungsgebiiude. Er besprach mit Sir Herbert Samuel eine Reihe politischer und privater Angclegcnhciten. Am nächsten Tage begab sich der Emir zurück nach ,Transjordanien. Eine neue arabische Pariei Jerusalem. (J.C. B.) Soeben ist die Konzentration der gemäßigten Elemente der arabisdien Bcvülkcmng zu einer neuen politisch cn Partei vollzogen worden. Die Partei veröffentlicht ihr Programm, ln welchem sie ihre Bereit• Willigkeit erklärt, mit der Regierung von Palästina selbst dann zusammen zu arbeiten, wenn audi nicht alle Fordernngen der Partei von der Regierung anerkannt werden. Die Partei kirnt die Balfaur-Deklarsilion, sowie die gegenwiirtigc Verfassung von Palästina ab, erstrebt eine neue Verfassung und die Errichtung einer nationalen gcsetzgeben den Körperschaft, fordert die Ab- Schaffung des ״IJscliur“ (Naturalsteuer in Höhe eines Zehntels von Getreide, Früchten und Gemüsen) und die Einführung des Schulzwangs, _ ( Per Biscltol von Jerusalem über die Muntt Palästinas London. (J. C. B.) Der Bischof von Jerusalem hielt kürzlich in der Dürft am-Kirehe eine Predigt, ln der er ausführte, daß mehr als 10000 Juden jährlich nach Palästina kommen, da die Balfour-Deklaratkm die Juden ermutigt hat, in Palästina ein nationales Heim aufzurichten. Es sei eben zuviel aus diesen Worten hcrausgclescn worden. Nach manchen bitteren Erfahrungen, sagte der Bischof, hätten die Juden nunmehr Vernunft angenommen. Sie sähe« ein, daß sic Palästina nicht regieren könnten, wenn noch länger Streit zwischen den verschiedenen Gemeinschaften im Hinblick auf die Ziele der Zionisten bestehen würde. Die ch ris 11 ich e Bevölkernng be grüß t die Rückkehr der Juden nach Pa• lästina, aber sic wünscht, daß die Einwanderung in einer solchen Weise geschälte, daß die seit 2000 Jahren! in Palästina wohnende Rasse nicht fccun• ruliigt würde. Die Zionisten hätten zwar noch viel zu lernen, aber er müsse sagen, daß er jetzt betreffs der Zu• kunft Palästinas beruhigter sei als Je zuvor. Numerus clausus In Wien Das Professoren •Kollegium der Hochseltule für BodenktiHitr in Wien hat auf dem schwarzen Brett eine Kundgcbutig angeschlagen, in welcher bedauert wird, daß ״mangels eines Forums zur Feststellung der rassischen Herkunft der Atifnalimebcwerber die Einführung des Numerus clausus für Angehörigederjüdischen Rasse derzeit kein durch• fühlbares Mittel zu der nach Auffassung des Professoren• Kollegiums nötigen Bekämpfung der sittlich und wirtschaftlich unverkennbar schädigenden Auswüchse des Judentums auf die kulturelle Entwicklung der Menschheit wäre.“ I« der Kundgebung wird ferner gesagt, daß das Professoren-Kollegium tut Sinne der Beschlüsse des Hochschul• tages vom 21. Januar 1023 nach wie vor die Ocfahr der Schädigung des deutschen Charakters der Hochschule für Bodenkultur im Auge behalten und auch bei Bestellung von Professoren und Dozenten, wie bei Verleihung akademischer Würden, ״auf die moralische Eignung der Anwärter zu geistigen Führern der deutschen Studentenschaft strengstens Bedacht nehmen wird". Diese Kundgebung, die in der Praxis eine Durchführung des Numerus clausus ankündigt, ist vom Rektor der Hoch■ schule für Bodenkultur, Fischer, gezeichnet. Die gesamte liberale Presse Wiens greift in der schärfsten Form das Profcssoren-Kollcgium der Hochschule für Boden• kulhir an und stellt fest, diese Kundgebung bedeute eine Beschimpfung des Gesa ra tjuden tum s durch eine offizielle Körperschaf t. Ebenso wird dagegen Stellung genommen, daß der gesetzlich nicht zulässige Numerus clausus nunmehr auf Umwegen eingeführt werden 8011. Dr. J. S. Bloch gestorben Am 1. Oktober verstarb in Wien nach zweiwöchiger Krankheit der bekannte jüdische Politiker und Publizist Dr. Joseph Samuel Bioch im Alter von 73 Jahren. Dr. Bloch, der aus Galizien stammt und ursprünglich die Rabbincrlaufbahn eingcschlagcn hatte, war um die Wende des vorigen Jahrhunderts Abgeordneter des österreichischen Parlaments und führte als solcher zahlreiche Kämpfe mit der neu auikommcndeii christlichsozialen antisemitischen Bc wcgnng unter Führung Carl Luegers mul de» Prinzen Liechten stein durch, Viel Aufsehen hatte seinerzeit sein Prozeß gegen den Verfechter der Ritualmordlcgcude Prof. Rohling erregt. Bloch hat in seiner ״Oesterreich!selten Wochenschrift" lange einen scharfen Kampf gegen die zionistische Bewegung geführt; Herz! hatte mit ihm bekanntlich manche Preßfchdc zu bestehen. Der außcröstcrrcichischcn weiteren zionistischen Ocffentlidikcii ist Bloch jetzt aue Herzls Tagebüchern be Rannt geworden, fn der späteren, nachherzischen Periode entbrannte der Kampf zwischen Bloch und den Zionisten besonders in innerpolitischen Fragen. Ein solcher Anlaß waren z. B. die Kultus wähle 11, in denen sich die alte renktio näre Rathauspartei vor allem Bloclis Wochenschrift bediente Die Wochenschrift galt damals als Organ der Kultusgcmcindc und wurde von ihr subventioniert, Ebenso diente die Wochen schrift der assimilatorischen ״Ocsterr. Isr. Union“ in ihrem Kampf gegen die aufstrebende jiidischnatioiule Partei, 111 den letzten Jahren hatte sich Dr. Bloch vom öffentlichen Leben zurückgezogen und lebte ziemlich vereinsamt. Er hat sich in den letzten Jahren dem Zionismus sehr genähert und war im Vorjahr längere Zeit in Palästina. Vor kurzem erschienen in zwei Bänden (bei Löwit, Wien) Blochs Memoiren, die ein interessantes Kapitel österreichischer Geschichte be leuchten. Arlosoroff in Lettland. Dr. Ch. Arlosoroff, Mitglied des Hauptbüros der Hitachduth, befindet sich gegenwärtig auf einer Tournee in Lettland, wo er in mehreren Städten mit großem Erfolg gesprochen hat. Der Hauptzweck der Reise, die Aktion für die Jüdische Arbcitcroank in Palästina, wurde durch Schaffung gemischter Komitees alle# zionistischen Gruppen sehr gefördert, Arlosoroff wird auch in Litauen und Estland die Aktion für die Arbeiterbank einleiten. Wozu haben wir ein KonjjrcBsjcrlclil? In der letzten Nummer der Kongrcß/cituiig erschien eine Schckcluufstcllung für das Jahr 5683, in der die Schekelbetrage angewiesen sind, ״die von den Landes- und Sonderverbänden bis zum Kongreß an die Exekutive abgdiüirt worden sind“. Diese Aufstellung bildete offensichtlich die Grundlage für die Feststellung des Wahlrechtes der einzclnen Verbände zum Kongreß, das bekanntlich von der Zahlung der Schekel abhängig ist. Hierzu sagt § 23 des Örganisalionsstatuts! ״Jeder Landesverband wählt , für je .... Schekel, d 1 e von ihm nach den Bestimmungen des Wahlrcglcmcnts im Kongreßjahr abgeliefert und bezahlt worden sind, einen Delegierten," und stellt dieselbe Bcdiiigung für die Wahl der Sonderverbände auf. Entsprechend den Bestimmungen dieses Paragraphen hatte die Exekutive ein Wai11r:111..'״ent erlassen, auch die Frist für die Ablieferung der Schekclgclder an die Exekutive vorsah und das Wahlrecht von der Einhaltung dieser Frist abhängig machte. Wir dürfen wohl annclimen, daß audi Schekel, die nodi nach diesem Tenn in an die Exekutiv« (z. B. in Karlsbad) äbgeliefert wurden, bei der Berechnung des Wahlrechtes in ßctradrt gezogen worden sind. Sclbstvcrstündlich ist cs aber und cntspridit dem Wortlaut des Statutes, wie audi der einzig niüglidtcn Auffassung vom; Wahlrecht, daß das Wahlrecht nur auf Grund soldicr Sdiekcllcistungcn bestimmt •werden kann, die vor Beginn des Kongresses erfolgt sind. Nicht ohne Grund sind in die Statute# überall da, wo von der Ablieferung der Schekel im Zu- Rammenhang mit dem Wahlredit die Rede ist, hlnicr das Wort ״äbgeliefert“ die Worte ״und bezahlt" cingcfügt worden, Es ist eine bekannte Tatsache, daß die Bestimmun* gen, die die Wahl zum Kongreß (und der Jahreskonferenz) von der Zahl der Sdickclzahlcr abhängig madifen, bisher nie streng durchgeführt worden sind. Nicht nur, daß die Exekutive auf diese Weise des einzigen ihr zur Verfügung stellenden Druckmittels auf die Verbände verlustig ging, damit diese ihren finanziellen Verpflichtungen gegen die Organisation nachkatncn, war audi allinählidi der Umstand unerträglich( geworden, daß Verbände, die ihre Schckelzahlungspflidit gegenüber der Organisation erfüllten, bei der Festsetzung des Wahlrechtes viel schlechter gestellt waren, als solche Verbände, die sich erlaubten, die Sdiekcl für sich zu bchalten, oder die bei der Festsetzung des Wahlrchlcs mit imaginären Schckclzahlcn wirtschafteten. Das hat allmählich zu einer vollkommenen Korruption der Koiigrcßwahlen geführt, die auf die Dauer für die Organisation untragbar werden mußte. Es war ein Krebsschaden, der seit Jahren am Mark der Organisation nagte und den auszurotten bisher nidit gelungen war, nicht zum wenigsten deshalb, weil der Kongreß selbst die Prüfunng der Wahl vomalun und weil es sich gerade auf dem XII. Kongreß gezeigt hatte, daß dieses Recht von den Parteien zu Gegcnseitigkeitsgesctiäften mißbraudit wurde. Um diesen Unfug, der allmälilidi zu einer schweren ' Octalir für die Aufrcchtcrhaltung des Kongresses geworden war, endgültig zu beseitigen, hatte der XII. Zionistcnkongrcft in das Organisationsstatut den § 30 eingefügt, der den Kon• groß selbst von jeder Möglichkeit der Debatte und Beschluß* fassting über die Gültigkeit der Koiigrcßwahlen aussdibß und die Entscheidung darüber aussdiließlich dem Kongreßgcricht übertrug. Als das KongreDgericht dem XIH. Kongreß seinen Bericht über die Gültigkeit der Kongreßwahlen erstattete, war man zwar ln weiten Kreisen darüber erstaunt, daß 50 wenig Mandate von ihm beanstandet wurden. Es war bekannt, daß manche großen Verbände die Bestimmungen der Exekutive wegen des Schekclpreiscs gröblidi mißachtet hatten, und man hatte angenommen, daß dieses Unrecht, auf Grund dessen die betreffenden Verbände viel mehr Delegierte zum Kongreß entsandt hatten, als im Verhältnis diejenigen Verbände, die sich streng an die Bestimmung der Exekutive gehalten hatten, vom Kongrcfigcricht wieder gutgemacht werden würde. Man mochte daher bedauern, daß formale Gründe es dem Kongreßgcricht unmöglidi maditen, die klaren Bestimmungen de» Gesetzes gegen diese Verbände in Anwendung zu bringen. Um so peinlicher mußte aber auf alte Freunde einer klaren und gerechten Regelung des Koiigrcßwahlrechtes und einer anständigen Handhabung unserer organisatorischen Besvimmungen die leider erst in der letzten Nummer der K011grcOzeitung veröffentlichte Schckelaufstcllung 5683 wirken* Aus den an die Veröffentlichung angesdilosscnen Bemerkungen ergibt sich, daß das Kongreßgcridit unbegreiflicherweise die Bestimmung, wonach jeder Verband für die von ihm gewählten Delegierten eine genau festgesetzte Anzahl von Sdtckdn an die Exekutive abgeführt haben muß, für eine Reihe von Ländern und Verbänden außer Kraft gesetzt hat. Davon sdiciden einige bei dieser Betradihtng aus, weil die Zahl der von ihnen entsandten Delegierten kleiner ist, als ihnen auch! nach demjenigen Schekclbetrag zusteht, den sie tatsächlich an die Exekutive abgefülirt haben. Was 9011 man aber zu folgenden Fest stelltrugen sagen, die sich aus der Veröffent• lichtrttg ergeben: Der Misrachl Amerika entsandte einen Dcie• gierten mehr, als er nncli der Zahl der «!)gelieferten Sdiekcl das Recht hatte, ebenso der Landesverband Griechenland, sowie der Verband Sibirien. Die Hitachduth hat auf diese Weise sieben Delegierte mehr gehabt, als ihr zustanden, nämlich einen zuviel aus Amerika, einen aus Palästina und fünf aus Polen; die Poalc-Zion haben vier Delegierte auf diese Weise gewonnen, nämlich einen aus Amerika, einen aus Oesterreich und zwei aus Polen. Man versteht, daß diese Zahlen für die Zusammensetzung des Kongresses nicht ohne Bedcutung waren., Besonders interessant ist die Begründung, die für die Legalisierung dieser Unregelmäßigkeiten angegeben wird, lin Fall des Misrachi Amerika heißt es einfach: ״ner Rest ist noch ausstell end", ebenso heißt es bei Sibirien: ״Der Rest ist noch der Exekutive zu bezahlen“. Im Fall der Hitachduth Polen heißt es kurz und bündig: ״Der Rest von 2900000 poln. Mark wurde avisiert, ist aber noch nicht eiiigetroffcn". Im Fall Griechenland hat mau eine schriftliche Garantie der Delegierten für Griechenland bekommen, ״daß der Rest nicht später als zwei Monate nach dem. Kongreß bezahlt werden wird“. Die Form der Garantie war auch für die anderen Verbände offenbar die Bedingung, auf Orund deren das Kongreßgcridit ihnen die zu Unrecht von ihnen verlangten Mandate zugestand. So heißt es bei der Hitachdirth: ״Der Delegierte der Hitachduth Amerika gab eine scliriftlidic Verpflichtung, den Res* nach seiner Rückkehr nach den Vcr. Staaten zu bezahlen.“ Herr Twersky gab im Namen des Hapoel-Hazai'r Palästina eine schriftliche Vcr• pflichtung, ״daß der Rest (46 £1) innerhalb einer kurzen; Zcit(l) nach dem Kongreß bezahlt wird“, Inter&ssant sind