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Jüdische Rundschau · 1923-10-09 · Heft 87 (9.10.1923) · page 2

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXVIII (1923)
Issue
Heft 87 (9.10.1923)
Date
1923-10-09
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Audi wir Zionisten erachten die Lösung der Judenfrage für dringend, auch uns scheint die seelische und Wirtschaftliche Situation des jüdischen Volkes regeneratiunsbedürftig; auch wir wollen die soziale Schichtung: des jüdischen Volkes uingcstalten; auch wir wollen eine eigene kulturelle Produktivität der Juden im eigenen Kultunnate1i.il. Aber trotz dieser vielen ״Auch“ liegt in Wahrheit zwischen uns und den Antisemiten eine weit tiefere Kluft, als zwischen Antisemiten und überalcn Jude»» (Lklatauler Beweis: die Prager Wahlkoalition.) Unsere Motive, unsere Ziele und unsere Mctiiodcn sind wahrhaftig entgegengesetzt. Wir glauben: die Judenfrage kann nur durch verständnisvolle üercchtigkcit gelöst werden und nicht durch Hali und Roheit; durch Wahrheit und nicht durch Lügen; durch Einsicht und nicht durch oberflächliche Phrasen; durch Vermenschlichung und Vergeistigt״!״ des Nationalismus und nicht durch den Chauvinismus der bösen Instinkte, Vor allem — und das greift an die praktische. Seite der Frage —: eine sittliche Auseinandersetzung zwischen den Juden und den anderen Völkern kann nicht auf der Grundlage mechanischer Gedankenlosigkeit, sondern auf Grundlage des Verständnisses für die Bedürfnisse• cuid Fähigkeiten der einzelnen Völker geschehen. Das Leitmotiv einer jeden Auseinandersetzung muß der sittliehe Grundsatz sein: daß der letzte Zweck jeder nntionalcn Betätigung der Aufstieg der Menschheit ist, daß ein jedes Volk berufen ist, auf Grund seiner Fähigkeiten, auf geistigem, wirtschaftlichen und sozialem Gebiete der Menschheit zu dienen und daß man einem jeden Volk mit Verständnis für seine individuellen Fähigkeiten die Möglichkeiten zu dieser Betätigung geben muß. Gerechtigkeit ist keine mechanische Rechenoperation, sondern eine Angelegenheit des Geistes und der Menschenliebe, Es wäre vergeblich, den Antisemiten vom Schlage der Hakcnkrcuzler dies klarmachen zu wollen. Denn ihr Ziel ist Chauvinismus und ihr Motiv ist der Haß, Sie halten unsere Fälligkeiten für verderblich, unseren Willen für böse, unsere Weltanschauung für majerialistisch, weil Haß ihr Auge blendet und weil sic nicht die moralische Kraft haben, den Feind, den sie bekämpfen, mit verständnisvollem Bücke und mit jener Sympathie zu betrachten, die der Mensch dem Menschen schuldet. Eine Partei, welche eine notorische Fälschung, wie ״Die Weisen von Zion“ zu ihrer Bibel und welche offenbare Verleumdungen wie die Fabel von der jüdisehen Verschwörung zur Erlangung der Weltherrschaft zum Hauptmotiv ihrer Volks,,aufküirung“ macht, ist1'nicht fähig, die Judenfrage zu lösen. Sie ist nur fähig, den Jammer der heutigen Menschheit noch zu erhöhen, die Massen mit Haß und Dummheit zu vergiften und — Enunziationen von sich zu geben, wie jene, die der Anlaß zu dieser Betrachtung war. Sir Alfred Mond In Amerika Sir Alfred Mond ist in Begleitung von Mr. Morris Rothenberg, Chairman des amerikanischen Keren Hajessod- Direktoriums, in New York eingetroffen. Vor seiner Landung noch erklärte Sir Alfred Mond in einem Interview, daß die Haltung der britischen Regierung in der Frage des jüdischen Naiionaiheims sich nicht ändern werde. Dann betonte er die Bedeutung der amerikanischen Judenheit infolge ihrer großen Opfer und gab der Hoffnung Ausdnick, daß hervorragende Vertreter der amerikanischen Jndenhcit als Mitglieder in die Jcwish Agency für Palästina ein treten würden. Mond würdigte dann die Verdienste Weidmanns für die jüdische Sache. Für die erste Woche von Monds Aufenthalt in den Vereinigten Staaten hat das Keren Hajessod-Hauptbüro in New York ein gut ausgearbeitetes Programm aufgcstellt. Am 23. September hielten die führenden K. H.-Arbcitcr des ganzen Landes und die Mitglieder des Exekutiv-Komitecs der Zio- Tiistischcn Organisation unter Vorsitz von Louis Lipsky ein Meeting ab, an dem Sir Alfred Mond teilnahm. Am Nachmittag desselben Tages gaben Herr und Frau Samuel Untermyer Sir Alfred Mond in ihrem Haus einen Empfang, an dem prominente Persönlichkeiten des amerikanisch-jüdischen Lebens teihiahincn. Am 26. September fand in der New Yorker Town Hall eine große zionistische Keren H ajessod- Demonstration statt. Hauptredner war Sir Alfred Mond, der mit warmem Beifall empfangen wurde. Auf der Tribüne saß u. a, auch Mr. Oscar S. Strauß, der in seiner Ansprache versprach, dem Aufbauwerk Palästinas seine größtmögliche Unterstützung zuteil werden zu lassen.# — Auf dem Meeting wurde angeM'mdigt, daß Dr. Wjcizmann binnen kurzem nach den Vereinigten Staaten kommen werde, um seine Arbeit für den Keren Hajessod weiterzuführen. In seinem Appell, der auf alle jüdischen Kreis? starken Eindruck machte, gab Mond besonders seinem Interesse Ausdruck für die Bemühungen, die gegenwärtig seitens der amerikanischen Juden gemacht wenden, um eine Investment Bank for Palestine zu organisieren; er erklärte, mit Louis Marshall und Col. Herman Lehman, die dieses neue Unternehmen »ins Leben rufen, konferieren zu wollen. Hinsichtlich der jewlsh Agency erklärte Mond, daß er ein ge willigt habe, als Vertreter des Economic Board for Palestine Mitglied der Jewish Agency zu werden. Auch die 1CA werde wohl vertreten sein, und er hoffe, daß die amerikanische Judcnheit recht stark in dieser Körperschaft vertreten sein werde. Sir Alfred Mond appellierte zum Schluß ar. die amerikanisehen Judeai, noch größere Opfer für den Aufbau Palästinas zu bringen als bisher, damit wenigstens 25 000 Juden jährli.ch ins Land kommen und einen Platz im Wirtschaftsleben des ,Landes finden könnten Aus Aeußerungen Sir Herbert Samuels, mit dem er kürzlich Besprechungen gehabt hatte, hätte er entnommen, daß sich die Lage in Palästina beträchtlich gebessert hatte, (Ziko.) lipsty &er die nc* .:licken Herr Louis Lipsky, der Führer der amerikanischen Zionisten und neiyicwähltes Mitglied der Exekutive *ler Welt- Organisation, hat gelegentlich seiner Rückkehr nach Amerika dein Vertreter'des New Yorker zionistischen Organs ״Das jüdische V o lk“ Aeußenmgen über die durch den Kongreß geschaffene Situation in der Bewegung und die neuen Aufgaben der Leitung gemacht. Diese, wenn auch inoffiziell, so doch in gewissem Sinne programmatischen Ausführungen verdienen zweifellos die Beachtung der gesamten zionistischen Oeffentüchkcit in hohem Maße. Wir geben daher nachstehend die wichtigsten Teile dieses Interviews in deutscher Ueber- Setzung wieder und behalten uns vor, dazu noch sachlich Stellung zu nehmen: Ueber den Kongreß sagte Lipsky: ״Die zwei wichtigsten Beschlüsse de3 Kongresses sind der Beschluß betreffend die Jcwish Agency und die Wahl der neuen Exekutive. Der Gedanke der Erweiterung der Jcwish Agency ist unter allqn Delegierten mit ganz kleinen Ausnahmen sehr populär gewesen und hatte in allen Kreisen Verständnis gefunden. Prinzipiell ist sogar die Griinbaum-Griippe für den Vorschlag gewesen, doch hat diese Gruppe Bedingungen gestellt, welche die praktische Durchführung des Beschlusses unmöglich . gemacht hätten. Das Zentrum, d. h. die vereinigten zionistischen Landsmannschaften, haben sich sofort auf den Boden der Vorschläge Wcizinnnns gestellt und haben Wci/.maim vollständiges Vertrauen cntgcgcngchracht." Aut die Frage, welche Schritte die Exekutive zur Durchtülirung dieses Beschlusses zu unternehmen beabsichtige, antwortete Lipsky: ״Ich glaube, daß in der nächsten Zukunft schon diese Angelegenheit konkretere Formen annchmcn wird. Dr. Weizmann bat von bestimmten Persönlichkeiten hinsichtlich der Anteilnahme großer jüdischer Organisationen in Amerika Zusagen und es wird daher unser Bestreben sein, zunächst die Frage der Jcwish Agency zu bestimmten positiven Resultaten, vor allem in Amerika, zu bringen. Sobald die Sache hier gcordnet sein wird, werden wir die Frage mit einer Reihe von Vertretern des englischen Judentums behandeln.“ Auf die Frage, ob die von den Amerikanern gewünschte Einheitlichkeit der Exekutive in Karlsbad vollständig erreicht worden wäre, antwortete Lipsky: ״Ganz gewiß. Die gegenwärtige Exekutive ist auf der Grundlage und unter der Bedingung einer homogenen einheitlichen Körperschaft erwählt worden. Es wurde klar verstanden, daß die Personen, die ihr Amt angenommen haben, auch die Politik Dr, Wcizmamis akzeptiert haben, welche die Anerkennung und Zustimmung des Kongresses gefunden hat. Keine der gewählten Personen hat Irgendeine Erklärung oder irgendeine Einwendung gegen das auf diese Weise angenommene Prinzip gemacht. Unsere Arbeit und deren Rcsultäte sind solche gewesen, daß eine derartige Erklärung der betreffenden Person ihr den Eintritt in die Exekutive immöglich gemacht hätte. Wir brauchen jetzt eine Exekutive, welche Madit und Autorität besitzt und in diesem Sinne hat der Kongreß gute Arbeit geleistet,“ Bezüglich der RessortsvcrlciJung Innerhalb der Exekutive teilte Lipsky mit, daß neben der politischen Abteilung, welche von Wcizmann und Sokolow geführt werden wird, Joseph Cowen die Finanzen (Treasury) verwalten, Dr. Solowciczik Vertreter des Keren Flajcssod sein und er selbst (Lipsky) das Organisationsdcpartement übernehmen werde. Daneben werde Lipsky an den politischen Verhaiidlungcn Anteil nehmen, um vor den englischen Behörden die Meinung der amerikanischen Zionisten zu ver* treten, ״Die organisatorische Arbeit," erklärte Lipsky, ״ist eine unserer wichtigsten Aufgaben. Es ist falsch, diese Die britische Rcicltskonlerenz Rede des Kolonialininisicrs über Palästina Bei der in London tagenden Konferenz der Ministerpräsideuten der britischen Dominions hat — gemäß der englischen Presse-Mitteilungen — der Kolonialminlstcr Duke of Devonshire in seinem Expose folgende At1s₪mmgen über Palästina gemacht: ״Was Palästina betrifft, so hat sich die Lage in einer Beziehung bedeutend gebessert, seit Mr. Churchill im Juni 1021 gesprochen hat. Die Garnison wurde stark reduziert, und die Kosten entsprechend verringert. Die gegenwärtigen Lasten der britischen Staatskasse in bezug auf Palästina bclaufen sich auf 2021000 £ im Jahre 1922/23. Der Voranschlag für 1923/24 ist 1500 000 £, während wir auf uns genommen haben, im Jahre 1924/25 den Posten auf 1000000 £ zu reduzieren, lichcr 1924/25 hinaus haben wir noch keine klaren Vorschläge, aber wir hoffen, daß die allmähliche Einschränkuug der Ausgaben ständig fortschreiten wird, bis der Betrag auf ein wirklich sehr geringes Ausmaß eingeschränkt ist. Aber unser Erfolg in dieser Richtung muß abhängen von der ökonomischen Entwicklung des Landes, welche ihrerseits von der politischen Stabilität abhängt. Ich wünschte, ich könnte Ihnen berichten, daß ln der politischen Lage des Landes eine wesentliche Besserung während der letzten zwei Jahre vor sich gegangen wäre, ln einem gewissen Sinn wäre dies richtig: Seit den Unruhen in Jaffa im Frühjahr 1921, welche Mr, Churchill in seiner Rede erwähnte, ist keine ernstliche Störung des öffentlichen Friedens vorgekninmen. Wir haben jetzt eine sehr tüchtige Gendarmerie in Palästina, der inrm das Vertrauen schenken kann, daß sic mit jeder Schwierigen Lage, die entstehen könnte, fertig werden wird; , Sic erinnern sich, daß unsere Politik in Palästina gegründetest auf die Balfour-Deklaration vom Novellier 1917, durch die wir übernommen haben, die Errichtung einer nationalen Heimstätte für die Juden zu fördern, mit der Bedingung, daß die bürgerlichen und religiösen Rechte des Restes der Bevölkerung nicht beeinträchtigt werden. Wir haben unser bestes getan, um beide Teile dieser .Deklaration cinzulösen. Eine neue Erklärung über die Politik wurde im Juni 1922 veröffentlicht, welche in wichtigen Ptmk'en den' arabischen Anschauungen «ntgegenkam. Die neue Politik enthielt die Schaffung eines Gese!/gebenden Rates auf teilweite gewählter!Grundlage. Die Wahlen für diesen Rat waren für dr: ersten Teil dieses Jahres festgesetzt, Infolge arabischer Wahlen!• haUitng kam eine ungenügende Anzahl von Walt!man nein Aufgaben der Exekutive Aufgabe nur in der beschränkten Form der K0rresp.-,n<jCtu mit den Landesverbänden über Schckclvcrknuf u. ä. zu sehen Es ist notwendig, der Organisation in einem gewissen Sinn ein Zentrum zu geben. Das Fehlen einer derartigen über, wachenden und zusammenfassenden Instanz ist nach meiner Meinung die 1 laoptursnehe, waaiin die Londoner Zentrale die ganze Zeit über in keine richtige Ordnung gebracht werden konnte. Es ist lächerlich, vom Präsidenten, welcher sicj, der politischen Arbeit widmen muß, zu verlangen, daß <>r sich auch mit der organisatprisch-tcehnisehen Führung dsr Bewegung befassen solle. Das rntiß geändert werden. Um das durchzuführcn, bram-hi mau keine großen Buß. gets, wir dürfen auch ein großes Budget nicht zu las sc 11. Anstatt 36 000 £ jährlich, welche der vorige Kongreß für das Londoner Büro bestimmt hat, hat dieser Kongreß nur 20 000 £ bewilligt. Dementsprechend werden wir unser« Aflieitcn cinricliten müssen, Das ganze System der Organisntionsarbeit muß geändert und reformiert werden. Es Ist ein für allemal klar geworden, daß die bishörigen Organisationsmethoden sieh bei uns als untauglich und resultatlos und in einem gewissen Sinne auch als sehr schädlich erwiesen haben. Unsere Arbeit muß mit neuen Methoden geführt werden und ich glaube, daß in dieser H insidit die amerikanischen Methoden sich als viel praktischer und erfolgreicher erwiesen haben. Die Haupt, aufgabe des Organisationsrcssorts muß darin bestehen, nicht allein einen technischen Verkehr zwischen dem Londoner Hauptbüro und den Landesverbänden herzustellen; es muß auch ein geistiger Kontakt und eine ideelle Einheitlichkcit zwischen dem Zentrum und den einzelnen Teilen der Bewegung hcrgcstcllt werden. Das kann nicht durch Schckolim und durch Zirkulare allein erreicht werden, sondern nur durch Erziehung unserer Landesverbände zu selbständiger organisatorischer Initiative und zu einem gemeinsamen Verantwortlichkeit« ge fühl. Durch langjährige Vormundschaft hat man bei unseren Landesverbänden jedes Gefühl von Selbständigkeit ertötet und sie zu hilflosen Körperschaften gemacht. Ein Organisationsressort hat nur dann Wert, wenn es die einzelnen Teile in der ganzen Welt mit neuen Id e en, mit neuem Untcrnchmun gsgeist erfüllt, welche durch die Formen unserer nationalen Ideale und Atifbaubcstrcbiingcn für Ercz- Israel verkörpert werden, für welche unsere Wcllexekutivc der entsprechende Ausdruck ist. Nur durch Hinzuziehen unserer Landesverbände zu aktivem verantwortiicliern Anteil an unserer nationalen und politischen Arbeit, derart, daß sie genau informiert sein sollen, wie und in welcher Richtung sie ihre verschiedenen Arbeiten zu führen haben, werden wir große Möglichkeiten zur Verbreitung des Zionismus und zu einer Vergrößerung der Schekelzahler in großem Maße schaffen.“ Ueber die Verstärkung des amerikanischen Einflusses in der Bewegung sagte Lipsky: ״Es muß in kurzen Worten klar gesagt werden, daß die amerikani• sehen Zionisten jetzt die Aufgabe erhalten haben, den Platz der russischen Zionisten einzunehmen. Es ist zwecklos, sich die Tatsache zu verheimlichen, daß die Zionisten in Ost- und Mitteleuropa psychisch und ökonomisch für Jahre hinaus nicht in der Lage sind, im Zionismus den Platz cinrunehmen, den sic ihren Verdiensten und nationalen Energien entsprechend einnehmen sollten. Die amerikanischen Juden müssen, ob sic wollen oder nicht, unserer nationalen Erncuerungsbcwcgung mit Menschen, Geld und Ideen zu Hilfe kommen. Wir hoffen, daß das amerikanische Judentum die große Aufgabe, die die Geschichte ihm auferlegt hat, ver• stehen und daß es sich würdig erwimen wird, seine Aufgabe in diesem kritischen Augenblick unseres nationalen Leben* fu erfüllen.“ heraus, so daß das Projekt der Einsetzung eines Gesetzgebenden Rates suspendiert werden mußte. Aber die politische Unruhe ist keineswegs ein Ding der Vergangenheit. Eine Lösung der jüdisch-arabischen Kontro• verse muß noch gefunden werden. Wir allerdings werden fort• fahren, unsere Verpflichtungen zu erfüllen. In diesem Punkt können keinerlei Zweifel bestellen. Aber die gegenwärtige Unruhe verursacht zweifellos Unannehmlichkeit und wir würden gern sehen, daß sie ohne Aufschub zu einem Ende gebracht wird. Die Sache behält unsere aktive Aufmerksamkeit. Vielleicht sollte ich noch ein Wort über Transjondanieit hinzufügen. Auf dieses Gebiet, obwohl es auch unter unserm Mandat Palästina fällt, findet die zionistische Politik keine Anwendung. Im ganzen großen hat sich das Experiment gut bewährt, obwohl die Lage noch nicht durchaus frei von Besorgnissen ist.“ Das Palästinam'andal Das Bulletin der zionistischen Zentrale in London teilt mit: Der Völkerbundrat hat auf einer geschlossenen Sitzung, die Sonnabend, den 29. September, stattfand, zur Kenntnis genommen, daß zwischen der italienischen und französischen Regierung ein Uebere inkommen erzielt worden ist über gewisse, das französische Mandat für Syriers betreffende Punkte. Als Folge dieses italienisch-französischen Uebercinkommens tritt das syrische Mandat wie auch das britische Mandat für Palästina, das bisher nur faktisch, aber noch nicht de jure galt, sofort in volle Kraft. Bekanntlich war bei der Ratifizierung des briti• sehen Mandats über Palästina durch den Völkerbundsrat int Juli 1922 beschlossen worden, daß dieses Mandat zwar vorläufig von England ausgeübt werden, aber de jure erst zugleich mit dem syrischen Mandat in Kraft treten solle, sobald die Regierungen von Frankreich und Italien betreffs einiger unwesentlicher Punkte he* ziiglich des Mandates über Syrien zu einem Ucberem* kommen ge'angi sein würden. Die Tatsache, daß das Palästinamandat wohl de facto, aber n •;!< nicht pD1>0 jure in Kraft getreten war, ist 'von der antiztouistischea Agitation bekanntlich mehrfach ausgeautzt wordea,

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