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Jüdische Rundschau · 1923-10-09 · Heft 87 (9.10.1923) · page 1

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXVIII (1923)
Issue
Heft 87 (9.10.1923)
Date
1923-10-09
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Nr hdir.Atm tjjt ח t 50%Au{idtlaß. NrAmUndsiöüerit«!!00%V1»iutMi1«ch!»$ An2f jjJenscJiJuÜ; I) i« n * i *!< 1» מ d K r e i t * g n c b ml tt | 4 Uh r. Telephon: Pfalz!)urß 669711.6698. Postscheckkonto: Berlin Nr. 17392, Für Oesterreich: Fostrparknssenomt Wien, Konto Nr. 156030. Für Tschechoslowakei: Poslsparkossenamt Prag, Konto Nr.59410. — Kcdnktiormchluß Sonntag und Mittwoch nachmittag. — '’S’i.eianwtwar כ״ה תשרי* חרס״ד Schaffung einer OHonttlcIi reciiSJleh ' casIcCiarWiii HalmstSIta In Palästina. XXVIII. Jalirg. ״Baseler Programm.‘• ׳,•rj i-id• JA Per Verlauf der Sitzung Sonntag, am 7. Oktober, fand in Berlin eine Sitzung 0rs Zentralkomitees der Z, V. f, D. statt, die sehr stark jus allen Teilen Deutschlands besucht war. Den Vorf:״ führte Herr Dr. Alfred Lands borg. Vor Ein- ״ng in die Tagesordnung hielt Herr Rosenblüth dem (erstorbenen Mitglied des Zentralkomitees, R.-A. Dobrjvnski (Bcuthen), einen warmen Nachruf, der von der Versammlung stehend angchört wurde. Das erste Referat ibcr die Ergebnisse des Kongresses hielt Herr Felix Rosen b lüt h, der eine Reihe von Thesen begründde. A!1 das Referat schloß sich eine Debatte, an deren tbschhiß eine Redaktionskommission, bestellend aus den Herren Dr, Sally Hirsch, Nahmn Goldmann, Feuerring, Pt Barth und Rud. Samuel gewählt wurde, um die Beschlüsse vorzubereiten. Hierauf hielt Herr Feuerring das Referat über die Zusammenfassung der Allgemeinen Zionisten zu (inein interterritorialen Verband, Der Redner bcan-!ragte, das Zentralkomitee möge den auf deni XIII. Konpell angebahnten Zusammenschluß der Allgemeinen Zionisten begrüßen und von der Konstituierung der ״Informationsstelle“ mit Befriedigung Kenntnis nehmen, in der Debatte, an der u, a. die Herren Goldmann, Dr. i A. Barth, Schocken, Landauer, Blumenfcld tcilnahmen und ■ i,1 der auch die Haltung der deutschen Landsmannschaft; auf dem Kongreß erörtert wurde, wurden verschiedene , Bedenken gegen die Annahme eines derartigen Bc- Schlusses geltend gemacht. Die Vormittagssitzung wurde i «m 1Uhr geschlossen. < Zu Beginn der Naduiiittagssitzung, die um 4*/a Uhr• eröffnet wurde, erstattete zunächst Herr Roscnblüth das Referat über die Keren Hajcssod-Aktion. Iru Anschluß daran wurden die endstehend veröffentlichten Beschlüsse angenommen. Sodann referierte Dr. Sally Hirsch für die Reso- Wonskonimission. Die Kommisssion schlug gewisse Aendcrungcn der Anträge Rosenblüth vor; die gcänderten Anträge wurden sodann einstimmig angenommen. Der Antrag Feuerung wurde als zur Bc- Schlußfassung noch nicht reif zurückgezogen. \ Als nächster Punkt# der Tagesordnung folgte das < Referat von Dt. Landsberg über ״Die Neubelebung | der zionistischen Propaganda“. Ueber dieses Referat ־ und die sich anschließende Aussprache, in der u. a.; die Herren Glaser, Arnold Zweig, Nahum Qoldmann sprachen, werden wir noch berichten. 1 Nachdem Herr Dr. Sandler über Maßnahmen• im Kampfe gegen den Antisemitismus berichtet . hatte, wurden E rg I n zu n g sw a h ie n in den Landes- Vorstand vorgenommen. Gewählt wurden die Herren Dr. B i I e s k i, Dr. Nahum Goldmann und Dr. Martin Roscnblüth. An Stelle des verstorbenen R.-A. Dobrzynski wurde ausnahmsweise als Vertreter Ober- Schlesiens Herr R.-A. Weißmann (Bcuthen) ins Zentralkomitee kooptiert. Nach einer Abschiedsrede von Dr. Sally Hirsch für den seinen Urlaub antretenden Vorsitzenden Herrn! Rosenblüth wurde die Sitzung um 8 Uhr abends ge- | schlossen. j Die Beschlüsse i. Zur Lage der Bewegung i t. Exekutive. Las Zentralkomitee der Z.V. f. D. spricht die Erwartung Gas, daß die Exekutive energische ־ Anstrengungen machen i drd, die Geschlossenheit und Schlagkraft der Ziomsti-! Khen Organisation zu stärken. Das Zentralkomitee j hofft, daß die Exekutive ihre Kräfte harmonisch vereinigen! s״d aufs äußerste anspannen wird, uin die Beschlüsse des j Kongresses durch Zufuhren. Das Zentralkomitee erwartet, daß :1 1,'e zionistischen Gruppen sie in dieser Arbeit einmütig und i üchdrücklich unterstützen und alles unterlassen werden, was 1י« geschlossene Auftreten der Zionistischen Organisation •' gefährden könnte.! 2. Stärkung der Londoner Zentrale. 1 Das Zentralkomitee der Z. V, f. D. bedauert den auf dem : *Rl. Kongreß erneut zutage getretenen Mangel eines festen *! *r!d engen Zusammenhanges zwischen Exekutive und Or-! ׳ Dnisation als eine der Ursachen für die unbefriedigende; Ne der Bewegung. Damit die Leitung daa Geistes* und *iilenszentrum der Organisation darstcilcn kann, muß die Organisation die Exekutive in die Lage versetzen, Mitarbeiter Nizuzichen, die sich ausschließlich nur inneren Aufgaben 1: *Minen können. Für notwendig hält das Zentralkomitee eine Ifaitrude leitende Orientierung der öffentlichen, zionistischen I Meinung, insbesondere auch durch Stellungnahme der Exc- 1 ‘"hve in den führenden zionisüschai Presseorganen, sowie 5 *0möglich durch Schaffung eines gemischtsprachigen Zentral- ״ ^gans. Das Zentralkomitee erwartet, daß sich das Actions• : Nh: in seiner nächsten Sitzung mit• diesen grundlegenden i ft«jen befassen wlnl. v T4 ■»9 3, Ncubclebung der Propaganda. Das Zentralkomitee der Z.V. f. D. ist der Ansicht, daß die Propagierung der zionistischen Idee als einer umfassenden Antwort auf die Probleme der Jüdcnfragc neu belebt werden mul) und durch die notwendige und wertvolle, aber ideologisch und programmatisch bcRm1z‘c reine Keren Hajessod-Agitatton nicht ersetzt werden kann, Das Zcntraikomitcc hält die Wiederbelebung der zionistischen Propaganda und die Wiederaufnahme der geistigen Ausein.uidersctzimg mit der nichtzionistischen Judenhcit für eine Aufgabe der Landesverbände und Föderationen, die durch di» Exekutive angeregt, gefördert und überwacht weiden muß. Das Zentralkomitee ist der Ansicht, daß die Exekutive auch der Entwicklung der ziouLstischen Ideologie ihre Aufmerksamkeit zu wenden muß, 4. Politik. Das Zentralkomitee der TL V. f, D. ist in Ucberclnstlm• mung mit einem wichtigen Beschlüsse des XIII. Kongresses der Ansicht, daß im Interesse der Festigung der politische« Stellung der Zionistischen Organisation in Zukunft vor allem aut die ununterbrochene Aufklärung der öffentlichen Mci• ming aller Völker über die politischen und menschlichen Ziele der zionistischen Bewegung hingewirkt und eie Auf• klärungsarbeit im Nahen Orient und unter dem arabischen Volke systematisch betrieben und ausgebaut werden muß, Das Zentralkomitee fordert, daß organisatorische Einrichtungen geschaffen werden, die einen Ausbau der Arbeit in diesem Sinne ermöglichen. 5. Finanzen der Exekutive. Das Zentralkomitee der Zi. V. f. D. stellt fest, daß die Exekutive in der Entfaltung ihrer Kräfte gehemmt ist, solange ihr die Organisation nur ungenügende finanzielle Mittd zur Verfügung stellt. Die Erschließung neuer Einnahmequellen der Exekutive ist dringend erforderlich. Die Zionisten in Deutschland weiden den an sie gestellten Anforderungen der Exekutive Folge leisten. Das Zentralkomitee fordert die deutschen Zionisten auf, durch gewissenhafte Entrichtung des goldenen Schekels zur Finanzierung der Arbeiten der Exekutive beizutragen. 6. OrganIsätorfsrhc Reformen. Das Zentralkomitee stellt mit Bedauern fest, daß wichtige organisatorische Reformen, insbesondere die Ausgestaltung des, Actions-Comites zu einem'ständigen Koiigrenausschun mit weitgehenden Kompetenzen unter gleichzeitiger Abschaffung der Jahreskonferenz und unter Beschränkung, des sachlichen Aufgnbcnbercicltcs des Kongresses, durch den XIII. Kongreß nicht durchgcfiihrt worden sind,!11 der Erkenntnis, daß der Kongreß bei weiterer Anwendung der bisher üblichen Vcrhandluiigsmethodcn aus äußeren Gründen seiner Aufgabe nicht genügen kann, fordert das Zentralkomitee die Durchführung der im Rahmen des bestehenden Statuts möglichen orgajiisatorischcn Reformen. Das Zentralkomitee beauftragt dem Landesvorstand, Beschlüsse der Exekutive, des Actions-Comites und der nächsten Jahreskonferenz über die notwendigen «rganisatorischen Reformen herbeizuführen. 7. Finanzpolitische Fragen. Das Zentralkomitee fordert die Exekutive auf, dem Ilerieht des finanzpolitischen Ausschusses des XIII. Kongresses besondere Aufmerksamkeit zuzuwenden und erwartet, daß die Exekutive auf der nächsten Sitzung des Actions-Coniitcs über die Maßnahmen der Verwertung dieser Vorschläge Bericht erstatten wird. , , II. Keren iafessoü! 1. Das Zentralkomitee weist die deutschen Zionisten darauf hin, daß nach den auf dem XIII. Kongreß getroffenen Fest- Stellungen eine Verdreifachung der Keren Hajessod-Eingängc erforderlich ist, um das kolonisatorische Mindcstprogramm auszuführcn. Das Zentralkomitee fordert alle Mitarbeiter des Keren Hajcssod auf, sich In ihrem Arbeitsbereich dieses Ziel vor Augeii zu halten. 2. Das Zentralkomitee fordert den Finanzausschuß auf, die Maasscrordnung auf Grund der gewonnenen Erfahrungen einer Nachprüfung zu mitcrziclicn. 3. Das Zentralkomitee beauftragt die oberste Vertrauenskommission, bis zum Abschluß dieses Kalenderjahres definitiv festzustellen, ob sämtliche Mitglieder der Zcntralinstanzen der Z. V. f. D. (Landesvorstand, Zentralkomitee, Keren Hajesvod- Kommission, Nationalfondskoiimiissioij, Finanzausschuß usw.) ihrer M,lasserpflicht genügt haben. Jödei* Äbcanent der ״Jüdischen Rundschau“, der ein Interesse daran hat das Blatt auch im November weiter zugeschickt zu bekommen, muß sofort die ihm zugegangene Nachnahme e i n 1 ö s e n , damit die rechtzeitige Anmeldung bei der Post erfolgen kann. Der geforderte Preis von 1 Goldmnrk steht ohnehin in keinem Verhältnis zu den rapide wachsenden HerstelhmgßkoEten. ׳ Die Einlösung der Nachnahme muß sofort erfolgen, um die ohnehin schwer um ihre Existenz ringende ״Jüdische Rundschau“ vor starker׳ Geldentwertung zu schützen. V®riag »»,fSdiacli® Rtiiiils&a»** Berlin W15, Saduiaehs Straße 8, Im Zeichen des Hakenkreuzes i’ r a g c r Brief Der nachfolgende Beitrag unseres Prager 1 ־.- , a.- beiters verdient nicht nur wegen der unglaublichen vorßängc, die er schildert, das Interesse der deutschen Jütten, sondern vor ,־!Ilern, weil das Oespcnst des Hakenkrcu/lcrtums das jetzt auch in der Tschechoslowakei miigcbl, rcichsdi'msdicn Uispruiigs ist, und wei, da sc be, was der Verfasser des Aufsatzes darüber sagt, mit kleinen Acmlcrungen auch für unsere Verhältnis*!. It. In der Tschechoslowakei allerdings ist cs noch ol.uit• kundiger als hier, in welchem Maß dieses Ruwdvt an das Ansehen 1r׳ul die Interessen des deutschen Volke* schädigt. Red.. Bei deti letzten ücmeindcwahlcn in der tsrhcckoslowakischen Republik haben die radikalen Flügclpartc; :n große Siege errungen. Zu den Siegern gehört auch die deutsche natiou.dsoziaüstisehc Partei, die in Nordböluncn, also in den unmittelbar an Deutschland angrenzenden Bezirken, in der letzten Zeit an Macht und Ausdehnung zugenomnien hat. Das ScHlagwort, das ihnen zum Siege verhalt, war das stets zugkräftige Schlagwort: ״Schlagt den Juden“, diese traurige Frucht aus Gedankenlosigkeit und bösem Instinkt. Es brachte den Nationalsozialisten einen beträchtlichen Stimmen* Zuwachs und eine ansehnliche Zahl von Mandaten in beinahe allen Gemeinden. Daß dieser Stimmenzuwachs auch den Mut und die Unternehmungslust dieser Partei stärken dürfte, war zu erwarten. Daß diese Wirkung mit solcher Fixigkeit eintrat, ist eine respektable Leistung. Die Wahlkoalition mit den Prager deutschen Juden (worüber wir in der ״Rundschau“ am 28. v. M. geschrieben haben — Amu. d. Red. d. ״J. R.“) batte ihre Schuldigkeit kaum getan, sie war sozusagen noch wann, und schon wurde jene Enunziation einer antisemitischen Studentengruppe (die sich in edler Bescheidenheit: ״Die Prager deutsche Studentenschaft“ nennt,) publiziert, die ganz aus dem Geiste, resp, dem Ungeiste der Hakenkreuzler geboren ist. Die Eingabe an den akademischen Senat, die in Fonn und Inhalt ungemein charakteristisch ist, lautet: ״Die Deutsche Studentenschaft der Prager Deu'srhen Hochschulen hat mit größter Entrüstung fcstgcstcilt, daß zwei Lehrer der Deutschen Universität, Universi'ätspro.'e s or , Dr. Oskar Fischer und Privatdozent Dr. Hugo liecht, an• läßlich der Gemeinde-Wahlen als Wahlkandi latcn Marx s'ischrr Parteien mit der tschechischen Vrbensky-Qnippc gemein• same Sache gemacht haben imd dadurch dem hartgedrängten Prager Deutschtum in den Rücken gefallen sind. Die Deutsche Studentenschaft der Prager Deutschen Hochsdiutcn bringt dem hohen Akademischen Senate zur * Kenntnis, daß sic die Hochschulen -des sudctcndcu(sd1:n Volkes nicht bezieht, um hier von Lehrern solchen Schlages erzogen zu werden. Es kann einem deutschen Studenten nicht zugemutet werden, sich einem Lehrer zu Füßen zu setzen, gegen den er von tiefstem Abscheu erfüllt ist. Die Deutsche Studentenschaft der Prager Deutschen Hochschulen richtet an einen liehen Akademischen Senat die Anfrage, ob er willens ist, diesen beiden undcutschcn Lehrern aas Gastrecht zu entziehen, dos sie bisher an der Deutschen Univcrsilät genossen haben oder aber, ob, ein hoher Akademischer Senat es verzieht, -der Deutschen Studentenschaft die Entfernung dieser beiden Herren zu überlassen. Auf die Pressemeldungen hinweisend, laut welchen an die Prager Deutsche Universität ein jüdischer Professor berufen werden soll, erklärt die Deutsche Studentenschaft , der Prager Deutschen Hochschulen, daß sic diesen neuen, Schritt zur vollständigen Vcrjudung der studcntendcutscltcn Universität nicht ruhig lünnchmcn wird, und Liberiaßt einem hohen Akademischen Senat alle Verantwortung für die Unruhen, die au der Deutschen Universität durch die Berufung eines jüdischen Professors heraufbesrivworen werden. Die Deutsche Studentenschaft der Piager Deutschen Hochschulen erklärt, daß sie mit allen zu Gebote stellenden Mitteln sich der Entdcutschung der sudetendeutsclicn Uuivtrsität widerset/en wird.“ Dieses Schreiben hat immerhin einen sympathisehen Zug; es ist so frisch-fröhlich naiv, daß es dümmer gar nicht sein könnte. Es ist wahrhaftig nicht politisch. Es erschwert den mit der ganzen Bewegung sympathisicrendcri Professoren ihre Sympathie ungemein, — denn cs wird für sie schwer sein, diesen Ton zwischen Hörern und Professoren, der im Hinblick auf die Traditionen an deutschen Universitäten immerhin neu ist, gutzuheißen. — und es gibt der tschechoslowakischen Regierung die schönste Berechtigung, eine so mißbrauchte Univcrsitätsautonoinic cinziischränken. Der Senat hatte bisher keine Gelegenheit, auf diese freundliche Zuschrift zu antworten. Die tschechischen Zeitungen haben schon geantwortet, und zwar recht deutlich. Auf den Inhalt des Briefes und auf die Gesinnung, aus der er kommt, braucht hier nicht näher eingegangen zu werden. Es ist jene Gesinnung, die aus den deutsehen Hakcnkrcuzlernrganen Deutschlands und der Tschechoslowakei genügend bekannt Ist. Es ist jene Geuralrhf 5.m ujnmiYSton orppiirnct Ist. dlC luden-

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